{"id":15951,"date":"2022-06-08T17:39:16","date_gmt":"2022-06-08T15:39:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=15951"},"modified":"2022-06-08T17:39:44","modified_gmt":"2022-06-08T15:39:44","slug":"thermoelektrisch-oder-thermonuklear","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2022\/06\/08\/thermoelektrisch-oder-thermonuklear\/","title":{"rendered":"nuklearelektrisch oder Thermonuklear"},"content":{"rendered":"<p>Vor einigen Wochen gab es die Meldung das die DARPA wieder ein thermonukleares Programm (<a href=\"https:\/\/www.darpa.mil\/program\/demonstration-rocket-for-agile-cislunar-operations\">DRACO<\/a>) mit 14 Millionen f&ouml;rdert, dem schloss sich die NASA mit weiteren 26 Millionen an. Bis 2026 \u2013 das ist meiner Ansicht nach sehr optimistisch \u2013 will man eine Demonstrationsmission fertig haben.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/d59080d8f5774fb299e12ca8bf709c8f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><br \/>\nIch habe das mal aufgegriffen, um &uuml;ber die beiden Konzepte zu berichten. \u201eThemornuklear\u201c oder \u201enuklearthermisch\u201c bedeutet das man mit Kernfission also Kernspaltung ein Medium erhitzt und dieses als Antrieb nutzt. \u201enuklearelektrisch\u201c bedeutet das man aus W&auml;rme \u2013 die stammt wiederum aus einem Reaktor \u2013 Strom gewinnt und diesen Strom als Quelle f&uuml;r als Ionenanantrieb nutzt.<!--more--><\/p>\n<p>Ich fange mal mit dem letzten an. Wir haben hier mehr oder weniger einen \u201enormalen\u201c Reaktor. In ihm befinden sich Brennelemente aus angereichertem Uran, Moderatorst&auml;be sorgen daf&uuml;r, das mehr der Neutronen f&uuml;r weitere Kernspaltungen zur Verf&uuml;gung stehen und Steuerst&auml;be fangen diese Neutronen ab, reduzieren also die Kettenreaktion. In einem normalen Reaktor wird durch die Steuerst&auml;be so reguliert, das ein Arbeitsmedium auf eine hohe Temperatur erhitzt wird, die Reaktion aber nicht durchgeht, also die Temperatur immer weiter ansteigt. Das Medium kann Wasser unter hohem Druck sein, eine Salzl&ouml;sung oder eine Metalllegierung mit niedrigem Schmelzpunkt wie die eutektische Mischung der Elemente Kalium und Natrium. Das letztere ist auch das Standardkonzept f&uuml;r Reaktoren in Satelliten, da solche Legierungen sehr hoch erhitzbar sind und daher viel Energie aufnehmen. Ein Reaktor f&uuml;r ein Weltraumfahrzeug muss nat&uuml;rlich viel kompakter sein als ein Kernreaktor als Kernkraftwerk, selbst als ein Kernreaktor f&uuml;r ein Atom-U-Boot der immerhin auch noch so gro&szlig; wie eine Telefonzelle ist. Sie setzen h&ouml;her angereichertes Uran ein, damit man auf kleinerem Volumen zum einen mehr Energie gewinnt zum anderen ben&ouml;tigt ein Reaktor eine gewisse Mindestmenge an spaltbarem Material, je kleiner er ist, desto h&ouml;her angereichert muss der Brennstab sein. Die USA haben nur einen Reaktor im Weltraum getestet: <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/SNAP-10A\">SNAP-10A<\/a> an Bord des Satelliten Snapshot. Der wog 290 kg, hatte 37 Brennst&auml;be und eine thermische Leistung von 30 kW. Durch eine <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Sodium%E2%80%93potassium_alloy\">Natrium-Kalium Legierung<\/a> die zwischen 12 und +785 Grad fl&uuml;ssig ist, konnte man relativ viel W&auml;rme im Arbeitsmedium aufnehmen, was den Reaktor nat&uuml;rlich kompakter macht. Die Umwandlung in elektrische Energie war nei SNAP10A aber schlecht. Aus den 30 kW thermischer Energie wurden nur 0,59 kW elektrische Energie gewonnen. Zwar haben konventionelle Kernreaktoren auch einen schlechten Wirkungsgrad, doch der lag meist doch auch bei &uuml;ber 30 Prozent, hier waren es nur 2 Prozent.<\/p>\n<p>Russland hat dann f&uuml;r milit&auml;rische Satelliten Kennreaktoren eingesetzt, &uuml;ber die man aber relativ wenig wei&szlig;. Was man aber wei&szlig;, ist das auch ihre Kernreaktoren gemessen an der Masse relativ wenig Strom lieferten. Den obigen SNAP-10A schl&auml;gt sogar ein RTG, der nur den thermoelektrischen Effekt nutzt. Die 590 Watt liefern zwei GPHS die nur rund 120 kg und nicht 290 kg wiegen.<\/p>\n<p>Einen Vorteil haben aber Kernreaktoren. Ihre Kennwerte werden immer besser, je gr&ouml;&szlig;er der Reaktor ist. Verdoppelt man den Radius, so liefert der Reaktor achtmal mehr Energie. Der K&uuml;hlmittelkreislauf ist aber nicht achtmal gr&ouml;&szlig;er auszulegen und die Abschirmung als Schutz f&uuml;r die Umwelt ebenfalls nicht. Derzeit entwickelt die NASA Kernreaktoren f&uuml;r bemannte Marsmissionen. Die <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Kilopower\">Kilopower Reaktoren<\/a> haben eine h&ouml;here Effizienz \u2013 aus 43 kW thermischer Energie werden 10 kW elektrische Energie, aber sie sind immer noch schwer, 1.500 kg f&uuml;r einen 10 kW(e) Reaktor. Das ist nur wenig besser als bei RTG. Die NASA hat allerdings mal einen gr&ouml;&szlig;eren, experimentellen Reaktor gebaut: <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Safe_affordable_fission_engine\">SAFE-400<\/a> hatte eine thermische Leistung von 400 kW und eine eklektische Leistung von 100 kW wog aber nur 512 kg, also ein Drittel des Kilopowers bei zehnfacher Leistung. Die Daten sind aber ohne die Abschirmung gegen Ungl&uuml;cke die bei den obigen Reaktoren mit dabei ist. Aber es gibt auch Konzepte f&uuml;r kleine Reaktoren f&uuml;r irdische Anwendungen. Die m&uuml;ssen ja auch abgeschirmt werden, wenngleich nicht so wie weltraumtaugliche Reaktoren und hier kommt man schon auf 10 bis 25 MW elektrische Leistung bei einem Gewicht von einigen Zig Tonnen.<\/p>\n<p>Bei einem thermoelektrischen Antrieb nutzt man nun den Reaktor als Stromquelle f&uuml;r Ionentriebwerke.<\/p>\n<p>Anders sieht es beim thermonuklearen Antrieb aus. Hier sitzt ein Reaktorkern in der Brennkammer einer herk&ouml;mmlichen Rakete. Sobald die Kontrollst&auml;be herausgezogen werden, wird er hei&szlig;. Bei den bisher getesteten Reaktoren lie&szlig; man die Brennst&auml;be so hei&szlig; werden, das sie fast schmolzen. Sie erhitzten ein Arbeitsmedium auf hohe Temperaturen, das dann durch eine D&uuml;se expandiert wird, eben wie bei einem normalen Raketentriebwerk. Man erreicht in etwa den Schub von kleineren bis mittleren Raketentriebwerken, also im Bereich einiger Hundert Kilonewton.<\/p>\n<p>Nach dem Brennen ist der Reaktor aber stark radioaktiv. Es sind zahlreiche kurzlebige Isotope entstanden, man ben&ouml;tigt eine Abschirmung, die aber nicht wie bei einem der obigen Kernreaktoren diesen umgibt. Denn dann k&auml;me das Arbeitsgas ja nicht mehr an den Kern heran, sondern typisch hinter der Stufe, wo das Raumfahrzeug ist. Diese Abschirmung wird also gr&ouml;&szlig;er und schwerer sein als eine Abschirmung f&uuml;r einen thermoelektrischen Reaktor. Ein weiterer Hauptnachteil ist, dass der Reaktor so auch nicht gegen Unf&auml;lle abgeschirmt werden kann. Solange er nicht in Betrieb ist, also erst im Orbit, enth&auml;lt er nur angereichertes Uran \u2013 nicht harmlos, aber mit so langer Halbwertszeit, dass das Risiko &uuml;berschaubar ist. Sobald er in Betrieb geht, darf ohne Abschirmung aber nichts mehr passieren.<\/p>\n<p>Zwei weitere Nachteile gibt es. Bei Ionenantrieben ist der spezifische Impuls theoretisch unbegrenzt, erreicht hat man 70 km\/s. Konzepte f&uuml;r bis zu 200 km\/s gibt es. Bei dem thermonuklearen Reaktor ist die Temperatur des Arbeitsmediums beschr&auml;nkt. Bei einer chemischen Reaktion kann man Temperaturen erreichen, bei dem jeder Werkstoff, den es gibt, verdampfen w&uuml;rde. Durch K&uuml;hlung brennt das Raketentriebwerk nicht ab. Aber die Kernbrennst&auml;be d&uuml;rfen nicht fl&uuml;ssig werden. Die maximalen Temperaturen liegen so bei etwas &uuml;ber 2.000 Grad Celsius deutlich unter den Temperaturen, die man in einem chemischen Antrieb erreicht. 3.700 Grad werden bei Wasserstoff\/Sauerstoff erreicht. Da der spezifische Impuls wie beim chemischen Antrieb von der Molekularmasse der Gase und ihrer Temperatur abh&auml;ngt, erh&auml;lt man einen Vorteil gegen&uuml;ber der chemsichen Verbrennung nur, wenn das Arbeitsmedium Wasserstoff ist. Neben der Problematik Wuchsstoff zu k&uuml;hlen (bei den meisten Missionen gibt es ja mehrere Z&uuml;ndungen bei der Erde und beim Ziel \u2013 oft erst nach Jahren) hat man das Problem, dass Wasserstoff auch als Fl&uuml;ssigkeit nur eine niedrige Dichte hat \u2013 viermal kleiner als die Mischung mit Sauerstoff und 14-mal kleiner als Sauerstoff\/Kerosin. Entsprechend wiegen die Tanks erheblich mehr als bei konventionellen Raketen, was den Vorteil im spezifischen Impuls (erprobt: 8.100 m\/s, theoretisch denkbar 9.000 m\/s) deutlich absenkt.<\/p>\n<p>Nat&uuml;rlich kann man den Antrieb noch steigern \u2013 l&auml;sst man ein Verdampfen des Reaktors zu so stiegt die Temperatur und der spezifisch Impuls an. So ein Reaktor ist aber nur einmal z&uuml;ndbar und selbst dann emittiert er mit dem Wasserstoff massenweise radioaktives Material, was einen Test auf der Erde ausschlie&szlig;t. Erproben kann man dies also nicht.<\/p>\n<p>Ich habe mir trotzdem mal vorgenommen beide Technologien zu vergleichen. Nun ja, richtig vergleichen kann man beides nicht, weil Ionentriebwerke immer eine Verl&auml;ngerung der Mission bedeuten, sie entwickeln ja wenig Schub aber daf&uuml;r viel l&auml;nger. Aber man kann ein &Auml;quivalent ausrechnen.<\/p>\n<p>Nutzlast sollen 20 t sein, die aus einem 200 km hohen Erdorbit in einen 200 km Marsorbit und zur&uuml;ck gebracht werden. Die Geschwindigkeitsbilanz sieht bei den beiden Extremf&auml;llen so aus:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<tbody>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"33%\"><\/td>\n<td width=\"33%\">Impuls-Man&ouml;ver<\/td>\n<td width=\"33%\">Niedrigschub-Szenario<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"33%\">Erde \u2192 Sonnenumlaufbahn<\/td>\n<td width=\"33%\">3200 m\/s<\/td>\n<td width=\"33%\">7.000 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"33%\">Sonnenumlaufbahn \u2192 Marstransferbahn<\/td>\n<td width=\"33%\">500 m\/s<\/td>\n<td width=\"33%\">3.500 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"33%\">Marstransferbahn \u2192 Marsumlaufbahn<\/td>\n<td width=\"33%\">700 m\/s<\/td>\n<td width=\"33%\">2.700 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"33%\">Marsumlaufbahn \u2192 Mars<\/td>\n<td width=\"33%\">1.400 m\/s<\/td>\n<td width=\"33%\">3.000 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"33%\">Mars \u2192 Marsumlaufbahn<\/td>\n<td width=\"33%\">1.400 m\/s<\/td>\n<td width=\"33%\">3.000 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"33%\">Marsumlaufbahn \u2192 Marstransferbahn<\/td>\n<td width=\"33%\">700 m\/s<\/td>\n<td width=\"33%\">2.700 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"33%\">Marstransferbahn \u2192 Sonnenumlaufbahn<\/td>\n<td width=\"33%\">500 m\/s<\/td>\n<td width=\"33%\">3.500 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"33%\">Sonnenumlaufbahn \u2192 Erde<\/td>\n<td width=\"33%\">3200 m\/s<\/td>\n<td width=\"33%\">7.000 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"33%\">Summe<\/td>\n<td width=\"33%\">11.600 m\/s<\/td>\n<td width=\"33%\">32.400 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Der Unterschied resultiert aus dem <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2021\/02\/18\/hyperbolischer-exzess\/\">hyperbolischen Exzess<\/a>, der es belohnt, wenn man die Geschwindigkeits&auml;nderung in einem Impuls direkt am Gravitationszentrum (Erde,Mars) durchf&uuml;hren kann. Allerdings ist die Angabe f&uuml;r nuklear thermische Triebwerke zu optimistisch, da sie doch schubschw&auml;cher als chemische sind und f&uuml;r nuklearelektrische Triebwerke zu pessimistisch, da sie ja mit einer gewissen Anfangsgeschwindigkeit jeweils in die Sonnenumlaufbahn gelangen, wenn sie die Planeten verlassen. Die muss man ber&uuml;cksichtigen. Ich habe je 200 m\/s Gravitationsverluste f&uuml;r Man&ouml;ver am Erde und 100 m\/s beim Mars (thermonuklear) und 700 m\/s beim Erreichen der Sonneneinflusssph&auml;re bei Erde und 150 m\/s beim Mars addiert bzw. subtrahiert und komme so auf realistischere 12.200 m\/s beim thermonuklearen und 30.700 m\/s beim thermoelektrischen Antrieb.<\/p>\n<p>Nimmt man die Daten einer <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/nukleare-antriebe.shtml\">NERVA-Stufe<\/a> als Ersatz f&uuml;r die S-IVB so komme ich bei 20 t Nutzlast auf 945 t Gesamtstartmasse. Das ist so viel Masse, weil es zum einen einstufig ist und zum anderen der Wasserstoff zu einem schlechten Strukturfaktor von etwa 5,1 wegen der schweren Tanks f&uuml;hrt. Als zweistufige L&ouml;sung (erste Stufe Erde \u2192 Mars 200 km Orbit, zweite Stufe zur&uuml;ck) wiegt die zweite Stufe 40,8 t und die erste 124,1 t, zusammen also 164,9 t.<\/p>\n<p>Bei Ionentriebwerken hat man viele Variationsm&ouml;glichkeiten. Man kann Nutzlast durch Zeit erkaufen. Als Nebenbedingung habe die gleiche Startmasse vorgegeben, 164,9 t und die Betriebsdaten des SAFE \u2013 sie w&auml;ren, weil der Reaktor gr&ouml;&szlig;er als SAFE ist in Wirklichkeit besser. Die Zusatzbetriebszeit sinkt bei hohen spezifischen Impulsen weiter ab, oberhalb von 40.000 m\/s aber kaum noch und erreicht dann ein Minimum um wieder anzusteigen. Die k&uuml;rzeste Betreibszeit hat man bei einem spezifischen Impuls von 58.000 m\/s. F&uuml;r den s&auml;he die Bilanzen dann so aus:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<tbody>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"33%\"><\/td>\n<td width=\"33%\">Thermonuklear<\/td>\n<td width=\"33%\">nuklearelektrisch<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"33%\">Startmasse:<\/td>\n<td width=\"33%\">164,9 t<\/td>\n<td width=\"33%\">164,9 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"33%\">Davon Treibstoff:<\/td>\n<td width=\"33%\">132,8 t<\/td>\n<td width=\"33%\">76,0 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"33%\">Reaktor Leistung:<\/td>\n<td width=\"33%\">1.500 MW thermisch<\/td>\n<td width=\"33%\">39 MW thermisch, 9,8 MW elektrisch<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"33%\">Zus&auml;tzliche Reisezeit:<\/td>\n<td width=\"33%\">Keine<\/td>\n<td width=\"33%\">222 Tage<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"33%\">Schub:<\/td>\n<td width=\"33%\">266,8 kN<\/td>\n<td width=\"33%\">0,23 kN<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Ein Ionenantrieb wird immer zus&auml;tzliche Reisezeit verursachen. Aber 221 Tage sind bei typischen Reisezeiten in Marstransferbahnen von jeweils 240 Tagen also zusammen 480 Tagen nur 46 % mehr und davon entfallen 41 Tage auf den Aufenthalt in einer Marsumlaufbahn in der schon Beobachtungen m&ouml;glich sind. Daneben braucht man im jedem Fall auch immer Zeit f&uuml;r Vorbereitungen f&uuml;r die Landung oder Verlassen f&uuml;r Orbits, die man da man ja beim eklektischen Antrieb sowieso Tage zum Ver&auml;ndern des Orbits braucht, so nebenher durchf&uuml;hren kann w&auml;hrend der Antrieb schon arbeitet. Weiterhin kann man beim Ionenantrieb auch die interplanetare Phase ohne gr&ouml;&szlig;eren Mehraufwand verk&uuml;rzen und so einen Teil der Reisedauer \u2013 realistisch etwa 60 bis 100 Tage wieder einsparen.<\/p>\n<p>Sehr deutlich wird aber auch, dass ein thermischer Reaktor ungleich leistungsf&auml;higer sein muss \u2013 um den Faktor 38. Das ergibt sich daraus, dass das Reaktor nur einige Minuten in Betrieb ist \u2013 bei allen Man&ouml;vern zusammen rund 65 Minuten. In der Zeit muss er viel mehr Leistung abgeben als der Reaktor, der die Niedrigschubtriebwerke antreibt und dies &uuml;ber 221 Tage macht, also die 4.900-fache Zeitdauer.<\/p>\n<p>Das ganze hat trotzdem eine Crux: Ionen-Triebwerke mit 230 N Schub gibt es nicht. HIPEP als NASA-Projekt erreichte maximal 0,67 N und das Vasimir VX 200 erreicht 5 N. Man br&auml;uchte also 46 dieser VX-200 Antriebe. Beim VASIMIR Projekt geht man &uuml;brigens wegen der hohen ben&ouml;tigten elektrischen Leistung von einem Reaktor aus, der anders als SAFE nicht 200 W\/kg sondern 1.000 W\/kg Masse liefert, was \u2013 auf oben &uuml;bertragen \u2013 die Reisedauer beim selben spezifischen Impuls auf 106 Tage senken w&uuml;rde.<\/p>\n<p>Der springende Punkt ist aber:<\/p>\n<p>Die Berechnung enth&auml;lt keine Abschirmung. Die m&uuml;sste, weil sie zum einen hinter der Stufe und damit den Tanks liegt beim thermischen Reaktor einen gr&ouml;&szlig;eren Durchmesser haben und sie m&uuml;sste dicker sein, denn der Reaktor liefert ja fast 40-mal mehr Radioaktivit&auml;t. Den kleinen Reaktor kann man dagegen gut isolieren, ja man kann ihn, anders als den gro&szlig;en Reaktor, der ja in einer Brennkammer fest eingebaut ist, sogar notfalls abwerfen. Konzepte f&uuml;r nukleare Kleinkraftwerke dieser Leistung haben in etwa die Gr&ouml;&szlig;e eines Schrankes (mit Abschirmung), dagegen ist ein 1.500 MW Reaktorkern in etwa so gro&szlig; wie ein Reaktorkern eines Kernkraftwerks.<\/p>\n<p>Macht man eine Risikoanalyse, ber&uuml;cksichtigt, dass man einen nuklear-thermischen Reaktor heute (anders als in den sechziger Jahren wo man sich &uuml;ber die Verstrahlung der Umwelt bei den bisher einzigen Tests in den USA, keine Gedanken machte) kaum testen kann, so spricht meiner Meinung nach alles gegen das thermonukleare Konzept. Mehr noch: man k&ouml;nnte daran denken, denselben kleinen Reaktortyp f&uuml;r die Strom- und W&auml;rmeversorgung der Marskolonien bzw. in kleinerer Version f&uuml;r Missionen zu den &auml;u&szlig;eren Planeten zu nutzen. Daf&uuml;r w&auml;re der NERVA Typ schlicht und einfach zu gro&szlig; und unsicher.<\/p>\n<p>Mein pers&ouml;nlicher Favorit, ist aber etwas wie SAFE. Ein Reaktor der 100 kW Klasse. Er kann auch die Stromversorgung der Marsbasis &uuml;bernehmen, er ist mit 512 kg noch leicht genug, um als Stromversorgung f&uuml;r <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2019\/05\/13\/mit-safer-zu-jupiter-uranus-neptun\/\">Sonden die Ionenantrieb<\/a> nutzen um die Reisezeiten zu minimieren eingesetzt zu werden. Bei einer Marsmission kann er nur unterst&uuml;tzen z.\u00a0B. w&auml;hrend der interplanetaren Phase die typisch 400 bis 500 Tage bei rund 1.000 Tagen Gesamtdauer dauert, die Ankunftsgeschwindigkeiten zu reduzieren und so chemischen Treibstoff einzusparen. In einem Marsorbit k&ouml;nnte er diesen leicht ver&auml;ndern und so ebenfalls Treibstoff sparen. Der Effekt ist aber nicht riesig: wird er mit voller Leistung 200 Tage lang betrieben, so kann er bei g&auml;ngigen Ionentriebwerken einen Gesamtimpuls von 50 bis 60 MN aufbauen, &auml;quivalent 11 \u2013 13 t LOX\/LH2, wobei die reale Ersparnis kleiner ist, weil wie oben der hyperbolische Exzess zum Tragen kommt. Aber selbst wenn es nur 5-6 t eingesparter Treibstoff sind, so entsprechen diese rund 15 bis 20 t die in die Erdumlaufbahn gelangen m&uuml;ssen und noch mehr f&uuml;r den Anteil der zum Mars und zur&uuml;ck gelangt.<\/p>\n<p>Hat man sehr viel Zeit so k&ouml;nnte man darauf verzichten die ganze Marstation in einen Erdorbit einschwenken zu lassen und nur die Kapsel abkoppeln, die dann direkt landet. SAFE k&ouml;nnte Station danach die Bahn dann so ab&auml;ndern, dass die Station zuerst eingefangen wird und SAFE sie dann in eine niedrige Erdumlaufbahn abbremsen. Dort k&ouml;nnte sie dann ein zweites Mal genutzt werden. Das dauert bei einem 100 kW(e) Reaktor aber dann schon extrem lange, knapp zwei Jahre, ben&ouml;tigt aber nur 2.600 kg Treibstoff.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einigen Wochen gab es die Meldung das die DARPA wieder ein thermonukleares Programm (DRACO) mit 14 Millionen f&ouml;rdert, dem schloss sich die NASA mit weiteren 26 Millionen an. Bis 2026 \u2013 das ist meiner Ansicht nach sehr optimistisch \u2013 will man eine Demonstrationsmission fertig haben. 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