{"id":15149,"date":"2021-02-05T11:37:02","date_gmt":"2021-02-05T10:37:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=15149"},"modified":"2021-02-05T11:37:02","modified_gmt":"2021-02-05T10:37:02","slug":"siderische-und-synodische-perioden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2021\/02\/05\/siderische-und-synodische-perioden\/","title":{"rendered":"Siderische und synodische Perioden"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe in den letzten Tagen einige Mails mit jemanden ausgetauscht, dehn man wohl zum Umfeld der Verschw&ouml;rungstheoretiker z&auml;hlen muss. Diesmal ging es zwar um den Mond, aber nicht um die Mondlandung, sondern einem viel weiterreichenden Ph&auml;nomen: Alle Astronomen liegen seiner Ansicht nach, seit Jahrhunderten falsch und alle Entfernungen, die publiziert werden, stimmen nicht! Als Beweis gilt ein Buch eines <a href=\"https:\/\/amzn.to\/2YLPgtV\">Tischlermeisters<\/a>.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/b0504f75af64421eab84f14a2308686a\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><br \/>\nIch habe ihm das versucht kurz zu erkl&auml;ren und anders als die Moon Hoaxer, die ich bisher kannte, scheint er auch bedingt lernbereit zu sein, auch wenn er wie alle Moon Hoaxer meint, das ihm wildfremde Personen ihm etwas erkl&auml;ren sollen, was er selber nicht verstanden hat und wof&uuml;r er nicht die Geduld hat, es sich anzueignen.<!--more--><\/p>\n<p>Aber das Thema ist interessant. Es geht um zwei unterschiedliche Perioden, die wir bei jedem Himmelsk&ouml;rper beobachten k&ouml;nnen. Am deutlichsten und am einfachsten zu beobachten ist der Unterschied beim Mond. Daher nehme ich ihn als Beispiel.<\/p>\n<p>Der Mond entstand nach der g&auml;ngigen Theorie aus dem Zusammensto&szlig; der Erde mit einem weiteren Protoplaneten. Dabei wurden Teile der beiden Planeten ins All geschleudert, formierten sich in der Umlaufbahn zum Mond. Der Mond entstand nahe der Erde und wurde durch die Gravitationskraft zu einer gebunden Rotation gebracht. Bei einer gebundenen Rotation ist die Dauer der Drehung um die eigene Achse gleich der Periode die der Himmelsk&ouml;rper ben&ouml;tigt, um den Planeten zu umkreisen. Sie kommt dadurch zustande, dass die Gravitation dem planetenzugewandten Teil gr&ouml;&szlig;er ist, als dem abgewandten und so jede Rotation gegen diesen Gradienten k&auml;mpfen muss und verlangsamt wird.<\/p>\n<p>Das Ph&auml;nomen ist nicht unbekannt. Alle Monde die einen Planeten nahe umkreisen rotieren gebunden. Selbst die gr&ouml;&szlig;ten Monde im Sonnensystem, Ganymed und Titan. Pluto und Charon sind sich so nahe und in der Masse so &auml;hnlich das auch Pluto gebunden rotiert. Bei Pluto und Charon sind Rotationsdauer beider K&ouml;rper und gemeinsame Umlaufszeit um einen gemeinsamen Schwerepunkt identisch. Bei Merkur hat die Sonne den Planeten zu einer <sup>2<\/sup>\/<sub>3<\/sub> Periode gebracht, bei der &Auml;hnliches wie bei der gebunden Rotation gilt.<\/p>\n<p>Die Energie geht &uuml;brigens nicht verloren \u2013 in der Rotation steckt ja Energie wie jeder wei&szlig;, der mal einen rotierenden Kreisel gestoppt hat. Gem&auml;&szlig; dem Energieerhaltungssatz \u2013 genauer: Des Drehimpulserhaltungssatzes, muss die Rotationsenergie, die in Erde und Mond steckt, konstant bleiben. Verlangsamt sich die Rotation, gemessen in der Periode f&uuml;r eine Umdrehung, so muss als Ausgleich der K&ouml;rper vom Planeten wegr&uuml;cken, denn im Gesamtsystem gibt es als Impuls auch die Kraft, die der K&ouml;rper hat, wenn er den Planeten umrundet und die nimmt mit steigender Entfernung zu. Auch das kann jeder mit einem Ball an einem Seil nachpr&uuml;fen. Als der Mond entstand, so vermuten Astronomen, hatte die Erde noch eine Rotationsperiode von 6 bis 12 Stunden und er war damals viel n&auml;her der Erde. Die Zunahme der Tagesl&auml;nge ist auch f&uuml;r die letzten einigen Hundertmillionen Jahre an Wachstumslinien von fossilen Korallen, die Tages- und Jahresringe bilden nachvollziehbar. Vor 310 Millionen Jahren war der Tag z.B. nur 20 Stunden lang.<\/p>\n<p>Nach der Einleitung nun zum eigentlichen Ph&auml;nomen. Die Entfernung des Mondes zur Erde ist bestimmbar, das ging schon vor der heute verf&uuml;gbaren genauen Bestimmung mittels Laser oder RADAR. Eine kleine Geschichte findet man <a href=\"https:\/\/www.sternwarte-hoefingen.de\/sternwarte_alt\/astroeinfuehrung\/geschichteentfernungsmessung.html\">hier<\/a>. Die mittlere Entfernung des Mondes von der Erde sowie die Extreme (die Umlaufbahn ist nicht kreisf&ouml;rmig, sondern leicht elliptisch) waren schon vor der Raumfahrt genau bekannt. Ich habe zum Spa&szlig; mal in meinem &auml;ltesten Buch nachgeschaut, \u201e<a href=\"https:\/\/www.booklooker.de\/B&uuml;cher\/Schlag-Nach-Wissenswerte-Tatsachen-ausallen-Gebieten-von-1938\/id\/A02nV5u301ZZv?zid=rl8sfm02i8hncbnsm1u62cdoou\">Schlag nach<\/a>!\u201c aus dem Jahre 1938, dort steht sie mit 384.400 km. Korrekt sind 384.403 km, aber alle Angaben in dem Buch sind auf 100 km gerundet. Selbst wenn es 3 km weniger w&auml;ren, so w&auml;re das ein Messfehler von gerade mal <sup>1<\/sup>\/<sub>100.000<\/sub>. Nun behauptet er bzw. das Buch des Tischlermeisters das w&auml;re falsch, denn die Dauer eines Monats betr&auml;gt ja nicht 27,33 Tage, die Umlaufdauer, die der Mond hat, sondern 29,5 Tage, die Dauer zwischen zwei Perioden von Neumond zu Neumond. Diese Differenz gibt es bei allen Himmelsk&ouml;rpern und die beiden Perioden haben daher auch einen Namen: siderische und synodische Periode. Sie kommen daher, dass wir alles von der Erde aus beobachten, nicht von au&szlig;en, wie man das bei der Ermittlung von Perioden eigentlich korrekt tun m&uuml;sste.<\/p>\n<p>Die Differenz kommt daher, das die Beobachtung nicht aus einem ruhenden Bezugssystem aus m&ouml;glich ist, sondern sich die Erde sich im Raum bewegt:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Erde rotiert einmal in einem Tag um ihre eigene Achse.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Der Mond rotiert in 27,3 Tagen einmal um die Erde.<\/li>\n<li>Die Erde dreht sich in einem Jahr einmal um die Sonne.<\/li>\n<li>Nicht zuletzt bewegt sich auch die Sonne mit 200 km\/s durchs All und umrundet die Milchstra&szlig;e in so ungef&auml;hr 150 Millionen Jahren.<\/li>\n<li>Dasselbe tun auch die anderen Sterne.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wenn sich alles bewegt ist es schwer, eine Periode herauszufinden. Aber es gibt etwas, was relativ fest ist und deswegen auch Fixsternhimmel hei&szlig;t. Die Sterne bewegen sich auch, aufgrund der gro&szlig;en Distanzen zwischen ihnen und uns, ist die relative Bewegung in Form einer Positions&auml;nderung so klein, dass man sie nur mit ausgekl&uuml;gelten Instrumenten bei den n&auml;chsten Sternen messbar ist. Bei Sternen, die &uuml;ber 1000 Lichtjahre entfernt sind, k&ouml;nnen nicht mal Satelliten die Bewegung mehr feststellen. Man kann die Sterne also &uuml;ber menschliche Zeitr&auml;ume als \u201efest\u201c ansehen.<\/p>\n<p>Doch schon die Sterne bewegen sich scheinbar. Man sieht im Sommer andere Sterne als im Winter. Fr&uuml;here Kulturen nutzen das als Kalender. Auf der Himmelsscheibe von Lebra findet man die Plejaden, ein Wintersternbild, wie der Orion. Der Sirius als hellster Stern wurde von den &Auml;gyptern genutzt um den Beginn der Nilflut vorherzusagen. Die &Auml;gypter waren dabei relativ gut. Sie hatten schon lange vor anderen ein Jahr basierend auf der Sonne, nicht dem Mond. Selbst die sonst technisch so begabten und praktisch denkenden R&ouml;mer hatten bis Julius C&auml;sar &Auml;gypten besetzte einen Mondkalender. Julius C&auml;sar f&uuml;hrte den heutigen Kalender ein, er erweiterte ihn um zwei Monate (September bis Dezember waren mal, wie die lateinischen W&ouml;rter f&uuml;r sieben bis zehn in den Monatsnamen verraten, mal die siebten bis zehnten Monate). Daf&uuml;r hat er sich dann auch gleich im neuen Monat Juli verewigt. Augustus hat dann einige Jahrzehnte sp&auml;ter noch den Schalttag eingef&uuml;hrt und sich als Verdienst f&uuml;r diese Reform auch einen Monatsnamen geg&ouml;nnt.<\/p>\n<p>Die Rotation der Sterne entsteht durch die Umdrehung der Erde um die Sonne und ist de erste Hinweis auf das Problem: Wir beobachten alles aus einem rotierenden Bezugssystem, und zwar einem, das gleich zwei Rotationen durchf&uuml;hrt, einem um die eigene Achse und eine um die Sonne.<\/p>\n<p>Als <b>siderische Periode<\/b> bezeichnet man die Periode eines Himmelsk&ouml;rpers bezogen auf den Fixsternhimmel \u2013 das dieser einmal pro Jahr rotiert ignoriert man \u2013 sie ist bei Planeten leicht beobachtbar, beim Mond schwerer, weil er viel heller ist und die Sterne in seiner Umgebung &uuml;berstrahlt, heute w&auml;re das aber mit einer Kamera, bei der dann der Mond &uuml;berbelichtet ist, kein Problem. Wenn der Email-Schreiber das macht, wird er feststellen, dass der Mond nach 27,33 Tagen wieder vor denselben Sternen steht, er hat bezogen auf diesen festen Bezugspunkt genau eine Umdrehung vollf&uuml;hrt. Das entspricht seiner Rotationsdauer im Orbit. Was er aber auch feststellen wird, ist das dieser Punkt nicht an derselben Position am Himmel ist, denn die Fixsterne umkreisen die Erde ja auch in einem Jahr und in 27 Tagen haben sie sich etwa um <sup>1<\/sup>\/<sup>13<\/sup> eines Umlaufs weiter bewegt. Noch bedeutender ist, dass der Mond eine andere Phase zeigt. Die Phase, die er zeigt, hat aber nichts mit der Rotation bezogen auf die Sterne zu tun, sondern der Position relativ zur Lichtquelle, und das ist die Sonne. In den 27 Tagen hat sich die Erde auch um <sup>1<\/sup>\/<sub>1<\/sub><sub>3<\/sub> des Jahres gegen&uuml;ber der Sonne bewegt. Die beleuchtete Phase repr&auml;sentiert den Winkel zwischen Sonne-Erde und Sonne-Mond. Ist er 0 oder 180 Grad, so steht der Mond in einer Linie mit der Verbindung Erde-Sonne, also entweder Sonne-Erde-Mond oder Mond-Erde-Sonne. Es ist Vollmond oder Neumond. Bei 90 Grad ist es entsprechend Halbmond. In den 27 Tagen hat sich die Erde aber um die Sonne bewegt und eine direkte Linie Sonne-Erde-Mond (Vollmond) ist nun keine direkte Linie mehr. Der Mond hinkt hinterher, denn er muss die Bewegung der Erde um die Sonne aufholen, die ja 27 Tage Vorsprung hat. Da der Mond schneller die Erde umkreist, als die Erde die Sonne, geht das fix, er braucht nur 2,2 Tage daf&uuml;r. Das ist die synodische Periode. Es ist die relative Periode, bei der bezogen auf die Sonne die Himmelsk&ouml;rper die gleiche Position haben. Im Falle des Mondes ist es der Zyklus zwischen zwei vollen Phasen also z.B. von Neumond zu Neumond. Nur steht da der Mond immer vor anderen Sternen, wie man leicht nachpr&uuml;fen kann. Die 29,5 Tage sind die <b>synodische Periode<\/b> des Mondes,<\/p>\n<p>Synodische Perioden haben auch die Planeten. Hier sind es die Zeitr&auml;ume, in denen sich besondere Stellungen der Planeten zueinander wiederholen, z.B. eine Opposition oder Konjunktion, fr&uuml;her f&uuml;r Beobachtungen wichtig, heute f&uuml;r Raumsondenmissionen, denn auch Startfenster wiederholen sich im selben Zeitraum. Die synodische Periode ist leicht berechenbar nach<\/p>\n<p><sup>1<\/sup>\/<sub>synodische Periode<\/sub> = <sup>1<\/sup>\/<sub>Umlaufszeit 1<\/sub> \u2013 <sup>1<\/sup>\/<sub>Umlaufszeit 2<\/sub><\/p>\n<p>Also z.B. f&uuml;r den Mars:<\/p>\n<p><sup>1<\/sup>\/<sub>synodische Periode<\/sub> = <sup>1<\/sup>\/<sub>365<\/sub> \u2013 <sup>1<\/sup>\/<sub>689<\/sub><\/p>\n<p>Man erh&auml;lt f&uuml;r die synodische Periode 776 Tage.<\/p>\n<p>Ich wollte den Schreiber nicht beunruhigen, aber es gibt auf anderen Planeten noch gr&ouml;&szlig;ere Differenzen. Auf dem Mars hat der eine Marsmond Phobos eine k&uuml;rzere Rotationsperiode als der Mars und der zweite Marsmond, Deimos eine leicht aber nur leicht l&auml;ngere. Das f&uuml;hrt zu seltsamen Ph&auml;nomenen. Wir sind gewohnt das die Sonne, Sterne und Mond alle im Osten aufgeht, in die Richtung in der die Erde rotiert (wenn der Nordpol in der Betrachtung oben ist). Das ist so, weil die 24 Stunden der Rotationsperiode der Erde k&uuml;rzer sind als alle diese Perioden. Phobos braucht keine 10 Stunden um den Mars zu umrunden. Das ist k&uuml;rzer als die Rotationsperiode von 24,7 Stunden, er \u201e&uuml;berholt\u201c so den Mars bezogen auf die Sonne. Phobos geht im Westen auf. So vergehen zwischen zwei Mondaufg&auml;ngen 11 Stunden und 6 Minuten. Zwischen Mondaufgang und -Untergang dagegen nur 4 Stunden und 18 Minuten, weil er dann auf der Seite der Bahn ist, in der er in die gleiche Richtung wie der Mars rotiert. Deimos hat eine Rotationsperiode von 30 Stunden, etwas l&auml;nger als ein Marstag. So bleibt er 2,7 Tage am Himmel sichtbar (am Tag und Nacht) und ist dann 2,7 Tage unsichtbar. Mich w&uuml;rde nun interessieren, was mein Email Schreiber dazu sagt, da er ja von den Perioden auf die komplette Falschheit aller Entfernungsangaben schlie&szlig;t. Wenn die Periode wie bei Phobos zwischen Tagseite und Nachtseite unterschiedlich lang ist, folgt daraus eine andere Entfernung, der Mond macht also mit Monduntergang einen Sprung? Und wie ist es, wenn ein Mond wie Deimos 2,7 Tage lang unsichtbar ist, obwohl er doch den Mars in 30 Stunden umrundet? Da sollte er doch nach 30 Stunden wieder auftauchen \u2026<\/p>\n<p>Alles erkl&auml;rbar denn nach der obigen Formel werden die synodischen Perioden um so l&auml;nger, je mehr sich die beiden Perioden ann&auml;hern. Der Extremfall ist der station&auml;re Orbit, technisch genutzt von einem geostation&auml;ren Satelliten. Er bewegt sich dann gar nicht mehr &uuml;ber den Himmel, ist von einer Seite der Erde gar nicht mehr sichtbar und von der anderen Seite dauernd.<\/p>\n<p>Wenn das &uuml;brigens einem Planeten passiert, solche F&auml;lle kennt man bei Exoplaneten, dann ist eine Seite des Planeten dauernd der Sonne zugewandt, die andere permanent abgewandt. Die Folge ist das sich die eine Seite sehr stark aufheizt, und die andere Seite sehr stark abk&uuml;hlt. Bei einer Atmosph&auml;re kann es noch einen W&auml;rmeaustausch geben, wobei wegen des hohen Temperaturunterschieds dann sehr hohe Windgeschwindigkeiten herrschen, ohne Atmosph&auml;re wird, W&auml;rme nur durch W&auml;rmeleitung transferiert und das geht schlecht. So kann eine Seite gl&uuml;hend hei&szlig; und die andere eisig kalt sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe in den letzten Tagen einige Mails mit jemanden ausgetauscht, dehn man wohl zum Umfeld der Verschw&ouml;rungstheoretiker z&auml;hlen muss. 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