{"id":1802,"date":"2009-09-21T11:51:17","date_gmt":"2009-09-21T09:51:17","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=1802"},"modified":"2009-09-21T11:51:50","modified_gmt":"2009-09-21T09:51:50","slug":"sonnensegel-und-ionenantriebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2009\/09\/21\/sonnensegel-und-ionenantriebe\/","title":{"rendered":"Sonnensegel und Ionenantriebe"},"content":{"rendered":"<p>Es ist still geworden um Sonnensegel, w&auml;hrend Ionenantriebe inzwischen schon Einzug zur Lageregelung von geostation&auml;ren Satelliten eingezogen haben. Zeit dem mal auf den Grund zu gehen. Zuerst einmal sehen Sonnensegel oberfl&auml;chlich viel attraktiver als Ionenantriebe aus &#8211; Es wird weder ein kompliziertes Triebwerk ben&ouml;tigt, noch eine Hochspannungsquelle mit beschr&auml;nkter Lebensdauer (bei Langzeitmissionen setzt man mehrere dieser ein). Zudem werden keine teuren Solarzellen oder gar ein Kernreaktor als Energiequelle ben&ouml;tigt. Stattdessen nur eine leichtgewichtige Folie und ein paar Stangen &#8211; schon hat man das Sonnensegel.<\/p>\n<p>Warum setzt man es also nicht ein? Weil der Teufel im Detail liegt. Der Strahlungsdruck durch das Licht ist gering und betr&auml;gt maximal 9 N\/km? (100 % Reflektion). Die Solarzellen, die den Strom f&uuml;r ein Ionentriebwerk mit 9 N Leistung liefern , belegen dagegen &#8211; je nach Triebwerk und Solarzellen &#8211; nur 100-200 m?, das bedeutet, ein Solarsegel muss die rund 10.000 fache Fl&auml;che eines Solargenerators einnehmen. Damit also &uuml;berhaupt nennenswerter Schub entsteht, muss das Material &auml;u&szlig;erst leicht sein. Derzeit gibt es zwar Ideen wie dies zu bewerkstelligen ist, verf&uuml;gbare Segel sind jedoch noch zu schwer. Nicht zu letzt ist das Problem ungel&ouml;st, wie man ein richtig gro&szlig;es Segel im Weltraum aufspannt und mit (ebenso leichtgewichtigen) Streben stabilisiert.<!--more--><\/p>\n<p>Das n&auml;chste Problem ist dann das Steuern. Zwar unterscheidet das Segeln im Strahlungsdruck des Lichts (nicht im Sonnenwind!) sich nicht so viel von dem auf dem Meer, es ist m&ouml;glich quer oder sogar gegen die &#8222;Windrichtung&#8220; zu segeln. Doch dazu muss das ganze Segel im Weltraum geschwenkt werden. Dazu ben&ouml;tigt man dann doch Triebwerke. Bei einem &auml;lteren Entwurf f&uuml;r eine Kometensonde aus den Achtzigern habe ich da an den Ecken Solarzellen entdeckt, die wohl dort einige Ionentriebwerke zum Schwenken antreiben.<\/p>\n<p>F&uuml;r mich liegt der Hauptnachteil der Sonnensegel in der Tatsache, dass sie nur in einer Sonnenumlaufbahn betrieben werden k&ouml;nnen: Man kann sie zwar in einer Erdumlaufbahn aufspannen. Doch so ausgedehnte und leichte Strukturen w&uuml;rden durch die Schwankungen des Erdgravitationsfeldes rasch anfangen sich zu drehen um den energetisch g&uuml;nstigsten Zustand einzunehmen. Dazu kommt noch der Weltraumm&uuml;ll, der das Segel besch&auml;digen kann und das Navigieren mit durchl&ouml;cherten Segeln ist enorm schwer. Vor allem muss aber in einer Erdumlaufbahn die Schubrichtung dauernd gewechselt werden, um nicht nach einem halben Umlauf wieder die Bahn abzusenken. Anders als ein Ionentriebwerk kann man den Schub aber nicht einfach abschalten.<\/p>\n<p>Damit kann ich mit einem Solarsegel nur noch innerhalb des Sonnensystems navigieren. Doch wie viele Ziele gibt es da, die dann attraktiv zu erreichen sind? Vor allem ist die Startmasse schon klein, denn es muss mindestens Fluchtgeschwindigkeit erreicht werden (Ionentriebwerke k&ouml;nnen auch in einer Erdumlaufbahn arbeiten, wie SMART-1 eindrucksvoll zeigte). Ein weiterer Punkt: Im Prinzip kann ich bei einem Ionenantrieb recht leicht die Gr&ouml;&szlig;e ver&auml;ndern. Die Basiselemente bleiben bleich, ja ich k&ouml;nnte sogar einfach Triebwerke b&uuml;ndeln, anstatt ein gr&ouml;&szlig;eres zu entwickeln. Damit kann die Technologie im Kleinen bei Satelliten erproben. Bei einem Solarsegel muss selbst f&uuml;r eine kleine instrumentelle Nutzlast nur zum Erproben des Konzepts schon ein recht gro&szlig;es Segel gebaut werden und w&auml;hrend man dies noch in einer Lagerhalle auf der Erde zum Test entfalten kann, scheitert das bei einem gr&ouml;&szlig;eren Exemplar &#8211; die Ideen f&uuml;r ganz leicht gewichtige Segel sind auf der Erde gar nicht erprobbar, sie w&auml;ren zu instabil (Bedampfen von Mylarfolie mit Aluminium, Aufl&ouml;sen der Folie durch S&auml;uren\/L&ouml;sungsmittel, so dass nur noch die hauchd&uuml;nne bedampfte Schicht &uuml;brig bleibt).<\/p>\n<p>So sehe ich auch f&uuml;r die Zukunft f&uuml;r Sonnensegel schwarz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist still geworden um Sonnensegel, w&auml;hrend Ionenantriebe inzwischen schon Einzug zur Lageregelung von geostation&auml;ren Satelliten eingezogen haben. Zeit dem mal auf den Grund zu gehen. 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