{"id":18910,"date":"2026-08-30T08:22:37","date_gmt":"2026-08-30T06:22:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=18910"},"modified":"2026-08-30T08:26:36","modified_gmt":"2026-08-30T06:26:36","slug":"raumfahrtgrundlagen-fuer-dummys-treibstofffoerderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/08\/30\/raumfahrtgrundlagen-fuer-dummys-treibstofffoerderung\/","title":{"rendered":"Raumfahrtgrundlagen f&uuml;r Dummys \u2013 Treibstofff&ouml;rderung"},"content":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_18910\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"18910\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Im <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/08\/29\/raumfahrtgrundlagen-fuer-dummys-aufbau-eines-raketentriebwerks\/\">ersten Teil<\/a> habe ich den grunds&auml;tzlichen Aufbau eines Triebwerks erl&auml;utert. In diesem Teil geht es um einen zentralen Teil, die Treibstofff&ouml;rderung. Es haben sich verschiedene Verfahren eingeb&uuml;rgert, den Treibstoff zu f&ouml;rdern.<\/p>\n<p>Ein Raketentriebwerk verbrennt Treibstoff unter hohem Druck. Dabei muss der Druck beim Einspritzen in die Brennkammer gr&ouml;&szlig;er sein als der durch die Verbrennung erzeugte Druck in der Brennkammer. Der Brennkammerdruck ist nicht nur eine akademische Gr&ouml;&szlig;e. Er bestimmt auch, wie gro&szlig; die Triebwerke sind. Hier ein Gr&ouml;&szlig;envergleich des Apollo\u2011Abstiegstriebwerks und des SSME:<!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/img\/ssme-ade.png\" width=\"1536\" height=\"1024\" class=\"alignnone size-medium\" \/><\/p>\n<p>Das <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/shuttle-ssme.shtml\">SSME<\/a> ist in etwa doppelt so gro&szlig;, aber der Schub betr&auml;gt fast das 50\u2011Fache! Bezogen auf das Gewicht liefert es den achtfachen Schub. Der Grund: Der Schub ist direkt vom Brennkammerdruck abh&auml;ngig. So sind Triebwerke mit hohem Brennkammerdruck beim gleichen Schub kleiner und auch bezogen auf den Schub leichter als Triebwerke mit niedrigem Brennkammerdruck.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Druckgasf&ouml;rderung<img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium\" src=\"\/img\/druckgas.gif\" width=\"300\" \/><\/h4>\n<p>Bei der <b>Druckgasf&ouml;rderung<\/b> stehen die Treibstofftanks unter hohem Druck. Dies limitiert den Brennkammerdruck auf niedrigere Werte. Au&szlig;erdem werden die Tanks schwer, vor allem wenn sie nicht kugelf&ouml;rmig sind. Zylindrische Tanks m&uuml;ssen versteift werden, um nicht durch den Druck auszubeulen. Diese Art der Treibstofff&ouml;rderung ist einfach und zuverl&auml;ssig. Die Tanks m&uuml;ssen, damit der Treibstoff gegen den Brennkammerdruck eingespritzt werden kann, einen h&ouml;heren Druck als die Brennkammer aufweisen. Typischerweise haben die Tanks einen Betriebsdruck von 15 bis 20\u202fbar, der Brennkammerdruck betr&auml;gt dann 8 bis 10\u202fbar. Das beschr&auml;nkt die nutzbare Energieausbeute aus dem Treibstoff. So funktionierte das abgebildete Apollo\u2011Abstiegstriebwerk.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/a4bf317887b840cf9582c139d60ea8cf\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/triebwerke.shtml\">Druckgasf&ouml;rderung<\/a> ist bei Satellitenantrieben die einzige Form der Treibstofff&ouml;rderung. Bei hypergolen Treibstoffen gen&uuml;gt es, die Ventile zu den Treibstoffleitungen zu &ouml;ffnen, um das Triebwerk zu z&uuml;nden. Unter hypergolen Treibstoffen versteht man Kombinationen, die sich bei Kontakt selbst entz&uuml;nden. Das ist der Fall bei Stickoxiden und Hydrazinen.<\/p>\n<p>Andere Z&uuml;ndmethoden sind elektrische Z&uuml;ndung durch Funken oder Fackeln, kleine Festtreibstoffz&uuml;nder oder der Einsatz einer hypergolen Fl&uuml;ssigkeit als Starter (dies wird vor allem bei LOX\/Kerosin eingesetzt). So entf&auml;llt bei druckgef&ouml;rderten Triebwerken eine komplexe Z&uuml;ndsequenz, die bei anderen Verfahren n&ouml;tig ist.<\/p>\n<p>Der Tankdruck wird mit Helium aus einem Hochdrucktank gew&auml;hrleistet. Bei kleinen Tanks wie in Satelliten ist es &uuml;blich, dass der Tank beim Start nur teilweise gef&uuml;llt ist und das Helium das Restvolumen einnimmt. Der Druck sinkt dann mit der Entleerung ab. Das spart aber eine Heliumdruckgasflasche ein. Bei diesen Tanks ist es oft so, dass eine Gummimembran Gas und Treibstoff trennt. Da Gummi dehnbar ist, dr&uuml;ckt die Membran den Treibstoff an die Wand, wo die Leitungen zu dem Triebwerk liegen \u2013 das vereinfacht die Z&uuml;ndung erheblich.<\/p>\n<p>Vor der Z&uuml;ndung werden die Tanks mit Helium unter Druck gesetzt. W&auml;hrend der Entleerung der Tanks wird Gas nachgef&uuml;llt. Auch im Orion\u2011Raumschiff wird diese sehr zuverl&auml;ssige Technik eingesetzt, da die einzigen beweglichen Teile die Ventile sind. Die Zahl der Fehlerm&ouml;glichkeiten ist daher gering. Deswegen wurde Druckgasf&ouml;rderung bei den Antrieben des Apollo\u2011CSM und LM genutzt. Die Delta\u2011Oberstufe und das Shuttle\u2011OMS arbeiteten ebenfalls mit Druckgasf&ouml;rderung.<\/p>\n<p>Der grundlegende Vorteil ist, dass das Verfahren viel einfacher als alle folgenden ist \u2013 was man zum einen am einfacheren Schema erkennen kann, aber auch an den Abbildungen, wo man viel weniger Leitungen und Subsysteme erkennen kann. W&auml;hrend in Europa und den USA kleine Stufen und Satellitenantriebe mit Druckf&ouml;rderung arbeiten, setzt die Sowjetunion selbst bei geringem Schub auf eine Turbopumpenf&ouml;rderung, so war das Triebwerk des Kickmoduls der Vega mal ein Antrieb einer ICBM und arbeitet trotz nur 2,5 kN Schub mit einer Turbopumpe.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Gasgeneratorverfahren<img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium\" src=\"\/img\/gas-generator.gif\" width=\"300\" \/><\/h4>\n<p>Beim klassischen <b>Nebenstromverfahren<\/b> wird ein Teil des Treibstoffs in einem Gasgenerator verbrannt. Er bildet einen zweiten Treibstofffluss, den \u201eNebenstrom\u201c. Das dabei entstehende Verbrennungsgas treibt die Gasturbine an, welche &uuml;ber eine rotierende Welle die Treibstoff\u2011Turbopumpe antreibt. Der F&ouml;rderdruck der Turbopumpe kann viel h&ouml;her als der Tankdruck sein. Damit nicht zu hohe Temperaturen entstehen, wird &uuml;blicherweise der Verbrennungstr&auml;ger im &Uuml;berschuss verbrannt. Der Gasgenerator ist eine Brennkammer im Kleinen. Eine K&uuml;hlung ist wegen der geringeren Temperaturen von typischerweise 800\u2013900\u202fK nicht n&ouml;tig.<\/p>\n<p>Das Nebenstromverfahren ist zuverl&auml;ssig und erprobt. Es hat aber technologische Grenzen. Bei hohen Brennkammerdr&uuml;cken sinken die Wirkungsgrade der Turbopumpen ab. Dann braucht man &uuml;berproportional viel Gas f&uuml;r die Turbine. Die meisten Triebwerke mit <b>Gasgeneratorbetrieb<\/b> arbeiten mit 60\u201380\u202fbar Brennkammerdruck. Das Vulcain\u202f2, Rekordhalter bei dieser Technologie, arbeitet mit 120\u202fbar schon jenseits des Optimums, das bei etwa 90\u2013100\u202fbar liegt.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass beim Nebenstromverfahren das Gas f&uuml;r den Gasgenerator nicht f&uuml;r die Verbrennung im Triebwerk genutzt werden kann. Die Menge des Treibstoffs, die vom Gasgenerator ben&ouml;tigt wird, nimmt mit steigendem F&ouml;rderdruck zu. Das Abgas des Gasgenerators wird zum Teil f&uuml;r andere Aufgaben genutzt, z.\u202fB. um die Triebwerke zu schwenken (als Pneumatikgas) oder mit D&uuml;sen die Rollachse zu stabilisieren. Der gr&ouml;&szlig;te Teil aber wird &uuml;ber einen \u201eAuspuff\u201c neben dem Triebwerk ins Freie entlassen. Bei manchen Triebwerken wird es auch zur Nachverbrennung in die D&uuml;se injiziert.<\/p>\n<p>Die meisten Triebwerke, welche die USA entwickelt haben, nutzen den Gasgeneratorantrieb. So die Triebwerke der Thor, Atlas und Titan, aber auch die H\u20111, J\u20111 und F\u20111\u2011Triebwerke der Saturn. Auch das RS\u201168 der Delta\u202f4 und das Merlin der Falcon\u202f9 nutzen dieses Verfahren.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Bleed-Cycle<img decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium\" src=\"\/img\/tapoff-cylce.png\" width=\"30%\" height=\"30%\" \/><\/h4>\n<p>Eine Variante des <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/Hochdrucktriebwerke.shtml\">Nebenstromverfahrens<\/a>, das ohne Gasgenerator auskommt (aber immer noch das Antriebsgas nicht in die Brennkammer injiziert), ist das \u201e<b>Combustion Tap\u2011off Cycle<\/b>\u201c oder \u201eBleed\u201c-Verfahren. Ab jetzt haben wir es haupts&auml;chlich mit englischen Begriffen zu tun: Die ersten Verfahren wurden alle in Deutschland erfunden und bekamen deutsche Namen, die auch in den USA als 1:1\u2011&Uuml;bersetzung (\u201egas generator cycle\u201c) &uuml;blich sind. Mir gef&auml;llt das Wort \u201eBlutender Kreislauf\u201c f&uuml;r das Verfahren.<\/p>\n<p>Der Gasgenerator wird eingespart, indem man aus dem oberen Bereich der Brennkammer Gas direkt abzapft und zu den Turbinen leitet. Die Turbine treibt dann die Pumpen an. Das Problem: Dieses Gas ist erheblich hei&szlig;er als das des Gasgenerators. In einer Brennkammer k&ouml;nnen &uuml;ber 3.000\u202fGrad Celsius erreicht werden. Da w&uuml;rde jede Leitung schmelzen. Daher muss es vorher erst herabgek&uuml;hlt werden, &auml;hnlich wie auch die Brennkammer aktiv gek&uuml;hlt wird.<\/p>\n<p>Der Blutende Kreislauf wurde lange Zeit nur theoretisch untersucht. Eine Weiterentwicklung des J\u20112, das J\u20112S, sollte ihn einsetzen, kam aber bei Apollo nicht mehr zum Einsatz, und als es f&uuml;r Constellation neu qualifiziert wurde, wurde auch dieses Programm eingestellt. Heute verwenden Blue Origins BE\u20113 und die Firefly\u2011Alpha dieses Verfahren.<\/p>\n<p>Beim Hauptstromverfahren wird der gesamte Treibstoff in der Brennkammer verbrannt. Es wird kein separater Gasgenerator ben&ouml;tigt. Etabliert haben sich zwei Verfahren: das <em>Expander Cycle<\/em> und das <em>Staged\u2011Combustion<\/em>-Verfahren.<\/p>\n<h4 class=\"western\"><em><b><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium\" src=\"\/img\/staged-ombustion.gif\" width=\"300\" \/>Staged\u2011Combustion<\/b><\/em><b>-Verfahren<\/b><\/h4>\n<p>Beim <em><b>Staged\u2011Combustion<\/b><\/em><b>-Verfahren<\/b> (Vorbrennerverfahren) wird der Treibstoff teilweise in einem Vorbrenner verbrannt, aber immer noch im &Uuml;berschuss einer Komponente, um die Temperaturen zu begrenzen. Der Vorbrenner ersetzt den Gasgenerator. Er funktioniert aber nach dem gleichen Prinzip: Das erzeugte hei&szlig;e Gas treibt die Turbopumpe an. Durch die hohe Gasmenge werden hohe F&ouml;rderdr&uuml;cke erreicht. Dieses Gas wird mit dem Rest der Treibstoffe zur vollst&auml;ndigen Verbrennung in die Brennkammer eingespritzt.<\/p>\n<p>Im Russischen wird diese Technologie auch <em>Gas\u2011Fl&uuml;ssig<\/em> genannt, weil eine Treibstoffkomponente teilweise als Gas injiziert wird. Dagegen werden beim Nebenstromverfahren (Gasgeneratorverfahren) beide Treibstoffe als Fl&uuml;ssigkeit injiziert.<\/p>\n<p>Die Turbopumpen k&ouml;nnen so hohe Leistungen bei einem hohen Wirkungsgrad erreichen. Der Brennkammerdruck ist hoch. Triebwerke dieses Typs haben Brennkammerdr&uuml;cke zwischen 150 bis 270\u202fbar. Dies ist besonders beim Betrieb von Erststufen vorteilhaft, da hier der D&uuml;senm&uuml;ndungsdruck nicht viel unter 1\u202fbar liegen darf. D&uuml;sen mit hohen Entspannungsraten erfordern daher einen hohen Brennkammerdruck. Weiterhin sind durch den hohen Druck die Brennkammern kompakt und die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/triebwerksdaten.shtml\">Triebwerke<\/a> leichter als Konstruktionen nach dem Nebenstromverfahren. Gro&szlig;e Nebenstromtriebwerke erreichen ein Schub\u2011\/Masseverh&auml;ltnis von 80 bis 90, beim Vorbrennerverfahren sind es 120 bis 150.<\/p>\n<p>Durch den hohen Brennkammerdruck wird der Treibstoff gut ausgenutzt. Es gibt kein unverbranntes Gas wie beim Nebenstromverfahren. Dieses Verfahren setzen die meisten modernen russischen Triebwerke ein (praktisch alle gr&ouml;&szlig;eren Triebwerke, die nach 1965 entwickelt wurden). Auch das SSME (Space Shuttle Main Engine) arbeitet nach diesem Verfahren. Die hohen Anforderungen f&uuml;hren dazu, dass die Triebwerke teuer sind.<\/p>\n<p>Russland entwickelte zahlreiche Triebwerke mit gestaffelter Verbrennung, vor allem f&uuml;r die Kombination Kerosin\/Sauerstoff. Das amerikanische BE\u20114 f&uuml;r die Vulcan und das Raptor f&uuml;r das Starship arbeiten ebenfalls nach dieser Technologie. LOX\/Kerosin\u2011 oder NTO\/Hydrazin\u2011Triebwerke verbrennen den Sauerstoff im &Uuml;berschuss, LOX\/LH\u2082\u2011Triebwerke den Wasserstoff, und bei Methan gibt es beide Optionen.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Expander Cycle<img decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium\" src=\"\/img\/staged-ombustion.gif\" width=\"300\" \/><\/h4>\n<p>Beim \u201e<b>Expander\u2011Cycle\u201c-Verfahren<\/b> durchstr&ouml;mt der gesamte Verbrennungstr&auml;ger zuerst die Brennkammerwand zur K&uuml;hlung. Dabei erw&auml;rmt er sich und verdampft. Das Gas treibt die Turbine an. Anwendbar ist das Verfahren nur bei Wasserstoff und Methan, da andere Treibstoffe bei der K&uuml;hlung nicht verdampfen. Methan ist schon grenzg&auml;ngig, weil zwischen Schmelz\u2011 und Verdampfungspunkt 80\u202fK liegen, beim Wasserstoff sind es nur wenige Grad Celsius. Die erzeugte Gasmenge und ihr Druck h&auml;ngen von der aufgenommenen W&auml;rmemenge ab. Deswegen eignet sich dieses Verfahren nur f&uuml;r kleine bis mittelgro&szlig;e Triebwerke bis etwa 300\u202fkN Schub. Dies ist dadurch bedingt, dass die Oberfl&auml;che der Brennkammer quadratisch zum Durchmesser ansteigt, der Schub aber in der dritten Potenz. Weiterhin arbeiten diese Triebwerke oft mit geringen Brennkammerdr&uuml;cken; f&uuml;r hohe Dr&uuml;cke reicht die Gasmenge oft nicht aus.<\/p>\n<p>Erstmals wurde das Expander\u2011Cycle\u2011Verfahren beim RL10, welches die Centaur\u2011Oberstufe antreibt, eingesetzt. Es ist das effizienteste Verfahren f&uuml;r Oberstufen (f&uuml;r Erststufen ist der erreichbare Schub zu gering). Die Wiederz&uuml;ndung ist ebenfalls einfacher als beim Gasgeneratorprinzip. Bei diesem muss zeitlich pr&auml;zise abgestimmt der Gasgenerator in Betrieb genommen und danach die gef&ouml;rderten Gase in der Brennkammer entz&uuml;ndet werden.<\/p>\n<p>Beim Expander\u2011Cycle\u2011Verfahren gen&uuml;gt es, aus einem Hochdrucktank Startgas zu den Turbinen zu leiten, um sie auf niedrige Umdrehungszahlen zu bringen. Damit wird etwas Treibstoff gef&ouml;rdert, der durch die gro&szlig;e Oberfl&auml;che der Brennkammerwand verdampft und eine h&ouml;here Turbinenleistung erm&ouml;glicht, welche wiederum die Treibstoffmenge erh&ouml;ht. Diese Vorgehensweise wird daher als \u201eBootstrap\u2011Cycle\u201c bezeichnet. Au&szlig;erdem ist das Triebwerk durch den fehlenden Gasgenerator einfacher aufgebaut und hat weniger Fehlerquellen.<\/p>\n<p>Interessanterweise hat Russland diese Technologie noch nicht in Serientriebwerken eingesetzt und setzt beim RD\u20110146\u2011Oberstufentriebwerk auf Basis von LH\u2082\/LOX das Staged\u2011Combustion\u2011Verfahren ein. Das derzeit leistungsf&auml;higste Triebwerk mit dem Expander-Zyklus ist das europ&auml;ische Vinci. Es setzt Rekord beim spezifischen Impuls, Schub, Brennkammerdruck und Expansionsverh&auml;ltnis der D&uuml;se.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Elektrische Antriebe<\/h4>\n<p>Nat&uuml;rlich kann auch eine mit elektrischem Strom betriebene Pumpe eingesetzt werden. Solche Pumpen findet man &uuml;berall. Als Plus gilt, dass ein Elektromotor sehr robust und wenig fehleranf&auml;llig ist und einen hohen Wirkungsgrad hat. Als Nachteil erreicht er noch nicht den F&ouml;rderdruck einer Turbopumpe, und vor allem muss der elektrische Strom ja von irgendwo her kommen.<\/p>\n<p>Rechnet man die Verbrennungsenergie der Treibstoffe in Wh\/kg um, so sind dies z.\u202fB. bei LOX\/LH\u2082 4,4\u202fkWh\/kg. Die besten Batterien liefern 0,2\u202fkWh\/kg. Elektromotoren werden bei kleinen Antrieben wie in Satelliten eingesetzt, bei der kleinen Tr&auml;gerrakete <em>Electron<\/em> auch in beiden Stufen, wobei die erste Stufe w&auml;hrend des Flugs einen Teil der Batterien abwirft.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Die Bedeutung des Brennkammerdrucks<\/h4>\n<p>Die Steigerung des Brennkammerdrucks erh&ouml;ht den spezifischen Impuls, also die Ausstr&ouml;mgeschwindigkeit der Gase an der D&uuml;se. Damit verbraucht man weniger Treibstoff, um eine gewisse Nutzlast zu bef&ouml;rdern. Der Effekt wird aber gerne &uuml;bersch&auml;tzt. Hier die theoretischen Daten von FCEA2 f&uuml;r LOX\/LH\u2082, LOX\/LH\u2082\u202f=\u202f6 und einer D&uuml;se mit einem Expansionsverh&auml;ltnis von 200 (also ein Oberstufentriebwerk).<\/p>\n<p>Hinweis: Die FCEA2\u2011Werte sind theoretische Werte, die in der Praxis nicht erreichbar sind, weil jede Maschine einen Wirkungsgrad von kleiner 100\u202f% hat. In den Sechzigern rechnete man f&uuml;r eine Absch&auml;tzung der Ausstr&ouml;mgeschwindigkeit mit 91 bis 93\u202f% des FCEA2\u2011Werts, heute mit 95\u201398\u202f%.<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<thead>\n<tr valign=\"top\">\n<th width=\"14%\">Brennkammerdruck<\/th>\n<th width=\"15%\">10<\/th>\n<th width=\"14%\">20<\/th>\n<th width=\"14%\">40<\/th>\n<th width=\"14%\">80<\/th>\n<th width=\"14%\">160<\/th>\n<th width=\"14%\">320<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"14%\">Spez. Vakuumimpuls<\/td>\n<td width=\"15%\">4666 m\/s<\/td>\n<td width=\"14%\">4672 m\/s<\/td>\n<td width=\"14%\">4678 m\/s<\/td>\n<td width=\"14%\">4683 m\/s<\/td>\n<td width=\"14%\">4687 m\/s<\/td>\n<td width=\"14%\">4691 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"14%\">D&uuml;senm&uuml;ndungsdruck<\/td>\n<td width=\"15%\">0,00277<\/td>\n<td width=\"14%\">0,00541<\/td>\n<td width=\"14%\">0,0106<\/td>\n<td width=\"14%\">0,0207<\/td>\n<td width=\"14%\">0,0408<\/td>\n<td width=\"14%\">0,0806<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Der spezifische Impuls ist kaum gestiegen. Allerdings w&auml;re eine D&uuml;se beim Brennkammerdruck von 10 Bar etwa 32-mal so gro&szlig; wie bei 320 Bar. Bei gleicher D&uuml;sengr&ouml;&szlig;e (angepasstes Expansionsverh&auml;ltnis sieht es anders aus:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<thead>\n<tr valign=\"top\">\n<th width=\"14%\">Brennkammerdruck<\/th>\n<th width=\"15%\">10<\/th>\n<th width=\"14%\">20<\/th>\n<th width=\"14%\">40<\/th>\n<th width=\"14%\">80<\/th>\n<th width=\"14%\">160<\/th>\n<th width=\"14%\">320<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"14%\">Spez. Vakuumimpuls<\/td>\n<td width=\"15%\">3871 m\/s<\/td>\n<td width=\"14%\">4112 m\/s<\/td>\n<td width=\"14%\">4308 m\/s<\/td>\n<td width=\"14%\">4474 m\/s<\/td>\n<td width=\"14%\">4595 m\/s<\/td>\n<td width=\"14%\">4691 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"14%\">Fl&auml;chenverh&auml;ltnis<\/td>\n<td width=\"15%\">6,25<\/td>\n<td width=\"14%\">12,5<\/td>\n<td width=\"14%\">25<\/td>\n<td width=\"14%\">50<\/td>\n<td width=\"14%\">100<\/td>\n<td width=\"14%\">200<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Doch auch hier ist deutlich erkennbar, dass der Anstieg immer kleiner ist: 10\u202fbar mehr von 10 auf 20\u202fbar steigern den Vakuumimpuls um 241\u202fm\/s. 160\u202fbar mehr von 160 auf 320\u202fbar bringen nur 96\u202fm\/s mehr.<\/p>\n<p>Vor allem ist das nur ein Aspekt. Der F&ouml;rderdruck wird ja von einer Turbopumpe erzeugt, und deren Antrieb ist der Treibstoff selbst, bei dem ein immer gr&ouml;&szlig;erer Anteil des Treibstoffs f&uuml;r den Antrieb der Turbine verbrannt wird. Der Leistungsbedarf (P) einer Turbopumpe h&auml;ngt direkt proportional vom F&ouml;rderdruck (Systemdruck\/Brennkammerdruck) und dem Massenstrom ab. Bei gleichem Massenstrom (gleichem Schub) braucht man f&uuml;r 320\u202fbar 32\u2011mal mehr Treibstoff als f&uuml;r 10\u202fbar. Dabei erzeugt eine Turbopumpe typischerweise den doppelten Brennkammerdruck.<\/p>\n<p>Es gibt daher Optima, wo durch den immer langsamer ansteigenden spezifischen Impuls man immer mehr nicht nutzbaren Treibstoff verbrennt und der Gesamtimpuls (mit diesem Anteil) wieder absinkt. (Hinweis: Dieser Anteil ist bei den FCEA2\u2011Werten nicht ber&uuml;cksichtigt.)<\/p>\n<p>F&uuml;r druckgef&ouml;rderte Triebwerke wird als Optimum 10-20\u202fbar genannt, f&uuml;r Nebenstromtriebwerke 70\u2013100\u202fbar, und bei Hauptstromtriebwerken scheint es stark vom Treibstoff abh&auml;ngig zu sein. F&uuml;r LOX\/LH\u2082 werden 220\u202fbar genannt, f&uuml;r LOX\/Kerosin 250 bis 270\u202fbar. F&uuml;r LOX\/LNG habe ich trotz intensiver Suche keine wissenschaftlichen Arbeiten gefunden, nur Web\u2011Aussagen, die nicht verifizierbar sind. Da Methan aber auch nur ein Kohlenwasserstoff ist, w&uuml;rde ich ebenfalls auf diesen Bereich tippen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_18910\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"18910\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Im ersten Teil habe ich den grunds&auml;tzlichen Aufbau eines Triebwerks erl&auml;utert. In diesem Teil geht es um einen zentralen Teil, die Treibstofff&ouml;rderung. Es haben sich verschiedene Verfahren eingeb&uuml;rgert, den Treibstoff zu f&ouml;rdern. Ein Raketentriebwerk verbrennt Treibstoff unter hohem Druck. 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