{"id":1791,"date":"2009-09-16T18:22:22","date_gmt":"2009-09-16T16:22:22","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=1791"},"modified":"2009-09-16T18:22:57","modified_gmt":"2009-09-16T16:22:57","slug":"das-europa-der-nationalen-eigenmaechtigkeiten-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2009\/09\/16\/das-europa-der-nationalen-eigenmaechtigkeiten-2\/","title":{"rendered":"Das Europa der nationalen Eigenm&auml;chtigkeiten"},"content":{"rendered":"<p><!-- \t\t@page { margin: 2cm } \t\tP { margin-bottom: 0.21cm } \t\tH1 { margin-top: 0cm; margin-bottom: 0cm; line-height: 0.66cm; text-align: center; page-break-before: always } \t\tH1.western { font-family: \"Arial\", sans-serif; font-size: 15pt } \t\tH1.cjk { font-family: \"Arial Unicode MS\"; font-size: 16pt } \t\tH1.ctl { font-family: \"Tahoma\"; font-size: 16pt } --><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Heute ein sehr langer Blog: Ich habe gerade im Konzept das Epilog meines Buchs &uuml;ber europ&auml;ische Tr&auml;ger Teil 2 fertiggestellt und will euch den nicht vorenthalten.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Beginnend mit der Fortentwicklung der Ariane 5 begann der Konsens, der in der ESA f&uuml;r gr&ouml;&szlig;ere Projekte notwendig ist, zu br&ouml;ckeln. Die Entwicklung von Ariane und Vega unter?scheidet sich von anderen ESA Projekten in zwei Dingen:<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Mit der Rakete selbst ist es alleine nicht getan ? es gibt auch den Bedarf f&uuml;r den Unterhalt des CSG, auch wenn die Entwicklung abgeschlossen ist. Weiterhin muss der Tr&auml;ger ver?&auml;nderten Marktbedingungen angepasst werden: siehe das Ariane Evolution Programm.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Wenn die Rakete erfolgreich fliegt, so bedeutet dies aber auch gesicherte Arbeitspl&auml;tze in der Produktion. Jedes andere ESA Projekt kostet nur Steuergeld. Die Entwicklung einer Tr&auml;ger?rakete kann dagegen auch Steuereinnahmen bescheren.<!--more--><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Nicht umsonst sind daher die Franzosen bei der Entwicklung der Ariane 1 bis 5 die treibende Nation gewesen, denn damit kamen auch bei der Produktion entsprechend der Beteiligung bei der Entwicklung Auftr&auml;ge zur&uuml;ck. Bei der wesentlich kostspieligeren Entwicklung der Ariane 5 gab es die Gelegenheit, die deutsche Beteiligung zu erh&ouml;hen und auch technologisch wichtige Teile zu entwickeln und zu fertigen. So wurde MBB von SEP angeboten, das Vulcain Triebwerk gemeinsam zu entwickeln. Doch weder die deutsche Regierung, noch die deutschen Firmen waren bereit, Geld f&uuml;r Vorstudien auszugeben. F&uuml;r Deutschland war damals ? wie noch heute, die bemannte Raumfahrt wichtiger.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">So produziert bei der ersten Generation der Ariane 5 Deutschland die H&uuml;lsen der Feststoff?booster und die dritte Stufe ? erstmals weitgehend eine ganze Stufe. Bei Ariane 1-4 waren es nur Komponenten und der Zusammenbau der Stufe, aber z.B. nicht das Triebwerk.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">W&auml;hrend bei der Entwicklung der Ariane 5 die Abstimmung zwischen den L&auml;ndern noch ge?lang, gab es danach zunehmend Probleme. Den Anfang machte 1999 die neue, von der SPD und den Gr&uuml;nen gebildete Regierung, in der Bundesrepublik. Sie blockierte die Weiter?entwicklung der Ariane 5, indem die Mittel f&uuml;r eine Steigerung der Leistung der EPS-Stufe nicht zur Verf&uuml;gung gestellt wurden. Die L&ouml;sung bestand darin, gleich die ECS-A Stufe zu entwickeln und diese in Deutschland integrieren zu lassen. Allerdings kommt nun schon das Triebwerk der ESC-A aus Frankreich.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Die nationalen Interessen blockieren zunehmend die Weiterentwicklung der Tr&auml;gerraketen. Seit 2003 ruht der Ausbau der Ariane. Die ESA-Ministerratstreffen in Berlin (2005) und in Den Haag (2008) brachten keine Beschl&uuml;sse zur Wiederaufnahme der Entwicklung. Es gibt zwar Mittel f&uuml;r die ESC-B-Oberstufe, doch nur in einem so geringen Ma&szlig;e, dass die Fluger?probung des Vinci Triebwerks auf niedriger Stufe weitergehen kann und die Fixkosten, die zwangsl&auml;ufig anfallen, abgedeckt werden. In der Summe ist dies erheblich teuere als eine konsequente Entwicklung. So kostet das ?Post ESC-A Programm?, also die Entwicklung der ESC-B Oberstufe von 2009-2011 die ESA 340 Millionen Dollar ? ohne dass daf&uuml;r Hardware gebaut wird. Im wesentlichen wird das Geld in den Fixkosten und einem ?Proposal? f&uuml;r die n&auml;chste Ministerratssitzung verbraten.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Frankreich scheint nach einem offenen Brief von Fredrik Engstr&ouml;m, dem ehemaligen Leiter des Direktorats f&uuml;r Tr&auml;gerraketenentwicklung, an einer &uuml;berkommenen Management?struktur festhalten zu wollen. Dabei h&auml;tten die anderen beteiligten Staaten kaum Mit?spracherechte. Im weiteren scheinen auch durch Frankreich die Mittel f&uuml;r die Weiter?entwicklung der Vinci Stufe blockiert zu werden. Da nach wie vor Frankreich drauf besteht das Triebwerk zu bauen, weil es neue Technologien verspricht, bedeutet das eine Blockade der Weiterentwicklung der Ariane.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Bei der Entwicklung der Vega, welche von Italien vorgeschlagen worden war, zeigte sich ebenfalls der fehlende Konsens. Bei vielen europ&auml;ischen Nationen gab es kein Interesse an einer neuen Tr&auml;gerrakete in diesem Segment, weil die ESA und die europ&auml;ischen Staaten bisher auf russische Tr&auml;gersysteme zur&uuml;ckgegriffen hatten (Rockot und Dnepr).<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Die italienische Vertretung drohte deshalb damit, aus der Ariane 5 Weiterentwicklung aus?zusteigen und die Vega als nationales Projekt durchzuf&uuml;hren. Mit der Leistungssteigerung und der Einf&uuml;hrung neuer Technologien bei der ersten Stufe konnte Italien dann aber schlie&szlig;lich Frankreich &uuml;berzeugen, und die Vega wurde so zum ESA-Projekt. Allerdings musste auf eine deutsche Beteiligung verzichtet werden. Deutschland war zu dieser Zeit der zweitgr&ouml;&szlig;te Beitragszahler der ESA. Warum diese Entscheidung ? ist doch die Vega Entwicklung um den Faktor zehnmal preiswerter als die der Ariane und liegt in der Gr&ouml;&szlig;en?ordnung eines mittelgro&szlig;en Forschungssatelliten. Nun, Astrium LV, ein deutscher Ableger von EADS\/Astrium, der aus der DASA hervorging, ist zu 51 % an der Vermarktung der Rockot beteiligt. So hoch ist der Anteil von Astrium LV an dem Anbieter Eurockot. F&uuml;r Astrium LV ist die Vega nat&uuml;rlich eine Konkurrenz, denn viele Nutzlasten der Rockot kamen von Europa.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Der Autor stellt sich nur folgende Frage: Ist es Aufgabe der deutschen Raumfahrtagentur DLR die privatwirtschaftlichen Interessen einer Firma zu vertreten? Meiner Ansicht nach ist es die Aufgabe der DLR die Forschung und Technologie in Deutschland zu f&ouml;rdern. Dies geht am besten, indem sich deutsche Firmen an neuen Projekten beteiligen, in denen diese Technologien entwickelt werden. Astrium LV verdient zwar an der Rockot. Aber sie wird in Russland gefertigt und gestartet. Astrium LV ist nichts weiter als ein Dienstleister, der russische Startservices verkauft.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Was sind die Folgen? Avio produziert die P80FW Booster in Italien. Die Fertigungsanlagen sind aber nicht f&uuml;r die Vega ausgelegt. Sie sind ausgelegt f&uuml;r die Produktion der Ariane 5 Booster. Was wird wohl passieren, wenn in einigen Jahren die Ariane 5 weiter in der Leistung gesteigert werden muss und der &Uuml;bergang auf Graphitepoxidwerkstoffe f&uuml;r die Booster 1000 bis 1500 kg mehr Nutzlast verspricht? Ich wage zu prognostizieren, dass dann die Booster dort gefertigt werden, wo es schon entsprechende Anlagen gibt, also in Italien.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Als Folge d&uuml;rften bei MT Aerospace rund 50 % des Umsatzes und die H&auml;lfte der Beteiligung Deutschlands an der Ariane 5 wegfallen. Dabei hatte MT Aerospace im Jahre 2001-2003 die Technologie im kleinen Ma&szlig;e erprobt, wollte aber die Investitionen nicht t&auml;tigen. Aus Sicht der Firma verst&auml;ndlich. Avio finanziert ja auch nicht die Investitionen selbst, sondern be?kommt die Mittel daf&uuml;r aus der Vega Entwicklung. Nur war eben Italien so schlau zu er?kennen, dass die Vega nicht nur einfach ?eine neue Rakete? ist, sondern die Aneignung der Technologie Wettbewerbsvorteile bei der Ariane Fertigung verspricht.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Was tut nun die DLR? Im Jahre 2008 ist die Entwicklung der Vega sp&uuml;rbar bei der Vergabe von Auftr&auml;gen. Die ESA hat f&uuml;r die meisten neuen Nutzlasten die Vega vorgesehen. Auf der anderen Seite hat Russland die Preise f&uuml;r Startleistungen erh&ouml;ht. Auf gut Deutsch: Das Gesch&auml;ft mit der Rockot ist f&uuml;r EADS Astrum am Abflauen. Was macht nun die DLR? Sie vergibt an eben diese Firma den Auftrag zu untersuchen, ob eine Oberstufe auf Basis der Technologie des Aestus und Vinci Triebwerks die Nutzlast steigert. Wer sich die Leermassen der Stufen anschaut, dem d&uuml;rfe klar sein, dass der Ersatz des Zefiro 9 Antriebs durch eine etwa gleich gro&szlig;e Stufe mit dem Aestus oder Vinci Triebwerk die Nutzlast nicht steigert ? das war &uuml;brigens auch das Ergebnis der Studie, die allerdings nicht einige Minuten des Nachdenkens, sondern 500.000 Euro kostete.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Frankreich als treibende Kraft der Tr&auml;gerentwicklung in Europa kann dagegen recht frei schalten, wahrscheinlich, weil es ohne Frankreich nicht geht. So fand der ESA Vorschlag f&uuml;r einen Tr&auml;ger aus Elementen der Vega und der Ariane 5 im Segment von etwa 5 t Nutzlast keinen Zuspruch bei Frankreich. Hier will Arianespace, welche an Starsem, dem Vermarkter der Sojus, beteiligt ist, keine Konkurrenz haben. Vielmehr sollten gem&auml;&szlig; franz&ouml;sischer Meinung die Wettbewerbsvorteile der Sojus verbessert werden. So beteiligt sich die ESA derzeit an der Finanzierung des Ausbaus des ELS Komplexes (<strong>E<\/strong>nsemble des <strong>L<\/strong>ancements <strong>S<\/strong>oyuz), damit die Sojus von dort starten kann. Von den 344 Millionen Euro, welche ELS kosten soll, stammen fast zwei Drittel (223 Millionen) von der ESA.  Auf gut deutsch: Die ESA k&ouml;nnte aus den Stufen der Ariane 5 und Vega ohne Problem und h&ouml;here Kosten eine Tr&auml;gerrakete zwischen der Ariane und Vega entwickeln. Als Folge w&uuml;rden sich die Produktionskosten durch Synergieeffekte f&uuml;r beide Tr&auml;ger erniedrigen. Stattdessen finanziert sie einen Startkomplex einer franz&ouml;sischen Firma f&uuml;r einen russischen Tr&auml;ger! Als Folge steigen auch die Ausgaben f&uuml;r das CSG von 250 Millionen Euro zwischen 2006 und 2008 auf 391 Millionen f&uuml;r die Periode von 2009 bis 2013.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Es sollte nicht verschwiegen werden, dass diese nationalen Eigenm&auml;chtigkeiten auch in anderen ESA Programmen zunehmen. So ist Deutschland nicht am Exomars Programm beteiligt. Nach Ansicht des Autors zu Recht, denn l&auml;uft aus dem Kostenrahmen und erinnert mich an die amerikanischen Rover ? ein europ&auml;isches Programm sollte aber nicht einfach nur ein anderes Programm kopieren, sondern sich auf die Ressourcen konzentrieren, die uns zur Verf&uuml;gung stehen. Doch was macht nun die DLR? Sie pr&auml;sentiert dem Kabinett den Vor?schlag f&uuml;r ein 1.5 Milliarden teures nationales Mond- und Marsprogramm! Also ein Konkurrenzprogramm zu einem europ&auml;ischen Programm, das zu teuer wird.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Deutschland beteiligte sich in gro&szlig;em Stil an der bemannten Raumfahrt. Dazu geh&ouml;rt das deutsche Engagement beim Spacelab, bei den beiden deutschen Missionen D1 und D2, beim Raumstationsmodul Columbus und beim unbemannten ATV Frachter. Alle diese Projekte haben eine deutsche Beteiligung von 40 bis 53 %. In der Summe wurde von Deutschland genauso viel Geld in diesen Bereich investiert, wie Frankreich in die Ariane steckte. Was war aber der Nutzen f&uuml;r Deutschland und Frankreich? Im einen Fall gibt es etwa ein Dutzend Astronauten, die im All waren. Im anderen Fall sind es 200 Raketenstarts und ein Welt?marktanteil von &uuml;ber 50 %. Im einen Fall wurden Milliarden investiert und im anderen Fall wurden Milliarden eingenommen. Nun ist auch die ISS zu teuer geworden und ihre Zukunft ist nicht gesichert. Die Finanzierung der ISS steht bisher bis Ende 2015. Dann ben&ouml;tigt das Constellation Programm die Mittel, um eine Mondlandung bis 2020 zu erm&ouml;glichen. Zwar ist der Weiterbetrieb der ISS w&uuml;nschenswert. Doch da das Constellation Programmen unter?finanziert ist, kann es durchaus sein, dass die USA sich aus der ISS Finanzierung zur&uuml;ck?ziehen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Deutschland brachte nun zur Ministerratskonferenz 2008 den Vorschlag ein, das ATV zu einem Transporter umzubauen, der auch Fracht zur&uuml;ckbringen kann. Dieser Vorsto&szlig; fand keine Mehrheit. Nach meiner Ansicht aus guten Gr&uuml;nden: Selbst wenn er beschlossen worden w&auml;re, dauert eine solche Entwicklung einige Jahre und vielleicht st&auml;nde ein solches ATV dann 2013\/2014 zur Verf&uuml;gung. Die Versorgungsl&uuml;cke entsteht aber nach dem Aus?mustern der Space Shuttles von 2010 bis 2014, wenn die ersten Orion Fl&uuml;ge zur ISS anstehen. Gerade dann, wenn der Frachttransporter ben&ouml;tigt wird, steht er nicht zur Verfolgung. Wenn er entwickelt ist, wird er aber nicht mehr gebraucht. Dieser Vorsto&szlig; h&auml;tte drei Jahre fr&uuml;her bei der Tagung 2005 erfolgen m&uuml;ssen, als die Ausmusterung der Space Shuttles schon offizielle NASA Politik war. Demgegen&uuml;ber &auml;u&szlig;erte der DLR-Projektleiter f&uuml;r die ATV-Entwicklung mir gegen&uuml;ber noch Ende 2008 die Hoffnung, dass dies nicht erfolgen w&uuml;rde. So beschloss die ESA nur eine Studie f&uuml;r ein wiederverwendbares ATV (<strong>A<\/strong>dvanced <strong>R<\/strong>e-entry <strong>V<\/strong>ehicle ARV)? und dies auch nur, weil Deutschland den L&ouml;wenanteil der 21 Millionen Euro f&uuml;r diese Studie tr&auml;gt. Vor 2016, also nach dem Zeitpunkt der geplanten Aufgabe der ISS, wird es nicht zur Verf&uuml;gung stehen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Seit zwei Ministerratskonferenzen stagniert die Weiterentwicklung der Ariane 5. Dabei ist diese n&ouml;tiger denn je: Die Produktion der Ariane 5 erh&auml;lt von 2005 bis 2009 insgesamt 960 Millionen Euro als Subvention im Rahmen des EGAS Programmes (<strong>E<\/strong><span lang=\"en-US\">uropean <\/span><span lang=\"en-US\"><strong>G<\/strong><\/span><span lang=\"en-US\">uaranteed <\/span><span lang=\"en-US\"><strong>A<\/strong><\/span><span lang=\"en-US\">ccess to <\/span><span lang=\"en-US\"><strong>S<\/strong><\/span><span lang=\"en-US\">pace<\/span>). Damit kann die Rakete mit den Preisen der Konkurrenzmodelle Proton und Zenit mithalten. Im Rahmen dieses Programms zahlte die ESA von 2004 bis 2005 j&auml;hrlich 192 Millionen Euro zur Reduktion der Fixkosten der Ariane 5 Produktion. Auf der einen Seite wird also die Produktion finanziell unterst&uuml;tzt, auf der andern werden aber Mittel f&uuml;r eine Erh&ouml;hung der Nutzlast und damit der Verbesserung der Wettbewerbssituation zur&uuml;ck?gehalten. Gleichzeitig zahlt die ESA 223 Millionen Euro f&uuml;r den Umbau des ELA-2 Komplexes f&uuml;r Sojus Starts, also f&uuml;r Tr&auml;ger, die nicht in Europa produziert werden und in direkter Konkurrenz zur Ariane 5 stehen.  Das Geld w&auml;re besser in die Entwicklung der ESC B Oberstufe investiert gewesen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Auch die Raumfahrtindustrie schadete dem Programm in den letzten Jahren mehr, als das Sie n&uuml;tzte. Die von Arianespace geforderten Kostensenkungen in der Produktion konnten nicht erbracht werden. Kurz vor dem Ministerratstreffen 2005 in Berlin verlautbarten EADS Manager &ouml;ffentlich in Interviews, die ESA ben&ouml;tige derzeit nicht die ESC-B Oberstufe und sollte stattdessen den Raumgleiter ?Hopper? entwickeln. Hopper sollte die Transportkosten f&uuml;r den niedrigen Erdorbit halbieren ? jedoch weist er nur die Nutzlast einer Sojus auf und erreicht nicht den GTO-Orbit. Damit h&auml;tte Europa ein weiteres Tr&auml;gersystem finanziert, f&uuml;r das es momentan keinen Markt gibt. Das mag der Raumfahrtindustrie (die heute fast nur noch aus EADS besteht) n&uuml;tzen, nicht jedoch der ESA. P&uuml;nktlich zur Ministerastkonferenz 2008, kamen dann von EADS Vorschl&auml;ge f&uuml;r eine Nachfolgeversion der Ariane 5, die mit einem Triebwerk nach dem Hauptstromverfahren arbeitet und auch ohne Booster starten kann. Nat&uuml;rlich w&uuml;rde diese Entwicklung um einiges teurer als die seit 2003 ausgesetzten Erweiterungen der Ariane sein. Daf&uuml;r reduziert sie aber auch die Nutzlast auf lediglich 6 t. Die Doppelstartf&auml;higkeit geht verloren und gro&szlig;e Satelliten k&ouml;nnten ebenfalls nicht gestartet werden. Eine Bereitschaft seitens Arianespace und EADS, aber selbst die wesentlich billigere ESC-B Entwicklung zu finanzieren, gibt es aber nicht. Dabei sollten beide Firmen ein Eigeninteresse daran haben, dass Ariane 5 konkurrenzf&auml;hig bleibt, insbesondere wenn nun auch Chinas Tr&auml;gerraketen wieder westliche Satelliten starten k&ouml;nnen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Dies zeigt recht deutlich das Dilemma, in dem sich Europa im Jahr 2009 befindet. Verbessert sich die Situation nicht rasch, so wird Ariane entweder massiv Marktanteile ver?lieren oder auf Dauer subventioniert werden m&uuml;ssen. Beides kann nicht im deutschen und europ&auml;ischen Interesse sein. Aufgrund der nur alle drei Jahre stattfindenden Ministerrats?treffen, die &uuml;ber die Finanzen der ESA beschlie&szlig;en, wird vor 2012 jedoch keine Verbesserung eintreten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute ein sehr langer Blog: Ich habe gerade im Konzept das Epilog meines Buchs &uuml;ber europ&auml;ische Tr&auml;ger Teil 2 fertiggestellt und will euch den nicht vorenthalten. 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