{"id":1845,"date":"2009-10-01T11:00:37","date_gmt":"2009-10-01T09:00:37","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=1845"},"modified":"2012-06-28T19:14:33","modified_gmt":"2012-06-28T17:14:33","slug":"ballonforschung-in-der-troposphaere-project-vortex","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2009\/10\/01\/ballonforschung-in-der-troposphaere-project-vortex\/","title":{"rendered":"Ballonforschung in der Troposph&auml;re: Project Vortex"},"content":{"rendered":"<p><!-- \t\t@page { margin: 2cm } \t\tP { margin-bottom: 0.21cm } \t\tH1 { margin-bottom: 0.21cm } \t\tH1.western { font-family: \"Nimbus Sans L\", \"Arial\", sans-serif; font-size: 16pt } \t\tH1.cjk { font-family: \"DejaVu Sans\"; font-size: 16pt } \t\tH1.ctl { font-family: \"DejaVu Sans\"; font-size: 16pt } -->Hallo miteinander. Heute wieder ein Gastblog, diesmal von einem neuen Autor: Kevin Glinka. In den n&auml;chsten beiden Tagen werden noch die Teile 2+3 seines Konzeptes folgen. Ich hoffe mal ihr seid an der Atmosph&auml;renforschung genauso interessiert wie an der Raumfahrt und postet auch hier flei&szlig;ig Kommentare!<\/p>\n<h1>Teil 1: Geschichtliches<\/h1>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"JUSTIFY\">Von Kevin Glinka<\/p>\n<p style=\"margin-top: 0.42cm; page-break-after: avoid;\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Nimbus Sans L,Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Geschichte: <\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"JUSTIFY\">Im 19. und fr&uuml;hen 20. Jahrhundert gab es eine relativ gro&szlig;e Zahl von Ballonaufstiegen zu wissenschaftlichen Zwecken. Zu den gr&ouml;&szlig;eren Unternehmungen geh&ouml;ren die 28 Aufstiege von James Glaisher in England (1862-66) und die weit &uuml;ber einhundert Aufstiege in Deutschland (1888-1934). Dazu kommen noch die eher kleineren Aufstiegsserien, wie z.B. die beiden Aufstiege von Gay-Lussac (1804), die vier Aufstiege von John Welsh (1852), die beiden Aufstiege von Barral und Bixio in Frankreich (1850) und die neun Fahrten von Salomon August Andr?e in Schweden (1893-95). Bei fast allen dieser Fahrten (bis vielleicht die aus Deutschland und Schweden, die auf die Erfahrungen der fr&uuml;heren Fahrten aufbauten), gab es z.T. schwerwiegende Fehler bei der Durchf&uuml;hrung der Versuche. Ich m&ouml;chte kurz auf das eingehen, was bei den Glaisher&#8217;schen Fahrten nicht gut gemacht wurde.<!--more--><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"JUSTIFY\">\n<p style=\"margin-top: 0.42cm; page-break-after: avoid;\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Nimbus Sans L,Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Glaishers Fehler: <\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"JUSTIFY\">Zum Einen findet man oft in den Aufzeichnungen, dass viele Ablesungen in k&uuml;rzester Zeit gemacht wurden, bei einer Fahrt hatte er pro Beobachtung nur 6,9 Sekunden Zeit, in denen er u.a. ein Daniell&#8217;sches Hygrometer, ein Regnault&#8217;sches Hygrometer und ein Quecksilberbarometer bedienen musste, allesamt Instrumente, welche doch einige Zeit f&uuml;r die Einstellung ben&ouml;tigen. So kam es dann auch dazu, dass Glaisher bei einigen Fahrten auf Abstiegsgeschwindigkeiten von bis zu 40 m\/s kam, physikalisch unm&ouml;gliche Werte also, die aber auf Ungenauigkeiten bei der Ablesung des Barometers beruhen (als Assmann und Berson sp&auml;ter (in ihrem Werk ?Wissenschaftliche Luftfahrten?) seine H&ouml;hen in gr&ouml;&szlig;eren Zeitabst&auml;nden zusammenfassten, kamen sie auf realistischere Geschwindigkeiten, wie z.B. 1,3 m\/s).<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"JUSTIFY\">\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"JUSTIFY\">Der n&auml;chste Fehler, welcher von ihm begangen wurde, war, dass er alle Apparate auf einem Brett montierte, welches quer &uuml;ber den Korb verlief. Auf den ersten Blick ist dies ja eine praktische Aufstellung. Aber auf den zweiten Blick hat sie einen schwerwiegenden Fehler. Glaisher hatte n&auml;mlich bereits in Betracht gezogen, dass er seine Thermometer vor der Sonne sch&uuml;tzen m&uuml;sse, und die Thermometerkugeln mit polierten (konischen) Silberschirmen abgedeckt. Nun scheint die Sonne nat&uuml;rlich auf den Tisch und erw&auml;rmt diesen. Die erw&auml;rmte Luft wird unter den Schirmen ?gefangen? und die Thermometer zeigen einen h&ouml;heren Wert an, als normal. Als 1898 einmal in Deutschland von Berson diese Thermometeraufstellung mit dem Assmann&#8217;schen Aspirationspsychrometer verglichen wurde, lag das Glaisher&#8217;sche Thermometer z.T. 30 Grad &uuml;ber dem Psychrometer!<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"JUSTIFY\">\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"JUSTIFY\">Das Assmann&#8217;sche Psychrometer war dabei 1,6 Meter vom Korbrand entfernt aufgehangen und wurde mit einem kleinen Fernrohr abgelesen. Dies, und auch die polierte Verkleidung desselben, sowie die Aspiration der Luft sorgten daf&uuml;r, dass es in der Lage war, die wahre Lufttemperatur anzuzeigen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"JUSTIFY\">\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"JUSTIFY\">Bei einer der sp&auml;teren Fahrten (im Jahre 1864) hatte Glaisher auch ein Thermometer mit geschw&auml;rzter Kugel an Bord, mit dem die St&auml;rke der Sonneneinstrahlung gemessen werden sollte. Im Vergleich zum normalen Thermometer kam er aber in fast allen F&auml;llen auf eine ?aktinometrische Differenz? von 0?C (die gr&ouml;&szlig;te Differenz die einmal beobachtet wurde     lag    bei   +8.3?C) Wiederum   in   Deutschland   wurden    mit    dem Schwarzkugelthermometer manchmal Differenzen von +50?C beobachtet.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"JUSTIFY\">\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"JUSTIFY\">Weiterhin befanden sich in Glaishers Programm, welches 1862 aufgestellt wurde, elektrische Messungen der Atmosph&auml;re. Bei seinem ersten Aufstieg am 17. Juli 1862 war dann auch ein Thomson&#8217;sches Elektrometer an Bord, welches aber leck war, sodass die ?Ballonladung? bei jeder Messung neu bestimmt werden musste. Im Bericht, der auf die Fahrten 1863\/64 eingeht (sowie im darauffolgenden f&uuml;r 1864\/65) hei&szlig;t es, dass ein Instrument gebaut worden sei, welches aber leider auf der Basis einer offenen Flamme arbeiten w&uuml;rde, und deshalb nicht f&uuml;r den (ja mit Wasserstoff gef&uuml;llten) Ballon geeignet sei. Man w&uuml;rde aber an einem Instrument mit einem Wassertropf-Kollektor arbeiten. Der Text findet sich in beiden Berichten mit ungef&auml;hr den selben Wortlaut, was andeutet, dass drei Jahre an einem entsprechenden Ger&auml;t gearbeitet wurde, aber es bis zum Ende der Fahrtenserie nicht fertig wurde, obwohl dieser Programmpunkt von Anfang an festgeschrieben war.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"JUSTIFY\">\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"JUSTIFY\">Der gr&ouml;&szlig;te Fehler passierte Glaisher dann bei der Auswertung seiner Fahrtergebnisse. Er trug n&auml;mlich die Ablesungen der Thermometer (und nicht etwa immer das ?normale? trockene Thermometer, sondern willk&uuml;rlich (!) auch das aspirierte und ein sogenanntes ?Gridiron?- Thermometer (ein Thermometer mit einem Gitter anstatt einer Kugel am unteren Ende, um es besonders empfindlich zu machen)) gegen die H&ouml;he in Diagrammen auf. Dann hat er in diesen Diagrammen alle die Bereiche, wo er eine Temperaturzunahme mit gr&ouml;&szlig;erer H&ouml;he beobachtet hatte, ignoriert. Daf&uuml;r hat er einfach die Temperaturen, die er von der Ausgleichskurve abgelesen hatte, als ?Adopted Temperatures? f&uuml;r seine weiteren Arbeiten verwendet. So kam es beispielsweise dazu, dass eine beobachtete Temperatur von +4,2?C zu -8,2?C wurde! Glaisher hat sich also von der Vorstellung leiten lassen, dass die Temperatur mit der H&ouml;he immer abnimmt. In der Wissenschaft ist es so, dass man eben unvoreingenommen seine Ergebnisse betrachten soll, und nicht unerwartete  Ergebnisse automatisch als ?Falsch? erachtet.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"JUSTIFY\">\n<p style=\"margin-top: 0.42cm; page-break-after: avoid;\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Nimbus Sans L,Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Was ist Project Vortex?: <\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"JUSTIFY\">Project Vortex hat das Ziel, selbst eine oder mehrere Fahrten in einem Gasballon zu unternehmen, und dabei wissenschaftliche Messungen durchzuf&uuml;hren. Dabei sollen nat&uuml;rlich alle Fehler von damals vermieden und moderne Messtechnik verwendet werden. Zuerst etwas zu der technischen Seite. Ich habe Kontakt mit dem Ballonpiloten Volker Kuinke aus D&uuml;sseldorf aufgenommen, welcher sich bereit erkl&auml;rt hat, solche Fahrten mit mir durchzuf&uuml;hren. Er besitzt zwei Ballone, einen mit einem Rauminhalt von 650 und einen mit einem Rauminhalt von 1.050 Kubikmetern. Er veranschlagt f&uuml;r eine Fahrt mit dem kleineren Ballon einen Preis von ca. 600 Euro, f&uuml;r eine Fahrt mit dem gr&ouml;&szlig;eren Ballon 1.000 Euro. Er selbst empfiehlt f&uuml;r eine Fahrt in gr&ouml;&szlig;ere H&ouml;hen (ca. 5.000 Meter) den gr&ouml;&szlig;eren Ballon, hat mich aber auch schon darauf hingewiesen, dass ein Sauerstoffger&auml;t ab einer H&ouml;he von 3,000 Metern gesetzlich vorgeschrieben ist. Wenn Herr Kuinke und ich die einzigen Personen im Ballonkorb sind, ist es sicher m&ouml;glich eine gute Anzahl an Instrumenten mitzunehmen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"JUSTIFY\">\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"JUSTIFY\">In einem folgenden Teil werde ich beschreiben, was genau auf dieser\/n Ballofahrt(en) gemessen werden soll.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo miteinander. Heute wieder ein Gastblog, diesmal von einem neuen Autor: Kevin Glinka. In den n&auml;chsten beiden Tagen werden noch die Teile 2+3 seines Konzeptes folgen. Ich hoffe mal ihr seid an der Atmosph&auml;renforschung genauso interessiert wie an der Raumfahrt und postet auch hier flei&szlig;ig Kommentare! Teil 1: Geschichtliches Von Kevin Glinka Geschichte: Im 19. 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