{"id":15,"date":"2007-09-01T18:36:12","date_gmt":"2007-09-01T16:36:12","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/2007\/09\/01\/wiederverwendbare-raumtransporter-probleme-am-beispiel-hopper\/"},"modified":"2007-11-04T11:26:02","modified_gmt":"2007-11-04T10:26:02","slug":"wiederverwendbare-raumtransporter-probleme-am-beispiel-hopper","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2007\/09\/01\/wiederverwendbare-raumtransporter-probleme-am-beispiel-hopper\/","title":{"rendered":"Wiederverwendbare Raumtransporter &#8211; Probleme am Beispiel Hopper"},"content":{"rendered":"<p>Es ist still geworden um wiederverwendbare Systeme um in den Orbit zu gelangen. Die Ares I+V Raketen werden Verlustraketen sein. Bei Kliper ist die Finanzierung offen und nur die F&auml;hre selbst ist wiederverwendbar. Russlands Ideen f&uuml;r die Bergung von Stufen beschr&auml;nkten sich auf die Energija Booster und von Hopper\/Phoenix h&ouml;rt man auch nichts mehr.<\/p>\n<p>Das ist nicht verwunderlich, denn so einfach ist die Sache nicht. Am logistischen w&auml;re es die ersten Stufen zu bergen. Das hat man in der Vergangenheit auch untersucht und es wird auch bei den Shuttle Boostern gemacht. Doch in den meisten F&auml;llen kam man zu dem Schlu&szlig;, das es sich technisch oder finanziell nicht lohnt. Technisch, z.B. weil bei einer leeren Stufe mit fl&uuml;ssigen Treibstoffen der Schwerpunkt durch die Triebwerke weit unten liegt und die stufe neigt sich zu &uuml;berschlagen, was eine Fallschirmlandung unm&ouml;glich macht. finanzielle, weil bei den teuren Stufen mit Triebwerken diese auch empfindlich sind. Ein Aufschlag mit 100 km\/h auf das Meer wie er bei einer Fallschirmlandung &uuml;blich ist mit der Abk&uuml;hlung der Triebwerke von einigen Hundert Grad Celsius auf Zimmertemperatur ist eine solche Beanspruchung dass man nach der Bergung so aufwendig das Triebwerk untersuchen m&uuml;sste, dass die Kosten sich den Herstellungskosten n&auml;hern. (Die zum gr&ouml;&szlig;ten Teil aus Qualit&auml;tssicherungskosten bestehen). Feststofftriebwerke sind dagegen so preiswert, dass sich die Bergung finanziell kaum lohnt. Die einzigen Ausnahmen sind die Space Shuttle Booster, die extrem teuer sind wegen der hohen Sicherheitsanforderung f&uuml;r bemannte Eins&auml;tze.<\/p>\n<p>Bleibt nur eine weiche Landung wie ein Flugzeug. Dann muss man aber an die Konzeption eines komplett neuen Raumfahrzeugs gehen. Neben einigen praktischen Hindernissen wie &#8211; Wo soll man landen ? (Hintergrund: Alle Startpl&auml;tze mit Ausnahme der UdSSR liegen am Meer, so dass man nur auf einer Insel landen kann, was Einschr&auml;nkungen f&uuml;r die erlaubten Flugbahnen bedeutet). gibt es ein grunds&auml;tzliches Problem: Das liegt in folgenden Tatsachen:<\/p>\n<p>* Der Transport wird um so g&uuml;nstiger je mehr man wiederverwenden kann. Eine einstufige L&ouml;sung ist so preiswerter als eine zweistufige mit einer Verluststufe als Oberstufe.<br \/>\n* Gleichzeitig nimmt aber die Nutzlast der einstufigen L&ouml;sung rapide bei steigender Geschwindigkeit ab und heute kann man nicht einmal leer einen Orbit erreichen.<br \/>\n* Je h&ouml;her die Wiedereintrittsgeschwindigkeit ist, desto teurer wird das Gef&auml;hrt, denn es gilt mehr Energie beim Wiedereintritt abzubauen und die Belastung des Materiales ist h&ouml;her.<br \/>\n* Je niedriger die Wiedereintrittsgeschwindigkeit ist, desto teurer wird eine nicht wiederverwendbare Oberstufe,<br \/>\n* Der umsatzst&auml;rkste Orbit ist heute der geostation&auml;re Orbit &#8211; Die Nutzlast f&uuml;r diesen ist jedoch durch die h&ouml;here Geschwindigkeit geringer &#8211; was sehr gro&szlig;e Erststufen und teure Oberstufen n&ouml;tig macht.<\/p>\n<p>Hopper, zeigt in etwa die Misere. Es gibt wenige Daten &uuml;ber das System, doch aus den Animationen und Daten kann man einiges ableiten. Hopper soll 7.5 t auf 5400 m\/s beschleunigen. (Das ist noch keine Orbitalgeschwindigkeit. Bei einer Feststoffoberstufe entspricht dies etwa 2.7 t in einen 200 km hohen Orbit). Dies soll f&uuml;r 50 % der bisherigen Startkosten m&ouml;glich sein. Mit diesen Eckdaten kann man in etwa errechnen, das Hopper beim Start 250 t wiegt (leer etwa 38 t, d.h. doppelt so viel wie eine konventionelle Stufe). Damit hat man ein Gef&auml;hrt f&uuml;r 2.7 t Nutzlast &#8211; Doch gibt es kaum Nutzlasten daf&uuml;r. Heute finden vor allem kleinere Starts von Forschungssatelliten mit kleinen Tr&auml;gern Start oder es werden gro&szlig;e Fernmeldesatelliten gestartet &#8211; daf&uuml;r ist dann Hopper zu klein. Um den Fernmeldesatellitenmarkt zu bedienen m&uuml;sste die Nutzlast mindestens 5 mal so gro&szlig; sein und dann wird eben auch die Grundstufe entsprechend teurer.<\/p>\n<p>Ich m&ouml;chte nicht verhehlen, dass die Nutzlast nat&uuml;rlich mit einer gr&ouml;&szlig;eren Raketenstufe stark ansteigt: Eine EPS Oberstufe der Ariane 5G steigert sie auf 4 t, eine H10 Oberstufe der Ariane 4 auf 8 t und eine Centaur der Delta IV sogar auf 13 t oder etwa 4.8 t in den GTO Orbit. Doch hier liegt auch die Problematik. Zum einen verteuert das den Transport entscheidend, denn diese Oberstufe ist nicht wiederverwendbar. Zum zweiten ist die Flugbahn bei Hopper recht genau festgelegt: Die Abtrennung der Nutzlast muss bei 5400 m\/s in 130 km H&ouml;he erfolgen &#8211; Sonst erreicht die Raumf&auml;hre ihren Landeplatz auf Ascension Island nicht. Die Aerodynamischen F&auml;higkeiten sind recht begrenzt und damit auch der Spielraum in der Variation der Bahn. Eine schwere Oberstufe bewirkt eine v&ouml;llig andere Flugbahn. Eine Centaur der Atlas mit ihren 30.5 t Gewicht und 4.8 t Nutzlast w&uuml;rde z.B. bei 3800 m\/s abgetrennt werden &#8211; eine rapide Verk&uuml;rzung der ballistischen Phase und im Atlantik gibt es nicht viele Inseln auf denen man landen kann&#8230;<\/p>\n<p>Der zweite Punkt ist, dass anders als bei herk&ouml;mmlichen Raketen die Oberstufe dann sehr schubstark sein muss. Die 130 km H&ouml;he in der abgetrennt wird ist wahrscheinlich die Gipfelh&ouml;he der F&auml;hre. von nun an f&auml;llt die F&auml;hre und der Satellit wieder zur Erde. Unterhalb von 100 km H&ouml;he wird er durch die dichte Atmosph&auml;re besch&auml;digt werden. Das bedeutet dass er sehr wenig Zeit hat die 2.4 km\/s Geschwindigkeit aufzubauen. Eine Ariane 5 setzt ihre Oberstufe bei nahezu Orbitalgeschwindigkeit in 200 km H&ouml;he aus. Nun das ist auch f&uuml;r energiereiche Oberstufen kein unl&ouml;sbares Problem, doch muss man dann schub starke Triebwerke einbauen, welche die Oberstufe verteuern. Eine Centaur kommt heute mit einem einzigen RL-10B Triebwerk von 100 kN Schub aus. Bei 35 t Gewicht inklusive Satellit brauchte man f&uuml;r eine Hopper Oberstufe aber 4 dieser Triebwerke.<\/p>\n<p>Das alles w&auml;re kein Problem wenn man &uuml;ber Land fliegen kann und man mehr Landepl&auml;tze hat. Doch dann kommen wieder Sicherheitsbedenken. Am ehesten d&uuml;rfte dies noch in Russland m&ouml;glich sein, doch das liegt zu weit n&ouml;rdlich f&uuml;r geostation&auml;re Satelliten. Kurzum &#8211; es gibt noch zu viele Dinge die Probleme machen, jenseits der Technik. Daher denke ich werden wiederverwendbare Tr&auml;ger noch einige Entwicklungsarbeit  erfordern.<\/p>\n<p>Vielleicht ist auch dies der Grund warum man nichts mehr von Hopper geh&ouml;rt hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist still geworden um wiederverwendbare Systeme um in den Orbit zu gelangen. Die Ares I+V Raketen werden Verlustraketen sein. Bei Kliper ist die Finanzierung offen und nur die F&auml;hre selbst ist wiederverwendbar. Russlands Ideen f&uuml;r die Bergung von Stufen beschr&auml;nkten sich auf die Energija Booster und von Hopper\/Phoenix h&ouml;rt man auch nichts mehr. 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