{"id":18752,"date":"2026-07-10T09:09:35","date_gmt":"2026-07-10T07:09:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=18752"},"modified":"2026-07-10T09:09:35","modified_gmt":"2026-07-10T07:09:35","slug":"tritiumbatterien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/07\/10\/tritiumbatterien\/","title":{"rendered":"&#8222;Tritiumbatterien&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Als ich nach dem n&auml;chsten Starship-Start suchte \u2013 der letzte ist ja schon sieben Wochen her und nach Musk sollten sie ja einmal pro Monat starten fand ich das heutige Thema. Vor allem weil es der erste Start nach dem IPO ist, da ist interessant ob sie da genauso weitermachen wie bisher, was mit Sicherheit den Aktienkurs fallen lassen w&uuml;rde. Der sinkt eh, selbst nach der Aufnahme in den NASDAQ 100, was dazu f&uuml;hrt das Indexfonds f&uuml;r 4 Milliarden US-Dollar SpaceX Aktien kaufen mussten. Gestern schloss er gerade mal &uuml;ber 140 Dollar, niedriger als am Ausgabetag, 700 Milliarden US-dollar ist die Firma seit dem H&ouml;chstkurs von 225,4 Dollar weniger wert. Musks Begegnung zu dem Wertverlust: er will Tesla und SpaceX fusionieren. Hat er schon vorher mit neu gegr&uuml;ndeten Firmen so gemacht, so mit Solar City. Eine gutgehende Musk-Firma kauftz die schlecht gehende auf. Der Unterschied ist nur, dass weder Tesla noch SpaceX derzeit gl&auml;nzen, SpaceX macht nach dem IPO Prospekt Verluste, bei Tesla sinken die Verkaufszahlen und noch st&auml;rker die Gewinne weltweit. Vor allem die beiden Firmen haben v&ouml;llig unterschiedliche Produkte im Portfolio. Im Geiste stelle ich mir die neuen Produkte von SpaceX-Tesla vor: Teslas die zum Mars transportiert werden oder Autos mit Raketenantrieb?<!--more--><\/p>\n<p>Dabei stie&szlig; ich auf die Meldung, dass der letzte Start \u201eden ersten Satelliten mit Nuklearantrieb\u201c startete. Das war wieder so eine Transportermission, also bei der Kleinsatelliten und Cubesats gestartet wurden. Als Nuklearer Antrieb im engeren Sinn gilt eine <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2021\/04\/16\/nukleare-triebwerke-brauchen-wir-die\/\">thermischer Antrieb<\/a> bei dem ein Reaktor ein Arbeitsmedium erhitzt. Im weiteren Sinne k&ouml;nnte man auch einen Kernreaktor verstehe,n der nur den Strom f&uuml;r einen Ionenantrieb liefert. Aber f&uuml;r beides w&auml;re diese Satellitenkategorie zu klein. Wie sich zeigte hat der Autor keine Ahnung gehabt, es geht um den Test einer <a href=\"https:\/\/citylabs.net\/technology-overview\/\">Batterie bei einem Satelliten<\/a> die das radioaktive Element Tritium enth&auml;lt. Von einem Antrieb kann bei einer Spannung von maximal 2,4 Volt und 156 \u00b5A Strom (0,00037 Watt) wohl kaum die Rede sein.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/6eacf18a864045b598040349a542f226\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><br \/>\nDa dachte ich mir: das ist doch ein sch&ouml;nes Thema f&uuml;r den Blog. Zuerst einmal, was ist Tritium? Es gibt drei Wasserstoffisotope und nur bei Wasserstoff haben sie eigene Namen: also Wasserstoff oder Hydrogen, Deuterium und eben Tritium. Deuterium hat ein Neutron und ist nicht radioaktiv, Tritium hat zwei Neutronen und ist radioaktiv. Es zerf&auml;llt mit einer Halbwertszeit von 12,3 Jahren. Das hei&szlig;t jedes Tritium-Atom das jemals durch nukleare Prozesse erzeugt wurde ist heute l&auml;ngst zerfallen. Deuterium entstand dagegen beim Urknall, wird aber in Sternen zerst&ouml;rt, weil es viel schneller als der Wasserstoff reagiert. Deuterium nutzt man weil seine Konzentration im solaren Urnebel bekannt ist, zum Quantifizieren der Ver&auml;nderungen von Atmosph&auml;ren, da es doppelt so schwer wie der Wasserstoff ist und so das Verh&auml;ltnis Wasserstoff zu Deuterium es erlaubt abzusch&auml;tzen wie viel Wasserstoff ein Planet verloren hat. Jegliches Tritium das es heute gibt wurde vom Menschen oder der kosmischen Strahlung erzeugt: entweder bei Nuklearexplosionen \u2013 man kann damit, weil es wie Wasserstoff fl&uuml;chtig ist, Kernwaffentests nachweisen oder in viel gr&ouml;&szlig;erem Ma&szlig;stab entsteht es in Kernreaktoren, je nach Typ in kleiner bis gr&ouml;&szlig;erer Menge. Einige Kilogramm in der Erdatmosph&auml;re wurden durch die kosmische Strahlung erzeugt.<\/p>\n<p>Die Batterie nutzt nun den radioaktiven Zerfall von Tritium aus. Es zerf&auml;llt mit einer Halbwertszeit von 12,32 Jahre. Was es von anderen radioaktiven Zerf&auml;llen unterscheidet, ist das keine durchdringende Strahlung frei wird. Der Zerfall hat eine Gesamtenergie von 18,6 keV wobei 5,8 keV in einem Elektron (Betastrahlung) landet. Nur dieser Teil ist nutzbar. Der Rest steckt in einem Antineutrino, dass wie normale Neutrinos kaum mit Materie wechselwirkt. Das ist wenig f&uuml;r einen radioaktiven Zerfall, beim Zerfall von Plutonium-238 (im folgenden als Pu-238 abgek&uuml;rzt) sind es 5,6 MeV. Euch wird die Einheit \u201eeV\u201c f&uuml;r Elektronenvolt nichts sagen. In der Physik wird sie bei Kernreaktionen sehr h&auml;ufig genutzt. 1 eV oder Elektronvolt ist die Energie die ein Elektron gewinnt, wenn es eine Spannungsdifferenz von 1 Volt durchl&auml;uft. Elektronen die bei chemischen Reaktionen teilnehmen haben Energien von einigen Elektronenvolt, ebenso Photonen des sichtbaren Lichts. Bei Kiloelektronenvolt (keV) reden wir bei Photonen von R&ouml;ntgenstrahlen. F&uuml;r kernphysikalische Prozesse ist die Energie von 15,8 keV aber gering und das Elektron wird schon durch Materie mit einer Dicke von unter 1 mm gestoppt. Das nutzt man aus, die so bei Halbleitern &uuml;bertragene Energie wird in dieser \u201eBatterie\u201c als Strom genutzt. Batterie ist schon deswegen falsch gew&auml;hlt, weil dieses Element dauernd Energie liefert, egal ob man sie nutzt oder nicht und die Energie nimmt eben ab weil durch den Zerfall es immer weniger Zerf&auml;lle sind und immer mehr Tritiumatome zu Helium-3 zerfallen sind.<\/p>\n<p>Ideal w&auml;re als Batteriematerial Lithiumhydrid oder Berylliumhydrid, weil das Metallion ja keine Energie liefert und nur die Batterie schwerer macht. Genutzt wird meist <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Titandihydrid\">Titanhydrid<\/a> (TiH<sub>2<\/sub>) mit einer Atommasse von 50 beim Wasserstoff und maximal zwei Tritiumatomen (Atommasse 52 oder 54). Ich fand jetzt keinerlei Daten, wie viel eine Batterie wiegt und wie viel Leistung sie insgesamt abgibt. Daher mache ich einfach mal einen Vergleich mit <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/cassini-rtg.shtml\">Radioisotopengeneratoren<\/a> die ja seit Jahrzehnten im Einsatz sind. Im Prinzip nutzt man bei beiden die beim radioaktiven Zerfall freiwerdende Energie. Einne Unterschied gibt es bei der Methode. RTG nutzen den Thermoelektrischen Effekt, weil sich das Plutonium durch den Zerfall enorm stark aufheizt. Der Wirkungsgrad ist gering und liegt bei nur 5-6 % der W&auml;rmeenergie. Das man die W&auml;rme nutzen kann um einen thermodynamischen Kreislauf zu betrieben, wei&szlig; man, hat aber beim Stirling-Motor bisher nur Laborversuche durchgef&uuml;hrt. Die Bef&uuml;rchtung: da dieser mechanisch bewegte Teile enth&auml;lt k&ouml;nnte er irgendwann komplett ausfallen. Mit dem Stirling-Motor w&uuml;rde man einen Wirkungsgrad von 25 % erreichen. Tritiumbatterien die es <a href=\"https:\/\/www.energy.gov\/sites\/prod\/files\/2015\/08\/f26\/Cabauy%20Tritium%20Focus%20Group%20Presentation.pdf\">heute gibt<\/a> haben nur geringe Wirkungsgrade von 1-2 %. Das <a href=\"https:\/\/www.mdpi.com\/2072-666X\/14\/11\/2015\">theoretische Limit<\/a> soll bei 12 bis 14 % liegen. Immerhin ist der Zwischenschritt W&auml;rmeenergie\u2192 elektrische Energie bei ihnen nicht n&ouml;tig.<\/p>\n<p>Ich rechne zuerst mal die Energie pro Kilogramm reine Substanz. Das ist in beiden F&auml;llen theoretisch. Pu-238 RTG beinhalten immer auch kleine Mengen von anderen Plutoniumisotopen und die kommerziell verf&uuml;gbaren Batterien, die &uuml;brigens nicht wie eine Batterie sondern ein Halbleiter aus den Siebzigern (K&auml;fer mit Beinen) aussehen, haben einen Tritiumanteil von 25 % am gesamten gebunden Wasserstoff.<\/p>\n<p>Zuerst einmal m&uuml;ssen wir die Zerfallsenergie von Elektronenvolt in Joule umrechnen:<\/p>\n<p>1 eV = 1,602 x 10<sup>-19<\/sup> J<\/p>\n<p>Beim Zerfall von Tritium sind es 5,8 keV, beim Zerfall von Pu-238 5,572 MeV. Das sind 9,3 x 10<sup>-16<\/sup> J f&uuml;r Tritium und 8,9&#215;10<sup>-13<\/sup> J f&uuml;r den Zerfall von Pu-238<\/p>\n<p>Um auf den Gesamtenergiegehalt pro Kilogramm Masse zu kommen, berechnet man zuerst die Energie pro Mol und dann die Zahl der Mole pro Kilogramm. Ein Mol sind nach Definition 6,02 x 10<sup>23<\/sup> Teilchen, das sind dann 5,6 x 10<sup>11<\/sup> Joule f&uuml;r Tritium und 5,3 x 10<sup>13<\/sup> J pro Mol f&uuml;r Pu-238.<\/p>\n<p>Nun kommt noch die Molmasse ins Spiel und bei Tritium das Titandihydrid als g&auml;ngigstes Metallhydid pro Molek&uuml;l zwei gebundene Wasserstoffatome hat. Plutonium wird in den RTG als Plutoniumdioxid (PuO<sub>2<\/sub>) genutzt mit Atommasse 270, Titandihydid hat eine Atommasse von 54. 1 Mol ist so definiert, das eine atomare Masseneinheit genau 1 g wiegt. 1 Kg Plutoniumdioxid hat so 3,7 Mole und 1 kg Titandihydrid (mit zwei Tritiumatomen) 18,5 Mole. Multiplizieren wir das mit der Energie pro Mol, so erhalten wie die Gesamtenergie pro Kilogramm: 2,07 x 10<sup>13<\/sup> J bei Tritium und 1,96 x 10<sup>14<\/sup> J f&uuml;r Plutoniumdioxid. Also trotz der tausendmal h&ouml;heren Zerfallsenergie sind die beiden Substanzen bei der Energie pro Kilogramm nicht mehr so weit auseinander weil die Molmasse von TiH<sub>2<\/sub> kleiner ist und zwei Atome hier zerfallen k&ouml;nnen. Doch Pu-238 ist immer noch 9,7 mal Energiereicher als Tritium. Ein frischer RTG hat eine Oberfl&auml;chentemperatur von 1.290 K, also &uuml;ber 900 Grad Celsius.<\/p>\n<p>Dann kommt aber die Halbwertszeit ins Spiel. Tritium hat eine von 12,32 Jahren, Pu-238 eine von 87,7 Jahren. W&auml;hrend der 12 Jahre, in denen die H&auml;lfte der Tritiumatome zerfallen nimmt bei Pu-238 die Zerfallsenergie kaum ab. Voyager 1+2 sind jetzt fast 50 Jahre im All und haben noch die H&auml;lfte der Leistung beim Start. Nach 12 Jahren (bei Neptun) waren es noch 370 von Anfangs 480 Watt also 77,8 %. Die Leistung f&auml;llt durch den absinkenden Wirkungsgrad bei geringerer Temperaturdifferenz und Alterseffekte st&auml;rker ab, als die Zerfallsrate.<\/p>\n<p>Theoretisch m&uuml;sste ein RTG nach einer Halbwertszeit von Tritium noch 90,7 % der Leistung haben, w&auml;hrend sie bei Tritium auf 50 % gesunken ist. Das ist aber theoretisch, denn die volle Energie wird man bei einem RTG nie ausn&uuml;tzen k&ouml;nnen, nicht mal die w&auml;hrend einer Halbwertszeit. In der Praxis w&uuml;rde bei den meisten Missionen eine Stromversorgung &uuml;ber 12 Jahre selbst wenn dann die Leistung auf 50 % f&auml;llt, gen&uuml;gen. Eine Ausnahme m&ouml;gen Missionen mit extrem langen Reisezeiten wie zu Uranus und Neptun sein. Notfalls startet man mit einer h&ouml;heren Leistung als ben&ouml;tigt. Nach 12,32 Jahren hat man so 50 % der Energie bei Tritium genutzt, aber nur 9,3 % der Energie des Plutoniums. Pro Kilogramm Masse. Damit ist Pu-238 wenn wir die Energie &uuml;ber diese Zeit summieren, nur noch um den Faktor 1,9 besser als Tritium.<\/p>\n<p>Diese Betrachtung ist aber nur die der theoretischen Ausbeute. F&uuml;r den praktischen Einsatz spielen eben andere Faktoren die Rolle. Zum einen die Reinheit. Pu-238 macht 93,4 % des Plutoniums aus, aber bei kommerziellen Tritiumbatterien macht das Tritium nur 25 % des gebundenen Wasserstoffs aus. Daneben muss die Zerfallsenergie in nutzbare Energie umgewandelt werden. Die thermoelektrischen Elemente bei RTG wiegen recht wenig. Wie es bei Tritiumbatterien aussieht wei&szlig; ich nicht, selbst wenn, sind diese kleinen Zellen, die nur Str&ouml;me im Mikoamperebereich liefern sicher nicht repr&auml;sentativ f&uuml;r eine gr&ouml;&szlig;ere Batterie. Dazu kommt die Abschirmung die bei einem RTG den Gro&szlig;teil der Masse ausmacht, das Material soll bei einer Explosion durch einen Fehlstart oder sonst einen Unfall ja nicht freigesetzt werden. Hier k&ouml;nnten Tritiumbatterien punkten. Zum einen w&uuml;rden die Hydride mit dem allgegenw&auml;rtigen Wasser (auch in Gasform) reagieren und radioaktives Wasser bilden, das sich schnell verteilt, zum anderen gilt Tritium selbst beim Einatmen als ungef&auml;hrlich weil die Strahlen so energiearm sind, dass sie von wenigen Mikrometern Materie geblockt werden. Es w&auml;re also eigentlich gar keine Abschirmung n&ouml;tig.<\/p>\n<p>Bisher hat man aber nur Batterien mit extrem niedriger Leistung. Sie eignen sich um energiesparende Mikroprozessoren wie den ESP32 im Schlafmodus zu halten. Das zweite ist wie teuer das Tritium ist. Sch&auml;tzungen liegen bei <a href=\"https:\/\/www.ig.com\/de\/trading-strategien\/die-teuersten-substanzen-der-welt-240220\">24.000<\/a> bis <a href=\"https:\/\/www.ingenieur.de\/technik\/fachbereiche\/rekorde\/die-10-teuersten-substanzen-der-welt\/\">30.000 Euro pro Gramm<\/a>. Bei den RTG kostete zuletzt ein MMRTG der 4,8 kg Plutoniumdioxid enth&auml;lt (4,2 kg reines Plutonium) 36 Millionen Dollar, also rund 9.000 Euro pro Gramm. Damit ist Tritium zumindest von den Kosten her keine Alternative zu Plutonium. Das gilt leider auch f&uuml;r andere Substanzen deren Betazerfall man nutzt wie Ni-63 oder Cs-137. Dar&uuml;ber hinaus erfordern sie auch eine st&auml;rkere Abschirmung, weil die Zerfallsenergie h&ouml;her ist. Dieses Problem hat man auch bei Alternativen zu Pu-238. Dieses Isotop wurde gew&auml;hlt, weil es ein reiner Betastrahler ist. Andere Isotope erfordern eine viel st&auml;rkere Abschirmung, was die Energieausbeute pro Kilogramm Startmasse stark absenkt. Am ehesten scheint sich noch <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2021\/08\/07\/alternativen-zu-plutonium-238-rtg\/\">Americium-241<\/a> zu eignen, zumindest wenn man auch die Abw&auml;rme nutzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich nach dem n&auml;chsten Starship-Start suchte \u2013 der letzte ist ja schon sieben Wochen her und nach Musk sollten sie ja einmal pro Monat starten fand ich das heutige Thema. 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