{"id":15660,"date":"2022-01-07T11:49:16","date_gmt":"2022-01-07T10:49:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=15660"},"modified":"2022-01-07T11:49:16","modified_gmt":"2022-01-07T10:49:16","slug":"fleischbruehe-versus-tafelspitz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2022\/01\/07\/fleischbruehe-versus-tafelspitz\/","title":{"rendered":"Fleischbr&uuml;he versus Tafelspitz"},"content":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_15660\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"15660\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Auf meinen heutigen Blog kam ich durch eine Serie, in der in einer Folge es einen Streit gab. Die Ursache war ein Jugendlicher der Koch lernte. Er schaute sich bei seiner Gro&szlig;mutter, die viel kochte und backte, Dinge ab und setzte diese dann im Lokal um. So machte diese einmal Frankfurter Tafelspitz und setzte ihn mit hei&szlig;em Wasser an, w&auml;hrend der Koch im Lokal Fleischbr&uuml;he mit kaltem Wasser ansetzte. Er war nicht begeistert das sein Lehrling dann Fleischbr&uuml;he mit hei&szlig;em Wasser machte. Der Koch wehrte sich dagegen das seiner Ansicht nach dem Jungen von der Gro&szlig;mutter falsche Dinge beigebracht werden. Wie &uuml;blich in Serien endete das in Wohlgefallen. Was aber nicht aufgel&ouml;st wurde, war: was ist nun die richtige Methode?<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/4594d53633d94d848b08e690d2f74498\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><!--more--><\/p>\n<p>Wie immer lautet die Antwort: sowohl als auch. Denn die bedien Gerichte haben unterschiedliche Aufgabenstellungen und Produkte. Bei Fleischbr&uuml;he geht es darum, m&ouml;glichst viel vom Geschmack des Fleisches in die Br&uuml;he zu bekommen, beim Tafelspitz als Beispiel f&uuml;r Fleisch, das in Fl&uuml;ssigkeit gegart wird, danach aber genossen wird, dagegen m&ouml;glichst viel vom Fleischgeschmack im Fleisch zu halten. Die Herangehensweise ist daher jeweils eine andere.<\/p>\n<p>Es geht im Prinzip um l&ouml;sliche Proteine, Aminos&auml;uren, andere Biomolek&uuml;le wie Purine und Fett, welche ins Wasser &uuml;bergehen k&ouml;nnen. Daneben gibt es auch Proteine, die nicht ins Wasser &uuml;bergehen, wie Muskelfasern. Die Menge an l&ouml;slichen Anteilen kann man durch Zerkleinern des Fleisches erh&ouml;hen. Zum einen durch die viel gr&ouml;&szlig;ere Kontaktfl&auml;che mit dem Wasser, zum anderen werden bei jedem Zerkleinern nat&uuml;rlich Zellen zerst&ouml;rt und damit steigt die Menge an l&ouml;slichen Substanzen.<\/p>\n<p>Industriell l&auml;uft das so ab, das man Fleisch fein zerkleinert, &auml;hnlich wie man Hackfleisch herstellt und es dann mit warmen bis hei&szlig;en Wasser extrahiert, das heutzutage durch die Fleischmasse durchgepumpt wird. Das Verfahren ist uralt, eines der ersten industriellen Verfahren in der Lebensmittelindustrie und wurde von einem bekannten Wissenschaftler gro&szlig;technisch umgesetzt: Justus von Liebig, auch wenn es &auml;hnliche Verfahren schon vorher gab. Liebig setzte dieses Verfahren zum ersten Mal gro&szlig;technisch um, als er mit einem Unternehmer in Uruguay zusammenarbeitete. Dort wurden Rinder vor allem wegen der H&auml;ute und Felle gehalten. Das Fleisch war damals, Mitte des neunzehnten Jahrhunderts ohne die M&ouml;glichkeit einer K&uuml;hlung nicht transportf&auml;hig, der eingekochte und eingedickte (konzentrierte) Extrakt schon. Er wurde zuerst f&uuml;r Kranke als Schonkost angepriesen, fand dann aber aufgrund der rasch steigenden Produktionsmengen in S&uuml;damerika und fallenden Preise bald seinen Weg in die normale K&uuml;che.<\/p>\n<p>Das Wesentliche dabei ist, dass das Wasser die zerkleinerte Masse auslaugt. Bis zu einer bestimmten Temperatur geht das immer schneller. Ab etwa 65 Grad Celsius fangen aber an die ersten Proteine an zu denaturieren und gehen nicht dann immer weniger ins Wasser &uuml;ber, bei 75 Grad ist der Gro&szlig;teil des Eiwei&szlig;es denaturiert, im normalen Deutsch \u201egeronnen\u201c und der Vorgang beendet. F&uuml;r die Herstellung von Fleischextrakt wird daher nur auf diese Temperatur erhitzt, die Fl&uuml;ssigkeit wird dann durch l&auml;ngeres Erhitzen auf diese Temperatur konzentriert und vom mit gel&ouml;sten Fett getrennt. Bei der Herstellung von Fleischbr&uuml;he geschieht das gleiche nur im Topf. Gibt man Fleisch dagegen in kochendes Wasser, so gerinnen die Proteine an der Oberfl&auml;che sofort. Sie verschlie&szlig;en dabei auch Kan&auml;le zwischen den Zellen und es kann nur wenig l&ouml;sliche Proteine aus dem Inneren in das Wasser &uuml;bergehen. Bei Tafelspitz, als Beispiel f&uuml;r Fleisch, das in hei&szlig;em Wasser gegart wird, ist man ja auch interessiert, das der Geschmack im Fleisch bleibt. Sicher ist auch der gleichzeitig entstehende Fond als Basis f&uuml;r eine So&szlig;e wichtig, doch da er anders als eine Fleischbr&uuml;he stark konzentriert wird, reicht auch eine geringe Menge an gel&ouml;sten Aromastoffen. Dagegen setzt man f&uuml;r Fleischbr&uuml;he Fleisch an, dass zwar mager ist, aber f&uuml;r den direkten Genuss oft zu z&auml;h ist. Meine Mutter machte fr&uuml;her immer Fleischbr&uuml;he und das Hauptmaterial waren da Markknochen. Die enthalten im Mark Fleisch, dass man so nicht genie&szlig;en kann. Sonntags gab es auch Siedfleisch, also Fleisch, das sich genau daf&uuml;r eignete. Das hat mein Vater immer gevespert, ich habe es ein paar Mal probiert, fand es aber fade und z&auml;h. So ist die Herstellung von Fleischbr&uuml;he, Fond oder Bullion eine M&ouml;glichkeit Fleisch zu nutzen, das man sonst nicht verkaufen k&ouml;nnte. Schlussendlich werden alel K&uuml;he mal geschlachtet wenn ihre Milchleistung absinkt, aber die sind dann alt und ihr Fleisch ist nicht mit dem von Jungbullen zu vergleichen, deren Fleisch sonst f&uuml;r Steaks und Braten genutzt wird.<\/p>\n<p>Aufgrund der Herstellung blieb der Fleischextrakt aber immer eine teure Zutat. Der Br&uuml;hw&uuml;rfel bzw. gek&ouml;rnte Br&uuml;he besteht dagegen vor allem aus Salz und Hefeextrakt. Hefeextrakt enth&auml;lt zahlreiche Abbauprodukte der DNA und Glutamins&auml;ure, beides verantwortlich f&uuml;r den fleischigen Geschmackseindruck. Glutamins&auml;ure kann man inzwischen auch chemisch herstellen. Sie ist als Zusatzstoff zugelassen, aber hat auch einen schlechten Ruf, sodass die gr&ouml;&szlig;eren Hersteller dann lieber Hefeextrakt oder Proteinhydrolysate von Pflanzenproteinen einsetzen. Zwar muss immer noch jede Br&uuml;he, die &#8222;Fleisch&#8220; im Namen hat, Fleischextrakt oder Fleisch zugesetzt werden, aber es wird immer weniger. Als ich vor inzwischen auch fast 30 Jahren Lebensmittelchemie studierte, hatte die Industrie gerade (wieder) einmal die Mindestmenge abgesenkt und die Untersuchungs&auml;mter wehrten sich gegen diese einseitige Ma&szlig;nahme, indem sie jede Probe beanstandeten. Allerdings langfristig ohne Erfolg. Heute enth&auml;lt gek&ouml;rnte Br&uuml;he nur noch etwa 2 bis 2,5 Prozent Fleischanteil. Echter Fleischextrakt, der nur aus Fleisch besteht, kostet rund <a href=\"https:\/\/amzn.to\/3sZUKBI\">20 Euro pro 100 g<\/a>. Das ist auch kein Wunder, denn obwohl man heute ihn aus Ausgangsstoffen herstellt, die bei der Herstellung anderer Produkte wir Corned Beef anfallen, ben&ouml;tigt man f&uuml;r 100 g Extrakt rund 3 kg Fleisch.<\/p>\n<p>Wenn man den Prozess selbst nachmachen m&ouml;chte, sollte man, da man selbst wohl kaum das Fett abscheiden m&ouml;chte oder kann, sehr mageres Fleisch nehmen, sofern der Fettgehalt nicht explizit gew&uuml;nscht wird. Die Idee normales Hackfleisch zu nehmen, das ja schon zerkleinert ist, scheidet deswegen aus, denn Hackfleisch enth&auml;lt relativ viel Fett. Wenn dann schon fertiges Hackfleisch, dann Tartar, also mageres Fleisch. Wer will, kann mal Hackfleisch von Gefl&uuml;geln wie Pute probieren, das ist in der Regel fett&auml;rmer. Inzwischen gibt es auch \u201eLight\u201c Hackfleisch das ebenfalls weniger Fett enth&auml;lt. Die sicherste Methode ist es aber, beim Metzger sich ein fettarmes St&uuml;ck Fleisch auszusuchen und durch den Fleischwolf drehen zu lassen. Dann das ganze mit kaltem Wasser ansetzen und bei niedrigster Stufe langsam erw&auml;rmen. Das kann dann durchaus lange dauern. Idealerweise h&auml;lt man, wenn das m&ouml;glich ist, l&auml;ngere Zeit eine Temperatur, die etwas h&ouml;her als die K&ouml;rpertemperatur ist, so im Bereich 40 bis 50 Grad.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_15660\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"15660\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Auf meinen heutigen Blog kam ich durch eine Serie, in der in einer Folge es einen Streit gab. 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