{"id":17464,"date":"2024-05-30T17:03:44","date_gmt":"2024-05-30T15:03:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=17464"},"modified":"2024-05-30T17:03:44","modified_gmt":"2024-05-30T15:03:44","slug":"einsatzgeschichte-der-saturn-ib-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2024\/05\/30\/einsatzgeschichte-der-saturn-ib-teil-2\/","title":{"rendered":"Einsatzgeschichte der Saturn IB \u2013 Teil 2"},"content":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_17464\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"17464\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>In diesem Blog, der weil er etwas l&auml;nger ist und sich &uuml;ber zwei Teile erstreckt \u2013 <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2024\/05\/29\/einsatzgeschichte-der-saturn-ib-teil-1\/\">der erste Teil kam gestern<\/a> \u2013 geht es um die Starts der Saturn IB die wie ihre Vorg&auml;ngerin, die Saturn I ein bisschen im Schatten der Saturn V stand. Aber sie absolvierte immerhin f&uuml;nf bemannte Missionen.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/be10ae9e514b47f0bbea68b4b7cbcd77\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><br \/>\nWie bei meinem vorherigen Beitrag habe ich diesen Textteil meinem Buch &uuml;ber die Saturn Tr&auml;gerraketen entnommen, das man bei <a href=\"https:\/\/amzn.to\/3R44oys\">Amazon<\/a>, im Buchhandel (nach Bestellung), <a href=\"https:\/\/buchshop.bod.de\/das-apolloprogramm-1-bernd-leitenberger-9783739203805\">beim Verlag<\/a> oder anderen Portalen f&uuml;r wenig Geld erwerben kann. Mir als Autor w&uuml;rde eine Bestellung beim Verlag eine etwas h&ouml;here Marge einbringen, der Versand ist dort auch versandkostenfrei und der Preis dank Buchpreisbindung &uuml;berall der gleiche.<!--more--><\/p>\n<h2 class=\"western\">Die Starts der Saturn IB<\/h2>\n<p>Der erfolgreiche und fr&uuml;he Abschluss des Saturn I Projektes, drei Fl&uuml;ge vor den ge\u00adplanten zehn Starts, f&uuml;hrte dazu, dass f&uuml;r die nachfolgende Saturn\u00a0IB erheblich weniger Testfl&uuml;ge geplant waren. Neu war nicht nur die Rakete selbst, sondern auch die immer st&auml;rkere Automatisierung der &Uuml;berpr&uuml;fungen vor dem Start. Daf&uuml;r wurde ATOLL (<b>A<\/b>cceptance <b>T<\/b>est <b>O<\/b>r <b>L<\/b>aunch <b>L<\/b>anguage) als Computer\u00adsprache f&uuml;r die Startvorbereitung eingef&uuml;hrt. Beim <b>AS\u2011201<\/b> wurden sechs Pr&uuml;fprozeduren automatisiert durch ATOLL durchgef&uuml;hrt. Die Zahl der ATOLL-Routinen stieg rapide an. 21 waren es schon bei AS\u2011501, 43 bei AS\u2011507 und 105 bei AS\u2011509. F&uuml;r die Durchf&uuml;hrung wurden im Startzentrum RCA-110A Computer (RCA-110 mit vergr&ouml;&szlig;ertem Speicher), einer der ersten interruptgesteuerten Rechner, installiert. Sie wurden auch f&uuml;r die Saturn\u00a0V Starts eingesetzt. Der RCA110 war ein 24 Bit Rechner mit maximal 40.000 Instruktionen pro Sekunde. Das war selbst damals langsam, aber es ging um Pr&uuml;fungen vor dem Start, nicht der Verarbeitung von vielen Messwerten w&auml;hrend des Starts.<\/p>\n<p>Mit dem Start von AS\u2011201 wurden die Um\u00adbauarbeiten von Launch Complex 37 beendet. Sie beinhalteten nicht nur die Umr&uuml;stung von der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/saturn1.shtml\">Saturn I<\/a> auf die Saturn\u00a0IB, sondern auch die Aufr&uuml;stung auf einen \u201eMan rated\u201c Startkomplex. Dazu geh&ouml;rten alle Anlagen f&uuml;r die Astronauten wie White-Room und Rettungseinrichtungen. AS\u2011201 startete aber noch von LC-34.<\/p>\n<p>Der erste Start einer Saturn\u00a0IB AS\u2011201 zeigte dann die beschleunigte Ent\u00adwicklung. Die erste Saturn\u00a0IB wurde gleich mit zwei aktiven Stufen getestet. Bei der Saturn I wurde zeurst nur die erste Stufe alleine mit Ballast getestet. Dazu kam als Nutzlat ein funktionsf&auml;higes Apollo-Raumschiff, kein Boilerplate. Das Raumschiff mit der Seriennummer CSM-009 war eines der Block I Serie. Die Saturn\u00a0IB h&auml;tte es in einen Erdorbit bef&ouml;rdern k&ouml;nnen. Doch da geplant war, den Hitzeschutzschild m&ouml;glichst stark zu belasten, wurde es auf eine ballistische Bahn mit einem Apo\u00adg&auml;um von 492 km geschickt. Mit dem eigenen SPS-Antrieb beschleunigte es zus&auml;tzlich Richtung Erde. Dabei treten beim Wiedereintritt h&ouml;here Belastungen auf, als bei einem normalen Erdorbit und flachem Eintrittswinkel.<\/p>\n<p>Die Automatisierung durch ATOLL machte im Vorfeld Probleme. Der Start sollte urspr&uuml;nglich Ende Januar 1966 erfolgen. Dieser Zeitpunkt wurde nach Eintreffen der beiden Stufen und deren &Uuml;berpr&uuml;fung am 25.10.1965 festgelegt. Doch es gab massive Probleme mit dem RCA 110A Computer, der f&uuml;r die Pr&uuml;fungen vorgesehen war. Zuerst waren es Hardwaredefekte. Man musste Platinen im Computer austauschen. An Weihnachten hinkte man dem Terminplan schon 13 Tage hinterher. Sp&auml;ter funktionierte die Hardware, aber die Arbeiter, die bisher die Tests von Hand machten, kamen mit dem neuen Konzept nicht zurecht. So wurde einmal ein Programm gestartet, der Speicher, der aber noch die alten Ergebnisse enthielt, nicht gel&ouml;scht und die Ergebnisse dann als Eingaben akzeptiert. Wenn der Rechner &uuml;ber Mitternacht lief, sprang die interne Uhr von 2400 auf 0001, was ihn zum Absturz brachte. Der Countdown dauerte deswegen sechs Tage. Allerdings entfielen darauf drei Tage auf Pausen durch schlechtes Wetter, w&auml;hrend derer der Countdown angehalten wurde.<\/p>\n<p>Seitens der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/saturn1b.shtml\">Saturn\u00a0IB<\/a> war es ein problemloser Flug. Im Vorfeld wurde der Count\u00addown am selben Tag 4 s vor dem Abheben vom Computer angehalten, weil der Druck im LOX-Tank der S\u2011IVB zu gering war. Anstatt den Start abzubrechen und die Rakete zu enttanken, beschloss man nach einer Berechnung, den Start nicht abzubrechen. Der Tankdruck war noch ausreichend hoch. Wenn die S\u2011IVB z&uuml;ndet, w&uuml;rde Sauerstoffgas, durch W&auml;rmeaustauscher erhitzt, den Tankdruck erh&ouml;hen. Man nahm den Countdown erneut auf und startete noch am 26.2.1966.<\/p>\n<p>Die Saturn\u00a0IB setzte nicht nur das CSM erfolgreich aus. Es gelang auch das zeit\u00adgleiche Entlassen von LH2 und LOX nach dem Absetzen des Raumschiffs. Das war wichtig, weil bei einer <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/saturn-geschichte.shtml\">Saturn\u00a0V<\/a> auf der S\u2011IVB der Mondlander war. Die Stufe mit LM sollte nicht durch austretenden Resttreibstoff taumeln. Das h&auml;tte das Ankoppeln des Kommandomoduls unm&ouml;glich gemacht.<\/p>\n<p>Der nummerisch folgende Start, AS\u2011202 war noch nicht startbereit. Das CSM musste &uuml;berarbeitet werden, nachdem man beim Flug AS\u20112o1 einige Probleme, vor allem beim Antrieb, festgestellt hatte. So zog man den Start von AS\u2011203 vor. Er w&uuml;rde vom Pad LC-37B erfolgen. Dort wiederholte sich das Problem mit dem RCA 110A Computer. Bei den Platinen waren Lotbr&uuml;cken abgebrochen. Man tauschte 2.000 Platinen aus und plante, sobald man die Zeit dazu hatte, den Aus\u00adtausch von allen 6.000 Platinen in beiden Rechnern.<\/p>\n<p><b>AS\u201120<\/b><b>3<\/b>, der n&auml;chste Start, sollte ohne Apolloraumschiff erfolgen. Es gab nur eine aerodynamische Verkleidung auf der S\u2011IVB. Vielmehr sollte die S\u2011IVB ihre F&auml;higkeit zur Wiederz&uuml;ndung, die f&uuml;r den Einschuss in den TLI n&ouml;tig war, demon\u00adstrieren. Bisher startete keine Saturn unter Schwerelosigkeit und nach einer l&auml;ngeren Freiflugphase erneut. Es z&uuml;ndeten immer Beschleunigungsraketen vor dem Start der zweiten Stufe. Dieser fand unmittelbar nach Brennschluss der ersten Stufe statt, mit noch vollen Tanks. Damit der Status der S\u2011IVB m&ouml;glichst dem einer S\u2011IVB der Saturn\u00a0V nach Erreichen des Erdorbits entsprach, wurde der Sauerstofftank nicht voll bef&uuml;llt, damit man so viel Wasserstoff mitf&uuml;hren konnte, wie eine S\u2011IVB der Saturn\u00a0V zu diesem Zeitpunkt hatte. Zwei Fernsehkameras wurden in die Tanks eingebaut und 88 Sensoren ma&szlig;en das Verhalten. Hauptaugenmerk galt dem Wasserstoff. Wie steigt der Druck im Wasserstofftank an? Wie hoch sind die Verluste im Orbit durch Verdampfen?<\/p>\n<p>AS\u2011203 startete beim ersten Versuch am 5.7.1966 in einen 184 \u00d7 219 km hohen Erdorbit. Eine erneute Z&uuml;ndung des J\u20112 war nicht vorgesehen, statt\u00addessen wurden zahlreiche Experimente mit den Treibstoffen durchgef&uuml;hrt. Man &uuml;berwachte vor allem Temperaturen und Verhalten des Wasserstoffs. L&auml;ngere Zeit lie&szlig; man den Tankdruck ansteigen, um den Einfluss auf die Bahn durch das periodische &Ouml;ffnen von &Uuml;berdruckventilen und durch den abgegebenen Treibstoff erzeugten Impuls zu messen. Dann wurde der Tankdruck schnell entlassen. Zuletzt lies man den Tankdruck im LH2-Tank steigen und &ouml;ffnete das &Uuml;berdruckventil im LOX-Tank, bis der Zwischenboden zwischen LOX und LH2-Tank brach. Das geschah wie bei Bodentests bei 2,72 Bar &Uuml;berdruck.<\/p>\n<p>Aus den Daten war ableitbar, dass ein kompletter Restart des J\u20112 m&ouml;glich war, wenn noch mindestens 1.800 kg LOX und 1.400 kg LH2 sowie Druckgase vorhanden waren. Das Verhalten der S\u2011IVB in der Erdumlaufbahn entsprach den Erwartungen.<\/p>\n<p><b>AS\u201120<\/b><b>2<\/b>, gestartet am 25.8.1966, war eine Wiederholung des sub\u00adorbitalen Flugs von AS\u2011201, was die Saturn anging. Es gab einige &Auml;nderungen im CSM, das erstmals die vollst&auml;ndige Navigationsausr&uuml;stung und die Stromversorgung durch Brennstoffzellen hatte. Zudem waren vier anstatt zwei Z&uuml;ndungen des Servicemodulantriebs geplant. Die Saturn\u00a0IB setzte das CSM-017, ein Block I CSM, auf eine suborbitale Bahn aus. Es war mit &uuml;ber 15 t Nettonutzlast (mit SLA und Fluchtturm sogar &uuml;ber 20 t) die bisher schwerste Nutzlast einer Saturn\u00a0IB. Das Servicemodul hob die Bahn zuerst an, drehte sich dann und beschleunigte die Kombination Richtung Erde. Nach 93 Minuten wurde die Kommandokapsel im Atlantik geborgen.<\/p>\n<p>Die einzigen Probleme der Saturn\u00a0IB waren einige Probleme im Rezirkulations\u00adsystem zur Vork&uuml;hlung durch festsitzende Ventile bei der S\u2011IVB. Das J\u20112 z&uuml;ndete trotzdem problemlos. Es gab im Vorfeld die gleichen Probleme wie bei AS\u2011201 und AS\u2011203 mit dem RCA-110A Computer. Erneut waren die Platinen fehler\u00adhaft. Als schnelle Probleml&ouml;sung transferierte man alle nicht ben&ouml;tigten Platinen von LC-37 nach LC-34, von wo aus der Start erfolgte. Da man schon einen Vorrat an Platinen auf\u00adgrund der vorherigen Probleme hatte, hielt dies den Start nicht mehr so lange wie bei AS\u2011201 auf.<\/p>\n<p>Nachdem drei Testfl&uuml;ge der Saturn\u00a0IB und zwei des Block I CSM problemlos erfolgt waren, sollte der n&auml;chste Flug bemannt erfolgen. Am 21.2.1967 sollte Apollo 1 mit den Astronauten Grissom, Chaffee und White starten. Sie kamen bei einer &Uuml;bung am 27.1.1967 bei einem in der Kapsel ausbrechenden Brand ums Leben. Die Saturn\u00a0IB (AS\u2011204) wurde trotzdem eingesetzt, und zwar bei der n&auml;chsten Mission, Apollo\u00a05, dem ersten Test des LM.<\/p>\n<p>Der Start von <b>AS\u2011204<\/b> fand erst nach einem Jahr Pause am 22.1.1968 statt. Der Grund war einfach: Bemannte Fl&uuml;ge waren nach der Katastrophe vorerst ausgesetzt und un\u00adbemannte Fl&uuml;ge des CSM, die nun in hochelliptischen Bahnen den Wiedereintritt aus einer Mondumlaufbahn simulieren sollten, erfolgten mit der st&auml;rkeren <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/saturn5.shtml\">Saturn\u00a0V<\/a>. Lediglich ein Mondlander ohne CSM war leicht genug, um von einer Saturn\u00a0IB in den Orbit gebracht zu werden. Das LM hinkte jedoch hinter dem Zeit\u00adplan her. F&uuml;r den urspr&uuml;nglich geplanten Termin im April 1967 h&auml;tte es bis zum September 1966 zum Cape gebracht werden m&uuml;ssen. Es wurde aber erst am 23.6.1967 ans Cape geflogen. Nachdem es am 17.11.1967 auf die Saturn\u00a0IB montiert war, fiel ein weiteres LM bei Grumman durch die Pr&uuml;fungen beim Zu\u00adsammenbau. Bei einem Drucktest zitterten die Fenster des LM. Es wurde be\u00adschlossen, da bei AS\u2011204 keine Mannschaft an Bord war, die Fenster durch Aluminiumplatten zu ersetzen und den Start nicht erneut zu verschieben.<\/p>\n<p>Urspr&uuml;nglich sollte der Start des Mondlanders auf der Saturn AS\u2011206 stattfinden. Doch nach dem Feuer beim Probecountdown von Apollo 1 wurde beschlossen, die Saturn\u00a0IB dieser Mission zu verwenden, die vom Feuer nicht in Mitleidenschaft gezogen war. Apollo 5 setzte daher die Saturn\u00a0IB der ersten geplanten bemannten Mission Apollo 1 ein.<\/p>\n<p>Das LM wurde von einer aerodynamischen H&uuml;lle umgeben, was die H&ouml;he der Saturn\u00a0IB auf 55 m verringerte. Mit einem CSM und Rettungsturm war sie 68 m hoch. Am 22.1.1968 bef&ouml;rderte die Saturn\u00a0IB das LM-1 im einen 167 \u00d7 222 km hohen Orbit, nachdem zuerst der Nasenkonus abgetrennt wurde. Das LM ab\u00adsolvierte die vorgesehenen Tests des Abstiegs- und Aufstiegstriebwerks, auch wenn sich der Bordcomputer beim ersten Test weigerte, das Triebwerk zu starten. Die nur zum Teil bef&uuml;llten Tanks standen nicht unter dem hohen Druck, als wenn sie voll gewesen w&auml;ren. Dadurch brauchte das Triebwerk zu lange, um den Sollschub zu erreichen. Der Bordcomputer erkannte dies und schaltete es wieder ab. Die Missionsf&uuml;hrung hatte jedoch Ausweichpl&auml;ne und konnte das Programm erfolgreich abschlie&szlig;en. <b>Apollo 5<\/b> (AS\u2011204) war der letzte Start einer Saturn\u00a0IB von LC-37B aus.<\/p>\n<p>Nach dem zweiten Testflug der Saturn\u00a0V mit Apollo 6 folgte mit <b>Apollo 7<\/b> (<b>AS\u2011205<\/b>) der erste bemannte Einsatz. Die Mission von Apollo 7 hatte die Aufgabe, die CSM-Systeme &uuml;ber einen Zeitraum zu testen, der einer Mondmission entsprach, also 12 Tage. Der Flug konnte mit den vorhandenen Ressourcen bis zu 14 Tage ausgedehnt werden, um den bisher von Gemini 6A gehaltenen Rekord f&uuml;r die Flugdauer zu brechen. Apollo 7 war der letzte Start von LC-34, das danach eingemottet wurde.<\/p>\n<p>Die Saturn\u00a0IB brachte das CSM-101, das erste CSM von Block II, in einen 162 \u00d7 222 km hohen Erdorbit. Doch damit war die Mission der Saturn\u00a0IB noch nicht beendet. Die S\u2011IVB diente als Navihationsziel. Mehrfach wurde der Kurs des CSM ge&auml;ndert, um zur S\u2011IVB zur&uuml;ckzukehren. Die meisten Fotografien, die eine S\u2011IVB im Orbit zeigen, entstanden bei dieser Mission. Etwas Sorge bereitete anfangs der Umstand, dass sich eine der vier Fl&auml;chen, die zwischen dem Durchmesser der Saturn IVB und dem des Servicemoduls vermittelten (SLA), nach innen neigte. Bei einem Mondflug befindet sich in dem Zwischenraum der Mondlander. Man bef&uuml;rchtete, dass sich nach innen neigende Fl&auml;chen die Ankopplung des CSM verhindern k&ouml;nnten. Doch da f&uuml;r die Saturn\u00a0V vorgesehen war, zwei der vier SLA abzutrennen, gab es Ent\u00adwarnung.<\/p>\n<p>Walter Schirra, Kommandant der Mission und Veteran, der schon mit der Atlas und Titan ins All geflogen war, beschrieb den \u201eRitt\u201c auf der Saturn\u00a0IB als sehr sanft. Die Saturn\u00a0IB war die erste Tr&auml;gerrakete, die speziell f&uuml;r bemannte Starts konstruiert war. So achtete das MSFC darauf, dass die Spitzenbeschleunigung nicht zu hoch war und die Vibrationen verringert wurden. Zu der Missionsverl&auml;ngerung, um einen neuen Rekord f&uuml;r den Aufenthalt im All aufzustellen, kam es nicht. Die Mannschaft ging kurz nach dem Start auf Konfrontationskurs zur Missionskontrolle, weil sich alle drei erk&auml;ltet hatten.<\/p>\n<p>Das war der letzte Einsatz der Saturn\u00a0IB f&uuml;r f&uuml;nf Jahre. Mit Apollo 4 hatte die erste Saturn\u00a0V ihren Jungfernflug und alle folgenden Apollomissionen fanden ab jetzt mit der Saturn\u00a0V statt.<\/p>\n<p>Die nach vier Jahren Pause 1973 folgenden Starts <b>AS\u2011206, AS\u2011207<\/b> und <b>AS\u2011208<\/b> brachten die drei Be\u00adsatzungen der Raumstation Skylab in einen Orbit. Zur Steigerung der Nutzlast und als Bestandteil des Transferorbits transportierte die Saturn\u00a0IB die Raumschiffe nicht in den Orbit von <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/skylab-station.shtml\">Skylab<\/a> in 435 km H&ouml;he, sondern einen 150 \u00d7 346 km hohen Orbit. Danach wurde der Resttreibstoff aus der S\u2011IVB entlassen und so die Stufe um 30 m\/s verlangsamt, was nach 6 Stunden zum Vergl&uuml;hen &uuml;ber dem Pazifik f&uuml;hrte. Es war das erste Mal, dass eine Stufe aktiv deorbitiert wurde, lange bevor der Begriff des \u201eWeltraumschrotts\u201c aufkam. Skylab 4 war mit einem 14.916 kg schweren CSM die schwerste Nutzlast einer Saturn\u00a0IB in einem Orbit. Dazu kamen die SLA von 1,8 t Gewicht und der nach 160 s abgetrennte Fluchtturm mit 4 t Gewicht.<\/p>\n<p>Die Saturn\u00a0IB mit der Bezeichnung <b>AS\u2011209<\/b> war f&uuml;r einen Rettungseinsatz f&uuml;r die Skylab 4 Mission vorgesehen. Bei <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/skylab-mission.shtml\">Skylab 2 und 3<\/a> war dies das n&auml;chste regul&auml;r startende Raumschiff. Skylab 1 war der Start des Labors mit einer Saturn V. Die Saturn IB wurde nach dem Start von Skylab 4 (AS\u2011208) mit dem zu\u00adgeh&ouml;rigen CSM am Startplatz montiert. Als Skylab 4 landete, wurde die Saturn\u00a0IB wieder demontiert.<\/p>\n<p>Die letzte Saturn\u00a0IB, <b>AS\u2011210<\/b>, gleichzeitig die letzte Saturn &uuml;berhaupt, transportierte 1975 das Apollo-Raumschiff mit Docking-Adapter f&uuml;r das Apollo-Sojus-Testprojekt in einen 162 km \u00d7 224 km \u00d7 \u00d7 51,78 Grad Orbit.<\/p>\n<p>Am Ende des Programms war somit nur eine Saturn IB &uuml;brig. Es wurden zwei weitere Saturn IB komplett gefertigt, als 1968 die Produktion eingestellt wurde. Doch deren zweite Stufen wurden zu den Raumlaboren Skylab A (geflogen) und <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/skylab-b.shtml\">Skylab B<\/a> (Ersatzexemplar, ein Start wurde zeitweise erwogen) umgebaut. Da es aber auch zwei komplette Saturn V zum Programmende noch gab h&auml;tte man deren zweite Stufen auf die Saturn IB transferieren k&ouml;nnen. So gab es ernsthafte Planungen das Reserveexemplar Skylab B mit einer Saturn V zu starten und mit den beiden verbliebenen Saturn IB dann zwei Besatzungen auf die Station zu schicken. Doch aufgrund Budgetk&uuml;rzungen kam es nie dazu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_17464\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"17464\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>In diesem Blog, der weil er etwas l&auml;nger ist und sich &uuml;ber zwei Teile erstreckt \u2013 der erste Teil kam gestern \u2013 geht es um die Starts der Saturn IB die wie ihre Vorg&auml;ngerin, die Saturn I ein bisschen im Schatten der Saturn V stand. 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