{"id":17565,"date":"2024-07-09T07:26:19","date_gmt":"2024-07-09T05:26:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=17565"},"modified":"2024-07-09T07:26:19","modified_gmt":"2024-07-09T05:26:19","slug":"die-deorbitierung-der-iss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2024\/07\/09\/die-deorbitierung-der-iss\/","title":{"rendered":"Die Deorbitierung der ISS"},"content":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_17565\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"17565\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Den heutigen Artikel nehme ich als Aufh&auml;nger wieder einmal etwas Grundlagen zu vermitteln. Der eigentliche Grund, ist eine Meldung: Die NASA hat SpaceX beauftragt, das Deorbit-Gef&auml;hrt f&uuml;r die ISS zu entwickeln. <a href=\"https:\/\/www.nasa.gov\/news-release\/nasa-selects-international-space-station-us-deorbit-vehicle\/\">Das soll im Jahr 2030 erfolgen und der Auftrag hat einen Umfang von 843 Millionen Dollar<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/fdcf64b96c6d4b0faf34c1540dee9808\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/>.<!--more--><\/p>\n<h4 class=\"western\">Wie deorbitiert man richtig?<\/h4>\n<p>Inzwischen gibt es ja internationale Vereinbarungen zur Reduktion des Weltraumm&uuml;lls. Es sind keine verpflichtende Vertr&auml;ge, aber selbst auferlegte Auflagen. Die ESA hat vor wenigen Jahren die Zeitdauer, die ein Satellit nach Ende seiner Mission im Orbit verleiben darf, von 25 auf 5 Jahre reduziert. Dazu geh&ouml;ren auch andere Ma&szlig;nahmen wie das Deorbitieren der Oberstufe, nachdem sie ihre Satelliten abgesetzt haben. Nicht jeder folgt dem, so macht China immer wieder Schlagzeilen, weil sie die zweiten Stufen ihrer <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/langer-marsch5.shtml\">Langer Marsch 5<\/a> die immerhin &uuml;ber 20 t wiegen, nicht deorbitiert. Aber in China fallen auch die normalen Stufen beim Start <a href=\"https:\/\/gizmodo.com\/china-rocket-booster-crash-leaking-toxic-fuel-1851557049\">in bewohnte Gebiete<\/a> oder Stufen starten bei einem statischen Test <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/mediathek\/videos\/panorama\/Rakete-startet-waehrend-Testlauf-und-explodiert-article25055592.html\">schon mal selbst<\/a>. Sie haben das iterative Konzept von Elon Musk schon Jahrzehnte vor ihm verinnerlicht.<\/p>\n<p>Was man bei Satelliten aber nicht tut ist, dass man darauf achtet, wo sie runter kommen. Vielmehr senkt man die Umlaufbahn so ab, dass sie in der erlaubten Restzeit vergl&uuml;hen. Auch bei der ISS ist diese Praxis normal. So vergl&uuml;hte am 7.3.2024 ein Batteriepack der ISS, dass nachdem es durch ein neues ersetzt wurde, ziemlich genau drei Jahre zuvor einfach abgekoppelt wurde. Da Batterien relativ kompakt sind und das Paket 2,6 t wog, kam es in <a href=\"https:\/\/www.msn.com\/de-ch\/nachrichten\/other\/reste-von-iss-batterie-ins-meer-gest%C3%BCrzt\/ar-BB1jAqqo#image=3\">die Schlagzeilen<\/a>.<\/p>\n<p>Vor wenigen Tagen in die Schlagzeilen kam SpaceX. Die Dragons haben hinten einen Trunk, wo die Cargo Transporter Fracht transportieren k&ouml;nnen, bei den bemannten Transportern vermittelt er zwischen Kapsel und Falcon 9. Diese Trunks werden nach Abkopplung von der ISS abgetrennt und sie sind so massiv, das sie den Wiedereintritt &uuml;berleben. Mindestens drei sind schon auf dem Gebiet der USA niedergegangen. Da die Teile, die den Wiedereintritt &uuml;berlebten um die 50 kg wiegen hat das jetzt auch die <a href=\"https:\/\/www.msn.com\/en-us\/news\/technology\/nasa-confirms-latest-space-debris-find-amid-concerns-about-falling-junk\/ar-BB1ppCKK#\">NASA auf den Plan gerufen<\/a>.<\/p>\n<p>Also bisher hat die NASA es mit der Deorbitstratgeie der ISS nicht so genau genommen, aber das betraf ja auch nur kleine Einzelteile und nicht die ganze 420+ t schwere Station.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Schnelles und langsames Deorbitieren<\/h4>\n<p>Wie man deorbitiert ist keine <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2024\/07\/07\/der-satellit-in-einer-niedrigen-umlaufbahn\/\">Geheimwissenschaft<\/a>. Die Atmosph&auml;re nimmt in der Dichte nach oben hin ab und sie bremst alles ab und zwar um so mehr je n&auml;her ein Objekt der Erde ist. Unumkehrbar, in dem Sinne, das ein Objekt keinen weiteren Umlauf mehr schafft, ist dies wenn die Umlaufbahn eine H&ouml;he von 100 bis 120 km unterschritten hat. Das gilt zumindest f&uuml;r kreisf&ouml;rmige Umlaufbahnen. Das erste Aufleuchten durch Plasma sah man beim <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2024\/06\/10\/nachlese-zum-vierten-starship-teststart-itf-4\/\">letzten Teststart ITF-4<\/a> in 105 km H&ouml;he. Wann ein Objekt auseinanderbricht, h&auml;ngt nat&uuml;rlich von dem Objekt selbst ab. Relativ genau untersucht hat man dies beim Wiedereintritt der ATV. Da diese sehr den Modulen der Raumstation &auml;hnelten, wurde ihr Wiedereintritt mit je einem ESA und einem NASA-Flugzeug &uuml;berwacht. Das Zerbrechen begann in 80 km H&ouml;he wo dann zuerst die Solarzellenausleger abbrechen, da sie sie relativ geringes Gewicht haben und eine gro&szlig;e Oberfl&auml;che und so viel Widerstand bieten. Das aerodynamisch besser geformte ATV-Modul zerbrach etwas tiefer, kurz bevor es 60 km H&ouml;he erreichte. Das Starship ging bei <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2024\/03\/17\/nachlese-dritter-teststart-des-starships-itf-3\/\">ITF-3<\/a> auch in 65 km H&ouml;he verloren.<\/p>\n<p>Was die NASA nun tun m&ouml;chte, ist dass sie den Ort wo die Tr&uuml;mmer niedergehen genau kontrollieren k&ouml;nnen, am besten sollte diese im Pazifik heruntergehen, wo es viel Gew&auml;sserfl&auml;che gibt, wo es wenige oder gar keine Inseln gibt. Die Osterinsel ist z. B. &uuml;ber 2.500 km von jedem anderen Festland entfernt.<\/p>\n<p>Da sich die Teile der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/iss-index.shtml\">ISS<\/a> wie auch ein Satellit in verschiedenen H&ouml;hen abtrennen, kommen sie auch an verschiedenen Orten nieder. Will man die betroffene Region also m&ouml;glichst klein halten, so muss man daf&uuml;r sorgen, dass der Eintritt m&ouml;glichst steil erfolgt, die ISS sehr bald in die Region ger&auml;t in der auch die Module mit ihren dicken W&auml;nden vergl&uuml;hen. Je gr&ouml;&szlig;er der Unterschied zwischen dem h&ouml;chsten Punkt der Bahn (Apog&auml;um) und dem niedrigsten Punkt der Bahn (<a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/orbits.shtml\">Perig&auml;um<\/a>) ist, desto steiler ist der Eintritt. Bei den suborbitalen Tests des <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/StarShip-Super-Heavy.shtml\">Starships<\/a> gelangten diese in Orbits mit einem Perig&auml;um von -55 km und einem Apog&auml;um von 234 km. Das Perig&auml;um kann durchaus unterhalb der Erdoberfl&auml;che liegen. Bei<a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/ariane5.shtml\"> Ariane 5 Starts<\/a>, wo man daf&uuml;r sorgt das die Zentralstufe in einem bestimmten Gebiet im Indischen Ozean aufschl&auml;gt, liegt das Perig&auml;um z.B. bei -1100 km. Das klingt dramatisch, aber es fehlen nur 438 m\/s f&uuml;r eine 200 km hohe Kreisbahn.<\/p>\n<p>Die ISS befindet sich derzeit in rund 407 km H&ouml;he. W&uuml;rde man das Perig&auml;um auf 0 km absenken, so braucht man daf&uuml;r eine Geschwindigkeits&auml;nderung von 119,42 m\/s. Der Treibstoffbedarf ist auch ohne Raketengleichung relativ einfach zu berechnen, weil die Massen&auml;nderung bei 420 t Masse der ISS durch den verbannten Treibstoff praktisch nicht ins Gewicht f&auml;llt. Es gilt:<\/p>\n<ul>\n<li>Gesamtimpuls = Masse * Geschwindigkeits&auml;nderung<\/li>\n<li>Treibstoffverbrauch = Gesamtimpuls \/ spezifischen Impuls<\/li>\n<\/ul>\n<p>Also f&uuml;r einen spezifischen Impuls von 3000 m\/s, wie ihn lagerf&auml;hige Treibstoffe haben aber auch LOX\/Kerosin, ergebt sich bei einer Masse von 420 t f&uuml;r die ISS:<\/p>\n<ul>\n<li>420.000 kg * 119,4 m\/s = 50.1487.000 Ns<\/li>\n<li>50.148.000 Ns \/ 3.000 m\/s = 16.716 kg<\/li>\n<\/ul>\n<p>In <a href=\"https:\/\/spacepolicyonline.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/ISS-deorbit-analysis.pdf\">einem Papier<\/a> gibt die NASA dagegen den Treibstoffverbrauch mit 9.000 kg und das <span style=\"font-family: Georgia, serif;\">\u0394<\/span>v mit 57 m\/s an. Die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/iss-deorbitierung.shtml\">Strategie<\/a> ist aber nicht neu. Man l&auml;sst die ISS zuerst kontrolliert absinken \u2013 wenn Batterien, die sehr kompakt sind, innerhalb von drei Jahren vergl&uuml;hen, dann d&uuml;rfte die ISS weitaus weniger Zeit brauchen, um einen niedrigen Orbit zu erreichen. Zudem muss sie nicht das Perig&auml;um auf 0 km absenken. Mit den letzten ATV hat man einen flacheren Abstieg erprobt. Ab welcher H&ouml;he die ISS auseinanderbricht und keinen weiteren Umlauf mehr schafft, wird nur die NASA wissen, doch beim aerodynamisch geformten Starship waren bei ITF-4 schon in 106 km H&ouml;he Plasma zu sehen, so denke ich wird die H&ouml;he unter 110 km liegen. Bei einem dV von 57 m\/s d&uuml;rfte die Ausgangsh&ouml;he dann bei 300 km liegen.<\/p>\n<p>Zum Vergleich: die operativen Orbits von <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/iss-raumstationen-geschichte.shtml\">Saljut 1 bis 5<\/a> lagen immer unter 300 km H&ouml;he, Saljut 6+7 und Mir operierten in 340 bis 350 km H&ouml;he. W&auml;hrend des Aufbaus war die ISS in 370 km H&ouml;he. Damals durfte sie nicht unter 340 km H&ouml;he sinken, weil sonst die Logistik nicht mehr garantieren konnte, sie vor dem weiteren Absinken zu hindern. Die europ&auml;ischen ATV, <a href=\"https:\/\/amzn.to\/3XUODOA\">&uuml;ber die es auch ein Buch von mir gibt<\/a>, brachten sie dann in die heutige H&ouml;he.<\/p>\n<p>Von Vorteil f&uuml;r das Deorbitieren ist, dass beim geplanten Datum 2030 man sich nah eines solaren Minimums befindet (siehe meinen <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2024\/07\/07\/der-satellit-in-einer-niedrigen-umlaufbahn\/\">letzten Blog zu dem Thema<\/a>). Also die Atmosph&auml;re vergleichsweise wenig bremst. Ich habe aus der Lebensdauer in dem obigen PDF mal die Oberfl&auml;che zu rund 4.400 m\u00b2 bestimmt und dann simuliert wie lange die ISS braucht, um von 415 auf 300 km H&ouml;he zu sinken. Es sind ziemlich genau eineinhalb Jahre. Allerdings geht es dann ziemlich schnell: in weniger als 40 weiteren Tagen ist sie in 100 km H&ouml;he angelangt. Die Zeit dr&auml;ngt dann also.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Der Schub<\/h4>\n<p>Bei den Geschwindigkeitsberechnungen ging ich von einem Impuls aus. Also ein schukr&auml;ftiges Triebwerk senkt mit einer kurzen Z&uuml;ndung die Bahn ab. Das hei&szlig;t: die Brenndauer muss klein vergleichen mit der Umlaufszeit von etwa 90 Minuten sein. Bisher waren daf&uuml;r mehrere <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/progress.shtml\">Progress Transporter<\/a> vorgesehen, die haben je zwei Haupttriebwerke von 3,92 kN Schub. Die maximal 2 t Treibstoff pro Transporter verbrennen die Triebwerke, wenn beide laufen, in 730 Sekunden, das ist ein Bruchteil der Umlaufdauer.<\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/cygnus-dragon.shtml\">US-Transporter zur ISS<\/a> mit denen man Tests machte, ob sie die Lageregelung und den Reboost &uuml;bernehmen k&ouml;nnen haben dagegen nur Triebwerke von maximal 0,4 kN Schub. Zudem eine zu geringe Treibstoffladung. Dann dauert das Deorbitieren noch l&auml;nger, denn man kann nur jeweils am h&ouml;chsten Punkt der Bahn die Triebwerke z&uuml;nden. Sonst sinkt zum einen das Apog&auml;um auch ab und es wird wesentlich schwieriger die r&auml;umliche Lage zu stabilisieren, vor allem aber braucht man dann ungef&auml;hr die doppelte Treibstoffmenge, das nicht nur ein Bahnpunkt abgesenkt wird, sondern beide.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Die Optionen<\/h4>\n<p>Das die ISS deorbitiert werden muss, ist jetzt nicht so &uuml;berraschend. Das <a href=\"https:\/\/spacepolicyonline.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/ISS-deorbit-analysis.pdf\">obige Papier <\/a>diskutiert auch andere Alternativen, aber diese sind entweder zu umst&auml;ndlich oder brauchen viel mehr Treibstoff, wenn sie in einen h&ouml;heren Orbit verschoben werden soll. Wobei allerdings auch nur sehr hohe Orbits ber&uuml;cksichtigt wurden, w&uuml;rde man denselben Treibstoffbedarf von 9.000 kg wie beim Deorbit einsetzen so k&ouml;nnte man sie in 520 km H&ouml;he hieven, was einem 14 Jahre Zeit g&auml;be. Und dann gibt es sicherlich ja viel g&uuml;nstigere M&ouml;glichkeiten, schon seit dem Bau der ISS ist der Transport ins All ja deutlich g&uuml;nstiger geworden.<\/p>\n<p>Der alte Plan war sie mit mehreren Progress zu deorbitieren. Diese k&ouml;nnen auch die eigenen Treibstoffvorr&auml;te der ISS auff&uuml;llen, sodass man beim letzten Man&ouml;ver 5,7 t mehr Treibstoff einsetzen kann. Jeder Progress-Transporter kann rund 2 t Treibstoff transportieren. Angesichts des Konflikts mit Russland will NASA-Administrator Bill Nelson sich nun nicht mehr darauf verlassen und hat einen <a href=\"https:\/\/www.msn.com\/de-de\/nachrichten\/wissenundtechnik\/iss-und-spacex-elon-musks-team-soll-internationale-raumstation-aus-dem-orbit-holen\/ar-BB1p0vlT\">Auftrag &uuml;ber 830 Millionen Dollar an SpaceX vergeben<\/a>. Aber bevor ich zu dem komme, will ich zwei andere Optionen diskutieren.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Orion<\/h4>\n<p>Eine M&ouml;glichkeit w&auml;re die Orion. Die Orion wiegt etwas mehr als 26 t, davon sind 8,6 t Treibstoff. Sie kann, da die Docking-Adapter f&uuml;r die Dragon 2 und den Starliner aus dem Adapter f&uuml;r die Orion entwickelt wurden an die ISS andocken und das auch automatisch. Damit k&ouml;nnte sie unbemannt gestartet werden, was es erm&ouml;glichen w&uuml;rde die auf einer Falcon Heavy oder New Glenn zu starten. Ich vermute aber, weil die NASA schon vor Jahren beschlossen hat, die ISS nur kommerziell zu versorgen, auch was die Besatzung angeht, das dies politisch nicht gewollt ist. Daneben ist sie wohl zu teuer: Die Artemis 1 Mission <a href=\"https:\/\/spacenews.com\/nasa-defends-artemis-cost-and-schedule-amid-planning-of-possible-changes\/\">kostete 4,1 Milliarden Dollar<\/a>. Gut davon geht einiges auf die SLS, die Missionsdurchf&uuml;hrung, aber selbst wenn die Orion selbst nur ein Viertel der Gesamtsumem ausmacht, ist das immer noch teurer als die Summe die SpaceX erh&auml;lt und dann k&auml;men ja noch Startkosten hinzu.<\/p>\n<h4 class=\"western\">ESA Mission<\/h4>\n<p>Die Orion beinhaltet auch das europ&auml;ische Servicemodule ESM. Das wurde aus dem <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/ATV.shtml\">ATV<\/a> entwickelt. Die sechs ESM sind die Kompensation f&uuml;r den ISS Betrieb, das sind 14 Jahre wobei die NASA den j&auml;hrlichen ESA-Beitrag auf 150 Millionen Dollar festlegt, das w&auml;ren 325 Millionen Dollar pro ESM. W&uuml;rde die ESA es mit einer Ariane 6 starten, so w&uuml;rden maximal Startkosten von 115 Millionen Euro hinzukommen, bis 2030 w&uuml;rde aber auch eine Ariane 62 mit Startkosten von 90 Millionen Euro reichen, weil derzeit Ariane 6 Upgrades erfolgen.<\/p>\n<p>Das Andocken k&ouml;nnte &uuml;ber das Verpflanzen des Orion-Koppeladapters erfolgen, aber auch vuel einfacher: es gibt noch ein Ingenieursexemplar des ATV, dass f&uuml;r Tests genutzt wurde und dann nicht startete, damit man an ihm Probleme nachvollziehen kann. Baut man den Koppeladapter dieses ATV aus und an das Servicemodul an, so kann es im russischen Segment andocken, was den Vorteil hat, dass der Schubvektor durch den Schwerpunkt geht. Das erleichtert das Man&ouml;ver betr&auml;chtlich. Zus&auml;tzlich k&ouml;nnte man das AJ-10 auch durch das eigene Aestus Triebwerk ersetzen. Das hat den dreifachen Schub und einen h&ouml;heren spezifischen Impuls, sodass man mit rund 8,1 t Treibstoff auskommt und 8,6 t Treibstoff passen ins Servicemodul.<\/p>\n<p>Das die NASA den Auftrag an die ESA vergibt w&auml;re m&ouml;glich gewesen, schlussendlich hat sie sich ja auch jahrelang darauf verlassen, das Russland die ISS deorbitiert und die ESA ist nicht nur ein zuverl&auml;ssiger Partner, sie ist ja mit dem ESM schon in einem anderen Programm \u2013 Artemis \u2013 unverzichtbar. Als Kompensation f&uuml;r das Deorbitieren h&auml;tte man zum Beispiel einen ESA-Astronauten auf eine Mondmission mitnehmen k&ouml;nnen.<\/p>\n<h4 class=\"western\">SpaceX Optionen<\/h4>\n<p>Bei der ISS geht Sicherheit vor, daher glaube ich nicht das die NASA selbst im Jahre 2030 die Desorientierung durch ein Starship erlauben wird. Es stellt sich auch die Frage wie dieses andocken soll. Gerade hat eine <a href=\"https:\/\/spacenews.com\/nasa-assessment-suggests-potential-additional-delays-for-artemis-3-lunar-lander\/\">interne Untersuchung<\/a> ergeben, dass die Artemis 3 Mission mit dem Lunar Starship nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent bis zum Februar 2028 durchgef&uuml;hrt werden kann. Nur zu Einordnung: an der Mission wird seit &uuml;ber drei Jahren entwickelt und sie sollte eigentlich noch dieses Jahr stattfinden. Die ISS hat nicht die Zeit, einige Jahre Verz&ouml;gerung bei SpaceX abzuwarten. Sie wurde vorher unkontrolliert vergl&uuml;hen.<\/p>\n<p>Was SpaceX mit den 830 Millionen Dollar entwickelt, wei&szlig; man nicht. Senkrechtstarter spekuliert das die Dragon XL die das Lunar Gateway versorgen soll daf&uuml;r genutzt wird. Doch mehr als eine Abbildung kennt man von dem nicht. XL ist auch irref&uuml;hrend, denn es muss leichter als eine normale Dragon sein, sonst kann nicht mal eine <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/falcon-heavy.shtml\">Falcon Heavy<\/a> es transportieren. F&uuml;r mich sieht dies aus wie der Trunk mit einem Koppeladapter. Ob diese Dragon XL dazu geeignet ist, h&auml;ngt vom Missionsdesign f&uuml;r die Mondmission ab: Wenn die Dragon XL von der Oberstufe (wahrscheinlich einer Falcon Heavy) auf einen Mondtransferkurs bef&ouml;rdert wird, dann braucht sie nur ein kleines <span style=\"font-family: Georgia, serif;\">\u0394v<\/span> um an das Lunar Gateway anzudocken. Die daf&uuml;r notwendigen Treibstoffvorr&auml;te w&uuml;rden nie ausreichen, um die ISS zu deorbitieren. Anders s&auml;he es aus, wenn die Dragon XL den Erdorbit mit eigenem Treibstoff verlassen w&uuml;rde. Doch warum sollte SpaceX die Dragon XL so auslegen? Sie m&uuml;ssten eine eigene Stufe daf&uuml;r konstruieren w&auml;hrend sie bei der Nutzung einer Oberstufe f&uuml;r das TLI nur den Trunk der bisherigen Dragon anpassen m&uuml;ssen. Nach den Abbildungen entf&auml;llt n&auml;mlich die kegelf&ouml;rmige Kapsel.<\/p>\n<p>Die einfachste M&ouml;glichkeit, die man bei SpaceX sicher auch der NASA vorgeschlagen hat, w&auml;re eine normale ISS-Dragon mit einer Falcon Heavy zu starten, aber die Oberstufe nicht abzutrennen. Mit einer Zusatzisolation am Sauerstofftank k&ouml;nnte man diesen lange genug fl&uuml;ssig halten. Angedockt an die ISS w&uuml;rde bei der Nutzlast der Falcon Heavy die Stufe mehr als genug Resttreibstoff haben, um sei zu deorbitieren und das <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/merlin.shtml\">Merlin Triebwerk<\/a> ist auch sehr schubstark. Ich vermute bei der NASA w&uuml;rde ein solcher Vorschlag aber durchfallen.<\/p>\n<p>Was ich denke ist, dass man im Trunk einer derzeitigen Dragon Treibstofftanks anbringt, dazu ein Triebwerk, zum Beispiel ein Super-Draco. Die Feinkorrekturen w&uuml;rden die normalen Triebwerke &uuml;bernehmen, ebenso das Andocken. Das w&auml;re eine relativ preiswert umsetzbare L&ouml;sung.<\/p>\n<h5 class=\"western\">Fazit<\/h5>\n<p>Es gibt viele Optionen und sechs Jahre Zeit d&uuml;rften ausreichten um eine L&ouml;sung zu entwickeln. Was aber auch klar ist: es wurde wohl niemand gefunden, der die ISS kommerziell weiterbetreiben will. Ich selbst sehe den ganzen Weltraumtourismus als Spin-Off. Sprich: bisher gab es nur Missionen mit Vehikeln, die mit staatlicher Finanzierung entwickelt und betrieben wurden zu Raumstationen die Weltraumorganisationen betrieben werden. Die einzige Firma, die an einer eigenen Raumstation arbeitete, Bigelow Aerospace ist <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2020\/04\/03\/bigelow-aerospace-ist-pleite\/\">schon seit Jahren insolvent<\/a>. Andere Firmen die eine Raumstation bauen wollen, m&uuml;ssen auch erst einmal demonstrieren das dies m&ouml;glich ist (<a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/bigelow.shtml\">Bigelow<\/a> startete ja zumindest verkleinerte Probeexemplare ihrer Stationen).<\/p>\n<p>Jetzt sind zwar kommerzielle Module f&uuml;r die ISS geplant, aber das sind eben einzelne Module, selbst wenn die Betreiber ein weiteres Modul brauchen um die Ressourcen bereitzustellen, welche die die ISS liefert (Strom, Lebenserhaltung, Stauraum, Lageregelung, Kommunikation etc. ) dann werden diese Stationen viel kleiner und leichter als die ISS sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_17565\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"17565\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Den heutigen Artikel nehme ich als Aufh&auml;nger wieder einmal etwas Grundlagen zu vermitteln. Der eigentliche Grund, ist eine Meldung: Die NASA hat SpaceX beauftragt, das Deorbit-Gef&auml;hrt f&uuml;r die ISS zu entwickeln. Das soll im Jahr 2030 erfolgen und der Auftrag hat einen Umfang von 843 Millionen Dollar.<\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[11,2659,5213,13,32],"class_list":["post-17565","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-raumfahrt","tag-atv","tag-deorbit","tag-esm","tag-iss","tag-orion","entry"],"a3_pvc":{"activated":true,"total_views":742,"today_views":0},"jetpack_featured_media_url":"","jetpack-related-posts":[{"id":15301,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2021\/04\/20\/nachlese-zum-human-landing-system-hls-kontrakt\/","url_meta":{"origin":17565,"position":0},"title":"Nachlese zum Human Landing System (HLS) Kontrakt","author":"Bernd Leitenberger","date":"20. 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