{"id":162,"date":"2008-05-19T12:22:29","date_gmt":"2008-05-19T10:22:29","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=162"},"modified":"2008-05-28T10:55:21","modified_gmt":"2008-05-28T08:55:21","slug":"vom-nutzen-eines-netzes-von-datensatelliten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2008\/05\/19\/vom-nutzen-eines-netzes-von-datensatelliten\/","title":{"rendered":"Vom Nutzen eines Netzes von Datensatelliten"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: right\" src=\"\/img\/hessi-groundtrack.gif\" alt=\"HESSI Groundtrack\" width=\"612\" height=\"372\" \/>Satelliten haben ein Problem: Je n&auml;her sie der Erde sind, desto schneller flitzen sie von der Erde aus gesehen &uuml;ber den Horizont. Ein Satellit in etwa 500 km H&ouml;he hat z.b. zu einer Bodenstation nur etwa 6-10 Minuten lang Kontakt. Noch schlimmer: Da sich die Erde um ihre eigene Achse dreht, passiert der Satellit beim n&auml;chsten Umlauf ein Gebiet weiter westlich. Wie weit westlich, h&auml;ngt von der Bahnneigung und Bahnform (Ellipse, Kreis, Abst&auml;nde) ab. Es k&ouml;nnen bei einer niedrigen kreisf&ouml;rmigen Bahn bis zu 2500-3000 km sein, so dass der Satellit dann schon au&szlig;erhalb des Empfangsbereiches ist, und man nur etwa 1-2 mal Kontakt mit ihm pro Umlauf hat.<br \/>\nWas kann man dagegen tun? Nun es gibt eine Reihe von L&ouml;sungen. Wenn die Bahn nicht durch die Beobachtungen vorgegeben ist, so ist eine &auml;quatoriale oder polare Bahn g&uuml;nstig. Die &auml;quatoriale ist dabei die bessere. Ein Satellit der parallel zum &Auml;quator seine Bahn zieht, passiert jeden Punkt am &Auml;quator pro Umlauf genau einmal. Immerhin eine Verbesserung pro Bodenstation von einem Kontakt pro Tag auf einen pro Umlauf, also etwa 10 mal &ouml;fters Kontakt. Mit etwa einem Dutzend Bodenstationen k&ouml;nnte man den ganzen Orbit abdecken (abh&auml;ngig von der Bahnh&ouml;he). Bei einer Reihe von astronomischen Satelliten, die mit einer Scout Rakete von einer Startplattform vor Kenias K&uuml;ste aus gestartet wurden, hat man dies z.B. so gemacht. Das Bild rechts zeigt den &#8222;Groundtrack&#8220;, die Abbildung des Fu&szlig;punkts auf der Erde unter dem Satelliten. Der Satellit ist HESSI, ein R&ouml;ntgensatellit, der sich in einer Bahn mit 38 Grad Inklination befindet. Damit &uuml;berfliegt er den Bereich von -38 bis + 38 Grad Breite, mit den 6 Bodenstationen die Daten empfangen k&ouml;nnen.<br \/>\nEin polarer Satellit passiert pro Umlauf einmal die Pole. In Poln&auml;he stationierte Empfangsstationen (praktisch nur m&ouml;glich nahe des Nordpols in Russland, Gr&ouml;nland, Spitzbergen, Kanada und Alaska) haben dann auch einen Funkkontakt pro Umlauf, man kann aber nicht mit mehr Stationen dann den ganzen Umlauf abdecken, da in niederen Breiten es nach wie vor eine Verschiebung pro Orbit gibt. Zahlreiche Erdbeobachtungssatelliten, die ja aus polaren Bahnen auch die ganze Erde abbilden k&ouml;nnen (jede Bahn mit niedrigerer Inklination deckt nur ein Teilgebiet bis zum Breitengrad der Inklination) nutzen diese Bahnen. Sehr viele Bodenstationen sind nahe der Polgebiete. Die ESA hat z.B. einen ganzen Empfangskomplex in Nordnorwegen bei Kiruna.<br \/>\nJede Bahn dazwischen macht sehr viele Bodenstationen notwendig. Das ist dumm, denn die wichtigsten Startpl&auml;tze liegen in mittleren Breiten und die Bahnen niedrigster Energie haben dann als Bahnneigung den Breitengrad des Startorts, der dann zwischen 28.8 Grad (Cape Canaveral) und 51.7 Grad (Baikonur) liegt.<br \/>\nEine andere L&ouml;sung ist es weiter weg von der Erde zu gehen. Dann sinkt aber die Nutzlast einer Rakete, da man Hebearbeit verrichten muss (warum soll es einer Rakete anders gehen, als Ihnen, wenn sie mal in einem Hochhaus das Treppenhaus genommen haben, dann wissen sie was Hebearbeit ist). Zudem sinkt bei Erdbeobachtungssatelliten mit steigender Entfernung die Aufl&ouml;sung, d.h. will man eine bestimmte Aufl&ouml;sung beibehalten, dann muss die Optik zum Vergr&ouml;&szlig;ern gr&ouml;&szlig;er werden und wiegt mehr. Das ist also keine gute L&ouml;sung. F&uuml;r Wettersatelliten ist es jedoch ein guter Kompromiss. Um das Wetter vorhersagen zu k&ouml;nnen, braucht man keine hochaufl&ouml;senden Bilder. Bilder mit einer Aufl&ouml;sung von 1 km\/Pixel reichen daf&uuml;r locker aus. Daf&uuml;r sieht man aus 1400 km Entfernung aber auch mehr von der Erde und kann gr&ouml;&szlig;ere Gebiete auf einmal ablichten. Daher umkreisen Wettersatelliten &uuml;blicherweise die Erde in Bahnen oberhalb von 1000 km H&ouml;he.<br \/>\nNoch besser w&auml;re es allerdings, man h&auml;tte dauernden Funkkontakt wie zu Satelliten im geostation&auml;ren Orbit. Das dachte sich auch die NASA. Auch umgekehrt wird ein Schuh draus: Ein Satellit im geostation&auml;ren Orbit hat Funkverbindung zu allen Satelliten auf einer Hemisph&auml;re. Mit zweien, um 180 Grad im Orbit versetzten, kann man zu allen Satelliten eine Verbindung aufbauen.<br \/>\nIn den 70 er Jahren entwickelte man bei der NASA daher das Tracking and Data Relay Satellite System (TDRSS). Das Ziel war, zum einen Gro&szlig;teil der Bodenstationen &uuml;berfl&uuml;ssig zu machen. Dadurch sollte man einen dreistelligen Millionenbetrag pro Jahr einsparen &#8211; alleine damit w&auml;re das System schon zu finanzieren. Satelliten h&auml;tten nun auch je nach Orbith&ouml;he zwischen 95-100 % ihrer Umlaufszeit Kontakt zu einem Satelliten. Die Datenmenge w&uuml;rde so rapide ansteigen. Vor allem aber war das System wesentlich f&uuml;r das Space Shuttle. Anders als fr&uuml;here Missionen, sollte das Space Shuttle sehr viele wissenschaftliche Experimente im Orbit durchf&uuml;hren. Dabei fielen viel mehr Daten und Videoaufzeichenungen an, als bei fr&uuml;heren bemannten Missionen an. Mit den TDRSS Satelliten machte es erst einen Sinn, denn die M&ouml;glichkeit zur Datenspeicherung an Bord waren begrenzt.<br \/>\nDie USA entwickelte so das TDRSS System bestehend aus zuerst 3 Satelliten. Nach 5 Jahren sollten diese durch 3 weitere ersetzt werden. Die TDRSS waren die schwersten bis dahin entwickelten Satelliten. Jeder wog 2268 kg und konnte nur mit einem Space Shuttle mit einer IUS Oberstufe gestartet werden. Der Satellit tr&auml;gt einen ganzen Antennenwald. F&uuml;r den Empfang im S-Band in dem damals die meisten wissenschaftlichen Satelliten sandten, gab es 30 Dipolantennen, mit 12 konnte auch gesendet werden. Zwei ausrichtbare Antennen an Auslegern konnten im S und Ku Band senden und empfangen. Sie dienten vor allem Hochgeschwindigkeits&uuml;bertragungen. Bei einem &Ouml;ffnungswinkel von 22 x 28 Grad deckte jede Antenne aber trotzdem noch die ganze Erde und Orbits bis 530 km H&ouml;he ab. Eine kleinere Parabolantenne diente zur Daten&uuml;bertragung zum Boden.<br \/>\nDie erste Generation konnte bis zu 6 MBit\/s im S-Band und 300 MBit\/s im Ku Band senden. Der Aufbau des Netzwerkes verz&ouml;gerte sich durch die Challenger Explosion. Bei dieser ging der zweite Satellit verloren und da man die Satelliten nur mit Space Shuttles starten konnte stand so auch der Aufbau des Netzwerks. Wie wichtig die TDRSS Satelliten waren, zeigt auch, dass der erste Start nach dem Verlust der Challenger wiederum einen TDRSS Satelliten in den Orbit bef&ouml;rderte.<br \/>\nDie NASA hatte 7 Exemplare der ersten Generation bestellt. Zum einen jeweils 3 f&uuml;r die komplette &Uuml;berwachung im Orbit mit je einem Reserveexemplar, wenn die Lebendauer des ersten Satelliten sich dem Ende zuneigte. Der siebte war das Ersatzexemplar f&uuml;r den verlorenen gegangenen TDRSS-B bei der Explosion der Challenger. Die zweite Generation basierte auf dem kommerziellen Satellitenbus HS-601. Sie war auch leichter  (im geostation&auml;ren Orbit noch etwa 1500-1600 kg schwer) und konnte nun mit einer Atlas 2A gestartet werden. Der wesentliche Aufbau &auml;hnelt der ersten Generation, wenngleich es durch den Satellitenbus kleinere Unterschiede gibt (wie z.B. l&auml;ngere Solarpanel). Neu war die Unterst&uuml;tzung des Ka Bandes und die 10 fache Datenrate bei den Einzellinks im S-Band.(bis zu 3 MBit bei maximal 5 Links). Im Ka Band erreichen die Satelliten der zweiten Generation (TDRS H-J) bis zu 800 MBit\/s.<br \/>\nDie drei Satelliten der zweiten Generation wurden von 2000-2002 gestartet. Da noch alle jemals in einen Orbit gelangten Satelliten aktiv sind, selbst TDRS-A welcher zuerst in einen Flaschen Orbit gelangte und so einen Gro&szlig;teil seines Lageregelungstreibstoffs schon verbraucht hatte als er den eigentlichen geostation&auml;ren Orbit erreichte. Er &uuml;bertr&auml;gt heute aber nur noch Daten einer S&uuml;dpol Forschungsstation in die USA).<br \/>\nZwei weitere TDRSs Satelliten die ebenfalls auf dem HS-601 Bus basieren werden 2012\/2013 starten. Die ESA dachte auch einmal an ein eigenes Data Relay System als eigenen Beitrag f&uuml;r die ISS, hat dies jedoch wieder begraben. Und erbringt nun die Leistungen durch das ATV. Die Schw&auml;che des TDRSS ist die begrenzte Anzahl an Hochgeschwindigkeitslinks. Dies ist zum begrenzt durch nur zwei gro&szlig;e Parabolantennen, da man f&uuml;r eine hohe Daten&uuml;bertragung einem Objekt folgen muss.<br \/>\nDa die NASA aber nicht mehr sehr viele Missionen betreibt die hohe Datenraten erzeugen ist dies zu verschmerzen. Biel mehr haben nun andere Betreiber den Bedarf an einem Daten Relay System. Deutschland betreibt z.B. derzeit 6 RADAR Satelliten (5 der Bundeswehr, 1 ziviler). N&auml;chstes Jahr werden es 7 sein.  Alleine der zivile TerraSAR-X sendet Daten mit 300 MBit\/s zum Boden. Gewinnen kann er Daten sogar mit 680 MBit\/s. F&uuml;r Deutschland alleine w&uuml;rde sich also schon ein Datenrelay Netzwerk lohnen. (Die Bundeswehr l&auml;sst zwar derzeit zwei Kommunikationssatelliten entwickeln, doch dienen die zur Verbindung der Truppe in Friedenseins&auml;tzen rund um die Welt mit Deutschland). Das gleiche k&ouml;nnte man von der ESA sagen die jetzt schon Envisat und ERS-2 betreibt und bald eine ganze Flotte von Erdbeobachtungssatelliten entwickeln will.<br \/>\nSelbst zivile Satellitenbetreiber k&ouml;nnten von Daten&uuml;bertragungssatelliten profitieren. Wourldview 1 von Digiglobe z.B. &uuml;bertr&auml;gt die Daten mit 800 MBit\/s zum Boden, kann wegen der begrenzten Kommunikation einmal pro Umlauf aber pro Tag nur etwa 500.000 km? ablichten, etwas mehr als die Landfl&auml;che Deutschlands. Das liegt an der Aufl&ouml;sung von 0.41 m pro Bildpunkt (500.000 km? entsprechen so etwa 3000 Milliarden Bildpunkten pro Tag. F&uuml;r Digiglobe alleine wird ein solcher Satellit wohl zu teuer sein. Die TDRSS K+L Satelliten kosten alleine 695 Millionen Dollar, dazu kommen noch die Startkosten.<br \/>\nEin Ausweg w&auml;re wohl die optische Kommunikation. Entsprechende Tests gabt es ja schon mit einem SPOT Satelliten und Artemis. Hier konnten 50 Mbit\/s zwischen zwei relativ kleinen Teleskopen &uuml;bertragen werden, Im Vergleich zu Antennen sind derartige optische Terminals leichtgewichtiger. Daf&uuml;r muss man sie genauer ausrichten. Da keine Wolken und keine Streuung in der Atmosph&auml;re die Signalverbindung st&ouml;rt eignet sich optische Kommunikation systembedingt besser f&uuml;r die Kommunikation Satellit zu Satellit als Satellit zu Erde. Ich glaube eine Chance l&auml;ge darin jeden Kommunikationssatelliten mit einem Terminal auszustatten, der dann jeweils einen Satelliten verfolgt. Mehrere Terminals machen die Ausrichtung problematisch, schlie&szlig;lich besteht jedes aus einem Teleskop, das eine gewisse Bewegungsfreiheit besitzt. Das w&auml;re eine viel g&uuml;nstigere und einfachere L&ouml;sung als einen speziellen  Daten&uuml;bertragungssatelliten zu starten. Wie bei normalen Telekommunikationskan&auml;len k&ouml;nnte man diese Kan&auml;le dann an Satellitenbetreiber vermieten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Satelliten haben ein Problem: Je n&auml;her sie der Erde sind, desto schneller flitzen sie von der Erde aus gesehen &uuml;ber den Horizont. Ein Satellit in etwa 500 km H&ouml;he hat z.b. zu einer Bodenstation nur etwa 6-10 Minuten lang Kontakt. 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