{"id":15088,"date":"2021-01-10T18:25:14","date_gmt":"2021-01-10T17:25:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=15088"},"modified":"2021-01-10T18:25:14","modified_gmt":"2021-01-10T17:25:14","slug":"herausforderungen-fuer-die-titanforschung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2021\/01\/10\/herausforderungen-fuer-die-titanforschung\/","title":{"rendered":"Herausforderungen f&uuml;r die Titanforschung"},"content":{"rendered":"<p>Auf den heutigen Blog kam ich durch eine Doku auf ZDF Info: \u201e<a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/dokumentation\/zdfinfo-doku\/das-raetsel-des-eismonds-leben-auf-dem-titan-100.html\">Das R&auml;tsel des Eismonds<\/a>\u201c. Mich hat prim&auml;r die miserable deutsche Umsetzung ge&auml;rgert. Da gab es enorm viele Fehler. So wurde aus dem Landedatum 14. Januar 2004 der 14 Juni 2004. Beim &Uuml;bersetzen der Interviews gab es weitere Fehler. Da der deutsche Ton &uuml;ber dem originalen liegt, kann man nur spekulieren, was im Original gesagt wurde, aber aus dem ausgehenden Treibstoff Cassinis f&uuml;r die Lagerung wurde die Hecksteuerung. Bestandteil der Sendung war auch ein Ausblick auf zuk&uuml;nftige Missionen und das will ich aufgreifen und prim&auml;r mal beschreiben, welche Dinge man gel&ouml;st haben m&uuml;sste.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/4e80392331f0463f862f8646ca7ab983\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><!--more--><\/p>\n<h3 class=\"western\">Zu Saturn kommen<\/h3>\n<p>Erst mal muss man zu Saturn kommen. Heute gibt es sehr viele Optionen wie man dies tun kann:<\/p>\n<ul>\n<li>Rein chemisch<\/li>\n<li>Mit Swing-Bys an inneren Planeten<\/li>\n<li>Mit Swing-By an Jupiter<\/li>\n<li>Mit Ionenantrieb oder Sonnensegel<\/li>\n<li>Und das kann man noch kombinieren.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Am einfachsten ist die Frage zu beantworten, wie es rein chemisch geht. Man ben&ouml;tigt f&uuml;r die energie&auml;rmste Bahn, eine Hohmann Transferbahn mindestens 15.100 m\/s, etwa 1.000 m\/s mehr als zum Jupiter. Bisher gab es erst drei Raumsonden, welche diese Geschwindigkeit erreichten: <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/ulysses.shtml\">Ulysses<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/new-horizons2.shtml\">New Horizons<\/a> und die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/Parker-Solar-Probe.shtml\">Parker Solar Probe<\/a>. Heute kann keine Tr&auml;gerrakete ohne eine zus&auml;tzliche Oberstufe eine Nutzlast auf diese Geschwindigkeit bef&ouml;rdern. Das k&ouml;nnte sich mit der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/sls.shtml\">SLS<\/a> &auml;ndern, die etwa 4 t auf diese Bahn bef&ouml;rdern kann. Dann dauert die Reise knapp &uuml;ber 6 Jahre. Es gibt wie bei anderen Zielen nat&uuml;rlich beliebig viele m&ouml;gliche Bahnen. Erh&ouml;ht man die Startgeschwindigkeit, so wird man schneller Saturn erreichen. Da man diese &Uuml;berschussgeschwindigkeit aber bei Saturn wieder abbauen muss, wird man dies nicht tun, auch bei den anderen M&ouml;glichkeiten der Reise. Schneller als 6 Jahre Reisezeit wird es nicht gehen. Allerdings ist es nicht so schlimm, wenn man mit nur wenig mehr Geschwindigkeit ankommt. Cassini erreichte einen ersten Orbit von 19.000 x 9 Mill. km und musste daf&uuml;r um 630 m\/s abbremsen. Kommt man um 2 km\/s mehr an (7,5 anstatt 5,5 km\/s) so schl&auml;gt das in 400 m\/s mehr Geschwindigkeitsbedarf nieder, man ben&ouml;tigt dann nur noch 3 Jahre bei rein chemischem Antrieb, m&uuml;sste auch mit 700 m\/s schneller starten, die Halbierung der Reisezeit erfordert also gesamt 1100 m\/s.<\/p>\n<p>Praktisch wird man heute mit Swing-Bys Treibstoff einsparen. Ein Vorbeiflug an Venus und Erde spart unter optimalen Umst&auml;nden rund 3 km\/s ein. <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/cassini.shtml\">Cassini<\/a> machte es sehr gut, hier dauerte die Reise nur ein Jahr l&auml;nger. Bei Juno, die nur zu Jupiter unterwegs war, stieg die Reisedauer durch einen Erdvorbeiflug dagegen um 2,5 Jahre zu Jupiter. Daf&uuml;r betrug die gesamte Geschwindigkeit die aufgebracht wurde 13,1 anstatt 14,1 km\/s. Bei der Erde als einziges Rendezvours-Ziel ist es mathematisch relativ einfach zu formulieren: man wird eine Sonde auf eine Bahn schicken, die ein vielfaches oder einen einfachen Bruch der Umlaufdauer der Erde hat, z.B. 2 Jahre Umlaufszeit. Als Folge erh&auml;lt man Vorbeifl&uuml;ge rund um den Starttag.<\/p>\n<p>Jupiter wurde von Cassini als Sprungbrett genutzt. Jupiter ist von allen Swing-By M&ouml;glichkeiten die beste. Vorbeifl&uuml;ge an den inneren Planeten k&ouml;nnen den sonnenfernsten Punkt der solaren Bahn anheben, nicht aber den sonnenn&auml;chsten. Jupiter kann das. Als Folge sinkt die Geschwindigkeit, mit der man bei Saturn ankommt, allerdings erneut auf Kosten der Reisedauer. Selbst wenn man dies nicht ausn&uuml;tzt, muss, man um zu Jupiter zu kommen etwa 1 km\/s weniger Geschwindigkeit in Erdentfernung aufbringen. Leider gibt es gemeinsame Startfenster alle 20-21 Jahre, dann aber mit einem gr&ouml;0&szlig;eren Zeitraum, in dem es eine niedrige Startenergie gibt. 1977 wurde das Startfenster von Voyager genutzt, 1997 von Cassini. Das n&auml;chste optimale Fenster liegt um 2038. Der NASA Trajektorie Browser liefert als optimalesten Starttag den 24.10.2038 mit einem Jupitervorbeiflug am 27.10.2040 in 73,8 Jupiterradien Abstand und einer Ankunft bei Saturn am 17.3.2045 mit einem dV von 6,93 km\/s relativ zu einer 200-km-Erdumlaufbahn, zusammen also 14,73 km\/s. Es gibt aber praktisch jedes Jahr eine Alternative &uuml;ber einen Erdvorbeiflug allerdings teilweise mit einer hohen Geschwindigkeits&auml;nderung nach dem Start. Bei einem Start 2029 kommt man mit einem Erdvorbeiflug auf praktisch diesselbe Gesamtgeschwindigkeit und Reisedauer, muss aber &uuml;ber 2,41 km\/s w&auml;hrend der Reise &auml;ndern und kommt mit 300 m\/s h&ouml;herer Ankunftsgeschwindigkeit an.<\/p>\n<p>Ionentriebwerke und Solarsegel brauchen noch l&auml;nger, da zu der Reisezeit noch die Zeit hinzukommt, in der der Antrieb arbeitet. Bei Ionentriebwerken ist vor allem nachteilig, das, wenn sie Geschwindigkeit aufnehmen, sie sich von der Sonne entfernen, dadurch aber bei solarer Energieversorgung der Strom f&uuml;r die Triebwerke sinkt und man so kaum noch schneller wird. Als Folge kann es sein das man mehrere zeitintensive Runden um die Sonne drehen muss. Hier w&auml;ren Kernreaktoren eine Alternative. Vielleicht f&auml;llt hier einer als Abfallprodukt f&uuml;r die Mission zu Mars und Mond ab, denn f&uuml;r bemannte Missionen ben&ouml;tigt man Kernreaktoren als Energieversorgung. Alternativ m&uuml;sste man extrem leichtgewichtige Solarzellen entwickeln oder das Sonnenlicht konzentrieren. Konzepte daf&uuml;r gibt es aber noch nichts erprobtes. Derzeitig von der Stange verf&uuml;gbare Solarzellenarrays sind jedenfalls f&uuml;r eine anspruchsvolle Sonde zu klein.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Zu Titan<\/h3>\n<p>Bei Saturn angekommen wird man die &uuml;bersch&uuml;ssige Geschwindigkeit abbauen m&uuml;ssen. Um dies zu minimieren, schwenkt man in eine erste Umlaufbahn mit hoher Apapsis ein mit einer Umlaufbahn von 100 bis 180 Tagen Dauer ein. Die kann man dann durch Vorbeifl&uuml;ge an Titan absenken. Eine Landesonde k&ouml;nnte auch direkt auf Titan landen.<\/p>\n<p>Das Folgende verl&auml;uft dann &auml;hnlich wie bei Cassini. Man wird versuchen durch Titanvorbeifl&uuml;ge die Umlaufsdauer immer weiter abzusenken. Das grunds&auml;tzliche Problem: Es gibt im Saturnsystem nur Titan als massereichsten Mond. Bei Jupiter k&ouml;nnen Raumsonden wie Galileo, JUICE oder die Europamission vier Monde nutzen, bei Saturn nur Titan und ganz nahe kommt man wegen der Atmosph&auml;re auch nicht an ihn heran. Es wird also sehr viele Vorbeifl&uuml;ge geben. Der erste Titanvorbeiflug von Cassini brachte z.B. nur 290 m\/s Geschwindigkeits&auml;nderung. Mindestens acht Vorbeifl&uuml;ge werden es also sein, wobei in der Praxis es mehr sein werden, denn jeder neue Orbit sollte so ausgelegt sein, dass er wieder an Titan vorbeif&uuml;hrt.<\/p>\n<p>Ein Orbiter muss dann in eine Titanumlaufbahn einschwenken. Das dazu ben&ouml;tigte dV h&auml;ngt nat&uuml;rlich von der Ausgangsbahn ab. Da Titan aber nicht sehr massereich ist, ist dies &uuml;berschaubar. Wegen der dicken Atmosph&auml;re, die bis in fast 1.000 km H&ouml;he reicht, bietet sich beim Orbiter auch das Aerocapture an, man w&uuml;rde ihn mit einem Schutzschild &auml;hnlich dem von Landekapseln (nur hinten offen) umgeben. Aerocapture bietet sich vor allem an, wenn man direkt in eine Umlaufbahn einschwenken will, also nicht langsam den ersten Orbit durch Titanvorbeifl&uuml;ge ab&auml;ndern will, denn die Aeroshell bedeutet nat&uuml;rlich auch ein Zusatzgewicht, das man gegen den Treibstoffverbrauch bei einer konventionellen L&ouml;sung gegenrechnen muss.<\/p>\n<p>Auf Dauer h&ouml;her ist der Geschwindigkeitsbedarf in der Umlaufbahn um Titan. Titan ist 1,22 Millionen km von Saturn entfernt &#8211; klingt nach viel, doch Saturn hat die 95-fache Masse der Erde. Selbst in dieser Entfernung ist seien Gravitationskraft &uuml;ber neunmal st&auml;rker als die der Erde beim Mond. Aber schon beim Mond st&ouml;rt die Erde so stark, dass die meisten Umlaufbahnen um den Mond instabil sind und Satelliten nach wenigen Monaten aufschlagen \u2013 bei Titan ginge das wegen der Atmosph&auml;re noch schneller. Es scheint aber wie beim Mond <a href=\"https:\/\/www.lpi.usra.edu\/opag\/archive_documents\/TitanEnceladusBillionDollarBox.pdf\">Bahnen zu geben, die wenig gest&ouml;rt werden<\/a>.<\/p>\n<p>Ein Titan Orbiter w&uuml;rde als Hauptaufgabe die Kartierung der Oberfl&auml;che mittels RADAR haben. Cassini lieferte wegen der Vorbeifluggeometrie und Nutzung der normalen Antenne anstatt einer optimierten SAR-Antenne nur eine vergleichsweise grobe Aufl&ouml;sung und deckte nur Teile der Oberfl&auml;che ab. Die Datenrate ist bei Saturn begrenzt, aber Titan ist auch klein. Vergleicht man ihn mit der Venus, die auch nur mit Radar kartiert werden kann, so hat er eine 2,4 fach kleineren Durchmesser was einer 5,6-fach niedrigen Datenrate bei derselben Aufl&ouml;sung und Missionsdauer entspricht und bedenkt man das man bei einem Saturnorbiter eine gr&ouml;&szlig;ere Antenne einsetzen kann, so sollte eine &auml;hnliche Aufl&ouml;sung wie bei der Venus erreichbar sein. Daneben kann man die Atmosph&auml;re aus dem Orbit mit Spektrometern erkunden und vor allem ihre jahreszeitliche chemische Ver&auml;nderung untersuchen. Die Beeinflussung des Orbits verr&auml;t zudem noch einiges &uuml;ber den inneren Aufbau von Titan.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Landesonden<\/h3>\n<p>Mehr M&ouml;glichkeiten hat man bei einem Lander, der wie schon geschrieben schon vor Erreichen einer Titanumlaufbahn abgetrennt werden kann. Die Atmosph&auml;re des Titan ist so dicht, dass Huygens zweieinhalb Stunden bis zur Landung brauchte, selbst auf der Venus geht das schneller. Daf&uuml;r ist die Landung sicher und ein Fallschirm reicht aus, man braucht keine Landetriebwerke. Nebenbei hat man so viel Zeit die Atmosph&auml;re beim Abstieg zu untersuchen und Aufnahmen des Landeplatzes zu machen.<\/p>\n<p>Prinzipiell g&auml;be es drei m&ouml;gliche Missionstypen:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Eine Bodensonde, entweder station&auml;r oder als Rover<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ein Flugzeug, vergleichbar einer Drohne<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ein Ballon<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese sind auch kombinierbar, d.H. ein Rover kann einen Ballon oder ein Flugzeug freisetzen. Die Bodensonde ist vergleichbar denen die auf Mond und Mars absetzbar sind. Als zus&auml;tzliche Hindernisse kommen nur hinzu, das man vielleicht nicht in einem der Seen landen sollte dies es auf Titan gibt. Daneben besteht die Oberfl&auml;che aus Eis. Durch die Abw&auml;rme w&uuml;rde eine Sonde daher bald einsinken, ein Problem, das man auch von Forschungsstationen in der Antarktis kennt. Ein Rover, der in Bewegung bleibt, hat dieses Problem weniger. Die Instrumentierung w&auml;re sehr &auml;hnlich denen von Marsrovern, auch weil es um dieselben Untersuchungen geht. Man k&ouml;nnte bei Titan mehr in die Tiefe gehen, das hei&szlig;t zum einen leichter bohren, da es sich ja um Eis handelt, aber auch ein Bodenradar w&uuml;rde tiefer eindringen. Auch das Probenvorbereiten gestaltet sich einfacher.<\/p>\n<p>Eine Landesonde wird es in jedem Falle auch bei Ballonen und Flugzeugen geben denn irgendwie m&uuml;ssen auch diese erst mal landen. Dann wird es aber eine station&auml;re Sonde sein, w&auml;hrend eine reine Landesonden wohl eher heute ein beweglicher Rover w&auml;re.<\/p>\n<p>F&uuml;r Ballonsonde und Flugzeug ist die dichte Atmosph&auml;re von Vorteil. Sei ist <a href=\"https:\/\/sci.esa.int\/documents\/35171\/36506\/1567259121123-1-ESLAB12_Day3-Coustenis.pdf\">4,6-mal dichter am Boden<\/a> als die der Erde. Das kann man bei einer Ballonsonde direkt in einen 4,6-mal gr&ouml;&szlig;eren Auftrieb umrechnen, aber auch bei einem Flugzeug oder Helikopter muss der Motor weniger leisten. F&uuml;r ein aktiv betriebenes Flugger&auml;t ist allerdings hinderlich, dass die einzig verf&uuml;gbare Energieversorgung ein RTG ist. Er kann zwar einen Akku aufladen, der etwa 30-mal mehr Energie pro Masse speichern kann, aber ohne RTG wird es nicht gehen, auch wegen der Nutzung der Abw&auml;rme, denn bei -90 Grad f&auml;llt sonst der Akku aus. Wahrscheinlich wird ein aktiv betriebenes Flugzeug eine Erg&auml;nzung zu einer gr&ouml;&szlig;eren Landesonde sein. Es wird von ihr aufgeladen und nutzt sie auch zur Daten&uuml;bertragung, kann so aber auch nur die unmittelbare N&auml;he der Landesonde \/ Rover erkunden und muss zum Aufladen wieder zur&uuml;ckkehren. Sehr viele Instrumente wird sie allerdings nicht mitf&uuml;hren k&ouml;nnen. Ein &auml;hnliches Konzuept k&ouml;nnt ein mitgef&uuml;hrter kleiner Ballon sein. Um 1 kg bei Titan anzuheben, das w&auml;re ausreichend f&uuml;r eine Kamera und Elektronik, die Ballonh&uuml;lle und ein Seil ben&ouml;tigt man nur einen Ballon von 0,22 m\u00b3 Volumen also einen etwa 40 cm gro&szlig;en Ballon. Ihn k&ouml;nnte ein Rover an dem Seil steigen lassen. Durch das Seil geht er nicht verloren und &uuml;ber dieses k&ouml;nnte man auch mit zwei Kabeln Strom liefern und Daten transferieren. Dieser Rundumblick, den man schon bei einer H&ouml;he von wenigen Metern mehr hat, ist auch sehr n&uuml;tzlich f&uuml;r die Tourenplanung.<\/p>\n<p>Eine Ballonsonde k&ouml;nnte dagegen sehr lange betrieben werden, wenn man den Verlust an Gas in Griff bekommt. Immerhin: Auf der Erde konnte man die Welt schon in 20 Tagen ohne Zwischenlandung umrunden. Wie auf der Erde gibt es prinzipiell zwei M&ouml;glichkeiten um Auftrieb zu erzeugen: man k&ouml;nnte die Titanatmosph&auml;re aufheizen entsprechend einem Hei&szlig;luftballon und man k&ouml;nnte ein leichteres Gas einsetzen. Angesichts der Leistung von Gasbrennen bei irdischen Hei&szlig;luftballons denke ich wird man mit der Abw&auml;rme von RTG in der Gr&ouml;&szlig;enordnung von einigen kW kaum einen Hei&szlig;luftballon f&uuml;r eine gr&ouml;&szlig;ere Sonde betrieben k&ouml;nnen. Bei der Erzeugung von Auftrieb durch ein leichteres Gas gilt dasselbe, wie bei der Erde, auch die mittlere Molek&uuml;lmasse von der Atmosph&auml;re von 28 bei Titan und 29 bei der Erde ist vergleichbar. Aufgrund der niedrigen Temperaturen kommen nur Wasserstoff und Helium als Gase infrage. Rein theoretisch k&ouml;nnte man auch das Eis auf Titan erst schmelzen und dann durch Elektrolyse in ein Gasgemisch umwandeln, was dann eine mittlere Molmasse von 12 h&auml;tte. Nur w&uuml;rde ich mich nicht auf eine Technologie verlassen, die man niemals zuvor ausprobieren kann. Zudem wei&szlig; man nicht in wieweit die organischen Substanzen im Eis st&ouml;ren und welche es sind. Helium kann man nur in Form von Druckgasflaschen mitf&uuml;hren, die typisch das dreifache des Inhalts wiegen. Sie w&auml;ren ein Gewichtsposten, f&uuml;r 100 kg Sondennettomasse inklusive Ballonh&uuml;lle br&auml;uchte man 4,2 kg Helium, die zusammen mit den Flaschen dann 17 kg wiegen. Bei Wasserstoff wird das nur wenig besser (15,4 kg) daf&uuml;r d&uuml;rfte die Verlustrate h&ouml;her sein. Immerhin sorgt die hohe Dichte daf&uuml;r, dass der Ballon 4,4-mal kleiner als auf der Erde ist. Die NASA hat das autonome Fliegen bei einem \u201ekleinen\u201c Ballon (11 m L&auml;nge, 2,5 m Durchmesser) <a href=\"https:\/\/www-robotics.jpl.nasa.gov\/publications\/James_Montgomery\/2005_ISAIRAS_AutonomousFlightControlAerobot.pdf\">erprobt<\/a>, der auf der Erde nur 16 kg anheben kann. Bei Titan w&auml;re die Nutzlast 4,4-mal gr&ouml;&szlig;er. Wasserstoff k&ouml;nnte man theoretisch auch aus mitgef&uuml;hrten Substanzen freisetzen, allerdings ergibt dies keinen Gewichtsvorteil.<\/p>\n<p>Ein solcher Forschungsballon k&ouml;nnte in niedriger H&ouml;he schweben und sich langsam fortbewegen, dabei die Oberfl&auml;che fotografieren und atmosph&auml;rische Untersagungen machen. F&uuml;r die Analyse von Bodenproben m&uuml;sste er landen oder zumindest eine Sonde herablassen. Ideal w&auml;re ein aktiver Flug, der ist allerdings energieufwendig, das obige Modell hatte zwei Triebwerke von je 2,3 kW Leistung. Doch vielleicht reicht auch ein passiver Flug aus. Er w&uuml;rde auch Daten &uuml;ber die Str&ouml;mungen bei Titan liefern. Dazu m&uuml;sste man dann nat&uuml;rlich eine H&ouml;he erreichen, die verhindert das man auf Hindernisse trifft. Die h&ouml;chsten Berge haben bei Titan <a href=\"https:\/\/www.sciencedaily.com\/releases\/2016\/03\/160330135617.htm#:~:text=Titan's%20tallest%20peak%20is%2010%2C948,(3%2C000%20meters)%20in%20elevation.\">3337 m H&ouml;he<\/a>. Das sind aber ausnahmen. Cassinis Radaraufnahmen ergaben sonst H&ouml;henunterschiede im typischen Bereich einiger <a href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Admin\/Downloads\/azu_etd_12309_sip1_m.pdf\">Hundert Meter, an sonst keiner Stelle mehr als 1 km<\/a>. Bei einer Skalenh&ouml;he von 11,1 km reicht eine um 8,5 % niedrigere Dichte der Gasf&uuml;llung als f&uuml;r den Erdboden n&ouml;tig w&auml;re, um den Ballon in 1 km H&ouml;he schweben zu lassen. Auf der Erde w&auml;re dies gleichbedeutend mit dem Druckunterschied von etwa 700 m H&ouml;he.<\/p>\n<p>Neben Aufnahmen und Atmosph&auml;renanalysen w&auml;re bei einem niedrigen fliegenden Ballon auch eine Bodenuntersuchung denkbar, wenn man landet. Alternativ k&ouml;nnte man eine Probe an einem Greifer in Bodenn&auml;he nehmen. Das geht nicht in die Tiefe, doch man nimmt an das die interessantesten Dinge sowieso als Aerosole herabregnen und sich so in der obersten Schicht befinden. &Uuml;ber einem See w&auml;re die Probennahme sogar noch einfacher und dieser w&auml;re f&uuml;r eine Landesonde nicht erreichbar. Ich denke aber das bessere Konzept ist ein Rover mit guter Instrumentierung, der an einem Seil einen kleinen Ballon mitf&uuml;hrt, der dann nur &Uuml;bersichtsaufnahmen und einige Wetterdaten liefert.<\/p>\n<p>Es bietet sich an Orbiter und Lander zu kombinieren, weil man bei keinem der Konzepte eine gro&szlig;e und pr&auml;zise ausrichtbare Richtantenne mitf&uuml;hren kann. Sie ist zu schwer und bei einem beweglichen Rover, Ballon oder Flugzeug nur schwer ausrichtbar. Der Orbiter w&uuml;rde die Daten des Landers empfangen und zur Erde &uuml;bertragen. Prinzipiell k&ouml;nnte dies auch ein Saturnorbiter leisten, der periodisch Titan passiert, doch zum einen w&auml;re dann die Datenrate und Datenmenge kleiner und zum anderen w&uuml;rde dieser Orbiter nicht mehr leisten als Cassini. Ein solcher Orbiter w&auml;re nur von Nutzen, wenn er gleichzeitig Enceladus h&auml;ufig besucht, der als zweites interessantes Ziel im Saturnsystem gilt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf den heutigen Blog kam ich durch eine Doku auf ZDF Info: \u201eDas R&auml;tsel des Eismonds\u201c. Mich hat prim&auml;r die miserable deutsche Umsetzung ge&auml;rgert. Da gab es enorm viele Fehler. So wurde aus dem Landedatum 14. Januar 2004 der 14 Juni 2004. Beim &Uuml;bersetzen der Interviews gab es weitere Fehler. 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Damit wir alle auf dem gleichen Stand sind, mal hier eine kleine Zusammenfassung, wie Galileo zum Jupiter kommen sollte: Bei Projektbeginn war ein Start\u2026","rel":"","context":"In &quot;Raumfahrt&quot;","block_context":{"text":"Raumfahrt","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/67742b596a42421d95a9f5f4ec0d8b69","width":350,"height":200},"classes":[]}],"jetpack_sharing_enabled":true,"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15088","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/169"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15088"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15088\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15088"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15088"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15088"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}