{"id":15917,"date":"2022-05-13T18:21:17","date_gmt":"2022-05-13T16:21:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=15917"},"modified":"2022-05-13T18:21:17","modified_gmt":"2022-05-13T16:21:17","slug":"spektakulaere-fehlschlaege-in-der-raumfahrt-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2022\/05\/13\/spektakulaere-fehlschlaege-in-der-raumfahrt-teil-2\/","title":{"rendered":"Spektakul&auml;re Fehlschl&auml;ge in der Raumfahrt \u2013 Teil 2"},"content":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_15917\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"15917\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Es folgt nun der zweite Teil von spektakul&auml;ren Fehlschl&auml;gen bzw. krassen Vers&auml;umnissen in der Raumfahrt, eventuell gibt es auch noch einen dritten Teil, ich denke gerade dar&uuml;ber nach was ich da noch aufnehmen k&ouml;nnte.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/d767a5ad682c455a96463b44832a7747\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><!--more--><\/p>\n<h2 class=\"western\">Block L: Mangelnde Telemetrie<\/h2>\n<p>Kennzeichnend f&uuml;r russische Raketen in der fr&uuml;hen Phase, teilweise bis heute ist, das die Konstrukteure Problemstellungen umgehen. Die meisten russischen Raketen werden \u201ehei&szlig;\u201c gez&uuml;ndet, das hei&szlig;t. Eine Stufe z&uuml;ndet, w&auml;hrend die untere noch l&auml;uft. So vermeidet man, dass man die Stufe in Schwerelosigkeit z&uuml;nden muss und sich der Treibstoff vielleicht von den &Ouml;ffnungen der Tankleitungen entfernt. Das galt auch f&uuml;r die R-7. Als man aber eine Rakete f&uuml;r Planetenmissionen ben&ouml;tigte und auch f&uuml;r eine neue Serie von Nachrichtensatelliten gab es die Forderung, dass die letzte Stufe erst z&uuml;ndet, wenn sie in einem Erdorbit angekommen ist. Mindestens 20 Minuten lang ist sie in der Schwerelosigkeit. Diese neue Oberstufe war Block L, der zuerst f&uuml;r Raumsonden eingesetzt wurde, dann f&uuml;r die Serie von Molnija Satelliten. Die Sojus-Rakete mit dieser Oberstufe wurde sp&auml;ter dann auch als \u201eMolnja\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p>Die russische L&ouml;sung war das eine \u201enormale \u201eStufe um ein Hilfssystem erweitert wurde, genannt BOZ. Es stabilisierte die Stufe w&auml;hrend ihrer Freiflugphase und sammelte den Treibstoff in den Tanks, bevor die Stufe selbst z&uuml;ndete und wurde dann abgeworfen. Doch die Zuverl&auml;ssigkeit der neuen Stufe Block L war sehr schlecht. Von den ersten 27 Starts scheiterten 15. Das war selbst damals ein miserabler Wert. Lange Zeit bekam Russland nicht heraus, woran es lag. Der eigentliche Grund ist ein Designfehler. Vor Z&uuml;ndung des eigentlichen Block L sollte die Steuerung von BOZ auf das Steuersystem 70S von Block L &uuml;bergehen. Das erfolgte nicht. So war die Stufe anfangs nicht steuerbar, bis BOZ kurz nach der Z&uuml;ndung abgeworfen wurde. Geriet die Stufe nun bei der Z&uuml;ndung (oder schon vorher) in eine Fehlausrichtung so konnten die Gyroskope blockieren, was eine automatische Abschaltung nach sich zog. Unz&auml;hlige Raumsonden strandeten so im Erdorbit und wurden als \u201eKosmos-Satellit\u201c ausgewiesen um den Fehlschlag zu verbergen.<\/p>\n<p>Doch warum fiel dies fast vier Jahre &uuml;ber 27 Missionen lang nicht auf? Russland hatte keine Bahnverfolgungsschiffe an den Punkten, wo die Z&uuml;ndung stattfand. Daneben &uuml;bermittelte Block L die Telemetriedaten automatisch in festen Abst&auml;nden in Form eines Datenpakets. Da Russland nicht die ganze Bahn mit Bodenstationen abdecken konnte, bekam es lange Zeit nicht das Datenpaket, das die Daten enthielt, anhand derer man die Ursache finden konnte.<\/p>\n<p>Erstaunlich aus heutiger Sicht ist, das man obwohl es ja &uuml;ber vier Jahre keine Verbesserung gab, trotzdem laufend Raumsonden mit der Molnija startete.<\/p>\n<h2 class=\"western\">ESA: Softwarefehler<\/h2>\n<p>Scheiterten fr&uuml;her Raumfahrtmissionen an ausgefallener Hardware, so hat sich inzwischen die Software einen Spitzenplatz erobert. Softwarefehler gab es schon immer. Den ersten dokumentierten Softwarefehler gibt es schon beim Start von <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/mariner12.shtml\">Mariner 1<\/a>. Normal war, das die Atlas vom Boden aus gesteuert wurde und erst mit der Agena Oberstufe eine aktive Steuerung einsetzte. Vorher war der Autopilot nur als Backup aktiv. Doch bei dem Start verlor die Richtantenne der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/atlas.shtml\">Atlas<\/a> mehrfach den Kontakt und so schwenkte die Elektronik auf den Autopiloten um, bei dem ein <a href=\"https:\/\/www5.in.tum.de\/lehre\/seminare\/semsoft\/unterlagen_02\/erdfern\/website\/mariner.html\">fehlerhaftes FORTAN Programm<\/a> dann aber zu einer Kursabweichung f&uuml;hrte und die Rakete gesprengt werden musste.<\/p>\n<p>Ganz anders war die Sache beim Jungfernflug der Ariane 501. Die Rakete stieg normal auf, um pl&ouml;tzlich, 37 s nach dem Start zu explodieren. Wer damals die Live-&Uuml;bertragung im Fernsehen ansah erinnert sich noch an die geschickten Gesichter der Kontrolleure. Die Ursache stand jedoch noch mal selben Tag fest, bzw. es zeigte sich, dass es eine ganze Versagenskette war. Prim&auml;re Ursache war ein &Uuml;berlauf einer Ganzzahlvariablen in einem Modul des Inertialsystems der Ariane 5, das man von der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/ariane4.shtml\">Ariane 4<\/a> &uuml;bernommen hatte. Gegen &Uuml;berl&auml;ufe hatte man einige Variablen abgesichert, in dem Sinne, das sie eine Ausnahme warfen, die behandelt wurde, andere nicht, weil ein &Uuml;berlauf entweder physikalisch nicht vorkommen konnte oder ausgeschlossen werden konnte. Das System schaltete sich ab und der Bordcomputer auf das Reservesystem um, das jedoch kurz danach ausfiel. Nun nahm der Bordcomputer die Fehlercodes, die als letzte Daten am Bus anlagen als reale Navigationsdaten. Da diese Daten auf eine starke Kursabweichung hindeuteten, schwenkte er die Triebwerke auf Anschlag wodurch die Ariane 5 zu diesem Zeitpunkt noch in der dichten Atmosph&auml;re, auseinander brach und das Selbstzerst&ouml;rungssystem ausl&ouml;ste. Das war durch die Bergung der Tr&uuml;mmer der Rakete und die EEPROMS mit den genauen Daten, aber auch einer Simulation des Aufstiegs an einem in drei Achsen dreh- und schwenkbaren Tischs der die Bewegung der Rakete nachahmte l&uuml;ckenlos nachvollziehbar.<\/p>\n<p>Entsprechend sparte der offizielle Untersuchungsbericht auch nicht mit Kritik. Warum hatte man ein Modul von Ariane 4 ohne Tests einfach &uuml;bernommen? Warum ging man zwar von Hardwarefehlern aus, aber nicht Softwarefehlern? Warum hielt der Bordcomputer die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/ariane5.shtml\">Ariane 5<\/a> nicht wenigstens danach auf Kurs \u2013 was ein Eingreifen der Bodenkontrolle erm&ouml;glicht h&auml;tte. Das Sahneh&auml;ubchen war aber das Softwaremodul. Warum hatte es nie bei der Ariane 4 Probleme gemacht? Nun diese hatte keine Feststoffbooster und beschleunigte nicht so stark. Bei ihr konnte ein Beschleunigungswert, der war es der &uuml;berlief, niemals die Grenze erreichen, bei der dieser &Uuml;berlauf stattfand. Das aber die<br \/>\nAriane 5 schneller beschleunigt war eigentlich klar. Niemand hatte das &uuml;berpr&uuml;ft. Das allerbeste: das Modul h&auml;tte zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr aktiv sein m&uuml;ssen. Es hatte bei Ariane 4 einen einzigen Zweck \u2013 Daten f&uuml;r den Bordcomputer bereitzustellen f&uuml;r den Fall eines Startabbruchs in letzter Sekunde. Die eigentlichen Daten f&uuml;r den Bordcomputer stammten nicht von den Sensoren des Moduls, sondern der Inertialplattform. Wurde ein Ariane 4 Start nach Start der Inertialplattform, kurz vor Z&uuml;nden der Triebwerke abgebrochen, so w&auml;re ohne dieses Modul an dem Tage kein Start mehr m&ouml;glich gewesen. Es lieferte solange Daten, von Beschleunigungssensoren an den Bordcomputer bis die Missionskontrolle die Inertialplattform wieder in Kontrolle hatte, so war eine Neuaufnahme des Starts ab Beginn der Synchronized Sequence m&ouml;glich. Das Szenario kam auch einmal vor, n&auml;mlich bei V33 im Jahre 1989. Nach dem Abheben lieferten aber alle Navigationsdaten die Tr&auml;gheitsplattform und das Modul war v&ouml;llig unn&ouml;tig, liefere aber 50 s lang noch Daten, die Zeit die vorgesehen war f&uuml;r die &Uuml;bernahme der Kontrolle durch die Missionskontrolle.<\/p>\n<p>Die Kirche auf dem Sahneh&auml;ubchen: Bei Ariane 5 wurden Startabbr&uuml;che in letzter Sekunde anders gehandhabt, das gesamte Softwaremodul war &uuml;berfl&uuml;ssig. Mehr dazu auf meiner Seite &uuml;ber <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/ariane-fehlstarts.shtml\">Ariane v 5 Fehlstarts<\/a>.<\/p>\n<p>Als h&auml;tte man sich so nicht schon blamiert, wiederholte man einen Softwarefehler zwanzig Jahre sp&auml;ter nochmals.<\/p>\n<p>Was passierte:<\/p>\n<p>Als Schiaparelli, der Lander von <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/exomars.shtml\">Exomars 2016<\/a>, am <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/exomars-mission.shtml\">16.10.2016<\/a> abstieg, warf er nach einer ballistischen Phase, in der er durch die Reibung der Atmosph&auml;re abgebremst wurde die Backshell ab. Danach wurde der Fallschirm herausgeschossen, der ihn nun &uuml;ber einige Kilometer weiter abbremsen sollte. Das Entfalten des Fallschirms erzeugt Kr&auml;fte bei der der Lander 2,5 Sekunden lang stark schwankt und um die Seile rotiert. Das Schwanken und Rotieren um die Achse erzeugte in der Inertialplattform (IMU) eine kurzzeitige S&auml;ttigung, das hei&szlig;t die Grenzen die erlaubt waren, wurden &uuml;berschritten. Die IMU setzte ein S&auml;ttigungsflag um dies zu signalisieren. In etwa zur gleichen Zeit ermittelte die GNC Software (Guidance-Navigation-Control) aufgrund der Daten der IMU, das <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/exomars.sonde.shtml\">Schiaparelli<\/a> eine r&auml;umliche Ausrichtung in der Z-Ache um -165 Grad zur Normalen hatte, also quasi kopf&uuml;ber fliegt. Danach schloss sich etwas sp&auml;ter die Abtrennung des unteren Teils der Aeroshell an und es begann die Phase, in der die Triebwerke den Lander weiter abbremsten. Die Software berechnete nun die H&ouml;he und Geschwindigkeit. Nun wurde die (angebliche) Ausrichtung um -165 Grad relevant, denn der Cosinus von -165 ist negativ und so wurde eine negative H&ouml;he errechnet, in diesem Falle -2500 m\/s. Da die Software sich nun schon unterhalb der Oberfl&auml;che w&auml;hnte, schaltete sie die Triebwerke nach wenigen Sekunden wieder ab und Schiaparelli st&uuml;rzte ungebremst auf die Oberfl&auml;che zu, wo er nach 34 Sekunden mit 150 m\/s (540 km\/h) aufschlug.<\/p>\n<p>Auch hier attestierte der offizielle <a href=\"https:\/\/sci.esa.int\/documents\/33431\/35950\/1567260317467-ESA_ExoMars_2016_Schiaparelli_Anomaly_Inquiry.pdf\">Untersuchungsbericht<\/a> etliche Vers&auml;umnisse. Die IMU wurde tats&auml;chlich durch die starken Bewegungen tempor&auml;r ges&auml;ttigt, aber sie war funktionst&uuml;chtig. Sie lieferte danach korrekte Daten. Verh&auml;ngnisvoll war, dass das S&auml;ttigungsflag zu lange stand. Man ging innerhalb der Auslegung des Systems von einer Dauer von 15 ms aus, kommunizierte dies aber nicht mit allen Zulieferern so stand es l&auml;nger als 15 ms und dies f&uuml;hrte dann zur Fehlberechnung der Ausrichtung als nach 200 ms diese erfolgte. W&auml;re es nur 15 ms aktiv gewesen, die Mission w&auml;re (zumindest was dieses Vorkommnis angeht) erfolgreich gewesen. Fatal wurde die Fehlberechnung, als die Software welche die Triebwerke betreiben sollte, die Werte nahm und nicht hinterfragte, denn wie sollte es denn sein, das man 2,5 km unter der Oberfl&auml;che befindet? Auch hier die Parallele zum Ariane 5 Fehlstart, bei dem eine enorme Abweichung vom Kurs innerhalb eines Computerzykluses (20 ms) nicht hinterfragt wurde.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Zuma: Keine Zusammenarbeit<\/h3>\n<p>Am 8.1.2018 startete die 47-te <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/falcon9.shtml\">Falcon 9<\/a> Mission. Nutzlast war eine geheime Mission der NRO unter der offiziellen Bezeichnung \u201eUSA-280\u201c in Auftrag gegeben vom National Reconniassance Office (NRO) und gefertigt von Northrop-Grumman. Bekannter ist die Mission unter dem Namen <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2018\/01\/14\/monte-zumas-rache\/\">\u201eZuma\u201c<\/a>. Weniger als eine Stunde nach dem Start meldete <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/spacex.shtml\">SpaceX<\/a> einen erfolgreichen Start. Dumm nur, dass Beobachter keinen neuen Satelliten im Orbit registrierten. So kamen denn auch gleich Ger&uuml;chte auf, das etwas schiefgegangen sei. Aufgrund der geheimen Mission gab es keine Informationen seitens der NRO. Andere meinten, es w&auml;re eine ganz besondere milit&auml;rische Mission, die nach einem Umlauf sofort wieder landete, was zwar mal f&uuml;r das <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/space-shuttle.shtml\">Space Shuttle<\/a>, aber nie f&uuml;r eine Satellitenmission angedacht war. SpaceX betonte, ihre Rakete habe voll funktioniert. Northrop Grumman gab kein Statement ab. Was sich schon andeutete, wurde dann indirekt durch heraus gesickerte Informationen best&auml;tigt. Nach dem Start findet als N&auml;chstes das Abtrennen der Nutzlast statt. Diese ist mit der Oberstufe durch einen Adapter verbunden. Es gibt daf&uuml;r Standard-Adapter, die der Hersteller der Rakete zur Verf&uuml;gung stellt und die in genormten Befestigungsm&ouml;glichkeiten f&uuml;r den Satelliten enden. In diesem Falle war es anders. Northrop Grumman fertigte den Adapter. Die Abtrennung klappte nicht, was heute sehr, sehr selten geschieht. Danach deorbitierte sich die Oberstufe automatisch selbst, indem sie den Sauerstoff durch &Uuml;berdruckventile gegen die Flugrichtung entlie&szlig;, sodass das ausstr&ouml;men Gas die Oberstufe samt Zuma abbremste und beide vergl&uuml;hten.<\/p>\n<p>Das ist ein Beispiel f&uuml;r mangelnde Zusammenarbeit. Es ist ungew&ouml;hnlich, dass ein Satellitenhersteller nicht den Standardadapter des Raketenherstellers w&auml;hlt, aber vielleicht wegen der ungew&ouml;hnlichen NRO-Nutzlast nicht so au&szlig;ergew&ouml;hnlich. Das er aber nicht funktioniert, ist doch sehr erw&auml;hnenswert, denn solche Adaptertrennungen sind relativ einfach aufgebaut, sie m&uuml;ssen auch hundertprozentig funktionieren. &Uuml;blicherweise werden zwei Teile die an Rakete und Satelliten stecken ineinander geschachtelt und ein straf gezogenes Metallband presst beide zusammen und verhindert, dass sich Stufe und Satellit sich trennen. F&uuml;r die Trennung wird dieses Metallband durchtrennt z.\u00a0B. durch ein pyrotechnisch bet&auml;tigtes Messer oder Sprengs&auml;tze. Das ist ausgereift und erprobt. Dass es hier nicht klappte, kann viele Ursachen haben. Aber eine und die wichtigste ist wohl das Grumman die Konstruktion nie durch SpaceX testen lies oder sie so konstruiert wurde das sie nicht funktionierte. Vielleicht auch waren die Informationen seitens SpaceX nicht ausreichend. Denn das diese Firma sogar bei den Astronauten, die sie mit der Dragon bef&ouml;rdert mit Informationen geizt, sodass diese sich schon beschwerten, sie seien nun keine Astronauten, sondern nur noch \u201eG&auml;ste\u201c ist bekannt. Warum sollte es anders sein wenn andere Firmen Informationen f&uuml;r den Adapter ben&ouml;tigen? Das ist eine mangelnde Zusammenarbeit von zwei Firmen. Ob die Mission noch zu retten gewesen w&auml;re, ist schwer zu beurteilen. Vielleicht h&auml;tte man durch Man&ouml;ver doch noch die Verbindung l&ouml;sen k&ouml;nnen, notfalls h&auml;tte man den Treibstoff so entlassen k&ouml;nnen, das er die Stufe nicht abbremst und versuchen den Satelliten trotzdem in Betrieb zu nehmen. Vielleicht w&auml;re es nicht gelungen, vielleicht die Lebensdauer durch das Zusatzgewicht stark reduziert. Aber es w&auml;re eine Chance gewesen. Zumindest h&auml;tte man die Fehlfunktion besser untersuchbar gewesen. Aber indem die Rakete nach Schema F, ohne zu bemerken, dass es keine Ver&auml;nderung des Tr&auml;gheitsmoments durch verlorene Masse gab, sich deorbitiert ist auch kein Ruhmesblatt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_15917\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"15917\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Es folgt nun der zweite Teil von spektakul&auml;ren Fehlschl&auml;gen bzw. krassen Vers&auml;umnissen in der Raumfahrt, eventuell gibt es auch noch einen dritten Teil, ich denke gerade dar&uuml;ber nach was ich da noch aufnehmen k&ouml;nnte.<\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[3506,4860,4861,1947,4253],"class_list":["post-15917","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-raumfahrt","tag-ariane-501","tag-block-l","tag-molnja","tag-schiaparelli","tag-zuma","entry"],"a3_pvc":{"activated":true,"total_views":468,"today_views":0},"jetpack_featured_media_url":"","jetpack-related-posts":[{"id":15301,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2021\/04\/20\/nachlese-zum-human-landing-system-hls-kontrakt\/","url_meta":{"origin":15917,"position":0},"title":"Nachlese zum Human Landing System (HLS) Kontrakt","author":"Bernd Leitenberger","date":"20. 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