{"id":15166,"date":"2021-02-17T08:45:13","date_gmt":"2021-02-17T07:45:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=15166"},"modified":"2021-06-20T14:09:28","modified_gmt":"2021-06-20T12:09:28","slug":"wiederverwendung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2021\/02\/17\/wiederverwendung\/","title":{"rendered":"Wiederverwendung"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem in den Kommentaren immer wieder der Hinweis auf die Wiederverwendung der Falcon 9 und die gro&szlig;e Errungenschaft hervorgehoben wird, nehme ich mich des Themas erneut an. Das ist nicht neu, das habe ich schon vor Jahren getan.<\/p>\n<p>Um das Thema zuerst mal allgemein zu behandeln, will ich Wiederverwendung mal zuerst woanders beleuchten. Ich fange mal mit Flaschen an, weil wir hier alle drei Formen der Wiederverwendung und nicht Wiederverwendung haben.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/e77b1218714b4dd6a1075107ff4ada50\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><!--more--><br \/>\nBei Flaschen gibt es bei uns drei Systeme sie wiederzuverwerten oder eben nicht:<\/p>\n<h4 class=\"western\">Keine Wiederverwendung<\/h4>\n<p>Es gibt etliche Plastikflaschen, die man nicht wieder abgeben kann. Sie landen dann im Hausm&uuml;ll und werden verbrannt oder mit diesem recycelt. Der Normalfall ist aber die \u201ethermische Verwertung\u201c. Das mag der eine oder andere als Wiederverwendung ansehen. Bedenkt man den Aufwand, um aus Erd&ouml;l aber erst mal die Flasche zu produzieren, nutzt man nur einen Bruchteil der Energie aus die urspr&uuml;nglich im Erd&ouml;l steckte.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Teilweise Wiederverwendung<\/h4>\n<p>Bei Flaschen gibt es auch die stoffliche Wiederverwendung. Das bedeutet. Die Flasche &uuml;berlebt die Wiederverwendung nicht, aber ihr Material wird wiederverwendet. Das ist der Normalfall bei allen Plastikflaschen mit Pfand bei dem der Kunststoff geschreddert, gesammelt wird und nach Reinigung wieder in neuen Flaschen landet. Analog werden Nicht-Pfand Glasflaschen wiederverwendet. Die gibt man im Altglascontainer ab, wo schon beim Einwerfen die Flasche zu Bruch geht. Ber&uuml;cksichtigt man den Aufwand alleine den Rohstoff herzustellen, so ist das erheblich besser als keine Wiederverwendung, wenngleich bei Glas wegen der hohen Temperaturen um Glas wieder aufzuschmelzen die Bilanz nicht so toll ist.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Vollst&auml;ndige Wiederverwendung<\/h4>\n<p>Nun ja fast vollst&auml;ndig \u2013 Etikett und Verschluss gehen immer noch verloren. Das ist die Regel bei Glasflaschen mit Pfand, die man wieder meistens im Kasten zum Getr&auml;nkemarkt zur&uuml;ckbringt. Beim Hersteller werden die Flaschen gereinigt, mit Natronlauge desinfiziert und die Reste des Etiketts abgetrennt und dann erneut bef&uuml;llt. Das ist das Optimum.<\/p>\n<p>So etwas &Auml;hnliches ist auch bei Raketen denkbar. Keine Wiederverwendung ist der Normalfall. Oftmals werden die Stufen sogar aktiv zerst&ouml;rt, damit sie nicht mit leeren Tanks auf dem Meer schwimmen und ein Hindernis und eine Gefahr f&uuml;r die Schifffahrt darstellen.<\/p>\n<p>Die partielle Wiederverwendung gibt es in der Raumfahrt auch. Die Space Shuttle SRB landeten an Fallschirmen im Meer. Vorher wurde aber die D&uuml;se abgesprengt. Sie musste jedes Mal neu gebaut werden. Im Prinzip ist die Frage, was partielle Wiederverwendung? nat&uuml;rlich eine Definitionsfrage. Ich definiere sie so, dass der verlorene Teil einen signifikanten Teil der Kosten darstellt und das sind die beweglichen D&uuml;sen bei einem Feststoffantrieb. Nat&uuml;rlich muss man auch bei vollst&auml;ndiger Wiederverwendung immer etwas ersetzen, und sei es nur den Anstrich, doch das f&auml;llt bei dieser Definition dann eben nicht so ins Gewicht. Als weiteres Beispiel f&uuml;r eine partielle Wiederverwendung gelten die Pl&auml;ne von ULA die Triebwerke der Vulcan einmal wiederzuverwenden, wobei meiner Ansicht nach offen ist, ob es dazu jemals kommt. Es ist zumindest relativ ruhig zu diesem Thema geworden.<\/p>\n<p>Die vollst&auml;ndige Wiederverwendung finden wir beim Space Shuttle Orbiter, Buran, bei der Falcon 9 und geplant war es mal f&uuml;r die Booster der Energija, Block A.<\/p>\n<p>Es ist ja nicht so, dass man das Thema erst mit SpaceX entdeckt hat. Schon 1959 plante das MSFC die Redstone, mit der die Mercurykapseln starteten wiederzuverwenden. Es gab auch Tests in denen man einen Booster aus der H&ouml;he in ein Becken fallen lies. Die Auftreffgeschwindigkeit sollte dabei der einer Stufe an einem Fallschirm entsprechen.<\/p>\n<p>Sp&auml;ter untersuchte die NASA das bei der ersten Stufe der Saturn V. Aus dem Konzept entstand dann auch ein Entwurf f&uuml;r das Space Shuttle, das gefl&uuml;gelte Stufen vorhersah die zum Startort zur&uuml;ckkehrten.<\/p>\n<p>Die ESA untersuchte das ebenfalls. Bei Ariane 1 zuerst durch Versuche im Windkanal, bei dem sich zeigte das die Rakete dazu neigte sich zu &uuml;berschlagen, Finnen wie heute gab es bei der Stufe ja noch nicht. Beim Start von Giotto hat man es auch praktisch ausprobiert, verlor aber die Stufe.<\/p>\n<p>Bei Ariane 5 wurden anfangs die Booster geborgen, nachdem sie an Fallschirmen niedergingen. Allerdings nur zur Inspektion, um die Fertigung und Zuverl&auml;ssigkeit zu verbessern. Die erneute Verwendung so fand man lohnt sich betriebswirtschaftlich nicht. Nachdem man gen&uuml;gend Erfahrungswerte hatte, wurde dies inzwischen eingestellt.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Die technische Seite<\/h3>\n<p>Je komplexer ein Ger&auml;t ist, desto eher sollte man meinen, lohnt es sich es wiederzuverwenden. Trotzdem sehen wir im t&auml;glichen Leben, das es meist anders geht. Autos werden verschrottet, und zwar mit einer M&uuml;llpresse. Dabei w&auml;re sicher noch ein Teil wiederverwendbar gewesen. Dasselbe gilt f&uuml;r Flugzeuge. Deren Anschaffungskosten liegen auch in dem Bereich den Raketen kosten. Man kann in der Praxis die technische Seite nicht von der betriebswirtschaftlichen Seite trennen. Bei Autos wie Flugzeugen sinkt der Wert mit jedem zur&uuml;ckgelegten Kilometer, irgendwann ist das Gef&auml;hrt dann betriebswirtschaftlich nichts mehr wert und wenn es dann durch den T&Uuml;V\/Flugzeuginspektion f&auml;llt, wird es meist verschrottet, auch wenn die Kosten f&uuml;r eine Reparatur viel geringer als ein Neukauf sind. Nimmt man dieses Kriterium, das ja Verfechter der Wiederverwendung anf&uuml;hren, dann w&uuml;rde man wohl kaum ein Auto ganz verschroteten sondern immer nur Teile ersetzen.<\/p>\n<p>Im t&auml;glichen Leben regiert inzwischen die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/03\/09\/obsoleszenz\/\">Obsoleszenz<\/a>: Ger&auml;te werden nicht so entworfen, das man sie reparieren kann, sondern genau das verhindert, oft gekoppelt an eine k&uuml;nstlich beschr&auml;nkte Lebensdauer, indem z.B. bewegliche Teile von Mixern oder Hochdruckreinigern aus Plastik anstatt Metall hergestellt werden und so schnell verschlei&szlig;en. Es gibt daf&uuml;r auch einen Grund: die Kosten und der Aufwand zum Nutzen. Bei Konsumartikeln kann man an dem richtigen Verh&auml;ltnis zweifeln, hier steht vor allem die Absicht des Herstellers bald ein Nachfolgeger&auml;t zu verkaufen im Vordergrund \u2013 selbst bei hochpreisigen, wie Smartphones, die nicht wechselbare Akkus haben. Doch auch in anderen Bereichen ist Wiederverwendung nicht gew&uuml;nscht. Bei Rennwagen gilt als Optimum, das der Rennwagen es genau &uuml;ber die Ziellinie schafft \u2013 es wird f&uuml;r das n&auml;chste Rennen sowieso ein neuer gebaut, und wenn er l&auml;nger lebt, so hat er nur Reserven gehabt, die man nicht ben&ouml;tigte und die letztendlich f&uuml;r totes Gewicht stehen, das die ganze Zeit mit transportiert wird und eventuell eine gute Platzierung verhindert hat.<\/p>\n<p>Ein anderer Aspekt, selbst bei nicht geplanter Obsolenz kennt jeder, der ein altes Ger&auml;t reparieren lasen will. Anders als bei der Herstellung wo alles automatisiert ist, muss man nun den Handwerker pro Stunde bezahlen. Daneben (das d&uuml;rfte bei Raketen wohl eher nicht zutreffen) verlangen die Hersteller f&uuml;r Ersatzteile oft horrende Summen.<\/p>\n<p>Das alles nur zur Erl&auml;uterung und als Beispiele das Wiederverwendung sich nicht immer lohnt. Es gibt nat&uuml;rlich deutliche Unterschiede zu den obigen F&auml;llen:<\/p>\n<p>Raketen sind keine Massenprodukte, sie werden in kleinen St&uuml;ckzahlen gebaut mit einem hohen Anteil an Arbeitsleistung.<\/p>\n<p>Der normale Einsatzzweck sieht gar keine Wiederverwendung vor. Strebt man diese an, so hat man v&ouml;llig neue Anforderungen an die Rakete.<\/p>\n<p>Fangen wir mit dem letzten an. Ziel sollte es nat&uuml;rlich sein, das die zus&auml;tzlichen Belastungen klein sind. Ich denke ein gro&szlig;er Negativpunkt bei den fr&uuml;hen Versuchen war, das man plante, die Stufe per Fallschirm zu landen. Dann trifft sie mit hoher Geschwindigkeit auf das Meer auf. Meerwasser ist korrosiv und es tut Triebwerken die noch vom Betrieb sehr hei&szlig; sind, nicht gut in Meerwasser getaucht zu werden. Die Tanks von Raketen sind so d&uuml;nn, wie m&ouml;glich mit geringen Toleranzen gegen&uuml;ber Mehrbelastungen. Typisch 25 %. Das hei&szlig;t, sie sind einer maximalen Druckbelastung von wenigen Bar ausgelegt. Ein Tank f&uuml;r eine Fl&uuml;ssigkeit mit Dichte 1 wog schon in den Achtzigern nur 1\/75 des Inhalts. Selbst eine PET-Flasche liegt da erheblich schlechter. Auch solchen Tanks tut es nicht gut, wenn sie zuerst beim Abstieg stark abgebremst werden und sich erhitzen (Druck, Temperatur) und dann bei dem Aufschlag ins Meer abrupt abgebremst werden. Es gibt Beispiele, wo Tanks schon beim Aufstieg kollabierten und als man Anfang der 2000-er f&uuml;r die Ariane 5 neue Booster untersuchte, sprach gegen diese, das sie die maximale Belastung beim Aufstieg um 48.000 Pa pro m\u00b2 erh&ouml;hten \u2013 lediglich 0,48 Bar, weniger als die H&auml;lfte des normalen Luftdrucks und dies &uuml;ber der Belastungsgrenze der Tanks lag. Bei SpaceX kamen die ersten Stufen, die man barg, auch nur in Tr&uuml;mmern an und auch das viel einfachere Konzept die erste Stufe mit Fallschirm und Airbags zu landen hat man nach der Falcon 1 aufgegeben.<\/p>\n<p>Bei einer Landung ohne Abbremsung im Meer denke ich wird der Aufwand, den man hat, die ganze Rakete danach zu inspizieren, auf Haarrisse oder &Auml;hnliches zu untersuchen und dann Teile auszutauschen so hoch sein, dass bisher dies als unwirtschaftlich ausgeschlossen galt. Es mag sinnvoll sein, wenn man einen Feststoffbooster hat. Bei diesen ist das gesamte Geh&auml;use die Brennkammer. Entsprechend dick ist es \u2013 bei Ariane 5 sind es 8 mm Stahl, bei den Space Shuttle SRB sogar &uuml;ber 12 mm. Dem macht ein Aufprall auf das Meer praktisch nichts aus genauso wenig wie die vorherige Abbremsung in der Atmosph&auml;re.<\/p>\n<p>Bleibt nur die weiche Landung. So durchgef&uuml;hrt beim Space Shuttle und den Falcons. Ziel soll es bei SpaceX sein, das es praktisch nach der Bergung keine Arbeiten mehr an der Rakete gibt. Ob und wie weit dies erreicht wurde, wei&szlig; man nicht, genauso wenig, wie bekannt ist, wie teuer die Bergung mit Inspektion ist. Wir wissen aber das diese Rechnung beim Space Shuttle kr&auml;ftig nach hinten los ging. Pl&auml;ne der NASA aus den fr&uuml;hen siebziger Jahren sahen 60 Missionen pro Jahr vor, einen pro Orbiter und Monat. Ein Monat Turnaroundzeit pro Orbiter klingt zuerst mal nach viel, SpaceX will ja einen Tag schaffen also 30-mal weniger. Trotzdem war dies illusorisch. Die NASA bem&uuml;hte sich und erreichte das Ziel trotzdem zum Teil: Zwischen STS 51J und 61B lagen nur 53 Tage. Das war aber nur m&ouml;glich, weil man die Sicherheit str&auml;flich vernachl&auml;ssigte und mangels Ersatzteilen Teile aus Orbitern in der Reparatur ausbaute und in die Orbiter einbaute, die in Betrieb waren. Zwar hat die Turbaround-Zeit prim&auml;r nichts mit der Wiederverwendung selbst zu tun &#8211; sofern man gen&uuml;gend Raketen hat, kann man sich auch lange Turnaroundzeiten leisten \u2013 doch entstehen diese Verz&ouml;gerungen ja durch Arbeit an der Rakete und diese Arbeit bedeutet Kosten.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Einfl&uuml;sse auf die Produktion<\/h3>\n<p>Raketen werden in kleinen St&uuml;ckzahlen gefertigt. Sie sind zwar keine Einzelst&uuml;cke in dem Sinne, dass sie Unikate sind, aber die Herangehensweise ist wie bei einem Einzelst&uuml;ck. Trotzdem braucht man relativ gro&szlig;e Produktionsanlagen, einfach weil Raketen sehr gro&szlig; sind. Sie werden bei jedem Typ auf eine bestimmte St&uuml;ckzahl pro Jahr ausgelegt und wird diese unterschritten so verteuert dies die Rakete drastisch. Es gibt bekannte Beispiel daf&uuml;r. Die Titan wurde sehr teuer, als die Titan 4 die Titan 3 Linie abl&ouml;ste. Sie wurde seltener eingesetzt, die Titan 3B Version ohne Booster fiel ganz weg. Die letzten Exemplare kosteten &uuml;ber 400 Millionen Dollar pro Start \u2013 und das vor 20 Jahren, heute entsprechend inflationsjustiert mehr. Etwas &Auml;hnliches konnte man bei der Pegasus beobachten, die in den ersten Jahren nach dem Jungfernflug dank einer NASA-Politik von Goldin, mehrmals pro Jahr flog und dann immer seltener. Eine Produktion ist idealerweise auf die zu erwartende St&uuml;ckzahl ausgelegt. Bei Ariane 1 und Vega erwartete man nie viele Starts, baut die Tr&auml;ger z.B. an der Startrampe zusammen, was ein Fabrikgeb&auml;ude einspart. Umgekehrt ist Ariane 6 auf mehr Starts als Ariane 5 ausgelegt, wobei Arianespace derzeit deswegen mit den europ&auml;ischen Regierungen streitet, denn das war auch verbunden mit einer Mindestabnahme durch Europa \u2013 Arianespace kann ja nicht wie ULA und SpaceX mit vielen Regierungsauftr&auml;gen rechnen.<\/p>\n<p>Entsprechend war das Argument, dass man von Airbus (die fertigen inzwischen Ariane) h&ouml;rte, dass sich Wiederverwendung nicht lohne, weil man eh nur wenige Raketen pro Jahr fertige. Wenn dies nun nur noch eine oder zwei Ariane pro Jahr w&auml;ren, w&auml;ren sie entsprechend teurer denn man kann die Besch&auml;ftigten ja nicht einfach entlassen und nach einem Jahr wieder f&uuml;r kurze Zeit anstellen. Allerdings hat man sich bei Arianespace dadurch das man das urspr&uuml;ngliche Konzept der Ariane 6 hin zu einer Ariane 5 \u201e2.0\u201c &auml;nderte, auch keinen Gefallen getan, denn die erste Version war f&uuml;r Einzelstarts ausgelegt und w&auml;re entsprechend h&auml;ufiger eingesetzt worden.<\/p>\n<p>Bei SpaceX denke ich wird man aber keinen dieser rationalen Gr&uuml;nde anf&uuml;hren k&ouml;nnen. Es ist vielmehr ein Dogma, das Elon Musk als Ziel gesetzt hat und das deswegen auch durchgef&uuml;hrt wird. Obwohl SpaceX in der gl&uuml;cklichen Lage ist, das sie US-Regierungsauftr&auml;ge erhalten und diese inzwischen mehr als 50 % aller Auftr&auml;ge, die nicht Starlink betreffen ausmachen, ist doch auch deutlich das sie ohne Starlink ein Problem h&auml;tten. 2017 hatten sie 18 von Kunden gebuchte Starts , 2018 stieg das auf 21. Doch 2019 und 2020 waren es nur 11. Entsprechend teuer w&uuml;rde die Produktion werden, wenn es nicht Starlink g&auml;be. Sie br&auml;uchten ja sonst nur noch eine oder zwei neue Falcons pro Jahr fertigen. Umgekehrt w&auml;re die Produktionskapazit&auml;t, die sie anfangs hatten, als es mit dem Wiederverwenden noch nicht klappte und sie f+r jeden Start eine neue Erststufe ben&ouml;tigten nie in der Lage Starlink abzuwickeln, denn verglichen mit diesen ersten Jahren finden heute etwa dreimal so viele Starts statt. Im &ouml;konomischen Sinne verhilft Starlink daher dem Konzept zu mehr Rentabilit&auml;t. Da es soweit man wei&szlig;, vor allem durch Kapitalbeteiligungen und Finanzspritzen (erst k&uuml;rzlich eine von der FCC &uuml;ber 884 Millionen Dollar) finanziert wird kostet das Starten eigener Satelliten die Firma verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig wenig.<\/p>\n<p>Ich glaube, dass die Startzahl der Grundschl&uuml;ssel zur Wirtschaftlichkeit ist. Erreicht man trotz Wiederverwendung eine ausreichende Fertigungszahl, damit die restlichen Stuten nicht exorbitant teuer werden, dann lohnt es sich, sonst nicht. Diese Erkenntnis hat man auch bei SpaceX gewonnen, denn warum sonst h&auml;tte man sich mit der Einf&uuml;hrung der Falcon Heavy \u2013 f&uuml;nf Jahre nach der Falcon 9, l&auml;nger als deren gesamte Entwicklungsdauer \u2013 so lange Zeit gelassen. Es gab nur wenige gebuchte Starts und von denen sprangen dann auch noch Kunden ab.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Der technische Aspekt<\/h3>\n<p>Wiederverwendung bekommt man nicht umsonst \u2013 sie kostet Nutzlast. Das Space Shuttle als vollst&auml;ndig wiederverwendbares Gef&auml;hrt wog als es in den Orbit kam rund dreimal so viel wie die Nutzlast selbst. Nun gelangt auch sonst noch die Oberstufe mit Avionik mit den Orbit, doch die wiegt in der Regel weniger als die Nutzlast selbst, typisch ein Drittel bis die H&auml;lfte. SpaceX hat sich wohl aus dem Grund bisher nicht an die Wiederverwendung der Oberstufe gewagt. Bei der ersten Stufe ist es unkritischer da typisch 3 bis 6 kg mehr (je nach Stufenzahl und Technologie) Masse bei der ersten Stufe die Nutzlast um 1 kg absenken.<\/p>\n<p>Musk reklamierte in fr&uuml;hen Posts ein Voll-\/Leermasseverh&auml;ltnis von 30 zu 1 bei der ersten Stufe und \u201enahezu\u201c 25 zu 1 bei der Oberstufe. Heute verbrauchen die ersten Stufender Falcon 9 typisch etwa 8-9 Prozent Treibstoff der Gesamtladung zum Landen. Klingt nach wenig, ist bei einem Strukturfaktor von 30 aber mehr als doppelt, so viel wie die Stufe selbst wiegt. Sie d&uuml;rften um die Belastungen auszuhalten, auch stabiler und damit schwerer sein. Entsprechend wird die Nutzlast kleiner.<\/p>\n<p>Ich habe mich mal bem&uuml;ht die Falcon 9 so auszulegen, wie Musk sie beschreibt, also mit Strukturfaktor 30 und 24 (f&uuml;r nahezu 25). Basierend auf Schub und Brenndaten ist das nicht einfach, weil man mit den offiziellen Zahlen so auf mehr Treibstoff kommt, als die Rakete beim Start wiegen sollte. Ich habe dann als feste Werte, die 411 Treibstoff die SpaceX f&uuml;r die erste Stufe bei einem FAA Statement angab, genommen, 10 t von den 549 t Startmasse f&uuml;r die Nutzlastspitze abgezogen und basierend auf den Strukturfaktoren dann die Stufenmassen berechnet. Eine solche Rakete k&auml;me auf 10 t Nutzlast in einen GTO. Auf der Website stehen 8,3 t, doch sind die offensichtlich genauso falsch wie die Angaben &uuml;ber Brennzeit (die man leicht bei Videos nachpr&uuml;fen kann, bei Schub und spezifischen Impuls ist das nicht m&ouml;glich). Bei einem Fachvortrag vor Publikum nannte K&ouml;nigsmann 6,5 t maximal in den GTO, was auch zu den bisher gestarteten Nutzlasten passt \u2013 der erst letzten Dezember gestartete SXM-7 mit 7 t Masse erreichte nur einen subsynchronen Orbit von 234 x 19.380 x 27.0 Grad, dabei wurde die erste Stufe nicht geborgen. Das ist passend zu anderen Starts in Sub-GTO von schweren Satelliten. Kurz: die Wiederverwendung kostet SpaceX rund 35 % Nutzlast in einen GTO.<\/p>\n<p>Ob dies f&uuml;r den Einsatz relevant ist, h&auml;ngt vom Kundenstamm und seinen Bed&uuml;rfnissen ab. SpaceX kann nur Einzelstarts durchf&uuml;hren. Nur wenige Satelliten sind in den GTO schwerer als 6 t. F&uuml;r den LEO oder SSO ist die dann etwa dreimal h&ouml;here Nutzlast mehr als ausreichend, selbst f&uuml;r die Dragon Raumschiffe. Bei Arianespace, die in der Regel Doppelstarts durchf&uuml;hrt, sind 35 % Nutzlasteinbu&szlig;e dagegen schwerwiegend. Ariane 5\/6 kann einen schweren und einen leichten oder zwei mittelschwere Satelliten transportieren. Mit einem Drittel weniger Nutzlast w&auml;re das in der Regel dann nur noch ein Einzelstart, au&szlig;er man hat zwei extrem leichte Satelliten mit Massen unter 3 t. Letztendlich hat SpaceX die Lektion ja auch selbst lernen m&uuml;ssen, denn ihre Falcon heavy war unn&ouml;tig. Ich habe daher auch die Ansicht, dass es dem Starship &auml;hnlich gehen wird.<\/p>\n<p>Der springende Punkt, ob sich Wiederverwendung wirtschaftlich lohnt, kann man nicht beurteilen, weil es keine ver&ouml;ffentlichten Bilanzen von SpaceX gibt. Nehme ich nur die offiziellen Zahlen f&uuml;r gebuchte Starts, so ist sie teurer geworden:<\/p>\n<p>At the time of the rocket&#8217;s maiden flight in 2010, the price of a Falcon 9 v1.0 launch was listed from US$49.9 to US$56 million.[5] By 2012, the listed price range had increased to US$54\u2013US$59.5 million.[162] In August 2013, the initial list price for a Falcon 9 v1.1 was US$56.5 million;[163] it was raised to US$61.2 million by June 2014.[164] Since May 2016, the standard price for a Falcon 9 Full Thrust mission (allowing booster recovery) is published as US$62 million (<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Falcon_9#Pricing\">Quelle Wikipedia<\/a>). Doch da die Firma nat&uuml;rlich immer so viel f&uuml;r ihre Starts verlangt wie es geht, ist das kein Hinweis auf die wahren Kosten. Entsprechend schwankt auch der Startpreis f&uuml;r die NASA, die einzigen Abschl&uuml;sse, die publiziert werden stark:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"33%\">Nutzlast<\/th>\n<th width=\"33%\">Startpreis<\/th>\n<th width=\"33%\">Jahr<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">DSCOVR<\/td>\n<td width=\"33%\">97 Mill.<\/td>\n<td width=\"33%\">2015<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">Jason-3<\/td>\n<td width=\"33%\">82 Mill.<\/td>\n<td width=\"33%\">2016<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">TESS<\/td>\n<td width=\"33%\">87 Mill.<\/td>\n<td width=\"33%\">2018<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">GPS III-01<\/td>\n<td width=\"33%\">82,7 Mill.<\/td>\n<td width=\"33%\">2018<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">STP-2 (FH)<\/td>\n<td width=\"33%\">160 Mill.<\/td>\n<td width=\"33%\">2019<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">GPS III-03<\/td>\n<td width=\"33%\">96,5 Mill.<\/td>\n<td width=\"33%\">2020<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">GPS III-04<\/td>\n<td width=\"33%\">96,8 Mill.<\/td>\n<td width=\"33%\">2020<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">Sentinel 6<\/td>\n<td width=\"33%\">97 Mill.<\/td>\n<td width=\"33%\">2020<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">DART<\/td>\n<td width=\"33%\">69 Mill.<\/td>\n<td width=\"33%\">2021<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">GPS III-05<\/td>\n<td width=\"33%\">96,8 Mill.<\/td>\n<td width=\"33%\">2021<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">IXPE<\/td>\n<td width=\"33%\">50,3 Mill.<\/td>\n<td width=\"33%\">2021<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">GPS III-06<\/td>\n<td width=\"33%\">96,8 Mill.<\/td>\n<td width=\"33%\">2022<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">SWOT<\/td>\n<td width=\"33%\">112 Mill.<\/td>\n<td width=\"33%\">2022<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">Psyche (FH)<\/td>\n<td width=\"33%\">117. Mill.<\/td>\n<td width=\"33%\">2022<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">USSF-44 (FH)<\/td>\n<td width=\"33%\">316 Mill.<\/td>\n<td width=\"33%\">2022<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">PACE<\/td>\n<td width=\"33%\">82,7 Mill.<\/td>\n<td width=\"33%\">2023<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">PPE\/HALO (FH)<\/td>\n<td width=\"33%\">331,7 Mill.<\/td>\n<td width=\"33%\">2024<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">SphereX<\/td>\n<td width=\"33%\">99 Mill.<\/td>\n<td width=\"33%\">2024<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">IMAP<\/td>\n<td width=\"33%\">109,4 Mill.<\/td>\n<td width=\"33%\">2024<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Preise sind dann niedrig, wenn es die Nutzlast leicht ist, sodass die NASA\/DOD von der Delta 4 oder Atlas V auf eine kleinere Rakete ausweichen k&ouml;nnte, wie die Minotaur. Man sieht das an IXPE, einem 299 kg schweren Satelliten in einen 540 km hohen SSO, der w&auml;re auch mit einer Minotaur startbar. Ebenso ist SpaceX beim CRS-Programm inzwischen der teuerste Anbieter, obwohl sie als einzige Firma sowohl Rakete wie auch Raumschiff wiederverwenden.<\/p>\n<p>Das man immer so viel verlangt, wie geht zeigt auch bei den baugleichen GPS-Satelliten. Der erste Satellit wurde erheblich billiger transportiert, um einen Fu&szlig; in die T&uuml;r zu bekommen. Die Folgenden vier waren dann 17 % teurer. Umgekehrt langt SpaceX zu, wenn es keine Alternative gibt, so gibt es Startpreise von &uuml;ber 300 Millionen Dollar, mehr zwei Delta 4M oder Atlas V kosten, die aber nicht f&uuml;r die Nutzlast ausreichen.<\/p>\n<p>H&auml;tte ich eine so einfache Weltsicht wie mancher Kommentator w&uuml;rde ich diese Tatsachen als \u201eBeweis\u201c daf&uuml;r anbringen, das Wiederverwendung teurer ist als keine Wiederverwendung. Da SpaceX aber immer gerade so viel verlangt wie m&ouml;glich w&auml;re, um den Auftrag zu bekommen, ist in jedem Falle aber eines sicher \u2013 Wiederverwendung hat der US-Raumfahrt nichts gebracht, denn die Startpreise bleiben so hoch, Einsparungen, die es z.B. durch niedrige Startpreise gegeben haben k&ouml;nnte, h&auml;tten weitere Missionen erm&ouml;glicht. Wenn man, aber wie ich Elon Musk nicht als Wohlt&auml;ter und an Raumfahrt interessierten einstuft, sondern als jemanden, der Geld verdienen will, dann passt das Verhalten genau zu dieser Absicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem in den Kommentaren immer wieder der Hinweis auf die Wiederverwendung der Falcon 9 und die gro&szlig;e Errungenschaft hervorgehoben wird, nehme ich mich des Themas erneut an. Das ist nicht neu, das habe ich schon vor Jahren getan. Um das Thema zuerst mal allgemein zu behandeln, will ich Wiederverwendung mal zuerst woanders beleuchten. 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