{"id":18879,"date":"2026-08-26T07:02:29","date_gmt":"2026-08-26T05:02:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=18879"},"modified":"2026-08-26T08:46:43","modified_gmt":"2026-08-26T06:46:43","slug":"raumfahrtgrundlagen-fuer-dummys-tanks-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/08\/26\/raumfahrtgrundlagen-fuer-dummys-tanks-2\/","title":{"rendered":"Raumfahrtgrundlagen f&uuml;r Dummys \u2013 Tanks (2)"},"content":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_18879\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"18879\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Im heutigen zweiten Teil <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/08\/25\/raumfahrtgrundlagen-fuer-dummys-tanks-1\/\">&uuml;ber Tanks<\/a> geht es um die Druckbeaufschlagung. Wie schon im ersten Teil erw&auml;hnt, stehen Tanks immer auf einem leichten &Uuml;berdruck. Der liegt typisch bei 1\u20133\u202fBar. Das Starship hat sogar 6\u202fBar wegen der h&ouml;heren Belastung bei der Landung. Vor dem Start sind die Tanks weitestgehend voll, nur etwa 1\u20132\u202f% des Volumens entf&auml;llt auf das Druckgas. Wenn nun der Treibstoff verbraucht wird, nimmt das Volumen zu, und nach dem allgemeinen Gasgesetz nimmt der Druck proportional ab. Das bedeutet: Damit die Stabilit&auml;t erhalten bleibt, muss Gas nachgef&uuml;llt werden, und daf&uuml;r gibt es mehrere M&ouml;glichkeiten, die ich diskutieren will.<\/p>\n<p>Doch zuerst einige Grundlagen. Nach dem allgemeinen Gasgesetz h&auml;ngt der Druck nur von der Molek&uuml;lzahl ab, nicht der Molek&uuml;lmasse. Ein Mol Wasserstoffgas (Molmasse 2) &uuml;bt in einem gegebenen Volumen den gleichen Druck aus wie ein Mol Sauerstoffgas (Molmasse 32), der Sauerstoff wiegt aber 16\u2011mal so viel. Daher wird man m&ouml;glichst ein Druckgas mit geringer Molmasse einsetzen. So ist Stickstoff, der zu Anfang der Raumfahrt als Druckgas noch &uuml;blich war, inzwischen ganz verschwunden. (bis auf eine Ausnahme, siehe unten) 1\u202fm\u00b3 Stickstoff wiegt bei 1\u202fBar Druck immerhin 1,25\u202fkg. W&uuml;rde man die Superheavy mit Stickstoff unter Druck setzen, so w&ouml;ge sie 30 t mehr.<!--more--><\/p>\n<p>Das zweite ist, dass der Druck auch linear von der Temperatur (absolut, also in Kelvin) abh&auml;ngig ist. Sauerstoff verdampft z.\u202fB. bei 90\u202fK. Leitet man 100\u202f\u00b0C hei&szlig;en Sauerstoff in die Tanks (293\u202fK), so &uuml;bt ein Mol den dreifachen Druck eines nur knapp &uuml;ber dem Siedepunkt befindlichen Gases von 97\u202fK aus.<\/p>\n<p>Daraus ergeben sich zwei Merkregeln: Das Gas sollte eine m&ouml;glichst geringe Molmasse haben, und das Gas sollte m&ouml;glichst vor dem Einleiten aufgeheizt werden (im Tank k&uuml;hlt das Gas sich aber wieder ab).<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/5a8e3e7fe18a48f69bb9590aefb0c672\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>Bevor ich aber zu den gro&szlig;en Tanks komme, zuerst einmal zu Tanks bei druckgef&ouml;rderten Triebwerken. Bei diesen wird der Treibstoff durch den Tankdruck in das Triebwerk bef&ouml;rdert. Typisch ist ein Tankdruck von 20\u202fBar. Damit sind nicht nur die Tanks schwerer, man braucht auch viel mehr Druckgas. Bei Oberstufen, aber auch <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/ATV.shtml\">beim ATV<\/a> oder dem Artemis\u2011Servicemodul, ist dazu Helium als Druckgas &uuml;blich. Helium selbst ist das leichteste eingesetzte Gas. Es hat die Atommasse 4. Wasserstoff w&auml;re mit Atommasse 2 noch leichter, aber Wasserstoffgas ist ein so kleines Molek&uuml;l, dass Wasserstoffgas leicht durch W&auml;nde diffundieren kann, und speziell in die Tanks von Oxidatoren sollte man Wasserstoffgas nicht leiten, weil Wasserstoffgas mit den Oxidatoren reagieren kann.<\/p>\n<p>Helium ist leicht. Aber man muss das Gas in einer Druckgasflasche speichern. Standard sind heute COPV (composite overwrapped pressure vessel). Das sind Druckgasflaschen, innen aus einer abdichtenden Aluminiumschicht, au&szlig;en mit einer dem Druck standhaltenden CFK\u2011Schicht &uuml;berzogen. Bei Helium wiegt die Druckgasflasche typisch das Dreifache des Inhalts. Das klingt nicht nur schlecht, das ist schlecht. Aber da die Masse der Flasche nur vom Druck und dem Volumen abh&auml;ngt, nicht vom Gas, w&uuml;rde die Flasche bei Sauerstoff genauso viel wiegen, nur der Inhalt wiegt achtmal mehr.<\/p>\n<p>Dieser Tatsache ist zu verdanken, dass Drcukgas-Xenontanks (Atommasse 131,3) so g&uuml;nstig abschneiden. Ein L\u2011XTA\/900\u2011Tank von MT Aerospace hat ein Volumen von 900\u202fLitern, nimmt bei 187\u202fBar Betriebsdruck bis zu 985\u202fkg Xenon auf und wiegt selbst nur 85\u202fkg. W&uuml;rde man Helium tanken, so w&uuml;rden aber nur 30\u202fkg hineingehen.<\/p>\n<p>Das Helium wird durch ein Ventil expandiert und gleicht den absinkenden Druck im Tank aus. Diese Methode ist auch bei gr&ouml;&szlig;eren Raketen &uuml;blich. Bei Ariane\u202f5 sieht man an der Unterseite der Zentralstufe eine runde Heliumdruckgasflasche. Das Helium wird f&uuml;r die Aufrechterhaltung des Drucks im Sauerstofftank genutzt. Beim Wasserstofftank nutzt man am Triebwerk verdampfenden Wasserstoff. Warum nicht so beim Sauerstoff? Ganz einfach: Sauerstoff hat Atommasse 32, Helium 4. Selbst mit dem Gewicht der Druckgasflasche spart man so Gewicht ein. <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/ariane5.shtml\">Ariane\u202f5<\/a> ist noch ein Vertreter der auf maximale Nutzlast, weniger auf Kosten optimierten Raketen. Heliumdruckgasflaschen werden beim Sauerstoff noch immer h&auml;ufig eingesetzt.<\/p>\n<p>Zur&uuml;ck zu Tanks unter hohem Druck. Bei Satelliten, die anders als Oberstufen Jahrzehnte aktiv sind, hat sich ein anderes Verfahren eingeb&uuml;rgert. Dort wird in den Tank eine Gummimembran eingezogen. Beim Start ist der Tank nur zu zwei Dritteln oder zur H&auml;lfte gef&uuml;llt. Der Rest ist mit Druckgas gef&uuml;llt. Die Membran wird so gegen den Treibstoff gedr&uuml;ckt. So kann in der Schwerelosigkeit keine Gasblase im Treibstoff entstehen, die in die Leitungen ger&auml;t und zu Problemen im Triebwerk f&uuml;hrt. Zudem wird der Treibstoff so in die Leitungen gedr&uuml;ckt, sonst w&uuml;rde der Treibstoff unter Schwerelosigkeit eine mitten im Tank schwebende Kugel bilden.<\/p>\n<p>Der Preis: Man nutzt einen Teil des Volumens des Tanks nicht, die Tanks sind sowieso erheblich schwerer als Tanks gro&szlig;er Stufen, der Innendruck ist schlie&szlig;lich etwa zehnmal h&ouml;her. Und: Da der Schub und auch der spezifische Impuls vom Brennkammerdruck abh&auml;ngen und der Brennkammerdruck parallel zum Tankdruck sinkt, nimmt die Performance des Triebwerks ab. Aber die Methode ist sehr zuverl&auml;ssig und funktioniert &uuml;ber Jahre hinweg.<\/p>\n<p>Kommen wir zu den gro&szlig;en Tanks. Hier gibt es drei gro&szlig;e Technologien:<\/p>\n<ul>\n<li>Nutze ein inertes Gas<\/li>\n<li>Nutze die Treibstoffe als Druckgas<\/li>\n<li>Nutze die Verbrennungsprodukte als Druckgas<\/li>\n<\/ul>\n<p>Helium ist ein Beispiel f&uuml;r die Nutzung eines inerten Gases. Stickstoff wurde fr&uuml;her genutzt. Stickstoff ist zwar siebenmal schwerer als Helium, aber viel billiger. Bei der ersten Stufe, wo das Mehrgewicht nicht so auf die Nutzlast durchschl&auml;gt, war das tolerabel. Wie bei der Explosion eines COPV bekannt wurde, verwendet aber auch SpaceX noch Stickstoff, und zwar im Starship. Das muss anscheinend enorm billig herstellbar sein, auch wenn dann die Nutzlast minimal ist. Daf&uuml;r spricht auch, dass die Tanks aus Stahl sind.<\/p>\n<p>Die Treibstoffe als Druckgas kann man nutzen, wenn die Treibstoffe verfl&uuml;ssigte Gase sind. Das sind LH\u2082, LOX, LNG, aber auch N\u2082O\u2084. Stickstofftetroxid verdampft schon bei 28\u202fGrad Celsius, nur wenig &uuml;ber Zimmertemperatur. Die beim Start einer <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/ariane.shtml\">Ariane\u202f1\u20134 <\/a>abfallenden Paneele sollen nicht die dritte Stufe mit kryogenen Treibstoffen sch&uuml;tzen \u2013 diese Stufe hat eine fest angebrachte Isolationsschicht. Die Paneele befinden sich an der zweiten Stufe am NTO\u2011Tank. In Franz&ouml;sisch\u2011Guayana kann es durchaus w&auml;rmer als 28\u202fGrad Celsius werden.<\/p>\n<p>Man leitet bei dieser Methode einen Teil des Treibstoffs aus dem Hauptstrom an einen Punkt, wo der Treibstoff verdampft \u2013 den Gasgenerator oder das Triebwerk oder die D&uuml;se. Das Gas leitet man dann einfach zur&uuml;ck in den Tank. Das Gas hat so eine hohe Temperatur, und das Gas wird im Tank auch nicht mehr kondensieren, denn dazu m&uuml;sste das Gas dem Treibstoff Energie entziehen \u2013 Wasserdampf kondensiert ja auch nicht &uuml;ber einer Wasseroberfl&auml;che und diese k&uuml;hlt ab, sondern umgekehrt.<\/p>\n<p>Diese Methode ist Standard beim Wasserstoff, selbst bei Methan ist sie noch g&uuml;nstig: Vom Gewicht her ist Methan gleichwertig mit Helium, wenn man die Druckgasflasche hinzurechnet. Man spart aber ein weiteres System ein.<\/p>\n<p>Die dritte Methode wurde zuerst bei den Raketen eingef&uuml;hrt, an deren Konstruktion Karl Heinz Bringer beteiligt war, denn Karl Heinz Bringer hatte einen neuartigen Gasgenerator entwickelt. Der Gasgenerator (wir kommen noch beim Teil &uuml;ber Triebwerke darauf zur&uuml;ck) ist ein Subsystem des Triebwerks. Der Gasgenerator verbrennt die Treibstoffe, aber einen Teil im &Uuml;berschuss, so wird die Temperatur des Gases begrenzt, und der Gasgenerator muss nicht gek&uuml;hlt werden. Das Gas treibt dann die Turbopumpe an.<\/p>\n<p>Bringers Gasgenerator verbrannte den Treibstoff im optimalen Verh&auml;ltnis, sparte also Treibstoff ein. Damit der Gasgenerator nicht durchbrannte, wurde Wasser aus einem externen Tank hinzugegeben. Das Produkt: Wasserdampf mit kleinen Mengen an Kohlendioxid und Stickstoff. Dieses Gas kann man sowohl f&uuml;r die Druckbeaufschlagung des Hydrazintanks wie des NTO\u2011Tanks nutzen \u2013 alle Raketen, an denen Karl Heinz Bringer mitarbeitete, hatten diese Treibstoffkombination. Das spart Geld ein, denn Wasser ist viel billiger als Hydrazin oder NTO.<\/p>\n<p>Woanders wurde diese Methode aber selten eingesetzt. Bis vor wenigen Jahren eine Firma sie \u201ewiederentdeckte\u201c: SpaceX. Obwohl beide Stufen kryogene Treibstoffe nutzen, die man problemlos am Triebwerk erw&auml;rmen und zur&uuml;ckf&uuml;hren kann. Angeblich soll das Triebwerk \u201eclean\u201c aussehen mit m&ouml;glichst wenigen Leitungen. Hier wird ein Teil der Gase des Vorbrenners, das Gegenst&uuml;ck zum Gasgenerator beim Hauptstromverfahren zur&uuml;ck in die Tanks geleitet.<\/p>\n<p>Der Unterschied: Leitet man Wasserdampf in einen Hydrazin\/UDMH\u2011Tank ein, so kondensiert zwar ein Teil des Wassers, aber das Wasser reagiert nicht mit den Treibstoffen, und diese Treibstoffe sind &uuml;ber 20\u202fGrad Celsius warm. Beim NTO reagiert das Wasser mit dem NTO und bildet Salpeters&auml;ure, Salpeters&auml;ure funktioniert als Oxidator aber genauso gut wie das NTO. Chemisch ist NTO nur Salpeters&auml;ure, der man das Wasser entzog.<\/p>\n<p>Anders sieht es aus, wenn man Wasserdampf in einen \u2013183\u202fGrad Celsius kalten Sauerstofftank leitet. Dort bildet sich Eis. Ger&auml;t das Eis in die Treibstoffleitungen, so kann das Eis den Eingang zur LOX\u2011Turbopumpe verstopfen, und die LOX\u2011Turbopumpe schaltet sich und das Triebwerk ab. Oder wenn es dumm l&auml;uft, schafft die LOX\u2011Turbopumpe das nicht mehr und explodiert, und damit meist auch das Triebwerk.<\/p>\n<p>Alle Ausf&auml;lle von Raptor\u2011Triebwerken seit Testflug\u202f1 \u2013 immerhin 84\u202fAusf&auml;lle (alle Z&uuml;ndungen zusammengerechnet) \u2013 haben diese Ursache. Jede 11.\u202fZ&uuml;ndung schl&auml;gt fehl, dieser Prozentsatz ist <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/Starship-ITF9.shtml\">seit IFT\u20119<\/a> relativ konstant. Auch beim <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/Starship-ITF13.shtml\">Startabbruch f&uuml;r IFT\u201113<\/a> war dies die Ursache. In vier Triebwerken gab es noch Wasser von fr&uuml;heren Z&uuml;ndungen, das durch das Vork&uuml;hlen der Triebwerke zu Eis wurde und zum Abschalten der Turbopumpen f&uuml;hrte. Zwei von vier Triebwerken musste man danach sogar austauschen, was f&uuml;r Besch&auml;digungen spricht.<\/p>\n<p>Das l&auml;sst dann doch an der Kompetenz der Ingenieure zweifeln. Denn dass Wasser bei \u2013183\u202fGrad Celsius zu Eis wird, ist jetzt nicht so schwer zu begreifen. <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/Starship-1-testflug.shtml\">Seit das bei IFT\u20111 vorkam<\/a>, hat man einiges versucht, um das Problem zu l&ouml;sen, mit beschr&auml;nktem Erfolg. So hat man Siebe in die Treibstoffleitungen eingebaut und einen Diffusor vorgeschaltet, der verhindern soll, dass der Dampf auf die Tankwand trifft. Aber dass man das Problem komplett l&ouml;st, indem man einfach den Treibstoff am Triebwerk verdampft und getrennt in die Tanks zur&uuml;ckleitet, kam nicht in Frage.<\/p>\n<p>Eine Methode, die ich f&uuml;r sinnvoll halte, aber nirgendwo eingesetzt habe, ist diese: Methan kann man auch bei -162 Grad Celsius verfl&uuml;ssigen. Methan verdampft bei \u201382\u202fGrad Celsius. Man kann so Methan in einem isolierten leichten Fl&uuml;ssigtank lagern, am Triebwerk verdampfen und damit folgende Treibstoffe druckbeaufschlagen: Hydrazin und Derivate, RP\u20111 und Propan. Gasf&ouml;rmiges Methan hat man bei der Sea Dragon f&uuml;r den RP\u20111\u2011Tank vorgeschlagen.<\/p>\n<p><strong>SpaceX und Tankdruck<\/strong><\/p>\n<p>Wie schon in der Einleitung zum ersten Beitrag geschrieben: Die Druckbeaufschlagung von Tanks ist jetzt nicht das, was man sich als Rocket\u2011Science vorstellt. Die Kesselformel wurde in ihrer heutigen physikalischen Kernform erstmals am 22.\u202fFebruar\u202f1825 von dem englischen Mathematiker und Physiker Peter Barlow formuliert. Peter Barlow stellte die Formel im Rahmen seiner Untersuchungen zur Materialfestigkeit vor. Im englischsprachigen Raum ist die Gleichung daher bis heute als \u201eBarlow\u2019s formula\u201c bekannt.<\/p>\n<p>Wenn man also im 21.\u202fJahrhundert damit Probleme hat, dann mutet das doch seltsam an. Bis zum Auftauchen von SpaceX waren alle bekannten F&auml;lle von Problemen mit der Druckbeaufschlagung in den F&uuml;nfziger\u2011 und fr&uuml;hen 60\u2011er\u2011Jahren verortet. Zwei F&auml;lle von <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/Explosionen-auf-der-Startrampe.shtml\">kollabierenden Atlas<\/a>, die als Tr&auml;ger genutzt wurden, sind bekannt. Nach dem Ausmustern kollabierten noch Exemplare, die jahrzehntelang in Museen standen, weil man die Aggregate f&uuml;r die Druckbeaufschlagung nicht wartete. Das ist aber nicht vergleichbar mit dem Einsatzspektrum, bei dem eine Atlas maximal f&uuml;nf Jahre unter Druck sein musste, als Tr&auml;gerrakete eher Wochen oder Monate.<\/p>\n<p>Demgegen&uuml;ber hat SpaceX inzwischen eine ganze Reihe von Vorf&auml;llen angesammelt, die alle mit der Druckbeaufschlagung zu tun haben:<\/p>\n<p>Am 27.\u202f6.\u202f2015 explodierte eine Falcon\u202f9 139\u202fSekunden nach dem Abheben. Eine Heliumdruckgasflasche hatte sich aus der Verankerung gel&ouml;st, setzte das Helium frei, wodurch die Oberstufe explodierte. Da die Nutzlast der <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/SpaceX_CRS-7\">NASA\u2011Versorgungsflug CRS\u20117<\/a> war, gibt es hier einen unabh&auml;ngigen Untersuchungsbericht. Der <a href=\"https:\/\/www.nasa.gov\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/public_summary_nasa_irt_spacex_crs-7_final.pdf?emrc=deb5c4\">Untersuchungsbericht<\/a> stellte fest, dass eine Strebe gebrochen war. SpaceX hatte anstatt Space\u2011Grade\u2011Streben billigere Industrial\u2011Grade\u2011Streben verwendet. Aushalten sollte die Strebe eine Kraft von 10.000\u202flbf, sie brach bei 2.000\u202flbf.<\/p>\n<p>Am 1.\u202f9.\u202f2026 <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/AMOS-6_(satellite)\">explodierte eine Falcon\u202f9 mit dem Satelliten Amos\u20116<\/a> bei einem Prelaunch\u2011Testcountdown. Ursache nach SpaceX waren \u201eBeulen\u201c in der Umwicklung des COPV, wodurch es zu Rissen kam und fl&uuml;ssiger Sauerstoff eindringen konnte, der dann durch Reibung sich entz&uuml;ndete.<\/p>\n<p>Am 28.2.2020 explodierte der erste Starship Prototyp SN1 bei einer <a href=\"https:\/\/www.space.com\/spacex-starship-sn1-prototype-bursts-videos.html\">Druckbeaufschlagung mit Stickstoff<\/a>.<\/p>\n<p>Weniger als zwei Monate sp&auml;ter erwischte es <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/Starship-Entwicklung-Fehlschlaege.shtml\">am 5.4.2020 das Starship SN2<\/a>. Erneut bei einem Test. Diesmal wurde Treibstoff zugelassen. Zuerst gab es im unteren Methantank Falten, dann kollabierte der obere Teil. Nach Elon Musk hat man ein redundantes System f&uuml;r die Druckbeaufschlagung, dieses aber falsch eingestellt, sodass der Druck im oberen LOX\u2011Tank zu gering war.<\/p>\n<p>Am 18.\u202f6.\u202f2025 <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2025\/08\/07\/spacex-und-ihre-probleme-mit-gasflaschen\/?utm_source=chatgpt.com\">explodierte das Starship SN36<\/a> zwischen den Fl&uuml;gen <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/Starship-ITF10.shtml\">IFT\u201110<\/a> und IFT\u201111 bei einem Prelaunch\u2011Test auf der Starbase. Urspr&uuml;nglich sollte SN36 bei <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/Starship-ITF11.shtml\">IFT\u201111<\/a> ins All starten. Sp&auml;ter gab SpaceX an, dass eine COPV\u2011Druckgasflasche explodiert sei. Ab jetzt werde man die Flaschen vor der Installation &uuml;berpr&uuml;fen, stand etwas verklausuliert in der Erkl&auml;rung. Die Explosion f&uuml;hrte dazu das nur f&uuml;nf V2 Starships gestartet wurde und die schon gefertigte SuperHeavy Nr. 17 verschrottet wurde.<\/p>\n<p>Am 21.\u202fNovember\u202f2025 explodierte dann zur Abwechslung mal eine <a href=\"https:\/\/techcrunch.com\/2025\/11\/21\/spacexs-upgraded-starship-suffers-explosion-during-testing\/\">Superheavy, die Nummer\u202f18,<\/a> ebenfalls bei einem Test auf der Starbase. SpaceX teilte in einem Beitrag auf X mit, dass \u201eDrucktests am Gassystem\u201c durchgef&uuml;hrt wurden, als sich die Explosion ereignete. Was genau die Explosion ausl&ouml;ste, ist nicht bekannt. SN18 w&auml;re die erste Superheavy der V3 gewesen und f&uuml;r IFT-12 vorgesehen.<\/p>\n<p>Die Firma hat also insgesamt zwei Falcon\u202f9\u2011Raketen und vier Starships durch Vorf&auml;lle mit Druckgas verloren. Das ist schon bemerkenswert, vor allem beim Starship, denn bei den Falcon gab es in den letzten zehn Jahren ja keine Vorf&auml;lle mehr. Dagegen gingen bisher jedes dreizehnte Starship durch Explosionen bei <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/Starship-Teststarts.shtml\">Prelaunchtests<\/a> verloren, ber&uuml;cksichtigt man, dass etliche Starships f&uuml;r Tests gebaut wurden, dann aber verschrottet wurden, sieht die Bilanz noch schlechter aus.<\/p>\n<p>Wenn man sich fragt, warum das Starship eine so geringe Nutzlast hat \u2013 die wenigen Details, die es gibt, liefern Hinweise. So kollabierte ja der erste Prototyp bei mangelndem Innendruck, das d&uuml;rfte bei der Wandst&auml;rke, die in der Wikipedia steht, nicht passieren, die Wand ist gemessen am Durchmesser &uuml;ber f&uuml;nfmal dicker als bei der nur durch Innendruck stabilisierten Atlas. Augenscheinlich wurde seit SN-1 nachgebessert und die Wand wurde dicker, das erh&ouml;ht aber das Gewicht und senkt die Nutzlast.<\/p>\n<p>Das COPV, das bei SN\u201136 explodierte, wurde mit Stickstoff beladen, nicht mit dem siebenmal leichteren Helium. Spart Geld, senkt aber die Nutzlast, denn die Flasche wird in den Orbit und zur&uuml;ck gebracht.<\/p>\n<p>Das Hauptproblem ist aber ein anderes: Es muss billig sein (Industrial\u2011Grade\u2011Streben, Stickstoff anstatt Helium), und man kontrolliert nicht. Erst wenn etwas passiert, werden Pr&uuml;fungen vor dem Einbau vorgenommen. So arbeitet nicht eine Firma die an der B&ouml;rse derzeit rund 1.400 Mrd. Dollar wert ist. So eine Vorgehensweise w&uuml;rde ich eher von einer Raumfahrt-Klitsche erwarten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_18879\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"18879\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Im heutigen zweiten Teil &uuml;ber Tanks geht es um die Druckbeaufschlagung. Wie schon im ersten Teil erw&auml;hnt, stehen Tanks immer auf einem leichten &Uuml;berdruck. Der liegt typisch bei 1\u20133\u202fBar. Das Starship hat sogar 6\u202fBar wegen der h&ouml;heren Belastung bei der Landung. 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