{"id":14852,"date":"2020-07-10T07:29:24","date_gmt":"2020-07-10T05:29:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=14852"},"modified":"2020-08-13T08:21:34","modified_gmt":"2020-08-13T06:21:34","slug":"die-juni-nachlese-von-spacex","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2020\/07\/10\/die-juni-nachlese-von-spacex\/","title":{"rendered":"Die Juni Nachlese von SpaceX"},"content":{"rendered":"<p>\u2026 f&auml;llt relativ kurz aus. Es gibt ja nichts neues. Coronabedingt bleiben bei allen Launch Serviceprovidern die Auftr&auml;ge aus und die USA hat es ja besonders schwer erwischt. Arianespace wollte ja schon eine Vega starten, musste aber wegen unvorteilhafter H&ouml;henwinde mehrmals verschieben und nun steht der erste Ariane 5 Start nach Monaten an. Bei SpaceX wo die kommerziellen Auftr&auml;ge schon vorher abgenommen haben waren von den zehn Starts dieses Jahr denn auch drei f&uuml;r die Regierung und sieben f&uuml;r Starlink. Einer fand im Juli statt, ein weiterer sollte diese Tage folgen. Auch nichts Neues gab es vom geplanten Gef&auml;hrt Supr Heavy \/ Starship \u2013 weder Positives noch negatives. Aber in zwei Monaten startet das ja zu seinem Orbitaleinsatz \u2013 hat Musk doch vor 10 Monaten gesagt \u2026<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/c383e7af50794527ae36742bdb227c42\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><!--more--><\/p>\n<p>Daher ist Starlink f&uuml;r mich das heutige Thema. Es geht um das Gesch&auml;ftsmodell. OneWeb hat ja Gl&uuml;ck gehabt. Die britische Regierung hat einen Teil der Firma f&uuml;r 500 Millionen Dollar <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article210996949\/Grossbritannien-kauft-den-Internet-Satellitenbetreiber-OneWeb.html\">gekauft<\/a> und weitere 500 Millionen kamen von einem indischen Investor die nun beide jeweils 45 % an OneWeb halten. Damit glauben zumindest diese beiden an einen Erfolg.<\/p>\n<p>F&uuml;r Au&szlig;enstehende, wie mich, ist das Konzept schwer einzusch&auml;tzen, aber auch f&uuml;r die Firmen selbst, wie Iridium zeigt, das ich mal, als Beispiel nenne. Denn beide Netze wenden sich an Endkunden. Das ist ein Unterschied zu anderen Projekten oder den Betreibern gr&ouml;&szlig;erer Kommunikationssatelliten, die zwar auch Endkundenterminals bieten aber im Normalfall ganze Kan&auml;le f&uuml;r einen Mietpreis im Bereich von 1 Million Dollar im Jahr an Kunden verkaufen. Entweder instittuelle Kunden wie Regierungsorganisationen oder kaufkr&auml;ftige Firmen. Da kann man vor der Erweiterung des Netzes die Nachfrage kl&auml;ren.<\/p>\n<p>Iridium (und Globalstar) waren um die Jahrtausendwende die Vorg&auml;nger f&uuml;r OneWeb und Starlink. Vieles teilen sie mit den beiden Nachfolgern. So waren die Satelliten durch Serienfertigung recht g&uuml;nstig. Es wurden immer mehrere gestartet und es war ein erdnahes Netz, bei dem man keine dauerhafte Verbindung zu einem Satelliten hat. Damit funktioniert das Netz nur wenn man eine Mindestzahl von Satelliten im Einsatz hat. Vor allem aber wanden sich beide Systeme an Endnutzer und das ist ein gro&szlig;es Risiko. Die springen erst auf, wenn das Netz steht, vorher ist der Nutzen kaum gegeben. Dann habe ich aber schon gro&szlig;e Summen in das Netz investiert und erst dann sehe ich die Akzeptanz. Iridium war konzipiert als weltweites Mobilfunknetz. Es scheiterte an mehreren Punkten wie zu klobige Endger&auml;te, dem Preis pro Gespr&auml;chsminute, dem raschen Ausbau des Mobilfunks, sodass die Flecken auf der Erde, bei der man keine Verbindung zu einem Mobilfunkmast hatte, immer kleiner wurden. Doch Mobilfunk gab es schon vorher und das diese w&auml;chst war auch nicht neu. Ein Hauptgrund meiner Ansicht nach f&uuml;r das Scheitern von Iridium war, das man die Zahl der Kunden die &uuml;berall erreichbar sein wollen, auch dort, wo es kein terrestrisches Netz gibt, zu hoch eingesch&auml;tzt hat. Es gibt sicherlich Millionen von Kunden, die viel unterwegs sind, aber nur ein kleiner Teil ist eben auch dort unterwegs, wo auch in Entwicklungsl&auml;ndern kein Netz gibt, jenseits der Ballungsgebiete und Touristikregionen und selbst wenn man die Dritte Welt reist, wird man in den gr&ouml;&szlig;eren St&auml;dten eben ein Netz vorfinden.<\/p>\n<p>Globalstar hatte diese Probleme nicht. Wahrscheinlich, weil die Satellitenzahl kleiner und Investitionskosten kleiner waren. Aber es gab auch einen Unterschied zu Iridium: Globalstar hatte Gateways in ihrem Konzept. 24 davon gibt es auf der Welt. Satelliten kommunizieren mit den Gateways (einer Bodenstation mit Anschluss an das irdische Netz) und diese leiten &uuml;ber diese Telefongespr&auml;che oder Internetdaten in das normale Netz weiter. So sind maximal zwei Satelliten f&uuml;r eine Verbindung aktiv, wenn sowohl Sender wie Empf&auml;nger in der Pampa sind. Allerdings funktionierte in einer Region ohne Gateway auch so das Netz nicht, erst 2009 kamen die letzten Gateways in Afrika ans Netz. Dieses Konzept vereinfachte vor allem den Datenverkehr und durch die hohe Umlaufbahn von Globalstar von &uuml;ber 1400 km H&ouml;he gab es nur wenige Regionen, in denen es nicht irgendwo eine Insel gab, auf der ein Gateway eingerichtet werden konnte.<\/p>\n<p>OneWeb und Starlink wollen nun Internet &uuml;ber Satelliten anbieten. Die Herausforderung: wir alle haben uns an immer h&ouml;here Datenraten gew&ouml;hnt, immer mehr Dienste und immer neue Netze. Als DSL im Jahr 2000 bei uns erstmals angeboten wurde, hatte es 768 kbit\/s Datenrate. Heute sind mindestens 16 Mbit Standard, man kann aber auch bis zu 250 Mbit buchen. Im Mobilfunk folgten auf das C-Netz das D und E Netz, LTE und nun 5G (wenn es noch mehr Zwischenschritte gab, man m&ouml;ge es mir verzeihen, aber ich habe ein Handy nur um TANs abzusetzen).<\/p>\n<p>Was sind die Herausforderungen? Nun potenzielle Kunden sind alle, die mit ihrer Internetverbindung unzufrieden sind und denen die h&ouml;here Datenrate von Starlink zu dem geforderten Preis ausreicht. Die Zahl d&uuml;rfte aber mit einer immer weiter verbesserten Infrastruktur kleiner werden. Daneben steigt die Datenrate auf irdischen Netzen immer weiter an, im wesentlichen nicht durch neue Kabel, sondern Modernisierung der &Uuml;bertragungstechnik. Heute bekomme ich z.B. bei meinem Anbieter 100 Mbit\/s f&uuml;r den Preis, den ich vor 10 Jahren f&uuml;r 10 Mbit\/s zahlte. Die F&auml;higkeiten der Starlinksatelliten sind dagegen konstant. Und Satelliten sind lange aktiv, ich rechne auch bei Starlink mit mindestens 10 Jahren. Gr&ouml;&szlig;ere Kommunikationssatelliten haben \u201egarantierte\u201c Betriebszeiten von 12 bis 15 Jahren und arbeiten oft noch erheblich l&auml;nger. Wahrscheinlich planen auch deswegen beide Firmen viel gr&ouml;&szlig;ere Konstellationen, weil sie das Netz und seine Kapazit&auml;t so nur durch mehr Satelliten erweitern k&ouml;nnen, sprich es teilen sich weniger Nutzer eine konstante Bandbreite. Das kostet aber, und zwar immer mehr als der Ausbau des terrestrischen Netzes. Wir haben also einen kleiner werdenden potenziellen Kundenkreis und die Konkurrenz wird schlagkr&auml;ftiger. Der Netzausbau ist f&uuml;r viele L&auml;nder ja inzwischen sogar zu einem wesentlichen Faktor der Infrastruktur und damit des wirtschaftlichen Erfolgs geworden. Er wird daher zumindest in den Industrienationen weiter voranschreiten.<\/p>\n<p>In den Industrienationen sehe ich auch prim&auml;r die Kunden. Dazu k&ouml;nnte die Luftfahrt und Schifffahrt kommen, die heute schon Satelliten einsetzen. <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/O3b_(satellite)\">O3B<\/a> hat ja schon ein Netzwerk aus Satelliten in mittlerer H&ouml;he [~ 8.000 km). Wie bei den Netzen im LEO gibt es nicht dauernden Kontakt, aber die Satelliten bewegen sich langsam &uuml;ber das Firmament. Das vereinfacht die Nachf&uuml;hrung einer Antenne. O3B hat sich auf die &auml;quatornahe Region bis etwa zum 40 Breitengrad spezialisiert und bietet zwar auch Terminals f&uuml;r einzelne Kunden in \u201estrukturschwachen Gebieten\u201c an, hat sich aber vor allem auf die Schifffahrt und den Luftverkehr ausgerichtet. Die profitieren von einer auf \u00bc (gegen&uuml;ber GEO-Satelliten) reduzierter Latenz.<\/p>\n<p>In den Entwicklungsl&auml;ndern, wo es sicher das schlechteste Netz gibt, d&uuml;rfte die Zahl der zahlungskr&auml;ftigen Kunden eher klein sein, und wenn es welche gibt, dann wohnen die auch nicht in der Pampa, sondern nahe Metropolen, wo auch das terrestrische Netz ausgebaut ist.<\/p>\n<p>Es ist kein Zufall das Starlink derzeit nur die 53 Grad Satellitenebene best&uuml;ckt (es gibt mehrere Ebenen in der H&ouml;he und Bahnneigung). Mit 53 Grad verl&auml;uft die Bahn gerade an der Grenze der meisten US-Bundesstaaten nach Norden. Ich denke SpaceX wird zuerst nur die USA als potenziellen Kunden anvisieren. Die Satelliten, die sie starten w&uuml;rden aber trotzdem die ganze Erde zwischen -53 und +53 Grad versorgen k&ouml;nnen, also z.\u00a0B. auch Deutschland. Das ist der Hauptnachteil dieser Netze: man braucht viele Satelliten, aktiv sind aber nur wenige. Die Expansion in andere L&auml;nder ist nicht einfach. Es gibt Regularien wie f&uuml;r die Funkfrequenzen aber auch die Elektronik wie EMV-Vorschriften oder elektrische Sicherheit (Betrift die Terminals f&uuml;r die Endkunden). Mit der EU und vielen anderen L&auml;ndern wird SpaceX also Verhandlungen f&uuml;hren m&uuml;ssen bzw. die Konformit&auml;t ihrer Produkte (Terminal) nachweise m&uuml;ssen. Das dauert. Vor allem aber ist der Preis f&uuml;r Internetzug&auml;nge nicht &uuml;berall gleich. Shotwell nannte zwar keinen Preis f&uuml;r Starlink, sagte aber das viele US-B&uuml;rger <a href=\"https:\/\/spacenews.com\/spacex-plans-to-start-offering-starlink-broadband-services-in-2020\/\">80 Dollar f&uuml;r einen schlechten Service<\/a> zahlen. Wenn 80 Dollar\/Monat das Preisziel f&uuml;r Starlink ist, dann mag das Kunden in den USA anlocken. In Deutschland bekommt man f&uuml;r die umgerechnet etwa 70 Euro keinen schlechten Service. Ein 100 Mbit\/s Anschluss kostet anbieter&uuml;bergreifend etwa 50 Euro. Es gibt auch 250 Mbit Anschl&uuml;sse f&uuml;r diesen Preis. Dazu kommen die Kosten f&uuml;r den Zugang selbst. Denn das ist nicht einfach nur ein Kabelmodem. Man ben&ouml;tigt eine Satellitensende- und Empfangsanlage. F&uuml;r das Terminal von Oneweb, das im Aufbau einfacher als die von Starlink ist, gibt es immerhin eine Preisvorstellung: 1.000 Dollar.<\/p>\n<p>Ich wage zu behaupten, das die Zahl der Kunden, die 1.000 Dollar Anschlusskosten und 80 Dollar pro Monat (im Jahr also fast weitere 1.000 Dollar) &uuml;berschaubar ist. Daneben gibt es schon die Konkurrenz durch geostation&auml;re Satelliten. F&uuml;r die braucht man zwar auch eine Anlage, aber dazu gen&uuml;gt da sich die Satelliten nicht bewegen eine einfache Sch&uuml;ssel mit LNB. Verbindungen &uuml;ber GEO-Satelliten gibt es ab 40 Euro\/Monat. Das hei&szlig;t selbst in der Pampa sind die Netze nicht konkurrenzlos (wobei sie sich ja auch noch Konkurrenz machen) au&szlig;er bei sehr hohen geografischen Breiten. Nat&uuml;rlich haben GEO-Satelliten den Nachteil der hohen Latenz, aber f&uuml;r viele Dinge wie Surfen oder Streamen ist die nicht so wichtig. Sport&uuml;bertragungen, Life-Schalten z.B. in den Nachrichten gehen ja heute auch schon &uuml;ber Satellit und da gibt es zwar eine Verz&ouml;gerung, aber keine Bildst&ouml;rung.<\/p>\n<p>Als aktuelle Gefahr kommt noch der wirtschaftlicche Niedergang durch Corona, vor allem in den USA dazu. OneWeb hat er ja schon erwischt, offenbar waren die zugesagten Gelder eben doch nicht so richtig zugesagt, denn die Investoren stiegen wieder aus. Bei Starlink finanziert dies SpaceX selbst indem sie Firmenaktien verkaufen also Investoren ein immer gr&ouml;&szlig;erer Anteil von SpaceX geh&ouml;rt. Nur auch die d&uuml;rften kalte F&uuml;&szlig;e bekommen, wenn die erhofften Gewinne nicht kommen. Bedrohlich d&uuml;rfte aber f&uuml;r SpaceX der wirtschaftliche Niedergang, vor allem eben in den USA sein. Schnelles Internet zu hohen Kosten sehe ich als Luxusprodukt an, auf das man sicher verzichtet, wenn man langsames bezahlbares Internet hat, aber arbeitslos ist. Denselben Gedanken d&uuml;rften auch die Investoren von OneWeb gehabt haben, denn warum sollten sie sonst den Stecker nach nur 74 gestarteten Satelliten ziehen?<\/p>\n<p>Ich selbst hoffe, das beide Netze scheitern, bevor sie daran gehen die zweite Ausbaustufe anzugehen denn da reden wir von 32.000 und 48.000 Satelliten. Nicht weil ich was gegen SpaceX habe (es betrifft ja auch OneWeb), sondern weil ich die Risiken sowohl f&uuml;r die Weltraumfahrt (Stichwort: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kessler-Syndrom\">Kessler Effekt<\/a>) wie auch die Astronomie sehe.<\/p>\n<p>Starlink und OneWeb sind ja nicht die Einzigen die Konstellationen planen. Eine Reihe von Satellitenkonstellationen sind geplant. Auch deswegen hoffe ich auf ein Scheitern, denn die w&uuml;rden die obigen Probleme vergr&ouml;&szlig;ern. Auch das ist nicht neu. Auf Iridium und Globalstar sollten Netze von ICO und Microsoft folgen mit noch mehr Satelliten \u2013 die wurden beide eingestellt, bevor auch nur ein Satellit gestartet wurde als sich der Gesch&auml;ftserfolg von Iridium nicht einstellte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026 f&auml;llt relativ kurz aus. Es gibt ja nichts neues. 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