{"id":15290,"date":"2021-04-13T20:11:52","date_gmt":"2021-04-13T18:11:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=15290"},"modified":"2025-07-14T16:06:07","modified_gmt":"2025-07-14T14:06:07","slug":"sechzig-jahre-bemannte-raumfahrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2021\/04\/13\/sechzig-jahre-bemannte-raumfahrt\/","title":{"rendered":"Sechzig Jahre bemannte Raumfahrt"},"content":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_15290\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"15290\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Gestern vor genau sechzig Jahren startete Juri Gagarin zu dem ersten \u201eorbitalen\u201c Weltraumflug. Warum ich das in Anf&uuml;hrungszeichen gesetzt habe, dazu sp&auml;ter mehr. Au&szlig;erdem ist heute der vierzigste Geburtstag des ersten Space Shuttle Fluges, das nun auch schon zehn Jahre lang Geschichte ist. Zeit mal die letzten Jahrzehnte im R&uuml;ckblick aufzurollen.<\/p>\n<p>Zwischen Gagarins Flug und STS-1 liegt nur ein Drittel der Zeitspanne, in ihre ereignete sich aber am meisten. Russlands Wostokkapsel und die Mercury Raumschiffe der Amerikaner waren vergleichsweise primitiv. Viel zu tun gab es nicht. In den <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/wostok.shtml\">Wostokkapseln<\/a> war der Kosmonaut nur Passagier und in den amerikanischen Mercurys konnte er einiges machen \u2013 musste er aber nicht. Beide Raumschiffe wurden denn auch unbemannt mit Hunden oder Schimpansen als \u201ePassagiere\u201c erprobt. Russland setzte zuerst Rekorde, die die Amerikaner auch mit <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/mercury-rmissionen.shtml\">Mercury<\/a> nicht aufholen konnten, weil ihre Kapsel f&uuml;r erheblich weniger Orbits ausgelegt war. Und auf Rekorde kam es im damaligen politischen Klima an. Erst &uuml;berbot man sukzessive die Aufenthaltsdauer im All, dann folgte die erste Frau als Kosmonautin, sie sollte aber f&uuml;r die n&auml;chsten zwanzig Jahre die Einzige bleiben, dann parallele Starts von zwei Wostokraumschiffen. Gagarin umrundete die Erde nicht einmal ganz \u2013 er erreichte zwar einen Orbit, bremste aber noch vor Vollenden eines Umlaufs wieder ab. Der Grund lag in der Himmelsmechanik, da sich die Erde nach Osten dreht, verschiebt sich der Landepunkt mit jedem Umlauf nach Westen. Nach zwei Orbits w&auml;re er schon au&szlig;erhalb des Staatsgebiets der Sowjetunion gewesen. So endete die Mission noch vor Vollendung des ersten Orbits, weshalb Gagarin technisch gesehen zwar eine stabile Umlaufbahn erreicht hat, die Bahn aber nur suborbital war, es fehlten einige Hundert Kilometer f&uuml;r einen ganzen Orbit. Die folgenden Missionen hatten demnach auch eine L&auml;nge von einem Vielfachen von 24 Stunden damit die Landung nahe des Startgebiets erfolgen konnte.<!--more--><\/p>\n<p>Diese ersten Missionen waren riskant, es gab mehrere gef&auml;hrliche Situationen. Vor allem beim <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/woschod.shtml\">Woschodprogramm<\/a>, wo man die Wostok so umgebaut hatte, damit drei Kosmonauten rein passen (dank der &Ouml;ffentlichkeitsabteilung der NASA war es kein Problem f&uuml;r Russland zu wissen, wie weit das Geminiprogramm mit zwei Astronauten war). So stellte man Woschod nach nur zwei Missionen \u2013 einer mit drei Mann daf&uuml;r ohne sch&uuml;tzende Anz&uuml;ge und mit zwei Kosmonauten, diesmal mit Anz&uuml;gen und einem Ausstieg ins All \u2013 wieder ein, denn die Vorgehensweise war ziemlich gef&auml;hrlich. Auch im Mercuyprogramm lief nicht alles reibungslos. Bei <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2013\/10\/14\/in-memoriam-scott-carpenter\/\">Carpenters<\/a> Flug ging ihm das Lagekontrollgas aus, das er ben&ouml;tigte. um die Kapsel f&uuml;r die Landung auszurichten. Bei <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/mercury-ma9.shtml\">Coopers<\/a> letztem Flug, der erheblich l&auml;nger dauerte als die Solllebensdauer des Raumschiffs fielen zum Schluss zahlreiche Systeme aus, weil das Urinsammelsystem leckte und der Urin Kurzschl&uuml;sse verursachte.<\/p>\n<p>Besser waren die Raumschiffe der zweiten Generation. Sie waren nicht nur zuverl&auml;ssiger, sondern setzten auch Menschen als aktive Akteure voraus. Im <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/gemini.shtml\">Geminiprogramm<\/a> lernten die USA alles, was sie wissen musten, um Raumschiffe im Orbit zu koppeln, EVA T&auml;tigkeiten durchzuf&uuml;hren und sie &uuml;berholten mit 14 Tagen Missionsdauer auch die Russen. Damit war klar das eine Mondmission die 12 Tage dauern sollte zumindest unter diesem Aspekt m&ouml;glich war. Das Geminiprogramm wird heute relativ wenig gew&uuml;rdigt, da es zwischen den Erstleistungen und dem Apollo-Programm mit der Mondlandung liegt. Das war auch der Grund, warum mein <a href=\"https:\/\/www.bod.de\/buchshop\/das-gemini-programm-bernd-leitenberger-9783735762405?utm_source=saleswidget&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=saleswidget_small\">erstes Raumfahrtbuch<\/a> sich mit diesem Programm besch&auml;ftigte. &Uuml;ber das schreiben, wor&uuml;ber es schon genug B&uuml;cher gibt, ist nicht mein Fall.<\/p>\n<p>Das erste Jahrzehnt gipfelte in der Mondlandung, bei der man aus heutiger Sicht enorm viel Geld zur Verf&uuml;gung hatte. In der Retroperspektive wundert man sich &uuml;ber vieles, vor allem wenn man den damaligen Stand der Technik bedenkt, das f&uuml;hrt ja auch zu der Mondlandungsverschw&ouml;rung. Doch das Rezept war relativ einfach \u2013 Manpower. Es arbeiteten in der Spitze bis zu 400.000 Personen am Programm, wodurch man f&uuml;r jedes noch so kleine Detailproblem das bei Konzeption, Design und Entwicklung auftauchte, man jemanden dransetzen konnte der sich nur mit diesem auseinandersetzte und L&ouml;sungen erarbeitete und sich Gedanken machte, was man im Falle eines Ausfalls machen kann.<\/p>\n<p>Russland &uuml;bersprang ein Programm wie Gemini und wollte gleich die Mondlandung angehen. Ob dies geklappt h&auml;tte, mag dahingestellt sein. Da das <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/hercules.shtml\">russische Programm<\/a> chronisch unterfinanziert war, lag es immer hinter dem US-Zeitplan und wurde nach der erfolgreichen Mondlandung der Amerikaner still und leise eingestellt. Die urspr&uuml;nglich f&uuml;r das Mondprogramm entwickelte <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/sojus-raumschiff.shtml\">Sojus<\/a> dient bis heute als Zubringer f&uuml;r Raumstationen und die R-7 Rakete ist bis auf die dritte Stufe auch identisch zu der Rakete die Gagarin ins all brachte.<\/p>\n<p>Das zweite Jahrzehnt steht im Zeichen der Raumstationen. Russland entwickelte <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2015\/06\/04\/die-loesung-fuer-ein-ueberfluessiges-problem-die-kanone-im-weltraum\/\">Saljut<\/a> als zuerst milit&auml;rische Raumstation, bei der die Kosmonauten noch bessere Bilder der Erde machen sollten \u2013 ein &auml;hnliches US-Programm namens MOL wurde auch vom DoD geplant aber wegen der Kosten des Vietnamkriegs 1969 eingestellt. Die USA nutzten die Apollohardware f&uuml;r <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/skylab-station.shtml\">Skylab<\/a>, die f&uuml;r lange Zeit gr&ouml;&szlig;te und komfortabelste Raumstation, die es gab. Hinsichtlich freiem Raum und eigenem pers&ouml;nlichen \u201eZimmer\u201c ist die Station &uuml;brigens bis heute un&uuml;bertroffen. Die ersten Raumstationen hatten einen Makel \u2013 sie wurden mit einem Vorrat an Lebensmitteln, Wasser und Gasen gestartet und war dies verbraucht, so waren sie nutzlos. Das war ein teures Vergn&uuml;gen.<\/p>\n<p>Mit Saljut 6 &auml;nderte sich dies. Die Station war erstmalig durch die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/progress.shtml\">Progress Raumschiffe<\/a> versorgbar, die durch Umbau der Sojus entstanden und in der Folge knackte Russland nicht nur den Aufenthaltsrekord, der Skylab 4 Crew der mit den vorherigen Modellen nicht erreichbar war, sondern stellte nun einen neuen Rekord nach dem n&auml;chsten auf.<\/p>\n<p>Die USA hatten sich auf das <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/shuttle-mission.shtml\">Space Shuttle<\/a> konzentriert. Dessen Entwicklung war komplex und verz&ouml;gerte den Jungfernflug um mehrere Jahre \u2013 das er an Gagarins zwanzigj&auml;hrigem Jubil&auml;um stattfand war auch nicht geplant, denn zwei Tage vorher wurde der Start kurz vor dem Abheben abgebrochen weil die f&uuml;nf abgebrochen, weil die f&uuml;nf Bordrechner die sich regelm&auml;&szlig;ig synchronisieren mussten, nicht im Takt waren. Man behob den Fehler nicht, da er statistisch selten war, sondern startete einfach den Countdown zwei Tage sp&auml;ter erneut. Das Space Shuttle ist in der Retroperspektive ein tragisches Programm. Urspr&uuml;nglich als Versorger einer zeitgleich zu entwickelnden Raumstation konzipiert wurde es bald Opfer von Budgetstreichungen. Die Raumstation fiel weg und damit auch der Zweck des Programms. Die NASA ging auf Forderungen des DoD an wodurch die F&auml;hre dreimal gr&ouml;&szlig;er wurde und viel mehr Nutzlast transportieren musste. Nun verkaufte man das Programm als eine Investition f&uuml;r die Zukunft. Man w&uuml;rde mit dem Shuttles \u201eWegwerf\u201c Tr&auml;gerraketen einsparen und Wiederverwendung w&auml;re doch immer billiger als etwas wegzuwerfen (hmmm irgendwie erinnert mich das an was \u2026) so w&uuml;rde man Kosten in der Zukunft sparen und durch ausl&auml;ndische Kunden sogar noch Geld verdienen. So bekam man das Programm doch noch genehmigt, wenngleich in einer v&ouml;llig anderen Konzeption als urspr&uuml;nglich geplant. Das sah zwei bemannte vollst&auml;ndig wiederverwendbare Stufen vor, bei dem beide stufen auf einem Flugplatz landeten. Drei Jahrzehnte sp&auml;ter stellte man es ein, nachdem man meistens Nutzlasten bef&ouml;rdert hatte, die man auch so bef&ouml;rdern konnte oder teure Kurzzeitmissionen durchgef&uuml;hrt hatte. Das war just zu dem Zeitpunkt als eine Raumstation, f&uuml;r deren Versorgung das Shuttle ideal gewesen w&auml;re, fertiggestellt worden war.<\/p>\n<p>Damit sind wie bei dem dritten Jahrzehnt nach Gagarin angekommen. Bemannte Raumfahrt war nun Routine geworden. Russland konzentrierte sich auf seine Raumstationen, Saljut 6 wurde durch Saljut 7 ersetzt die durch ein Modul erweitert werden konnte und besser auf die Versorgung ausgelegt war. Es folgte Mir, bei der man nun ein Kernmodul hatte, das nach und nach durch weitere Labors erweitert werden konnte. Die Aufenthaltszeiten wurden immer l&auml;nger und bis heute sind die an Bord vom Mir aufgestellten Rekorde f&uuml;r Langzeitaufenthalt im All ungebrochen. In den USA durchmachte das Space Shuttle Programm eine Wandlung. Nachdem von 1981 bis 1985 die Flugzahl immer weiter ansteig, es zahlreiche Erstleistungen gab und auch die kommerzielle Vermarktung gut anlief explodierte beim 25-sten Flug die Challenger &uuml;ber dem Himmel von Florida. Wie dann die Untersuchung zeigte, hatte sie die NASA weit von ihrer fr&uuml;her so wichtigen Grundmaxime \u201eSicherheit zuerst\u201c entfernt und sich dem Druck gebeugt immer mehr, immer spektakul&auml;re Fl&uuml;ge auch mit Nichtastronauten durchzuf&uuml;hren \u2013 kurz vor der Challengerkatastrophe flog der Abgeordnete William Nelson ins All, der nun <a href=\"https:\/\/www.sn.at\/panorama\/wissen\/frueherer-senator-bill-nelson-wird-neuer-nasa-chef-101338624\">NASA-Administrator werden soll.<\/a> Auch die STS-25 war mit einer ethnisch gemischten Besatzung, einer Lehrerin an Bord da keine Ausnahme. Als Folge stand das Programm zweieinhalb Jahre still und von nun an d&uuml;rfte das Shuttle keine kommerziellen Nutzlasten mehr starten und Satelliten f&uuml;r NASA und DoD auch nur, wenn es keine Alternative war. Diese Starts liefen Anfang der Neunziger dann aus. Nun gab es nur noch Kurzzeitmissionen mit dem Spacelab.<\/p>\n<p>Im vierten Jahrzehnt nach Gagarin &auml;nderte sich einiges. Vorher wetteiferten die beiden Gro&szlig;m&auml;chte, auch wenn sie nicht mehr direkt konkurrierten \u2013 Russland verlegte sich auf die Nutzung einer Raumstation und die ESA auf das Space Shuttle. Mit dem Ende des kalten Kriegs n&auml;herten sich beide Nationen an. Es gab schon 1975 die Apollo-Sojus Mission, doch sie blieb leider eine Episode in der Geschichte. Die USA arbeiteten seit 1984 an \u201e<a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/iss-geschichte1.shtml\">Freedom<\/a>\u201c, eine Raumstation als Gegenpart zu Mir. Das Space Shuttle Programm war nun ja operativ und Reagan war leicht zu &uuml;berzeugen, dass man nun Russland auch bei den Raumstationen Paroli bieten musste. Leider verlief die Planung nicht so wie gew&uuml;nscht. Freedom wurde zu teuer und wurde technisch abgespeckt, dann kam die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2016\/01\/28\/die-konsequenz-der-challenger-katastrophe\/\">Challengerkatastrophe<\/a> die zus&auml;tzliche Mittel n&ouml;tig machte und so den Start weiter verz&ouml;gerte und dann sah der Kongress nicht ein, warum er nach Ende des Kalten Kriegs denn nun eine teure Raumstation finanzieren sollte. Russland hatte noch gr&ouml;&szlig;ere Probleme, das wirtschaftliche System kollabierte als Folge dessen das man jahrzehntelang viel zu gro&szlig;e Summen in die R&uuml;stung gest&uuml;ckt wurde und schon der Weiterbetrieb von Mir war schwer durchzuf&uuml;hren. So kamen beide Weltraumorganisationen schnell zu einem auf dem Papier genialen Plan \u2013 warum legt man beide Stationen nicht einfach zusammen und <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/iss-geschichte3.shtml\">nennt das ganze \u201eISS\u201c<\/a>? Damit flossen auch in den UISA wieder die Mittel, denn nun war die Weltraumstation ja ein Beispiel von internationaler Zusammenarbeit. Europa und Japan <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/iss-geschichte2.shtml\">sprangen ebenfalls schnell auf den Zug auf<\/a> \u2013 Europa plante damals noch eine eigene Raumstation, Columbus und einen eigenen Space Shuttle <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/hermes.shtml\">Hermes<\/a>, stellte Raumgleiter aber ein und reduzierte Columbus von drei auf ein Modul, das nun an die ISS andockte anstatt, wie vorher, auch selbstst&auml;ndig operieren konnte.<\/p>\n<p>Leider zeigte sich aber, dass Russland nicht der gleichberechtigte Partner war, als der sie sich ausgaben. Die russischen Module wurden nach und nach gestrichen, die beiden Module <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/iss-russische-module.shtml\">Sarja und Swesda<\/a>, die gestartet wurden, wurden nur durch technische und finanzielle Hilfe des Westens m&ouml;glich. Als letztes russisches Modul soll dieses Jahr Nauka hinzukommen \u2013 14 Jahre nach den Planungen und das <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2015\/04\/01\/das-letzte-iss-modul\/\">Modul<\/a> war sogar mal f&uuml;r die Mir bestimmt, die nun schon seit 20 Jahren auf dem Grund des Pazifiks liegt&#8230;<\/p>\n<p>Schlimmer erwischte es die USA, bei denen kurz vor Ende des vierten Jahrzehnts ein zweites Shuttle, die Columbia beim <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/columbia-iss.shtml\">Wiedereintritt verloren ging<\/a>. Dieser Verlust f&uuml;hrte nun zum Ausstieg aus dem Programm. Die Shuttles sollten die ISS noch fertigstellen und w&uuml;rden dann ausgemustert werden.<\/p>\n<p>Als Ausgleich hob 2005 George W. Bush das Constellation Programm aus der Taufe. Es war mehr oder weniger eine Kopie von Apollo, allerdings mit einem Manko: W&auml;hrend des <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/apollo-artikel.shtml\">Apolloprogramms<\/a> hatte die USA ein Vielfaches der Finanzmittel, die sie 2005 hatte. Mehr Geld wollte Bush aber nicht ausgeben. Stattdessen sollte Constellation dadurch finanziert werden, das die Space Shuttles ab 2009 ausgemustert werden und die ISS ab 2015, vorher ging es nicht, weil man Vertr&auml;ge mit JAXA und ESA f&uuml;r einen zehnj&auml;hrigen Betrieb nach Fertigstellung abgeschlossen hatte. Technisch war Constellation aber eine Wiederholung von Apollo, sodass selbst der NASA Chef von \u201eApollo on Steroids\u201c sprach. Vor allem aber reichten die Mittel, selbst wenn beiden Vorg&auml;ngerprogramme eingestellt sind, nicht aus. Als Barrack Obama Pr&auml;sident wurde, lies er Constellation untersuchen und der <a href=\"https:\/\/www.lpi.usra.edu\/lunar\/strategies\/AugustineHSFCmteFinal.pdf\">Augustine Report<\/a> kam zu dem Schluss das nach dem beabsichtigten Konzept eine Mondlandung erst nach 20309 m&ouml;glich w&auml;re und das Programm v&ouml;llig unterfinanziert ist. So wurde es eingestellt und der Betrieb der ISS verl&auml;ngert, erst auf 2020, inzwischen peilt man den Betrieb bis mindestens 2028 an.<\/p>\n<p>Ganz von Constellation konnte sich die NASA aber nicht l&ouml;sen. Denn nachdem auch das Space Shuttle Programm auslief, bekamen zahlreiche Volksvertreter im Senat kalte F&uuml;&szlig;e, was mit den Arbeitern in zahlreichen Luft- und Raumfahrtfirmen passieren w&uuml;rde und wie sich dies auf ihre Wahlen auswirkt. So verdonnerte der Senat die NASA zur Entwicklung einer Schwerlastrakete ohne konkretes Ziel, der SLS \u2013 dem <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/sls.shtml\">Senate Launch System<\/a>. Die Orion die als einziges Constellation-Teilprogramm am weitesten in der Entwicklung, wurde ebenfalls nicht einstellt, hatte nun aber keinen Einsatzzweck mehr \u2013 sie d&uuml;rfte nun auch nicht mehr an die ISS andocken. Daf&uuml;r hatte die NASA 2006 das COTS-Programm zur F&ouml;rderung von neuen Firmen im ISS-Programm gestartet, gefolgt einige Jahre sp&auml;ter von der Versorgung der ISS durch dieselben Firmen und CCdev \u2013 der Entwicklung von bemannten Raumfahrzeugen ohne direkten NASA-Einfluss wie dies bisher bei allen Programmen der Fall war. Zur ISS flog man seit dem Verlust der Columbia mit russischen Sojus.<\/p>\n<p>In diesem Jahrzehnt begann auch China mit den ersten Raumfl&uuml;gen \u2013 mit einer Kopie der russischen Sojus und einer Raumstation die doch verd&auml;chtig, wie ein Saljut Kernmodul aussieht \u2026<\/p>\n<p>Damit sind wir im letzten Jahrzehnt angekommen. Russland und die USA betrieben gemeinsam die ISS. Alle bemannten Starts erfolgten mit Sojus. Die Versorgung der Station erfolgte durch Russland, die USA ESA und JAXA. Deren Betrieb wurde immer weiter verl&auml;ngert, aber es ist mit Abstand das langweilligste dieser Jahrzehnte. Seit einem Jahr k&ouml;nnen die USA nun wieder selbst Astronauten zur ISS entsenden, aber technologisch ist man nicht weiter als vor Jahrzehnten. Nach wie vor wird eine Raumkapsel daf&uuml;r eingesetzt. Einen Raumgleiter (den DreamChaser) gibt es nur bei den Versorgungssystemen. Indien hat inzwischen unbemannt eine eigene Kapsel getestet aber ansonsten verl&auml;uft das indische Raumfahrtprogramm anders als das Chinas relativ ruhig. Russland hat noch immer nicht die Stellung wieder erreicht, die es vor dem Kollaps der UdSSR hatte. Das einzig neue ist das Mondprogramm Artemis, das Trump initiierte. Anders als Constellation soll es international werden. So baute Europa das Servicemodul der Orion, ebenso zusammen mit Japan Module f&uuml;r die Miniraumstation, das \u201eGateway\u201c. Offen ist aber nach wie vor wie man auf dem Mond landet und was man dort macht. Immerhin sind Auftr&auml;ge f&uuml;r das Gateway vergeben, die Orion mit SLS startbereit, dazu kommen Vertr&auml;ge mit ESA und JAXA, sodass es unwahrscheinlicher ist, das das Programm wie Constellation einkassiert wird. Im ersten Budgetentwurf der Biden Administration wurden die Mittel f&uuml;r Artemis nicht gek&uuml;rzt, aber auch nicht so stark angehoben wie bei anderen Programmen.<\/p>\n<p>Vielleicht sollte man neue Wege in der Weltraumfahrt beschreiten. W&auml;hrend man bei Apollo Kennedys Deadline \u201ebis zum Ende des Jahrzehnts\u201c um 17 Monate unterboten hat, gab es bei den folgenden Programmen Verz&ouml;gerungen. Die ISS wurde Jahre sp&auml;ter als geplant fertiggestellt. COTS mehr als zwei Jahre sp&auml;ter abgeschlossen, CCDEV um f&uuml;nf Jahre. Die Hoffnung liegt auf der kommerziellen Raumfahrt, im Deutschen durch Verwendung des englischen Begriffes \u201eprivate\u201c meist falsch als<a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2020\/08\/20\/\"> private Raumfahrt <\/a>&uuml;bersetzt. So hat das kommerzielle Unternehmen SpaceX:<\/p>\n<ul>\n<li>Im Jahr 2018 eine bemannte Mondumrundung \u201eGray Dragon\u201c durchgef&uuml;hrt<\/li>\n<li>2020 erstmals ihr Starship in den Orbit gestartet<\/li>\n<li>Und 2022 wird das Starship auf dem Mond landen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Oh Entschuldigung, ich stelle gerade fest, das waren nur \u201e<i>Ank&uuml;ndigungen\u201c<\/i>. Derzeit scheint das Starship noch nicht mal landen zu k&ouml;nnen und ging bei den letzten vier Versuchen jeweils verloren. Tja dann m&uuml;ssen wir wohl doch auf Artemis warten \ud83d\ude09<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/7337188da1bd40c8b0eb7a4b366aa095\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_15290\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"15290\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Gestern vor genau sechzig Jahren startete Juri Gagarin zu dem ersten \u201eorbitalen\u201c Weltraumflug. 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