{"id":16720,"date":"2023-04-21T00:36:39","date_gmt":"2023-04-20T22:36:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=16720"},"modified":"2023-04-22T15:03:49","modified_gmt":"2023-04-22T13:03:49","slug":"die-wiederverwendung-eine-nochmalige-betrachtung-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2023\/04\/21\/die-wiederverwendung-eine-nochmalige-betrachtung-2\/","title":{"rendered":"Die Wiederverwendung \u2013 eine nochmalige Betrachtung 2"},"content":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_16720\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"16720\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Es ist ja nicht so, das man Wiederverwendung nicht durchdacht hat. Wer mal auf die Webseite des DLR Instituts Systemanalyse Raumtransport geht wird etliche Ver&ouml;ffentlichungen zu dem Thema <a href=\"https:\/\/elib.dlr.de\/cgi\/search\/archive\/advanced?screen=Search&amp;dataset=archive&amp;eprintid=&amp;monograph_types_merge=ANY&amp;title_merge=ALL&amp;title=&amp;creators_name_merge=ALL&amp;creators_name=Sippel&amp;creators_orcid=&amp;corr_creator_name_merge=ALL&amp;corr_creator_name=&amp;editors_name_merge=ALL&amp;editors_name=&amp;editors_orcid=&amp;abstract%2Fkeywords_merge=ALL&amp;abstract%2Fkeywords=&amp;subjects_merge=ANY&amp;publication_merge=ALL&amp;publication=&amp;publication2=&amp;doi%2Fisbn%2Fissn%2Fmonograph_id=&amp;publisher=&amp;refereed=EITHER&amp;isi=EITHER&amp;scopus=EITHER&amp;isi%2Fscopus=EITHER&amp;doaj=EITHER&amp;hybrid=EITHER&amp;oa=EITHER&amp;event_dates%2Fevent_organizer%2Fevent_title_merge=ALL&amp;event_dates%2Fevent_organizer%2Fevent_title=&amp;event_types_merge=ANY&amp;pres_types_merge=ANY&amp;ref_abstract=EITHER&amp;ref_full=EITHER&amp;invited_lecture=EITHER&amp;date=&amp;datestamp=&amp;satisfyall=ALL&amp;order=-date%2Fcreators_name%2Ftitle&amp;_action_search=Suchen\">finden<\/a>. Dabei ist das nur ein kleines Institut des DLR.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/5de71990a511450db9f7e7ec2e42125c\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<p>Ich fange mal an mit allen Versuchen, die ich kenne, eine Stufe zu bergen \u2013 auch alle eingeschlossen, die es nur auf dem Papier gab. Das ging los mit der Redstone im Mercuryprogramm. Das ABMA schlug der Space Task Group vor, die Redstone zu bergen. Ein Fallschirm h&auml;tte sich, gesteuert durch einen Beschleunigungsmesser (mit einer Zeitschaltuhr als Backup), ge&ouml;ffnet. Dies sollte bei einer Geschwindigkeit von 100 bis 120 m\/s erfolgen. Der erste Fallschirm von 5,18 m Durchmesser verlangsamte die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/redstone.shtml\">Redstone<\/a> und stabilisierte ihre Lage. Gesteuert durch einen Drucksensor sollten sich in einer H&ouml;he von 1.600 m die drei Hauptfallschirme mit einem Durchmesser von jeweils 26,5 m &ouml;ffnen. Die Redstone w&uuml;rde mit dem Triebwerk voraus, mit einer Geschwindigkeit von maximal 12,2 m\/s wassern. Das entspricht dem Fall aus 7,5 m H&ouml;he. F&uuml;r die Bergung sollte zwischen Redstone und Mercurykapsel ein Ring mit sechs Innenverstrebungen angebracht werden. In dem w&uuml;rden die Fallschirme und andere Systeme untergebracht. An den Speichen des Rings kann eine Bergungsmannschaft die Redstone an einem Schiff fixieren.<!--more--><\/p>\n<p>Diese Bergung wurde sogar erprobt. Eine vier Jahre alte Redstone wurde so umgebaut, dass sie den Mercury-Redstones in Gewicht und Gewichtsverteilung glich. Diese Rakete wurde in mehreren Konfigurationen, mit leeren Tanks, teilgef&uuml;llten Tanks und mit oder ohne Innendruck in einen Wassertank fallen gelassen. Es gab leichte Beulen im Alkoholtank, der jedoch druckdicht blieb und einige Risse in der Hecksektion. Beides war einfach zu reparieren. Ebenso wurde das Bergen einer Redstone vor der K&uuml;ste Virginias mit einem Landungsschiff erprobt. Die Redstone konnte in 80 km Entfernung durch das Radar detektiert und in 16 km Distanz der genaue Ort bestimmt werden. Schlussendlich kam es aber nicht zur Bergung. Der STG war eine \u201ebenutzte\u201c Rakete zu unsicher. So wurde auch die Redstone, <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/mercury-mr1.shtml\">die bei MR-1 nur kurz abgehoben hatte<\/a>, nicht erneut eingesetzt. Stattdessen wurde sie zur Ersatzteilgewinnung verwendet. Dasselbe plante man bei der Saturn V Erststufe, doch auch hier ergab eine Kosten-Nutzenanalyse, dass es sich nicht lohne. Als die Ariane 1 entwickelt wurde, gab es Bef&uuml;rchtungen, dass sie zu teuer w&auml;re um gen&uuml;gend ausl&auml;ndische Auftr&auml;ge zu gewinnen und es wurde die Bergung der ersten Stufe untersucht. Hier wurde sogar mit Modellen im Windkanal das Verhalten erprobt und man stellte fest, dass die Stufe durch die Triebwerke zu hecklastig war und sich beim Wiedereintritt in die dichte Atmosph&auml;re &uuml;berschlagen w&uuml;rde. Ein Fallschirm w&auml;re so nicht entfaltbar. Trotzdem wurde die Bergung einmal beim Start von Giotto erprobt, aber man fand die Stufe nicht mehr.<\/p>\n<p>Bei der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/ariane5.shtml\">Ariane 5<\/a> wurden in der Anfangszeit die EAP Booster geborgen. Aber nicht um sie erneut zu verwenden, sondern um sie zu inspizieren. Man wollte sicher gehen, dass ihre Verbindung zwischen den Segmenten h&auml;lt und es nicht zu einer Katastrophe wie bei der Challenger kommt. Als dies klar war, stellte man die Bergung ein. Keiner der Booster wurde erneut verwendet.<\/p>\n<p>F&uuml;r die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/energija.shtml\">Energija<\/a> plante die UdSSR eine kombinierte Bergung der Booster, abgebremst zuerst durch Fallschirme, dann Airbags. Da die Energija nach zwei Fl&uuml;gen eingestellt wurde, kam es nie dazu.<\/p>\n<p>SpaceX selbst hat bei der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/falcon1.shtml\">Falcon 1<\/a> eine Bergung mit Fallschirm und Airbags geplant. Bei keinem der f&uuml;nf Starts wurde die Stufe wieder geborgen, wenn ich mich richtig erinnere, stellte man es bei den letzten beiden Starts auch ein.<\/p>\n<p>Rocketlab hat zweimal eine Bergung der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/electron.shtml\">Elektron<\/a> versucht. Einmal klappte sie, einmal nicht. Dabei wird die erste Stufe mit Fallschirmen abgebremst und im Flug von einem Helikopter an den Fallschirmleinen eingefangen. Eines der geborgenen Triebwerke fliegt beim n&auml;chsten Start erneut.<\/p>\n<p>Eine &auml;hnliche Vorgehensweise k&ouml;nnte bei der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/vulcan.shtml\">Vulcan<\/a> kommen, allerdings birgt man hier nur den besonders teuren Triebwerksblock, der dazu wie bei der Atlas abgesprengt wird. Auch hier soll er im Flug von einem Helikopter eingefangen werden. Klingt abenteuerlich, wurde aber &uuml;ber 100-mal schon bei dem Bergen von Kapseln mit Film der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/kh-1.shtml#\">KH 1-8 Aufkl&auml;rungssatelliten<\/a> so praktiziert.<\/p>\n<p>Das einzige System, bei dem vor der Falcon 9 die Wiederverwendung routinem&auml;&szlig;ig durchgef&uuml;hrt wurde, ist das Space Shuttle. Die Geschichte hat &uuml;ber das Space Shuttle ihr Urteil getroffen: ein tolles System, aber zu teuer. Bevor ich darauf eingehe, erst mal die beiden Lehren, die man aus dem Programm nur f&uuml;r die Bergung ableiten kann: Feststoffbooster sind so robust, weil die H&uuml;lle dem hohen Brennkammerdruck widerstehen muss, dass man sie mit dem Fallschirm landen kann. Bei einer Stufe mit fl&uuml;ssigem Treibstoff w&auml;re die Gefahr zu gro&szlig;, dass sie bei der Landung besch&auml;digt wird und die dann n&ouml;tige Inspektion und Reparatur w&uuml;rde viel von den eingesparten Produktionskosten wieder auffressen \u2013 Stufen sind ja nicht deswegen so teuer, weil die Materialien so teuer sind, sondern viel Arbeit im Zusammenbau und Pr&uuml;fungen steckt.<\/p>\n<p>Diese Erfahrung machte auch SpaceX. Heute fast vergessen, bevor man auf das derzeit benutzte System der aktiv abgebremsten Landung &uuml;berschwenkte, versuchte SpaceX es bei der Falcon 9 Erststufe auch mit einer Fallschirmlandung. Die kam aber nur in Bruchst&uuml;cken unten an. H&auml;tte SpaceX dies wie bei Ariane 1 vorher im Windkanal erprobt, so h&auml;tte man das vorher wissen k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Dank GPS ist es heute kein Problem mehr, eine Stufe auf einer kleinen Plattform zu landen. GPS war bei allen vorherigen Versuchen nat&uuml;rlich nicht verf&uuml;gbar und die einzige Alternative zum Fallschirm war dann die aktive Landung auf einer Landepiste, wof&uuml;r man die Stufe mit Fl&uuml;geln und einem Turbofan oder D&uuml;sentriebwerk ausstattet. Das DLR hat einige dieser Vorschl&auml;ge auch durchgerechnet. Das bedeutet aber eine deutliche Investition in das System und die Nutzlast sinkt nat&uuml;rlich ab, weil die Abtrennmasse der Erststufe gr&ouml;&szlig;er ist.<\/p>\n<p>Das <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/space-shuttle.shtml\">Space Shuttle<\/a> habe ich in der Liste ausgenommen. Man ist nur zu gerne bereit, es als Fehlschlag abzuschreiben. Aber man darf nicht vergessen, dass sich die Rahmenbedingungen &auml;nderten. Denn man ging davon aus, dass das Shuttle sehr h&auml;ufig fliegen w&uuml;rde und 1985 fanden neun Fl&uuml;ge statt. Die Zahl wurde sp&auml;ter nie mehr erreicht, dabei waren damals nur zwei Orbiter voll einsatzbereit. Die Atlantis kam erst zur Flotte und hatte nur einen Einsatz, die Columbia wurde umger&uuml;stet. Also auch ohne die utopischen 60 Fl&uuml;ge pro Jahr (ein Flug pro Orbiter alle vier Wochen) w&auml;ren bei vier Orbitern sicher 16 Fl&uuml;ge pro Jahr m&ouml;glich gewesen. Dabei betrugen die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/shuttle-kosten.shtml\">Operationskosten im Finanzjahr 1985<\/a> 1.314 Millionen Dollar, also 146 Millionen Dollar pro Start. Interne Rechnungen der NASA f&uuml;r die Festsetzung des Preises f&uuml;r kommerzielle Kunden kamen zu einem kostendeckenden Preis von 87 bis 100 Millionen Dollar f&uuml;r die Nutzung des gesamten Nutzlastraumes. Das ist geringer als die Operationskosten\/Flugzahl, weil dies nur die Kosten repr&auml;sentiert, die zus&auml;tzlich durch diesen weiteren Flug entstehen. Das w&auml;re damals billiger gewesen als wiederverwendbare Raketen, wenn der Nutzlastraum voll ausgenutzt worden w&auml;re. Ein Space Shuttle konnte mindestens drei, theoretisch vier Delta-Starts &uuml;bernehmen oder zwei Atlas-Starts. Die Startkosten einer Delta lagen bei 38 Millionen Dollar, die einer Atlas bei 68 Millionen Dollar.<\/p>\n<p>Das Problem war, dass nach Challenger durch viel h&ouml;here Sicherheitsanforderungen diese Basiskosten enorm anstiegen und 1993 z.B. bei 350 Millionen Dollar Fixkosten und 83 Millionen Dollar Flugkosten pro Einsatz lagen. Entsprechend sank die Flugzahl ab.<\/p>\n<p>Meine pers&ouml;nliche Meinung ist, dass das Space Shuttle noch immer fliegen k&ouml;nnte, wenn es unbemannt gewesen w&auml;re. Denn dann w&auml;ren die Fixkosten niedrig geblieben, gleichzeitig w&auml;re die Nutzlast h&ouml;her. Baut man alle Systeme aus, die f&uuml;r die Mannschaft ben&ouml;tigt werden und ersetzt die Kabine, so steigt die Nutzlast um 10 bis 15 t. Der Verlust der Challenger wurde m&ouml;glich, weil man unbedingt starten wollte, obwohl Techniker schon vorher wussten, dass die Dichtungsringe bei den tiefen Temperaturen zu spr&ouml;de sind. Aber selbst wenn man diesen Verlust als typische Verlustzahl eines unbemannten Programms nimmt \u2013 ein Fehlstart auf 25 Eins&auml;tze, 95 Prozent Zuverl&auml;ssigkeit, ein damals &uuml;blicher Wert \u2013 dann w&auml;re das tolerierbar gewesen. Ein Orbiter kostete 1,7 Milliarden Dollar in der Fertigung, das h&auml;tte jeden Start dann um 68 Millionen Dollar verteuert.<\/p>\n<p>Damit w&auml;re das Space Shuttle gleichauf mit unbemannten Tr&auml;gern gewesen, wobei die Orbiter dann in Serienproduktion (ein neuer alle ein bis zwei Jahre) und ohne die Sicherheitsaufschl&auml;ge\/Systeme f&uuml;r die Mannschaft sicher billiger gewesen w&auml;ren. So kostete aber die Endeavour schon 2,2 Milliarden Dollar als Einzelexemplar. Die bei der Wiederverwendung absinkende Produktionszahl ist neben dem Risiko der Wiederverwendung und den Kosten f&uuml;r die Wiederverwendung \u2013 nicht nur Bergung, sondern auch Inspektion \u2013 eines der Hauptargumente gegen die Wiederverwendung. Eine Rakete wird in kleinen St&uuml;ckzahlen gebaut. Vor dem Beginn des Aufbaus von Konstellationen kamen nur wenige Typen &uuml;ber 10 Starts pro Jahr. Mehr Raketen kann man leicht bauen, die US-Industrie konnte 54 Atlas oder Titan in zwei Jahren produzieren, als diese als ICBM stationiert wurden. Dann kann man mehr automatisieren und die Arbeit in mehr Einzelschritte unterteilen, die die Arbeiter dann schneller durchf&uuml;hren k&ouml;nnen. Weniger zu produzieren verteuert die Rakete aber. Bei vielen Tr&auml;gern kenne ich eine Grenze von etwa 3 bis 4 Tr&auml;gern pro Jahr, ab der die Kosten rapide ansteigen. Ariane 1 war auf diese Zahl ausgelegt, die Titan auch und als diese Startfrequenz bei der Titan nicht erreicht wurde, stieg ihr Preis enorm an. Das zahlte die Regierung weil sie die gleiche Qualit&auml;t haben wollte, ansonsten h&auml;tte Lockheed-Martin einfach alle Arbeiter nach der Fertigstellung eines Batches entlassen und dann wiedereingestellt wenn es einen neuen Auftrag gibt.<\/p>\n<p>Es lohnt sich also, wenn man entweder die Wiederverwendung so g&uuml;nstig durchf&uuml;hren kann, dass dies die h&ouml;heren Produktionskosten kompensiert, also praktisch keine Wartung n&ouml;tig ist oder man durch viel mehr Starts trotzdem eine minimale sinnvolle Produktionsrate aufrechterhalten kann. Beim Space Shuttle ging man durch die Landung wie bei einem Flugzeug aus, dass dies gegeben ist, doch dem war nicht so. F&uuml;r einen Raketenhersteller, bei dem man heute nur die erste Stufe birgt, ist daher wichtig, wie gro&szlig; der Markt ist. Europa kommt \u2013 selbst wenn alle europ&auml;ischen Staaten nur Ariane und Vega nutzen w&uuml;rden \u2013 nie auf diese Startzahl. Das Budget der ESA betr&auml;gt etwa ein Zehntel des Raumfahrtbudgets von Milit&auml;r und NASA der USA zusammen. Bei den USA liegt die Sache anders. Hier kommt man auf diese Mindestzahl, trotz Verteilung der Starts durch das DoD auf zwei Tr&auml;ger. Allerdings auch erst seit zehn Jahren, denn durch den Wegfall des Space Shuttles muss die ISS mit Fracht und Personen versorgt werden, was acht bis neun zus&auml;tzliche Starts pro Jahr generiert.<\/p>\n<p>In Europa k&ouml;nnen wir keine Arbeiter entlassen und dann wieder einstellen, wenn mal wieder ein Auftrag ansteht. Deswegen bin ich auch von der Entscheidung f&uuml;r die Ariane 6 nicht begeistert. Ich meine, dass wir das aus dem Blickfeld verloren haben, wof&uuml;r Ariane 1 mal entwickelt wurde: um einen unabh&auml;ngigen Zugang zum Weltraum zu haben. Denn damals wollten die USA nur eigene Kommunikationssatelliten starten und machten f&uuml;r die deutsch-franz&ouml;sischen Erstlinge Symphonie 1+2 Auflagen, damit sie diese &uuml;berhaupt starten. Die meisten Nationen nutzen Tr&auml;gerraketen nur f&uuml;r die eigenen Satelliten mit derselben Zielsetzung. Die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/H-II.shtml\">japanische H-2A<\/a> hat bisher nur einen kommerziellen Start absolviert. Indiens <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/pslv.shtml\">PSLV<\/a> steht gut da, doch bei der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/gslv.shtml\">GSLV<\/a> in der Klasse der Ariane 5 sind es auch nur zwei kommerzielle Auftr&auml;ge, die nur durch den Wegfall der Sojus entstanden. Wir m&uuml;ssen nicht 3 Milliarden Euro investieren, nur damit Betreiber von Telekommunikationssatelliten einen billigeren Start haben.<\/p>\n<p>Mit dem Aufbau von Konstellationen hat sich nun aber einiges ge&auml;ndert. Selbst wenn die Satelliten leicht sind, so sind doch viel mehr Starts n&ouml;tig. SpaceX transportiert pro Start 50 bis 60 Starlink-Satelliten und braucht so f&uuml;r die erste Phase mit 4400 Satelliten mindestens 80 Starts. Seit zwei Jahren finden die meisten Starts der Falcon nur f&uuml;r Starlink statt. Amazon ist im Kommen und auch OneWeb plant &uuml;ber die 648 Satelliten hinaus weitere. Damit steigt die Startzahl so stark an, dass selbst wenn ich die Erststufe oft wiederverwende man in eine f&uuml;r die normale Fertigung praktikable Gr&ouml;&szlig;enordnung kommt. Kleines Rechenbeispiel: letztes Jahr gab es 61 Falcon 9 Starts. Die Erststufe ist etwa zehnmal wiederverwendbar, also ben&ouml;tigt man sechs neue Erststufen pro Jahr. Die Zweitstufe, die nicht geborgen wird, sogar 61-mal und dank gleichem Durchmesser kommt so die Tankfertigung auf hohe St&uuml;ckzahlen.Bei den Triebwerken werden 61 f&uuml;r die Zweitstufe und 54 f&uuml;r die ersten Stufen ben&ouml;tigt, zusammen 115, das ist eine gro&szlig;e Anzahl, bedenkt man das die meiden Raketen pro Stufe meist nur ein oder zwei Triebwerke einsetzen so entspricht dies deutlich mehr als die meisten anderen Hersteller produzieren und das ohne Wiederverwendung.<\/p>\n<p>Ich pers&ouml;nlich hoffe aber, dass diese Konstellationen nicht alle fertig werden. Ich halte sie f&uuml;r &uuml;berfl&uuml;ssig. Sie sind ja nicht dazu da, unterentwickelte Regionen in Afrika, S&uuml;damerika oder in der Mongolei mit Internet zu versorgen. Die meisten dieser m&ouml;glichen Nutzer k&ouml;nnen sich weder die Kosten leisten noch haben viele &uuml;berhaupt den Strom f&uuml;r den Betrieb. Sie sind eine Alternative zum Mobilfunknetz und Festnetz. Und das wird immer billiger sein als ein Satellit und der Ausbau legt ja auch weltweit zu. Vor 20 Jahren war bei uns 1 Mbit ein schneller Internetanschluss, inzwischen liegt die Messlatte bei 1 Gbit\/s.<\/p>\n<p>Aber es ist eine weitere Dimension der Verm&uuml;llung. Das ZDF hat die alten Folgen ihrer \u201eChronik\u201c gek&uuml;rzt und <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/dokumentation\/zeitreise-bilder-aus-60-jahren\">kommentiert online gestellt<\/a>. Das ist am Ende des Jahres eine Zusammenfassung der Ereignisse. Da kann man die Umweltverschmutzung im Zeitraffer miterleben: Es geht los Anfang der Siebziger Jahre mit biologisch toten Fl&uuml;ssen und ersten Smog-Alarmen, also lokal begrenzt. In den Achtzigern ist mit dem Waldsterben und radioaktiven Wolken dann schon Deutschland und Teile Europas betroffen. In den Neunzigern taucht das Ozonloch auf, das nun schon die Gr&ouml;&szlig;e eines Kontinentes hat und inzwischen reden wir vom globalen Klimawandel. Da muss es wirklich nicht sein, dass wir nur wegen noch schnellerem Internet den ganzen Weltraum verm&uuml;llen. Zumal die Erfahrungen von Starlink zeigen, dass dessen Datenrate dauernd absinkt, was den Zustrom an Kunden ausbremsen d&uuml;rfte.<\/p>\n<p>Seit dem 20.4.2023 ist auf jeden Fall das Space Shuttle in meiner pers&ouml;nlichen W&uuml;rdigung deutlich angestiegen. Das startete am 12.4.1981 bemannt, es gab Probleme wie abfallende Hitzeschutzkacheln, aber die Mission war voll erfolgreich und die beiden Astronauten John Young und Robert Crippen landeten sicher. Heute bezeichnet SpaceX ein Starship, das nicht direkt nach dem Start explodiert, als einen Erfolg. Elon Musk spricht von 20 Starts bis man eine Stufe auch nur wiederverwenden kann, Gwynne Shotwell von 100 Starts bis es bemannt starten kann. Da war die NASA 1981 schon Lichtjahre weiter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_16720\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"16720\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Es ist ja nicht so, das man Wiederverwendung nicht durchdacht hat. 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