{"id":18515,"date":"2026-01-30T00:52:56","date_gmt":"2026-01-29T23:52:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=18515"},"modified":"2026-01-30T18:03:02","modified_gmt":"2026-01-30T17:03:02","slug":"thor-agena-a-und-kh-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/01\/30\/thor-agena-a-und-kh-1\/","title":{"rendered":"Thor Agena A und KH-1"},"content":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_18515\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"18515\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Heute gibt es wieder als Blog-Artikel einen kleinen Auszug aus dem aktuellen Buchmanuskript. Diesmal der Artikel &uuml;ber die Thor Agena A, eine der fr&uuml;hen Versionen die nicht oft flog. Der Artikel ist trotzdem l&auml;nger geworden, weil eine der Neuerung, die ich beim laufenden Manuskript eingef&uuml;hrt habe, ist das ich auch etwas mehr &uuml;ber die Satelliten schreibe, sofern es m&ouml;glich ist &uuml;ber die Ursache von Fehlstarts. Das geht nicht immer, aber sehr gut, wenn eine Rakete fast nur einen Satellitentyp gestartet hat wie eben die Thor Agena A, die nur die KH-1 Fotoaufkl&auml;rer startete.<\/p>\n<p>Wer die technische Beschreibung der Agena vermisst, die findet sich in einem anderen Kapitel.<\/p>\n<p>Und keine Angst, bei mittlerweile rund 460 Seiten bleibt noch gen&uuml;gend Neues &uuml;brig was nicht vorher im Blog ver&ouml;ffentlicht wurde. Die Erfolgsbilanz des Discovererprogramms erinnert mich mit den vielen Fehlschl&auml;gen an ein aktuelles Programm. Mal sehen. Von der ersten Serie lieferte Disoverer 14 die Ergebnisse die man sich erhoffte, ob das aktuelle Projekt das auch schafft?<!--more--><\/p>\n<p class=\"western\">Den ersten Einsatz hatte die Agena auf der Thor, obwohl sie f&uuml;r die Atlas entwickelt wurde. Es ist heute in der Projektgeschichte nur schwer zu unterscheiden zwischen der Agena und den Keyhole-1 Satelliten. Sie entwickelten sich aus einem gemeinsamen Vorl&auml;uferprojekt. Da Lockheed Satellit und Stufe fertigte und beide zu einer Einheit verschmolz, ist es schwer sowohl die Projektgeschichte, wie auch die finanzieren unabh&auml;ngig zu sehen. Die Geschichte beider Projekte beginnt, nachdem das Projekt WS-117L eingestellt wurde und das CORONA-Projekt imitiert wurde.<\/p>\n<p class=\"western\">Am 18. April 1958 wurden 7 Millionen Dollar f&uuml;r &#8222;schwarze Projekte&#8220;, also ohne Angabe, wof&uuml;r genau sie verwendet werden und 24 Millionen f&uuml;r die Entwicklung der Agena und Anpassung der Thor genehmigt. Das waren 11 Millionen Dollar mehr als noch vor neun Tagen beantragt. Die Kosten f&uuml;r das anspruchsvolle CORONA Projekt stiegen auch rasant an. Zum selben Zeitpunkt nahm man einen Finanzierungsbedarf von 78,5 Millionen Dollar f&uuml;r das CORONA-Projekt mit 19 Fl&uuml;gen an, doch schon im Oktober ergaben neue Zahlen von Lockheed einen Gesamtbedarf von 129 Millionen Dollar (1.447 Millionen im Wert von 2025). Als Folge wurden vier Fl&uuml;ge gestrichen, darunter als Tarnung vorgesehene, rein wissenschaftliche Fl&uuml;ge mit biomedizinischer Ausrichtung. Da die Satelliten eine Kapsel zur Erde zur&uuml;ckbringen konnten, wollte man so den Einfluss des Weltraums auf Tiere untersuchen.<\/p>\n<p class=\"western\">Demgegen&uuml;ber wollte die CIA sogar 20 Fl&uuml;ge. Es knirschte hinter den Kulissen, denn finanziert wurde das Programm von der ARPA, einer Forschungsbeh&ouml;rde, die dem Verteidigungsministerium unterstand. Die Aufkl&auml;rung war aber Aufgabe der CIA. Die CORONA-Satelliten und die Agena fertige Lockheed. Die Triebwerke stammten von Aerojet.<\/p>\n<p class=\"western\">Mit dem Einsatz der Agena begann die Karriere der Thor als milit&auml;rische Tr&auml;gerrakete. Die KH-1 bis 4 Satelliten sollten die zuk&uuml;nftige Hauptnutzlast werden. Bis 1960 erkundeten die USA mit U-2 Flugzeugen in gro&szlig;er H&ouml;he die Sowjetunion. Der Abschuss einer U-2 mit dem Piloten Gary Powers am 1. Mai 1960 zeigte, dass die U-2 durch ihre Flugh&ouml;he von &uuml;ber 20 km nicht mehr gesch&uuml;tzt waren. So wurde die Entwicklung der Aufkl&auml;rungssatelliten forciert und die U-2 Fl&uuml;ge deutlich reduziert.<\/p>\n<p class=\"western\">Angegeben wurde bei den Thor Agena A Starts nur die Orbitalmasse, also die Summe von Satellit und Agena A Oberstufe, da diese fest miteinander verbunden waren. Die reine Nutzlast war bedeutend kleiner als Orbitalmasse. W&auml;hrend diese mit rund 590 bis 835 kg angegeben wurde, entfiel nur ein kleiner Teil auf den Satelliten. Da die Avionik des Satelliten in der Agena verbaut war, ist es schwer zu sagen, wie viel der Discoverer Satellit wog. Mit Agena A wog der erste Discoverer je nach Quelle 590 bis 669 kg. 78 bis 140 kg soll die Nutzlast ausgemacht haben. Vor dem Start von Discoverer\u00a0I entfernten Techniker Teile der nicht tragenden Struktur der Agena A, denn die wog 544 kg. Damit verringerte Lockheed ihr Gewicht, damit der Satelliten &uuml;berhaupt in einen Orbit kam. Es gab, nachdem einige Satelliten nicht den Orbit erreicht hatten, ein \u201eGewichtsreduktionsprogramm\u201c bei der Thor und Agena. Weiterhin wurde die Thor betrieben, bis ihr der Treibstoff ausging. Normal war sie bei Erreichen einer vorgegebenen Endgeschwindigkeit sie abzuschalten. Die erste Agena nutzte auch noch JP-4 als Treibstoff.<\/p>\n<p class=\"western\">Die Tatsache, dass bei der Trennung von der Thor durch das Verbrennen des ganzen Treibstoffs ihre Endgeschwindigkeit nicht bekannt war, verbunden mit der niedrigen Einschussbahnh&ouml;he erforderte, dass die Agena auf 1,1 Grad genau auf den Horizont ausgerichtet wurde und die Zielgeschwindigkeit auf 30 m\/s genau erreichte. Die Gewichtsreduktion f&uuml;hrte dazu, dass in jedem Falle ein Orbit erreicht wurde, er war nur dann eben elliptisch.<\/p>\n<p class=\"western\">Von den 405 Minuten des Countdowns der Rakete entfielen die ersten 390 Minuten auf die &Uuml;berpr&uuml;fung der Agena und nur die letzten 15 min auf die Thor. Sie war als Milit&auml;rrakete ausgelegt, innerhalb von 15 Minuten zu starten. Die Thor Agena A setzte den Triebwerksblock DM 1812 ein. Er basierte auf dem DM18A und wurde f&uuml;r die Thor Able modifiziert. Die wesentliche &Auml;nderung war das Entfernen der Nasensektion. Da die Agena A fast den gleichen Durchmesser wie die Thor ab dem oberen Abschluss hatte, (1,52 Agena, 1,60 m) Thor konnte hier Gewicht eingespart werden. Die Thor erhielt eine einfache Steuerung auf Basis einer Radiolenkung. Diese wog 68 kg. Das bei den IRBM eingesetzte autonome System wurde entfernt, weil die Agena ihr eigenes Steuersystem hatte. Anders als andere fr&uuml;he Thors hatte die Thor keine Finnen an der Basis.<\/p>\n<p class=\"western\">Zwar wurde nach dem Brennschluss der Thor die Agena A von der Thor getrennt. Sie z&uuml;ndete jedoch erst nach 321 s, auf dem Gipfelpunkt der ballistischen Aufstiegsbahn, da sie nicht wiederz&uuml;ndbar war. Sie musste so erst die richtige Bahnh&ouml;he erreichen. Diese Freiflugphase ist energetisch ung&uuml;nstig und kostete Nutzlast. Nach 456 Sekunden war eine niedrige Umlaufbahn erreicht. Das lie&szlig; noch Treibstoff f&uuml;r 5 Sekunden Brennzeit in den Tanks. Gesteuert wurde die Brennzeit der Agena A durch einen Timer, der beim Abheben gestartet wurde. Es gab keine aktive Vermessung der Bahn. Der Brennschluss erfolgte zu einem vorher festgelegten Zeitpunkt. So wurden nur elliptische Bahnen erreicht. Discoverer I hatte zum Beispiel einen Orbit mit einem erdn&auml;chsten Punkt von 159 km und einer erdfernsten Distanz von 952 km.<\/p>\n<p class=\"western\">Die Agena A transportierte nur die &#8222;Discoverer-Satelliten&#8220;, eine Tarnbezeichnung f&uuml;r die ersten Foto-Aufkl&auml;rungssatelliten der USA. Alle Starts fanden zwischen 1959 und 1960 statt. Dies zeigt, wie wichtig dieses Programm f&uuml;r die USA war. Dabei gab es zahlreiche R&uuml;ckschl&auml;ge. Viele der Satelliten erreichten keine Umlaufbahn und es gelang lange Zeit nicht, die Kapseln mit den Filmen zu bergen.<\/p>\n<p class=\"western\">Die erste Agena mit der Seriennummer 1019 z&uuml;ndete ihre Treibstoffsammeltriebwerke w&auml;hrend eines Probecountdowns am 12.1.1959, noch vor dem ersten Start, als eine fehlerhafte Schaltung Strom zu dem Sequencer der Agena leitete. Die Agena spulte ihr Startprogramm ab, durchtrennte die Verbindung zur Thor, z&uuml;ndete die Treibstoffsammelraketen und warf Verkleidungsplatten f&uuml;r Antennen und den Horizontsensor ab. Durch die Treibstoffsammelraketen bildete sich eine rotbraune Wolke um die Agena und acht Arbeiter liefen um ihr Leben, da sie eine Explosion bef&uuml;rchteten. Im Blockhaus reagierte jemand schnell auf den Alarm und schaltete den Strom zur Agena ab. Die Agena sa&szlig; nun auf der Thor, mit durchgetrennten Verbindungen in einer Wolke aus Salpeters&auml;ure. Erst als diese verflogen war, begann man mit Sicherungsma&szlig;nahmen.<\/p>\n<p class=\"western\">Die Agena 1019 wurde danach verschrottet, die Thor 160, auf der sie sa&szlig;, dagegen wurde wiederaufbereitetet und f&uuml;r den Start von Discoverer XII im August 1960 eingesetzt. Das war m&ouml;glich, weil sie noch nicht bef&uuml;llt war und die Triebwerke der Agena noch nicht gez&uuml;ndet hatten.<\/p>\n<p class=\"western\">Da die Agena nur diese eine milit&auml;rische Nutzlast bef&ouml;rderte, hier eine kleine Geschichte der ersten Discoverer Satelliten. Das Programm steigerte die Komplexit&auml;t iterativ. Die Agena A startete die erste Generation &#8222;Keyhole 1&#8220;, abgek&uuml;rzt KH-1. Der interne Projektname war &#8222;CORONA C&#8220;. KH-1 waren Entwicklungsmuster, sie sollten das komplexe System erproben, bei dem im Orbit Filmaufnahmen gemacht wurden, dann musste der Film in eine Kapsel umgespult werden, die Kapsel zum richtigen Zeitpunkt durch Retroraketen abgetrennt werden und schlie&szlig;lich geborgen werden. Dazu kam, dass auch die Thor Agena parallel qualifiziert wurde, zahlreiche Starts schlugen fehl. So verwundert es nicht, dass diese erste Phase 16 Starts umfasste. Die Satelliten wurden offiziell als Discoverer (Entdecker) bezeichnet, eine Tarnbezeichnung, die noch mehrere Jahre aufrechterhalten wurde. Die Bezeichnung &#8222;CORONA&#8220; stammte von der mechanischen Koffer-Schreibmaschine CORONA von Smith LC, auf der die Antr&auml;ge f&uuml;r das Projekt getippt wurden.<\/p>\n<p class=\"western\">Die Satelliten bestanden aus einer Kapsel an der Spitze, in die der Film nach dem Durchlauf der Kamera landete und die f&uuml;r die Bergung abgesprengt wurde. Der Mittelteil bestand nur aus der Kamera. Die gesamte Elektronik und Batterien zur Stromversorgung befand sich im Instrumentenabteil der Agena. Eine Nutzlastverkleidung gab es nicht, die Satelliten endeten in einer aerodynamisch geformten Spitze. Ein Satellit war nur ein bis zwei Tage lang aktiv. Discoverer 14, der erste Satellit der Aufnahmen erfolgreich zur Erde zur&uuml;ckbrachte, wurde am 18. August 1960 gestartet, schon am n&auml;chsten Tag wurde die Kapsel geborgen.<\/p>\n<p class=\"western\">Die Kameras aller Satelliten des Corona-Projektes funktionierten hatten als Optik eine lichtstarke Linse mit 12,7 cm Durchmesser und einer Brennweite von 61 cm bei den ersten Exemplaren. Der 70-mm Film wurde von einer Rolle in der Agena zu einer Spule in der Kapsel durchgezogen. Die Satelliten flogen mit der Spitze in Nord-S&uuml;d-Richtung. Bei der Aufnahme drehte sich die Kamera quer zur Flugrichtung und bildete so einen Streifen in Ost-West-Richtung ab. Der Film wurde synchron zur Drehung durchgezogen. Vor dem Film gab es einen Schlitz, durch den das Licht fallen konnte. In 2 Sekunden wurden 1,2 m Film durchgezogen. Durch die Bewegung wurde aus den belichteten Streifen dann ein Bild. Was man erhielt, war ein Streifen von &#8211; je nach Orbith&ouml;he 18 bis 30 km in Nord-S&uuml;d Richtung &#8211; und mehreren Hundert Kilometern in Ost-West-Richtung. Eine Mission nahm so in wenigen Orbits mehrere Millionen Quadratkilometer auf. Bis diese mechanisch aufwendige Konstruktion fehlerfrei funktionierte, brauchte es etliche Anl&auml;ufe. Die Satelliten waren durch die Lageregelungstriebwerke der Agena dreiachsenstabilisiert. Die durch Retroraketen abgebremsten Kapseln hatten einen Durchmesser von 84 cm und eine H&ouml;he von 67 cm.<\/p>\n<p class=\"western\">Discoverer I hatte keine Kapsel an Bord. Man verlor nach 730 Sekunden die Telemetrie von der Agena und gab offiziell an, dass der Satellit in der Antarktis niederging. Sp&auml;ter ver&ouml;ffentlichte CIA-Berichte enth&uuml;llten, dass der Satellit einen Orbit erreichte, aber der Telemetrieempfang gest&ouml;rt war und man nur kurzzeitig Daten von ihm empfing. Er vergl&uuml;hte nach 18 Tagen am 17.3.1959.<\/p>\n<p class=\"western\">Discoverer II hatte eine Kapsel an Bord, die wurde durch einen &#8222;menschlichen Fehler&#8220; aber eine halbe Erdumkreisung vom Zielpunkt entfernt deorbitiert. Jemand hatte den Zeitgeber falsch programmiert. Die Kapsel landete in der N&auml;he von Spitzbergen, ein ge&ouml;ffneter Fallschirm wurde beobachtet. Es gab Ger&uuml;chte, dass die Sowjets nach der Kapsel suchten und sie eventuell fanden. Die Kapsel enthielt aber nur &#8222;mechanische M&auml;use&#8220;, welche die Belastungen der Mission aufzeichnen sollten. Die ersten Missionen hatten vor allem Forschungscharakter. Es gelang zwischen den beiden Starts die Nutzlast der Thor Agena deutlich zu steigern. Discoverer II wog mit Agena schon 728 kg und gelangte auch in einen etwas h&ouml;heren Orbit.<\/p>\n<p class=\"western\">Discoverer III und IV erreichten beide durch Unterperformance der Agena keinen Orbit. Bei Discoverer III war die Agena falsch orientiert und der Satellit landete im Pazifik. Der Satellit funktionierte immerhin, erreichte ein Apog&auml;um von 1200 km und funkte Daten &uuml;ber 13 Minuten. Beim n&auml;chsten Satelliten war der Schub der Agena zu gering. Discoverer III hatte erneut die mechanischen M&auml;use an Bord und gilt als ein Instrumentierungs- \/ Forschungsflug, Discoverer IV verf&uuml;gte erstmals &uuml;ber eine Kamera.<\/p>\n<p class=\"western\">Discoverer V und VI erreichten einen Orbit, doch ihre Kameras fielen im ersten bzw. zweiten Umlauf aus. Bei Discoverer V war die Temperatur an Bord zu gering und Messungen legten nahe das der Film nicht vom Beh&auml;lter in die Kamera gelangte. Die Kapsel wurde nach einem Tag abgetrennt, aber die Retroraketen erh&ouml;hten das Apog&auml;um bis auf 1.703 km H&ouml;he anstatt es abzusenken. Ebenso gab es keine Telemetrie von der Kapsel. Sie blieb bis zum 11.2.1961 im Orbit, w&auml;hrend Discoverer 5 am 28.10.1959 vergl&uuml;hte. Das der Film stecken blieb wiederholte sich beim Nachfolger, wahrscheinlich aufgrund der gleichen Ursache. Diesmal wurde die Kapsel deorbitiert, konnte aber nicht gefunden werden.<\/p>\n<p class=\"western\">Nach zwei Problemen mit dem Film und einem mit den Retroraketen hielt man das Programm an und begann die folgenden Missionen neu zu planen, mit besserer Instrumentierung auszustatten, um Probleme zu erkennen, auch wenn man daf&uuml;r auf Ausr&uuml;stung verzichtete.<\/p>\n<p class=\"western\">Discoverer VII erreichte durch Unterperformance der Agena einen zu niedrigen Orbit. &Uuml;ber den Betrieb der Kamera gibt es keine Angaben, aber die Kapsel trennte sich nicht vom Satelliten.<\/p>\n<p class=\"western\">Discoverer VIII erreichte einen unbrauchbaren, zu exzentrischen Orbit mit einem 1.670 km hohen Apog&auml;um f&uuml;r eine Bergung. Die Kamera fiel erneut vorzeitig aus. Die Kapsel konnte so nicht durch den Timer am Bord automatisch abgetrennt werden, das Kommando wurde manuell gesandt. Telemetrie wurde von einem Bahnverfolgungsschiff bei Alaska empfangen und die Daten zeigten, dass die Kapsel 370 km vorm Kurs entfernt war. Im Gebiet konnten Flugzeuge den Aufschlag im Pazifischen Ozean beobachten, der Fallschirm hatte sich nicht ge&ouml;ffnet und sie versank im Meer. Es wurde vermutet, dass der keramische Schutzschild, der die Kapsel beim Start sch&uuml;tzte, nicht abgetrennt wurde und sie so zu schwer war.<\/p>\n<p class=\"western\">Aber man hatte nun wenigstens Daten, um zu erkennen, wo das Problem beim Filmtransport lag. Das n&uuml;tzte bei den beiden n&auml;chsten Starts aber nichts, denn in beiden F&auml;llen versagte die Thor und Discoverer IX und X wurden zerst&ouml;rt. Beim Discoverer IX hatte die Thor nach 145,1 Sekunden vorzeitig Brennschluss, die fehlende Geschwindigkeit konnte die Agena nicht aufbringen, sie hatte weil sie zu schon vor dem Start mit wenig Helium bef&uuml;llt hatte selbst vorzeitig Brennschluss<\/p>\n<p class=\"western\">Beim Nachfolger wich die Thor vom Kurs ab und wurde nach 56,4 Sekunden vom Range Safety Officer gesprengt. Immerhin funktionierte ein neues K&uuml;hlsystem beim Aufstieg, bei dem Wasser verdampft wurde und der Dampf die W&auml;rme abf&uuml;hrte, bei Discoverer IX.<\/p>\n<p class=\"western\">Bei Discoverer XI versagte erneut das Bergungssystem. Das war eine gro&szlig;e Entt&auml;uschung, da man endlich das Problem der Kameraausf&auml;lle auf den Film zur&uuml;ckf&uuml;hren konnte. Die Acetatbasis verspr&ouml;dete und wurde durch eine Polyesterbasis ersetzt. Messungen zeigten, dass die gesamten 16 Pfund (ca. 7 Kilogramm) Film in die R&uuml;ckkehrkapsel umgespult wurden. Doch bei der Abtrennung der Kapsel z&uuml;ndeten die Raketen nicht, die sie in eine schnelle Rotation zur Stabilisierung bringen sollten. Sie explodierte beim Wiedereintritt.<\/p>\n<p class=\"western\">Die beiden folgenden Fl&uuml;ge verzichteten daher auf die Kamera und f&uuml;hrten noch mehr Instrumente zur Diagnose mit. Discoverer XII erreichte durch eine Fehlausrichtung der Agena keinen Orbit. Ihr Horizontsensor fiel aus, und die Nase zeigte so 6 Grad nach unten.<\/p>\n<p class=\"western\">Das ganze CORONA-Programm stand nun auf der Kippe, denn in wenigen Monaten sollte das konkurrierende SAMOS-Programm auf einer Atlas Agena starten &#8211; SAMOS verwandte auch eine hochaufl&ouml;sende Kamera, verzichtete aber auf die R&uuml;ckf&uuml;hrung des Films und entwickelte ihn an Bord und tastete ihn dann punktweise ab und &uuml;bertrug die Daten. Sp&auml;ter wurde die SAMOS-Kamera f&uuml;r das Lunar Orbiter Projekt eingesetzt, wo sie exzellente Bilder der Mondoberfl&auml;che lieferte. SAMOS umging daher die Bergung des Films, die bei 12 Starts bisher nicht geklappt hatte Die Projektverantwortlichen f&uuml;rchteten daher, dass CORONA eingestellt wird.<\/p>\n<p class=\"western\">Durch die Instrumentierung fand man Lockheed heraus, was das Problem bei der Abtrennung der Kapseln war: die Retroraketen mit Festtreibstoff konnten, wenn sie nicht simultan gez&uuml;ndet wurden, die Kapsel nicht abbremsen, sondern in einen h&ouml;heren Orbit bef&ouml;rdern. Man ersetzte sie durch ein System, das Kaltgas nutzte.<\/p>\n<p class=\"western\">Discoverer XIII war der zweite nur instrumentierte Satellit und der erste Satellit, der die Kapsel erfolgreich 320 km von Hawaii entfernt niedergehen lie&szlig;. Helikopter fischten sie einige Stunden sp&auml;ter aus dem Wasser. Die Kapsel wurde dann zwei Tage sp&auml;ter von Pr&auml;sident Eisenhower als erstes Objekt pr&auml;sentiert, dass vom Weltraum wieder zur&uuml;ckkam. Ohne Kamera enthielt sie aber keinen Film.<\/p>\n<p class=\"western\">Discoverer XIV hatte wieder eine Kamera an Bord. Erneut klappte das Bergen der Kapsel, obwohl sie 430 Meilen (ca. 692 km) vom Zielgebiet entfernt niederging. Diesmal wurde sie in der Luft von einer C-119 eingefangen. Dazu flog die Maschine mit einem V-f&ouml;rmigen Vorbau auf die Fallschirmleinen zu. Die Seile verhedderten sich an dem Vorbau und so wurde die Kapsel im Flug eingefangen.<\/p>\n<p class=\"western\"><a name=\"firstHeading Kopie 1\"><\/a> Die Bilder waren von &#8222;au&szlig;ergew&ouml;hnlicher Qualit&auml;t&#8220;, die erwartete Aufl&ouml;sung wurde erreicht. Diese einzige Mission brachte als wichtigste Erkenntnis, dass es die bef&uuml;rchtete \u201eRaketenl&uuml;cke\u201c nicht gab. Damals mutma&szlig;ten die USA, die Sowjetunion verf&uuml;gte &uuml;ber viel mehr Interkontinentalraketen als sie selbst. Tats&auml;chlich verf&uuml;gten die USA damals &uuml;ber doppelt so viele Interkontinentalraketen wie die UdSSR. Sie waren auf die Propaganda hereingefallen: Chruschtschow behauptete, die Sowjetunion w&uuml;rde \u201eRaketen wie W&uuml;rstchen am Flie&szlig;band\u201c produzieren. Diese einzige Mission entdeckte 64 bisher unbekannte Luftwaffenst&uuml;tzpunkte, 26 Boden-Luft-Abschussbatterien und das bisher unbekannte Startzentrum der Sowjets in <span style=\"color: #101418;\"><span style=\"font-family: Linux Libertine, Palatino Linotype, Georgia, Times, serif;\">Plessezk<\/span><\/span><span style=\"color: #101418;\"><span style=\"font-family: Linux Libertine, Palatino Linotype, Georgia, Times, serif;\">.<\/span><\/span> Discoverer XIV lichtete 4,2 Millionen km\u00b2 der UdSSR ab, die Aufl&ouml;sung des Films betrug 55 Linien\/mm, was minimal 11 m Aufl&ouml;sung entsprach. 914 m Film, fast die ganzen 9 kg, die mitgef&uuml;hrt wurden, wurden geborgen.<\/p>\n<p class=\"western\">Der letzte Discoverer der ersten Serie (XV) funktionierte problemlos, bis die Kapsel gebrogen werden sollte. Wieder ging sie au&szlig;erhalb des Zielgebietes nieder und versank im Pazifik bevor sie geborgen werden konnte. Die Ursache war eine falsche Orientierung f&uuml;r den Wiedereintritt kombiniert mit einem Zeitgeber, der falsch programmiert war.<\/p>\n<p class=\"western\">15 der Starts waren sechs Fehlstarts, vier aufgrund der Agena und zwei auf das Konto der Thor. Aber das System wurde nicht aufgegeben. 1960 wurden 130 Fl&uuml;ge f&uuml;r CORONA mit einem Umfang von &uuml;ber 1,3 Milliarden US-Dollar geplant. Das erwies sich als pr&auml;zise Prognose, denn es fanden genau 130 Starts der KH 1-4 Generation statt. 1959\/60 fanden 31 Starts der Thor mit vier Oberstufen statt (Agena, Able, Ablestar, Delta), 19 davon entfielen auf die Agena A und B. Die Masse im Orbit (mit Agena) lag zwischen 618 kg (Discoverer 1) und 920 kg (Discoverer 7). Die Angaben sind aber nicht offiziell best&auml;tigt.<\/p>\n<p class=\"western\">Die Thor Agena A war die erste Tr&auml;gerrakete, welche von der Vandenberg Air Force Base (VAFB) aus startete. Genutzt wurden die beiden Rampen 75-3-4 und 75-3-5, die f&uuml;r Thor IRBM CTL-Tests errichtet wurden. Das VAFB bot neben der milit&auml;rischen Geheimhaltung den Vorteil, dass von VAFB Starts in einen polaren oder sonnensynchronen Orbit m&ouml;glich sind. Dadurch kann die gesamte Erdoberfl&auml;che &uuml;berwacht werden. Die amerikanische Ostk&uuml;ste und Inseln in der Karibik erlaubten vom Cape aus (ohne ung&uuml;nstige Kurven zu fliegen) nur eine Bahnneigung von 27 bis 57 Grad. Der Start von Vandenberg, deckt dagegen den Bereich von 54 bis 104 Grad Inklination ab.<\/p>\n<p align=\"left\"><b>Referenzen:<\/b><br \/>\nR. Cargill Hall &#8222;Agena Draft History&#8220;, November 1966<br \/>\n<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/List_of_Thor_DM-18_Agena-A_launches\">https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/List_of_Thor_DM-18_Agena-A_launches<\/a><br \/>\n&#8222;Thor the Workhorse of Space&#8220;, Douglas, 1972 MDC GC370<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.thespacereview.com\/article\/4813\/1\">Dwayne A. Day: &#8222;Things that almost go boom&#8220;, The Space Review 4813<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.thespacereview.com\/article\/1347\/1\">Dwayne A. Day: Lost over the horizon: Discoverer 1 explores Antarctica, The Space Review 1347<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.thespacereview.com\/article\/1352\/1\">Dwayne A.Day: &#8222;Has anybody seen our satellite?&#8220;, The Space Review 1352<\/a><br \/>\nD<a href=\"https:\/\/www.thespacereview.com\/article\/5079\/1\">wayne A. Day: &#8222;This spacecraft will self-destruct in 5, 4, 3, 2\u2026&#8220;, The Space Review 5079<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/8002b5135f8349af8dcfab89af02a721\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_18515\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"18515\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Heute gibt es wieder als Blog-Artikel einen kleinen Auszug aus dem aktuellen Buchmanuskript. Diesmal der Artikel &uuml;ber die Thor Agena A, eine der fr&uuml;hen Versionen die nicht oft flog. Der Artikel ist trotzdem l&auml;nger geworden, weil eine der Neuerung, die ich beim laufenden Manuskript eingef&uuml;hrt habe, ist das ich auch etwas mehr &uuml;ber die Satelliten [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[2162,3711,5362,2160,5366],"class_list":["post-18515","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-raumfahrt","tag-agena","tag-corona","tag-kh","tag-thor","tag-thor-agena","entry"],"a3_pvc":{"activated":true,"total_views":206,"today_views":0},"jetpack_featured_media_url":"","jetpack-related-posts":[{"id":18531,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/02\/18\/thor-launchpad-chaos-und-nicht-geflogene-thor\/","url_meta":{"origin":18515,"position":0},"title":"Thor Launchpad Chaos und nicht geflogene Thor","author":"Bernd Leitenberger","date":"18. 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