{"id":18654,"date":"2026-05-08T17:55:58","date_gmt":"2026-05-08T15:55:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=18654"},"modified":"2026-05-08T17:55:58","modified_gmt":"2026-05-08T15:55:58","slug":"zwei-hypothetische-galileoprojekte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/05\/08\/zwei-hypothetische-galileoprojekte\/","title":{"rendered":"Zwei hypothetische Galileoprojekte"},"content":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_18654\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"18654\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Heute ein Blog, in dem ich zwei Galileoprojekte unter die Lupe nehme, die zumindest diskutiert wurden. Galileo durchlief vor dem Start ja einige Umplanungen. Diese waren vor allem dadurch bedingt, dass die Sonden von 1.500 auf &uuml;ber 2.500 kg Gewicht anwuchsen und so die geplante Startm&ouml;glichkeit mit einem Space Shuttle und einer IUS nicht m&ouml;glich war. Eine der zwischenzeitlich angedachten L&ouml;sungen war es die Sonden zu trennen und Orbiter und Atmosph&auml;renprobe separat zu starten. Im ersten Teil will ich die M&ouml;glichkeiten dieser Kombination untersuchen. Das zweite war das man erwog, nachdem die Hauptantenne ausfiel, noch einen Kommunikationsorbiter hinterzuschicken.<!--more--><\/p>\n<h4 class=\"western\">Die Atmosph&auml;renprobe<\/h4>\n<p>F&uuml;r einen separaten Start einer Atmosph&auml;renprobe h&auml;tte man ein weiteres Carrier Raumschiff gebraucht. Wenn dies leicht genug gewesen w&auml;r,e h&auml;tte es direkt zum, Jupiter fliegen k&ouml;nnen. Das sah die Planung aber nicht vor, im Gegenteil obwohl gleichzeitig mit dem Orbiter gestartet w&auml;re es erst ein Jahr nach diesem angekommen. Das l&auml;sst den Schluss zu, dass der Orbiter die Daten&uuml;bertragung durchf&uuml;hren sollte. Dass vereinfacht etwas beim Carrier-Raumschiff, vor allem bei der Stromversorgung, die dann minimal sein kann und eine Hochgewinnantenne braucht es auch nicht.<\/p>\n<p>Was ich mich gefragt habe ist, ob eine Atmosph&auml;rensonde nicht bis zum Aufschlag Bilder von Jupiter machen k&ouml;nnte. Der Orbiter n&auml;hert sich nach dem Einschenken w&auml;hrend der Prim&auml;rmission selten auf weniger als 670.000 km an Jupiter wegen des Strahleng&uuml;rtels. W&uuml;rde man die Atmosph&auml;rensonde mit der Kamera von Galileo ausstatten, so k&ouml;nnte sie bis zum Aufschlag gute Aufnahmen machen. Am einfachsten Montiert man die Kamera an die Spitze des Hitzeschutzschildes, f&uuml;hrt Daten- und Stromleitungen an dem Schilf vorbei ins Innere. Sie wird beim Eintritt zerst&ouml;rt, aber das d&uuml;rfte die Mission nicht beeintr&auml;chtigen zudem ver&auml;ndert diese Position den Schwerpunkt am wenigsten.<\/p>\n<p>Das Erste, was ich mich gefragt habe, ist ob man &uuml;berhaupt gen&uuml;gend Daten erh&auml;lt. Galileo empfing schlie&szlig;lich nur 160 Bit\/s. Die Sonde sandte mit 23 Watt im L-Band bei 1387 MHz, da hier die D&auml;mpfung durch die Atmosph&auml;re am geringsten ist. Als Empf&auml;nger diente eine 1,10 m gro&szlig;e Parabolantenne. 160 Bit sind extrem wenig, Galileo sollte mit maximal 134.400 Bit\/s senden also 1000-mal so viel. Es gibt aber auch viel Spielraum. Galileo n&auml;herte sich auf 205.000 km an Jupiter. Die Datenrate wird sicher so bemessen sein, das man sie sicher auch noch in gr&ouml;&szlig;erer Distanz empfangen werden kann. So sollte der Carrier in 900.000 km Distanz Jupiter passieren, f&uuml;r diese Entfernung errechne ich denn auch eine &auml;hnliche Datenrate. Bei Galileo gab es zudem sicher einen Sicherheitsfaktor, weil die Atmosph&auml;re d&auml;mpft, bei den Venussonden betrug der Sicherheitsfaktor 4. Der entf&auml;llt wenn man Bilder vor dem Eintritt sendet.<\/p>\n<p>Nun man kann etwas optimieren. So kann man das Raumschiff, das die Daten empf&auml;ngt, mit der HGA von Galileo ausstatten, die hat 4,8 m Durchmesser, das bringt den Faktor 19 bei der Datenrate. Realistischer w&auml;re wohl eine einfache Sonde wie Pioneer 10 mit ihrer 2,7 m Antenne, das ist immerhin noch der Faktor 6. Zudem konnte Galileo die Daten schon vor der neuen Software um den Faktor 2 komprimieren. Das w&auml;re dann Faktor 12 \/ 38. Nach meiner Berechnung sollten in Minimalentfernung (205.000 km) sicher (doppelt so hoher Signal-Rauschabstand wie bei optimaler Datenrate) 1.200 Bit\/s empfangen werden. Das w&auml;ren dann mit einer 2,7 m Antenne und Komprimierung 14,4 kbit\/s und mit einer 4,8 m Antenne sogar 45,6 Kbit. Das &Uuml;bertragen eines Bildes, das mit der Galileokamera gewonnen wird, dauert so 356 bzw. 113 Sekunden. Das beisst sich etwas mit den fixen Modi der Kamera die Datenraten von 115,2 bis 804,6 Kbit\/s hatte. Wie Galileo ben&ouml;tigt die Sonde daher einen Bandrekorder als Zwischenspeicher.<\/p>\n<p>Das w&uuml;rde aber nicht reichen. Man kann noch die Distanz verk&uuml;rzen. Die Sonde kann mehr Strahlen einstecken, da sie anders als Galileo ja den Jupiter nur kurz besucht. Galileo erhielt trotz des Abstandes von 205.000 km zu den Wolken schon ein Drittel der Gesamtdosis nur bei dieser einen nahen Passage. Ganz nahe an die Atmosph&auml;rensonde kann der Carrier nicht kommen, sonst schl&auml;gt der Carrier ebenfalls auf, das hei&szlig;t die minimale Distanz des Carriers der Jupiter passieren muss und in jeder Position Daten der Sonde empfangen kann, muss mindestens einen Jupiterradius von der Sonde entfernt sein, zudem muss das Carrierraumschiff Jupiter sp&auml;ter erreichen \u2013 60 Minuten bei der Nominalmission, mit bis zu 75 Minuten Missionsdauer rechnete man. Nimmt man 90 Minuten Ankunft am Perijovi nach dem Eintritt der Atmosph&auml;rensonde mit weiteren 15 Minuten Reserve, so kommt man bei einer Geschwindigkeit zu Jupiter von 7 km\/s im Unendlichen und einer Minimaldistanz von 80.000 km auf eine Distanz von 146.000 km beim Eintritt der Sonde. Ab dieser Distanz ist sie nur noch f&uuml;r das Empfangen der Atmosph&auml;rendaten zust&auml;ndig.<\/p>\n<p>Da der Carrier auch &uuml;ber eine Kamera verf&uuml;gen sollte (dazu noch mehr) machen nur Bilder Sinn die unterhalb von 146.000 km gewonnen werden, da diese Distanz auch der Carrier erreicht, bis er selbst das Datensammeln einstellen muss. Das sind die letzten 94 Minuten vor dem Erreichen der Atmosph&auml;re. Der Carrier ist dann noch 187.000 km von Jupiter \/ 41.000 km von der Sonde entfernt und kann Daten mit 180 \/ 456 kbit\/s (2,7 \/ 4,8 m HGA) empfangen. Beide Datenraten sind h&ouml;her als die der Kamera die maximal 115,2 kbit\/s liefert und die wohl f&uuml;r das Maximum steht das verarbeitet wird. Es w&uuml;rde also eine kleine HGA ausreichen und eine Begrenzung der Datenrate auf 115,2 kbit\/s.<\/p>\n<p>Da die Sonde alle Daten zwischenspeichern muss, die Antenne schaut ja zur Probe und empf&auml;ngt nur, kann man maximal 256 Bilder auf dem Bandrekorder aufzeichnen, was einer Datenmenge von 1311 MBit entspricht. Das w&auml;ren in 94 Minuten 93 Bilder bei der kleinen Antenne.<\/p>\n<p>Der Carrier sollte eine eigene Kamera haben. Aus zwei Gr&uuml;nden: Er kann die Distanz bis 187.000 km abdecken, die Kamera ist identisch und da sich der Orbiter sp&auml;ter niemals n&auml;her als 590.000 km an Jupiter n&auml;hert w&auml;re es sinnvoll ab dieser Distanz (590.000 km) Aufnahmen zu machen und sie direkt zur Erde zu Senden, f&uuml;r den Sondenempfang m&uuml;sste er sich dann drehen damit die HGA zur Sonde schaut. Der Carrier ist 5 h 33 Minuten unterhalb 590.000 und oberhalb 186.000 km. Nimmt man 5 Stunden als nutzbare Zeit an damit er gen&uuml;gend Zeit hat sich zu drehen und die Probe zu kontaktieren so kann er bei der Galileo HGA die Bilder sofort &uuml;bertragen, eines pro Minute also rund 300 weitere. Bei der kleineren Antenne der Pioneer-Sonden m&uuml;sste man sie zwischenspeichern und mit langsamer Datenrate &uuml;bertragen, da w&auml;ren es noch 94 weitere Bilder.<\/p>\n<p>R4alistisch k&ouml;nnte man also mindestesn 180 Bilder aus einer entfernung &uuml;bertragen die Galileo nie erreicht (zumindest w&auml;hrend der Prim&auml;rmission). Da Sonde und Carrier lange zeit parallel fliegen \u2013 erst nahe Jupiters gewinnt die Probe schnell an Geschwindigkeit w&auml;re eigentlich eine Kamera uaf dem Carrier nicht n&ouml;tig wenn es nur um Jupiter ging. Die Bilderzahl passt auch noch auf den Bandrekorder, in jedem falle bei der kleinen HGA.<\/p>\n<p>Der Grund warum ich eine Kamera vorgesheen habe ist weil Galileo auch den gr&ouml;&szlig;ten Mond Io und den meiner ansicht nach interessantesten weil er sich druch Vulkanismus dauernd ver&auml;ndert nur einmal passiert, n&auml;mlich kurz vor Orbiteintritt. Bei der echten Mission mussten wegen eines Vorfalls am Bandrekorder alle Aufnahmen dieses Ereignisses entfallen. Io rotiert gebunden. Das hei&szlig;t wenn Galileo ihn vor dem Eintritt ind den Orbit passiert so sieht sie eine andere Seite der Oberfl&auml;che als wenn sie dies nach Passage von Jupiter tut. Der Carrier k&ouml;nnte dies aber tun und so (wenn Galileo bei Io funktionieren w&uuml;rde) praktisch die ganze Oberfl&auml;che abdecken. Ich habe dies mal simuliert mit einem minimalen Abstand von 1.000 km analog Galileo und eine Relativgeschwindigkeit von 10 km\/s angenommen. Unter Annahme einer Phase von 70 % ist der Bandrekorder schon bei unter 22.000 km Abstand voll gef&uuml;llt. Sendet man in gr&ouml;&szlig;erer Distanz direkt zur Erde und schaltet dann erst auf das Speichern um so k&ouml;nnen 465 Bilder gemacht werden, die den ganzen Mond abdecken, die ersten aus 60.000 km \/ 38.000 km Distanz (Vor \/ Nach Passage) mit Abmessungen von rund 500 bzw. 400 km pro Bild. 50 % der Fl&auml;che werden mit 360 \/ 320 m Aufl&ouml;sung erfasst. Das ist bedeutend besser als bei Voyager, wo die Aufl&ouml;sung bei etwa 1 km lag.<\/p>\n<p>Das setzt aber voraus, das man die Daten auf dem Bandrekorder zwischen Abbruch der Funkverbindung der Probe und Passage von Io &uuml;bertragen hat. Die Zeit daf&uuml;r hat man, aber ich halte es f&uuml;r riskant. Beschr&auml;nkt man sich auf das direkte Senden, so sind es etwas weniger Bilder, 252. Die globale Kartierung kaum darunter, aber es entfallen viele hochaufl&ouml;sende Aufnahmen aus naher Distanz. Die Io Passage w&uuml;rde ich pers&ouml;nlich als wissenschaftlich wichtiger und mit weniger aufwand verbunden einschr&auml;nken. Beschr&auml;nkt man sich auf die Bildausbeute, die auf einen Bandrekorder geht so k&ouml;nnte auch ein Carrier mit einer kleinen Hauptantenne und einem leistungsschwachen Sender diese Daten innerhalb einiger Tage nach der Passage &uuml;bermitteln.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Der Kommunikationsorbiter<\/h4>\n<p>Wesentlich schwieriger ist es mit dem Kommunikationsorbiter. Es gibt hier viele Variablen. Zu einem k&ouml;nnte man sich vorstellen, einen Kommunikationsorbiter in einem festen Jupiterorbit zu belassen. Dessen Orbit ist unabh&auml;ngig von Galileos Orbit. Der Nachteil sind stark schwankende Distanzen. W&auml;hrend der Prim&auml;rtour lag nach dem ersten Umlauf die maximale Distanz von Jupiter bei 150 Radien, sp&auml;ter bis 250 Radien. W&uuml;rde ein Kommunikationsorbiter im ersten Orbit von Galileo verbleiben, so k&ouml;nnte Galileo bis zu 400 Jupiterradien, das sind 28,5 Millionen km entfernt sein. Das ist keine gute L&ouml;sung. Das ist zwar <sup>1<\/sup>\/<sub>30<\/sub> der Distanz zur Erde, aber dort hat man 70 m gro&szlig;e Empfangsantennen mit auf 20 bis 50 K gek&uuml;hlten Empf&auml;nger. Die Raumsonde hat dagegen Empf&auml;nger, die maximal so kalt ist wie die Umgebung von Jupiter etwa 110 K. Macht man eine genaue Berechnung so kommt heraus das ein solcher Orbiter, wenn er die HGA von Galileo als Empfangsantenne nutzt eine kleinere Datenrate erreicht, als die Antennen des DSN auf der Erde. Damit man dieselbe Datenrate wie die 70 m Antennen erreichen, darf der Orbiter niemals weiter als 27 Millionen km von Galileo entfernt sein. Will man die volle Datenrate von 134.400 Bit\/s, die das Sendesystem bietet, erreichen so darf er nicht weiter als 150.000 km von Galileo entfernt sein.<\/p>\n<p>Das f&uuml;hrt zu einem zweiten Problem: Galileo nutzte ja die vier massereichen Monde Jupiters Io, Europa, Callisto und Ganymed um gezielt die Orbits zu &auml;ndern. Die relative Stellung dieser Monde wiederholt sich zwar alle 100 Tage, was kompatibel mit den 399 Tagen ist, die zwischen zwei Startfenstern liegen (~ 4 x 100 Tage) aber dann w&uuml;rde ein Kommunikationsorbiter zwar dieselbe Tour durchfliegen w&auml;re aber nicht da wo Galileo ist. Ein Kommunikationsorbiter m&uuml;sste also zeitgleich mit Galileo an 8. Dezember 1995 Jupiter erreichen, nur so kann er ihm folgen wobei die 150.000 km Distanz theoretisch sind \u2013 praktisch w&auml;re da ein Vorbeiflugsziel durch seine Eigenbewegung an einer anderen Stelle und w&uuml;rde den Orbiter anders umlenken. Praktisch m&uuml;sste die Distanz gering sein, ich w&uuml;rde auf 100 bis 1000 km tippen, in der Gr&ouml;&szlig;enordnung liegt die Ortungsgenauigkeit des DSN zu dieser Zeit.<\/p>\n<p>Da man das Antennenproblem erst am 11.4.1991 feststellte, h&auml;tte man so nur 4 \u00bd Jahre f&uuml;r den Bau und Start und die Reisezeit zu Jupiter. Ein \u201enormaler\u201c Kommunikationssatellit scheidet aus. Er w&auml;re wohl schnell zu beschaffen, aber ihm fehlt die HGA die man f&uuml;r die &Uuml;bertragung der Daten braucht und er hat weder RTG zur Stromversorgung noch strahlungsresistente Elektronik. Als schnelle L&ouml;sung k&auml;me nur ein Nachbau von Galileo selbst infrage. Um ihn schneller zu Jupiter zu bringen muss er leichter werden und man kann in der Tat einiges weglassen:<\/p>\n<p>&#8211; die Atmosph&auml;rensonde (339 kg)<\/p>\n<p>&#8211; die Experimente (118 kg)<\/p>\n<p>&#8211; einen RTG (58 kg) \u2013 da die Experimente nat&uuml;rlich Strom brauchen und man schneller bei Jupiter ist (=weniger Leistungsverlust durch radioaktiven Zerfall).<\/p>\n<p>Das sind 515 kg. Beim Nachdenken kommt man aber auf weitere Einsparm&ouml;glichkeiten. Die gibt es beim Treibstoff:<\/p>\n<p>&#8211; die 515 kg weniger Masse sparen beim Einbremsen in den Orbit 110 kg Treibstoff ein.<\/p>\n<p>&#8211; Galileo verbrauchte weitere 50 kg, um die Antenne freizusetzen.<\/p>\n<p>&#8211; Es gab 28 Kurskorrekturen die 321 kg Treibstoff verbrauchten, durch eine k&uuml;rzere Flugzeit k&ouml;nnte man hier weitere 160 kg einsparen.<\/p>\n<p>&#8211; 40 kg wurden f&uuml;r die Kurs&auml;nderung nach Absetzen der Probe verbraucht.<\/p>\n<p>Zusammen sind dies weitere 320 kg, in der Summe also 835 kg. Die Frage ist nun kann man den nun den leichteren Orbiter so schnell zu Jupiter schicken, dass er zeitgleich mit Galileo ankommt. Galileo w&uuml;rde noch 1.400 kg wiegen. Schaut man sich die Tabelle in <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/04\/11\/wie-kommt-galileo-zu-jupiter\/\">meinem Blog<\/a> an, so k&ouml;nnte eine Titan 34 mit Centaur + fester Oberstufe diese Nutzlast erreichen. Es ginge sogar noch komfortabler. Tankt man Galileo voll auf, so reicht der Treibstoff f&uuml;r weitere 400 m\/s Korrektur. Dann k&auml;me die <span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">\u0394<\/span>vEGA Tour infrage, die ebenfalls kurzzeitig bei Galileo mal erwogen wurde. Bei genauerer Betrachtung ist sie aber keine Alternative, denn diese Reiseroute dauerte 52 Monate, das hei&szlig;t man m&uuml;sste den Kommunikationsorbiter im August 1991 starten, vier -monate nach dem Antennenvorfall. So schnell bekommt man ihn nicht gebaut.<\/p>\n<p>Mit der Masse von 1.400 kg ist der Kommunikationsorbiter problemlos mit einer Titan oder dem Shuttle startbar. Als Startfenster kommt Mitte Dezember 1993 infrage, da ist die ben&ouml;tigte Geschwindigkeit sogar noch etwas kleiner, als sie 1986 bei Galileo war. Das w&uuml;rde zwei Jahre Zeit lassen um Jupiter zu erreichen, das ist realistisch.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/4c32cea80e8e49b69bdc5bc974151b2d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><br \/>\nSinnvoll halte ich das aber nicht. Wenn man den Orbiter nachbaut, warum nicht komplett? Er kann dann die Mission von Galileo &uuml;bernehmen, dessen Daten kann, man ja noch zus&auml;tzlich nutzen. Galileo 1 w&uuml;rde man so auf Experimente beschr&auml;nken die keine hohen Datenraten haben also keine Plasma- oder Kameradaten. Ohne Probe wiegt der Orbiter 2230 kg. Das ist nahe an den 2.276 kg die eine IUS in einen GTO transportiert, der ein <span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">\u0394v<\/span> von 12.042 m\/s gegen&uuml;ber der Erdoberfl&auml;che hat. Um eine Raumsonde auf eine 2-jahresumlaufbahn (Aphel in etwa 325 Millionen km distanz) zu schicken braucht man 12.083 m\/s also nur etwas mehr. L&auml;sst man etwas Treibstoff weg oder nutzt ihn um die Bahn anzupassen, so w&uuml;rde ein kompletter Nachbau auf diese Bahn gelangen. Da diese Bahn genau die doppelte Periode wie die Erdbahn hat, kehrt Galileo nach zwei Jahren zur Erde zur&uuml;ck, holt nochmal Schwung und gelangt so zu Jupiter. Solche Swing-Bys auf Umlaufbahnen mit einem vielfachen der Umlaufstauer der Erde gab es inzwischen einige. Galileo hat auch eines durchgef&uuml;hrt. Der Nachbau w&auml;re so in 4 \u00bd anstatt 6 \u00bc Jahren bei Jupiter. Er k&ouml;nnte die Tour nachfliegen und die Ergebnisse liefern, die Galileo schuldig blieb. Voraussetzung f&uuml;r beide Vorschl&auml;ge w&auml;re das man ein zweites Flugexemplar hat. Der erste Projektmanager John Casani k&auml;mpfte f&uuml;r ein zweites Exemplar, wie es vorher immer der Fall war, damit man Ersatzteile hat, die man kurz vor dem Start austauschen kann (kam immer wieder in der Vergangenheit bei den Endchecks vor, so bei Viking und Voyager), aber er konnte sich nicht durchsetzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_18654\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"18654\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Heute ein Blog, in dem ich zwei Galileoprojekte unter die Lupe nehme, die zumindest diskutiert wurden. 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April 2026","format":false,"excerpt":"Inzwischen habe ich beim Schreiben des Buchs \u00fcber die Raumsonde Galileo die Computer hinter mir gelassen und bin gerade beim Durcharbeiten der wechselvollen Geschichte der Mission. Damit wir alle auf dem gleichen Stand sind, mal hier eine kleine Zusammenfassung, wie Galileo zum Jupiter kommen sollte: Bei Projektbeginn war ein Start\u2026","rel":"","context":"In &quot;Raumfahrt&quot;","block_context":{"text":"Raumfahrt","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/67742b596a42421d95a9f5f4ec0d8b69","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18610,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/03\/27\/galileos-cds-teil-1\/","url_meta":{"origin":18654,"position":1},"title":"Galileos CDS &#8211; Teil 1","author":"Bernd Leitenberger","date":"27. M\u00e4rz 2026","format":false,"excerpt":"Hall\u00f6chen, es wird Zeit das ich mich mal wieder melde. 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Als ich an ihm arbeitete, fielen mir die Paralellen zur heutigen Trumpregierung auf und ich habe meinen Text unten noch um einen Absatz \u00fcber heute erg\u00e4nzt, der im Buch fehlt und dort auch nicht erscheint, es\u2026","rel":"","context":"In &quot;Allgemein&quot;","block_context":{"text":"Allgemein","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/allgemein\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/e4f9253ed58c476b8b2cfc206b9a6fb5","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18614,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/03\/29\/galileos-cds-teil-3\/","url_meta":{"origin":18654,"position":3},"title":"Galileos CDS &#8211; Teil 3","author":"Bernd Leitenberger","date":"29. M\u00e4rz 2026","format":false,"excerpt":"So nun zum dritten Teil \u00fcber das prim\u00e4re Computersystem von Galileo, das CDS. Nachdem sich die ersten beiden Teile nur mit dem RCA 1802, warum er gew\u00e4hlt wurde und seiner Architektur befassten geht es heute um das Computersystem selbst. Der Artikel schlie\u00dft so an seine beiden Vorg\u00e4nger gestern und vorgestern\u2026","rel":"","context":"In &quot;Raumfahrt&quot;","block_context":{"text":"Raumfahrt","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/6e7f572a246b4ac395de9c260733b707","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18627,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/04\/05\/artemis-ii\/","url_meta":{"origin":18654,"position":4},"title":"Artemis II","author":"Bernd Leitenberger","date":"5. April 2026","format":false,"excerpt":"Seit gestern ist nun die Artemis II Mission auf dem Mond, wenige Tage zuvor hat NASA Administrator Isaac Jaredmann neue Pl\u00e4ne ank\u00fcndigt. Zeit mal was dazu zu schreiben. Ich fange aber mit was an was zusammenh\u00e4ngt: Die Verseichtung. Keine Ahnung ob es den Begriff schon gibt, ich beschreibe damit das\u2026","rel":"","context":"In &quot;Raumfahrt&quot;","block_context":{"text":"Raumfahrt","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/9a9d83018f8447148efa0d8328798e18","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18612,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/03\/28\/galileos-cds-teil-2\/","url_meta":{"origin":18654,"position":5},"title":"Galileos CDS \u2013 Teil 2","author":"Bernd Leitenberger","date":"28. M\u00e4rz 2026","format":false,"excerpt":"So, heute geht es weiter mit Teil 2 \u00fcber Galileos CDS, dieser Beitrag schlie\u00dft nahtlos an den ersten Beitrag von gestern an, wie man schon an der ersten Textzeile sieht. Nach der Einleitung im ersten Teil geht es heute weiter damit warum der RCA 1802 genutzt wurde und was seine\u2026","rel":"","context":"In &quot;Raumfahrt&quot;","block_context":{"text":"Raumfahrt","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/191e4b0728de42829cf656027b84dc82","width":350,"height":200},"classes":[]}],"jetpack_sharing_enabled":true,"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18654","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/169"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18654"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18654\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18654"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18654"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18654"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}