{"id":17474,"date":"2024-06-05T00:58:29","date_gmt":"2024-06-04T22:58:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=17474"},"modified":"2024-06-06T16:54:30","modified_gmt":"2024-06-06T14:54:30","slug":"pannen-in-der-raumfahrt-skylab-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2024\/06\/05\/pannen-in-der-raumfahrt-skylab-teil-2\/","title":{"rendered":"Pannen in der Raumfahrt &#8211; Skylab Teil 2"},"content":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_17474\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"17474\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium\" src=\"https:\/\/images.bod.com\/images\/skylab-bernd-leitenberger-9783842338531.jpg\/500\/500\/Skylab.webp\" width=\"386\" height=\"500\" \/>Den folgenden Text habe ich weitestgehend unver&auml;ndert aus meinem Buch &#8222;Skylab&#8220; entnommen, das umfassend &uuml;ber die Raumstation und ihre Missionen informiert. Man findet es &uuml;berall im gut sortierten Buchhandel, wenngleich meistens nur auf Bestellung, aber auch bei allen Onlinediensten wie Libri, <a href=\"https:\/\/amzn.to\/3yE3xhp\">Amazon<\/a> oder kann es <a href=\"https:\/\/buchshop.bod.de\/skylab-bernd-leitenberger-9783842338531\">direkt beim Verlag<\/a> bestellen, wodurch der Autor eine h&ouml;here Marge bekommt. Der Preis von 24,99 Euro f&uuml;r 332 Seiten ist aber &uuml;berall der gleiche. Da dieses Ereignis aber so bedeutend ist, nimmt es in meinem Buch zwei Kapitel ein und daher findet ihr es hier in der Website in drei Teile aufgeteilt. Das ist der Teil 2 &uuml;ber die Skylab 1 Mission, die prim&auml;re Rettungsmission. Gestern folgte schon der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2024\/06\/04\/pannen-in-der-raumfahrt-skylab-teil-1\/\">erste Teil &uuml;ber Skylab 1<\/a>. Morgen folgt dann noch Teil 3 &uuml;ber die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2024\/06\/06\/pannen-in-der-raumfahrt-skylab-teil-3\/\">Skylab 3 Mission<\/a> bei der der endg&uuml;ltige Schutzschild montiert wurde.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/9f4d561c4e374e7694ee6533ef3c8969\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<h4>Skylab 2 \u2013 \u201e<span lang=\"en-US\">We can fix anything<\/span>\u201c<\/h4>\n<p>Die erste Besatzung startete am 25.5.1973, zehn Tage sp&auml;ter als vorgesehen. Kommandant war Pete Konrad, Paul Weitz war Pilot und Joe Kerwin Wissenschaftsastronaut. Nach dem Einsatz von Harrison Schmidt als ausgebildetem Geologen bei Apollo 17 war es der zweite Flug eines Wissenschaftsastronauten. Sowohl f&uuml;r Kerwin, wie auch Weitz, war es die erste Mission ins All. Pete Conrad war schon zweimal mit Gemini und einmal im Apollo-Programm gestartet. F&uuml;r ihn war es der letzte Flug.<!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium\" src=\"\/img\/launch2.jpg\" width=\"598\" height=\"768\" \/>Prim&auml;res Ziel war nun nicht mehr, das Forschungsprogramm durchzuf&uuml;hren, sondern die Station in einen Zustand zu bringen, in dem Forschung &uuml;berhaupt m&ouml;glich war. Als die Saturn IB abhob, rief Conrad der Bodenkontrolle zu \u201e<span lang=\"en-US\">We can fix anything<\/span>\u201c \u2015 und brachte damit das Motto der Mission auf den Punkt.<\/p>\n<p>Als das Raumschiff nach siebeneinhalb Stunden bei Skylab ankam, stellte sich heraus, dass eine Solarzellenfl&auml;che komplett abgerissen war anstatt, wie manche noch hofften, nur nicht entfaltet. Das Apollo-Raumschiff umkreiste Skylab, um den Schaden zu begutachten. Danach machte die Besatzung Mittagspause und ruhte sich aus. Am Abend stand dann eine Stand-up EVA an, um den Schaden am zweiten Solarpaneel genauer zu betrachten und es eventuell zu l&ouml;sen. Gleich zu Beginn gab es Probleme, weil eines der 16 Triebwerke des RCS-Systems nicht feuerte und Weitz so Probleme hatte, das Raumschiff zu stabilisieren. Der ungleich verteilte Schub bewirkte eine Drehbewegung, die durch die Gyros kompensiert werden musste. Conrad konnte erkennen, dass der Fl&uuml;gel nur durch einen etwa 12 mm breiten Draht gehalten wurde, aber bei mehreren Versuchen kam er nicht nahe genug heran, um ihn von der Luke des CM aus mit einem Schneidwerkzeug zu l&ouml;sen. So wurde die Aktion beendet, und die Besatzung sollte nun an die Station ankoppeln.<\/p>\n<p>Das Ankoppeln klappte erst im sechsten Anlauf, weil es Probleme mit den elektrischen Anschl&uuml;ssen gab. Die Sonde rastete in den Kopplungsadapter ein, zog sich aber nicht zur&uuml;ck. Schlie&szlig;lich musste das CM erneut entl&uuml;ftet werden, und Conrad &ouml;ffnete die Luke. Er verkn&uuml;pfte die Kabel von Hand, indem er die Isolierung entfernte und die Kabelenden verzwirbelte. Danach z&uuml;ndete er die Triebwerke des Servicemoduls und fuhr das Raumfahrzeug in den Adapter hinein, wodurch die zw&ouml;lf Riegel zuschnappten und die Verbindung fixierten. Die Crew verschloss erneut die Luke, stellte den Kabinendruck wieder her und konnte nach 22 Stunden endlich schlafen gehen.<\/p>\n<p>Am n&auml;chsten Tag wurde die Luke ge&ouml;ffnet. Weitz war der Erste im MDA. Er pr&uuml;fte mit einem Ger&auml;t, ob es toxische Gase g&auml;be und meldete, dass es sehr hei&szlig; war, aber trocken. Sie konnten sich bis zu f&uuml;nf Stunden in der Station aufhalten.<\/p>\n<p>Eine der ersten Aufgaben war es, den Parasol zu montieren und zu entfalten. Es dauerte 6 bis 7 Stunden, um ihn in der Hitze zu montieren, auch weil die Besatzung immer wieder die Arbeit unterbrechen und sich in das k&uuml;hle CM zur&uuml;ckziehen musste. Das Entfalten durch die Luftschleuse klappte reibungslos, und das Heck des OWS war nun vor Sonneneinstrahlung gesch&uuml;tzt. Innerhalb von zwei Tagen sanken die Temperaturen von 43 auf 27 Grad Celsius und blieben auf diesem Niveau stabil &uuml;ber die Skylab-2 Mission. Trotzdem schliefen die Besatzungsmitglieder die ersten N&auml;chte noch im CM, wo die Temperaturen bei 20\u00b0C lagen. Der provisorische Schutz entfaltete sich nicht komplett und bedeckte nur 75% der Oberfl&auml;che. Die Astronauten konnten an der Wand f&uuml;hlen, wo die Oberfl&auml;che nicht bedeckt war, da es dort w&auml;rmer war.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium\" src=\"\/img\/skylab-damaged.jpg\" width=\"3000\" height=\"2070\" \/>Doch nach wie vor hatte Skylab zu wenig Strom. Der Betrieb war dadurch eingeschr&auml;nkt, und dies war keine akzeptable L&ouml;sung. So machte Pete Conrad den Vorschlag, nochmals zu versuchen, den Fl&uuml;gel zu entfalten, aber diesmal von der Au&szlig;enseite des OWS aus. Das war riskant: Die scharfen Kanten der Halterung k&ouml;nnten den Raumanzug besch&auml;digen, und aufgrund der Position des Fl&uuml;gels war Conrad au&szlig;erhalb des Sichtbereiches von Kerwin in der Luftschleuse.<\/p>\n<p>Die Backup-Crew erprobte die Vorgehensweise im NBS einem Schwimmbecken mit dem Backupmodell von Skylab, w&auml;hrend die Besatzung daran ging, Skylab von der Startkonfiguration in die Betriebskonfiguration zu bringen. Am 29-sten Mai konnten die ersten Experimente durchgef&uuml;hrt werden. Doch der fehlende Strom machte sich bald bemerkbar \u2013 bei einer Erdbeobachtung ert&ouml;nte der Alarm. Skylab hatte durch das Wegdrehen von der Sonne noch weniger Strom, und die Batterien waren nicht gen&uuml;gend aufgeladen und wurden nun schnell entladen. Die Station musste wieder in Richtung Sonne gedreht werden. Vorerst waren so keine Erdbeobachtungen m&ouml;glich. Als dann noch vier der 18 Akkus an Bord des ATM ausfielen, erwog die Missionskontrolle zeitweise, die Mission auf 17 Tage zu verk&uuml;rzen. Die Akkus waren durch die ver&auml;nderte Ausrichtung w&auml;hrend der letzten 10 Tage zu starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt und hatten sich dadurch &uuml;berhitzt.<\/p>\n<p>Ohne die seitlichen Solarzellenfl&uuml;gel SAS lieferten die ATM-Solarzellen im Mittel 4,6 kW Leistung (gemittelt &uuml;ber Tag-\/Nachtseite und nach Aufladen der Batterien). Davon ben&ouml;tigte die Station 3,6 kW f&uuml;r die eigenen Systeme, sodass nur 1 kW f&uuml;r Experimente &uuml;brig blieb. Das schr&auml;nkte vor allem die Sonnenbeobachtungen ein. Die Crew entwickelte zwar nach einer Woche Routine, vor der Inbetriebnahme von Experimenten L&uuml;fter und Lampen auszuschalten, aber dies alleine konnte den Leistungsverlust nicht kompensieren.<\/p>\n<p>Rusty Schweickart hatte im NBS eine Vorgehensweise erarbeitet um den zweiten Fl&uuml;gel zu l&ouml;sen. Nach dem Ausstieg aus der Luftschleuse w&uuml;rde Conrad sich an der Antenne am ATM Mechanismus fixieren, wo es durch die Gitterrohrstruktur die M&ouml;glichkeit gab, sich zu verhaken. Er w&uuml;rde dann aus Stangen einen 7,9 m langen Schneider zusammenbauen und diesen erst einmal in einem St&uuml;ck des abgerissenen Mikrometeoritenschutzschildes, das noch an der Seite des OWS hing, verhaken, ohne ihn durchzutrennen. Die Stange benutzt er nun als Kletterhilfe, um sich am OWS entlang zu bewegen, der keinerlei Haltem&ouml;glichkeiten bot. Dabei sollte er ein Nylonseil mitziehen. Dieses Seil hat Klammern an beiden Seiten. Auf einer Seite befestigt Conrad es an der Befestigung der Nutzlasth&uuml;lle an der Luftschleuse und an der anderen Seite am SAS. Nun kann er mit dem Schneider den Draht durchtrennen, der den Fl&uuml;gel noch festhielt, und durch Ziehen des Seils das Array entfalten. Um Letzteres zu bewerkstelligen, musste er das Seil &uuml;ber die Schulter spannen und sich aufrichten.<\/p>\n<p>Nominell sollte sich nach Freigabe das SAS alleine entfalten. Allerdings rechnete die Missionskontrolle damit, dass in der K&auml;lte (diese Stelle war nun von der Sonne &uuml;ber zehn Tage abgewandt gewesen) der Entfaltungsmechanismus eingefroren war. Die Vorgehensweise hatte Schweickart unter Wasser erprobt, und dort funktionierte sie, was den Schluss nahelegte, dass sie auch in der Schwerelosigkeit klappen k&ouml;nnte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium\" src=\"\/img\/GPN-2000-001709.jpg\" width=\"2357\" height=\"2396\" \/>Am 13-ten Tag stiegen dann Conrad und Kerwin aus. Conrad blieb in der Luftschleuse und assistierte Kerwin. Capcom war Rusty Schweickart, der das Ganze erprobt hatte und sie vor dem Ausstieg nochmals mit Details zur Vorgehensweise versorgte. Zuerst setzten sie die 7,5 m lange Blechschere aus Einzelteilen zusammen. Kerwin platzierte sich am Ende des Workshops und versuchte die Schere an dem Draht zu verhaken. Doch das klappte nicht. Das Grundproblem, das die NASA schon seit Gemini kannte, war das dritte Newtonsche Gesetz: Jede Kraft erzeugt eine gleich gro&szlig;e, entgegengerichtete Kraft. Anders ausgedr&uuml;ckt: Wenn Kerwin versucht, die Schere zuzudr&uuml;cken, so bewirkt die dabei entstehende Kraft, dass er sich langsam in die Gegenrichtung bewegt. Ohne M&ouml;glichkeit, sich mit den F&uuml;&szlig;en zu verankern, f&uuml;hrt das zu einer Drehbewegung um die eigene Achse. Er versuchte es, indem er die Leine um sich wickelte und mit einer Hand festhielt, konnte aber mit der verbliebenen Hand die Schere nicht schlie&szlig;en.<\/p>\n<p>Als er nach 30 Minuten wieder in den Empfangsbereich einer Bodenstation kam, hatte er eine L&ouml;sung gefunden: Er hatte sich mehr Halt verschafft, indem er die Leine doppelt nahm und die L&auml;nge so halbiert hatte. Er berichtete, dass sich nun die Scheren verhakt h&auml;tten und er anfangen k&ouml;nnte, zu s&auml;gen. Doch so sehr, wie er auch an den Seilz&uuml;gen zog \u2013 der Draht wurde nicht durchschnitten. Conrad verlor nun die Geduld und bewegte sich entlang der Stange zum SAS. Gerade dort angekommen riss der Draht, und Conrad wurde mit der Stange weggeschleudert. W&auml;hrend er durch die Verbindungsleine gesichert ins All hinaus schwebte, ging das Solarpanel um 20 Grad auf. Wie bef&uuml;rchtet war das D&auml;mpfergest&auml;nge eingefroren. Nun galt es, das Panel durch Zug ganz zu entfalten.<\/p>\n<p>Das Befestigen der Leine an beiden Positionen klappte nicht. Auf Seite der Luftschleuse waren die L&ouml;cher dazu zu klein. Nur mit dem Einsatz von Zugkraft an dem Scharnier war der Fl&uuml;gel nicht entfaltbar. So stellte sich Conrad mit einem Fu&szlig; auf das Scharnier, zog das Seil &uuml;ber seine Schulter und richtete sich auf, w&auml;hrend Kerwin gleichzeitig am Seil zog. Dies reichte aus, das D&auml;mpfergest&auml;nge brach und der Fl&uuml;gel ging auf \u2013 und Conrad wurde mit Kerwin in den Weltraum hinaus gesto&szlig;en. W&auml;hrend Sie sich an den Leinen zur&uuml;ck in die Luftschleuse hangelten, bekamen sie von der Bodenstation die Best&auml;tigung, dass das Solarpanel funktionierte. \u201eWir sehen Ampere\u201c funkte Schweickart zu den Astronauten.<\/p>\n<p>Nach dreieinhalb Stunden wurde die bisher erfolgreichste EVA im amerikanischen Weltraumprogramm beendet. Die Protokolle des Sprechfunks wurden allerdings lange Zeit unter Verschluss gehalten. Die Schwierigkeiten im Einsatz f&uuml;hrten dazu, dass beide Astronauten viele Kraftausdr&uuml;cke benutzten. Nachdem die NASA schon Proteste bekommen hatte, als Eugene Cernan bei einem Problem bei der Apollo 10 Mission die Worte \u201eSon of a Bitch\u201c und \u201eGoddamn\u201c rausrutschten, war die NASA vorsichtiger geworden.<\/p>\n<p>Skylab hatte nun 3 kW mehr elektrische Leistung \u2013 und die Besatzung kam nun auch in den \u201eLuxus\u201c einer warmen Dusche und warmen Mahlzeiten, die vorher nicht m&ouml;glich waren, weil die Solarzellen des ATM zu wenig Energie lieferten. Mit 75 Prozent der Sollleistung hatte die Station genug Strom f&uuml;r das vorgesehene Messprogramm. Lediglich sechs Experimente konnten nicht durchgef&uuml;hrt werden, weil die Zeit fehlte oder sie die Luftschleuse ben&ouml;tigten, die nun vom Parasol blockiert war. Beide Paneele zusammen lieferten zwischen 6.700 und 8.400 Watt. Die Station ben&ouml;tigte 4.700 ohne Versorgung des CSM und 5.900 Watt mit angedocktem CSM. Der Rest stand f&uuml;r Experimente zur Verf&uuml;gung.<\/p>\n<p>Auch sonst mussten sich die Astronauten als Handwerker bet&auml;tigen. Der Motor f&uuml;r den drehbaren Spiegel des Experiments S019 lief nicht mehr. Nach dem Auseinandernehmen und Neuzusammensetzen funktionierte er wieder.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium\" src=\"\/img\/SL2-07-615.jpg\" width=\"640\" height=\"480\" \/>Zu Missionsende am 26-sten Tag stand dann die einzige EVA nach dem urspr&uuml;nglichen Plan an. Kerwin sollte den vor dem Start im ATM deponierten Filmkanister bergen. Conrad entschied, dass dies Weitz durchf&uuml;hren sollte, damit auch er in den Genuss einer EVA kam. Weitz musste nur entlang einer vorher festgelegten, mit Hand- und Fu&szlig;haltevorrichtungen best&uuml;ckten Route zum Boden des ATM klettern. Diese Route, \u201eEVA Trail\u201c, war farblich markiert, und an f&uuml;nf Positionen gab es Schilder, die allerdings kaum lesbar waren, weil die Farbe verblasste. Unterst&uuml;tzt wurde Weitz durch einen ausfahrbaren Ausleger, den \u201eATM-Baum\u201c. Er wurde von der Luftschleuse aus von Conrad gesteuert. Neben dem Bergen des Kanisters reinigte Weitz die Optik des Koronografen mit einem Pinsel und \u201ereparierte\u201c einen blockierten Stromunterbrechungsschalter, indem er mit dem Hammer auf ihn einschlug. Diese rustikale Vorgehensweise war allerdings erfolgreich \u2013 der Schalter machte nun keine Probleme mehr. Vor dem Einstieg zog Weitz noch ein Blatt vom Experiment S230 ab und kehrte nach zweieinhalb Stunden zur&uuml;ck ins Labor.<\/p>\n<p>Als die Besatzung am 22.7.1973 landete, hatte sie rund 80 Prozent der geplanten Experimente durchgef&uuml;hrt. Alle 16 medizinischen Experimente konnten absolviert werden. Die medizinischen Experimente waren die wichtigsten, und es gab deswegen sogar eine Auseinandersetzung am Anfang der Mission, als Conrad diese wie geplant aufnehmen wollte, Kerwin aber die Belastungstests wegen der Hitze zur&uuml;ckstellen wollte. Die Bodenkontrolle vermittelte, und Untersuchungen und Probenentnahmen begannen erst am dritten Tag der Mission. Das Experimentalprogramm wurde reduziert von 25 Prozent der gesamten Zeit auf 20,6 Prozent.<\/p>\n<p>Dagegen gab es keine Probleme mit der &Uuml;belkeit und bei dem Experiment, das den Gleichgewichtssinn irritieren sollte (M131). Bis sich Symptome einer Irritation zeigten, konnten alle drei Astronauten eine erheblich h&ouml;here Rotationsgeschwindigkeit aushalten als beim Kontrollexperiment vor dem Start. Dies machte das \u201eSpace Adaption Syndrome\u201c, das damit erforscht werden sollte, noch r&auml;tselhafter.<\/p>\n<p>Diese Untersuchungen gingen nach der Landung weiter. Die Besatzungsmitglieder sollten noch eine Woche Atemschutzmasken tragen, um sich nicht zu infizieren, und 21 Tage weiter die bilanzierte Di&auml;t zu sich nehmen. Es gab nur ein Problem: Nach der Landung erhielt die Crew von Nixon eine Einladung zu einem Staatsbesuch von Breschnew. Vor dem Treffen mit dem Pr&auml;sidenten nahmen sie daher die Masken ab, um sie danach wieder aufzusetzen. Die Nachuntersuchung zeigte, dass Conrad im besten Zustand von den drei Astronauten war. Kerwin und Weitz hatten deutlich mehr Probleme, sich wieder zu akklimatisieren. Es dauerte einige Tage, bis sie wieder ihre alte Leistungsf&auml;higkeit erlangt hatten. Kerwin litt unter &Uuml;belkeit nach der Landung, die sich jedoch innerhalb eines Tages legte.<\/p>\n<p>Conrad, der auch mit Apollo 12 auf dem Mond war, bezeichnete Skylab 2 als die weitaus schwierigere Mission von beiden. Zum einen, weil es darum ging, die Station zu retten und bewohnbar zu machen \u2013 14 Tage lang war nicht sicher, ob die Besatzung nicht vorzeitig landen sollte. Zum anderen, weil der Arbeitsalltag auf der Station mit den durchgeplanten Tagen viel mehr Disziplin erforderte als zwei kurze Spazierg&auml;nge auf dem Mond.<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<thead>\n<tr valign=\"top\">\n<td bgcolor=\"#cccccc\" width=\"46%\">Beobachtungen<\/td>\n<td bgcolor=\"#cccccc\" width=\"31%\">Erreicht<\/td>\n<td bgcolor=\"#cccccc\" width=\"23%\">Geplant<\/td>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"46%\">ATM Beobachtungszeit<\/td>\n<td width=\"31%\">81 h<\/td>\n<td width=\"23%\">101 h (81%)<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"46%\">S052 Aufnahmen<\/td>\n<td width=\"31%\">4.519<\/td>\n<td width=\"23%\">8.025<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"46%\">S054 Aufnahmen<\/td>\n<td width=\"31%\">6.739<\/td>\n<td width=\"23%\">6.979<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"46%\">S056 Aufnahmen<\/td>\n<td width=\"31%\">4.276<\/td>\n<td width=\"23%\">6.000<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"46%\">S082A<\/td>\n<td width=\"31%\">219<\/td>\n<td width=\"23%\">201<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"46%\">S082B<\/td>\n<td width=\"31%\">1.608<\/td>\n<td width=\"23%\">1.608<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"46%\">Gesamt ATM Aufnahmen<\/td>\n<td width=\"31%\">17.377<\/td>\n<td width=\"23%\">22.810 (76%)<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"46%\">H-Alpha Film<\/td>\n<td width=\"31%\">13.000<\/td>\n<td width=\"23%\">16.000<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"46%\">EREP &Uuml;berfl&uuml;ge<\/td>\n<td width=\"31%\">11 (5 nur teilweise)<\/td>\n<td width=\"23%\">14<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"46%\">Andere EREP Beobachtungen<\/td>\n<td width=\"31%\">6<\/td>\n<td width=\"23%\">10<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"46%\">Fotos<\/td>\n<td width=\"31%\">7.460<\/td>\n<td width=\"23%\">9.000<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"46%\">Medizinische Experimente<\/td>\n<td width=\"31%\">137<\/td>\n<td width=\"23%\">147 (93%)<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"46%\">Stunden f&uuml;r Untersuchungen<\/td>\n<td width=\"31%\">148<\/td>\n<td width=\"23%\">158 (94%)<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"46%\">Beobachtungen durch die Luftschleuse<\/td>\n<td width=\"31%\">32 h<\/td>\n<td width=\"23%\">38 h (84%)<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"46%\">Andere wissenschaftliche Untersuchungen<\/td>\n<td width=\"31%\">22 h<\/td>\n<td width=\"23%\">14 h (157%)<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"46%\">Untersuchungen im UV<\/td>\n<td width=\"31%\">10<\/td>\n<td width=\"23%\">16<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"46%\">Materialwissenschaftliche Experimente<\/td>\n<td width=\"31%\">9<\/td>\n<td width=\"23%\">10<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"46%\">Entfallene Experimente:<\/td>\n<td colspan=\"2\" width=\"54%\">S015, S020, T025, M555<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"46%\">Sch&uuml;lerexperimente:<\/td>\n<td width=\"31%\">4 h<\/td>\n<td width=\"23%\">4<span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">\u00bd<\/span><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\"> h<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"46%\">Durchgef&uuml;hrte Experimente:<\/td>\n<td width=\"31%\">ED11, ED23, ED26, ED31<\/td>\n<td width=\"23%\">ED12, ED22<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_17474\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"17474\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Den folgenden Text habe ich weitestgehend unver&auml;ndert aus meinem Buch &#8222;Skylab&#8220; entnommen, das umfassend &uuml;ber die Raumstation und ihre Missionen informiert. Man findet es &uuml;berall im gut sortierten Buchhandel, wenngleich meistens nur auf Bestellung, aber auch bei allen Onlinediensten wie Libri, Amazon oder kann es direkt beim Verlag bestellen, wodurch der Autor eine h&ouml;here Marge [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[312,3160],"class_list":["post-17474","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-raumfahrt","tag-skylab","tag-skylab-2","entry"],"a3_pvc":{"activated":true,"total_views":303,"today_views":1},"jetpack_featured_media_url":"","jetpack-related-posts":[{"id":18504,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/01\/25\/die-glorreichen-10-satellitenrekorde\/","url_meta":{"origin":17474,"position":0},"title":"Die glorreichen 10 &#8211; Satellitenrekorde","author":"Bernd Leitenberger","date":"25. 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