{"id":15039,"date":"2020-11-29T21:11:09","date_gmt":"2020-11-29T20:11:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=15039"},"modified":"2020-11-29T21:11:53","modified_gmt":"2020-11-29T20:11:53","slug":"hardwarefirmen-softwarefirmen-oder-dienstleister-wer-ist-am-erfolgreichsten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2020\/11\/29\/hardwarefirmen-softwarefirmen-oder-dienstleister-wer-ist-am-erfolgreichsten\/","title":{"rendered":"Hardwarefirmen, Softwarefirmen oder Dienstleister \u2013 wer ist am erfolgreichsten"},"content":{"rendered":"<p>So, nach einer Woche mal wieder ein neuer Blog. Nicht, dass ich nichts zu schreiben h&auml;tte, aber geht mehr in Richtung Meinung und wie ich den fehlenden Kommentaren entnehme interessiert die ja nicht so viele. Ich habe zwei neue Artikel geschrieben &uuml;ber die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/DOS-Versionen.shtml\">Versionen von DOS<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/Windows-Geschichte.shtml\">Windows<\/a>, und weil ich die auch ausprobiert habe, folgt noch einer wie man selbst eine virtuelle Maschine aufsetzt.<\/p>\n<p>Auf beides hat mich die j&auml;hrliche Retro-Ausgabe der ct\u2018 gebracht, die aber dieses Jahr extrem an Niveau verloren hat. Die meisten Redakteure haben von dem, was sie schreiben keine praktischen Erfahrungen mehr. Das zeigt sich daran das man alle Heimcomputer \u2013 inklusive des Altair 8800 in einen Artikel geworfen hat, auch meine CPC Serie \u2013 immerhin nach C64 und Spectrum die dritterfolgreichste Serie bei den Heimcomputern. Im Grafikkartenartikel werden 10 Jahre Entwicklung in zwei Abs&auml;tzen abgehandelt, mit noch dazu falschen technischen Daten und sich dann seitenweise &uuml;ber jede noch so kleine &Auml;nderung bei 3D-Beschleunigerkarten ausgelassen. Ich dachte mir dar&uuml;ber einen Artikel zu schreiben, doch wie schon gesagt, das ist eben nur Meinung.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/25f0d7d53cc54e7683102601583d173a\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><!--more--><\/p>\n<p>Der heutige Blog behandelt aber ein Sachthema, n&auml;mlich wie sich im Laufe der Zeit ver&auml;ndert, hat was Menschen w&uuml;nschen und wof&uuml;r sie Geld ausgeben und dementsprechend, wie &#8222;wertvoll&#8220; Firmen sind. Ich schreibe \u201eWertvoll\u201c in Anf&uuml;hrungszeichen, weil man das verschieden messen kann \u2013 am Umsatz, am Gewinn, an der Anzahl der Besch&auml;ftigten, am B&ouml;rsenwert etc. aber wenn es auch da Unterschiede gibt, der Trend ist klar.<\/p>\n<p>Als die PC-Revolution 1975 begann, gab es schon eine Computerindustrie. Die gr&ouml;&szlig;te Firma war IBM, dann folgte DEC. Die \u201ewertvollsten\u201c Firmen waren allesamt Hardwarehersteller. Warum? Es gab noch nicht die Softwarebranche, wie wir sie heute kennen. Verkauft wurden vor allem Computer. An Software gab es vom Hersteller dann noch das Betriebssystem und Compiler f&uuml;r Programmiersprachen wie COBOL oder FORTRAN. Wer Anwendungen ben&ouml;tigte, stellte Programmierer ein oder lies sie erstellen. Erst wenige Jahre zuvor wurde SAP gegr&uuml;ndet, mit dem Ziel eine Standardsoftware f&uuml;r verschiedene Rechner anzubieten. SAP\/R1 lief auf Rechnern der IBM 370 Serie, die aber auch von anderen Herstellern wie Amdahl nachgebaut wurden. In jedem Falle war der Ansatz neu: anstatt das jeder eine Lohnbuchhaltung programmiert passt man eine Standardsoftware nur an. Das lohnt sich, wenn die Plattform, auf der sie l&auml;uft, weit verbreitet ist, wie dies bei den Gro&szlig;rechnern der IBM-Serie der Fall war.<\/p>\n<p>Trotzdem galt dieser Grundsatz, das man mit Software nichts verdienen kann, auch w&auml;hrend der ersten Jahre der Mikrocomputerzeit. Die Firmen, die damals gro&szlig; wurden \u2013 MITS, Apple, Commodore, waren allesamt Hardwarehersteller. Steve Jobs konnte mit dem B&ouml;rsengang von Apple seinen pers&ouml;nlichen \u201eWert\u201c innerhalb von zwei Jahren verhundertfachen. Es hatte sich auch nicht viel ge&auml;ndert. Die ersten Computer wurden von Leuten gekauft, die man heute Nerds, Freaks oder Technikenthusiasten nannte. Sie programmierten selbst. Wenn nicht, gab es Nachschub in Form von abgedruckten Listings \u2013 ja auch ich habe in den Achtzigern tats&auml;chlich ein paar Mal Listings in Nadelr&uuml;ckerqualit&auml;t aus einer Zeitschrift abgetippt \u2013 heute unvorstellbar. Auch viele fr&uuml;hen Softwaregurus verschenkten ihre Software. Gordon Eubanks gab sein CBASIC an IMSAI f&uuml;r einen Computer und Zubeh&ouml;r her. Diesselbe Firma konnte die erste Version von CP\/M f&uuml;r einige Tausend Dollar erwerben \u2013 das war fast geschenkt. Eine Ausnahme war Bill Gates, der sein Alatair BASIC teuer verkaufen wollte. Leider kursierten viele Raubkopien und der Umsatz war nicht wie erwartet, was ihn zu einem <a href=\"http:\/\/www.blinkenlights.com\/classiccmp\/gateswhine.html\">erbosten Brief<\/a> an die Computerhobbisten veranlasste.<\/p>\n<p>Aber im Laufe der Jahre wurden die Rechner leistungsf&auml;higer und um die Wende zu den Achtziger Jahren erschienen die ersten Anwendungen als Standardsoftware, so Wordstar als Textverarbeitung, dbase als Datenbank, Supercalc und Visicalc als Tabellenkalkulationen. Damit begann eine neue &Auml;ra. Der Computer wurde nun n&uuml;tzlich. N&uuml;tzlich in dem Sinne, dass man kalkulieren konnte, was er kostete und was er einem einbrachte, vor allem an eingesparter Arbeitszeit bzw. h&ouml;herer Produktivit&auml;t. Damit stiegen auch die Verk&auml;ufe dieser Programme. Wie schnell dies gehen konnte, zeigt das Programm Lotos 1-2-3: Die Entwicklung des Programms, vor allem aber Printwerbung kostete 3 Millionen Dollar. Im ersten Jahr machte Lotus schon 57 Millionen Dollar Umsatz, im zweiten 157. Lotus 1-2-3 wird als Killerapplikation bezeichnet \u2013 es war so n&uuml;tzlich, das es alleine den Kauf eines IBM PC rechtfertigte. Nur wenige Jahre vorher war das anders. Microsoft hatte als IBM an die T&uuml;r klopfte, nach f&uuml;nf Jahren, gerade mal 8 Millionen Dollar Umsatz im Jahr.<\/p>\n<p>Steve Jobs, damals Chef bei Apple, erkannte die Zeichen der Zeit nicht. Er sah den IBM PC als die Bedrohung f&uuml;r Apple und den Macintosh durch seine grafische Oberfl&auml;che als &uuml;berlegen an. Doch er war nicht nur teuer. Es gab auch kaum Software f&uuml;r ihn. Die gab es aber f&uuml;r den IBM PC und er und die Kompatiblen verkauften sich einfach besser. Apple wandte sich sogar an Microsoft, damit diese Software f&uuml;r den Mac entwickelte. Das diese so herausfanden wie die grafische Oberfl&auml;che funktionierte war Jobs klar, aber er nahm es wohl in Kauf. Die wahre Bedrohung war aber Microsoft. W&auml;hrend IBMs Marktanteil durch Nachbauten st&auml;ndig sank, ben&ouml;tigten alle diese Rechner ein DOS, das von Microsoft kam und mit Windows 3.1 hatte der PC auch eine grafische Oberfl&auml;che, mit der man arbeiten konnte und das Alleinstellungsmerkmal des Mac war dahin. In den Achtziger Jahren l&ouml;sten langsam aber Sicher Softwarefirmen die Hardwarefirmen als \u201ewertvollste\u201c Firmen ab \u2013 zumindest was den Gewinn betraf.<\/p>\n<p>Aus logischen Gr&uuml;nden kann man aus Software potenziell mehr Gewinn machen. Die Kosten entstehen bei der Programmierung. Sie sind relativ hoch. Das ist Handarbeit und hoch qualifizierten Leuten. Demgegen&uuml;ber ist Hardwaredesign relativ einfach. Ist die Software einmal fertig, so sind aber die einzigen Kosten, die sie verursacht, die f&uuml;r Datentr&auml;ger und Handb&uuml;cher. Heute nicht mal diese. Das ist gemessen am Verkaufspreis wenig. Bei einem Computer macht dagegen die Produktion den gr&ouml;&szlig;ten Teil des Verkaufserl&ouml;ses aus. Mehr noch: nach meiner eigenen Erinnerung wurde Software in den Achtzigern immer teurer. Zeitweise warben Computerhandelsketten wie Escom damit, das die mit dem Rechner verschenkte Software fast genauso viel kosten w&uuml;rde wie der PC selbst. Das war m&ouml;glich durch Lizenzvertr&auml;ge. Ein sehr fr&uuml;hes Beispiel war der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/osborne.shtml\">Osborne 1<\/a> \u2013 der erste Computer mit Softwarepaket. Als es 1983 einen Osborne Bausatz in der ct&#8216; gab, kauften nach Angeben der Redakteur viele das Mainboard mit den Disketten der Software und schmissen das Board in den M&uuml;ll. Billiger kam man nicht an die popul&auml;rsten Standardprogramme f&uuml;r CP\/M. Softwarefirmen wurden so schnell wertvoller als viele Hardwarefirmen. An der Spitze stand lange Zeit Microsoft, einfach dadurch, dass ihre Betriebssysteme auf jedem PC liefen und bei jedem PC so mitkassiert wurde.<\/p>\n<p>Mit dem Internet begann eine neue &Auml;ra. Zum einen erreichte der PC eine neue Zielgruppe. Bisher war er Werkzeug, vor allem f&uuml;r B&uuml;roarbeiten oder eine bessere Spielekonsole. Mit dem Internet gingen Leute ins Netz, die sich zuerst nur informieren wollten, bald aber um sich auszutauschen. Das begann mit Emails und Foren in denen sich gleichgesinnte austauschen konnten. Dann dehnte jemand das Forumprinzip auf Gruppen aus, die auch im echten Leben \u201e<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=hwfErYUoqx8\">Real life<\/a>\u201c sich kennen. Es entstanden soziale Netzwerke, zuerst auf Gruppen beschr&auml;nkt wie in Deutschland StudiVz oder Stayfriends. Die sind inzwischen weg oder spielen nur noch eine Randgruppe, weil Facebook eine so dominierende Rolle hat und man dort nichts zahlen muss \u2013 man bezahlt mit seinen pers&ouml;nlichen Daten und die sind Gold wert. Bedenkt man wie viel f&uuml;r Werbung in Printmedien, Fernsehen und Radio ausgegeben, wird die nur einen Bruchteil derer erreicht, die potenzielle Kunden sind, dann ist klar, dass man mit einer personalisierten Werbung basierend auf dem eigenen Surfverhalten enorme Summen verdienen kann. Vorher machte das schon Google. Gro&szlig; kann man aber auch werden, wenn man nur Dinge verkauft. Amazon fing mit B&uuml;chern an. Das war logisch, gibt es doch Millionen von B&uuml;chern und ein Buchladen kann vielleicht einige Tausend f&uuml;hren. Klar man konnte schon fr&uuml;her B&uuml;cher bestellen, doch musste man dazu wissen, dass es &uuml;berhaupt existiert. Heute kauft Amazon alles selbst oder &uuml;ber Marketplace. An Umsatz und Gewinn haben diese Konzerne l&auml;ngst Hardware und Softwarefirmen &uuml;berholt. Ist aber auch logisch: Wie viel gibt man heute noch f&uuml;r Computer aus, wie viel aber f&uuml;r Eink&auml;ufe im Internet? Selbst Computerhersteller haben den Sprung gemacht. Der meiste Umsatz bei Apple wird nicht mit iPhones oder iMacs gemacht, sondern mit iTunes. Nicht nur die Gr&ouml;&szlig;e von Amazon, Facebook, Google &amp; Co ist beeindruckend, sondern auch ihr Wachstum. Der Kurs von Amazon ist in vier Jahren um mehr als 300 % gestiegen, mit 280 Mrd. Dollar Umsatz haben sie Apple und Google &uuml;berholt. Microsoft als Softwarehersteller hat gerade mal halb so viel Umsatz und Intel als Hardwarehersteller sogar nur ein Viertel dessen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium\" src=\"\/img\/win98warnung.png\" width=\"800\" height=\"600\" \/>Was wird kommen? Man hat Geld mit den Ger&auml;ten gemacht, mit der Software und damit das man mit ihnen Waren verkauft. Was &uuml;brig bleibt ist noch die Arbeit. Man wird vielleicht nur einen Teil &uuml;bers Internet abwickeln k&ouml;nnen. Einen Handwerker, Putzfrau oder Callgirl wird man wohl vor Ort haben wollen (buchen &uuml;bers Internet kann man schon). Aber wie sieht es mit Dingen aus die nicht von der Stange sind? Kleidung, wo man die Stoffe selbst aussucht und die ma&szlig;geschneidert ist (so was gibt es schon). Dinge aus dem 3D-Drucker \u2013 das klappt ja inzwischen sogar mit ganzen H&auml;usern. Auch hier muss man nichts von der Stange nehmen. Ich wei&szlig; nicht, ob das so ein gro&szlig;er Markt wird, aber es ist wohl ein Marktsegment, das man noch erschlie&szlig;en konnte.<\/p>\n<p>Wie sehr sich in den letzten Jahren unsere Gewohnheiten gewandelt haben, will ich an diesem Screenshot zeigen. Nachdem ich Windows 98 endlich auf einer virtuellen Maschine installiert bekam, habe ich auch den Webbrowser aufgerufen und bekam beim Aufruf von Google diese Warnung. Angesichts dessen das heute alles abgefischt wird, bei Facebook sogar wenn man gar nicht Facebook besucht sondern eine Seite nur einen dieser \u201elike\u201c Buttons hat, musste ich schmunzeln. Ja das waren noch andere Zeiten, als man sich auch &uuml;ber die Datensammelwut des Staates bei einer Volksz&auml;hlung Gedanken machte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So, nach einer Woche mal wieder ein neuer Blog. Nicht, dass ich nichts zu schreiben h&auml;tte, aber geht mehr in Richtung Meinung und wie ich den fehlenden Kommentaren entnehme interessiert die ja nicht so viele. 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