{"id":14948,"date":"2020-09-17T08:48:03","date_gmt":"2020-09-17T06:48:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=14948"},"modified":"2020-09-17T08:50:00","modified_gmt":"2020-09-17T06:50:00","slug":"die-venus-erforschen-im-voruebergehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2020\/09\/17\/die-venus-erforschen-im-voruebergehen\/","title":{"rendered":"Die Venus erforschen im Vor&uuml;bergehen."},"content":{"rendered":"<p>Wie der eine oder andere sicher schon vernommen hat, hat man Anzeichen f&uuml;r das <a href=\"https:\/\/scilogs.spektrum.de\/go-for-launch\/phosphin-auf-der-venus-und-ballonsonden\/\">Vorhandensein von Monophosphan<\/a> (PH<sub>3<\/sub>) in der Venusatmosph&auml;re gefunden. Da diese Spurenverbindung auf der Erde nur durch Mikroorganismen produziert wird, schie&szlig;en derzeit die Spekulationen &uuml;ber Leben auf der Venus wie Pilze aus dem Boden. Ich will mich nicht dabei beteiligen, auch weil ich nicht so viel von Anorganik verstehe und Monophosphan entsteht auch bei den Gasplaneten und ist in deren Atmosph&auml;ren zu finden. Daneben ist die Venusatmosph&auml;re voll mit skurrilen Molek&uuml;len wie Schwefeldioxid, Salzs&auml;ure und Flusss&auml;ure. Da sollen Experten rausfinden, ob das Monophosphan biologischen Ursprungs ist.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/5ffc24927b41440c8fef087050ab5e27\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><!--more--><\/p>\n<p><figure style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.planetary.org\/space-images\/global-view-of-venus-from-akatsuki\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/planetary.s3.amazonaws.com\/web\/assets\/pictures\/20180113_uvi_20160517_201715_365_l2b_v10_PseudoRGB.jpg\" width=\"1024\" height=\"1024\" alt=\"Venus by Akatsuki\" class=\"size-medium\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-caption-text\">(c) JAXA. Planetary Society<\/figcaption><\/figure>Aber das hat nat&uuml;rlich die Spekulationen &uuml;ber eine neue Venusmission <a href=\"https:\/\/spacenews.com\/potential-biosignature-discovery-could-boost-prospects-of-venus-missions\/\">gen&auml;hrt<\/a>. Nat&uuml;rlich ist auf der Venusoberfl&auml;che Leben unm&ouml;glich, aber die Temperatur nimmt ab, und es gibt eine Zone mit Temperaturen und Druck wie auf der Erde in der Leben existieren k&ouml;nnte. Zwischen 50 und 60 km H&ouml;he liegt die Temperatur zwischen -27 und +75\u00b0C und der Druck zwischen 0,25 und 1,1 bar. In dieser Zone umrundeten auch die Ballone von <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/vega-sonden.shtml\">Vega 1+2<\/a> die Venus, anders als Landesonden taten sie dies &uuml;ber Tage, bis ihre Batterien ersch&ouml;pft waren. In dieser Zone k&ouml;nnte Leben existieren, zumindest was Temperatur und Druck angeht. Ich bin angesichts des Fehlens von Wasserdampf und der obigen &auml;tzenden und oxidierenden Bestandteile der Atmosph&auml;re skeptisch.<\/p>\n<p>Nun ruft man wieder nach Venussonden in den USA &#8211; die USA haben die Venus weitestgehend ignoriert, seit <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/mariner12.shtml\">Mariner 2<\/a> die Oberfl&auml;chentemperatur als extrem hoch bestimmte. Es folgte nur <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/mariner5.shtml\">Mariner 5<\/a> als Reserveexemplar von <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/mariner34.shtml\">Mariner 3+4<\/a>, das noch rumstand, <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/mariner10.shtml\">Mariner 10<\/a> passierte die Venus, um zu Merkur zu gelangen. Pioneer Venus 1+2 sandeten einige einfache <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/pioneer-venus-multiprobe.shtml\">Landekapseln<\/a> zum Boden bzw. einen Orbiter mit wenigen Instrumenten und einem schlecht abbildenden Radarger&auml;t in den <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/pioneer-venus-orbiter.shtml\">Orbit<\/a>, eben eine <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/pioneer-venus.shtml\">Pioneer Mission<\/a> mit ihren Kostenbeschr&auml;nkungen. Das ambitionierte Nachfolgeprojekt VOIR f&uuml;r einen Radarorbiter wurde zusammengestrichen, bis schlie&szlig;lich nur noch das Radarger&auml;t &uuml;brig blieb und die Sonde als <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/magellan.shtml\">Magellan<\/a> gestartet. Das war 1990 und seitdem gab es keine eigene US-Mission zur Venus. Sie wurde zwar mehrmals von Raumsonden passiert, aber nur als Swing-By Ziel, meistens waren die Instrumente bei der Passage deaktiviert. Dagegen hat die Sowjetunion solange es sie gab etliche Raumsonden zur Venus gesandt \u2013 <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/venera9-16.shtml\">18 offizell durchnummerierte<\/a> und dazu noch einige <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/venera1-8.shtml\">Fehlstarts<\/a>, die keinen Namen bekamen. Auch bei anderen Nationen hielt sich das Interesse in Grenzen. Europa sandte <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/venus-express2.shtml\">Venus Express<\/a> zum Schwesterplaneten, vor allem aber, weil die Sonde als Nachbau von Mares Express recht preiswert war, trotzdem lieferte diese Mission die bisher besten Einblicke in die Atmosph&auml;re und ihre Dynamik, auch wenn sie ohne Radarger&auml;t nicht auf die Oberfl&auml;che schauen konnte. Derzeit umkreist <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/akatsuki.shtml\">Akatsuki<\/a> die Venus und fotografiert vor allem die Wolkenbewegung um die Zirkulation und die antreibenden Prozesse besser zu verstehen.<\/p>\n<p>In den beiden letzten Discovery Auswahlen waren je zwei Venusmissionen (Davinci und Veritas) vertreten. Die letzte Selektion l&auml;uft noch und vielleicht wird eine oder beide als neue Mission am 13.2.2021 selektiert. W&auml;hrenddessen will Rocketlab eine \u201eprivate\u201c Sonde zur Venus schicken \u2013 wohlgemerkt mit der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/electron.shtml\">Elektron Rakete<\/a>. Sie w&auml;re damit minimal weil sehr leicht und klein. Ich sehe die L&ouml;sung gerade f&uuml;r die Fragestellung ober in den Wolken Leben existieren k&ouml;nnte auch nicht in einem Orbiter. Die Wolken mit einer Oberfl&auml;che in etwa 70 km H&ouml;he schirmen zu viel ab, auch von der Chemie darunter. Weiter oben k&ouml;nnen Molek&uuml;le durch Reaktionen oder solare UV-Strahlung zerst&ouml;rt werden, wir kennen das von unserer Ozonschicht, die es auch nur in einer bestimmten H&ouml;he gibt. Eine Sonde in der H&ouml;he w&auml;re also hilfreich. Das k&ouml;nnte entweder eine Sonde sein, die die Schicht durchquert, eventuell sogar heil landet und noch einige Bodenuntersuchungen durchf&uuml;hrt, oder ein Ballon wie bei Vega sein. Ich w&auml;re, wenn diese Fragestellung im Vordergrund steht, f&uuml;r Letztes. Selbst wenn die Sonde nur batteriebetrieben w&auml;re, w&auml;re die Betriebszeit viel gr&ouml;&szlig;er als bei einer Sonde welche die Atmosph&auml;re in einer Stunde durchquert. Als Nachteil ben&ouml;tigt man zwingend einen Orbiter damit Daten in ausreichender Menge gewonnen werden, eine vorbeifliegende Muttersonde kann nicht mehrere Tage oder sogar Monate (wenn die Sonde &uuml;ber Solarzellen ihre Batterien wieder aufl&auml;d) im Empfangsbereich sein. Der Gewichtsnachteil durch die Heliumfalschen zum Auff&uuml;llen, die Ballonh&uuml;lle und eventuell einer Reserveflasche zum Nachf&uuml;llen wird ausglichen durch die fehlende Abschirmung gegen den Druck. Bei den Pioneer Venus Sonden machte alleine die Druckh&uuml;lle etwa ein F&uuml;nftel des Gewichts aus. Aber der Hauptvorteil ist das lange verweilen in der Zone. Denkbar, aber nicht so attraktiv, w&auml;re auch eine reine Atmosph&auml;renkapsel, die vor der Landung durch den Druck zerquetscht wird, aber in einer Zone, in der man sowieso keine Ver&auml;nderung der Atmosph&auml;re erwartet. Ich denke aber wenn man bis auf wenige Kilometer an die Oberfl&auml;che kommt, will man auch Aufnahmen machen.<\/p>\n<p>Landesonden k&ouml;nnten &uuml;ber die Muttersonde ihre Daten schlicken, ihre Betriebsdauer liegt unter 3 Stunden. F&uuml;r die kleinen Datenraten, die typische Experimente wie Spektrometer oder Massenspektrometer, Druck-, Temperatur- und andere Sensoren liefern reicht, dies v&ouml;llig aus. Bei Bildern vom Abstieg h&auml;ngen dann Datenrate und Aufl&ouml;sung stark von den F&auml;higkeiten der Hauptsonde und der Vorbeifluggeometrie ab.<\/p>\n<p>Und das w&auml;re mein Vorschlag: es gibt etliche Sonden, die die Venus als Swing-By nutzen. Derzeit aktiv sind <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/Parker-Solar-Probe.shtml\">Parker Solar Probe<\/a>, Solar Orbiter und <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/bepicolombo-raumsonde-instrumente.shtml\">BepiColombo<\/a>. Jede fliegt mindestens einmal an der Venus vorbei. Dazu kommt in n&auml;chster Zukunft noch JUICE und eventuell (abh&auml;ngig vom gew&auml;hlten Tr&auml;ger f&uuml;r den Start) Europa Clipper. Nimmt man noch die letzten Jahre hinzu, w&auml;re noch <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/juno.shtml\">JUNO<\/a> zu erw&auml;hnen. Das sind in einem Jahrzehnt mindestens 5 Sonden, welche die Venus passierten. H&auml;tte man eine kleine Sonde entwickelt, die nicht zu sehr die Massebilanz der Hauptmission verhagelt, und diese bei der Venus abgesetzt, so h&auml;tte man nun f&uuml;nf Untersuchungen der Venusatmosph&auml;re gehabt. Die Kapsel k&ouml;nnte man standardisieren, dann wird\u2019s preiswerter. Die Instrumente k&ouml;nnte man auswechseln oder nach Ergebnissen einer Mission modernisieren. Wobei f&uuml;r mich als Wissenschaftler nat&uuml;rlich auch zwei Messungen mit denselben Instrumenten an unterschiedlichen Orten und Zeiten aussagekr&auml;ftig sind, denn sie erlauben viel bessere Vergleiche oder R&uuml;ckschl&uuml;sse &uuml;ber den Antrieb der Prozesse.<\/p>\n<p>Die Muttersonden h&auml;tten die Sonde huckepack mitgef&uuml;hrt, zuerst sich auf die Venus ausgerichtet und sie abgetrennt, danach ihren Kurs ge&auml;ndert und die Venus passiert. W&auml;hrend des Abstiegs h&auml;tten sie mit ihrer HGA die Daten empfangen und zwischengespeichert. Eine Ballonmission w&uuml;rde den Orbiter Akatsuki als Relay nutzen. Ich glaube bei f&uuml;nf identischen Kapseln w&auml;re auch durch Serienbauweise die Kosten &uuml;berschaubar geblieben zumal ein eigener Bus f&uuml;r die Sonden und ein eigener Start wegf&auml;llt. Leider hat man diese Chance verpasst und Raumfahrtagenturen neigen dazu, aus jedem Thema, das gerade mal aufkommt, gleich eine eigene Mission zu machen. So kann man nur auf den Erfolg von <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/DAVINCI\">Davinci<\/a> hoffen, die die Venus beim Abstieg untersuchen wird und Aufnahmen gewinnt. Aber die ist auch eine Discovery Class Mission, die 450 Millionen Dollar ohne Start kostet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie der eine oder andere sicher schon vernommen hat, hat man Anzeichen f&uuml;r das Vorhandensein von Monophosphan (PH3) in der Venusatmosph&auml;re gefunden. Da diese Spurenverbindung auf der Erde nur durch Mikroorganismen produziert wird, schie&szlig;en derzeit die Spekulationen &uuml;ber Leben auf der Venus wie Pilze aus dem Boden. 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