{"id":15380,"date":"2021-06-02T09:30:16","date_gmt":"2021-06-02T07:30:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=15380"},"modified":"2021-06-02T17:43:54","modified_gmt":"2021-06-02T15:43:54","slug":"die-loesung-fuer-ein-ueberfluessiges-problem-eine-alternative-zu-mmx","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2021\/06\/02\/die-loesung-fuer-ein-ueberfluessiges-problem-eine-alternative-zu-mmx\/","title":{"rendered":"Die L&ouml;sung f&uuml;r ein &uuml;berfl&uuml;ssiges Problem \u2013 eine Alternative zu MMX (Martian Moons Exploration)"},"content":{"rendered":"<p>Als Laie denkt man ja, dass bei dem Forschungsanteil der Raumfahrt die Wissenschaft im Vordergrund steht. Doch das Gegenteil ist oft der Fall. Es werden Missionen genehmigt, wie popul&auml;r sind oder bestimmte \u201eBuzzthemen\u201c bedienen. Ein Beispiel ist die Venus \u2013 rein technisch ist sie der am schnellsten und mit am wenigsten Aufwand erreichbare Planet. In der Realit&auml;t ist es aber so, das durch die Unm&ouml;glichkeit von Leben und den Aufwand f&uuml;r Sonden, die landen oder nur in der Atmosph&auml;re verbleiben sollen, es kaum Missionen zur Venus gibt. Die letzte US-Mission war Magellan, gestartet 1990. Seitdem gab es nur je eine europ&auml;ische und Japanische Mission. Selbst China und Indien, Newcomer bei der Raumfahrt jenseits der Erde haben zuerst einmal den Mond und Mars ins Visier genommen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/bdd88e952dad4dbeae7c9bb08c68061e\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><!--more--><\/p>\n<p>Mars hingegen wird dauernd besucht, bei diesem Startfenster sogar von drei Sonden aus drei Nationen \u2013 h&auml;tte der Exomars Rover \u201eRosalindt Franklin\u201c seinen Zeitplan einhalten k&ouml;nnen, w&auml;ren es sogar vier Sonden gewesen, was ein neuer Rekord gewesen w&auml;re. Es ist auch kein Problem f&uuml;r Marsmissionen sehr hohe Mittel genehmigt zu bekommen, so kostet Perseverance &uuml;ber 2 Mrd. Dollar und damit in etwa dreimal so viel wie eine der Orbitersonden der USA um denselben Planeten, wie <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/maven.shtml\">MAVEN<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/mro.shtml\">MRO<\/a>. Ein &auml;hnliches Beispiel ist <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/osiris-rex.shtml\">OSIRIS-REx<\/a>. Als die Sonde vor einigen Wochen ihren Heimweg antrat, berichteten die Medien den Asteroid Bennu habe man als Ziel ausgesucht, weil er mit der Erde kollidieren k&ouml;nnte. Diese Information stammt sicher von der Presseabteilung der NASA. Nun kreuzt Bennu die Erdbahn, aber der <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/101955_Bennu#:~:text=On%2025%20September%202135%2C%20the,an%20Earth%20impact%20in%202135.\">n&auml;chste nahe <\/a><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/101955_Bennu#:~:text=On%2025%20September%202135%2C%20the,an%20Earth%20impact%20in%202135.\">Vorbeiflug<\/a> ist 2060 in fast doppelter Mondentfernung und erst in &uuml;ber 100 Jahren gibt es nahe Vorbeifl&uuml;ge mit einem Kollisionsrisiko von etwa 1 zu 3.000. Es g&auml;be sicher andere Kandidaten mit h&ouml;herem Risiko und das war auch nicht das prim&auml;re Kriterium f&uuml;r die Auswahl, sondern die leichte Erreichbarkeit.<\/p>\n<p>Wenn es zwei Himmelsk&ouml;rper gibt, die exemplarisch zeigen, dass die Auswahl von Zielen sich nicht daran richtet, wie man m&ouml;glichst viel Wissenschaft f&uuml;r eine bestimmte Summe bekommt, dann sind es die Marsmonde <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/marsmonde-forschung.shtml\">Phobos<\/a> und Deimos.<\/p>\n<p>Die Monde umkreisen den Mars in etwa 6.000 und 20.000 km Distanz zur Oberfl&auml;che auf &auml;quatorialen Bahnen. Damit sind sie extrem leicht erreichbar. Sie gelten als eingefangene Asteroiden, das hei&szlig;t, wenn man sie untersucht so sollte, man auch mehr &uuml;ber die Asteroiden in dieser Region erfahren. Vor allem aber liegen sie am \u201eWegrand\u201c. Jede Marssonde k&ouml;nnte sie mit nur geringem Zusatzaufwand erforschen. Trotzdem ist die Zahl der Vorbeifl&uuml;ge an diesen Monden klein. Die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/viking2.shtml\">Viking Orbiter<\/a> f&uuml;hrten einige nahe Vorbeifl&uuml;ge an Phobos und Deimos durch, daf&uuml;r wurde ihre Bahn gezielt abge&auml;ndert. F&uuml;r Deimos sind die dabei gewonnenen Bilder bis heute die einzigen Nahaufnahmen, die es gibt. Phobos wurde einmal von <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/mgs.shtml\">Mars Global Surveyor<\/a> bei seiner Aerobraking Bahn passiert. <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/mars-express2.shtml\">Mars Express<\/a>, der einzige k&uuml;nstliche Marssatellit, dessen Bahn Phobos kreuzt, hatte einige nahe Vorbeifl&uuml;ge ohne gezielte Bahn&auml;nderungen und f&uuml;hrte auch einige Vorbeifl&uuml;ge mit Bahnanpassungen durch, um der Phobos Grunt Mission zu assestieren. Das war es in 50 Jahren Marsforschung mit Raumsonden! Selbst die Hope Mission der arabischen Emirate, die sich zumindest in der Distanz Deimos mehr n&auml;hert, wird aufgrund des Bahndesigns ihm nicht wirklich nahe kommen.<\/p>\n<p>Zu erw&auml;hnen w&auml;ren nat&uuml;rlich die beiden <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/phobos.shtml\">Phobos Missionen<\/a> Russlands und <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/phobos-grunt.shtml\">Phobos Grunt<\/a>. Sie scheiterten aber alle, bevor sie wirklich Daten lieferten, die man nicht vorher schon von anderen Missionen hatte.<\/p>\n<p>Nun plant Japans Raumfahrtagentur JAXA die Mission MMX (<b>M<\/b>artian <b>M<\/b>oons E<b>x<\/b>ploration), die im wesentlichen eine Wiederholung von Phobos Grunt ist. Von Phobos werden Bodenproben genommen und zur Erde zur&uuml;ckgebracht. Deimos wird nur durch nahe Fl&uuml;ge passiert. Der Treibstoffvorrat l&auml;sst eine Bodenprobenentnahme dort nicht zu.<\/p>\n<p>Ich m&ouml;chte heute mal versuchen zu evaluieren, ob mit Ionentriebwerken nicht auch ein Besuch von Deimos m&ouml;glich w&auml;re.<\/p>\n<p>Ich habe mir zum Ziel gesetzt, das diese Mission mit Ionentriebwerken durchgef&uuml;hrt werden soll. Meiner Ansicht nach spricht viel daf&uuml;r. Die mission ist ja auch so schon lange beim Mars. W&uuml;rde man diese Phase um ein Startfenster verl&auml;ngern so h&auml;tte man 26 monate Zeit um die Bahn&auml;nderungen durchzuf&uuml;hren. Daf&uuml;r sollte dann auch der Besuch Deimos m&ouml;glich sein.<\/p>\n<p>Leider ist &uuml;ber die <a href=\"https:\/\/www.mmx.jaxa.jp\/en\/\">MMX Mission<\/a> wenig bekannt, sowohl was Bahndesign wie genaue Massebilanz angeht. So gibt es zwar ein Propulsion Module dessen Treibstoffmenge bekannt ist. Aber auch die beiden anderen Module haben jeweils einen Antrieb, sodass ich davon ausgehe, das dieses Propulsion Modul nur genutzt wird, um zu Phobos zu kommen, also f&uuml;r das einbremsen in den ersten Marsorbit und Anpassung der Bahn an die von Phobos. &Auml;hnlich war der Plan ja auch bei Phobos Grunt. Was ich aber machen kann: ich habe die Startmasse und kann die Geschwindigkeits&auml;nderungen berechnen und damit den Treibstoffanteil, wenn ich nichts abtrenne \u2013 das Abtrennen von Teilen als Option habe ich ja auch bei Ionentriebwerken.<\/p>\n<p>Um beim derzeitigen Stand des Einsatzes zu bleiben und die Mission nicht &uuml;berm&auml;&szlig;ig zu ver&auml;ndern, beschr&auml;nke ich den Betrieb von Ionentriebwerken auf den Marsorbit, nutze sie also nicht, um in diesen einzubremsen oder ihn zu verlassen. Das hat den Vorteil, dass man sich mit der Kalkulation der Bahnen zwischen den Planeten einfacher tut, denn die bewegen sich ja dauernd relativ zueinander. Ein kurzer Impuls wie beim Chemischen Antrieb erzeugt eine neue Bahn, w&auml;hrend ein l&auml;ngerer Betrieb wie bei Ionentriebwerken eine Bahn laufend ver&auml;ndert.<\/p>\n<p>Basis ist die Startmasse von MMX von 3030 kg. Ich gehe davon aus, das MMH\/NTO Triebwerke mit einem spezifischen Impuls von 3.000 m\/s eingesetzt werden. Gravitationsverluste soll es keine geben. Als dV f&uuml;r das Verlassen der Planeten habe ich die Optima des NASA Trajektory Browsers genommen. Schon hier gibt es eine Diskrepanz der bestimmten Startfenster zur realen MMX Mission wegen des seit Jahrzehnten Bestenden Startverbots aufgrund der Fischereiindustrie startet MMX im August 2023, etwa zwei Monate vor dem optimalen Startfenster, das im Oktober liegt. Zudem liefert der NASA Trajektory Browser als R&uuml;ckflugroute die erste verf&uuml;gbare, also nach zwei Jahren, w&auml;hrend MMX erst nach vier Jahren zur&uuml;ckkehrt.<\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/trajbrowser.arc.nasa.gov\/traj_browser.php?NEAs=on&amp;NECs=on&amp;chk_maxMag=on&amp;maxMag=25&amp;chk_maxOCC=on&amp;maxOCC=4&amp;chk_target_list=on&amp;target_list=Mars&amp;mission_class=roundtrip&amp;mission_type=rendezvous&amp;LD1=2024&amp;LD2=2025&amp;maxDT=4&amp;DTunit=yrs&amp;maxDV=7.0&amp;min=DV&amp;wdw_width=-1&amp;submit=Search#a_load_results\">optimale Route<\/a> hat nach dem NASA Trajektory Browser ein dV von 1,25 km\/s &uuml;ber Fluchtgeschwindigkeit f&uuml;r Einbremsen in den Marsorbit und verlassen dessen.<\/p>\n<p>Ich gehe f&uuml;r den chemischen Weg den gleichen wie MMX, nur das ich deren genaue Orbitdaten nicht kenne:<\/p>\n<ul>\n<li>Einbremsen in einen elliptischen 24-Stunden-Orbit, marsn&auml;chster Punkt 500 km<\/li>\n<li>Anheben des marsn&auml;chsten Punktes auf Phobos Umlaufbahnh&ouml;he<\/li>\n<li>Absenken des marsfernsten Punktes auf Phobos Umlaufbahnh&ouml;he<\/li>\n<li>Phoboserkundung (100 m\/s dV fix)<\/li>\n<li>Anheben des marsfernsten Punktes auf 24 Stunden Orbit<\/li>\n<li>Absenken des marsn&auml;chsten Punktes auf 500 km<\/li>\n<li>R&uuml;ckkehr zur Erde aus Phobos Umlaufbahn<\/li>\n<\/ul>\n<p>Hier die minimalen dV f&uuml;r diese Man&ouml;ver<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"50%\">Bahn<\/th>\n<th width=\"50%\">dV<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Sonnenumlaufbahn \u2192 24 h Bahn<\/td>\n<td width=\"50%\">806 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">24 h Bahn \u2192 Phobos Transferbahn<\/td>\n<td width=\"50%\">218 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Phobos Transferbahn \u2192 coplanare Bahn<\/td>\n<td width=\"50%\">556 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Phobos Erkundung<\/td>\n<td width=\"50%\">100 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Coplanare Bahn \u2192 24 h Bahn<\/td>\n<td width=\"50%\">622 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">24 h Bahn \u2192 Sonnenumlaufbahn<\/td>\n<td width=\"50%\">911 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Summe<\/td>\n<td width=\"50%\">3113 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Bei 3030 kg Startmasse, dem spezifischen Impuls von 3.000 m\/s errechnet sich so eine Endmasse von 1062 kg.<\/p>\n<p>Zur Erkl&auml;rung: es ist vom Energieaufwand g&uuml;nstig aus einer Bahn mit einem marsn&auml;chsten Punkt zur erde zur&uuml;ckzukehren, anstatt dies direkt aus dem Orbit von Phobos zu tun, auch wenn ein Zusatzaufwand n&ouml;tig ist. Daher habe ich dieselbe 24 Stunden bahn wieder angestrebt. In ihr k&ouml;nnte man dann Deimos durch nahe Vorbeifl&uuml;ge passieren. Bei dieser Mission ist der Gewinn mit 33 m\/s aber gering, Alternativ k&ouml;nnte man auch eine Transferbahn einschlagen, die nur bis zu Deimos f&uuml;hrt, das &auml;ndert an dem Treibstoffverbrauch nichts. Aus Erkundungssicht w&auml;re eine Bahn, die mit der Umlaufdauer von Deimos (1,26 Tage) synchronisiert ist am besten, also eine 1,26 oder 0,615 Tage Umlaufbahn.<\/p>\n<p>Nun zu den Ionentriebwerken. Hier ist es schwieriger, weil es mehr Parameter zu ver&auml;ndern gibt. Der Missionsverlauf ist weitestgehend gleich. Das Einbremsen und Verlassen des Orbits soll rein chemisch erfolgen, sodass hier das chemische dV 1.707 m\/s betr&auml;gt, entsprechend 1.314 kg Treibstoff. Das l&auml;sst nur noch 654 kg f&uuml;r den Ionenantrieb &uuml;brig.<\/p>\n<p>Die Ionentriebwerke von Hayabusa sind die einzigen von Japan bekannten. Diese haben folgende Eckdaten:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"50%\">Parameter<\/th>\n<th width=\"50%\">Wert<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Schub:<\/td>\n<td width=\"50%\">8 mN<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Treibstoffverbrauch<\/td>\n<td width=\"50%\">0,3 mg\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Strombedarf<\/td>\n<td width=\"50%\">350 Watt<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Spezifischer Impuls<\/td>\n<td width=\"50%\">30.000 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>F&uuml;r die Ionenantriebsmission habe ich eine komplexere Route selektiert, die auch zu Deimos f&uuml;hrt. Sie hat folgende Eckpunkte:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"50%\">Bahn<\/th>\n<th width=\"50%\">dV<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Sonnenumlaufbahn \u2192 24 h Bahn<\/td>\n<td width=\"50%\">806 m\/s (chemisch)<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">24 h Bahn \u2192 Phobos Transferbahn<\/td>\n<td rowspan=\"2\" width=\"50%\">&lt; 1.805 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Phobos Transferbahn \u2192 coloplanare Bahn Phobos<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">coloplanare Bahn Phobos \u2192 Deimostransferbahn<\/td>\n<td rowspan=\"2\" width=\"50%\">&lt; 786 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Deimostransferbahn \u2192 coloplanare Bahn Deimos<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">coloplanare Bahn Deimos \u2192 24 Stunden Bahn<\/td>\n<td width=\"50%\">~ 700 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">24 Stunden Bahn \u2192 Sonnneumlaufbahn<\/td>\n<td width=\"50%\">901 m\/s (chemisch)<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Summe<\/td>\n<td width=\"50%\">1792 m\/s chemisch, ~ 3500 m\/s Ionenantrieb<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Bei Ionentriebwerken ver&auml;ndert sich die Bahn komplex, deshalb habe ich bei den beiden Transferbahnen den Worst Case aufgef&uuml;hrt. Das ist die Energiedifferenz zwischen den Bahnen. Mehr kann man nicht an Energie verbrauchen. Typisch wird man etwa 10 % davon einsparen k&ouml;nnen. Lediglich beim &Uuml;bergang der Deimosbahn in eine 24 Stunden Bahn finden alle Man&ouml;ver in so gro&szlig;er Entfernung statt, dass man die Abhebung der Periapsis vernachl&auml;ssigen kann.<\/p>\n<p>So erh&auml;lt man in etwa 3300 m\/s Zusatzaufwand f&uuml;r den Ionenantrieb. Ber&uuml;cksichtigt man das die Sonde schon leichter ist, wenn sie in der 24 Stunden Bahn angekommen ist, (2319 kg) so kann man die Treibstoffmenge bei dem genannten spezifischen Impuls errechnen und kommt auf 251 kg. Ein einzelnes Triebwerk ben&ouml;tigt um diese Menge zu verbrauchen 270.843 Stunden \u2013 weit oberhalb der spezifizierten Lebensdauer von 10.000 Stunden. Das verwundert nicht, denn schon Hayabusa setzte f&uuml;nf der Triebwerke ein, war aber sechsmal leichter, hatte aber ein kleineres dV zu erbringen und einen um den Faktor 7 kleineren Gesamtimpuls \u2013 so viele kleine Triebwerke will man aber nicht einsetzen.<\/p>\n<p>Ich gehe im folgenden davon aus, das Japan ein zehnmal schubst&auml;rkeres Triebwerk entwickelt, mit einem Schub von 80 mN, einem Stromverbrauch von 3500 Watt und einem Treibstoffverbrauch von 3 mg\/s. Davon werden vier eingesetzt und maximal drei gemeinsam betrieben.<\/p>\n<p>Daraus ergibt sich das die Sonde eine Stromversorgung von zus&auml;tzlichen 10,5 kW ben&ouml;tigt. Da sich der Mars bis auf 249 Millionen km von der Sonne entfernt, entspricht dies 29 kW installierte Leistung auf der Erde.<\/p>\n<p>Bei starren Arrays mit einer f&uuml;r gro&szlig;e Arrays typischen Leistungsdichte von 80 W\/kg entspricht dies 363 kg Masse. Der Tank wiegt bei konservativem Voll\/Leermasseverh&auml;ltnis von 6 weitere 51 kg. Dazu k&auml;men vier Ionentriebwerke, deren Masse ich anhand vorhandener Triebwerke auf 11 kg pro St&uuml;ck inklusive Hochspannungskonverter absch&auml;tze, bei vier Triebwerken also 44 kg. Damit s&auml;he die Massebilanz so aus:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"50%\">Parameter<\/th>\n<th width=\"50%\">Wert<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Chemischer Treibstoff<\/td>\n<td width=\"50%\">1.237 kg (rein chemisch als Vergleich: 1.968 kg)<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Ionentreibstoff:<\/td>\n<td width=\"50%\">251 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Tank<\/td>\n<td width=\"50%\">51 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Solarzellen<\/td>\n<td width=\"50%\">363 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Triebwerke<\/td>\n<td width=\"50%\">44 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Summe:<\/td>\n<td width=\"50%\">709 kg<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h3 class=\"western\">Optimierungen<\/h3>\n<p>Das Gewicht ist gr&ouml;&szlig;er als die 651 kg die wir durch Einsparen von chemischem Treibstoff gewonnen haben. Allerdings geht diese Rechnung von einem konstanten Gewicht aus. In Wirklichkeit ist es durch Verbrauch des Ionentreibstoffs zu Missionsende um 251 kg kleiner. Das spart 89 kg Treibstoff ein. Weiterhin habe ich nicht ber&uuml;cksichtigt, das nat&uuml;rlich auch beim chemischen Treibstoff Trockenmasse, n&auml;mlich die Tanks, eingespart werden. Bei einem Strukturfaktor von 11 spart dies weitere 74 kg ein. So hat man in der Summe noch eine kleine positive Marge von 105 kg.<\/p>\n<p>Dabei ist dabei vieles noch nicht optimiert. Der Wirkungsgrad der japanischen Triebwerke liegt z.B. deutlich unter dem von anderen Typen, die ich kenne. W&uuml;rde Japan Triebwerke von Boeing oder Airbus einsetzen, dann k&ouml;nnte man an der installierten elektrischen Leistung einiges einsparen die am meisten Masse ausmacht. Auch diese Stromversorgung m&uuml;sste man nicht so hoch dimensionieren, denn sie ist ja f&uuml;r die maximale Distanz ausgelegt. Arbeitet man dort nicht mit voller Leistung, so kann man sie kleiner dimensionieren. Auslegt auf mittlere Marsentfernung spart man 18 % des Gewichts ein, da der Mars eine sehr elliptische Bahn hat.<\/p>\n<p>Bei drei Triebwerken errechnet sich eine Betriebsdauer von 7.746 Stunden. Das ist deutlich unterhalb der Designlebensdauer von 10.000 Stunden als Minimalanforderung f&uuml;r Ionentriebwerke (es gibt auch Typen die f&uuml;r 15.000 oder 20.000 Stunden Betrieb qualifiziert sind). Da sich die Mission verl&auml;ngern wird und dies nur um ein Startfenster (26 Monate) geht, stehen 18.720 Stunden zur Verf&uuml;gung. Die Ionentriebwerke w&uuml;rden also weniger als der H&auml;lfte der Zeit arbeiten. Man k&ouml;nnte so den gleichzeitigen Betrieb auf zwei Triebwerke reduzieren, h&auml;tte immer noch rund 3000 Stunden &uuml;brig und k&ouml;nnte das Stromversorgungssystem um ein Drittel verkleinern, was weitere 121 kg einspart.<\/p>\n<p>Ideal w&auml;re ein neuer Triebwerkstyp ausgelegt auf die Mission. F&uuml;r eine Betriebsdauer von 500 Tagen errechnet sich als optimaler spezifischer Impuls etwa 44.500, den weist z.B. das RIT-XT auf. Dann w&uuml;rde (ohne redundante Triebwerke) das Ionenantriebssystem 425 kg anstatt jetzt 709 wiegen. Das erh&ouml;ht die Marge auf 226 kg.<\/p>\n<p>Weiterhin braucht man auch chemischen Treibstoff f&uuml;r die Probennahme \u2013 so klein die K&ouml;rper auch sind, sie sind noch zu gro&szlig;, <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2014\/11\/17\/die-loesung-fuer-ein-ueberfluessiges-problem-himmelskoerper-auf-denen-eine-sonde-mit-ionenantrieb-landen-kann\/\">um nur mit Ionentriebwerken zu landen<\/a> und wieder abzuheben. Bei 100 m\/s sind dies aber maximal 106 kg, wenn ich davon ausgehe, das dies rein mit Hydrazin-Kaltgastriebwerken (spezifischer Impuls 2200 m\/s) erfolgt. Sofern die Kapsel also nicht mehr als etwa 120 kg wiegt, sollte so eine zweite Bodenprobenentnahme m&ouml;glich sein.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Fazit<\/h3>\n<p>In der Summe w&auml;re es m&ouml;glich und es br&auml;chte mit Proben von Deimos und dessen besserer Erkundung einen Mehrwert. Deimos, der auch bei der MMX Mission ein \u201eVerlierer\u201c ist, denn er wird nur durch Vorbeifl&uuml;ge aber nicht wie Phobos aus der N&auml;he erkundet, von einer Bodenprobenentnahme ganz zu schweigen w&uuml;rde sehr davon profitieren.<\/p>\n<p>Als Nachteil verl&auml;ngert sich die Mission um zwei Jahre, ein Startfenster zum Mars. Angesichts dessen das Raumsonden heute sehr viel l&auml;nger leben als ihre Mindestlebensdauer sehe ich dies nicht als Nachteil an. Akatsuki, die japanische Venusmission verpasste z.B. das Einschwenken in den Venusorbit und holte dies f&uuml;nd Jahre sp&auml;ter nach. Die Mission sollte urspr&uuml;nglich 4,5 Jahre dauern und ist nun seit 11 Jahren in Betrieb, selbst mit der Verz&ouml;gerung wurden inzwischen die vier Jahre im Venusorbit &uuml;bertroffen.<\/p>\n<p>Eventuell kann man die Zeit in der die Ionentriebwerke arbeiten auch nutzen um einen Teil der Experimente zu betreiben und den Mars zu beobachten. Das h&auml;ngt nat&uuml;rlich von deren Auslegung ab. Drei Experimente sind nicht auf die direkte n&auml;here Umgebung von Phobos ausgelegt, sondern Fernerkundungsexperimente zwei Kameras und ein IR-Spektrometer. Sie k&ouml;nnten auch auf den Mars gerichtet werden, wenngleich wegen der Auslegung der Mission auf die Erkundung Phobos aus n&auml;chster N&auml;he die Aufl&ouml;sung bei Mars dann recht grob ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Laie denkt man ja, dass bei dem Forschungsanteil der Raumfahrt die Wissenschaft im Vordergrund steht. Doch das Gegenteil ist oft der Fall. Es werden Missionen genehmigt, wie popul&auml;r sind oder bestimmte \u201eBuzzthemen\u201c bedienen. Ein Beispiel ist die Venus \u2013 rein technisch ist sie der am schnellsten und mit am wenigsten Aufwand erreichbare Planet. 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