{"id":16744,"date":"2023-04-25T10:23:41","date_gmt":"2023-04-25T08:23:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=16744"},"modified":"2023-04-25T10:23:41","modified_gmt":"2023-04-25T08:23:41","slug":"inkrementelle-entwicklung-oder-dilettantismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2023\/04\/25\/inkrementelle-entwicklung-oder-dilettantismus\/","title":{"rendered":"&#8222;\u201eInkrementelle Entwicklung\u201c oder Dilettantismus?"},"content":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_16744\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"16744\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Der letzte, so <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2023\/04\/21\/der-jungfernflug-des-starships-ist-gescheitert\/\">katastrophal gescheiterte Teststart<\/a> bringt mich zu einem Grundsatzthema bei SpaceX, n&auml;mlich ihrer Vorgehensweise. Doch ich beginne mal mit den Anf&auml;ngen. Man wird es kaum glauben, aber als ich zum ersten Mal &uuml;ber SpaceX schrieb, das muss so um 2004 gewesen sein, in jedem Fall noch vor ihrem ersten Start, fand ich es gut, dass es eine neue Firma im Raumfahrtbusiness gibt und eine neue Rakete. &Uuml;ber die gab es auch ein User Manual, das den Namen verdient und das Details enthielt, die man heute beim Starship und dem Superbooster nicht mehr findet. Selbst Elon Musks Ausf&uuml;hrungen fand ich damals noch interessant.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/a75c1e0c11d54f279cef1a308ed383d7\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><br \/>\nDas &auml;nderte sich, als von ihm immer mehr Seitenhiebe auf andere Konkurrenten kamen und ich begriff, dass dieser Mensch sehr komisch tickt, als er den Start der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/falcon1.shtml\">Falcon 1<\/a> verlegte. SpaceX hatte schon die Nutzung eines Pads in Vandenberg zugesagt bekommen, durfte aber nicht starten, bevor die letzte Titan 4 abgehoben hatte, aus Sicherheitsbedenken (da die Falcon 1 ja dann auch nach weniger als einer Minute Flug in der N&auml;he des Startpads aufschlug, gut nachvollziehbar). Wer zieht denn schon in den Pazifik um, wo es keinerlei Infrastruktur gibt, nur weil er einige Monate warten muss? Die letzte Titan 4B hob &uuml;brigens am 19.10.2005 ab, die erste Falcon am 24.3.2006, also brachte das nicht mal zeitlich etwas. Als dann haarstr&auml;ubende Beschuldigungen von Technikern wegen des Fehlstarts durch Musk kamen, war der f&uuml;r mich und die Firma als Ganzes durch. De facto war ja Musk die einzige Person zu der Zeit, die sich &ouml;ffentlich &uuml;ber Technik bei SpaceX &auml;u&szlig;erte und heute ist es auch nicht viel besser.<!--more--><\/p>\n<h4>Die Anf&auml;nge<\/h4>\n<p>Aber das ist ein anderes Thema, n&auml;mlich SpaceX und Medienarbeit. Hier geht es um die fr&uuml;hen Fehlschl&auml;ge und ihre Ursache. Da die ersten Starts durch die USAF finanziert wurden, gab es Untersuchungsberichte und die widersprachen Musk. Es kam aber noch besser. Neben der prim&auml;ren Ursache wurden auch andere Vorkommnisse genannt, die nicht zum Versagen f&uuml;hrten, aber nicht sein sollten, und wenn man die in einem Untersuchungsbericht las, wusste man schon die Fehlerursache f&uuml;r den n&auml;chsten Flug. Der erste Start einer Falcon 1 scheiterte, weil durch die Korrosion der Treibstofffluss kurz nach dem Start abriss und die Korrosion war eine Folge dessen, dass Musk den Start verlegt hatte und die Rakete zu lange herumstand.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/falcon-starts-zusammenfassung.shtml\">Der zweite Start scheiterte<\/a>, weil das Triebwerk der Zweitstufe ausfiel, nachdem diese in Bildern schon immer mehr anfing zu schwanken. Letztendlich waren fehlende Prallbleche, die das Treibstoffschwappen unterdr&uuml;cken sollten, daran schuld. Bei der Stufentrennung w&auml;re schon die erste Stufe fast mit der zweiten kollidiert. Das stand dann auch im Untersuchungsbericht. Und nun ratet mal, warum Start 3 scheiterte? Richtig, die erste Stufe kollidierte mit der zweiten. Der Grund war, dass die \u201ePusher\u201c, im Prinzip riesige Federn, die erste Stufe nicht gen&uuml;gend abgebremst hatten und diese noch zu viel Restschub hatte.<\/p>\n<p>Das zeigte schon die allgemeine SpaceX-Vorgehensweise, die man heute wieder sieht: Es fehlen Subsysteme, die man bei anderen Tr&auml;gern und Stufen dieser Klasse kennt, und sie kommen erst hinzu, wenn es einen Fehlstart gibt. Also Prallbleche haben viele Oberstufen, weil sie besonders stark durchgesch&uuml;ttelt werden. Zudem ist bei ihnen die Tankform zudem viel ung&uuml;nstiger als bei den langen Basisstufen. Man kann auf Retroraketen verzichten und Pusher nehmen, wenn bei der Trennung die obere Stufe schon arbeitet. So wurden mit Pushern die Booster von Ariane 3, 4 und der Titan abgel&ouml;st, weil die Zentralstufen schon arbeiteten und sie so nicht kollidieren konnten. Bei der Delta, wovon die der Falcon 1 stammten, werden sie auch eingesetzt, beim Abtrennen der Feststoffoberstufe. Die wird aber erst nach etlichen Minuten im Orbit gez&uuml;ndet, Zeit genug sich von der Delta zu entfernen. Das war bei der Falcon 1 nicht gegeben.<\/p>\n<p>Dieser \u2013 ich nenne es Dilettantismus &#8211; zeigte sich auch bei den ersten Fl&uuml;gen der Falcon 9. Beim Erstflug der Falcon 9 entdeckte man am Cape einen Riss in der D&uuml;se des Oberstufentriebwerks. Anstatt das zu untersuchen, was nat&uuml;rlich den Start verz&ouml;gert h&auml;tte, lie&szlig; Musk einen Techniker einfliegen, der mit einem Messer die D&uuml;se oberhalb des Risses abschnitt, also effektiv verk&uuml;rzte. Das war <a href=\"https:\/\/www.elonx.net\/spacex-stories-how-spacex-used-tin-snips-to-fix-a-rocket\/\">Musks Vorschlag zur L&ouml;sung des Problems<\/a>: \u201eWhat if we just cut the skirt? Like, literally cut around it?\u201c. Das mag das Problem l&ouml;sen, aber es erschwert die Feststellung, wie es denn zum Riss kam und erinnert mich daran, dass ich &ouml;fters beim Zusammenbauen die Unterlegscheiben von Muttern vergesse. Klar h&auml;lt auch so, aber die Scheiben haben schon einen Zweck, n&auml;mlich den Druck besser zu verteilen. Schon damals beschrieb Elon Musk das als iterative Vorgehensweise, eine Technik, die ich als Programmierer kenne. Man baut erst mal einen Prototypen, testet diesen, baut ihn aus oder bespricht mit dem Kunden, ob ihm dieses Konzept gef&auml;llt und hat, wenn das nicht der Fall ist, nicht zu viel Arbeit in den Sand gesetzt.<\/p>\n<p>Meine Theorie und die wird auch durch weitere Tatbest&auml;nde best&auml;tigt ist eine andere. Elon Musk hat sich schon am Anfang dar&uuml;ber ge&auml;u&szlig;ert, dass er andere Raketen als \u201einsane expensive\u201c ansieht. Wenn es nach ihm geht, m&uuml;sste alles viel billiger gehen. Ich denke, er wird bald nachdem er mit der Falcon 1 begonnen hat die Einsicht gewonnen haben, warum die Raketen so teuer sind. Eine Rakete ist nicht so teuer, weil sie aus wertvollen Materialien besteht. Es ist die Arbeit, die in ihr steckt. Es sind viele Kontrollen; nachdem Starts schon scheiterten, weil man Werkzeuge oder Putzlappen verga&szlig;, m&uuml;ssen alle Werkzeuge beim Zusammenbau der Ariane, die entnommen werden in ein Buch eingetragen und beim Zur&uuml;cklegen quittiert werden. Das dauert. Eine Kollision der Erststufe mit dem Oberstufenb&uuml;ndel gab es schon bei dem Start von Explorer 5 am 24.8.1958. Daraufhin bekam der Nachfolger der Juno I, die Juno II Retroraketen und seitdem die meisten Raketen. Das ist Erfahrungswissen auf das Profis nicht verzichten.<\/p>\n<p>Dann kann man noch bei der Qualifikation der Arbeiter sparen. Bei der fr&uuml;hen SpaceX Zeit war hier einiges bekannt: Das Arbeitsumfeld wird auch von den Mitarbeitern als schwierig und von Konkurrenz gepr&auml;gt beschrieben. Nur die H&auml;lfte der zuerst auf Probe angestellten wird &uuml;bernommen. Der Altersdurchschnitt ist niedrig und liegt bei 26. Nur ein Drittel hat einen weiteren Abschluss nach der Schule, die meisten werden direkt von der Schule angeheuert und im Job geschult.<\/p>\n<p>Also man spart an ausgebildeten Ingenieuren, daf&uuml;r setzt man mehr angelernte Arbeiter ein. Das spart einiges an Kosten ein. Daneben kommen diese Mitarbeiter nat&uuml;rlich nicht auf die Idee ihre Erfahrungen aus der Arbeit bei anderen Raumfahrtfirmen einzubringen. Das ist &uuml;brigens genau das Gegenteil dessen was <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ulrich_Walter\">Ulrich Walter<\/a> glaubt, n&auml;mlich das die Firma die besten Leute der NASA hat. Alle Namen, die man mit der Entwicklung der Falcon 9 verbindet, wie Hans Koenigmann, Tom Mueller haben die Firma l&auml;ngst verlassen. Zwei Astronauten die man als Galionsfiguren engagiert verlie&szlig;en die Firma noch schneller. Bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ken_Bowersox\">Ken Bowersox<\/a> erfuhr man das nur, weil bei Presseanfragen durch die automatische R&uuml;ckantwort des Servers auffiel das sein Emailkonto nicht mehr existierte. Auch bei den folgenden Jahren gab es dann noch Vorf&auml;lle wie die Explosion der Falcon 9 mit Amos 6. Daf&uuml;r gibt es nat&uuml;rlich Erkl&auml;rungen von Musk oder SpaceX, doch nach meinen Erfahrungen kann man die nicht glauben. Vorher scheiterte schon eine CRS-7 Mission. Eine Strebe gab nach, eine Heliumflasche fiel in den Tank, das Helium wurde gasf&ouml;rmig und die Flasche und die Oberstufe explodierten. Der Bericht von SpaceX sagte, dass die Strebe aus rostfreiem Stahl f&uuml;r eine Belastung von 10.000 Pfund ausgelegt war, aber bei 2.000 Pfund versagte. Eine unabh&auml;ngige Untersuchung der NASA kam zu dem Schluss, dass die wahrscheinlichste Ursache f&uuml;r das Versagen der Strebe ein Konstruktionsfehler war: Statt einer Edelstahl-Strebe aus \u201eaerospace certified\u201c Material w&auml;hlte SpaceX \u201eindustrial grade\u201c ohne <a href=\"https:\/\/www.nasa.gov\/sites\/default\/files\/atoms\/files\/public_summary_nasa_irt_spacex_crs-7_final.pdf\">angemessene Pr&uuml;fung und Tests<\/a> und &uuml;bersah die empfohlene Sicherheitsmarge. An diesen falschen Behauptungen hat sich seitdem nichts ge&auml;ndert. &Uuml;brig blieb Gwynne Shotwell, die wohl kaum SpaceX verlassen ist sie als President and chief operating officer of SpaceX gut verdient. Allerdings ist sie seit letztem Dezember direkt f&uuml;r die Starbase verantwortlich, keine gem&uuml;tliche Position in der Firma.<\/p>\n<h4>Ein Zeitsprung in die j&uuml;ngere Vergangenheit<\/h4>\n<p>Doch seitdem funktionierte doch dann alles. Die Falcon 9 flog immer &ouml;fters. Die Landungen klappen nach anf&auml;nglichen Problemen und alles sah gut aus. Das verwundert nicht, denn sobald die Kinderkrankheiten und versteckten Fehler einer Rakete alle entdeckt sind kann man sie nach einer Standard-Vorschrift zusammenbauen und ben&ouml;tigt eigentlich keine Kenntnisse &uuml;ber Raketentechnik.<\/p>\n<p>Mit der Entwicklung des Starships beginnt wieder das alte Spiel. Es gibt Fehlschl&auml;ge die, nun ja, einzigartig sind. Da sind die die vergl&uuml;hten Starlink Satelliten vom <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2022\/02\/11\/spacex-2022-februarnachlese\/\">Februar 2022<\/a>. Ursache war das sie in geringer H&ouml;he ausgesetzt wurden und es einen G2-Sonnensturm gab. Die niedrige H&ouml;he resultierte daraus das die Starlink Satelliten schwerer wurden.<\/p>\n<p>Sonnenst&uuml;rme &uuml;berschwemmen die Erdatmosph&auml;re mit energiereichen Teilchen die tragen Energie in die Atmosph&auml;re die sich ausdehnt und so Satelliten st&auml;rker abbremst. Das wei&szlig; man, es gibt Tools mit denen man den Effekt vorhersagen kann. G2-Sonnenst&uuml;rme sind zudem nicht selten, sondern eher h&auml;ufig. Es gibt zwischen 360 und 600 G2-Sonnenst&uuml;rme in einem elf Jahre dauernden Sonnenzyklus. Da h&auml;tte man sich also vorher wappnen k&ouml;nnen. Der letzte war &uuml;brigens 17 Tage vorher. Das zeigt das nun eine andere Riege von Verantwortlichen bei SpaceX &uuml;bernommen hatte, Leute denen es an Erfahrung fehlt, oder die es nicht wagen die Satellitenanzahl zu reduzieren, weil sie Druck von oben bekommen.<\/p>\n<p>Dann gab es die Tests mit dem Starship. Schon einfache Druckbeaufschlagungstests mit den Prototypen Mark I, SN3 und 4 scheiterten. Dabei handelt es sich hier nicht um \u201eRaketenwissenschaft\u201c. Seit der Erfindung der Dampfmaschine ist bekannt, wie man mit Druck umgeht, der auf einen Tank oder Kessel wirkt. Trotzdem verlor SpaceX vier Prototypen. Das passierte nicht einmal bei der Atlas-Rakete, die ohne Druck nicht stabil war. Hier kam es zum Gegenteil: dem \u201eSchrumpfen\u201c, als das Druckbeaufschlagungssystem ausfiel. Aber f&uuml;r die Entlastung von &Uuml;berdruck gibt es schon seit sehr langer Zeit &Uuml;berdruckentlastungsventile.<\/p>\n<p>Danach kamen Tests der Triebwerke und Flugtests. Eine Probez&uuml;ndung eines Raptor-Triebwerks f&uuml;hrte zur Explosion. Nach drei Versuchen gelang eine Landung nach einem Aufstieg in 10 km H&ouml;he, allerdings explodierte das Starship kurz danach. Beim n&auml;chsten Versuch schlug das Starship erneut auf. Erst beim f&uuml;nften Anlauf klappte die Landung.<\/p>\n<p>Nach den Testfl&uuml;gen des Starships steht der Teststart an. Bei einem statischen Test am 9.9.2022 z&uuml;ndete das Starship alle sechs Triebwerke. Ein statischer Test z&uuml;ndet die Triebwerke bis sie vollen Schub erreichen und schaltet sie dann wieder ab, damit die Rakete nicht abhebt. Es folgten am <a href=\"https:\/\/www.space.com\/spacex-starship-super-heavy-static-fire-november-29\">14 und 29 November<\/a> mit dem Booster 7, demselben der beim Teststart verloren ging, eine Z&uuml;ndung von 14 und 11 Triebwerken (seltsamerweise war der zweite Test der Test mit weniger Triebwerken, ob hier schon welche ausfielen?). Dann am 9.2.2023 der Test mit allen Triebwerken, aber auch hier fielen zwei aus.<\/p>\n<p>Also, nach Musks Angaben sind diese Triebwerke ausgelegt um 1.000-mal wiederverwendet zu werden und sie fallen (&uuml;brigens auch bei den Landungstests) vorzeitig aus, hier schon bei der Z&uuml;ndung. W&auml;re es da nicht sinnvoll zuerst Ursachenforschung zu betreiben und das Problem zu l&ouml;sen, anstatt einen Testflug anzusetzen?<\/p>\n<p>Man kann diese Vorkommnisse schon lange nicht mehr mit mangelnder Erfahrung begr&uuml;nden. Daf&uuml;r sind viele Fehler einfach zu simpel. Beim erw&auml;hnten Test am 9. Februar wurde schon jede Menge Material unter dem Startplatz freigesetzt. Um das vorherzusagen, muss man nicht Raketenwissenschaft studiert haben. Wir haben hier eine Rakete, die pro Sekunde 20 t Treibstoff mit 1.300 Grad aus der D&uuml;se ausst&ouml;&szlig;t. Selbst wenn die Temperatur beim Auftreffen auf den Grund durch Expansion soweit abgesunken ist, dass der Flammenstrahl am Boden kein Gestein mehr aufschmelzt, so reicht die &uuml;bertragene Energie vollkommen aus, Gestein durch die thermischen Spannungen, wenn es an einer Stelle erhitzt wird und sich ausdehnen m&ouml;chte, aber nicht kann, zu zerbrechen.<\/p>\n<p>Man kann Raketen ohne ein System um die Flammen abzulenken oder zu k&uuml;hlen (mit Wasser geflutete Gr&auml;ben werden von der NASA eingesetzt) starten, aber das geht nur wenn diese sehr schnell abheben. Das ist so bei milit&auml;risch genutzten Raketen, aber nicht einem Starship das 3 Sekunden vor T-0 die Triebwerke z&uuml;ndet. Ob diese Tr&uuml;mmer an dem Fehlstart schuld oder zumindest mit schuld sind wird spekuliert, aber das ist eigentlich nicht der Punkt.<\/p>\n<p>Der Punkt ist, dass man so etwas vorher wei&szlig;. SpaceX hat etliche Falcons auf NASA-Startanlagen gestartet, alle mit Systemen, um so etwas zu verhindern. Bei Pad 39A gibt es sogar ein Sprinklersystem, das nachtr&auml;glich nach dem ersten Space-Shuttle-Start installiert wurde, um die Druckwellen der SRBs zu reduzieren.<\/p>\n<p>Meine Meinung: Es liegt an Elon Musk selbst. Der gute Mensch knausert, wo er nur kann, au&szlig;er nat&uuml;rlich bei sich selbst. Erst wird eine Ausgabe nicht genehmigt und erst wenn dann etwas schief geht, wird nachgebessert. In diese Theorie passen die Tatsachen wie Streben aus billigerem, aber ungeeignetem Material, fehlende Prallbleche oder billige Pusher anstatt Retroraketen und nat&uuml;rlich auch Einsparungen von Kosten f&uuml;r einen Graben, Flammenumlenker oder gar eine Wasserflutung.<\/p>\n<p>Es gibt auch die sehenswerte Doku &uuml;ber Die <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/dokumentation\/zdfinfo-doku\/musk-auf-crashkurs-teslas-gefaehrliches-spiel-100.html\">Entwicklung des Autopilots von Tesla<\/a>. Da sagen die Entwickler das Elon Musk, f&uuml;r ein System das den K&auml;ufer 10.000 Dollar Aufpreis kostet, nur Kameras als Sensoren haben wollte, weil das billiger ist. Standard bei anderen Automobilherstellern sind zus&auml;tzlich wesentlich teurere RADAR- und LIDAR-Sensoren, die aber anders als Kameras genau Position und Geschwindigkeit von Fahrzeugen feststellen k&ouml;nnen. Erst nach mehreren t&ouml;dlichen Unf&auml;llen wird das System nun aufger&uuml;stet. Elon Musk preist &uuml;brigens bis heute das System als Autopilot, also ein System das autonom fahren kann, w&auml;hrend es technisch nur als Fahrassistenzsystem zugelassen ist und das nur auf Autobahnen (oder technisch exakter Spuren ohne Kreuz- und Gegenverkehr). Bei einem Fahrassistenzsystem darf man die Hand nicht vom Lenkrad nehmen und muss jederzeit reagieren k&ouml;nnen. Viel Geld f&uuml;r wenig Leistung.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Fazit<\/h4>\n<p>Ich glaube nicht, dass SpaceX iterativ entwickelt. Sie versuchen erst einmal, mit Weglassen oder Abk&uuml;rzungen durchzukommen. Erst wenn etwas passiert, wird nachgebessert. Das ist keine iterative Entwicklung, das ist Herumwursteln. Sp&auml;testens nach dem 9.2.2023 wurde offensichtlich, dass die Raptor-Triebwerke noch nicht einsatzf&auml;hig sind. Dieser Tatbestand und die Verschiebung eines Teststarts ist auch keine Niederlage. Es handelt sich um eine neue Technologie und das BE-4, das ja zeitgleich entwickelt wurde, ist auch noch nicht einsatzf&auml;hig, der Jungfernflug der Vulcan wurde mehrfach verschoben.<\/p>\n<p>Die bisherige Vorgehensweise, bei der alles quergecheckt wird und jeder m&ouml;gliche Fall bei der Entwicklung und Produktion ber&uuml;cksichtigt wird, mag zwar teurere Raketen produzieren, aber diese haben dann weit weniger versteckte M&auml;ngel. Denn mit dieser Vorgehensweise werden nur die Probleme adressiert, die bis dahin aufgetreten sind. Die Falcon 9, die mit Amos 6 auf dem Startplatz explodierte, war die 29 Falcon 9! Also trat dieser versteckte Fehler erst nach 29 Eins&auml;tzen auf und die Falcon 9 ist im Vergleich zum Starship eine eingef&uuml;hrte und erprobte Technologie.<\/p>\n<p>Meiner Ansicht nach geht dies direkt auf Elon Musk zur&uuml;ck, denn der fiel ja schon in der Vergangenheit dadurch auf, das er den Sinn von woanders normalen System bezweifelte. Die Natur dieses Mannes der v&ouml;llig antirealistische Vorstellungen von Zeitpl&auml;nen hat (dieser Testflug sollte eigentlich schon im Fr&uuml;hjahr 2020 erfolgen) hat und meint alle sollten mehr arbeiten als vertraglich ausgemacht ziehen nat&uuml;rlich auch nicht die Leute an die hochqualifiziert sind und ihr Geld woanders mit weniger Arbeit verdienen k&ouml;nnen. Einige Berichte deuten darauf hin, dass Praktikanten in der SpaceX-Zentrale in Hawthorne, Kalifornien, 80-Stunden-Wochen f&uuml;r 22 Dollar <a href=\"https:\/\/www.businessinsider.de\/karriere\/bewerbung\/wenn-ihr-fuer-elon-musk-arbeiten-wollt-muesst-ihr-diese-fragen-beantworten-2018-2\/\">pro Stunde arbeiten<\/a>. Es gibt auch Berichte &uuml;ber ungew&ouml;hnliche Arbeitszeiteinteilungen, wie zum Beispiel 12-Stunden-Schichten und 7 Schichten in zwei Wochen.<\/p>\n<p>Wie der Milliard&auml;r Yusaku Maezawa mit einem so unreifen Gef&auml;hrt angesichts der bisherigen Liste von Fehlschl&auml;gen noch 2024 zum Mond fliegen will und die NASA 2025 sogar Astronauten auf dem Mond landen will, ist mir ein R&auml;tsel.<\/p>\n<p>F&uuml;r euch sicher interessant: Eine Analyse des <a href=\"https:\/\/elib.dlr.de\/188531\/1\/HiSST-2022_Critical_Analysis_of_SpaceX%27s_Next_Generation_Space_Transportation_System_Starship_and_Super_Heavy.pdf\">DLR des Starships<\/a>. Sie kommen im wesentlichen auf die gleichen Ergebnisse wie ich, liegen in der Nutzlast sogar noch niedriger als meine Simulation (allerdings habe ich auch 175 und nicht 270 t Trockenmasse f&uuml;r den Superbooster angenommen). Sollten wir beide recht behalten, dann hat SpaceX ein Problem wenn das Starship schwerer wird \u2013 der Hitzeschutzschild ist ja noch nicht mal erprobt und auch das Space Shuttle wurde deutlich schwerer als geplant.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_16744\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"16744\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Der letzte, so katastrophal gescheiterte Teststart bringt mich zu einem Grundsatzthema bei SpaceX, n&auml;mlich ihrer Vorgehensweise. 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