{"id":15467,"date":"2021-08-07T18:23:02","date_gmt":"2021-08-07T16:23:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=15467"},"modified":"2021-08-10T18:26:30","modified_gmt":"2021-08-10T16:26:30","slug":"alternativen-zu-plutonium-238-rtg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2021\/08\/07\/alternativen-zu-plutonium-238-rtg\/","title":{"rendered":"Alternativen zu Plutonium-238 RTG"},"content":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_15467\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"15467\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Europa-Clipper wird die vierte Raumsonde in Jupiterentfernung sein die auf RTG (Radioisotopengeneratoren) verzichtet und Solarzellen zur Stromgewinnung einsetzt. Zeit mal die Problematik der Energiequelle von RTG, dem Plutoniumisotop 238 und die Alternativen zu beleuchten.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/4238b86d35bf44b29f5fb84db1ff640e\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><!--more--><\/p>\n<h3 class=\"western\">Wie wird aus Radioaktivit&auml;t Strom?<\/h3>\n<p>Die Physik eines RTG ist eigentlich relativ einfach. Beim radioaktiven Zerfall wird Energie frei, die letztendlich in W&auml;rme umgesetzt wird. Bei der gezielten Kernspaltung in Kernreaktoren oder Atombomben ist dies sehr viel, weil viel Material zerf&auml;llt, forciert durch die Kettenreaktion. Bei RTG ist es dagegen die normale Zerfallsw&auml;rme, die genutzt wird. RTG wandeln die W&auml;rme mithilfe des thermoelektrischen Effekts in Strom um \u2013 bestimmte Materialen geben, wenn an verschiedenen Bereichen es unterschiedliche Temperaturen gibt, Strom ab. Der Wirkungsgrad ist recht gering. Bei den GPHS die &uuml;ber zwei Jahrzehnte eingesetzt wurden, gewann man aus 4400 Watt thermischer Leistung nur 285 Watt elektrische Leistung.<\/p>\n<p>Damit es &uuml;berhaupt funktioniert, muss sich das Material stark erhitzen. Das hei&szlig;t es muss viele Zerf&auml;lle pro Sekunde geben. Nat&uuml;rliche radioaktive Isotope wie von Uran oder Kalium eignen sich wegen der langen Halbwertszeiten nicht, denn so gibt es zu wenige Zerf&auml;lle pro Sekunde. Auf der anderen Seite darf der Zerfall aber auch nicht zu schnell sein, dann k&ouml;nnte die Temperatur &uuml;berschritten werden, bei der das Material (egal ob radioaktive Quelle oder Thermoelemente) schmelzen und der RTG wird zerst&ouml;rt. Ist die Temperatur zu gering, so sinkt die Stromausbeute durch den thermoelektrischen Effekt. Aus dem Grund (die Radioaktivit&auml;t nimmt durch den fortschreitenden Zerfall immer mehr ab) geben RTG auch pro Jahr etwas weniger Energie ab. Dazukommen noch Alterungseffekte der Thermoelemente. Realistischerweise muss ein Isotop, das man als Energiequelle nutzen, kann eine Halbwertszeit von einigen Jahrzehnten bis maximal einigen Jahrhunderten haben.<\/p>\n<p>Pu-238 liegt mit einer Halbwertszeit von 87,4 Jahren genau in der Mitte. Die Temperatur liegt an der hei&szlig;en Verbindung der Thermolemente bei 1290 K, bei der kalten bei 566 K. Es gibt daneben noch einige andere Isotope, die &auml;hnliche Halbwertszeiten haben. Zu diesen komme ich noch.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Was ist die Problematik von Pu-238?<\/h3>\n<p>Pu-238 ist eines der vielen Plutoniumisotope. Es ist nicht geeignet, um Atombomben zu bauen. Es entsteht aus Uran in Atomreaktoren, aber in zu kleiner Menge, als das es sich lohnt, es aus den radioaktiven abgebrannten Brennelementen zu extrahieren. Daneben gibt es auch die Problematik, das als Isotop die chemischen Eigenschaften von Pu-238 sich nicht von denen der h&auml;ufigeren Isotope 239 und 240 unterscheidet. Man m&uuml;sste es also aufwendig durch physikalische Methoden von den anderen Isotopen trennen. In der Praxis stellt man es gezielt her. Dazu entnimmt man die Brennst&auml;be aus einem Reaktor nach kurzer Zeit, trennt das kurzzeitig entstehende, im Laufe der Kernreaktion aber wieder zerst&ouml;rte Isotop Neptiunium-237 ab. Neptunium ist ein anderes Element und kann daher chemisch vom Uran und Plutonium getrennt werden. Daraus macht man reine Neptuniumst&auml;be, die man dann in einen Reaktor mit hoher Neutronenabgabe einbringt. Das Neptunium-237 f&auml;ngt ein Neutron ein, das dann zerf&auml;llt und wird zum Isotop Plutonium-238.<\/p>\n<p>Daf&uuml;r eignen sich nur Reaktoren, bei denen man auch einfach an die Brennst&auml;be herankommt, nicht die Druckwasserreaktoren, die sich f&uuml;r die Stromversorgung etabliert haben. Der gleiche Reaktortyp wird aus dem gleichen Grund auch zur Gewinnung von waffenf&auml;higem Plutonium genutzt.<\/p>\n<p>Ein Reaktor mit 1 GW Leistung produziert so maximal 15 kg des Materials pro Jahr, das in einem RTG dann etwa 300 Watt Leistung abgibt. Daraus ergibt sich der erste Nachteil: es ist extrem teuer in der Herstellung. Schon vor 20 Jahren wurden 90 Millionen Dollar f&uuml;r das Plutonium pro RTG mit 285 Watt Leistung genannt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium\" src=\"\/img\/rtg3.jpeg\" width=\"600\" height=\"506\" \/>Die zweite Grundproblematik ist, das Plutonium radioaktiv ist. Diese Radioaktivit&auml;t ist in den RTG durch mehrere Schutzschichten abgeschirmt. Bei den Vorbereitungen vor dem Start k&ouml;nnen sich Personen direkt neben der Sonde aufhalten, wie dieses Foto der Messung der Strahlung zeigt. Aber seit auf der Erde Atomkraftwerke in die Luft flogen, hat die NASA immer mehr Probleme die &Ouml;ffentlichkeit davon zu &uuml;berzeugen, dass die Abschirmung so gut ist, das selbst bei einem Unfall nichts passieren kann.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Alternative Isotope<\/h3>\n<p>Zumindest an den Kosten f&uuml;r das radioaktive Material kann man etwas machen. Geeignet sind die beim Zerfall von Uran nat&uuml;rlich entstehenden Isotope Strontium-90 und C&auml;sium-137 mit Halbwertszeiten von 28 bzw. 30 Jahren. Sie stehen in abgebrannten Kernelementen in gro&szlig;er Menge zur Verf&uuml;gung. Man kann das kurzlebige, durch Bestrahlung, entstehende Isotop Cobald-60 mit einer Halbwertszeit von 5 Jahren einsetzen. Dieses wird auch in der Medizin verwendet. F&uuml;r die meisten Missionen ist die Halbwertszeit aber zu kurz. Daneben gibt es noch zwei Transurane mit geeigneten Halbwertszeiten Dies sind Cuium-244 und Americum 241. Curium 244 hat eine Halbwertszeit von 18,1 Jahren. Leider ist sein Anteil in abgebrannten Kernelementen so gering, dass es nicht billiger in der Gewinnung als Pu-238 ist. Americum-241 findet sich dagegen in gr&ouml;&szlig;erer Menge in abgebrannten Kernelementen, etwa 100 g pro Tonne. Dadurch ist es deutlich g&uuml;nstiger in der Gewinnung als Plutonium-238. Es hat aber auch Nachteile.<\/p>\n<p>Der Hauptvorteil des Pu-238 ist, das die entstehenden Zerfallsprodukte mit geringen Halbwertszeiten reine Alphastrahler sind. Alphastrahlung hat eine geringe Eindringtiefe. Schon eine d&uuml;nne Umh&uuml;llung schirmt ist ab. Bei den anderen Isotopen gibt es auch Betastrahler oder gar Gammastrahler in der Zerfallskette, weshalb man wegen dieser durchdringenden Strahlung eine st&auml;rkere Abschirmung ben&ouml;tigt. Hier eine entsprechende Tabelle mit &auml;quivalenter Abschirmung:<\/p>\n<table width=\"553\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"2\">\n<tbody>\n<tr>\n<th width=\"119\">Material<\/th>\n<th width=\"81\">Halbwertszeit<\/th>\n<th width=\"173\">W&auml;rmabgabe anfangs pro g<\/th>\n<th width=\"163\">Abschirmung in Blei [mm]<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"119\">Plutonium, Pu-238<\/td>\n<td width=\"81\">87,7 Jahre<\/td>\n<td width=\"173\">0,39 J\/g<\/td>\n<td width=\"163\">5 mm<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"119\">Americium, Am-241<\/td>\n<td width=\"81\">432<\/td>\n<td width=\"173\">0,097 J\/g<\/td>\n<td width=\"163\">18 mm<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"119\">Curium Cm-244<\/td>\n<td width=\"81\">18,1<\/td>\n<td width=\"173\">2,27<\/td>\n<td width=\"163\">51 mm<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"119\">C&auml;sium, Cs-137<\/td>\n<td width=\"81\">30<\/td>\n<td width=\"173\">0,12<\/td>\n<td width=\"163\">117 mm<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"119\">Strontium, Sr-90<\/td>\n<td width=\"81\">28<\/td>\n<td width=\"173\">0,22<\/td>\n<td width=\"163\">152 mm<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"119\">Kobalt, Co-60<\/td>\n<td width=\"81\">5,24<\/td>\n<td width=\"173\">1,74<\/td>\n<td width=\"163\">242 mm<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Da bei einem normalen RTG das Plutoniumoxid nur 12,2 von rund 56,7 kg ausmacht \u2013 der Gro&szlig;teil der Restmasse entf&auml;llt auf die Abschirmung und den Schutz des RTG vor Thermischer und mechanischer Belastung bei einem Unfall, ist klar, dass eigentlich als Alternative nur noch das Isotop Americium-241 &uuml;brig bleibt.<\/p>\n<p>Dessen Halbwertszeit von 432 Jahren bedeutet aber auch das man 5-mal mehr Material ben&ouml;tigt und die Temperatur geringer ist \u2013 damit sinkt der Wirkungsgrad der Thermoelemente nochmals ab. Kurz: in der Summe ist es nicht g&uuml;nstiger als Plutonium-238. Der einzige Vorteil von Am-241 ist das man Reaktoren nicht in einem Modus betreiben muss in dem sie vor allem Isotope erbr&uuml;ten, sondern man normale abgebrannte Kernelemente aufarbeiten kann.<\/p>\n<p>Derzeit arbeitet die ESA \u2013 dabei vor allem Gro&szlig;britannien, was angesichts der Wiederaufbereitungsanlage in Sellafield nicht verwunderlich ist \u2013 an der Erforschung von Am-241. Wie zu erwarten schneidet es generell schlechter als Pu-238 ab. Eine m&ouml;gliche Anwendung ist ein kombinierter Mini-RTG\/RHU. Ein RHU ist ein Heizelement, das passiv arbeitet und einfach die Zerfallsenergie als W&auml;rme abgibt. US-Raumsonden haben bis zu mehrere Dutzend dieser Pellets an Bord, die jeweils 1 Watt W&auml;rme abgeben, um wichtige Elemente vor dem Ausfall zu sch&uuml;tzen. Eine Batterie darf z. B. nie gefrieren. Ein soclhes RHU w&uuml;rde prim&auml;r W&auml;rme abgeben und etwas Strom, aber wenig, weil der Wirkungsgrad durch die l&auml;ngere Zerfallsdauer geringer ist. Ein 1,3 kg schweres Element w&uuml;rde 20 Watt an W&auml;rme abgeben, daneben 1 Watt an Strom -wenig aber vielleicht genug um eine minimale Elektronik f&uuml;r Notf&auml;lle zu betrieben.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Bessere Nutzung<\/h3>\n<p>Die offensichtlichste M&ouml;glichkeit ist es, den miserablen Wirkungsgrad von 6,4 % bei der Umwandlung von thermischer in elektrische Energie zu erh&ouml;hen. Eine M&ouml;glichkeit ist es, den K&uuml;hlkreislauf von kleinen Kernreaktoren zu verwenden und Natrium zu verdampfen. Diese Alkalimetall Thermal to Electric Converters (AMTEC) haben im Labor einen Wirkungsgrad von 16 %, also mehr als doppelt so hoch wie bei den RTG. Die Forschungen wurden aber Anfang der 2000-er Jahre eingestellt.<\/p>\n<p>L&auml;nger verfolgt hat man das Konzept des Stirlingmotors. Das Prinzip ist recht einfach. In einem abgeschlossenen Zylinder wird Gas an einer Seite erw&auml;rmt, dehnt sich aus und dr&uuml;ckt einen Kolben weg, dessen mechanische Bewegung in elektrische Energie umgesetzt wird. Durch die Expansion sinkt die Temperatur und das zieht den Kolben in die Ausgangsposition. Stirlingmotoren sind sehr zuverl&auml;ssig und verschlei&szlig;arm und werden z.B. in Entwicklungsl&auml;nden im Brennpunkt von Parabolspiegeln zur Erzeugung von Strom genutzt. Der Wirkungsgrad ist drei bis viermal h&ouml;her als bei Thermoelementen. Bei der Gesamtmasse ist der Vorteil kleiner, da der Stirling Motor schwerer ist als die Bimetallstreifen. Die NASA hat aber auch inzwischen die Forschung an dieser Technologie eingestellt, bei der es prim&auml;r darum geht, zu gew&auml;hrleisten das der Motor nicht vor Erreichen der Nennbetriebsdauer ausf&auml;llt eingestellt, weil es zu wenige Missionen mit RTG gibt.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Solarzellen<\/h3>\n<p>Heute haben Solarzellen die RTG bei Missionen bis zu Jupiter abgel&ouml;st. Den Anfang machte <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/rosetta.shtml\">Rosetta<\/a>, die sich bis auf Jupiterentfernung von der Sonne entfernte, es folgte Juno und f&uuml;r die noch folgenden Sonden Psyche (bis 3,2 AE Sonnenentfernung) Lucy, JUICE und Europa Clipper (jeweils Jupiterentfernung = 5,4 AE) sind auch Solarzellen vorgesehen.<\/p>\n<p>Das verwundert nicht, denn anders als RTG konnten die Leistungsparameter von Solarzellen deutlich verbessert werden. Lag der h&ouml;chste Wirkungsgrad 1980 noch bei 15 % so sind es heute 29 %. So erh&auml;lt man mehr Strom pro Fl&auml;che. Ebenso ist es gelungen, Solarzellen leichter zu fertigen. 1980 hatten starre Fl&uuml;gel eine Leistungsdichte von 45 W\/kg heute sind es 85 W\/kg. Flexible Zellen erreichen 150 W\/kg und gro&szlig;e Paneele mit dieser Technologie k&ouml;nnen 170 W\/kg erreichen. Das ist erheblich besser als bei RTG, die bei 5 W\/kg liegen. Allerdings nimmt die Leistung quadratisch mit der Sonnenentfernung ab und ist bei Jupiter 27-mal geringer und liegt dann (bezogen auf das Gewicht) schlechter als bei RTG. Bei Jupiter kommt noch hinzu, dass man die Solarzellen vor Strahlensch&auml;den sch&uuml;tzen muss und eine zus&auml;tzliche Glasschicht als Schutz braucht. Junos Solargenerator wog 340 kg und liefert nur 450 Watt Strom. Zwei GPHS RTG mit 570 W Leistung h&auml;tten nur 114 kg gewogen. Der Schutz und spezielle Niedrigtemperaturzellen haben den Solargenerator von Juno auch deutlich schwerer als den eines Satelliten gemacht.<\/p>\n<p>Solarkonzentratoren sollen dieses Problem mildern. Das Prinzip ist relativ einfach. Es wird nicht das ganze Paneel mit Solarzellen belegt, sondern nur teilweise. Daf&uuml;r liegt &uuml;ber jeder Zelle eine Fresnellinse, die das Licht aus der Umgebung b&uuml;ndelt. Bislang wurde die Technologie einmal bei der Raumsonde <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/ds-1.shtml\">Deep Space 1<\/a> erprobt. Eine Technologiemission mit einem deutlich besseren Solarkonzentrator wurde aber abgesagt. Der Gewinn wird erzielt dadurch, dass die Fresnellinse aus Acrylglas viel weniger wiegt als eine Solarzelle. Bei den Missionen ins &auml;u&szlig;ere Sonnensystem kommt hinzu, das die Einstrahlung auf die Zelle so h&ouml;her ist und die Temperatur der Zelle nicht so stark absinkt.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Kernreaktoren<\/h3>\n<p>Sinnvoller scheint es zu sein, eine etablierte Technologie f&uuml;r die Energieerzeugung zu nutzen: Kernreaktoren. Auch wenn Uran f&uuml;r die kleinen Reaktoren hoch angereichert werden muss, damit man die kritische Masse erreicht, ist das Material doch erheblich billiger und die Energieerzeugung pro Kilogramm h&ouml;her. Das Problem ist das auch hier, dass der Wirkungsgrad der Umwandlung von Prim&auml;renergie in elektrische Energie sehr klein ist. Der einzige Kernreaktor der USA nutzte bei SERT Thermoelemente, die russichen Reaktoren setzten fl&uuml;ssige Alkalimetalle als K&uuml;hlmittel ein. Sie erreichten Leistungen von 5 bis 10 kW bei einer Masse von 1071 kg. Auch hier betrug der Wirkungsgrad der Umwandung von thermischer in elektrische Energie nur 5,2 %.<\/p>\n<p>Das zweite Manko ist, das der Reaktor abgeschirmt werden muss, er muss schlie&szlig;lich einen Unfall &uuml;berstehen und dabei muss auch das gesamte K&uuml;hlsystem mit abgeschirmt werden. Da die W&auml;rmeabgabe in der dritten Potenz des Reaktorkerndurchmessers steigt, die abzuschirmende Oberfl&auml;che aber nur quadratisch, werden Kernreaktoren in der Leistungsdichte (s.u). so besser, je gr&ouml;&szlig;er sie sind. Zwei aktuelle Beispiele. Die NASA hat den experimentellen Reaktor SAFER entwickelt der 100 kW elektrische Energie bei 512 kg Masse erreicht. Doch er ist zu gro&szlig; f&uuml;r einen Einsatz. Die derzeitigen Kilopower Reaktoren, die in der Entwicklung ind werden, nur 1 bis 10 kW liefern. 1 kW Modul wiegt 134 kg, das 10 kW Modul nur 226 kg also doppelt so viel bei der zehnfachen Leistung. Bei allen drei Reaktoren k&auml;me aber noch die Abschirmung hinzu die viel mehr wiegen w&uuml;rde (beim 10 kW Reaktor rechnet man mit 1.500 kg Gesamtmasse also der Faktor 6, bei den russischen Reaktoren verdreifachte sich die Masse durch den Schutz vor Wiedereintritt.<\/p>\n<p>Solange man also nicht besonders hohe Leistungen ben&ouml;tigt, sind Kernreaktoren zumindest, was das Gewicht pro Kilowatt Leistung angeht, schlechter als RTG. Die Kosten h&auml;ngen stark davon ab, wie viele Reaktoren man fertigt. Das teuerste ist die Entwicklung. Die Fertigung ist relativ billig. Als die USA zwei TOPAZ-Reaktoren (je 5 kW Leistung) kaufte, bezahlte sie nur 13 Millionen Dollar. Zum Vergleich: ein GPHS mit 285 Watt Leistung kostete zum gleichen Zeitpunkt rund das f&uuml;nffache in der Herstellung.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Leistungsgewicht<\/h3>\n<p>Fr&uuml;her von Bedeutung, heute eher weniger, ist eine Kerngr&ouml;&szlig;e, das Leistungsgewicht. Sprich: wenn ich x Watt an elektrischer Leistung ben&ouml;tige, wie viel wiegt das System daf&uuml;r. Die Gr&ouml;&szlig;e wird in Watt\/kg angegeben. Um die Masse zu erhalten, teilt man den Strombedarf durch diese Gr&ouml;&szlig;e. Hier einige Werte:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"50%\">System<\/th>\n<th width=\"50%\">W\/kg<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">GPHS-RTG<\/td>\n<td width=\"50%\">5 W\/kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">MMRTG<\/td>\n<td width=\"50%\">2,9 W\/kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Sterling-RTG<\/td>\n<td width=\"50%\">4 W\/kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Solarzellen starre Fl&uuml;gel @ 1 AE<\/td>\n<td width=\"50%\">85 W\/kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Solarzellen flexibler Tr&auml;ger @ 1 AE<\/td>\n<td width=\"50%\">150 W\/kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Solararray Juno @ 5,4 AE<\/td>\n<td width=\"50%\">1,3 W\/kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">TOPAZ-2 Reaktor 6 kW, abgeschirmt<\/td>\n<td width=\"50%\">5,6 W\/kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Krusty Reaktor 10 kW abgeschirmt<\/td>\n<td width=\"50%\">6,6 W\/kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">SP-100 100 kW Reaktor abgeschirmt<\/td>\n<td width=\"50%\">18,4 W\/kg<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Gr&ouml;&szlig;e ist dann von Bedeutung, wenn die Sondenmasse begrenzt ist. Der Solargenerator machte ein Viertel der Trockenmasse von Juno aus. Bei den fr&uuml;her &uuml;blichen direkten Starts zu den Planeten war die Forderung nach geringer Masse noch strenger, durch den Einsatz von Swing-Bys ist dies heute nicht mehr so, doch daf&uuml;r dauert es l&auml;nger, um zum Ziel zu gelangen. <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/juno.shtml\">Juno<\/a> brauchte f&uuml;nf Jahre anstatt zwei beim direkten Kurs.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_15467\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"15467\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Europa-Clipper wird die vierte Raumsonde in Jupiterentfernung sein die auf RTG (Radioisotopengeneratoren) verzichtet und Solarzellen zur Stromgewinnung einsetzt. 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