{"id":159,"date":"2008-05-14T11:53:34","date_gmt":"2008-05-14T09:53:34","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=159"},"modified":"2008-05-14T11:53:34","modified_gmt":"2008-05-14T09:53:34","slug":"supermenschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2008\/05\/14\/supermenschen\/","title":{"rendered":"Supermenschen"},"content":{"rendered":"<p>Lese ich in meiner Computerzeitung Testberichte, so werde ich immer &ouml;fters den Eindruck nicht los, dass das typische Publikum aus Supermenschen besteht. Denn was hier gefordert wird f&uuml;r &#8222;Spieletauglichkeit&#8220; oder &#8222;Aufl&ouml;sung zum Arbeiten&#8220; hat definitiv nichts damit zu tun, was jemand erkennen kann oder wie schnell er reagieren kann.<\/p>\n<p>Ich m&ouml;chte das an zwei Beispielen verdeutlichen: Der Aufl&ouml;sung des Auges und der Reaktionszeit. Die Aufl&ouml;sung des Auges zu bestimmen ist nicht ganz einfach. Bei den &uuml;blichen Sehtests geht es sehr oft auch um Mustererkennung. Vereinfacht gesagt: Wenn wir Zahlen ablesen so wissen wir, das eine &#8222;1&#8220; schmal ist und eine &#8222;8&#8220; breit und sich die Form unterschiedet. Daher h&ouml;rt sich bei mir an der grenze des Sehverm&ouml;gens auch die Antwort so an &#8222;Das k&ouml;nnte eine 5 oder eine 2 sein&#8220;.<\/p>\n<p>Wer mal bei den Sehtests den Kopf bewegt wird auch feststellen, dass f&uuml;r einen kurzen Augenblick das Bild sch&auml;rfer wird, da offenbar das Auge bei Bewegungen besser ist. noch schlimmer: Die Zone sch&auml;rfsten Sehens ist nicht in der Mitte des Auges, man muss also schr&auml;g vorbeisehen, eine Technik die z.B. Teleskopbeobachter kennen.<\/p>\n<p>Die Aufl&ouml;sung des Auges ist je nach Lichtverh&auml;ltnissen und Objekt daher einigen Schwankungen unterworfen und schwankt zwischen 0.5 und 2 Bogenminuten, der h&auml;ufigste genannte Wert ist eine Bogenminute.<\/p>\n<p>1 Bogenminute, das ist ein Winkelma&szlig; und entspricht einem 1\/3500 stel  des Abstands. Aus 350 mm Entfernung kann das Auge also 0.1 mm gro&szlig;e Details gerade noch erkennen. Das muss man schon fr&uuml;her gewusst haben und vielleicht erinnert sich noch einer an den Merksatz f&uuml;r das analoge Fernsehen: Abstand = 5 x die Bilddiagonale. Bei der Aufl&ouml;sung von PAL Fernsehen deckt sich das recht gut mit der Aufl&ouml;sung desAuges. Doch nun haben wir Full HD mit 1920 x 1200 Bildpunkten. Die ct&#8216; die  &uuml;berblicken, aber ich lese empfiehlt das ab 42 Zoll Diagonale. Gem&auml;&szlig; den optischen Gesetzen sollte man dann n&auml;her als 165 cm dransitzen. das erscheint mir bei 110 cm Diagonale doch arg nah. Noch schlimmer: Das Auge kann zwar ein so gro&szlig;es Feld nochnicht in voller Sch&auml;rfe (sie nimmt rasch zur Peripherie hin ab) und vor allem konzentriert sich die Aufmerksamkeit auf einen kleinen Bereich der bewusst wahrgenommen wird.<\/p>\n<p>Bei dem Full HD Fernsehen wird immer von Kinofeeling geschw&auml;rmt, weil die Diagonalen nun viel gr&ouml;&szlig;er bei den Flachbildschirmen sind als bei der R&ouml;hre. Doch das hat mehr was mit dem Gef&uuml;hl des &#8222;in dem Film drin sein&#8220; zu tun als mit der Aufl&ouml;sung. Denn 35 mm in guter Qualit&auml;t l&ouml;st nur 875 Linienpaare das sind 1750 Punkte in der langen Seite. Tests an Beobachtern im Kino zeigten sogar noch eine schlechtere wahrgenommene Aufl&ouml;sung von 800-900 Punkten in der Horizontale. Das ist schon weniger als die 1280 x 720p Aufl&ouml;sung.<\/p>\n<p>Den gleichen Trend sehen wir bei Notebook Displays. Da gibt es 12&#8243; Displays mit 1440 x 900 Punkten &#8211; Der Aufl&ouml;sung eines 19 Zoll Monitors gepresst auf 12 Zoll. Das ist eine Aufl&ouml;sung von 147 dpi. Das Auge eines normalsichtigen sollte das ohne Problem aus 60 cm Entfernung erkennen k&ouml;nnen. So gesehen also kein Problem. Leider doch, denn jeder der an einem solchen Display arbeitet geht n&auml;her ran. Nicht nur das 50 % der Bundesb&uuml;rger eben nicht normalsichtig sind sondern kurz- oder weitsichtig , Hornhautverkr&uuml;mmung haben oder einfach nicht 100 % Sehsch&auml;rfe. Vor allem strengt es an wenn man an der Grenze der Aufl&ouml;sung Details wahrnehmen muss und dies ist dann gegeben. Das wird munter in den Testberichten ignoriert.<\/p>\n<p>Mein Lieblingsthema sind aber Spieler. Tun sie sich mal einen Spa&szlig; und unterhalten sie sich mit einem Spieler von Action Shooter &uuml;ber Frameraten und die Vor und Nachteile von TFTs und R&ouml;hrenmonitoren. Die ct testete spezielle Gamer-TFts mit einigen Zusatztechniken die diese f&uuml;r Spiele besser machen sollen wie z..b. die Simulation der R&ouml;hre indem man nach dem Bild ein Schwarzbild hinterherschickt. Nahezu keine Technik befriedigte die Spieler. Die kamen aber sehr gut mit Verz&ouml;gerungen von 1-2 Frames zurecht und auch ultrakurze Schaltzeiten von 2 ms mussten es nicht sein: Die Profispieler die damit ihr Geld verdienten meinten ab 16 ms Schaltzeit (definiert von Schwarz auf Weiss, entsprechend etwa 40 ms f&uuml;r nah beieinander liegende Graut&ouml;ne) w&auml;ren die TFT&#8217;s f&uuml;r Spiele geeignet &#8211; das sind heute alle.<\/p>\n<p>Das verwundert einen nicht. Schon seit 100 Jahren, seit es Film gibt weiss man dass das Auge ab etwa 16 fps Bilder nicht mehr auseinander halten kann und eine flie&szlig;ende Bewegung sieht. Mit den 24 bzw. 25 fps von Film und Fernsehen ist man also auf der sicheren Seite. Das ist eine Seite der Medaille. H&ouml;here Frameraten sind bei Spielen unn&ouml;tig, da man aus anderen Gr&uuml;nden nicht schneller reagieren kann: Das betrifft die Verarbeitung von Signalen im Gehirn und die Leitung dieser. Die einfachsten und am schnellsten verarbeiteten Signale die unser K&ouml;rper verarbeiten kann sind Schmerzsignale. Vielleicht haben sie im Bio- Unterricht mal einen Versuch gemacht der so l&auml;uft: Ein Proband wird in die Hand gestochen und h&auml;lt einen Schalter. Gestoppt wird die Zeit zwischen Peksen und wegnehmen der Hand vom Schalter. Wenn sie gut sind, dann erreichen sie Reaktionszeiten von 80 ms. Das ist das maximal m&ouml;gliche bei der Nervenleitung beim Menschen. Vor allem die chemische Weiterleitung an denNervenenden limitiert hier. Normal sind aber eher 120 ms. Muss man Information verarbeiten, z.B. etwas was man im Auge sieht und dann bewusst reagieren, so braucht man viel l&auml;nger. Bei Verkehrsdelikten rechnen Gutacher wirklich mit einer Schrecksekunde: Es kann bis zu einer Sekunde dauern bis jemand der jemanden vors Auto laufen sieht auf die Bremse steigt. Viele schaffen es schneller doch 1 Sekunde sind das Maximum das dann zugunsten des Angeklagten angenommen wird.<\/p>\n<p>Bei den Ego Shootern rechnet man nat&uuml;rlich damit das ein Gegner kommt und reagiert auf das kleinste Anzeichen. Doch selbst hier wird man immer langsamer sein als bei der reinen Schmerzreaktion, bei der das Gro&szlig;hirn gar nicht mehr beteiligt ist sondern das R&uuml;ckenmark einen Reflex ausl&ouml;st. Unter diesem Aspekt machen Display Schaltzeiten im Millisekunden Bereich oder Frameraten von 30, 50 oder 100 fps keinen Sinn, wenn die minimale Reaktionszeit dann deutlich &uuml;ber 150 ms liegt.<\/p>\n<p>Aber wie schon gesagt &#8211; wir sind ein Volk von Supermenschen&#8230;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lese ich in meiner Computerzeitung Testberichte, so werde ich immer &ouml;fters den Eindruck nicht los, dass das typische Publikum aus Supermenschen besteht. Denn was hier gefordert wird f&uuml;r &#8222;Spieletauglichkeit&#8220; oder &#8222;Aufl&ouml;sung zum Arbeiten&#8220; hat definitiv nichts damit zu tun, was jemand erkennen kann oder wie schnell er reagieren kann. 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