{"id":17471,"date":"2024-06-04T07:44:28","date_gmt":"2024-06-04T05:44:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=17471"},"modified":"2024-06-06T16:55:53","modified_gmt":"2024-06-06T14:55:53","slug":"pannen-in-der-raumfahrt-skylab-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2024\/06\/04\/pannen-in-der-raumfahrt-skylab-teil-1\/","title":{"rendered":"Pannen in der Raumfahrt &#8211; Skylab Teil 1"},"content":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_17471\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"17471\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Skylab war das einzige Projekt des Apollo Application Programs (AAP). Als Apollo Fortschritte machte, dachte man bei der NASA weiter: Wie konnte man die Apollo-Hardware noch einsetzen? Es gab die verschiedensten Vorschl&auml;ge, zum Beispiel den Mondlander zu einem Teleskop umzubauen. Am ehesten umsetzbar und schlie&szlig;lich auch verwirklicht war der Umbau der Saturn-V-Drittstufe zu einem Raumlabor.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/13da44fd6f404ac884823f41edf26d3f\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><br \/>\nEine der Umbauma&szlig;nahmen war dann auch die, die fast die Mission zum Scheitern gebracht h&auml;tte. Die Station hatte zwei Fl&uuml;gel mit Solarzellen. Da das eigentliche Labor aus einer Saturn-V-Drittstufe hervorging, sa&szlig; es wie diese auf der zweiten Stufe der Saturn. Nur die Koppeladapter und der ausfahrbare Teleskopmast mit weiteren Solarzellen waren von einer Nutzlastverkleidung umgeben. Die Solarpaneele und ein Schutzschild gegen Mikrometeoriten, die die H&uuml;lle punktieren k&ouml;nnen, der aber auch verhinderte, dass die Station zu viel W&auml;rme aufnahm, weil er einen Gro&szlig;teil absorbierte, aber durch ein Vakuum von der Oberfl&auml;che getrennt war, befanden sich zusammengerollt unter Verkleidungen an der Seite der ehemaligen Drittstufe.<!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium\" src=\"https:\/\/images.bod.com\/images\/skylab-bernd-leitenberger-9783842338531.jpg\/500\/500\/Skylab.webp\" width=\"386\" height=\"500\" \/>Den folgenden Text habe ich weitestgehend unver&auml;ndert aus meinem Buch &#8222;Skylab&#8220; entnommen, das umfassend &uuml;ber die Raumstation und ihre Missionen informiert. Man findet es &uuml;berall im gut sortierten Buchhandel, wenngleich meistens nur auf Bestellung, aber auch bei allen Onlinediensten wie Libri, <a href=\"https:\/\/amzn.to\/3yE3xhp\">Amazon<\/a> oder kann es <a href=\"https:\/\/buchshop.bod.de\/skylab-bernd-leitenberger-9783842338531\">direkt beim Verlag<\/a> bestellen, wodurch der Autor eine h&ouml;here Marge bekommt. Der Preis von 24,99 Euro f&uuml;r 332 Seiten ist aber &uuml;berall der gleiche. Da dieses Ereignis aber so bedeutend ist, nimmt es in meinem Buch zwei Kapitel ein und daher findet ihr es hier in der Website in drei Teile aufgeteilt. Morgen kommt noch der Teil 2 &uuml;ber <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2024\/06\/05\/pannen-in-der-raumfahrt-skylab-teil-2\/\">Skylab 2<\/a>, die rettungsmission und &uuml;bermorgen der &uuml;ber <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2024\/06\/06\/pannen-in-der-raumfahrt-skylab-teil-3\/\">Skylab 3<\/a> die die endg&uuml;ltigen Schutzschild montierte.<\/p>\n<p>Am 14.5.1973 startete Skylab-1 mit der drittletzten Saturn V Tr&auml;gerrakete. Der Start wurde zuletzt nochmals um 14 Tage verschoben, weil das Labor noch nicht startbereit war. Beim Start gab es nach 60 s eine Meldung, die das Ausfahren des Mikrometeoritenschilds signalisierte. Das wurde zuerst als ein fehlerhaftes Signal angesehen. Beobachtet konnte das Ereignis nicht werden, da drei Wolkenschichten in 800, 2.200 und 4.000 m H&ouml;he einen visuellen Kontakt verhinderten. Bedeutsamer war zun&auml;chst, dass der Stufenadapter nach Trennung von der ersten und zweiten Stufe nicht abgetrennt wurde. Die Triebwerke der S-II brannten 9 s l&auml;nger und verbrauchten einen Teil der Treibstoffreserven, da nun eine 5 t schwerere Nutzlast in die Umlaufbahn transportiert werden musste.<\/p>\n<p>Nach dem Start fehlte im Orbit die R&uuml;ckmeldung &uuml;ber das Ausfahren der Solarzellen des Orbitalworkshops (OWS), daf&uuml;r gab es eine &uuml;ber das Ausfahren des Mikrometeoritenschilds. Das war beunruhigend, da der Schild unter den Solarzellen lag, weshalb die Solarzellen zuerst entfaltet werden mussten. Anstatt 12.400 W lieferten sie nur 25 W Strom. Vor allem stiegen die Temperaturen an Bord rapide an \u2013 innerhalb von eineinhalb Tagen auf 148\u00b0C an der Au&szlig;enwand sowie 93\u00b0C an der Innenwand. Die Lufttemperatur im Inneren lag zwischen 48 und 54\u00b0C.<\/p>\n<p>Eine sp&auml;tere Analyse zeigte, dass in der 60. Sekunde nach dem Start, als die Rakete die Schallgrenze durchbrach, das Problem begann. Innerhalb von drei Sekunden entrollte sich vorzeitig der Mikrometeoritenschutzschild. Dabei nahm er einige Halterungen des Sonnenfl&uuml;gels mit. Dadurch konnte auch dieser sich entfalten \u2013 zumindest Fl&uuml;gel 2, der nun locker war. Die Solarpaneele und der Mikrometeoritenschutzschild waren nicht durch die Nutzlastverkleidung gesch&uuml;tzt, sondern beim Start dicht an der Wand anliegend bzw. zusammengefaltet und von einer Verkleidung bedeckt. Wie sich sp&auml;ter zeigte, konnte Luft mit hohem Druck vom unteren Ende her eindringen und darin expandieren. Sie hatte so die Verkleidung besch&auml;digt. Aerodynamische Kr&auml;fte taten dann das &Uuml;brige. Ein Untersuchungsbericht zeigte, dass niemand direkt verantwortlich f&uuml;r das Problem war \u2013 es war schlicht und einfach &uuml;bersehen worden, weil der Hersteller McDonnell Douglas die Befestigung nicht mehr zum von ihr gefertigten OWS z&auml;hlte. Die NASA hingegen betrachtete die Befestigung als Teil des OWS, sodass eine ausf&uuml;hrliche Untersuchung unterblieb. Man war bei dem Design davon ausgegangen, dass beide Enden der Verkleidung luftdicht verschlossen waren, das war f&uuml;r das untere Ende aber nicht kommuniziert worden, weshalb dort &Ouml;ffnungen blieben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium\" src=\"\/img\/launch1.jpg\" width=\"1187\" height=\"1536\" \/>Nach dem Ausbrennen der zweiten Stufe durchtrennten dann die Abtrennungsraketen der S-II die Befestigung eines der Solarpaneele, w&auml;hrend das andere durch ein verbogenes Aluminiumblech gesch&uuml;tzt wurde. Diese Lasche verhinderte aber auch das Entfalten des zweiten Fl&uuml;gels. Das zweite Solarzellenpaneel wurde dagegen abgetrennt und nahm dann den Mikrometeoritenschutzschild mit. Die folgenden Man&ouml;ver, wie das Drehen der Station mit den TACS-Triebwerken, die Abtrennung der Nutzlasth&uuml;lle und das Entfalten des ATM und seiner Solarzellen (Letzteres galt vor dem Start als der riskanteste Teil) klappten wie vorgesehen. Diese Man&ouml;ver wurden automatisch von der IU durchgef&uuml;hrt.<\/p>\n<p>Die Folgen waren gravierend: Zum einen fehlte nun die Stromversorgung aus den beiden Solarpaneelen, die am OWS angebracht waren. Skylab hatte jetzt nur noch 35 bis 40 Prozent der nominellen Stromversorgung, und es war nicht sicher, ob sie vollst&auml;ndig wiederhergestellt werden k&ouml;nnte. Vor allem aber war es zu hei&szlig; in der Station. Der Mikrometeoritenschutzschild befand sich im ausgefahrenen Zustand nicht direkt auf der H&uuml;lle, sondern 12 cm entfernt. Er absorbierte also Sonneneinstrahlung, ohne sie an die Au&szlig;enh&uuml;lle weiterzugeben. Die Hitze erzeugte eine Folge von weiteren Problemen. Es wurde vermutet, dass nun die Kunststoffe, vor allem die Polyurethanisolierung des Tanks, ausgasen w&uuml;rden. F&uuml;nfmal wurde die Atmosph&auml;re in den n&auml;chsten zehn Tagen ausgetauscht.<\/p>\n<p>Nach dem Positionieren in eine Lage, die m&ouml;glichst wenig der Stationsoberfl&auml;che der Sonne aussetzte, lagen die Innentemperaturen immer noch bei 43\u00b0C. Allerdings konnte Skylab nicht allzu lange in dieser Position bleiben. In der normalen Ausrichtung lag die L&auml;ngsachse von Skylab parallel zur Erdoberfl&auml;che. Nun wurde zur Minimierung der Oberfl&auml;che, die der Sonne ausgesetzt war, die Station um 90 Grad gedreht. In dieser Lage drehten jedoch differentielle Gravitationskr&auml;fte (ein Teil der Station befand sich 20 m weiter vom Erdmittelpunkt entfernt als der Rest) die Station von alleine in die normale Position. Als Folge ben&ouml;tigte die Bodenkontrolle viel TACS-Treibstoff, um die ver&auml;nderte Lage aufrechtzuerhalten.<\/p>\n<p>Bei Skylab war vorgesehen, dass die Station kurz nacheinander von Besatzungen besucht werden w&uuml;rde. Sie hatte Vorr&auml;te an Lebensmitteln, Gasen und Wasser an Bord, die f&uuml;r die geplanten Missionen reichten. Danach, so der Plan, w&uuml;rde man sie aufgeben. Deshalb wurde auf ein komplexes System f&uuml;r die Aufrechterhaltung der Lage verzichtet. W&auml;hrend die Besatzungen angekoppelt waren, konnte dies das angekoppelte CSM (Command and Service Module) erledigen. Es wurde nur Stickstoff in Druckgasflaschen zum Speisen der D&uuml;sen mitgef&uuml;hrt, und dieses System TACS (<b>T<\/b>hruster <b>A<\/b>ttitude <b>C<\/b>ontrol <b>S<\/b>ystem) hatte nur einen geringen Gesamtimpuls.<\/p>\n<p>Die Missionskontrolle rechnete aus, dass nach 20-30 Tagen die Vorr&auml;te ersch&ouml;pft sein w&uuml;rden. Eine Rettungsmission musste daher schnell erfolgen, sonst w&auml;re Skylab endg&uuml;ltig verloren. Weiterhin zeigte sich, dass einer der Kreisel von zwei Sets mit jeweils drei Gyroskopen nicht mehr funktionierte. Wegen Gewichtsbeschr&auml;nkungen konnte aber erst die Skylab 3 Besatzung Ersatzkreisel zur Station bringen.<\/p>\n<p>Untersucht wurde auch, ob die Besatzung frische Nahrungsmittel zur Station bringen sollte. Da die M&ouml;glichkeiten eines CM, Fracht zu transportieren sehr beschr&auml;nkt waren, h&auml;tte dies die Nutzung der Station stark beeintr&auml;chtigt. Doch es zeigte sich bei Versuchen, dass die Nahrung nicht durch die Hitze verderben w&uuml;rde. So erhielt die Crew nur Anweisung, das Essen zu inspizieren. Dagegen wurden die Medikamente ausgetauscht, Skylab 2 brachte Neue zur Station. Das galt auch f&uuml;r den Film f&uuml;r die Erdaufnahmen. Eastman Kodak sagte, es w&auml;re m&ouml;glich mittels Salzpaketen, die Luftfeuchtigkeit aufnehmen, den Film wieder in seinen Ursprungszustand zu versetzen, doch das w&uuml;rde 20 Tage dauern. Daher entschloss sich die NASA, ihn komplett zu ersetzen.<\/p>\n<p>Nun erarbeiteten MSC und MSFC Konzepte f&uuml;r eine L&ouml;sung. Diese wurden gemeinsam mit der Skylab 2 Mission gestartet. Die erste Mannschaft sollte die Situation vor Ort kl&auml;ren und die Stromversorgung wiederherstellen. Danach sollte sie den am besten passenden Sonnenschutz entfalten, um die Station bewohnbar zu machen. Daf&uuml;r musste andere Ausr&uuml;stung entfallen.<\/p>\n<p>Das Notprogramm, wenn auch dies scheitern sollte, w&auml;re eine 17 Tage Mission, bei der nur Strom vom ATM geliefert wird, die Station sich aber in einer r&auml;umlichen Lage befindet, in der auch die Solarzellen des ATM nur teilweise beschienen sind, um die Temperaturen an Bord zu reduzieren. Die Dauer von 17 Tagen war vorgegeben durch die Leistung der Batterien an Bord der Apollo-Raumschiffe, die zus&auml;tzlichen Strom liefern sollten, vor allem f&uuml;r das Lebenserhaltungssystem. Das Forschungsprogramm w&auml;re dann nur auf die medizinischen Experimente beschr&auml;nkt gewesen, da die Station weder die Energie, noch die korrekte Ausrichtung f&uuml;r die Erdbeobachtungsexperimente und Sonnenforschung gehabt h&auml;tte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium\" src=\"\/img\/GPN-2000-000050.jpg\" width=\"2985\" height=\"3000\" \/>Die erarbeiteten Ersatzschirme hatten unterschiedliche Konzepte und spezifische Vor- und Nachteile.<\/p>\n<p>Das erste Konzept sah vor, dass ein Segel von der Apollo-Raumkapsel aus bei einer \u201eStand-up EVA\u201c entfaltet und an der Station befestigt werden w&uuml;rde. Bei einer Stand-up EVA verbleibt der Astronaut in der Apollo-Kapsel, er fixiert sich in dieser und kann je nach Befestigungspunkt so Punkte erreichen, die maximal 1,5 m von dem Raumschiff entfernt sind. Dabei w&uuml;rde die Kapsel das Labor umrunden, damit das Segel auch an gen&uuml;gend Punkten fixiert werden konnte. Der Vorteil war, dass kein Ausstieg n&ouml;tig war, was als riskant galt. Auf der anderen Seite m&uuml;sste sich die Kapsel sehr stark dem Workshop n&auml;hern, damit der Astronaut dies durchf&uuml;hren konnte, und diesen geringen Abstand auch &uuml;ber l&auml;ngere Zeit halten. Das war eine gro&szlig;e Herausforderung an die Steuerung des Raumschiffs.<\/p>\n<p>Das zweite Konzept, ebenfalls vom JSC erdacht, sah vor, durch die sonnenzugewandte Luftschleuse eine Art \u201eRegenschirm\u201c zu entfalten. Er w&uuml;rde dann ein Segel von 6 \u00d7 6 m ergeben. Die Streben w&uuml;rden aus Teleskopstangen &auml;hnlich einer Angelrute bestehen. Dieses Konzept erforderte &uuml;berhaupt keine EVA und galt als am wenigsten riskant. Dieser \u201eParasol\u201c getaufte Schirm k&ouml;nnte aber nur den unteren Teil des Workshops abdecken, und die Folie w&auml;re wegen des kleinen Durchmessers der Luftschleuse sehr d&uuml;nn und w&uuml;rde bald im Weltraum an Reflexionsf&auml;higkeit verlieren. Das Hauptproblem war es, das Paket so zu falten, dass es in die 22 \u00d7 22 cm gro&szlig;e Luftschleuse an der Seite des OWS passte.<\/p>\n<p>Die dritte m&ouml;gliche L&ouml;sung kam vom Marshall Flugzentrum. Es sollte ein gr&ouml;&szlig;eres Segel im All montiert werden, bestehend aus 1,50 m langen Stangen, die mit Karabinerverschl&uuml;ssen verbunden waren. Die Stangen bildeten ein \u201eV\u201c von 11 m L&auml;nge. Dieses \u201eV\u201c sollte am Fu&szlig;punkt des ATM fixiert werden. Danach sollte ein rechteckiges Segel &uuml;ber die Stangen hochgezogen werden, das den ganzen OWS abdeckt. Das Segel bestand aus Mylarfolie, aufgen&auml;ht auf ein Gewebe und bestrichen in einer UV-best&auml;ndigen Farbe. Es wog 20 kg, das gesamte Paket 50 kg. Diese L&ouml;sung erforderte eine EVA-Operation, aber da das Segel am Fu&szlig;punkt des ATM befestigt wurde, musste nicht am OWS entlang gegangen werden, der keine Haltem&ouml;glichkeiten bot. Das Segel bedeckte den ganzen nicht isolierten Teil des Workshops und war langzeitstabil. Diese L&ouml;sung erhielt die Bezeichnung \u201eTwin Pole\u201c wegen der beiden Stangen oder auch \u201eMarshall-Spinnaker\u201c wegen der &Auml;hnlichkeit zu dieser Segelkonstruktion.<\/p>\n<p>Der erste Ansatz war es, die beiden ersten Konzepte zu versuchen und die Durchf&uuml;hrung des Dritten auf die zweite Besatzung zu verschieben, die damit noch etwas mehr von der Oberfl&auml;che abdecken k&ouml;nnte. Zuerst einmal sollten aber alle Konzepte ausgearbeitet und vor dem Start dann nochmals beraten werden. Der Start von Skylab 2 wurde zuerst um f&uuml;nf Tage, dann um zehn Tage verschoben. Mehr war wegen der schnell abnehmenden Treibstoffvorr&auml;te nicht m&ouml;glich, sonst w&uuml;rde die Besatzung auf eine Station treffen, die ohne Treibstoff man&ouml;vrierunf&auml;hig war.<\/p>\n<p>In Houston wurde das Konzept des Parasols entwickelt. Dies war das provisorische Sonnensegel, bestehend aus d&uuml;nnen, biegsamen Fiberglasstreben, verbunden mit Klappfedern und &uuml;berzogen mit einer vergoldeten Mylarfolie. Vier Streben bildeten ein 6,40 \u00d7 6,40 m gro&szlig;es Segel. Es entfaltete sich durch die Federn nach Verlassen der Luftschleuse. Bedingt durch deren freie &Ouml;ffnung war aber nur eine d&uuml;nne Folie m&ouml;glich, die zudem nicht die ganze Oberfl&auml;che bedecken w&uuml;rde. Das MSC entschied sich f&uuml;r das Material der Weltraumanz&uuml;ge. Dessen Nylonbasis w&uuml;rde aber durch UV-Strahlung zerst&ouml;rt. Da das Material schon an der Grenze der maximalen Dicke war, schied eine weitere UV-best&auml;ndige Schutzschicht wie beim Marshall-Entwurf aus.<\/p>\n<p>Bill Lenoir erprobte in einer Halle in Houston die Entfaltung des Parasols, der in dem Kanister des T027 Experiments verstaut wurde. Die Astronauten der Backup-Crew von Skylab 2 trainierten zeitgleich im MSFC in Huntsville an einem Skylabmodell im Neutralauftriebsimulator. Vor allem die Befreiung des Solarzellenfl&uuml;gels stand im Vordergrund. Verschiedene Schneidwerkzeuge, Verl&auml;ngerungen und Techniken wurden probiert. Parallel wurde das \u201eMarshall Spinnaker\u201c Segel von rund 80 Ingenieuren in 6.300 Arbeitsstunden in zwei Arbeitsschichten innerhalb von sechs Tagen entwickelt. Es fanden Tests der Stangen statt, und bei ILC Industries wurde die Mylarfolie hergestellt, mit der Spezialfarbe S-136 bestrichen und auf eine Nylonbasis gen&auml;ht.<\/p>\n<p>Alle drei L&ouml;sungen wurden zum Cape geflogen und vor dem Start deren Vor- und Nachteile diskutiert. Die urspr&uuml;nglich favorisierte L&ouml;sung, die die Stand-up EVA erforderte, geriet nun deutlich ins Hintertreffen. Die Parasoll&ouml;sung war umsetzbar ohne gr&ouml;&szlig;eres Training und auch ohne Risiko f&uuml;r die Besatzung. Die Spinnaker L&ouml;sung des MSFC galt als das Optimum, sie w&auml;re dauerhaft und w&uuml;rde die gesamte Fl&auml;che abdecken, aber sie erforderte Training f&uuml;r die geplante EVA. Es gab nun zwei L&ouml;sungen, deren Hardware fertig oder fast fertig war, demgegen&uuml;ber gab es nun keine Vorteile mehr, das Segel bei einer Stand-up EVA anzubringen. Die Risiken einer Kollision, vor allem wenn der genaue Status des Labors noch nicht bekannt war (es k&ouml;nnte abgerissene, scharfe Reste des Schildes oder Solarpaneels vorhanden sein) erschienen nun deutlich gr&ouml;&szlig;er als die Vorteile.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium\" src=\"\/img\/0100555.jpg\" width=\"720\" height=\"501\" \/>Es wurde beschlossen, bei Skylab 2 den Parasol zu entfalten. Die Besatzung f&uuml;r Skylab 3 sollte w&auml;hrenddessen die Montage des endg&uuml;ltigen Segels trainieren und diesen Schirm bei ihrer Mission anbringen.<\/p>\n<p>Eine zweite Aufgabe, die anzugehen war, war die Entfaltung der Sonnenfl&uuml;gel des OWS. Was mit diesen geschehen war, war offen. Waren sie abgerissen oder nur durch den Meteoritenschutzschild am Entfalten gehindert worden? Hektisch suchte das JSC nach Werkzeugen, mit denen es m&ouml;glich war, aus der Ferne den Mikrometeoritenschutzschild zu durchtrennen. F&uuml;ndig wurde die NASA bei einem Hersteller, der Schneidwerkzeuge f&uuml;r die Arbeit an Strommasten herstellte. Sie konnten aus einzelnen Stangen zusammengesetzt werden, damit die Arbeiter diese T&auml;tigkeit vom Boden aus erledigen konnten. Es zeigte sich, dass die Schneidwerkzeuge nicht brauchbar waren, wohl aber der Mechanismus, wie aus den Stangen eine Teleskopstange gebildet werden konnte. In Rekordzeit entwickelte das Marshall Flugzentrum aus dem unbrauchbaren Schneidmechanismus eine per Seilzug bet&auml;tigte S&auml;ge und einen Schneider. Am 22-sten Mai erprobte Paul Weitz im NBL diese Ger&auml;tschaften und konnte dabei den Mikrometeoritenschutzschild des dortigen Mockups durchtrennen. In dieser Zeit war die NASA sehr agil, heute unvorstellbar. Als der Verantwortliche von McDonnell Douglas nach Houston fliegen sollte, bekam er die Aufforderung auf dem Trip einen Zwischenstopp zu machen um Arbeiter und Werkzeuge des Herstellers f&uuml;r die zusammen-steckbaren Schneidwerkzeuge mitzunehmen.<\/p>\n<p>Am 23.5.1973 flogen Schneidwerkzeuge und beide Sonnensegel zum Kennedy Space Center, wo sie am 25.5.1973 um 3 Uhr nachts im Crew Module verstaut wurden. F&uuml;nf Stunden sp&auml;ter starteten dann Weitz, Kerwin und Conrad zu Skylab. Eine weitere Versp&auml;tung hielt der Flugdirektor angesichts der alarmierenden Daten &uuml;ber den Zustand der Station f&uuml;r nicht vertretbar.<\/p>\n<p>Offen war allerdings noch die Frage der Stromversorgung. Wenn beide OWS-Paneele fehlten, so hatte die Station weniger als die H&auml;lfte des vorgesehenen Stroms. Damit gab es gravierende Einschr&auml;nkungen im Betrieb. So wurde nach einer L&ouml;sung gesucht, wie die volle Stromversorgung hergestellt werden konnte. Rockwell schlug ein \u201eSolar Wing Module\u201c vor, das elektrisch mit dem ATM verbunden und am MDA neben dem radialen Port fixiert wurde. Es h&auml;tte dort immer noch ein Andocken f&uuml;r eine Rettung erm&ouml;glicht. Da das zweite Modul aber noch ein wenig Strom lieferte, gab es die Hoffnung, dass nur eines zerst&ouml;rt war und das Zweite noch in Betrieb genommen werden k&ouml;nnte. F&uuml;r die Mission von Skylab 2 mit vorwiegend medizinischen Fragestellungen und wenigen Experimenten w&auml;re die Stromversorgung nur mit den ATM-Paneelen gerade noch ausreichend. So verschob die NASA eine Entscheidung &uuml;ber das Solar Wing Modul bis klar war, ob es ben&ouml;tigt wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_17471\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"17471\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Skylab war das einzige Projekt des Apollo Application Programs (AAP). Als Apollo Fortschritte machte, dachte man bei der NASA weiter: Wie konnte man die Apollo-Hardware noch einsetzen? Es gab die verschiedensten Vorschl&auml;ge, zum Beispiel den Mondlander zu einem Teleskop umzubauen. Am ehesten umsetzbar und schlie&szlig;lich auch verwirklicht war der Umbau der Saturn-V-Drittstufe zu einem Raumlabor. 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