{"id":17232,"date":"2023-12-28T10:40:48","date_gmt":"2023-12-28T09:40:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=17232"},"modified":"2023-12-28T10:40:48","modified_gmt":"2023-12-28T09:40:48","slug":"gibt-es-eine-maximalgroesse-fuer-raketen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2023\/12\/28\/gibt-es-eine-maximalgroesse-fuer-raketen\/","title":{"rendered":"Gibt es eine Maximalgr&ouml;&szlig;e f&uuml;r Raketen?"},"content":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_17232\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"17232\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Eine interessante Frage, die ich in diesem kleinen Artikel n&auml;her beleuchten will. Wenn ich von einer Maximalgr&ouml;&szlig;e rede, dann sind hier mit fl&uuml;ssigen Treibstoffen angetriebene Raketen gemeint, auch wenn man einige Erkenntnisse auch auf mit festen Treibstoffen arbeitende Rakete &uuml;bertragen kann.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/4955b51f9abc4beabc0b59bce7a8859d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><br \/>\nBisher gibt es ja nur drei Raketen, die sich in der Gr&ouml;&szlig;e deutlich von anderen Typen abheben, sagen wir mal mit einer Startmasse &uuml;ber 1.000 t. Das sind die Saturn V und das <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/hercules.shtml\">sowjetische Gegenst&uuml;ck N-1<\/a> aus den Sechziger Jahren und als neueres Muster die Kombination Superheavy \/ Starship. Das ist nat&uuml;rlich eine kleine Datenbasis zur Beurteilung, auch weil die Architekturen sehr unterschiedlich sind.<!--more--><\/p>\n<h4 class=\"western\">Maximale Triebwerksgr&ouml;&szlig;e<\/h4>\n<p>Interessanterweise gibt es wenige Informationen dar&uuml;ber, ob man Triebwerke beliebig gro&szlig; bauen kann. Von den drei obigen Typen sticht die Saturn V hervor, weil nur sie ein Triebwerk mit einem Schub von &uuml;ber 3.000 kN einsetzt. Das F-1 Triebwerk erreichte einen Schub von 6.806 kN auf Meeresh&ouml;he, dieser stieg im Vakuum auf 7.740 kN an. Demgegen&uuml;ber haben die Triebwerke NK-33 der N-1 einen Schub von 1.510 kN auf Meeresh&ouml;he, im Vakuum auf 1.690 kN ansteigend. Bei den Raptors ist die Datenlage d&uuml;rftig, der von Elon Musk angegebene Schub von 230 t entspricht 2.251 kN, er gilt wahrscheinlich f&uuml;r die Version ohne verl&auml;ngerte D&uuml;se und ist \u2013 weil der Wert h&ouml;her ist und damit ja angegeben werden soll \u2013 meiner Ansicht nach der Vakuumwert. Die Version mit verl&auml;ngerter D&uuml;se kann noch etwas h&ouml;her liegen, aber nicht viel.<\/p>\n<p>Denkt man an gro&szlig;e Triebwerke, so m&uuml;ssen auch die RD-170 (<a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/energija-buran.shtml\">Energija<\/a>) bzw. RD-171 (<a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/zenit.shtml\">Zenit<\/a>) erw&auml;hnt werden. Nominell ist ihr Schub noch h&ouml;her als der des F-1, aber sie setzen vier Brennkammern ein, die von einem gemeinsamen Treibstofff&ouml;rdersystem gespeist werden, sind also konstruktiv nicht mit dem F-1 vergleichbar.<\/p>\n<p>In einem <a href=\"https:\/\/amzn.to\/3NDWzOk\">Buch aus den Sechziger Jahren &uuml;ber die Zukunft der Raumfahrt<\/a> fand ich den Passus, das man Triebwerke mit maximal 20.000 kN Schub entwickeln k&ouml;nne, also etwa dreimal so viel wie das F-1. Offen blieb ob dies nur eine praktische oder eine theoretische Grenze ist. Vom Aufbauprinzip m&uuml;sste man ein Triebwerk weiter hoch-skalieren k&ouml;nnen. Die Grenze d&uuml;rfte eher die Praxis setzen. Ein F-1 ist 5,60 m hoch mit einem maximalen Durchmesser von 3,64 m. Es gibt beeindruckende Fotos vom Heck der Saturn V mit den Triebwerken. So dieses wo Werher von Braun vor dem Heck posiert oder Arbeiter an den Triebwerken arbeiten und wie Zwerge wirken. Es ist daher wahrscheinlich, dass es eine praktische Maximalgr&ouml;&szlig;e gibt, ab der einfach die Fertigung zu aufwendig wird.<\/p>\n<h4 class=\"western\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/img\/f1.jpeg\" width=\"486\" height=\"600\" \/>Die Produktion<\/h4>\n<p>Das leitet mich &uuml;ber zu dem n&auml;chsten Punkt. Der Herstellung der Rakete bzw. ihrer Stufen. Rein technisch k&ouml;nnen die durchaus gr&ouml;&szlig;er werden. Tanks gibt es auch woanders und da sind Tanks in der petrochemischen Industrie nicht nur ein bisschen sondern deutlich gr&ouml;&szlig;er als die von Raketen. Die Triebwerke werden in Ger&uuml;sten eingespannt, die es auch in anderen technischen Bereichen wie Br&uuml;cken gibt. Hydrauliken zum Schwenken bewegen woanders deutlich h&ouml;here Massen, sind also auch nicht kritisch. Eine komplett andere Frage ist die Wirtschaftlichkeit. Man ben&ouml;tigt f&uuml;r gro&szlig;e Raketen auch gro&szlig;e Geb&auml;ude, in denen die Stufen zusammengesetzt werden. Die USA haben genau eine Fabrik f&uuml;r diesen Zweck. Dort wurden die Saturn Erststufen gebaut, dann die Tanks des Space Shuttle und nun die Zentralstufe der SLS. Das Michoud Assembly Building 1 f&uuml;r die Montage hat eine Grundfl&auml;che von 340 x 512 m und die Deckenh&ouml;he betr&auml;gt 12 m. So eine Fabrik ist nicht kosteng&uuml;nstig und je gr&ouml;&szlig;er die Rakete, um so teurer wird sie. Rein praktische Gr&uuml;nde d&uuml;rften hier eine Obergrenze setzen. Vielleicht ist dies auch ein Grund, warum SpaceX 9 m als durchg&auml;ngigen Durchmesser f&uuml;r das <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/StarShip-Super-Heavy.shtml\">Starship\/Superheavy<\/a> gew&auml;hlt hat. Immerhin spart sich SpaceX durch die Vor-Ort Produktion den Transport, der nat&uuml;rlich bei einer immer gr&ouml;&szlig;eren Stufe immer aufwendiger wird. Die S-1C Erst- und S-II Stufen der Saturn V waren so gro&szlig;, dass man sie nicht &uuml;ber Land oder per Flugzeug transportieren konnte. Sie wurden vom Michoud Building direkt auf ein Schiff verladen das sie dann nach Florida zum Startplatz brachte. Immerhin: Spezialschiffe f&uuml;r diesen Zweck k&ouml;nnen noch durchaus gr&ouml;&szlig;er sein.<\/p>\n<h4>Der Test und der Start<\/h4>\n<p>Jede Rakete muss ja auch getestet werden. Bei den <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/saturn5.shtml\">Saturn V<\/a> wurden sehr gro&szlig;e Investitionen in Testst&auml;nde get&auml;tigt, sodass eine S-IC Erststufe dort statisch getestet werden konnte. Jede S-IC durchlief vor dem Start auch einen Testlauf im heutigen Stennis Testcenter. Seitdem haben die USA Kapazit&auml;t abgebaut, heute haben sie keinen Teststand mehr, der die Schubkraft der Saturn V aufnehmen k&ouml;nnte.<\/p>\n<p>Eine Alternative ist es diese Tests zu sparen. Keine der obigen Raketen setzt nur ein Triebwerk, sondern f&uuml;nf (Saturn V), 30 (N-1) oder 33 (Starship) ein. Einzelne Triebwerke kann man so mit einem viel kleineren Teststand testen. Was so unbekannt ist, sind die Belastungen der die Stufe ausgesetzt ist, oder wie sich die Triebwerke gegenseitig beeinflussen. Jedes Triebwerk gibt Energie an die Umgebung ab und &uuml;bertr&auml;gt Vibrationen auf das Schubger&uuml;st und damit auch die anderen Triebwerke.<\/p>\n<p>Bei der N-1 versagte so bei vier Testfl&uuml;gen immer die erste Stufe Block A, da sie nie als Ganzes getestet war. Bei den ersten beiden Testfl&uuml;gen des Starships gab es auch Ausf&auml;lle von Triebwerken mit den Folgen des Kontrollverlusts oder der Sprengung durch das Selbstzerst&ouml;rungssystem. Das spricht daf&uuml;r, doch die komplette Stufe zu testen.<\/p>\n<p>Ebenso sind immer gr&ouml;&szlig;ere Investitionen in die Infrastruktur beim Startplatz n&ouml;tig. Wer einmal den Crawler der eine Saturn V zum Startplatz gefahren hat und bis heute f&uuml;r die SLS aktiv ist, gesehen hat oder im Flammenablenkschacht unter den Startrampen 39A und 39B stand, der kann erahnen das die USA Milliarden alleine in die Bodenanlagen im Kennedy Space Center steckten.<\/p>\n<p>Immerhin, das ist heute viel billiger. Firmen k&ouml;nnen auf ihrem eigenen Grund weitestgehend werkeln, ohne das ihnen jemand Vorschriften macht. Heute kann man Treibstofftanks direkt an die Startrampe bauen, muss erst, wenn man das Eigentum Dritter und die Umwelt gesch&auml;digt hat ein Flammend&auml;mpfungssystem installieren, kommt aber immer noch ohne den k&uuml;nstlichen H&uuml;gel mit dem Flammentunnel des Kennedy Space Centers aus.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Die Physik<\/h4>\n<p>Das grundlegende Problem das gro&szlig;e Raketen haben, habe ich mir zum Schluss aufgehoben, weil es im Grunde relativ einfach ist. Bei allen Stufen haben wir zylindrische oder kugelf&ouml;rmige Tanks. Vergr&ouml;&szlig;ere ich in einem Gedankenexperiment die Dimensionen einer Rakete in jeder Achse um den Faktor 2, so steigt das Volumen um den Faktor 8 also 2\u00b3. Die Oberfl&auml;che, an der ich aber die Triebwerke anbringe nur um den Faktor 4, also 2\u00b2.<\/p>\n<p>Ein Triebwerk expandiert aber die Abgase bis zu einem D&uuml;senm&uuml;ndungsdruck der bei rund 0.5 Bar liegt. Dividiert man den Schub durch diesen Druck (1 Bar = 100.000 N\/m\u00b2) so erh&auml;lt man die Fl&auml;che, die ein Triebwerk an der D&uuml;senm&uuml;ndung hat. Das F-1 Triebwerk wurde mit derselben Technologie wie sein Vorg&auml;nger H-1 entwickelt. Dieses hatte bei 912 kN Maximalschub einen Durchmesser von 121 cm. Das F-1 mit 8,5-fach h&ouml;herem Schub einen von 365 cm, das ist die 9,1-fache Fl&auml;che. Sie steigt also proportional an, da aber das Volumen der Tanks und damit das Gewicht des Treibstofftanks in der dritten Potenz ansteigt, w&auml;hrend die Fl&auml;che, die f&uuml;r die Montage der Triebwerke zur Verf&uuml;gung steht, nur quadratisch ansteigt, nehmen die Triebwerke einen immer gr&ouml;&szlig;eren Platz ein.<\/p>\n<p>Bei der Saturn V schauten die D&uuml;sen schon &uuml;ber den Durchmesser der Stufe heraus. Das mittlere Triebwerk war zudem nicht schwenkbar. &Uuml;ber diese Tricks kann man den maximal m&ouml;glichen Durchmesser noch steigern, aber viel gr&ouml;&szlig;er als die S-IC Erststufe der Saturn V geht es mit der Technologie nicht mehr.<\/p>\n<p>Die beiden anderen gro&szlig;en Raketen zeigen zwei L&ouml;sungsans&auml;tze. Die N-1 war nicht zylindrisch geformt, sondern spitzkegelig. Das hat Vorteile. So sind die Tanks in Kugelform und haben so das optimale Verh&auml;ltnis von Oberfl&auml;che zu Volumen. Der Durchmesser nimmt so auch \u201enat&uuml;rlich\u201c ab, denn die oberen Stufen sind ja kleiner. Das die Nutzlastspitze bei diesem Konzept einen nur geringen Durchmesser hat, ist bei dem Einsatzzweck als Mondrakete kein Nachteil, denn zum einen ist da die Nutzlast nur ein Bruchteil der LEO Nutzlast und zum anderen sind die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/sojus.shtml\">Sojus<\/a> und der Mondlander gemessen an ihrer Gr&ouml;&szlig;e sehr schwer, anders als Satelliten die sehr volumin&ouml;s sein k&ouml;nnen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/img\/n1-blocka.jpeg\" width=\"649\" height=\"409\" \/><\/p>\n<p>Das Starship hat dagegen f&uuml;r seine Gr&ouml;&szlig;e einen zu kleinen Durchmesser. W&uuml;rde sie dieselben Proportionen wie die S-IC Erststufe der Saturn V aufweisen, die Superheavy m&uuml;sste einen Durchmesser von 11,86 m haben. Der f&uuml;r die Gr&ouml;&szlig;e der Triebwerke wesentliche Schub ist sogar im Verh&auml;ltnis zur Masse noch gr&ouml;&szlig;er und wenn er als Basis dient, w&uuml;rde man die Stufe mit einem Durchmesser von 12,5 m bauen.<\/p>\n<p>Die L&ouml;sung ist es den Brennkammerdruck zu erh&ouml;hen. Die F-1 Triebwerke liefen bei einem schon zu ihrer Zeit niedrigen Brennkammerdruck von 69 Bar. F&uuml;r das Upgrade F-1A war vorgesehen, die Reserven auszunutzen und den Brennkammerdruck auf 80 Bar zu erh&ouml;hen. Viel weiter steigern kann man den Brennkammerdruck bei Nebenstromtriebwerken nicht, wenn man nicht andere Leistungsparameter verschlechtern will, weil dann ein immer gr&ouml;&szlig;erer Anteil des Treibstoffs nicht verbrannt wird sondern nur zur Treibstofff&ouml;rderung dient. Das Optimum liegt etwa bei 90 Bar. Russische Hauptstromtriebwerk,e die Kerosin und Sauerstoff verbrennen kommen dagegen schon auf 150 bis 270 Bar Brennkammerdruck. Da die D&uuml;senfl&auml;che bei einem gegebenen Schub linear von dem Brennkammerdruck abh&auml;ngt, senkt dies die Gr&ouml;&szlig;e des Triebwerks ab. So kommt die Superheavvy mit einem geringeren Durchmesser als die S-IC aus, obwohl sie den doppelten Startschub hat. Trotzdem zeigt ein Blick auf das Heck, das hier ein Eindpunkt erreicht ist, es gibt kaum noch Platz weitere Triebwerke unterzubringen, nur die inneren 13 Triebwerke sind schwenkbar, damit sind die Steuerungsm&ouml;glichkeiten deutlich eingeschr&auml;nkt, wie sich auch beim ersten Testflug zeigte.<\/p>\n<p>Warum diese Stufe einen so geringen Durchmesser hat, wissen wohl die Designer, denn es gibt auch bei der L&auml;nge ein Optimum. Bei zylindrischen Tanks hat man das beste Verh&auml;ltnis von Masse des Inhalts zur Tankmasse bei einer L&auml;nge, die dem zweifachen Durchmesser entspricht. So wird ein Tank, meist der Gr&ouml;&szlig;ere ausgelegt, das ist meint der Oxidatortank (Ausnahme: wenn Wasserstoff als Treibstoff eingesetzt wird. Der zweite Tank ist k&uuml;rzer. Rechnet man dann noch die Tankabschl&uuml;sse hinzu, die Triebwerksektion und den Stufenadapter so kommt man auf eine Stufenl&auml;nge, die dem f&uuml;nf bis sechsfachem Durchmesser entspricht. Schaut man sich Stufen an, die auf Gewicht optimiert sind, so findet man dieses Verh&auml;ltnis h&auml;ufig. Bei der Superheavy liegt es dagegen bei 7,7. Dabei sollte sie durch den Integraltank und die kurzen Hochdrucktriebwerke eher bei 5 liegen.<\/p>\n<p>Warum wei&szlig; wohl nur SpaceX. Eventuell sind lange Stufen besser, wenn eine Landung geplant ist, allerdings taugt die Falcon 9 Erststufe hier nicht als Vergleich, weil sie durch Verl&auml;ngerung aus einer k&uuml;rzeren Stufe hervorging. Eine zweite Erkl&auml;rung k&ouml;nnte es sein das man f&uuml;r das Starship das ja denselben Durchmesser hat, die optimalen Proportionen haben will.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/img\/superhravyraptor.jpg\" width=\"1321\" height=\"1136\" \/>Aber ich komme zur&uuml;ck zur Fragestellung: ja es gibt eine maximale Gr&ouml;&szlig;e f&uuml;r eine reine Serienrakete. Wie man am Heck der Superheavy sehen kann, ist diese Stufe schon an der Grenze. Eine Reduktion der Stufenl&auml;nge und Verbreiterung w&uuml;rde die Grenze noch etwas verschieben, ebenso senken des Schub&uuml;berschusses von 50 auf die &uuml;blichen 25 Prozent. Die weitere Erh&ouml;hung des Brennkammerdrucks ist dagegen kein Allheilmittel. Denn will man den Schub voll ausn&uuml;tzen so muss die D&uuml;senl&auml;nge mitwachsen. Das F-1 hatte bei 70 Bar ein Entspannungsverh&auml;ltnis von 16, was einem D&uuml;senm&uuml;ndungsdruck von 0,4 Bar entspricht. Beim Raptor ist das Entspannungsverh&auml;ltnis bei 250 Bar bei 35 (das Raptor 2 liegt darunter, leider ist der genaue Wert nicht bekannt, da der D&uuml;senhals erweitert wurde). Der D&uuml;senm&uuml;ndungsdruck nun schon 0,8 Bar. Steigert man den Brennkammerdruck weiter, ohne die D&uuml;se zu verl&auml;ngern so wird ein immer gr&ouml;&szlig;erer D&uuml;senm&uuml;ndungsdruck erreicht und ein immer gr&ouml;&szlig;erer Teil der Energie des Treibstoffs wird nicht genutzt. Bei 350 Bar, der Endausbaustufe sind es schon 1,2 Bar D&uuml;senm&uuml;ndungsdruck. Damit verliert es schon 11 kN Schub und noch wichtiger der spezifische Impuls sinkt um 30 m\/s. ab. Das Erh&ouml;hen des Brennkammerdrucks erh&ouml;ht die maximale Gr&ouml;&szlig;e einer Rakete, aber er ist keine endg&uuml;ltige L&ouml;sung.<\/p>\n<p>Die L&ouml;sung ist es, die Form umzugestalten. Wird die Rakete breiter, das muss ja nur an der Basis sein, so hat man den Platz f&uuml;r die Triebwerke, auf Kosten eines viel h&ouml;heren Luftwiderstands. Die f&uuml;r mich bessere L&ouml;sung ist es aber, eine Riesenrakete in mehrere mittelgro&szlig;e Raketen aufzuteilen <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2023\/12\/21\/artemis-so-geht-es-auch-ohne-sls\/\">(siehe letzter Blog)<\/a>. Selbst wenn man nicht die Nutzlast einer Schwerlastrakete mit mehreren mittelgro&szlig;en Raketen startet und erst im Orbit zusammensetzt, so kann man doch das B&uuml;ndelprinzip anwenden. Ersetzt man eine Erststufe durch eine Zentralstufe und sechs bauidentsiche Booster, so ist jede Stufe eben siebenmal kleiner. Als Nebeneffekt, kann man die zweite Stufe genauso bauen, nur mit etwas verl&auml;ngerten D&uuml;sen und auf die Zentralstufe aufsetzen. W&auml;re jede dieser insgesamt acht Stufen so schwer wie die Superheavy, so w&auml;ren rund 1.400 t Nutzlast m&ouml;glich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_17232\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"17232\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Eine interessante Frage, die ich in diesem kleinen Artikel n&auml;her beleuchten will. 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September 2025","format":false,"excerpt":"Nachdem \"SimonVR\" mich darauf aufmerksam gemacht hat, dass mein Falcon 9 Artikel sowie der \u00fcber die Entwicklung der Falcon 9 doch etwas abgehangen ist, denke ich, mache ich mal einen Blog dazu. Zuerst mal, worum es hier NICHT geht: n\u00e4mlich eine Einsatzgeschichte der Falcon 9. Ebenso habe ich die wirtschaftliche\u2026","rel":"","context":"In &quot;SpaceX&quot;","block_context":{"text":"SpaceX","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/spacex\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/8d7fcc876a9d4ed4b27890b8d59e8e87","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18396,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2025\/09\/19\/die-falcon-9-eine-nachlese-2\/","url_meta":{"origin":17232,"position":3},"title":"Die Falcon 9 \u2013 eine Nachlese (2)","author":"Bernd Leitenberger","date":"19. September 2025","format":false,"excerpt":"So und hier folgt der zweite Teil der Nachbetrachtung der Falcon 9, er schlie\u00dft an den ersten Teil von gestern an. Den ganzen Artikel gibt es auch auf der Website. Nutzlastverkleidung Ein einziges System wurde beim \u00dcbergang von der ersten zur heutigen Version kleiner: Die Nutzlastverkleidung wurde von 15,24 auf\u2026","rel":"","context":"In &quot;SpaceX&quot;","block_context":{"text":"SpaceX","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/spacex\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/56024d59119b4e4685580cdc237045c2","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18449,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2025\/10\/16\/das-v4-wirds-schon-richten-2\/","url_meta":{"origin":17232,"position":4},"title":"Das V4 wirds schon richten (2)","author":"Bernd Leitenberger","date":"16. Oktober 2025","format":false,"excerpt":"So, heute der zweite Teil des Artikels von gestern. Nachdenken hilft Bei den Vers-Sprechen von Elon Musk hilft Nachdenken. Ich habe in der Tabelle auch die Gesamttreibstoffmenge angegeben: Parameter Starship V1 (2023\/24) Starship V2 (2025) Starship V3 (2026-) Starship V4 Nutzlast (wiederverwendbar) 15 t 35 t 100+ t 200+ Gesamtmasse\u2026","rel":"","context":"In &quot;SpaceX&quot;","block_context":{"text":"SpaceX","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/spacex\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/d193ca8d21b14074b04b39cfcfcae20f","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18002,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2025\/03\/07\/nachlese-achter-teststart-starship-itf-8\/","url_meta":{"origin":17232,"position":5},"title":"Nachlese achter Teststart Starship ITF-8","author":"Bernd Leitenberger","date":"7. 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