{"id":1665,"date":"2009-08-10T17:11:25","date_gmt":"2009-08-10T15:11:25","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=1665"},"modified":"2009-08-10T17:11:25","modified_gmt":"2009-08-10T15:11:25","slug":"unbemannte-vorarbeiten-zur-bemannten-marslandung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2009\/08\/10\/unbemannte-vorarbeiten-zur-bemannten-marslandung\/","title":{"rendered":"Unbemannte Vorarbeiten zur bemannten Marslandung"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem ich die letzte Woche mal bewusst ein paar Nicht-Raumfahrtthemen angesprochen habe, heute mal wieder ein Raumfahrtthema. Die bemannte Marslandung wird ja noch einige Zeit auf sich warten lassen, aber man kann schon einiges mal kl&auml;ren und das geht unbemannt.<\/p>\n<p>Das erste was offensichtlich nicht gekl&auml;rt ist, ist die Strahlenbelastung der Astronauten. Dazu erst mal eine Erkl&auml;rung. Es gibt zwei wichtige Quellen f&uuml;r eine Strahlenbelastung, Das eine sind kosmische Quellen wie Supernovaausbr&uuml;che, oder Gammastrahlenburster. Das zweite ist die Sonne, die einen Elfjahreszyklus hat, mit Aktivit&auml;tsmaxima und Minima und bei der es auch tempor&auml;r Ausbr&uuml;che geben kann. Beide Quellen unterscheiden sich ziemlich. Kosmische Quellen liefern neben leichten Teilchen auch sehr schwere Teilchen bis hin zur Atommasse von Eisen und R&ouml;ntgen- und Gammastrahlen. Mit heutigen technischen Mitteln kann man sich kaum dagegen sch&uuml;tzen, aber die Belastung ist auch nur kurz wirksam. Die Aktivit&auml;t der Sonne steht dagegen in Zusammenhang mit beobachtbaren Eruptionen wie Flares oder Protuberanzen. Es gibt daher eine gewisse M&ouml;glichkeit das Risiko einzusch&auml;tzen, auch wenn nicht jede Sonnenfleckengruppe einen Sonnensturm verursacht. In jedem Falle brauchen die Teilchen einige Stunden bis Tage um zur Erdbahn zu kommen und nochmals l&auml;nger um bis zur Marsbahn kommen. Satelliten zwischen Mars und Sonne k&ouml;nnten rechtzeitig vorher warnen. Die Ausbr&uuml;che dauern einige Stunden bis Tage und die so akkumulierte Strahlungsdosis kann dann recht hoch sein.<!--more--><\/p>\n<p>Eine bemannte Marslandung w&uuml;rde daher ein Satellitennetz aufbauen, um rechtzeitig gewarnt zu sein. Denkbar w&auml;ren z.B. zw&ouml;lf Satelliten entlang der Erdbahn im 30 Grad Abstand. Es m&uuml;ssten keine komplexen Satelliten sein, sondern es reichen einfache Konstruktionen mit der Sonne zugewandten Teilchendetektoren. Eine Atlas-431 transportiert rund 5.500 kg auf einen Fluchtkurs. Das m&uuml;sste ausreichen f&uuml;r 12 der Satelliten wenn diese rund 400 kg wiegen. Damit gewinnt man einige Stunden Vorwarnzeit f&uuml;r die Besatzung auf dem Mars.<\/p>\n<p>Das zweite ist die Frage der Abschirmung. Als ich mal meinen Aufsatz &#8222;Flug zum Mars&#8220; &uuml;berarbeitet habe, stie&szlig; ich drauf, dass die Frage wie hoch die Gefahr und die Belastung anscheinend vollkommen ungekl&auml;rt ist. Die Meinungen gehen von &#8222;&Uuml;berhaupt keine Gefahr, die normale Au&szlig;enh&uuml;lle des Raumschiffs reicht aus&#8220; bis hin &#8222;Zur effektiven Abschirmung braucht man einen Meter Wasser oder noch mehr Gestein&#8220;.<\/p>\n<p>Also diese Frage schreit nach Kl&auml;rung. Es gibt einige Fragen zu kl&auml;ren:<\/p>\n<ul>\n<li>Wie hoch ist die Strahlenbelastung &uuml;ber die gesamte Mission?<\/li>\n<li>Welche Spitzenbelastung entsteht?<\/li>\n<li>Wie kann sie effektiv abgeschirmt werden?<\/li>\n<li>Welche Abschirmung ist leicht genug?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Gegen kosmische Quellen kann man sich wegen ihrer hohen Energie kaum sch&uuml;tzen &#8211; Wenn Teilchen gegen den permanenten Sonnenwind bis ins innere Sonnensystem vordringen sind sie hochenergetisch. Doch diese Belastung ist bekannt und tritt auch im Erdorbit auf. Uns sch&uuml;tzt lediglich die dicke Erdatmosph&auml;re vor ihr. Sie gilt daher nicht als Hauptrisiko. Anders ist es bei der Sonne. Da die Belastung auch vom Sonnenzyklus abh&auml;ngt, wird man mindestens 11 Jahre lang Daten sammeln m&uuml;ssen. Zeit also jetzt damit zu beginnen.<\/p>\n<p>Wie k&ouml;nnte es gehen? Ein Weg w&auml;re es wenn jeder Lander ein Messger&auml;t mitf&uuml;hrt. Bei Rovern kann man es auch auf der Basisstation installieren, die nutzlos ist, wenn der Lander wegrollt. Einige Solarzellen und ein kleiner Sender erlauben es Messwerte zu nehmen und zu einem Orbiter zu senden (es wird keine hohe Datenrate ben&ouml;tigt). Die ersten Ger&auml;te w&uuml;rden nur die Strahlungsbelastung messen. Die folgenden (oder besser gleich beide Typen auf einmal) w&uuml;rden verschiedene Abschirmungen testen &#8211; Kunststoff, Wasser, Aluminium oder Gestein (das letzte k&ouml;nnte von den Rovern &uuml;ber die Sensoren geh&auml;ufelt werden, oder sie graben ein Loch und versenken dort die Sensoren).<\/p>\n<p>Beginnt man heute damit, so hat man bis in 15 Jahren, wenn vielleicht eine Marslandung beginnen k&ouml;nnte (optimistische Annahme), gen&uuml;gend Daten, um den Schutz f&uuml;r die Besatzung auszulegen.<\/p>\n<p>Die n&auml;chste Frage die gekl&auml;rt werden muss: Ist es m&ouml;glich und finanzielle attraktiv Treibstoff auf dem Mars zu produzieren? Die Reduktion von Kohlendioxid mit Wasserstoff zu Methan und Sauerstoff wird ja von manchen Autoren als das Non-Plus-Ultra vorgeschlagen um die Startmasse zu reduzieren. Das Problem ist nicht die technische Umsetzung: Diese ist m&ouml;glich, die Prozesse sind gut ein Jahrhundert alt und wurden fr&uuml;her zur Gaserzeugung genutzt. Einige Teilprozesse finden schon heute ihren Einsatz in den Lebenserhaltungssystemen der ISS. Das Problem ist wohl eher, einige Tonnen fl&uuml;ssigen Wasserstoff als Edukt und noch viel mehr fl&uuml;ssiges Methan und Sauerstoff als Produkte &uuml;ber Jahre hinweg fl&uuml;ssig zu halten (1? Tonne Wasserstoff erm&ouml;glicht die Erzeugung von 20 t Treibstoff: 16 t Sauerstoff und 4 t Methan). Das sollte man ausprobieren, bevor man die R&uuml;ckkehr der Besatzung an diese Frage h&auml;ngt.<\/p>\n<p>Zuletzt ist ein Weg die Kosten zu senken, die Teile der Expedition, die vor der Besatzung auf dem Mars oder Marsorbit sein muss und unbemannt gestartet, wird mit Ionenantrieben zu bef&ouml;rdern. Ionenantriebe gibt es schon. Doch bislang haben sie Satelliten oder Raumsonden angetrieben. Nun reden wir von 100 oder 200 t Nutzlast. Das ist in etwa der gleiche Sprung wie zwischen dem A-4 und F-1 Triebwerk. Auch hier gilt es neue Technologien zu erproben &#8211; leichte ausrollbare Solarzellen, extrem gro&szlig;e Ionentriebwerke. Spannungs und Hochspannungserzeuger f&uuml;r einige Megawatt Eingangsleistung. Das schreit nach einem Programm, in dem &uuml;ber einige Zeit zunehmend leistungsf&auml;hige Aggregate entwickelt werden. Die Zwischenversionen k&ouml;nnte man ja f&uuml;r unbemannte Raumsonden oder den Satellitentransport vom LEO in den GEO Orbit nutzen.<\/p>\n<p>Ich frage mich, warum diese Fragen heute keine Priorit&auml;t haben. Es gab einmal den Einsatz von Marie an Bord von Odyssey: Es fiel just aus, als einen Strahlungssturm gab und es erprobte keine Abschirmmethoden. Bei Ionentriebwerken sind wir auch nicht viel weiter und von Versuchen auf der Erde in der Arktis Fl&uuml;ssiggas &uuml;ber 3 Jahre fl&uuml;ssig zu halten habe ich auch noch nichts geh&ouml;rt. Es gibt viel zu tun &#8211; packen&#8217;s wir an.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem ich die letzte Woche mal bewusst ein paar Nicht-Raumfahrtthemen angesprochen habe, heute mal wieder ein Raumfahrtthema. Die bemannte Marslandung wird ja noch einige Zeit auf sich warten lassen, aber man kann schon einiges mal kl&auml;ren und das geht unbemannt. Das erste was offensichtlich nicht gekl&auml;rt ist, ist die Strahlenbelastung der Astronauten. 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