{"id":18820,"date":"2026-08-16T07:55:31","date_gmt":"2026-08-16T05:55:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=18820"},"modified":"2026-08-16T07:55:46","modified_gmt":"2026-08-16T05:55:46","slug":"raketenentwicklung-nach-dogma-anstatt-wissenschaft-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/08\/16\/raketenentwicklung-nach-dogma-anstatt-wissenschaft-2\/","title":{"rendered":"Raketenentwicklung nach Dogma anstatt Wissenschaft (2)"},"content":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_18820\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"18820\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Kommen wir nun zum Starship. Im <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/08\/15\/raketenentwicklung-nach-dogma-anstatt-wissenschaft-1\">ersten Teil<\/a> habe ich beschrieben, wie Elon Musk das Dogma \u201eWiederverwendung\u201c bei der Falcon\u202f9 durchsetzte. Die Falcon\u202f9 war nicht f&uuml;r die Wiederverwendung ausgelegt. SpaceX hat auch keine Computersimulationen gemacht, um die Konstruktion auf die zu erwartenden Lasten zu optimieren, die viel h&ouml;her als beim Start sind. So musste nachgebessert werden. Heraus kam eine Spargelrakete mit einer viel zu kleinen Nutzlastverkleidung und Nutzlasteinbu&szlig;en von 22 bis 40\u202f% gegen&uuml;ber den Website\u2011Daten. Der Artikel wird etwas l&auml;nger, daher konzentriere ich mich heute auf die Raptoren.<\/p>\n<p>Wann die Starship\u2011Entwicklung startete, wei&szlig; man nicht, aber erstmals angek&uuml;ndigt wurde das Starship 2016 als ITS, die Abk&uuml;rzung steht f&uuml;r <em>Interplanetary Transport System<\/em>, sp&auml;ter auch MCT (<em>Mars Colony Transporter<\/em>). 2019 hatte SpaceX dann die endg&uuml;ltige Konfiguration festgelegt. Ich erw&auml;hne die Daten, weil ein grundlegender Unterschied zur Falcon\u202f9 ist, dass SpaceX 2019 die Falcon\u202f9 schon regelm&auml;&szlig;ig barg und einige Dutzend Male gestartet hat. Sie sind eine etablierte Raumfahrtfirma mit &#8211; so w&uuml;rde man es erwarten &#8211; Erfahrung und keinen Anf&auml;ngern.<!--more--><\/p>\n<p>F&uuml;r jeden Newcomer ist der Anfang schwer, das zeigen auch derzeit die ersten Raumfahrt\u2011Startups, und selbst bei der ESA gab es bei den <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/ariane-fehlstarts.shtml\">ersten Ariane\u2011Starts<\/a> mehr Fehlschl&auml;ge als sp&auml;ter bei <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/ariane4.shtml\">Ariane\u202f4 <\/a>bis Ariane\u202f6, als man entsprechende Erfahrungen gesammelt hatte. Man kann also erwarten, dass das Starship sauber konstruiert ist und es kaum Vorf&auml;lle gibt, schlie&szlig;lich wird das Starship von einer Firma mit umfangreicher Erfahrung in der Konstruktion von Raketen und ihrer Bergung entwickelt.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/77ceed95fbe443b0a0ab1fc66656dfd4\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><br \/>\nAn der Kompetenz von SpaceX hatte ich schon damals Zweifel. So stellte SpaceX 2016 f&uuml;r das Starship noch einen Demonstratortank aus CFK\u2011Werkstoffen vor. Damit wir alle auf demselben Niveau sind: Tanks sind Zugspannungen ausgesetzt, und verschiedene Werkstoffe haben unterschiedliche Belastungsgrenzen. Bezieht man diese Belastungsgrenzen auf das Gewicht, so ist die beste Aluminiumlegierung 2195 um 44\u202f% belastbarer als Stahl\u202f301 unter kryogenen Bedingungen (bei Normaltemperatur ist der Unterschied noch h&ouml;her) und CFK um 340\u202f%. Die ESA l&auml;sst derzeit bei der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/ariane6.shtml\">Ariane\u202f6<\/a> neue Tanks f&uuml;r die Oberstufe aus CFK entwickeln, die etwa ein Viertel bis ein Drittel des Oberstufengewichts einsparen k&ouml;nnten und so die Nutzlast um 1,5 bis 2\u202ft steigern.<\/p>\n<p>2019 war dann die Rede von Stahl. Die Begr&uuml;ndung von Elon Musk: Stahl sei elfmal billiger als CFK. F&uuml;r eine nicht wiederverwendbare Rakete h&auml;tte ich diese Begr&uuml;ndung noch akzeptiert \u2013 auch die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/ariane.shtml\">Ariane\u20111\u2011Erststufe<\/a> war aus Stahl, um Kosten zu sparen (die Oberstufen dann aus Aluminium). Aber bei einem Gef&auml;hrt, das \u2013 ebenfalls nach Elon Musk \u2013 1000\u2011mal wiederverwendet werden soll, w&uuml;rden sich die Materialmehrkosten auf 1000 Fl&uuml;ge umlegen. Das h&ouml;here Gewicht w&uuml;rde die Nutzlast aber 1000\u2011mal absenken.<\/p>\n<p>Ebenso wurde ein angek&uuml;ndigtes regeneratives K&uuml;hlsystem gestrichen und auch konventionelle Hitzeschutzkacheln gewechselt. Die eingesetzten Hitzeschutzkacheln bestehen aus Ceramic Matrix Composite. Das ist keine SpaceX\u2011Entwicklung, sondern eine NASA\u2011Entwicklung, die auf den Kacheln des Space Shuttles beruht. Gegen&uuml;ber den Shuttle\u2011Kacheln sind die CMC\u2011Kacheln leichter zu fertigen, einfacher zuschneidbar und bedeutend preiswerter. Die CMC\u2011Kacheln bilden auch den Hitzeschutzschild der X\u201137B und werden als Schutz von Hyperschallflugzeugen vorgeschlagen.<\/p>\n<p>Das war der erste Hinweis, dass Elon Musk wieder einmal eine \u201ecoole\u201c Idee hatte, die nicht umsetzbar war. Und wie bei der Falcon\u202f9 wurde schon lange vor dem Erstflug eine Nutzlast von 100\u202ft genannt bei einer Masse des Starships von 120\u202ft. Diese Masse sollte dann sogar noch auf 100\u202ft sinken. Die Nutzlast sollte weiter auf 150\u202ft im nicht wiederverwendbaren Betrieb und 250\u202ft ohne Wiederverwendung steigen. Merkt euch das \u2013 ich komme noch einmal darauf im n&auml;chsten Teil zur&uuml;ck.<\/p>\n<p>Ansonsten waren Details zu der Konfiguration sp&auml;rlich, mit einer Ausnahme den Haupttriebwerken den Raptoren. Die Falcon 9 setzt Merlins ein. Das sind LOX\/RP-1 Triebwerke die im Nebenstromverfahren arbeiten bei 90 Bar Brennkammerdruck in der letzten Version. Das ist eine eingef&uuml;hrte Technologie, nicht viel besser als die Triebwerke der alten Atlas, Thor und Saturn I sowohl im Schub wie spezifischem Impuls. Sie sind um es mal salopp zu formulieren: Technik der Sechziger Jahre. Die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/Raptoren.shtml\">Raptoren<\/a> nutzen Methan als Treibstoff. Es verspricht h&ouml;here spezifische Impulse als RP\u20111, das reduziert die Treibstoffmenge f&uuml;r ein vorgegebenes Fluggewicht. Aber der Einsatz von Methan ist neu, nicht nur f&uuml;r die USA. Weltweit gab es nur Experimentaltriebwerke, die diese Kombination nutzen. Technisch ergeben sich Herausforderungen wie beim Wasserstoff, nur in der Gr&ouml;&szlig;e geringer. So verdampft der Treibstoff, wenn der Treibstoff die Brennkammer k&uuml;hlt \u2013 anders als bei Kerosin, das fl&uuml;ssig bleibt. Es ist klar, dass ein Gas viel weniger gut k&uuml;hlt als eine Fl&uuml;ssigkeit. Seine W&auml;rmekapazit&auml;t ist um Gr&ouml;&szlig;enordnungen kleiner. Saunag&auml;nger halten 100\u202fGrad in der Luft aus, aber wohl kaum in fl&uuml;ssigem Wasser.<\/p>\n<p>F&uuml;r die Turbopumpen bedeutet der Einsatz von Methan, dass Methan pro Kilogramm Masse ein doppelt so hohes F&ouml;rdervolumen hat wie Kerosin, aber Wasserstoff ist nochmals um den Faktor\u202f6 schlechter. Blue Origin, die Methan ebenfalls beim BE\u20114 einsetzen, haben zwar nichts &uuml;ber Probleme ver&ouml;ffentlicht, aber dass die Vulcan wegen der Qualifikation der BE\u20114\u2011Triebwerke mehrere Jahre Verz&ouml;gerung hatte, zeigt, dass Blue Origin die Aufgabe wohl ebenfalls untersch&auml;tzt hat.<\/p>\n<p>Dazu kommt, dass die Raptor\u2011Triebwerke Hauptstromtriebwerke sind. Bei den Merlin\u2011Triebwerken wird ein Teil des Treibstoffs abgezwackt, bei niedrigen Temperaturen verbrannt, und dieser Teil treibt als Arbeitsgas die Turbinen an. Dieser Teil wird danach nicht mehr genutzt. Bei den Raptor\u2011Triebwerken wird ein Teil des Methans mit dem Sauerstoff verbrannt. So entsteht viel mehr Gas, und die Turbopumpen k&ouml;nnen einen viel h&ouml;heren Brennkammerdruck entwickeln. Zudem wird nun der ganze Treibstoff genutzt.<\/p>\n<p>Dieses Verfahren ist neu f&uuml;r die USA, in Russland aber seit 1965 der Standard f&uuml;r neue Triebwerke. Lediglich die SSME nutzten bisher ein Hauptstromverfahren, aber dort mit Wasserstoff im &Uuml;berschuss.<\/p>\n<p>SpaceX plante aufgrund des Entwicklungssprungs drei Generationen. Das Raptor\u202f1 arbeitet mit 250\u202fbar Brennkammerdruck. Die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/Starship-Entwicklung-Fehlschlaege.shtml\">ersten Testfl&uuml;ge des Starships<\/a> auf etwa 10\u202fkm H&ouml;he, um die Landung zu testen, erfolgten mit diesen Triebwerken, die schon damals nicht gut aussahen. Erst der f&uuml;nfte Landeversuch klappte, und schon vorher explodierten Starships bei Bodentests der Raptor\u2011Triebwerke. Nur um eine Zahl in den Raum zu werfen: Das <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/Starship-ITF13.shtml\">Starship von IFT\u201113<\/a> hatte die Seriennummer\u202f40. 27\u202fStarships hat SpaceX schon vor dem ersten Teststart verbraucht bzw. ein Starship zwischen den Teststarts in die Luft gejagt.<\/p>\n<p>Mit dem Raptor\u202f2 und 300\u202fbar Brennkammerdruck fanden dann die Starts vom Starship\u202fV1 bis Starship\u202fV2 statt. Urspr&uuml;nglich sollte schon Starship\u202fV2 die Raptor\u20113\u2011Triebwerke bekommen, doch dann entschied SpaceX sich, eine neue Konfiguration einzuschieben, und aus Starship\u202fV2 wurde Starship\u202fV3, und die neue \u201eStarship\u202fV2\u201c hatte dann nur vergr&ouml;&szlig;erte Tanks.<\/p>\n<p>Mit dem Raptor\u202f3 wird nun alles viel besser (wie immer verspricht SpaceX eine goldene Zukunft, die sich v&ouml;llig von den Fehlschl&auml;gen der Vergangenheit abhebt. Ich frage mich nur: Wenn SpaceX das so genau wei&szlig;, warum macht SpaceX es nicht gleich richtig?). Das Raptor\u202f3 ist ein Wundertriebwerk. Das Raptor\u202f3 hat mehr Schub als das Raptor\u202f2, einen h&ouml;heren Brennkammerdruck, und das Raptor\u202f3 ist trotzdem leichter und zuverl&auml;ssiger. Also zumindest, wenn man SpaceX glaubt.<\/p>\n<p>Zumindest am letzten Punkt kann man zweifeln: Bei IFT\u201112 fielen zwei Raptor\u2011Triebwerke im Flug aus und alle Raptor\u2011Triebwerke beim Boostback der Superheavy. F&uuml;r die Starship\u2011Landung wurden auch nur zwei anstatt drei Raptor\u2011Triebwerke gez&uuml;ndet. Bei IFT\u201113 fielen acht der 13\u202fRaptor\u2011Triebwerke der Superheavy bei der Landung aus. Das war nicht besser als bei den Raptor\u20112\u2011Triebwerken der vorherigen Testfl&uuml;ge.<\/p>\n<p>Die Ursache zumindest bei den ersten Testfl&uuml;gen wurde bekannt, und die Ursache zeigt, wie sich der Einfluss des CEO und die Vorliebe des CEO f&uuml;r \u201ecoole\u201c Ideen auf die Entwicklung auswirkt: Alle Tanks m&uuml;ssen unter Druck gesetzt werden, das versteift die Tanks. Bei Stahl, das SpaceX w&auml;hlte, ist der Effekt sogar besonders hoch. Da die Tanks sich entleeren, muss man Gas nachf&uuml;llen. Da beide Treibstoffe sp&auml;testens bei \u2212160\u202fGrad Celsius sieden, g&auml;be es eine einfache L&ouml;sung: Man zweigt vom Tank Treibstoff ab, leitet den Treibstoff um das Triebwerk herum und leitet das entstehende Gas zur&uuml;ck in die Tanks.<\/p>\n<p>Doch das Raptor\u2011Triebwerk muss \u201ecool\u201c aussehen, ohne viele Leitungen. Also zweigt SpaceX nach dem Vorbrenner Gas ab und leitet das Gas zur&uuml;ck in die Tanks. Das spart zwei Leitungen von den Tanks zum Triebwerk ein. Nur: Dieses Gas enth&auml;lt nicht nur unverbrannten Treibstoff, sondern auch Wasser. Wasser gefriert bei den Temperaturen im Tank sofort, und das Eis verstopft die Leitungen zur LOX\u2011Turbopumpe. Das war die Ursache f&uuml;r die Ausf&auml;lle der Raptor\u2011Triebwerke.<\/p>\n<p>Was w&uuml;rdest du tun, wenn du Ingenieur mit Berufsethos w&auml;rst? Wahrscheinlich eine L&ouml;sung suchen, die Eis vermeidet \u2013 am besten eben kein Verbrennungsgas nutzen, sondern die Treibstoffe selbst. Doch in einem Unternehmen, in dem der CEO &uuml;ber jedes Detail bestimmt, geht das nicht. Vielleicht \u2013 das werde ich auch noch ausf&uuml;hren \u2013 hat SpaceX inzwischen auch die erfahrenen Mitarbeiter verloren. Mit Erfahrung haben die erfahrenen Mitarbeiter kein Problem, in der Branche einen neuen Job zu finden, und die erfahrenen Mitarbeiter wurden von Neulingen ohne Berufserfahrung ersetzt, die eben das Problem \u201eumgehen\u201c, anstatt das Problem zu l&ouml;sen.<\/p>\n<p>F&uuml;r diese Theorie sprechen nicht nur die vielen Unf&auml;lle mit Standardkomponenten in der Entwicklung (explodierende Gasflaschen, Druckventile, die sich einfach so &ouml;ffnen und Starships zum Kollaps bringen), sondern auch, dass wir inzwischen von Hans K&ouml;nigsmann offiziell best&auml;tigt bekommen haben, dass bei SpaceX jeder, der dem CEO widerspricht, je nach Grad seiner \u201eVerfehlung\u201c entweder bis zum Lebensende den Flur wischt oder gefeuert wird. So verl&auml;uft Entwicklung nach Dogma!<\/p>\n<p>SpaceX hat versucht, das Problem zu umgehen. Zum Einen hat SpaceX einen Diffusor beim Einlass des Gases in die Tanks eingebaut, der verhindern soll, dass das Gas gleich auf die kalte Wand trifft. Dann wurden Siebe in die Treibstoffleitungen eingebaut. Geholfen hat es wenig: Beim Startabbruch am 15.\u202f7.\u202f2026 gingen zwei Raptor\u2011Triebwerke nicht an. Beim erfolgreichen Start am 22.\u202f7. wurde dann in der Vorberichterstattung gesagt, dass erneut Eis aus einem fr&uuml;heren Test die LOX\u2011Turbopumpe am Hochlaufen hinderte.<\/p>\n<p>Bisher sahen die Raptor\u2011Triebwerke nicht nur beim wiederholten Ausfallen nach der ersten Z&uuml;ndung schlecht aus, versprochen wurden auch 1000 Eins&auml;tze im t&auml;glichen Rhythmus, also ohne &Uuml;berholung. Zum Verst&auml;ndnis: Jedes Raketentriebwerk hat eine l&auml;ngere Lebensdauer als die Lebensdauer im Betrieb beim Start. Typisch sind 4 bis 10 Eins&auml;tze. Limitierend sind oft die Turbopumpen, die schnell rotierende Rotoren haben, auf die gro&szlig;e Fliehkr&auml;fte einwirken. Die Space\u2011Shuttle\u2011Triebwerke als Vorbild waren z.\u202fB. 55\u2011mal wiederverwendbar, aber die LH2\u2011Turbopumpe musste alle 3\u20134 Eins&auml;tze und die LOX\u2011Turbopumpe alle 5\u20136 Eins&auml;tze ausgetauscht werden.<\/p>\n<p>So verwundert es, dass nun die Raptor\u2011Triebwerke 1000 Eins&auml;tze &uuml;berstehen sollen. Nun ja, das ist eben wieder so eine Vorgabe vom CEO. In der Praxis hat SpaceX zwei Super\u2011Heavy\u2011Booster erneut je einmal verwendet. In beiden F&auml;llen wurden die meisten Raptor\u2011Triebwerke ausgetauscht. Die Raptor\u2011Triebwerke scheinen also nicht einmal zwei Eins&auml;tze zu &uuml;berstehen. Auch nach dem erw&auml;hnten Startabbruch wurden nicht die zwei betroffenen Triebwerke, sondern vier Triebwerke ausgetauscht, also zwei von 33 Triebwerken &uuml;berstehen nicht mal eine volle Betriebszeit!<\/p>\n<p>Auch an anderen Angaben kann man zweifeln. Wie sollen zum Beispiel die Raptor\u2011Triebwerke leichter werden, wenn SpaceX den Brennkammerdruck steigert? Dann braucht man leistungsf&auml;higere (und schwerere) Turbopumpen, und die Brennkammer muss h&ouml;heren Druck aushalten \u2013 man wird die Wandst&auml;rke erh&ouml;hen. In jedem Falle wird der spezifische Impuls sinken. Ganz einfach, weil das Gas bei h&ouml;herem M&uuml;ndungsdruck die D&uuml;se verl&auml;sst und so mehr Restenergie hat, wenn man an den D&uuml;sen nichts &auml;ndert. Zudem braucht man f&uuml;r h&ouml;heren Druck auch mehr Turbopumpenleistung. Die Energie bezieht man aus dem Treibstoff selbst, sodass weniger nutzbare Energie f&uuml;r die eigentliche Verbrennung &uuml;brig bleibt.<\/p>\n<p>Aber das spielt keine Rolle, denn die Wundertriebwerke haben ein Alleinstellungsmerkmal: Der von SpaceX publizierte Vakuumimpuls ist h&ouml;her als der mit dem NASA\u2011Referenztool FCEA2 berechnete Vakuumimpuls. Das bedeutet, die Raptor\u2011Triebwerke haben einen Wirkungsgrad von &uuml;ber 100\u202f%. Normal sind 95 bis 98\u202f% je nach Treibstoff und Technologie. Die NASA reklamiert f&uuml;r das SSME 99,6\u202f%, wobei ich mir sicher bin, dass die NASA den Wert nur auf die Brennkammer bezogen hat, denn FCEA2 liefert doch einen etwas h&ouml;heren Wert.<\/p>\n<p>Wer wei&szlig;, vielleicht hat SpaceX die 100\u202ft Nutzlast mit den CEO\u2011Impulsen berechnet. Das w&uuml;rde die Diskrepanz zwischen der Nutzlastkapazit&auml;t von Starship\u202fV1 und Starship\u202fV2 und den Vorgaben zumindest zum Teil erkl&auml;ren. Doch das wird Thema des n&auml;chsten Artikels sein, in dem ich auch mehr auf die grundlegenden M&auml;ngel des Konzepts eingehen werde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_18820\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"18820\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Kommen wir nun zum Starship. 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August 2026","format":false,"excerpt":"Ich bekam nahezu zeitgleich zwei Mails, die mich auf einen Artikel des auch fr\u00fcher hier im Blog aktiven Frank Wunderlich\u2011Pfeiffer hinweisen, der \u00fcber das Starship geschrieben hat. Damals war Frank Wunderlich\u2011Pfeiffer \u00fcbrigens SpaceX\u2011Fan. Wer wei\u00df, vielleicht ist Frank Wunderlich\u2011Pfeiffer auch SimonVR unter einem anderen Pseudonym, denn die Falcon\u202f9 lobt Frank\u2026","rel":"","context":"In &quot;SpaceX&quot;","block_context":{"text":"SpaceX","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/spacex\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/17b26abf4328444a9792ea2d98d97951","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":16773,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2023\/05\/07\/die-spacex-wetten\/","url_meta":{"origin":18820,"position":2},"title":"Die SpaceX Wetten","author":"Bernd Leitenberger","date":"7. 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