{"id":15241,"date":"2021-03-23T12:08:09","date_gmt":"2021-03-23T11:08:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=15241"},"modified":"2021-03-24T10:06:42","modified_gmt":"2021-03-24T09:06:42","slug":"optionen-fuer-eine-oberstufe-fuer-die-vega","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2021\/03\/23\/optionen-fuer-eine-oberstufe-fuer-die-vega\/","title":{"rendered":"Optionen f&uuml;r eine Oberstufe f&uuml;r die Vega"},"content":{"rendered":"<p>Wenn die Vega C fliegt, dann wird sie rund 50 % mehr Nutzlast haben als ihr <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/vega-rakete.shtml\">Vorg&auml;ngermodell<\/a>. Ich sehe darin eine Chance kleine Raumsonden zu starten, die einen begrenzten Auftrag haben, aber daf&uuml;r auch billig sind. Ich denke es gibt einen guten Kompromiss zwischen Gr&ouml;&szlig;e und Leistung in dem Segment, das heute Mikrosatelliten einnehmen, also einer Masse von 200 bis 300 kg. Eine Raumsonde w&auml;re, selbst wenn man einen dieser Busse einsetzt, schwerer, ben&ouml;tigt sie doch in der Regel ein Antriebssystem, w&auml;hrend Mikrosatelliten passiv in der Lage stabilisiert sind und ihre Bahn nicht &auml;ndern. Daneben ben&ouml;tigt sie ein viel leistungsf&auml;higeres Kommunikationssystem, das aus gro&szlig;er Entfernung mit der Erde kommunizieren kann, das ebenfalls Gewicht addiert. Mit Instrumenten wird eine Raumsonde so bei 300 kg Gewicht ankommen. Das k&ouml;nnte, wenn man die Raketengrundgleichung nimmt eine Vega C mit einer zus&auml;tzlichen Stufe bef&ouml;rdern. Doch sie hat keine Stufe, daher will ich mal Optionen f&uuml;r diese er&ouml;rtern.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/1883f2c8cbdb44c587d4d85d692f7cd9\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><!--more--><\/p>\n<h3 class=\"western\">Ausgangsbasis<\/h3>\n<p>Ausgangsbasis ist bei mir eine Nutzlast der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/vega-c-e.shtml\">Vega C<\/a> von 3.400 kg in einen 33 Grad geneigten Orbit. Diese Bahnneigung ist nicht durch Zufall gew&auml;hlt. Der nutzlasttechnisch optimale Orbit h&auml;tte eine Bahnneigung von etwa 5 bis 6 Grad, da die Vega C vom CSG mit etwas &uuml;ber 5 Grad geografischer Breite aus startet. Nur kommt man bei dieser Bahnneigung nicht zu den meisten Zielen. Das ist auch der Grund, warum ich die preiswertere Alternative zu einer eigenen Oberstufe &#8211; die Mitf&uuml;hrung als Sekund&auml;rnutzlast bei einer Ariane 6 &#8211; nicht betrachte. Nat&uuml;rlich kann eine <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/ariane6.shtml\">Ariane 6<\/a> auch h&ouml;here Bahnneigungen anstreben, doch dann gibt es das Problem, das dies mit den Anforderungen der Hauptnutzlast kollidiert und bestimmte Bahnneigungen sind verboten damit die Zentralstufe nicht &uuml;ber S&uuml;damerika oder S&uuml;dafrika niedergeht. Das f&uuml;hrte schon dazu das <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/bepicolombo-raumsonde-instrumente.shtml\">BepiColombo<\/a> eine Extrarunde drehte, da der direkte Kurs zur Venus aufgrund dieser Restriktionen ausschied. Erst ein Erdvorbeiflug hob die Bahnneigung auf den korrekten Wert an. Die Wahl der Bahnneigung von 33 Grad erfolgte, weil keine US-Raumsonde jemals eine Bahn hatte, die mehr als 33 Grad Bahnneigung hatte.<\/p>\n<p>Von den 3.400 kg Maximalnutzlast habe ich 200 kg f&uuml;r den Adapter und als Reserve abgezogen. Zielbahn ist eine in 200 km H&ouml;he.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Eine Feststoffoberstufe<\/h3>\n<p>Das naheliegendste und missionstechnisch optimale ist eine Feststoffoberstufe. Das Problem ist deren Gr&ouml;&szlig;e. Eine Raumsonde kann zur Venus starten \u2013 dann ben&ouml;tigt man rund 3,6 km\/s &uuml;ber Kreisbahngeschwindigkeit, es k&ouml;nnen bei Asteroidenmissionen aber auch 5 km\/s sein. Man wird sie daher auf den mittleren Bereich der Zielgeschwindigkeit einstellen. Ist die Nutzlast schwerer (niedrige Geschwindigkeit) so l&auml;sst man Treibstoff weg. Ist die Geschwindigkeitsanforderung h&ouml;her so kann ein Teil der Differenz kompensiert werden, indem man die nun leichtere Kombination (leichtere Nutzlast) auf einer elliptischen Bahn entl&auml;sst.<\/p>\n<p>Ich habe mich im Folgenden an der PAM-D Folgenden, an der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/shuttle-oberstufen.shtml\">PAM-D<\/a> orientiert die auch in der Masse im richtigen Bereich liegt. F&uuml;r ein nominelles dV von 4,1 km\/s, einem spezifischen Impuls von 2.850 m\/s und einem Voll-\/Leermasseverh&auml;ltnis von 9,2, dem der PAM-D erh&auml;lt man folgende Eckdaten:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"50%\">System<\/th>\n<th width=\"50%\">Gewicht<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Startmasse:<\/td>\n<td width=\"50%\">3.200 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Davon Oberstufe:<\/td>\n<td width=\"50%\">2.738 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Oberstufe trocken:<\/td>\n<td width=\"50%\">296 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Nettonutzlast:<\/td>\n<td width=\"50%\">462 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Nutzlast zur Venus (11,4 km\/s)<\/td>\n<td width=\"50%\">604 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Nutzlast zum Mars (11,6 km\/s)<\/td>\n<td width=\"50%\">547 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Max. Geschwindigkeit bei 300 kg Nutzlast<\/td>\n<td width=\"50%\">4,8 km\/s<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>F&uuml;r die Feststoffoberstufe spricht ihr einfacher Aufbau, niedriges Leergewicht und ihr hoher Schub. Gegen sie spricht der niedrige spezifische Impuls, und das sie nur einmal z&uuml;ndbar ist. Die folgenden Alternativen k&ouml;nnen dagegen, wenn gew&uuml;nscht auch das Einbremsen in einen Orbit &uuml;bernehmen. Allerdings erreicht der Zefiro 9A Antrieb auch einen h&ouml;heren spezifischen Impuls der bei nur 547 kg Nutzlast diese schon deutlich anhebt.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Erprobt: Satellitentriebwerke<\/h3>\n<p>Die Vega hat schon eine Raumsonde gestartet: Lisa-Pathfinder in den L2-Lahrangepunkt. Ohne Oberstufe wurde in LISA Pathfinder ein 400 N Apog&auml;umanstrieb integriert mitsamt den ben&ouml;tigten Treibstofftanks. Das ganze ist dann keine getrennte Stufe, sondern ein integrierter Antrieb. LISA Pathfinder wog 1.906 kg beim Start, davon waren fast 1.100 kg Treibstoff waren. Bei Ankunft im Lissajous-Orbit wog sie noch 810 kg, wovon nur 480 kg auf die Raumsonde selbst entfielen. Das bedeutet, bei 1.426 kg Startmasse wog das Modul trocken noch 330 kg, was ein sehr schlechtes Masseverh&auml;ltnis ist. Wie hoch es generell sein kann, wei&szlig; zumindest ich nicht, weil die Massen der Subsysteme bei Satelliten selten ausgewiesen werden. Ein Beispiel, dass ich kenne war das Antriebssystem von <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/galileo-orbiter.shtml\">Galileo<\/a>, das ein Voll-\/Leermasseverh&auml;ltnis von 5 hatte. Selbst bei Integration in die Sonde, die beim Ziel auch ein Antriebssystem braucht, wird man bei druckgef&ouml;rderten Antrieben aufgrund der durch den Innendruck schweren Tanks aber selbst bei gro&szlig;en Stufen selten &uuml;ber ein Verh&auml;ltnis von 8 hinauskommen.<\/p>\n<p>Der Hauptnachteil des geringen Schubs ist aber die lange Brenndauer. Beim normalen Einsatzzweck bei einem Apog&auml;umantrieb spielt dies nur eine untergeordnete Rolle, da der Satellit lange Zeit Im Apog&auml;um seine Entfernung von der Erde kaum &auml;ndert. Im Perig&auml;um ist das anders. Es resultieren hohe Gravitationsverluste. Diese kann man minimieren, indem man die Bahn &uuml;ber sehr viele Einzelbahnen anhebt, jeweils nur kurz um das Perig&auml;um herum. Das geht so lange, bis die letzte Geschwindigkeitserh&ouml;hung f&auml;llig ist und die bringt die Sonde dann auf Fluchtgeschwindigkeit. Bei dieser Bahn sind Gravitationsverluste unvermeidlich. Bei einem c<sub>3<\/sub> von 8 km\/s sind es fast 600 m\/s Gravitationsverluste selbst bei 16 Zwischenbahnen. Das geht, senkt aber die Nutzlast ab. Hier dieselbe Tabelle wie bei der Feststoffoberstufe unter der Ber&uuml;cksichtigung von 600 m\/s Verlusten:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"50%\">System<\/th>\n<th width=\"50%\">Gewicht<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Startmasse:<\/td>\n<td width=\"50%\">3.200 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Davon Oberstufe:<\/td>\n<td width=\"50%\">2.977 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Oberstufe trocken:<\/td>\n<td width=\"50%\">496 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Nettonutzlast:<\/td>\n<td width=\"50%\">223 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Nutzlast zur Venus (11,4 km\/s)<\/td>\n<td width=\"50%\">347 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Nutzlast zum Mars (11,6 km\/s)<\/td>\n<td width=\"50%\">0 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Max. Geschwindigkeit bei 300 kg Nutzlast<\/td>\n<td width=\"50%\">3,78 km\/s<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2 class=\"western\">Ein schubkr&auml;ftigeres Triebwerk<\/h2>\n<p>Anstatt nun mehrere dieser 400 N Antriebe zu kombinieren, kann man gleich auf ein gr&ouml;&szlig;eres Triebwerk zur&uuml;ckgreifen. Leider ist da die Auswahl nicht sehr gro&szlig;. Bei Oberstufentriebwerken geht es erst bei rund 30 kN Schub los, was schon wieder zu viel ist, vor allem weil ein Triebwerk dann auch 200 kg wiegt und dies von der Nutzlast abgeht. Der naheliegendste Gedanke ist es das 2,5 kN Triebwerk der Vega in eine eigene Stufe zu &uuml;bernehmen. Es hat den Schub von sechs 400 N Triebwerken. Es stammt aus der Ukraine, doch wenn es Sorgen wegen der Abh&auml;ngigkeit gibt kann man einfach ein Dutzend davon kaufen und einlagern und vor dem Einsatz einmal testen. F&uuml;r die Vega hat eine Studief&uuml;r die DLR eine Alternative zum ukrainischen Triebwerk mit einem 8 kN Antrieb untersucht, hier w&uuml;rde die Stufe trocken 974,5 kg wiegen bei 1.700 kg Treibstoff. Das w&auml;re aber eine Stufe f&uuml;r die Vega mitsamt der ganzen Avionik f&uuml;r die gesamte Rakete. Diese wiegt bei der Vega alleine 171 kg. Zieht man dies ab, so kommt man auf ein Voll.\/Leermasseverh&auml;ltnis von 3,5 also auch nicht wesentlich besser. Da w&auml;re das originale Antriebsmodul der Vega mit mehr Tanks deutlich besser, es liegt hochskaliert bei 5,4 zu 1. Ich habe f&uuml;r die obige Tabelle mit 6 zu 1 gerechnet, weil es wie der Satellitenantrieb in die Struktur integriert wird. Die Gravitationsverluste sinken und liegen nur bei unter 450 m\/s bei weniger ben&ouml;tigten Zwischenbahnen, maximal 5 St&uuml;ck.<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"50%\">System<\/th>\n<th width=\"50%\">Gewicht<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Startmasse:<\/td>\n<td width=\"50%\">3.200 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Davon Oberstufe:<\/td>\n<td width=\"50%\">2.967 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Oberstufe trocken:<\/td>\n<td width=\"50%\">494 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Nettonutzlast:<\/td>\n<td width=\"50%\">232 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Nutzlast zur Venus (11,4 km\/s)<\/td>\n<td width=\"50%\">497 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Nutzlast zum Mars (11,6 km\/s)<\/td>\n<td width=\"50%\">434 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Max. Geschwindigkeit bei 300 kg Nutzlast<\/td>\n<td width=\"50%\">4,267 km\/s<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h3 class=\"western\">Ionentriebwerke<\/h3>\n<p>Die ESA hat selbst eine Studie f&uuml;r eine Ionenantriebsstufe VENuS erarbeitet, die allerdings nur f&uuml;r Transfers innerhalb der Erde. Diese Stufe wog 838 kg trocken und fasste bis zu 751 kg Xenon bei einer Stromversorgung von 16 kW. F&uuml;r den h&ouml;heren Antriebsbedarf im Sonnensystem braucht man mehr Xenon und mehr Strom. Nimmt man zwei 10 kW Fl&uuml;gel, die vier RIT-22 Triebwerke speisen und addiert f&uuml;r weiteres Xenon noch die Tankmasse, dann m&uuml;sste folgende Stufe resultieren:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Startmasse:<\/td>\n<td width=\"50%\">3.200 kg<\/td>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Davon Oberstufe:<\/td>\n<td width=\"50%\">2.390 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Oberstufe trocken:<\/td>\n<td width=\"50%\">968 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Nettonutzlast:<\/td>\n<td width=\"50%\">810 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Nutzlast zur Venus (11,4 km\/s)<\/td>\n<td width=\"50%\">1.374 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Nutzlast zum Mars (11,6 km\/s)<\/td>\n<td width=\"50%\">1.292 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Max. Geschwindigkeit bei 300 kg Nutzlast<\/td>\n<td width=\"50%\">21 km\/s<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Hinsichtlich Nutzlast punktet die Stufe. Das Problem sind die langen Betriebszeiten. Sie braucht 1 Jahr 95 Tage um Fluchtgeschwindigkeit zu erreichen. F&uuml;r einen Kurs zum Mars weitere 261 Tage. Hat man die Zeit, so ist die Stufe aber unschlagbar. Mit ihr w&auml;re ein Asteroid in noch 450 Millionen km Distanz (kreisf&ouml;rmige Umlaufbahn angenommen) erreichbar. Bei kleinen Himmelsk&ouml;rpern ist der Ionenantrieb auch gut geeignet, um dort in eine Umlaufbahn einzuschwenken und sie zu verlassen wie <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/hayabusa.shtml\">Hajabusa<\/a> demontiert hat. Relativ leicht ist die Nutzlast anzupassen, indem man einfach mehrere Tanks vorsieht und je nach Geschwindigkeitsbedarf einen wegl&auml;sst oder weniger voll f&uuml;llt. Als Nebeneffekt kann sie auch innerhalb der Erdumlaufbahn eingesetzt werden. Innerhalb eines Jahres kann sie einen 1.800 kg schweren Satelliten in den GEO bringen, &auml;hnlich viel Nutzlast in einen Gelileoorbit. Das er&ouml;ffnet zus&auml;tzliche Einsatzm&ouml;glichkeiten.<\/p>\n<h3 class=\"western\">M&ouml;gliche Ziele<\/h3>\n<p>Wohin k&ouml;nnen die nun kleinen Raumsonden fliegen?<\/p>\n<p>Prim&auml;r gibt es mit dem dV Budget drei gro&szlig;e Ziele:<\/p>\n<ul>\n<li>den Mond<\/li>\n<li>die Venus<\/li>\n<li>und der Mars<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ich halte aber Missionen zu diesen Himmelsk&ouml;rpern f&uuml;r nicht besonders attraktiv. Denn hier gibt es die Konkurrenz durch gr&ouml;&szlig;ere Raumsonden, die regelm&auml;&szlig;ig dorthin starten. Zu Mars sowieso, zum Mond nun wegen des erneut gestiegenen Interesses auch. Lediglich zur Venus sind keine Missionen geplant. Bei allen drei gro&szlig;en K&ouml;rpern muss man mindestens noch mit einem dV von 800 m\/s rechnen, um in einen elliptischen Orbit einzuschwenken. Bei Venus und Mars kann der durch Aerobraking abgesenkt werden. Beim Mond ben&ouml;tigt man dazu nur wenig mehr Geschwindigkeit. Wenn man diese Ziele anvisiert, dann wohl am ehesten die Venus. Zwei L&ouml;sungen bringen 600 bzw. fast 500 kg zur Venus, wovon im Orbit noch 70 % &uuml;brig bleiben also 350 bis 400 kg. Das ist vergleichbar der Masse von <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/akatsuki.shtml\">Akatsuki<\/a> (516 \/ 329 kg). Bei einer Ionenantriebsstufe ist die Nutzlast so gro&szlig; das es sogar eine Raumsonde von dem Gewicht von <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/venus-express1.shtml\">Venus Express<\/a> sein k&ouml;nnte.<\/p>\n<p>Die idealen Ziele sind f&uuml;r mich aber kleine erdnahe Asteroiden, von denen ja schon vier von Sonden besucht wurden: Eros (von <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/near.shtml\">Near<\/a>), Itokawa (von Hayabusa 1), Bennu (von<a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/osiris-rex.shtml\"> OSIRIS-REx<\/a>), Ryugu (von <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/hayabusa-2.shtml\">Hayebusa 2<\/a>). Diese kleinen K&ouml;rper dienen inzwischen vornehmlich der Bodenprobenentnahme oder Tests von Abwehrtechniken wie dem Aufschlag eines Projektils. Das liegt auf der Hand, denn sie sind so klein, das sie keine Atmosph&auml;re haben und keine Plasmaumgebung. Damit entfallen ganze Instrumentsuites die f&uuml;r diesen Zweck entworfen wurden. Sinnvoll kann man bei ihnen eigentlich nur wenige Instrumente einsetzen:<\/p>\n<ul>\n<li>Eine Kamera f&uuml;r Aufnahmen.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Ein (abbildendes) Spektrometer zur Bestimmung der mineralogischen Zusammensetzung.<\/li>\n<li>Eine R&ouml;ngenstrahlenspektrometer zur Bestimmung der chemischen Zusammensetzung.<\/li>\n<li>Ein Radar zur Durchleuchtung des Inneren.<\/li>\n<li>Einen H&ouml;henmesser f&uuml;r das Profil.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die ersten drei Experimente liefern die meisten Informationen und sind selbst im Gewichts- und Strombudget einer kleinen Sonde unterbringbar.<\/p>\n<p>Eine Suche mit den <a href=\"https:\/\/trajbrowser.arc.nasa.gov\/traj_browser.php?NEOs=on&amp;NEAs=on&amp;NECs=on&amp;chk_maxMag=on&amp;maxMag=19&amp;chk_maxOCC=on&amp;maxOCC=4&amp;target_list=&amp;mission_class=oneway&amp;mission_type=rendezvous&amp;LD1=2024&amp;LD2=2040&amp;maxDT=4&amp;DTunit=yrs&amp;maxDV=5&amp;min=DV&amp;wdw_width=365&amp;submit=Search#a_load_results\">NASA Trajektorie Browser<\/a> liefert 10 Ziele, die man zwischen 2024 und 2040 mit einem dV von unter 5 km\/s erreichen kann. Das g&uuml;nstigste Ziel von der Geschwindigkeit her w&auml;re Nereus bei einem Start 2031 mit einem dV von 4,45 km\/s. Doch schon das liegt &uuml;ber dem, was zwei der vier L&ouml;sungen erreichen k&ouml;nnen, wenn die Sonde 300 kg schwer sein soll: 200 kg wiegt ein typischer Minisatellit, dazu k&auml;me noch das Mehrgewicht f&uuml;r die Hochgewinnantenne und Treibstoff f&uuml;r kleine Kurskorrekturen. Das zeigt aber schon die Problematik der starken Nutzlastabnahme, denn von 3,2 t bleiben ja nur wenige Hundert Kilogramm &uuml;brig. Wenig mehr Geschwindigkeitsbedarf und sie wird indiskutabel klein.<\/p>\n<p>Die Ionenantriebsstufe sieht hier nutzlasttechnisch viel besser aus. Vor allem hat sie nicht den Nachteil, dass sie nicht den Schub f&uuml;r das Einbremsen in einen Orbit bei den gro&szlig;en K&ouml;rpern liefert. Stattdessen gleicht sie die Bahn der Sonde dem des Ziels an. Mit ihr w&uuml;rde man nicht nur erdnahe K&ouml;rper erreichen. Bei vier Triebwerken und der M&ouml;glichkeit der Schubreduktion k&ouml;nnte man bis in den Hauptg&uuml;rtel, wo sich gr&ouml;&szlig;ere Asteroiden tummeln kommen. Dann hat man aber lange Reisezeiten wie bei <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/dawn.shtml\">Dawn<\/a>. Da sie im Prinzip universell einsetzbar ist und auch leichte Kommunikationssatelliten (entsprechend rund 3 t Masse im GTO) oder zwei Galileo-Navigationssatelliten transportieren k&ouml;nnte halte ich sie f&uuml;r die beste L&ouml;sung. F&uuml;r erdnahe Eins&auml;tze w&uuml;rde man sie wie im<a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/307906178_VEnUS_an_electric_orbit_raising_stage_for_VEGA\"> ESA-Vorschlag<\/a> dann mit Ionentriebwerken mit einem h&ouml;heren Schub aber geringeren spez. Impuls ausr&uuml;sten. Das erh&ouml;ht zwar den Treibstoffbedarf, senkt aber die Betriebsdauer deutlich ab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn die Vega C fliegt, dann wird sie rund 50 % mehr Nutzlast haben als ihr Vorg&auml;ngermodell. Ich sehe darin eine Chance kleine Raumsonden zu starten, die einen begrenzten Auftrag haben, aber daf&uuml;r auch billig sind. 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