{"id":1708,"date":"2009-08-25T14:10:02","date_gmt":"2009-08-25T12:10:02","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=1708"},"modified":"2009-08-25T14:10:02","modified_gmt":"2009-08-25T12:10:02","slug":"voyager-2-bei-neptun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2009\/08\/25\/voyager-2-bei-neptun\/","title":{"rendered":"Voyager 2 bei Neptun"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"http:\/\/voyager.jpl.nasa.gov\/science\/images\/neptune3.jpg\" alt=\"Triton &uuml;ber Neptun\" width=\"581\" height=\"573\" \/>Heute vor 20 Jahren passierte Voyager 2 den letzten Gasriesen, Neptun. Damit ging eines der anspruchsvollsten und l&auml;ngsten Weltraumabenteuer zu Ende. Ich glaube die wenigsten Beteiligten haben tats&auml;chlich beim Start daran geglaubt, das Voyager bei Neptun noch aktiv sein sollte. Dazu etwas Vorgeschichte: Schon Mitte der 60 er Jahre wusste das JPL, das zwischen 1976 und 1979 alle &auml;u&szlig;eren Planeten im selben Raumsektor standen, so dass eine Raumsonde ohne gr&ouml;&szlig;ere Zeitverluste alle nacheinander besuchen konnte, So wurde ein gr&ouml;&szlig;eres Program, namens TOPS aus der Taufe gehoben, das rund 750 Millionen Dollar kosten. Doch TOPS war der NASA zu teuer und so genehmigte sie nur den Bau der beiden Voyager, die rund die H&auml;lfte davon kosten sollten. Die Einsparungen kamen neben der Anzahl der Sonden vor allem durch die geforderte Lebensdauer zustande. Voyager sollten f&uuml;r 5 Jahre Betrieb ausgelegt werden &#8211; genug um den Saturn anzufliegen. Es wurden wie damals &uuml;blich (um Fehlstarts oder einen fr&uuml;hzeitigen Ausfall abzufangen) zwei Sonden gebaut. Voyager 1 hatte die prim&auml;ren Missionsziele zu erf&uuml;llen. Voyager 2 konnte bei Verlust von Voyager 1 diese nachholen (im Falle von Saturn war daf&uuml;r eine gr&ouml;&szlig;ere Kurskorrektur notwendig um Titan zu erreichen). Bei einem erfolgreichen Verlauf konnte Voyager 2 Dinge genauer untersuchen, die Monate vorher bei Voyager 1 aufgefallen waren und andere Monde in der N&auml;he passieren, die Voyager 1 nur aus gr&ouml;&szlig;erer Distanz aufnahm. Dies nutzte man aus um die Jupiter und Saturnmonde zwischen beiden Raumsonden aufzuteilen.<\/p>\n<p>Voyager 2 hatte aber auch einen Kurs der sie zu Uranus und Neptun f&uuml;hrte. Voyager 1 konnte nach Saturn keinen Planeten mehr passieren, weil die nahe Titanpassage eine Saturnpassage n&auml;her am Pol n&ouml;tig machte und die Sonde so aus der Ekliptik herausgeschleudert wurde. Das JPL schlug noch w&auml;hrend der Entwicklung vor, eine weitere Sonde zu bauen, die recht preiswert sein w&uuml;rde, da ja die Entwicklungskosten wegfielen. Sie w&auml;re 1979 gestartet und h&auml;tte Jupiter 1981 und Uranus schon 1985 passiert, weil die Route k&uuml;rzer war. Es gab ein fast fertiges Flugexemplar und Kopien der Instrumente, die sp&auml;ter auf anderen Missionen zum Einsatz kamen (Magellan, Stardust, Galileo), und das Entwicklungsteam h&auml;tte nur die Sonde fertig stellen m&uuml;ssen. Doch der NASA waren die Kosten f&uuml;r Start und Missions&uuml;berwachung zu hoch. Woran damals keiner dachte, was aber sicher auch interessant gewesen w&auml;re, w&auml;re die Route Jupiter-Saturn-Pluto, der bei einem Start im September 1977 im Februar-September 1986 erreicht werden w&uuml;rde.<!--more--><\/p>\n<p>Als Voyager 2 Neptun erreichte war sie schon 12 Jahre alt &#8211; mehr als die doppelte geplante Betriebszeit. Vor der Uranuspassage wurden viele Systeme der Sonde umprogrammiert um mit den ge&auml;nderten Bedingungen besser klar zu kommen. Dies waren weitaus weniger Licht und niedrigere Datenrate. Der Bordcomputer erhielt einen einfachen Kompressionsalgorithmus. Bei Neptun wurden viele Techniken noch verbessert. So lieferte die Sonde trotz der gr&ouml;&szlig;eren Entfernung noch mehr Bilder als bei Uranus: Rund 9000 anstatt 6000. Dabei waren diese auch interessanter: Uranus hatte eine hohe Wolkendecke aus Smog, die keinerlei Details im sichtbaren Licht zeigte. Nur im Nahen Infrarot ist sie durchsichtig, doch f&uuml;r diese Wellenl&auml;ngen waren die Videocon Kameras von Voyager nicht empfindlich. Neptun dagegen zeigte Wirbel, Wolken und einen gro&szlig;en wei&szlig;en Fleck, vergleichbar dem gro&szlig;en Fleck von Jupiter. Er war schon auf den ersten Bildern mehrere Monate vor dem Vorbeiflug sichtbar.<\/p>\n<p>Ganz anders als bei den anderen Planeten verliefen die Beobachtungen der Monde. Neptun hatte nur zwei bekannte Monde vor dem Vorbeiflug: Nereid, der sich in gro&szlig;er Distanz von Neptun befand und den Voyager nicht aus der N&auml;he w&uuml;rde untersuchen k&ouml;nnen und Triton auf einer Retrograden und geneigten Umlaufbahn (der einzige retrograden und geneigten so nahe am Planeten). Damit ihn die Sonde im Detail untersuchen konnte musste sie sehr nahe an Neptun heran. Es gab im Vorfeld viele Diskussionen &uuml;ber die beste Route. Vor allem weil man bef&uuml;rchtete die Sonde k&ouml;nnte durch auf Fotos nicht sichtbare, aber vorhandene, d&uuml;nne Ringe zerst&ouml;rt werden die man bei der Distanz vermutete wo man die optimale Passagedistanz zu Triton erhielt. Schlie&szlig;lich einigte man sich auf einen Kompromiss und Voyager w&uuml;rde Triton in sicheren, aber noch recht nahen 40.000 km passieren. Dort ging man auch auf Nummer sicher und sendete die Aufnahmen direkt &#8211; m&ouml;glich w&auml;re auch das Speichern von 100 Aufnahmen auf Band gewesen, So gibt es nur rund 48 Aufnahmen von Triton aus naher Distanz. Es h&auml;tten etwa 130 mit dem Bandrekorder sein k&ouml;nnen. Doch diese waren sensationell: Auf einem Mond der so kalt ist, das Stickstoff fl&uuml;ssig ist gibt es aktive Geologie, kaum Krater, daf&uuml;r runzeliges Gel&auml;nde, verwehte Fahnen von &#8211; wie sich bei sp&auml;teren Auswertungen herausstellte aktiven Geysiren, die fl&uuml;ssigen Stickstoff aussto&szlig;en.<\/p>\n<p>Nirgendwo im Sonnensystem wird es langweilig &#8211; das ist vielleicht eine Erkenntnis die Voyager 2 uns lieferte. Beide Sonden sind noch aktiv. Voyager 1 befindet sich derzeit in 16577 Millionen km Entfernung von der Erde und in 13446 Millionen km Entfernung. Sie sind seit 32 Jahren aktiv und sollen nach Planungen der NASA mindestens bis 2020, wahrscheinlich aber bis 205 weiter betrieben werden &#8211; mehr als 50 Jahre. Schon heute sind sie die am l&auml;ngsten aktivsten Raumsonden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute vor 20 Jahren passierte Voyager 2 den letzten Gasriesen, Neptun. Damit ging eines der anspruchsvollsten und l&auml;ngsten Weltraumabenteuer zu Ende. Ich glaube die wenigsten Beteiligten haben tats&auml;chlich beim Start daran geglaubt, das Voyager bei Neptun noch aktiv sein sollte. 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