{"id":17281,"date":"2024-01-27T08:42:06","date_gmt":"2024-01-27T07:42:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=17281"},"modified":"2024-02-03T08:31:25","modified_gmt":"2024-02-03T07:31:25","slug":"strontium-90-eine-alternative-zu-plutonium-238","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2024\/01\/27\/strontium-90-eine-alternative-zu-plutonium-238\/","title":{"rendered":"Strontium 90 \u2013 eine Alternative zu Plutonium 238?"},"content":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_17281\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"17281\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Auf den heutigen Artikel komme ich durch folgende Schlagzeile bei Spacenews: <a href=\"..\/..\/..\/..\/Documents\/Dokumente\/Webseite%20Artikel\/Zeno%20to%20recycle%20decades-old%20radioactive%20material%20to%20fuel%20its%20radioisotope%20power%20systems\">Zeno to recycle decades-old radioactive material to fuel its radioisotope power systems<\/a>. Ich dachte zuerst, es ginge um das Aufarbeiten alten Plutoniums 238 f&uuml;r neue RTG, aber es geht um Strontium 90. Es soll eine Alternative zu Plutonium 238 sein. Die RTG aus diesem Isotop waren noch nie billig. <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/perversance.shtml\">Perseverance<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/msl-curiosity.shtml\">Curiosity<\/a> waren die beiden letzten Missionen die RTG einsetzen. Jeder der MMRTG hat 3,5 Kilogramm Plutonium als Energiequelle und kostet 36 Millionen Dollar. Neben den Kosten gibt es eine zweite Einschr&auml;nkung: die Kapazit&auml;t zur Produktion ist recht klein, die USA k&ouml;nnen weniger als 10 kg pro Jahr produzieren. Das liegt an der Produktion.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/0c3cab3301b04dec9c527bf617c4b9d6\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><br \/>\nDas Element Plutonium entsteht als Abfallprodukt in Kernreaktoren. Uran f&auml;ngt dabei Neutronen aus dem Zerfall anderer Urankerne auf und diese zerfallen in Protonen und Elektronen. Als Folge nimmt der Plutoniumanteil in den Brennst&auml;ben zu. Dies ist ein angenehmer Nebeneffekt, da alle Plutoniumisotope erheblich k&uuml;rzere Halbwertszeiten als das Uran haben. Je l&auml;nger man ein Atomkraftwerk betreibt, desto mehr Plutonium gibt es und um so mehr Energie liefert dieses. Im dritten Jahr stammen schon 70 Prozent des Stroms aus dem Zerfall von Plutonium obwohl dieses nur 1 Prozent der Masse ausmacht. Das Plutonium besteht dann aus folgendem Gemisch:<!--more--><\/p>\n<ul>\n<li>2 Prozent Pu-238<\/li>\n<li>58 Prozent Pu-239<\/li>\n<li>24 Prozent Pu-240<\/li>\n<li>12 Prozent Pu-241<\/li>\n<li>4 Prozent Pu-242<\/li>\n<\/ul>\n<p>Eine Tonne abgebrannter Kernbrennst&auml;be (nach drei Jahren Betrieb in einem Druckwasserreaktor) enth&auml;lt 9,74 kg Plutonium, aber nur 0,2 kg Pu-238 pro Tonne.<\/p>\n<p>Die kleinen Mengen an dem gew&uuml;nschten Isotop Pu-238 physikalisch aus dem Gemisch zu extrahieren ist zwar m&ouml;glich, aber sehr teuer. Er funktioniert &uuml;ber eine Trennung nach der Masse, &auml;hnlich wie bei der Anreicherung von Uran-235. Dieser Weg wird daher heute nicht bei der Gewinnung gegangen.<\/p>\n<p>F&uuml;r einen <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/cassini-rtg.shtml\">RTG<\/a> spielt die Halbwertszeit eine Rolle. Sie sollte kurz, aber nicht zu kurz sein. Das Pu-238 mit 87,7 Jahren Halbwertszeit gibt rund 100-mal mehr W&auml;rme ab, als das Pu-240 oder 30-mal mehr als das Pu-239. Daf&uuml;r sinkt die Leistung innerhalb von Jahrzehnten auf die H&auml;lfte ab (in der Regel schneller als die Halbwertszeit, weil der Wirkungsgrad der Thermoelektrischen Elemente mit sinkender Temperatur absinkt). Die Energieabgabe ist proportional zur Halbwertszeit. Sie betr&auml;gt bei Pu-238 &uuml;ber 500 Watt\/kg, wodurch sich das Material schon stark aufheizt. Zudem sind die anderen Plutoniumisotope nicht f&uuml;r RTG brauchbar, weil sie anders als Pu-238 nicht nur die leicht abschirmbaren Alphastrahlen abgeben, sondern auch durchdringende Beta- und Gammastrahlen.<\/p>\n<p>Plutonium zerf&auml;llt in einem Schritt zu Uran-234:<\/p>\n<p><sup>238<\/sup>Pu \u2192 <sup>234<\/sup>U + Alphastrahlung (5,593 MeV)<\/p>\n<p>Uran-234 hat eine Halbwertszeit von 246.000 Jahren, das hei&szlig;t sein weiterer Zerfall spielt keine Rolle f&uuml;r die Radioaktivit&auml;t die von dem RTG ausgeht.<\/p>\n<p>Teuer sind RTG, weil das f&uuml;r ihren Betrieb verwendete Isotop Plutonium 238 (Pu-238) nicht als Abfallprodukt beim normalen Betrieb von Atomkraftwerken anf&auml;llt, sondern in speziellen Reaktoren \u201eerbr&uuml;tet\u201c werden muss. Um Pu-238 gewinnen zu k&ouml;nnen, m&uuml;ssen zwei Bedingungen erf&uuml;llt sein. Zum einen muss der Reaktor die Bildung eines Vorproduktes beg&uuml;nstigen. Dies ist zum Beispiel bei einem Schwerwasserreaktor oder einem Graphitreaktor (Tschernobyltyp) der Fall. Zum anderen muss man die Brennst&auml;be nach kurzer Betriebszeit oder im laufenden Betrieb schnell austauschen k&ouml;nnen. Leichtwasserreaktoren, wie die fr&uuml;heren bundesdeutschen Typen m&uuml;ssen dazu aufwendig und zeitraubend heruntergefahren werden.<\/p>\n<p>Schwerwasserreaktoren sind heute die bevorzugte Quelle f&uuml;r Plutonium. Dazu werden zuerst alte Brennst&auml;be aufgearbeitet. In Brennst&auml;ben entsteht aus Uran 235 unter anderem das Isotop Neptunium Np-237. Dieses hat eine sehr gro&szlig;e Halbwertszeit von &uuml;ber 2 Millionen Jahren und unterscheidet sich chemisch von Plutonium und Uran. Es kann also leicht chemisch abgetrennt werden.<\/p>\n<p><sup>235<\/sup>U + Neutron \u2192 <sup>236<\/sup>U + Gammastrahlung<\/p>\n<p><sup>236<\/sup>U + Neutron \u2192 <sup>237<\/sup>U \u2192 <sup>237<\/sup>Np + Betastrahlung<\/p>\n<p>Aus dem Neptunium werden neue Brennst&auml;be aus Neptunium gefertigt. Diese Brennst&auml;be werden in einem Schwerwasserreaktor dem Beschuss von hochenergetischen Neutronen ausgesetzt. Dabei wird Pu-238 gebildet.<\/p>\n<p><sup>237<\/sup>Np + Neutron \u2192 <sup>238<\/sup>Np \u2192 <sup>238<\/sup>Pu + Betastrahlung<\/p>\n<p>Der limitierende Faktor der Kette ist das im ersten Schritt gebildete Neptunium. Sein Anteil betr&auml;gt nur 0,1 Prozent des gebildeten Plutoniums. Ein gro&szlig;es Kernkraftwerk der 1.000 MW Klasse produziert lediglich 10 kg Neptunium pro Jahr. Pro Tonne Kernbrennst&auml;be werden lediglich 400 g Neptunium gebildet. Fr&uuml;her gab es in den USA mehr Reaktoren, die Neptunium synthetisieren, weil sie gleichzeitig f&uuml;r die Produktion von Plutonium f&uuml;r Kernwaffen genutzt wurden. Wahrscheinlich gilt das Gleiche f&uuml;r Russland. Beide M&auml;chte haben innerhalb von zwei Jahrzehnten je etwa 30.000 Atom- und H-Bomben gebaut, wobei jede Wasserstoffbombe eine Atombombe als Z&uuml;nder f&uuml;r die Kernfusion beinhaltet. Die Anforderungen an die Reaktoren sind f&uuml;r beide Isotope identisch, und so fiel bei der Gewinnung des atomwaffentauglichen Pu-239 auch Neptunium-237 an, aus dem man Plutonium-238 erzeugte. In beiden F&auml;llen mussten die Kernbrennst&auml;be aufgearbeitet werden und die einzelnen Elemente vom Uran getrennt werden. F&uuml;r die Atombomben brauchte man m&ouml;glichst reines Pu-239 und f&uuml;r die RTG m&ouml;glichst reine Neptunium-237.<\/p>\n<p>Die USA haben ab 1988 f&uuml;r zwei Jahrzehnte ihr Plutonium-238 von Russland bezogen. Danach wurde ein Jahrzehnt &uuml;ber die Wiederaufnahme der Eigenproduktion gestritten, seit einigen Jahren produziert das Department of Energy wieder Plutonium f&uuml;r wissenschaftliche Missionen der NASA.<\/p>\n<h2 class=\"western\">Alternativen<\/h2>\n<p>Aufgrund der Kosten des Plutoniums hat man schon vor Jahrzehnten Alternativen untersucht. Alternativen zum Pu-238 sind andere Isotope mit Halbwertszeiten zwischen einigen Jahrzehnten und wenigen Jahrhunderten. Je k&uuml;rzer die Halbwertszeit ist, desto weniger Material ben&ouml;tigt man f&uuml;r einen RTG, aber auch desto schneller f&auml;llt aber auch die Leistung ab. F&uuml;r die meisten Missionen die vielleicht nur einige Jahre bis ein Jahrzehnt arbeiten ist dieser Punkt aber nicht so bedeutend. F&uuml;r die Kosten spielt viele Faktoren eine Rolle. Zum einen wie h&auml;ufig das Material in Kernreaktoren anf&auml;llt \u2013 das geringe Vorkommen von Neptunium als Vorprodukt macht das Plutonium 238 so teuer. Zum anderen, wie leicht man das Isotop aus den abgebrannten Brennst&auml;ben isolieren kann. Plutonium-238 wird auch deswegen nicht aus Kernbrennst&auml;ben direkt gewonnen, weil es nur eines von f&uuml;nf Plutonumisotopen ist und man es sehr aufwendig &uuml;ber physikalische Methoden isolieren m&uuml;sste. Ein anderes Element kann man &uuml;ber seine chemischen Reaktionen viel einfacher extrahieren.<\/p>\n<p>Andere Materialien, die als Brennstoff f&uuml;r RTG genannt werden:<\/p>\n<table width=\"643\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"2\">\n<tbody>\n<tr>\n<th width=\"127\">Material<\/th>\n<th width=\"118\">Halbwertszeit<\/th>\n<th width=\"191\">W&auml;rmabgabe anfangs pro g<\/th>\n<th width=\"190\">&Auml;quivalente Abschirmung in Blei [mm]<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"127\">Plutonium, Pu-238<\/td>\n<td width=\"118\">87,7 Jahre<\/td>\n<td width=\"191\">0,39 J\/g<\/td>\n<td width=\"190\">5 mm<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"127\">Americium, Am-241<\/td>\n<td width=\"118\">432<\/td>\n<td width=\"191\">0,097 J\/g<\/td>\n<td width=\"190\">18 mm<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"127\">Curium Cm-244<\/td>\n<td width=\"118\">18,1<\/td>\n<td width=\"191\">2,27 J\/g<\/td>\n<td width=\"190\">51 mm<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"127\">C&auml;sium, Cs-137<\/td>\n<td width=\"118\">30<\/td>\n<td width=\"191\">0,12 J\/g<\/td>\n<td width=\"190\">117 mm<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"127\">Strontium, Sr-90<\/td>\n<td width=\"118\">28,78<\/td>\n<td width=\"191\">0,22 J\/g<\/td>\n<td width=\"190\">152 mm<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"127\">Kobalt, Co-60<\/td>\n<td width=\"118\">5,24<\/td>\n<td width=\"191\">1,74 J\/g<\/td>\n<td width=\"190\">242 mm<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Es gibt neben der Halbwertszeit auch andere Faktoren zu ber&uuml;cksichtigen, so z.B. ob von dem Isotop Alphastrahlen, Betastrahlen oder Gammastrahlen emittiert werden.\u00a0Plutonium 238 wird ja gerade deswegen eingesetzt, weil es ein reiner Alphastrahler ist. Die Alphastrahlen sind am leichtesten abschirmbar. Durchdringender sind Betastrahlen. Gammastrahlen sind nur schwer abschirmbar, da sie nicht aus geladenen Teilchen, sondern Lichtteilchen hoher Energie bestehen.<\/p>\n<p>Das von Zeno abgenommene Strontium-90, das sieht man in der Tabelle, braucht eine viel st&auml;rkere Abschirmung als Plutonium-238. Das liegt am Zerfall. Es zerf&auml;llt zuerst mit einer Halbwertszeit von 28,78 Jahren in Yttrium-90 unter der Abgabe von energiereicher Betastrahlung (0,546 MeV). Yttrium-90 zerf&auml;llt dann aber mit einer Halbwertszeit von 64 Stunden in das stabile Zirkonium 90. Dabei gibt es noch energiereichere Betastrahlung (2,28 MeV) und Gammastrahlung ab. Diese beiden Betastrahlungen machen die Abschirmung so viel aufwendiger. Man ben&ouml;tigt wegen der dreimal geringeren Halbwertszeit zwar weniger Material, aber da Strontium eine Dichte von 2,63 g\/cm\u00b3 hat, Plutonium aber eine von 19,8 g\/cm\u00b3 wird das Volumen, das abgeschirmt werden muss nicht abnehmen, sondern zunehmen.<\/p>\n<p>So ist verst&auml;ndlich, dass ich erstaunt &uuml;ber diesen Vorschlag war. Alle hier aufgef&uuml;hrten Isotope sind im Aspekt, Leistung pro Kilogramm Masse Pu-238 unterlegen. Die Frage ist wof&uuml;r Zeno das Strontium-90 nutzen wird. RTG dienen als unabh&auml;ngige Energieversorgung bei Missionen wo dies sonst anders nicht geht. Ich kenne keine kommerzielle Mission wo man welche eingesetzt hat. Die sind in der Regel in einem Erorbit und da werden Solarpaneele mindestens w&auml;hrend der halben Umlaufzeit beschienen, f&uuml;r die &Uuml;berbr&uuml;ckung der restlichen Zeit kann man Batterien einsetzen.<\/p>\n<p>Selbst bei wissenschaftlichen Missionen setzt man inzwischen dort Solarzellen ein, wo fr&uuml;her RTG genutzt wurden. <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/juno.shtml\">Juno<\/a> umkreist schon seit Jahren den Jupiter, <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/JUICE.shtml\">JUICE<\/a> ist unterwegs und Europa Clipper folgt noch dieses Jahr. Noch etwas weiter von der Sonne entfernt sich die Raumsonde <a href=\"https:\/\/bernd-leitenberger.de\/Lucy.shtml\">Lucy<\/a>, die bis in fast 1.000 Millionen Kilometer Entfernung arbeiten wird.<\/p>\n<p>Denkbar w&auml;re eine zus&auml;tzliche Energieversorgung und W&auml;rmequelle f&uuml;r kommerzielle Mondlander die ja derzeit \u201een vogue\u201c sind. Das RHU (Radioisotope Heater Unit) sind Isotope schon lange daf&uuml;r im Einsatz, daf&uuml;r werden kleine Mengen eines Isotops im Bereich einiger Gramm verkapselt und an kritischen Stellen als Heizelement platziert. Die beiden <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/luna.shtml\">Lunochods<\/a> nutzten daf&uuml;r <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Polonium-210\">Polonium-210<\/a> mit einer Halbwertszeit von lediglich 138 Tagen.<\/p>\n<p><a name=\"firstHeading\"><\/a><a name=\"firstHeading Kopie 1\"><\/a>Bisher kannte ich nur eine ernsthafte Suche nach Alternativen und die betrifft <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Linux Libertine, Georgia, Times, Source Serif Pro, serif;\">Americium<\/span><\/span>-241, das in der Tabelle immerhin die zweitgeringste Abschirmung nach uU-238 erfordert. Die ESA untersuchte <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Linux Libertine, Georgia, Times, Source Serif Pro, serif;\">Americium<\/span><\/span>-241 als Alternative. Der Hauptvorteil dieses Elements ist, dass es in normalen Reaktoren in gr&ouml;&szlig;eren Mengen als Abfall anf&auml;llt, w&auml;hrend Pu-238 in normalen Reaktoren kaum anf&auml;llt. Eine Tonne abgebrannter Kernbrennst&auml;be enth&auml;lt 100 g Americium 241. Obwohl die Menge kleiner als beim Neptunium 237 als Ausgangsmaterial f&uuml;r das Pu-238 ist, soll der Grammpreis mit 1.500 Dollar g&uuml;nstiger als bei Pu-238 sein (das ab 2013 in den USA produzierte Plutonium-238 wird 6.700 bis 10.000 Dollar pro Gramm kosten), da es einfacher isolierbar ist. Der g&uuml;nstige Preis relativiert sich dadurch, dass die Halbwertszeit 432 anstatt 87 Jahre betr&auml;gt, wodurch es nur ein Viertel der W&auml;rmeenergie liefert, man also f&uuml;r eine bestimmte Leistung viermal so viel Americium ben&ouml;tigt.<\/p>\n<p><a name=\"firstHeading Kopie 2\"><\/a>Nach einer Untersuchung k&ouml;nnen RTG auf Basis von <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Linux Libertine, Georgia, Times, Source Serif Pro, serif;\">Americium<\/span><\/span>-241 ein Leistungsgewicht von 1,5 bis 2,0 W\/kg erreichen, liegen also deutlich unter den M&ouml;glichkeiten von RTG auf Basis von Pu-238 (5 bis 6 W\/kg). Ein wahrscheinlicher Einsatz w&auml;re als Heizelement. Entsprechend den RHU auf Basis von Plutonium w&uuml;rden diese RHU genutzt werden, um Raumsonden in kalten Umgebungen zu heizen, zumindest kritische Systeme wie die Elektronik oder Batterie. Selbst <a href=\"https:\/\/bernd-leitenberger.de\/mer.shtml\">solarversorgte Marssonden<\/a> haben solche RGHU als Heizquelle an Bord. Dies geschieht sonst mit Strom der aus der Batterie erfolgt. Ein kombinierter kleiner RTG mit einem RHU w&uuml;rde prim&auml;r W&auml;rme liefern &#8211; 20 Watt W&auml;rme bei einem Modulgewicht von 1,3 kg, daneben 1 Watt an Strom. Das w&uuml;rde ausreichen, um zum Beispiel bei einer Marslandemission die Temperatur aufrechtzuerhalten und etwas Strom zu liefern, um minimale Systeme zu betreiben, auch w&auml;hrend der Nacht oder wenn die Solarpaneele verstaubt sind.<\/p>\n<p>Ansonsten hat es einige Nachteile. Neben der Problematik, dass es eine starke Neutronenquelle ist (sch&auml;dlich f&uuml;r den Menschen, aber tolerabel f&uuml;r Elektronik) ist die Halbwertszeit mit 432 Jahren viel zu hoch. Eine <a href=\"http:\/\/www.niac.usra.edu\/files\/studies\/final_report\/393McNutt.pdf\">Studie<\/a> geht davon aus, dass ein GPHS Einzelmodul, dass best&uuml;ckt mit Pu-238 etwa 56 Watt Strom liefert, wegen der l&auml;ngeren Halbwertszeit und geringeren W&auml;rmeabgabe mit Am-241 nur noch 11 Watt abgibt. Bei einem kompletten GPHS-RTG w&uuml;rde so die Leistung von 285 auf 55 Watt absinken, oder man ben&ouml;tigt f&uuml;nf Am241-RTG wo mit Pu-238 einer reicht. F&uuml;r Raumsonden bei denen das Gewicht kritisch ist, wie Raumsonden zu Jupiter und dar&uuml;ber hinaus ist dies ein Problem. Bei Marslandesonden, die auch einen geringeren Strombedarf haben (das MSL z.B. nur noch 110 Watt), w&auml;re es eventuell eine Alternative.<\/p>\n<p>Ein Vorteil von Americium-241 ist, dass die Leistung viel langsamer absinkt. Nicht nur durch die l&auml;ngere Halbwertszeit und dadurch geringeren thermischen Leistung. Auch altern die Thermoelemente durch die hohen Temperaturen an der Kontaktstelle und die Temperatur sinkt beim &Uuml;bergang von Pu-238 auf Americium von 1.250 auf 814 K ab. Nach 50 Jahren sollte so ein Am-241 best&uuml;ckter RTG noch 93,8 Prozent der Ausgangsleistung abgeben. Bei Plutonium sind es weniger als 50 Prozent, allerdings arbeiten die meisten Missionen nicht so lange.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_17281\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"17281\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Auf den heutigen Artikel komme ich durch folgende Schlagzeile bei Spacenews: Zeno to recycle decades-old radioactive material to fuel its radioisotope power systems. 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