{"id":168,"date":"2008-05-28T10:50:20","date_gmt":"2008-05-28T08:50:20","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=168"},"modified":"2008-05-28T10:51:03","modified_gmt":"2008-05-28T08:51:03","slug":"mars-und-statistiken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2008\/05\/28\/mars-und-statistiken\/","title":{"rendered":"Mars und Statistiken"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich kann es nicht mehr h&ouml;ren: Die Benutzung von Statistiken bei der NASA  \tum ein Risiko vorzut&auml;uschen das es in Wirklichkeit nicht gibt. Ich rede von  \tden gescheiterten Marsmissionen die von der NASA aus dem Hut gezaubert  \twerden wenn es um Publicity geht. So auch bei der Landung des Phoenix Mars  \tScout am Sonntag\/Montag (je nachdem auf welcher Seit der erde sie ich  \tbefinden). Ich war mir sicher, das Phoenix erfolgreich landen wird. Warum  \tauch nicht? Es gibt eine Reihe von Gr&uuml;nden warum dem so ist:<\/p>\n<p>Phoenix verwendet die gleiche Landestrategie wie der Mars polar Lander  \taber auch Viking. Diese ist erprobt und sicherer als das Verwenden von  \tAirbags.&nbsp; Nachdem der Mars Polar Lander bei der Landung verloren ging.  \tMan darf sich sicher sein, dass dieser Teil der Mission seitdem ganz genau  \tdurchgecheckt wurde.<\/p>\n<p>Anders als beim Climate Orbiter hat man die Bahn genauestens vermessen.  \tEs ist also sehr unwahrscheinlich, dass man den Eintrittskorridor&nbsp;  \tverpasst. . Bleibt noch als Unsicherheitsfaktor die Landestelle: Als Mars  \t2+3 landeten gab es keinerlei Informationen &uuml;ber die Landestelle. Die Sonden  \tlandeten denn auch in einem Gebiet das man heute als unwegsam und zu riskant  \tansehen w&uuml;rde. Doch Phoenix profitiert von der leistungsf&auml;higsten Kamera an  \tBord einer Planetensonde. Die Kamera HiRISE kann aufnahmen mit einer  \tAufl&ouml;sung von 0.35 m pro Pixel anfertigen &#8211; Damit ist man unterhalb der  \tGrenze ab der Ein Stein dem Lander gef&auml;hrlich werden w&uuml;rde, indem er ihn zum  \tUmfallen bringt.<\/p>\n<p>Doch reden wir einmal Klartext: Wie sieht es wirklich mit den Erfolgen  \taus? Nun vor allem bei den russischen Raumsonden isst es schwierig.  \tInzwischen gibt es aber Informationen &uuml;ber die wissenschaftlichen Zeile und  \tgemessen an dienen war keine erfolgreich. Am besten schnitt noch Mars 5 ab,  \twelcher 3 Monate im Mars Orbit arbeiten sollte aber nach einigen Wochen  \tausfiel. Nach Nationen aufgeteilt sieht die Bilanz so aus:<\/p>\n<table>\n<tr>\n<th>Nation<\/th>\n<th>Starts<\/th>\n<th>erfolgreich<\/th>\n<th>Erfolgsquote<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>UdSSR<\/td>\n<td>18<\/td>\n<td>0<\/td>\n<td>0 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>USA<\/td>\n<td>17<\/td>\n<td>12<\/td>\n<td>70.5 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>ESA<\/td>\n<td>1<\/td>\n<td>1<\/td>\n<td>100 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Japan<\/td>\n<td>1<\/td>\n<td>0<\/td>\n<td>0 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Gesamt<\/td>\n<td>37<\/td>\n<td>13<\/td>\n<td>35.1 %<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<p>Schon dieses Beispiel zeigt also wie man eine Statistik zu seinen eigenen  \tGunsten interpretieren kann. W&auml;hrend die USA also eine Erfolgschance von  \t&uuml;ber 70 % aufweisen k&ouml;nnen, liegt sie bei allen Missionen bei der H&auml;lfte.  \tMan kann dies noch weiter aufteilen, z.B. nach Jahrzehnten, doch wird es  \tdann immer sinnloser, weil es z.b. den 80 er Jahren nur zwei Missionen gab.  \tEs fehlt dann eigentlich die statistische Grundlage &#8211; eine ausreichend hohe  \tZahl an Werten.<\/p>\n<p>Vor allem &#8211; und das wei&szlig; die NASA selbst besser &#8211; geht es ja nicht um die  \tZahl alleine, sondern hinter jedem Scheitern (aber auch jedem Erfolg) steckt  \tein Grund. Bei den US Verlusten gibt es z.B. folgende Ursachen:<\/p>\n<ul>\n<li>2 Verluste durch Versagen der Tr&auml;gerrakete<\/li>\n<li>1 Verlust durch Ausfall eines technischen Bauteils<\/li>\n<li>2 Verluste durch fehlende Qualit&auml;tssicherung, mangelnde Kontrolle,  \t\tzu wenige Tests.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nachdem Phoenix auf dem Weg war, konnte man Fehlerquelle 1 ausschlie&szlig;en.  \tDer Verlust von 2 Missionen 1998\/99 durch zu geringe Finanzierung und  \tfehlende Tests auf der Erde und beim Flug hat zu einer Ver&auml;nderung der  \tPolitik bei Planetenmission gef&uuml;hrt &#8211; Phoenix kostet 3 mal mehr als die  \tRaumsonde die er war als er 2001 eingelagert wurde.<\/p>\n<p>In der Raumfahrt gibt es viele Statistiken und manchmal wird man an den  \tSpruch &quot;L&uuml;gen, Verdammte L&uuml;gen und Statistiken&quot; erinnert. Warum? Nun zum  \teinen hapert&nbsp; es bei den meisten Statistiken an der Grundvoraussetzung:  \tDem Gesetzt der gro&szlig;en Zahl. Eine Erfolgsstatistik f&uuml;r eine Rakete mit 10  \tStarts aufzustellen ist m&ouml;glich aber nur bedingt aussagekr&auml;ftig. Noch  \tschlimmer ist das gezielte Manipulieren von Statistiken. so vermeldete vor  \teiniger Zeit Lockheed Martin, das die Atlas die Ariane 4 geschlagen habe,  \tgemessen an der Anzahl der erfolgreichen Starts in Folge. Ariane konnte bis  \tzur Ausmusterung 78 davon aufweisen. Das ganze hat nur einen Haken: Es ist  \teine Statistik &uuml;ber die Atlas 2,3 und V. Das sind aber technologisch  \tunterschiedliche Raketen, bei denen z.b. bei dem &Uuml;bergang von der Atlas II  \tzur III der Erststufenantrieb ausgetauscht wurde und bei der Atlas V neue  \tBooster und andere Abmessungen bei der Rakete eingef&uuml;hrt wurde. Der  \tVergleich macht so &uuml;berhaupt keinen Sinn. Doch wen k&uuml;mmert das schon?<\/p>\n<p>Zuletzt noch zu einem meiner Lieblingsthemen: Der Verflachung von  \tFernsehen, insbesondere Wissenschaft im Fernsehen. Da lief am Montag auf 3  \tSat eine Dokumentation &uuml;ber den Jupitermond Europa und Pl&auml;ne f&uuml;r eine  \tLandemisssion. An und f&uuml;r sich interessant, doch haben sich die Produzenten  \tin meinen Augen selbst disqualifiziert: Sie haben eine US Produktion  \tgenommen und synchronisiert. Das isst nichts schlimmes, wenn man etwas davon  \tversteht oder vielleicht nur englisch versteht oder wenn man kein englisch  \tversteht vielleicht lesen kann. So musste ich aber w&auml;hrend des ganzen  \tBeitrags von einem Jupitermond namens &quot;Juuurowpah&quot; h&ouml;ren. Wie dumm muss man  \tdenn sein, wenn man dieses Wort mehrmals pro Minute in englisch ausspricht ?  \tEs steht zwar nicht im Titel &quot;J<a href=\"http:\/\/www.3sat.de\/hitec.html\">upiters  \tgeheimnisvoller Eismond<\/a>&quot; aber in der Beschreibung und bestimmt auch im  \tTransskript das man &uuml;bersetzten musste. Sollte da nicht der Groschen fallen,  \tdas Jupiters Mond Europa nach derselben Sagengestalt benannt wurde wie unser  \tKontinent. Wenn nicht, sollte man vielleicht das Wissen anwenden, dass man  \tin Deutsch identisch geschriebene W&ouml;rter gleich ausspricht? Bei Jupiter  \thaben sie ja auch die deutsche und nicht englische Sprechweise &quot;Juowpidder&quot;  \tgenommen.<\/p>\n<p>Hitec hielt ich bislang f&uuml;r eine der besseren 3SAT Produktionen, doch ich  \tmuss wohl das revidieren<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich kann es nicht mehr h&ouml;ren: Die Benutzung von Statistiken bei der NASA um ein Risiko vorzut&auml;uschen das es in Wirklichkeit nicht gibt. Ich rede von den gescheiterten Marsmissionen die von der NASA aus dem Hut gezaubert werden wenn es um Publicity geht. 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