{"id":1716,"date":"2009-08-28T12:36:32","date_gmt":"2009-08-28T10:36:32","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=1716"},"modified":"2009-08-28T12:36:32","modified_gmt":"2009-08-28T10:36:32","slug":"anstatt-einem-deutschen-mars-und-mondprogramm-ab-zur-venus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2009\/08\/28\/anstatt-einem-deutschen-mars-und-mondprogramm-ab-zur-venus\/","title":{"rendered":"Anstatt einem deutschen Mars und Mondprogramm &#8211; ab zur Venus"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem ich schon mal meine Idee f&uuml;r einen Mondorbiter skizziert habe, der auf vorhandener Technik basiert und bezahlbar ist, nun das Gegenst&uuml;ck zur Venus. Zuerst einmal: Warum zur Venus und nicht zum Mars? Der Mars ist doch en Vogue, seit 1997 verging kein Startfenster bei dem nicht eine oder mehrere Sonden starteten und auch dieses Jahr ist Phobos-Grunt angesetzt, Der Grund: gerade Deswegen. Ein Orbiter und ein Lander mit ausgekl&uuml;gelten Instrumenten folgte dem n&auml;chsten. Wenn man dies toppen will, so bleibt einem nur eine hohe Investition in neue Instrumente oder man spezialisiert sich auf etwas, was noch nicht so erforscht ist: Die Russen zum Beispiel auf Phobos. Doch das wird auch weniger. So wird der n&auml;chste Orbiter die bislang etwas stiefm&uuml;tterliche untersuchte Umgebung von Mars, das Magnetfeld, die Interaktion mit dem Sonnenwind genauer erforschen.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite ist da die Venus. Nach Venera 16 im Jahre 1984 ist Venus Express die erste Mission an welche die Venus umkreist. Es soll 2010 Planet-C von Japan folgen, mit mehreren Kameras,. Die Venus ist dabei ideal f&uuml;r die deutschen Erfahrungen mit Radar. Also warum nicht einen Radar-.Aufkl&auml;rer zur Venus zu schicken. Um die Kosten gering zu halten habe ich mich hier auf einen SARLupe Satelliten beschr&auml;nkt, er ist leichter als TerraSAR. Genauere Daten sind wegen der milit&auml;rischen Natur nicht bekannt, doch sein Radar soll auch 1 m Aufl&ouml;sung erreichen, nur scheint die Aufnahmekapazit&auml;t beschr&auml;nkt zu sein. Das ist wegen der geringeren Datenrate zur Erde aber kein Problem.<\/p>\n<p>Der Start soll mit einer Sojus STK erfolgen. Zuerst in einen elliptischen Orbit und von da aus dann in den endg&uuml;ltigen Orbit mittels Ionentriebwerken erreichen (Aerobraking w&auml;re auch m&ouml;glich, aber Ionentreibwerke sind einfacher zu berechnen).<!--more--><\/p>\n<h3>Missionszenario:<\/h3>\n<p>Die Sonde startet von der Erde zur Venus auf einer energiearmen Hohmannbahn. An der Venus angekommen, bremst sie in einen hochelliptischen Orbit (v=1.100 m\/s, 200 x 66.000 km). Dann bremst er &uuml;ber drei Venusjahre (678 Tage) ab. In dieser Zeit kann eine Fernerkundung der Venusoberfl&auml;che mit Kameras erfolgen und die Plasmaumgebung der Venus erkundet werden. Danach beginnt die Radarkartierung die f&uuml;r drei Erdjahre angesetzt wird. Ziel ist keine vollst&auml;ndige Kartierung, sondern das Anfertigen von hochaufl&ouml;senden Aufnahmen kleiner Gebiete.<\/p>\n<p>Startmasse in der GTO Umlaufbahn: 3280 kg. Bei v=2300 m\/s um zur Venus zu kommen ergibt sich bei einem spezifischen Impuls von 3187 m\/s eine Masse im Venusorbit von 1593 kg. Davon entfallen rund 241 kg auf das Antriebssystem. So bleiben rund 1352 kg f&uuml;r den Orbiter, Experimente und vor allem den Ionenantrieb.<\/p>\n<p>Der ionenantrieb muss rund 3000 m\/s abbauen und ben&ouml;tigt dazu 142 kg Treibstoff. Bei 678 Tagen Brennzeit und Einsatz eines RIT 35L Triebwerkes wird eine Betriebsdauer von 10 Stunden pro Tag ben&ouml;tigt. Das RIT-35L ist also geeignet daf&uuml;r (es w&uuml;rde auch das &auml;ltere RIT-35 reichen, dann 12 Stunden pro Tag. Auch das ist m&ouml;glich und w&uuml;rde den Strombedarf von 4450 auf 3200 Watt senken). Gehen wir von 3200 Watt aus, so ben&ouml;tigt man bei der Venus bei 20 % Wirkungsgrad rund 6-7 m? zus&auml;tzliche Fl&auml;che, die etwa 40 kg Gewicht ausmachen. Dazu kommt noch das Triebwerk selbst mit 10 kg Gewicht, der Spannungskonverter und die Tanks von 45 kg Gewicht (Xenon als Gas geht nur in schweren Drucktanks). Zusammen macht das Ionenantriebssystem so rund 250 kg mit den Solarzellen aus.<\/p>\n<p>Das l&auml;sst dann noch 1100 kg f&uuml;r den Orbiter, Experimente und die n&ouml;tige Hochgewinnantenne &uuml;brig. Da jeder SARLupe Satellit nur 720 kg wiegt, gibt es hier viel Spielraum. Auf meiner Priorit&auml;tenliste ganz oben w&auml;re eine 3 m gro&szlig;e Parabolantenne und ein 1900 Watt Sender (Strom gibt es mehr als reichlich, da nach Ende des Betriebs des Ionenantriebs 3,2 kW elektrische Leistung zur Verf&uuml;gung stehen). Dies soll 150 kg wiegen. (Ein 1.900 W\/2.500 TWT Verst&auml;rker wiegt rund 64 kg) Sie erreicht eine Datenrate von minimal 2.450 kBit im X-Band und im Mittel 5.000 MBit\/s. Dazu braucht man noch Batterien um den Strom zwischen zu speichern. Zusammen kommt man so auf 170 kg Zusatzgewicht verglichen mit dem SARLupe. Das l&auml;sst rund 210 kg f&uuml;r Experimente &uuml;brig &#8211; mehr als das doppelte Gewicht der Venus Express Experimente.<\/p>\n<p>Das Radar soll die meisten Daten liefern. Nach den Daten von TerraSAR-X entfallen pro Bildpunkt rund 100 Bits. In drei Jahren k&ouml;nnte so bei 100 % &Uuml;berlappung der Streifen und 2 MBit Datenrate \/ 6 Stunden Sendezeit pro Tag eine Kartierung auf 45 m zu. Das ist nicht viel besser als bei Magellan. Daher habe ich zwei Ideen f&uuml;r die Mission:<\/p>\n<ul>\n<li>Man beschr&auml;nkt sich auf kleine Gebiete und nimmt diese dann wirklich in hoher Aufl&ouml;sung auf.<\/li>\n<li>Man weicht auf Ka Band aus. Bei vierfach h&ouml;herer Frequenz resultiert auch eine vierfach h&ouml;here Aufl&ouml;sung und so w&auml;ren 12 m Aufl&ouml;sung m&ouml;glich.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Andere Experimente w&auml;ren:<\/p>\n<ul>\n<li>W&auml;hrend der ersten Orbitphase von rund 2 Jahren dauern: Magnetfelduntersuchungen, Teilchenuntersuchungen \/ Plasmauntersuchungen und direkte Untersuchungen der oberen Atmosph&auml;re durch ein Massenspektrometer<\/li>\n<li>W&auml;hrend der ganzen Zeit: Kameras im UV Bereich und verschiedenen IR Spektralbereichen.<\/li>\n<li>IR Spektrometer<\/li>\n<li>abbildende IR Spektrometer<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Bodensegment<\/h3>\n<p>Nat&uuml;rlich wird eine Empfangsantenne ben&ouml;tigt. Sinnvoll ist es sich in das ESA Bodennetzwerk einzubinden. Derzeit wird eine dritte Antenne in S&uuml;damerika gebaut. Ein vierte Antenne, von Deutschland finanziert, sollte dieses erg&auml;nzen und im Gegenzug dann auch den Zugriff auf die anderen Antennen erlauben. Daher sollte der Ort zwischen den bisherigen drei (Spanien, Argentinien, Ostaustralien) liegen und f&uuml;r den Empfang im Ka Band an einem trockenen Ort. Mir fallen spontan da W&uuml;stengebiete (Namib, arabische Halbinsel) und Hawaii ein, wobei ich wohl den &ouml;stlichen Teil der arabischen Halbinsel bevorzugen w&uuml;rde, es reduziert die recht gro&szlig;e Distanz von Australien zu Spanien und ist recht nahe von Deutschland aus. Eine neue Bodenstation m&uuml;sste rund 40 Millionen Euro kosten, hochgerechnet von den 35 Millionen f&uuml;r New Norica Station von 2003.<\/p>\n<h3>Kostenabsch&auml;tzung<\/h3>\n<ul>\n<li>Das sind 40 Millionen f&uuml;r das Bodensegment<\/li>\n<li>50 Millionen f&uuml;r die Missions&uuml;berwachung &uuml;ber 5 Jahre<\/li>\n<li>60 Millionen Euro f&uuml;r den Satelliten<\/li>\n<li>35 Millionen f&uuml;r den Sojus STK Start<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das sind dann ohne zus&auml;tzliche Experimente und Modifikationen rund 185 Millionen Euro. Es sollte es also m&ouml;glich sein f&uuml;r rund 250 Millionen Euro die Mission durchf&uuml;hren zu k&ouml;nnen. Zusammen mit dem Mondorbiter w&auml;ren das dann rund 400 Millionen verballert &#8211; das l&auml;sst noch einiges f&uuml;r andere Missionen offen, vielleicht gehe ich als n&auml;chstes mal den Mars an, denn es soll ja ein deutsches Mond- und Marsprogramm werden&#8230;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem ich schon mal meine Idee f&uuml;r einen Mondorbiter skizziert habe, der auf vorhandener Technik basiert und bezahlbar ist, nun das Gegenst&uuml;ck zur Venus. Zuerst einmal: Warum zur Venus und nicht zum Mars? 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