{"id":182,"date":"2008-06-20T00:15:48","date_gmt":"2008-06-19T22:15:48","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=182"},"modified":"2010-08-16T14:57:53","modified_gmt":"2010-08-16T12:57:53","slug":"der-shuttle-c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2008\/06\/20\/der-shuttle-c\/","title":{"rendered":"Der Shuttle-C"},"content":{"rendered":"\n<p>Vor der Challenger Katastrophe hatte die NASA noch hochtrabende Pl&auml;ne f&uuml;r  \tdas Shuttle System. Die Centaur Oberstufe sollte die Nutzlast in den  \tgeostation&auml;ren Orbit gegen&uuml;ber der IUS verdoppeln. Andere Stufen mit  \tlagerf&auml;higen Treibstoffen f&uuml;r gr&ouml;&szlig;ere Nutzlasten, die weniger Platz im  \tNutzlastraum brauchten waren angedacht. Das wichtigste Projekt war jedoch der  \tShuttle-Carrier oder Shuttle-c.<\/p>\n<p>Das Shuttle-c ist nicht ein System, vielmehr eine Idee von verschiedenen  \tSchwerlasttransportern auf Basis der Space Shuttle Komponenten. Das gr&ouml;&szlig;te  \tSystem bestand aus 4 Feststoffboostern, einem verl&auml;ngerten Tanks und 4  \tTriebwerken. Anstatt einem Space Shuttle h&auml;tte dieses System nur eine  \tNutzlastbucht transportiert. Nur die Booster w&auml;ren wiederverwendbar gewesen.<\/p>\n<p>Das kleinste System war ein umgebauter Space Shuttle. Triebfeder f&uuml;r  \tdiese Projekte war nicht der Bedarf bei einem solchen System, sondern das  \tSDI Programm. Wenn dieses in die Realisierungsphase gehen w&uuml;rde, h&auml;tte man  \thunderte von schweren Nutzlasten in den Orbit transportieren m&uuml;ssen. Die  \tNASA offerierte daf&uuml;r das Space Shuttle, w&auml;hrend die Air Force lieber eine  \teigene, konventionelle, Schwelastrakete entwickeln wollte.<\/p>\n<p><!--more--> \t<\/p>\n<p>F&uuml;r die kleinste Version des Shuttle-C gab es immerhin konkrete Planungen:  \tEs war im wesentlichen ein normales Space Shuttle, bei dem man nur alle  \tausgebaut hatte, was f&uuml;r eine Besatzung notwendig war, also  \tKabineneinrichtung, Lebenserhaltungssystem, Vorr&auml;te, Gase etc. Der Space  \tShuttle sollte unbemannt in den Orbit starten und unbemannt landen.  \tTechnisch gesehen ist das kein Problem, den das Space Shuttle braucht keine  \tBesatzung um einen Orbit zu erreichen und zu landen. Sofern man nur  \tNutzlasten aussetzt, hat die Besatzung auch nicht mehr zu tun als auf einen  \tKnopf zu dr&uuml;cken, der den Beh&auml;lter &ouml;ffnet und die Verbindungen zur Fixierung  \tim Nutzlastraum durchtrennt. Durch Federn wird dann der Satellit sanft  \tweggedr&uuml;ckt. Eine Besatzung braucht man wenn man wie heute eine Raumstation  \taufbauen will und Au&szlig;enmontagen anstehen <\/p>\n<p>Nach NASA Sch&auml;tzungen h&auml;tte ein solches Shuttle etwa 45 t Nutzlast  \tbef&ouml;rdern k&ouml;nnen. Also 50 % mehr, bei wahrscheinlich geringeren Startkosten.  \tDenn die Besatzung ist ja nicht an Bord, das macht die Mission schon  \tbilliger, dazu kommet, dass man geringere Sicherheitsstandards anlegen kann.  \tAber ich will es mal genauer berechnen.<\/p>\n<p>Basis sind die 31.1 t welche die Space Shuttles mit dem Lightweight Tank  \tund 109 % Schubniveau erreichen sollten. (Nach den Planungen von 1982) Basierend auf diesen Daten kommt  \tman zu folgenden Verbesserungen:<\/p>\n<ul>\n<li>Super-Lightweight Tank : + 2.7 t<\/li>\n<li>Fehlende Personaleinrichtungen: + 0.5 t<\/li>\n<li>Fehlende Besatzung und Ausr&uuml;stung: + 1.1 t<\/li>\n<li>Fehlende Inneneinrichtung des Cockpits (20 % der Rumpfstruktur): + 3.8 t<\/li>\n<li>Einsparungen an Fl&uuml;ssigkeiten und Gasen: + 1.0 t<\/li>\n<\/ul>\n<p>Da fehlt aber noch einiges: Zusammen sind dies 9.1 t. Das liegt darin,  \tdass man das Cockpit so nur ausgeweidet hat, die gesamte schwere Struktur des  \tCockpits, das ja der einzige teil unter Druck steht und absolut dicht sein  \tmuss. Das eine 70 m? gro&szlig;e Kabine nat&uuml;rlich einiges wiegt ist klar. so kommt  \tman auf die 45 t, wenn man die Struktur entsprechend leichter macht.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich k&ouml;nnte man sogar noch mehr Nutzlast transportieren: Das  \tSpace Shuttle erreicht normalerweise nach der Abtrennung vom Tank keinen  \tOrbit. Mit den beiden OMS Treibwerken bringt es erst die Geschwindigkeit auf  \tum einen niedrigen Orbit zu erreichen. Zwei Z&uuml;ndungen f&uuml;hren zu einem  \tniedrigen Orbit. vor dem Wiedereintritt muss dann gegen die Flugrichtung  \tgez&uuml;ndet werden um einen Wiedereintritt zu erm&ouml;glichen. Dazu braucht man  \tetwa 2\/3 der knapp 10 t Treibstoff die das Space Shuttle mitf&uuml;hrt. Der Rest  \tdient f&uuml;r Kurskorrekturen. Wer nur Satelliten aussetzt braucht das nicht.  \tDer Satellit m&uuml;sste dann nach dem Aussetzen (direkt nach Abtrennen des Tanks)  \tein eigenes Triebwerk z&uuml;nden und selbst einen Orbit erreichen. Zumindest  \twenn nur eine Nutzlast ausgesetzt wird ist dies gangbar. Bei 4 oder 5  \tSatelliten die in unterschiedliche Bahnen gelangen ist das schwer m&ouml;glich.  \tDann brauchte man aber nicht die OMS Triebwerke mit ihren Tanks &#8211; 2.5 t f&uuml;r  \tdie Triebwerke und die Tanks und 9.7 t f&uuml;r den Treibstoff &#8211; Die Nutzlast  \tstiege um weitere 12 t. F&uuml;r Ver&auml;nderungen der r&auml;umlichen Lage gibt es immer  \tnoch das unabh&auml;ngige RCS System mit weitere 3 t Treibstoff. <\/p>\n<p>So bek&auml;me man einen Space Shuttle der einen Orbit erreichen kann mit 45 t  \tNutzlast und einen der eine suborbitale Bahn erreicht mit 57 t Nutzlast. Mit  \tdem Risiko, dass dies nur geht wenn die Nutzlast praktisch sofort nach dem  \tAussetzen ihren eigenen Antrieb z&uuml;ndet &#8211; aber das unterscheidet sie nicht  \tsehr von Planetensonden bei denen das nach 90 Minuten der Fall ist und dem  \tSpace Shuttle, der dies auch tun muss um einen Orbit zu erreichen.<\/p>\n<p>Allerdings nur theoretisch. Die Struktur des Nutzlastraumes ist f&uuml;r  \tmaximal 35 t ausgelegt, das kostet dann wieder etwas von der Nutzlast um  \tdiese zu verst&auml;rken, jedoch nicht viel, der Rumpf rund um die Nutzlastbucht  \tist der leichteste Teil des Orbiters.<\/p>\n<p>Nach dem Verlust der Challenger &auml;nderte sich die NASA Philosophie  \tvollst&auml;ndig. Die Sicherheit der Besatzung ging nun vor, sie h&auml;tte auch  \tvorher schon das wichtigste Kriterium sein m&uuml;ssen. Man begrub aber auch alle  \tPl&auml;ne f&uuml;r den Shuttle-C. Ich denke es w&auml;re anders gelaufen wenn man einen  \tder Orbiter zu einem reinen frachtraumschiff aufgebaut h&auml;tte f&uuml;r all die  \tTransporte die man ohne Besatzung, ohne gro&szlig;e Eingriffe durchf&uuml;hren kann.  \tdas sind Satellitentransporte und Transporte von Raumstationselementen bei  \tdenen man keine Montagen durchf&uuml;hren muss. (Reine Labormodule z.B.) <\/p>\n<p>Als 2004 die CLV propagiert wurden, die sp&auml;ter die Bezeichnung &quot;Ares&quot;  \tbekamen sahen die meisten Planungen die Verwendung der SSME in beiden  \tRaketen vor. F&uuml;r das SSME sprechen seine Daten. Es ist das zuverl&auml;ssigste  \tTriebwerk, das es heute gibt, es hat einen hohen spezifischen Impuls und ist  \teine leichtgewichtige Konstruktion. Und nebenbei: Da 60 St&uuml;ck davon gebaut  \twurden und nur 6 beim Einsatz verloren gingen m&uuml;ssten jede Menge Triebwerke  \tnutzbar sein &#8211; 55 Fl&uuml;ge sollte jeder &uuml;berstehen, keines flog mehr als 19  \tmal. Man entschied sich aus Kostengr&uuml;nden f&uuml;r das J-2X, so wird nicht nur  \t2010 das letzte Space Shuttle ausgemustert sondern auch jede Technologie die  \tsie eingef&uuml;hrt haben. Mich w&uuml;rde wirklich interessieren was Wernher  \tvon Braun sagen w&uuml;rde, w&uuml;rde er heute noch leben und erfahren, das ein im  \tJahre 1967 entwickeltes Triebwerk, vorgesehen f&uuml;r verbesserte Versionen der  \tSaturn V, 50 Jahre sp&auml;ter eine neue Mondrakete antreiben werden, w&auml;hrend man  \tdas zwischendurch neu entwickelte und mit Milliardenaufwand &uuml;ber 20 Jahre  \tsicherer gemachte SSME in Rente schickt&#8230; In den USA ist wirklich alles  \tm&ouml;glich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor der Challenger Katastrophe hatte die NASA noch hochtrabende Pl&auml;ne f&uuml;r das Shuttle System. Die Centaur Oberstufe sollte die Nutzlast in den geostation&auml;ren Orbit gegen&uuml;ber der IUS verdoppeln. Andere Stufen mit lagerf&auml;higen Treibstoffen f&uuml;r gr&ouml;&szlig;ere Nutzlasten, die weniger Platz im Nutzlastraum brauchten waren angedacht. Das wichtigste Projekt war jedoch der Shuttle-Carrier oder Shuttle-c. 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