{"id":180,"date":"2008-06-17T09:31:32","date_gmt":"2008-06-17T07:31:32","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=180"},"modified":"2008-06-17T09:32:29","modified_gmt":"2008-06-17T07:32:29","slug":"shuttle-verbesserungen-und-versaumnisse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2008\/06\/17\/shuttle-verbesserungen-und-versaumnisse\/","title":{"rendered":"Shuttle Verbesserungen und Vers&auml;umnisse"},"content":{"rendered":"\n<p>Beim St&ouml;bern im Netz wie oft wohl die SSME eingesetzt wurden bin ich &uuml;ber  \tdie Info gesto&szlig;en das die Block II AHMS Triebwerke nun doch noch eingesetzt  \twerden, bzw. schon ihren ersten Flug hinter sich haben. <\/p>\n<p>Die Space Shuttle Triebwerke sind die Teile die am h&auml;ufigsten ver&auml;ndert  \twurden. Urspr&uuml;nglich waren 3 Phasen gedacht bei denen man nach und nach den  \tSchub steigern wollte auf 109 % und damit die Nutzlast wieder anheben, da  \tdie Space Shuttles zu schwer waren. Nach Challenger wurde dieser plan  \tmodifiziert und es ging nun weniger um die Erh&ouml;hung des Schubs (das 109 %  \tZiel wurde z.B. gestrichen) sondern vielmehr um die Erh&ouml;hung der Sicherheit.  \tDas letzte Ziel war die Einf&uuml;hrung eines Systems aus Sensoren und Computern  \tan den Triebwerken, die die Funktion &uuml;berwachen und eine gravierende  \tFehlfunktion etwa 1 Sekunde vorher erkennen &#8211; genug Zeit um das Triebwerk  \tabzuschalten.<\/p>\n<p>Ichdachte eigentlich dass man dies auslassen w&uuml;rde, nachdem dieser  \tSchritt eigentlich gedacht wurde um die Space Shuttle noch ein weiteres  \tJahrzehnt betreiben zu k&ouml;nnen und sie ja nun bald ausgemustert werden. Doch  \tes wurden 4 der 5 urspr&uuml;nglich bestellten Triebwerke geordert.<\/p>\n<p>Dies ist nur eine der Verbesserungen des Space Shuttles in den letzten 20  \tJahren. Der Hitzeschutzschild wurde erneuert und durch einen leichteren  \tersetzt, die Computer wurden ersetzt und die Displays durch moderne TFT  \tersetzt, und der Tank wurde durch den leichtgewichtigen und sp&auml;ter durch den  \tsuper-leichtgewichtigen ersetzt &#8211; letzterer wiegt etwa 7 t weniger als das  \tOriginal. <\/p>\n<p>Doch betrachtet man sich alle Ver&auml;nderungen so haben diese aber nur einen  Sinn: Das Space Shuttle sicherer zu machen. Die Zuverl&auml;ssigkeit eines  Triebwerks, gemessen an einem Ausfall sollte z.B. rechnerisch von 1\/404 auf  1\/2123 sinken. Man hat bei den Triebwerken sogar Leistungseinbu&szlig;en in Kauf  genommen um dies zu erreichen. Der SLWT war z.B. schon 1982 in Planung wurde  aber erst eingesetzt, als das Space Shuttle mit den MIR Kopplungsfl&uuml;gen begann  und bei der h&ouml;heren Bahnneigung und h&ouml;here Umlaufbahn die Nutzlast rasch abnahm.<\/p>\n<p>Will man die Nutzlast steigern so g&auml;be es andere  \tVerbesserungsm&ouml;glichkeiten. Ein grunds&auml;tzliches Problem des Space Shuttles  \twar z.b. die Energiebilanz. Konzipiert war der Orbiter f&uuml;r einen  \tStromverbrauch von 8 kW &#8211; Apollo kam noch mit 1.5 kW aus. Doch schon vor dem  \tErstflug war klar, dass er 14 kW brauchen w&uuml;rde und Nutzlasten konnten dies  \tnoch erh&ouml;hen, z.B. wenn ein Spacelab mitflog. Das Space Shuttle nutzt  \tBrennstoffzellen f&uuml;r die Stromversorgung, das bedeutet dass man f&uuml;r mehr  \tLeistung mehr Wasserstoff und Sauerstoff mitf&uuml;hren muss. Dies geschieht in  \tPaketen mit Tanks f&uuml;r Sauerstoff und Wasserstoff. ein Packet wiegt 940 kg  \tund liefert etwa 884 kW Strom und 560 l Wasser. Bei einer 30 Tages Mission  \tmit dem Spacelab braucht man so 15.6 t an Packs f&uuml;r die Brennstoffzellen. Da  \tdie leeren Packs (die immerhin noch 380 kg wiegen) die maximale  \tLandenutzlast reduzieren kann das Raumlabor dann nur noch 6.5 t schwer sein.<\/p>\n<p>Nun kann man das System aus Brennstoffzellen sicher nicht ersetzten,  \tw&auml;hrend des Starts und bei der Landung und bei Spitzenbelastungen braucht  \tman Brennstoffzellen um den Strom zu gewinnen. Die 100 kWh die man f&uuml;r Start  \tund Landung braucht, kann man schlecht in Batterien speichern. Doch im Orbit  \th&auml;tte man den Strom solar gewinnen k&ouml;nnen. Die DLR hatte Anfang der 80 er  \tJahre f&uuml;r eigene Spacelab Missionen den Versuchstr&auml;ger DORA entwickelt, ein  \tentrollbares Solarpanel, das man zusammengerollt kompakt im Nutzlastraum  \tunterbringen h&auml;tte k&ouml;nnen. Die Spitzenleistung von 25 kW h&auml;tte ausgereicht  \tum eine Dauerleistung von 14 kW zu liefern. F&uuml;r den Betrieb auf der  \tSchattenseite h&auml;tte man den &Uuml;berschuss in Nickel-Cadmium Batterien  \tgespeichert. Das Gewicht daf&uuml;r h&auml;tte man schon bei 7 Tages Missionen durch  \tdie Einsparung von Treibstoff f&uuml;r die Brennstoffzellen hereingeholt.<\/p>\n<p>Warum kam es nicht dazu? Deutschland konnte keine Spacelab Missionen mehr  \tfinanzieren und die USA haben nie ein analoges System entwickelt. Das ist um  \tso unverst&auml;ndlicher als das Space Shuttle ja anders eingesetzt wurde als  \tgeplant. konzipiert war er f&uuml;r den Aufbau und Versorgung einer Raumstation.  \tDann koppelt er bald nach dem Start an diese an und wird von ihr mit Strom  \tversorgt. Die Raumstation wurde aber gestrichen, die NASA konnte sich nur  \tein Gro&szlig;projekt leisten. Auch f&uuml;r den geplanten Einsatz als Transportmittel  \tf&uuml;r Satelliten war das keine gro&szlig;e Einschr&auml;nkung: Das Aussetzen eines  \tSatelliten erfolgte meist am ersten Tag. Doch nach Challenger wurden alle  \tkommerziellen Transporte gestrichen. <\/p>\n<p>Was blieb waren einige wissenschaftliche Nutzlasten und eben die Fl&uuml;ge  \tmit dem Spacelab und sp&auml;ter Spacehab. Nutzlasten bei denen lange Aufenthalte  \tdie Ausbeute an Ergebnissen steigerten und die selbst viel eigenen Strom  \tben&ouml;tigen. Aber vielleicht war es ein neues System mit einem neuen Risiko,  \tz.b. dem dass man das Panel nicht entfalten kann oder nicht mehr  \tzusammenrollen. Das ist der Gedanke hinter allen Ver&auml;nderungen: Nur kein  \tRisiko oder noch besser das Risiko senken. Paradebeispiel sind die  \tTriebwerke. Beim 109 % Schubniveau sollten sie 55 Fl&uuml;ge &uuml;berstehen k&ouml;nnen.  \tDoch kein Triebwerk flog solange. Den Rekord h&auml;lt Triebwerk Nummer 2041 mit  \t19 Fl&uuml;gen. Die durchschnittliche Anzahl an Fl&uuml;gen liegt sogar bei nur 6,  \tweil f&uuml;r 5 gebaute Orbiter &uuml;ber 50 Triebwerke gebaut wurden. Anstatt mit 112  \t% Schubniveau die bei Tests problemlos m&ouml;glich waren arbeiten sie mit 104 %  \t&#8211; das bedeutet eine Einbu&szlig;e von 4-5 t Nutzlast.<\/p>\n<p>Ich denke das Umdenken in der NASA begann nach Challenger. Vorher galt  \tdas Bestreben die Transporte zu maximieren. 1985 flogen die Shuttles 9 mal,  \tund dies obwohl der vierte Orbiter Atlantis erst im Herbst 1985 in Dienst  \tgestellt wurde. F&uuml;r 1986 waren 13-16 Starts geplant. Die Nutzlast sollte  \tdurch die 109 % Triebwerke auf 31.7 t steigen. Ein modifizierter Space  \tShuttle mit h&ouml;herer Nutzlast war f&uuml;r SDI geplant. Challenger zeigte, dass  \tman f&uuml;r diesen ehrgeizigen Plan die Sicherheit der Besatzung aufs Spiel  \tgesetzt hatte. Bei der Untersuchung der Explosion der Challenger kamen auch  \tVers&auml;umnisse bei fr&uuml;heren Missionen zur Sprache und die gesamte NASA  \tPhilosophie beim Space Shuttle System wurde kritisiert.<\/p>\n<p>Das zeigt die Krux des Space Shuttle Systems: Wenn die Sicherheit wegen  \tder Besatzung die immer mitfliegen muss (nicht aus technischen Gr&uuml;nden, das  \tSpace Shuttle wird sowohl beim Start wie auch bei der Landung komplett vom  \tComputer gesteuert, der Pilot darf in den letzten Minuten vor der Landung  \tselbst steuern, muss es aber nicht). oberste Priorit&auml;t hat, dann sollte man  \tnicht damit Missionen durchf&uuml;hren, die auch unbemannt m&ouml;glich sind.  \tUnbemannte Missionen k&ouml;nnen einem geringeren Sicherheitsstandard gen&uuml;gen und  \tVerluste zwingen meist nicht das ganze Programme &uuml;ber Jahre anzuhalten um  \tnachzubessern. Doch die  \tNASA tat genau das Gegenteil: Sie hat das Space Shuttle als Kernkomponente  \taufgebaut. Erst f&uuml;r den Satellitentransport und dann f&uuml;r den Aufbau der  \tRaumstation. Und das hat weniger etwas mit Technik als vielmehr mit Politik  \tzu tun. Wie hei&szlig;t es bei der NASA so passend &quot;No bucks without Buck  \tRogers&quot;&#8230;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim St&ouml;bern im Netz wie oft wohl die SSME eingesetzt wurden bin ich &uuml;ber die Info gesto&szlig;en das die Block II AHMS Triebwerke nun doch noch eingesetzt werden, bzw. schon ihren ersten Flug hinter sich haben. Die Space Shuttle Triebwerke sind die Teile die am h&auml;ufigsten ver&auml;ndert wurden. 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