{"id":18126,"date":"2025-05-13T09:01:30","date_gmt":"2025-05-13T07:01:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=18126"},"modified":"2025-05-15T17:54:50","modified_gmt":"2025-05-15T15:54:50","slug":"die-glorreichen-10-die-weltraumnationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2025\/05\/13\/die-glorreichen-10-die-weltraumnationen\/","title":{"rendered":"Die Glorreichen 10 &#8211; die Weltraumnationen"},"content":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_18126\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"18126\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Bei der heutigen Serie muss ich selbst nichts beurteilen oder einsortieren, ich kann einfach nach den Fakten gehen, n&auml;mlich den Nationen, die einen eigenen Satelliten mit einer eigenen Tr&auml;gerrakete gestartet haben. Davon gibt es nicht so viele. 116 Nationen haben bisher einen Satelliten gestartet &#8211; die meisten davon aber nicht selbst gebaut. Die Zahl der Nationen, die eine eigene Tr&auml;gerrakete entwickelt haben, ist dagegen &uuml;berschaubar.<\/p>\n<p>Die folgende Liste der glorreichen 10 f&uuml;hrt die ersten Starts jeder Nation mit einer eigenen Tr&auml;gerrakete auf. Getrennt nach erstem Start und erstem erfolgreichen Start, dass der Start beim ersten Versuch klappt, ist n&auml;mlich meist nicht der Fall. Platz 10 bekommt die Nation, die als letztes eine eigene Tr&auml;gerrakete startete, Platz 1 die Nation, welche die erste war, also die Sowjetunion. Wichtig f&uuml;r mich ist: die Rakete muss selbst entwickelt worden sein, das schlie&szlig;t zum Beispiel den <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/sparta.shtml\">Start von Wresat<\/a> mit einer Redstone durch Australien aus und S&uuml;dkorea ist nicht mit der Naro-1 dabei, weil die erste Stufe aus Russland stammt, sondern erst mit der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/sparta.shtml\">Nuri<\/a>. Aber Nordkorea war sowieso fr&uuml;her dran.<!--more--><\/p>\n<p>Bisher gab es erst 15 Nationen, die eine eigene Tr&auml;gerrakete gestartet haben, die j&uuml;ngste ist Deutschland mit dem Start der Spectrum am 30.3.2025. Die Z&auml;hlweise schlie&szlig;t auch fr&uuml;here Sowjetrepubliken mit ein (Russland, Ukraine) sowie Europa als Staatenverbund. Au&szlig;er diesen sind noch S&uuml;dkorea (21.10.2021 erster Start der Nuri, 21.6.2022 erster erfolgreicher Start), Europa (29.11.1968 erster Start von <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/europa.shtml\">Europa I<\/a>, 24.12.1979 erster erfolgreicher Start der Ariane 1), Russland (21.1.1992 mit Kosmos 2175) und die Ukraine (28.3.1999 mit Demosat -1 auf einer Zenit 3SL), <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/safir.shtml\">Iran<\/a> (16.8.2008, erster erfolgreicher Start am 2.2.2009) und eben Deutschland (30.3.2025 mit der Spectrum) in der Liste. Mit etwas gutem Willen k&ouml;nnte man die Vega als italienische Rakete ansehen, die wird zum gr&ouml;&szlig;ten Teil von Italien finanziert und auch gebaut, deren erster Start war am 20.2.2012.<\/p>\n<p>Das Deutschland erst jetzt eine eigene Tr&auml;gerrakete startet, liegt an einer gewissen Kr&auml;mernatur der Verantwortlichen. Bei anderen Nationen geh&ouml;rt es zum nationalen Stolz eine eigene Tr&auml;gerrakete zu haben. So haben uns l&auml;ngst Nationen &uuml;berholt, die weitaus weniger f&uuml;r die Raumfahrt ausgeben. Diese Kr&auml;mernatur dr&uuml;ckt sich auch darin aus, dass Deutschland gerne Satelliten auf Tr&auml;gern startet, bei denen es nicht am Bau beteiligt ist, was angesichts dessen, dass die Ausgaben bei Ariane ja wieder als Steuern der beteiligten Arbeiter und fehlender Zahlungen f&uuml;r Arbeitslosengeld \/ B&uuml;rgergeld doppelt d&auml;mlich ist. So verwundert es auch nicht, dass die Spectrum eine kommerzielle entwickelte Tr&auml;gerrakete ist.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Platz 10: Nordkorea 31.8.1998 \/ 12.12.2012<\/h4>\n<p>Nordkorea hat eine Gemeinsamkeit mit Platz 1: die erste Tr&auml;gerrakete ist ein umfunktionierte milit&auml;rische Rakete. Beginnend mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion startete Nordkorea ein eigenes Raketenprogramm und unternahm Anstrengungen f&uuml;r die Entwicklung einer Atombombe, ohne die eine Rakete wenig Sinn macht. Unter Kim Jong-Il lief dies noch langsamer, erst unter Kim Jong-un nahm es an Geschwindigkeit rapide auf und konnte auch der erste Satellit in den Orbit gebracht werden.<\/p>\n<p>Die als <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/taepodong.shtml\">Taepodong<\/a> bezeichnete Rakete basierte in der Technologie auf der russischen Rakete R-14 NATO Bezeichnung &#8222;Scud&#8220;. Diese wiederum ist nur eine inkrementelle Weiterentwicklung der deutschen Flugabwehrrakete &#8222;<a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2025\/01\/03\/die-wasserfallrakete-teil-1\/\">Wasserfall<\/a>&#8222;. Im Wesentlichen verwandte die Scud also eine Technologie, die schon veraltet war als sie in den F&uuml;nfziger Jahre entwickelt wurde. Das mag ein Grund sein, warum Russland diese Rakete in Massen exportierte, darunter eben auch nach Nordkorea. Nordkorea b&uuml;ndelte die Antriebe und baute so die erste Stufe einer Mittelstreckenrakete, eine zweite Scud bildete die zweite Stufe. Es gab aber nur einen Start, der nicht erfolgreich war. Sp&auml;ter wurden aus ihr die gr&ouml;&szlig;eren Rakleten entwickelt mit denen dann unter Kim Jong-un sich die Erfolge einstellten.<\/p>\n<p>Nordkorea exportierte die Technologie dann in den Iran, die damit ebenfalls milit&auml;rische Raketen und eine Tr&auml;gerrakete entwickelten. Bilder dieser Raketen zeigten noch die typischen Elemente der Wasserfall wie Strahlruder zur Steuerung des Schubvektors.<\/p>\n<p>Zum Showdown kam es dann 2012, als S&uuml;dkorea ihren ersten Satellitenstart vorbereitete. Nordkorea startete innerhalb des Jahres zweimal einen Satelliten und der zweite Start klappte dann auch erstmals (nach drei Versuchen 1998, 2009 und 2012) wenige Wochen, bevor dies S&uuml;dkorea gelang. Interessanterweise konnte Iran mit der nur wenig aus der Taepodong weiter entwickelten Safir schon 2009 erfolgreich einen Satelliten starten.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Platz 9: Brasilien 2.11.1997 \/ &#8211;<\/h4>\n<p>Brasilien hoffte zuerst seine &auml;quatornahe Lage zu nutzen ausl&auml;ndische Investoren f&uuml;r einen Weltraumbahnhof zu gewinnen. Lange Zeit wurden Starts der Zyklon von der Ukraine von Alcantara aus angek&uuml;ndigt. Auch mit China, Russland und Israel gab es Gespr&auml;che.<\/p>\n<p>Die Entwicklung der ersten eigenen Tr&auml;gerrakete VLS zog sich hin. Sie entstand aus der Sonda-4 H&ouml;henforschungsrakete. Vier Sonda-4 bilden die erste Stufe, eine die zweite Stufe, dazu kommen zwei weitere Oberstufen mit festen Treibstoffen. Zuerst wurden verkleinerte Modelle von 1985 bis 1990 gestartet. 1990 wurden Tests mit zwei Stufen erfolgreich absolviert. Der erste orbitale Versuch 1997 scheiterte allerdings, da einer der Booster nicht z&uuml;ndete. Beim zweiten Test 1999 wurde die Rakete gesprengt, als sie vom Kurs abkam, nachdem die zweite Stufe nicht z&uuml;ndete. Zwei Tage vor dem geplanten dritten Start z&uuml;ndete bei Arbeiten am Tr&auml;ger einer der Booster und die Rakete explodierte. Es gab 21 Tote und 20 Verletzte. Es war eine der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/Explosionen-auf-der-Startrampe.shtml\">gr&ouml;&szlig;ten Katastrophen in der Raumfahrt.<\/a> Daraufhin wurde das Programm unterbrochen und erst 2008 wieder aufgenommen. Einen Start gab es aber weiterhin nicht, 2016 wurde die Arbeiten an der VLS dann schlie&szlig;lich eingestellt.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Platz 8: Israel 19.9.1988<\/h4>\n<p>Israel begann relativ sp&auml;t mit einer eigenen Tr&auml;gerrakete. Interessanterweise startete Israel auch vor 1988 keine Forschungssatelliten mit Tr&auml;gern anderer Nationen wie dies problemlos m&ouml;glich gewesen w&auml;re. Nutzlast der Shavit waren die milit&auml;rischen Satelliten der &#8218;Ofeq-Reihe. Die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/raketen-anderer-nationen.shtml\">Shavit<\/a> wurde aus der Mittelstreckenrakete Jericho entwickelt, die anfangs zusammen mit S&uuml;dafrika entwickelt wurde. Sie wurde inzwischen weiter entwickelt und wird noch immer eingesetzt &#8211; allerdings nur f&uuml;r die milit&auml;rische &#8218;Ofeq-Serie. Zivile Satelliten startet auch Israel mit anderen Tr&auml;gern. Israel will in vielen milit&auml;rischen Dingen autark sein, hat zum Beispiel auch einen eigenen Panzer entwickelt.<\/p>\n<p>Die Starts finden von der israelischen Luftwaffenbasis Palmachim aus statt. Damit die Stufen kein arabisches Land &uuml;berfliegen startet die Shavit immer nach Westen, also gegen die Erdrotation, damit die Stufen im Mittelmeer versinken mit Bahnneigungen um 141 Grad. Die Startfrequenz ist gering &#8211; in 35 Jahren fanden gerade mal 12 Starts statt von denen zwei scheiterten.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Platz 7: Indien 10.8.1979 \/ 18.7.1980<\/h4>\n<p>Mit einer Pause von neun Jahren folgt Indien als siebte Raumfahrtnation. 1972 beschloss die Nation die Entwicklung einer eigenen Tr&auml;gerrakete der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/slv-aslv.shtml\">SLV<\/a>. Das K&uuml;rzel steht f&uuml;r Standard Launch Vehicle. Obwohl die 17,8 t schwere Stufe nur aus Feststoffantrieben besteht, zog sich die Entwicklung &uuml;ber sieben Jahre hin. Die Nutzlast war mit maximal 40 kg minimal. Seit 1976 gab es suborbitale Tests. Die vierte Stufe wurde zusammen mit Frankreich entwickelt sie sollte in der Diamant (Platz 4) eingesetzt wurden, doch Frankreich stellte das Projekt ein. Sp&auml;ter kopierten die in Frankreich beteiligten indischen Ingenieure die Konstruktionspl&auml;ne der Viking-Triebwerke und schmuggelten sie als Diplomatengep&auml;ck nach Indien. Diese Triebwerke werden als &#8222;Vika&#8220; bis heute in der PSLV und GSLV von Indien genutzt. Die SLV wurde nur viermal von 1979 bis 1983 eingesetzt, erst der zweite Start am 18.7.1980 klappte. Es folgte die ASLV mit zwei zus&auml;tzlichen Startboostern. Richtig Fahrt nahm Indiens Raumfahrtprogramm erst mit der PSLV und GSLV auf, die bis heute eingesetzt wurden und die PSLV wird auch kommerziell erfolgreich vermarktet.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Platz 6: England 2.9.1970<\/h4>\n<p>Das Platz 6 ab England geht, war von den Engl&auml;ndern so nicht geplant. Sie wollten eigentlich vierter sein. England hatte eigentlich alle Voraussetzungen, um das zu Erreichen. Sie d&uuml;rften eine fr&uuml;he Version der Atlas in Lizenz als Mittelstreckenrakete nachbauen, die Blue Streak. Bevor diese jedoch operationell wurde, waren Raketen die nicht dauernd startbereit waren obsolet. Anstatt nun diese Rakete zu einer Tr&auml;gerrakete umzubauen, suchte man nach Partnern in Europa und brachte die Blue Streak als erste Stufe der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/europa.shtml\">Europa<\/a> ein.<\/p>\n<p>Die nationale Tr&auml;gerrakete sollte die Black Arrow werden. Sie basierte auf der H&ouml;henforschungsrakete Black Knight (offensichtlich liebte man in England Anspielungen an die Robin Hood Legende). Die Back Knight wurde von einem Triebwerk angetrieben, das von deutschen Ingenieuren entwickelt wurde. England hatte die Mannschaft der Walther Werke in Kiel rekrutiert, diese hatten im Krieg das Walther Triebwerk f&uuml;r die Raketenj&auml;ger ME-163 und Bachem Natter entwickelt. Wie dieses Triebwerk basierte es auf Wasserstoffperoxid als Oxidator. Die Idee war ganz einfach: die Black Knight wird f&uuml;r die zweite Stufe verk&uuml;rzt und zwei der vier Triebwerke entfernt und f&uuml;r die erste Stufe verbreitert und auf acht Triebwerke erweitert. Den letzten Schubs, sollte dann ein kleiner Feststoffantrieb liefern.<\/p>\n<p>Das Programm geriet jedoch sehr bald in politische Schwierigkeiten. Lange Zeit wollte niemand die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/black-arrow.shtml\">Black Arrow <\/a>finanzieren. Mit einem Regierungswechsel gab es schlie&szlig;lich 1966 als Kompromiss eine Finanzierung auf niedrigem Niveau, welche gerade ausreichte, einen Start pro Jahr durchzuf&uuml;hren. Der erste Start ohne dritte Stufe schlug jedoch fehl, sodass er wiederholt werden musste, eigentlich sollte der zweite Start schon einen Orbit erreichen. Der zweite Start klappte, doch der erste Orbitalstart scheiterte erneut, die zweite Stufe schaltete zu fr&uuml;h ab. Erst im vierten Ablauf wurde am 28.10.1971 der Satellit Prospero in einen Orbit gebracht. Vier Jahre hatte England mit Startversuchen verbracht, danach stellte sie das Projekt ein. England ist bis heute die einzige Weltraumnation die eine eigene Rakete entwickelt hat und diese nach dem einzigen erfolgreichen orbitalen Start einstellte. Inzwischen hatten China und Japan England &uuml;berholt, noch pikanter: die Europa, bei der England die erste Stufe stellte hatte schon vorher am 29.11.1968 ihren ersten Start. Daran hat sich bis heute nichts ge&auml;ndert. England hat im Vergleich zur Wirtschaftsleistung ein sehr kleines Raumfahrtprogramm, beteiligt sich nicht an der Entwicklung europ&auml;ischer Tr&auml;ger und auch nicht gro&szlig; am Wissenschaftsprogramm oder bemannten Raumfahrtprogramm der ESA.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Platz 5: China 24.4.1970<\/h4>\n<p>Chinas erste Tr&auml;gerrakete <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/langer-marsch1.shtml\">&#8222;Langer Marsch 1&#8220;<\/a> wurde seit 1965 aus der Interkontinentalrakete Dong-Feng 4 (DF-4) entwickelt, die um eine dritte Stufe erweitert wurde. Es gab eine gemeinsame Entwicklung. Von den neuen ersten gebauten Raketen waren sieben in der Konfiguration mit zwei Stufen (DF-4) und zwei mit drei Stufen (CZ-1). Hauptproblem bei der Entwicklung war die Kulturrevolution, die dazu f&uuml;hrte, dass zahlreiche Beamte und Techniker das Ministerium verlie&szlig;en und die Entwicklung zeitweise stehen blieb. Schlie&szlig;lich konnte der Premierminister Zhou Enlai durchsetzen, dass der Verantwortliche Qian Xuesen sowie 3.456 Techniker von allen politischen Aktivisten entbunden und unter speziellem Schutz gestellt wurden.<\/p>\n<p>Qian Xuesen gilt als Vater der chinesischen Tr&auml;gerraketen und des ersten chinesischen Satelliten. Qian Xuesen studierte in den USA, verh&ouml;rte als Mitglied der Organisation \u201ePaper Clip\u201c Wernher von Braun und war im fr&uuml;hen amerikanischen Weltraumprogramm involviert. Er bekam aber 1950 nicht die amerikanische Staatsb&uuml;rgerschaft, da damals der Mc-Carthyismus regierte und er der Sympathie f&uuml;r den Kommunismus beschuldigt wurde. In der Folge verlor er alle akademischen W&uuml;rden und wandte sich China zu. Er wurde im Austausch gegen US-Kriegsgefangene aus dem Koreakrieg ausgetauscht und macht in China rasch Karriere.<\/p>\n<p>Die Langer Marsch wurde nur zweimal eingesetzt. Der erste Satellit DFH-1 sandte nur die Melodie &#8222;Der Osten ist rot&#8220; aus, der zweite war ein Forschungssatellit, der acht Jahre lang gearbeitet haben soll.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Platz 4: Japan 26.6.1966<\/h4>\n<p>Auch Japan ging den Weg Frankreichs, indem sie vorhandene H&ouml;henforschungsraketen b&uuml;ndelten und die erste Stufe noch um kleine Booster erweiterten. Das entstehende <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/japanische-traegerraketen-l-m-serie.shtml\">Lambda<\/a> ist bis heute die kleinste Tr&auml;gerrakete, nur 10 t schwer und hat die kleinste Nutzlast aller Tr&auml;gerraketen.<\/p>\n<p>Aus der Kappa Serie (Buchstabe K) entstand ab 1963 die schwere H&ouml;henforschungsrakete der L-Serie (Lambda), die 100 kg Nutzlast auf 1.800 km H&ouml;he bringen konnte. Aus der H&ouml;henforschungsrakete Lambda 4H entstand mit einer zus&auml;tzlichen vierten Stufe und zwei Boostern an der Unterstufe von 1963 bis 1966 die erste japanische Tr&auml;gerrakete Lambda 4S.<\/p>\n<p>Obwohl die &Auml;nderungen mit einer neuen Stufe und den Startboostern &uuml;berschaubar waren, scheiterten die ersten vier Starts. Die Lambda ist damit Mitglied in dem exklusiven Club von Tr&auml;gern, deren erste vier Starts scheiterten &#8211; davon gibt es bei rund 200 Tr&auml;gerraketen nur sehr wenige und noch weniger, n&auml;mlich nur drei Tr&auml;ger wurden nach dem vierten Fehlstart in Folge nicht eingestellt. Alle Fehlstarts lagen an der neuen vierten Stufe. Die Lambda war prim&auml;r zum Sammeln von Erfahrungen gedacht \u2013 f&uuml;r anspruchsvolle Satelliten war die Nutzlast aber zu gering. Die gewonnenen Erfahrungen flossen in den Bau der My Serie ein, die erheblich erfolgreicher als die kleinen Lambda war.<\/p>\n<p>Der f&uuml;nfte und setzte, aber erfolgreiche Start fand erst am 11.2.1970 statt, weil der Projektleiter Itokawa zwischendurch abgezogen wurde, fanden fast die Jahre keine Starts statt. Nach ihm wurde sp&auml;ter ein Asteroid benannt der nat&uuml;rlich von der japanischen Raumsonde <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/hayabusa.shtml\">Hayabusa<\/a> besucht wurde.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Platz 3: Frankreich 26.11.1965<\/h4>\n<p>Frankreich hatte den politischen Willen nach den USA und der UdSSR die dritte Nation zu werden, die einen eigenen Satelliten mit einer eigenen Rakete startet. Weniger w&auml;re f&uuml;r die &#8222;Grande Nation&#8220; nicht angemessen. Sie gingen es ganz planvoll an. Die Tr&auml;gerrakete &#8222;Diamant&#8220; bestand aus mehreren H&ouml;henforschungsraketen. Die drei Stufen und das Steuersystem wurden einzeln oder in Paaren getestet. Anders als bei vielen kleinen Tr&auml;gern setzen die ersten beiden Stufen fl&uuml;ssige Treibstoffe ein. Es gab die Edelsteinserie, weil alle Raketen die Namen von Edelsteinen hatten: Topaze (Topas), Rubis (Rubin), Emeraude (Smaragd), Saphire (Safir) und eben Diamant. Die erste Stufe war so durch die Tests 20-mal, die Zweite 29-mal und die Dritte 10-mal vor dem Jungfernflug der Diamant geflogen. Der erste Start mit dem Satelliten &#8222;Asterix&#8220; (mit Sicherheit der originellste Satellitenname) klappte den auch. Die Diamant wurde noch zweimal in der Leistung gesteigert, dann zugunsten der Ariane 1 Mitte der Siebziger Jahre aufgegeben.<\/p>\n<p>Sie ist auch eine der wenigen Raketen die von mehreren Kontinenten startete: Frankreich begann die Tests in der Algerischen W&uuml;ste, musste nach der Unabh&auml;ngigkeit Algeriens aber umziehen und er&ouml;ffnete im &Uuml;berseedepartement Franz&ouml;sisch Guyana das Centre Spatial Guyanais das bis heute aktiv ist.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Platz 2: USA 6.12.1957 \/ 31.1.1958<\/h4>\n<p>Eigentlich h&auml;tten die USA die ersten sein k&ouml;nnen. Die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/juno-vanguard.shtml\">Jupiter-C \/ Juno Rakete<\/a> die den ersten Satelliten auch in den Orbit brachte, war schon ein Jahr vor dem Start von Sputnik einsatzbereit. Wernher von Braun und seine Vorgesetzte beim Milit&auml;r wandten sich auch pers&ouml;nlich an den Pr&auml;sidenten, um eine Startgenehmigung zu bekommen. Am 20.9.1956, also ein Jahr vor dem Start von Sputnik 1, startete die erste Jupiter-C mit drei Stufen (die Juno I hatte dann vier) und erreichte auf Anhieb die vorgegebenen Ziele: Sie erreichte 1.000 km H&ouml;he und 5.300 km Distanz. Die vierte Stufe wurde durch 38 kg Ballast ersetzt. Es gab eine schriftliche Weisung, dass die Stufe keinen Orbit erreichen d&uuml;rfte.<\/p>\n<p>Den ersten Satelliten sollte die Vanguard starten. Diese wurde neu entwickelt auf Basis der Viking H&ouml;henforschungsrakete als erster Stufe, die beiden Oberstufen waren aber Neuentwicklungen und die Viking musste deutlich vergr&ouml;&szlig;ert worden. Dagegen war die Jupiter eine Redstone-Mittelstreckenrakete mit einem B&uuml;ndel von sehr einfachen Feststoffraketen als Oberstufen. Selbst nach dem <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/sputnikschock.shtml\">Sputnikschock<\/a> musste der Start mit der Vanguard erfolgen. Erst als dieser am 6.12.1957 vor laufenden Fernsehkameras schon kurz nach dem Abheben noch auf dem Starttisch <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/schlamperei.shtml\">scheiterte<\/a>, d&uuml;rfte Wernher von Braun eine Jupiter C mit dem Satelliten Explorer 1 zum Start vorbereiten. Dieser klappte denn auch auf Anhieb am 31.1.1958.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Platz 1: Sowjetunion 4.10.1957<\/h4>\n<p>Wesentlich weniger Skrupel, eine milit&auml;rische Rakete einzusetzen hatte Koroljow. Heute spricht man vom Sputnikschock und einer Aktion der sowjetischen F&uuml;hrung, die wollte aber gar keinen Satelliten starten, sondern m&ouml;glichst schnell eine einsetzbare ICBM, weil sie keine strategische Bomberflotte hatte, die die USA erreichen konnte. Nach zwei Tests der<a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/semjorka.shtml\"> R-7 ICBM<\/a> bekam Koroljow die Erlaubnis beim dritten Start einen Satelliten zu starten. Er argumentierte, dass die wesentlichen Daten, die der Start von der Rakete liefern w&uuml;rde sich nicht von einem ICBM-Testflug unterschieden. Geplant hatte er dies schon l&auml;nger, er hatte auch einen komplexen Satelliten zur Messung der Erdumgebung in Auftrag gegeben, doch der war noch nicht startbereit (er folgte erst als Sputnik 3 im Mai 1958), so war Sputnik 1 eine einfache Konstruktion: In einer Metallkugel war eine Batterie mit zwei Sendern, ein Schalter schaltete zyklisch den Strom zwischen beiden Sendern um wodurch das charakteristische Biep-Biep entstand, wenn man nur eine Frequenz abh&ouml;rte.<\/p>\n<p>Die Reaktion, vor allem in dne USA war so gro&szlig;, das Chruschtschow nun weitere Erstleistungen forderte. Schnell entwickelte man Sputnik 2 mit der H&uuml;ndin Laika an Bord und ging an die Konstruktion von Mondsonden und einer Oberstufe. Dieses Streben nach Erstleistungen sollte die planetare Raumfahrt noch bis in die Siebziger Jahre pr&auml;gen. Im Erdorbit starteten die USA schon 1958 mehr Satelliten und fanden auch sehr bald Einsatzgebiete f&uuml;r diese wie milit&auml;rische Aufkl&auml;rung, Wettervorhersage oder Telekommunikation.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/2cc60f4e3a4349bd820327085f410a6a\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_18126\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"18126\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Bei der heutigen Serie muss ich selbst nichts beurteilen oder einsortieren, ich kann einfach nach den Fakten gehen, n&auml;mlich den Nationen, die einen eigenen Satelliten mit einer eigenen Tr&auml;gerrakete gestartet haben. Davon gibt es nicht so viele. 116 Nationen haben bisher einen Satelliten gestartet &#8211; die meisten davon aber nicht selbst gebaut. 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