{"id":15354,"date":"2021-05-20T10:57:16","date_gmt":"2021-05-20T08:57:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=15354"},"modified":"2021-05-20T14:33:50","modified_gmt":"2021-05-20T12:33:50","slug":"buchkritik-schlachtschiff-bismarck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2021\/05\/20\/buchkritik-schlachtschiff-bismarck\/","title":{"rendered":"Buchkritik: &#8222;Schlachtschiff Bismarck&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Mit dem Kauf des Buchs \u201e<a href=\"https:\/\/amzn.to\/3f2EPLF\">Schlachtschiff Bismarck<\/a>\u201c tat ich mich etwas schwer. Der Autor Burkard Freiherr von M&uuml;llenheim-Rechberg war der rangh&ouml;chste &Uuml;berlebende der Versenkung der Bismarck und auf dem Schiff Kommandant des Artellerieleitstands achtern. Immer wenn ich eine Geschichte aus den Worten eines selbst dabei gewesenen h&ouml;re, bef&uuml;rchte ich das sie gesch&ouml;nt wird oder die in Nazideutschland aufgewachsenen eine gewissen Glorifizierung bringen. Trotzdem bewegte mich seit Langem eine Frage, n&auml;mlich die, warum die Bismarck die innerhalb weniger Minuten den Stolz der britischen Flotte die Hood versenkte, bei der anschlie&szlig;enden Schlacht die zu ihrer Versenkung f&uuml;hrte, beim Gegner keinen einzigen Treffer landen konnte. Die Frage ist nun beantwortet, doch dazu sp&auml;ter mehr.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/6d24951d4fb14b8786d72f41f3aadadd\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><!--more--><\/p>\n<p>Wie sich herausstellt sind meine Bef&uuml;rchtungen &uuml;ber Glorifizierung unbegr&uuml;ndet. Im Gegenteil: der Autor h&auml;lt Hitler f&uuml;r einen gef&auml;hrlichen Irren und sympathisiert ofen mit dem Widerstand. Er versteht es zudem gut, eine historische Schilderung mit einem eigenen Bericht zu kombinieren und dabei sachlich zu bleiben.<\/p>\n<p>Burkard Freiherr von M&uuml;llenheim-Rechberg beginnt sein Buch mit seiner ersten Besichtigung der Bismarck, noch auf der Werft, dann folgt kurz die Indienststellung und &Uuml;bungsfahrten bis dann das gesamte Unternehmen Rhein&uuml;bung geschildert wird. Doch das Buch endet nicht damit und er schildert auch noch seine Kriegsgefangenschaft, wobei ich die Schilderung der Verh&ouml;rmethoden der Briten stellenweise interessanter fand als die Berichte von Bord. Das Buch ist neutral geschrieben, ohne Pathos, es finden sich zahlreiche Einsch&uuml;be &uuml;ber \u201eWas w&auml;re wenn\u201c Szenarien, so die Diskussion, ob nicht ein anderer R&uuml;ckweg besser gewesen w&auml;re, oder welche Alternativen es nach dem Ausfall der Ruderanlage gab, dass Schiff wieder man&ouml;vrierf&auml;hig zu bekommen. Das Buch ist also beiliebe nicht das, was ich befrachtete, ja stellenweise zu neutral, unkommentiert bleibt zum Beispiel, dass die Briten noch lange nachdem die Bismark keine einsatzbereiten Gesch&uuml;tze mehr hatten, auf das Schiff schossen, auch wenn die Folgen wie die Todesopfer durch die Einschl&auml;ge genannt werden.<\/p>\n<p>F&uuml;r alle, die die Geschichte nicht kennen: Das Schlachtschiff Bismarck und der schwere Kreuzer Prinz Eugen liefen am 18.5.1941 also vor fast genau 80 Jahren, zum Unternehmen Br&uuml;nierung aus. Ziel war es, Handelskrieg zu f&uuml;hren. Eigentlich war eine gr&ouml;&szlig;ere Streitmacht vorgesehen doch die Schlachtschiffe Scharnhorst und Gneisenau waren in Reparatur, das Schwesterschiff Tirpitz gerade erst fertig und die Mannschaften noch nicht ausgebildet. Das Unternehmen begann schon schlicht, da Kapit&auml;n L&uuml;tjens als Aufmarschroute die D&auml;nemarkstra&szlig;e vorbei durch den Kattegat, an der schwedischen und norwegischen K&uuml;ste entlang w&auml;hlte, anstatt &uuml;ber Deutschland in die Nordsee zu stechen. So wurden die Schiffe mehrfach von d&auml;nischen, norwegischen und schwedischen Kr&auml;ften gesichtet und die Briten benachrichtigt, die dann sie abfangen wollten. Bald wurde die Streitmacht auch dem bewusst, denn sie sto&szlig;en mit der Norfolk zusammen einer von zwei Kreuzern, die in Folge die Flotte in sicherem Abstand begleiteten und ihre Position laufend zur Admiralit&auml;t funkten.<\/p>\n<p>Am 24.5.1941 kam ihnen das Schlachtschiff Prince of Wales und der Schlachtkreuzer Hood entgegen. Die Hood war obwohl zwei Jahrzehnte alt, das Flagschiff der britischen Flotte. Sie war bis zur Indienststellung der Bismarck das gr&ouml;&szlig;te Schlachtschiff. Innerhalb von 6 Minuten versenkte die Bismarck die Hood und landete auch einige Treffer auf der Prince of Wales bevor diese abdrehte. Die Prince of Wales hatte Gl&uuml;ck, denn eine Granate der Prinz Eugen schlug in der Munitionskammer der 13,3 cm Granaten ein, explodierte aber nicht. Ein &auml;hnlicher Treffer in die Munitionskammer der Hood f&uuml;hrte zur Explosion und das Schiff zerfiel in drei Teile.<\/p>\n<p>Die Bismark hatte drei Treffer erhalten, die die Hauptpanzerung nicht durchschlugen aber daf&uuml;r sorgten, dass die Sektionen mit Wasser voll liefen und das Schiff so leichte Schlagseite bekam und an Fahrt verlor.<\/p>\n<p>Anstatt nun, da klar war das man entdeckt war und das Ziel Handelkrieg zu f&uuml;hren nicht mehr durchf&uuml;hrbar war den direkten Kurs zur&uuml;ck einzuschlagen \u2013 der wie sich sp&auml;ter herausstellte sicher gewesen w&auml;re, w&auml;hlte L&uuml;tjens den Weg um Irland herum um den franz&ouml;sischen Atlantikhafen Saint-Nazaire anzulaufen.<\/p>\n<p>Die Prinz Eugen wurde abgel&ouml;st und sollte so die bedien Verfolger Norfolk und Suffolk irref&uuml;hren, doch das gelang nicht, auch einige Ausbruchsversuche der Bismark, bis einer gelang. Leider bemerkte L&uuml;tjens dies nicht und setzte einen l&auml;ngeren Funkspruch ab, der den Briten eine Funkpeilung erm&ouml;glichte. Ohne diesen Funkspruch w&auml;re die Bismarck den Briten wohl entkommen.<\/p>\n<p>Die entsendeten Marinekr&auml;fte konnten die Bismark nicht mehr einholen, so entschloss sich die Admiralit&auml;t die Bismarck mit Flugz&uuml;gen anzugreifen um sie zu besch&auml;digen, sodass sie an Geschwindigkeit verlor. Der erste Angriff erzielt keinen Treffer der die Bismarck stark besch&auml;digte, der zweite Angriff hatte mehr Erfolg ein Torpedo traf die Ruderanlage, sodass das Ruder nun in einer festen Position war und dies leider in einer extremen. Die Bismarck war man&ouml;vrierunf&auml;hig. Man versuchte das Problem zu l&ouml;sen, es gab aber keine M&ouml;glichkeit. Danach wurde die Bismark durch den Wind auf einen Nordwestkurs getrieben, geradewegs auf die Briten zu. Man reduzierte die Geschwindigkeit, soweit m&ouml;glich, damit das Schiff stabil war.<\/p>\n<p>Am Morgen des 28 Mai begann die letzte Schlacht. Die Briten hatten die Schlachtschiffe King George V und Rodney aufgefahren sowie die Kreuzer Norfolk und Dorsetshire. Schon 15 Minuten nach Schlachtbeginn traf ein Volltreffer den Hauptartilleriestand, der zweite vordere Artilleriestand wurde wenig sp&auml;ter getroffen. Ohne Artillerieleitung feuerten die T&uuml;rme selbstst&auml;ndig weiter, die vorderen T&uuml;rme wurden aber bald ausgeschaltet. Erst danach umrundeten die beiden Schlachtschiffe, die Bismark und die hintere Artillerie konnte, eingreifen, doch auch hier bekam der achtere Artilleriestand bald einen Treffer und die Szene wiederholte sich. Der Kampf begann um 8:43. Um 9:31 feuerte Turm C der Bismarck die letzte Salve ab, doch erst um 10:22 stellten die Briten das Feuer ein \u2013 die beiden Schlachtschiffe r&uuml;ckten ab, sie hatten keine Munition mehr und der Befehlshaber funkte zur Heimat \u201eKann Bismarck mit Granaten nicht versenken\u201c. Der Kreuzer Dorsetshire bekam den Befehl die Bismarck durch Torpedos zu versenken und kurz nach dem Beschuss sank sie auch. Allerdings hatte die Besatzung schon, um 10:10 die Selbstversenkung in die Wege geleitet und den Befehl erhalten das Schiff zu verlassen. Viele starben, weil zu dem Zeitpunkt die Briten noch auf das Schiff feuerten. Bis heute ist umstritten, weshalb die Bismarck sank. Die &Uuml;berlebenden sagten weil sie sie selbst versenkten. Beim Untergang drehte sie sich und man sah keine Besch&auml;digung des Schiffs unter der Wasserlinie. Die Briten reklamierten ihre Torpedos als Ursache. Das Wrack wurde mittlerweile auf dem Meeresboden durch U-Boote fotografiert und diese meldeten ebenfalls das man keine Besch&auml;digungen unter der Wasserlinie sieht.<\/p>\n<p>Doch nun zu meiner Frage: es war sicher klar das die Bismarck gegen die &Uuml;bermacht kein Chance hatte, doch ihre Artillerie war noch intakt, warum gab es keinen einzigen direkten Treffer auf den britischen Schiffen? Die L&ouml;sung liegt in der Man&ouml;vrierunf&auml;higkeit, den fr&uuml;hen Treffern im Artillerieleitstand und der Art wie Seeschlachten ausgefochten wurden.<\/p>\n<p>Fangen wir mit dem letzteren an. Die Entfernung wurde mittels stereoskopischer Entfernungsmesser festgestellt. Bei der Bismark waren dies bei den Artillerieleitst&auml;nden zwei Optiken im Abstand von 10 m. Bedingt durch die Parallaxe sieht man das Bild rechts und links leicht verschoben. Auf den Optiken gibt es eine Skala mit Marken, anhand derer man dann die Entfernung bestimmen kann, indem man Punkte auf den beiden Marken vergleicht. Das Funkleitsystem \u2013 heute sagt man Radar dazu &#8211; war f&uuml;r eine pr&auml;zise Entfernungsortung nicht nutzbar. Die Bismark feuerte dann eine Salve aus allen verf&uuml;gbaren T&uuml;rmen, deren Zielweite anfangs um 400 m auseinanderlag. Die Einschlagpunkte wurden gemeldet und entsprechend die Entfernung angepasst und die Distanz sukzessive angepasst. Das nannte man \u201eEinschissen\u201c bis die Treffer \u201edeckend\u201c waren, das hei&szlig;t die richtige Entfernung hatte. Ein deckender Treffer muss aber nicht das Schiff treffen, sondern kann auch links oder rechts ins Wasser gehen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium\" src=\"\/img\/bismarck-schlacht-28-5-1941.jpg\" width=\"837\" height=\"742\" \/>W&auml;hrend der Kurs der Bismarck berechenbar war \u2013 man sieht dies deutlich auf der Skizze des Gefechts und sie zudem langsam fuhr, waren die englischen Schiffe beweglich und schnell. Anfangs brauchte eine Granate rund eine Minute bis zum Ziel. Die Bismarck beschoss ausschlie&szlig;lich die Rodney, die 22 Knoten, also 40 km\/h schnell war. Zwischen Abschuss und Aufschlag konnte die Rodney so bis zu 670 m zur&uuml;cklegen und das tat sie \u2013 sie wendete nach jedem Schuss und ging wieder auf Distanz, sodass eine Salve die annahm, dass die Rodney weiter auf die Bismarck zulief, zu kurz war. Der Ausfall der Artillerieleitst&auml;nde fr&uuml;h im Gefecht \u2013 um 9:02 der Hauptleitstand \u2013 verschlimmerte das, denn die T&uuml;rme hatten zwar auch Messger&auml;te, aber mit kleinerer Parallaxe und tiefer angeordnet. Sobald die vordere Artellerie ausgefallen war, kamen die Schiffe n&auml;her heran und nun konnten sie aus geringer Distanz gezielt die hintere Artillerie und den achteren Artilleriestand ausschalten. So verwundert es nicht, dass die Bismarck keinen Treffer landen konnte.<\/p>\n<p>Dank der guten Panzerung &uuml;berlebten die meisten, die nicht im Oberdeck waren, trotzdem den Beschuss. Viele wurden erst get&ouml;tet als sie das Schiff verlassen wollten, da die Briten weiter feuerten. Selbst als die Bismarck sank, zogen die beiden Schlachtschiffe ab und beteiligten sich nicht an der Rettung, die Dorsethsire und der Zerst&ouml;rer Maori nahmen 110 von etwa 800 &Uuml;berlebenden auf, drehten aber auch dann ab angeblich, weil sie ein U-Boot sahen. Es gab aber keines, daf&uuml;r aber Tr&uuml;mmerteile genug. Ein Offizier meinte zum Autor des Besuchs \u201eF&uuml;rs Verh&ouml;r haben wir genug Leute\u201c. Dieses Vorgehen war kein Einzelfall. Auch bei der Scharnhorst wurden viele Schiffbr&uuml;chige in Fl&ouml;&szlig;en nicht gerettet, aber alle Offiziere, die f&uuml;r Verh&ouml;rs wichtig waren. Als der Truppentransporter Laconia versenkt wurde, barg das U-Boot die Schiffbr&uuml;chigen, rief weitere U-Boote zur Bergung hinzu und informierte unverschl&uuml;sselt &uuml;ber den Tatbestand und legte Rote-Kreuzfahnen aus. Trotzdem wurden die U-Boote angegriffen. Das f&uuml;hrte den auch zum <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Laconia-Befehl\">Laconia Befehl<\/a>.<\/p>\n<p>Gibt es auch Kritik am Buch? Ja, man erf&auml;hrt recht wenig vom Leben auf dem Schiff. Auch wer sich, wie ich, f&uuml;r Technik interessiert, kommt zu kurz. Welchen Sinn die einzelnen Aufbauten haben, wie man eine 800 kg schwere Granate l&auml;dt, das alles erf&auml;hrt man nicht. Nur kurz wird die Einteilung des Schiffs in Sektionen, die Panzerung und die Ausstattung mit Gesch&uuml;tzen besprochen, aber nicht tiefer gehend. Heute bietet jede Internetseite &uuml;ber die Bismarck da mehr Informationen. Da das Buch heute antiquarisch recht <a href=\"https:\/\/amzn.to\/3f2EPLF\">billig erh&auml;ltlich ist<\/a>, gibt es von mir eine eindeutige Kaufempfehlung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem Kauf des Buchs \u201eSchlachtschiff Bismarck\u201c tat ich mich etwas schwer. Der Autor Burkard Freiherr von M&uuml;llenheim-Rechberg war der rangh&ouml;chste &Uuml;berlebende der Versenkung der Bismarck und auf dem Schiff Kommandant des Artellerieleitstands achtern. 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