{"id":18940,"date":"2026-09-10T18:25:10","date_gmt":"2026-09-10T16:25:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=18940"},"modified":"2026-09-10T18:27:52","modified_gmt":"2026-09-10T16:27:52","slug":"raumfahrtgrundlagen-fuer-dummys-feststofftriebwerke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/09\/10\/raumfahrtgrundlagen-fuer-dummys-feststofftriebwerke\/","title":{"rendered":"Raumfahrtgrundlagen f&uuml;r Dummys \u2013 Feststofftriebwerke"},"content":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_18940\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"18940\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Ich habe mich schon eingehend mit <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/08\/29\/raumfahrtgrundlagen-fuer-dummys-aufbau-eines-raketentriebwerks\/\">Fl&uuml;ssigkeitstriebwerken<\/a> besch&auml;ftigt. Da in Feststofftriebwerken etwas anders l&auml;uft, bekommen sie einen eigenen Artikel. Aber zuerst, auch wenn es nicht zur Physik geh&ouml;rt, etwas Geschichte.<\/p>\n<h4 class=\"western\"><strong>Die Entwicklung von Feststofftriebwerken<\/strong><\/h4>\n<p>Feststofftriebwerke waren die ersten Raketen und lange Zeit \u2013 bis vor rund 100\u202fJahren \u2013 auch die einzigen. Die Chinesen setzten sie mit Erfolg im Krieg ein, vor allem gegen nomadische Reiterv&ouml;lker, die immer wieder in ihr Land einfielen (deswegen wurden auch etliche Mauern gebaut). Die Raketen &auml;hnelten sehr den Feuerwerksraketen: Schwarzpulver war der Treibstoff in einer R&ouml;hre, ein Stopfen mit einer Bohrung die D&uuml;se. Ein langer Stab stabilisierte den Flug. Sie wirkten vor allem durch das pfeifende Ger&auml;usch und den Knall bei der Explosion und machten die Pferde scheu.<!--more--><\/p>\n<p>In Europa spielten sie dagegen keine gro&szlig;e Rolle im Krieg. Lediglich gegen&uuml;ber Feinden mit Milizarmeen oder Armeen, die noch keine Feuerwaffen kannten, wurden sie mit Erfolg wegen der demoralisierenden Wirkung eingesetzt \u2013 so in Kolonialkriegen der Briten \u2013 und so zogen sie auch in die Nationalhymne der USA ein. Sowohl bei den Chinesen wie auch bei den Europ&auml;ern war aber der Einsatz bei Feuerwerk beliebt.<\/p>\n<p>Mit dem Aufkommen der mit fl&uuml;ssigen Treibstoffen angetriebenen A\u20114 schien der Einsatz von Feststofftriebwerken besiegelt. Es gab noch einige milit&auml;rische Anwendungen, wie als Startunterst&uuml;tzung f&uuml;r Flugzeuge, die &uuml;berladen waren, oder um einen Hyperschall\u2011Marschflugk&ouml;rper schnell auf die ben&ouml;tigte Geschwindigkeit zu bringen. In beiden F&auml;llen nutzte man aus, dass Feststofftriebwerke im Verh&auml;ltnis zum Gewicht viel Schub erzeugen k&ouml;nnen. Aber sie waren nicht steuerbar. Die UdSSR setzte Katjuschas im Zweiten Weltkrieg ein, trotz geringer Reichweite mit enormer Streuung. Auch sie wirkten vor allem durch das Ger&auml;usch.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/4a79db89632440ae95f32f08b862c02a\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<p>Eine Entwicklung erm&ouml;glichte aber auch den Einsatz bei Tr&auml;gerraketen und milit&auml;rischen Raketen. Es war die Entwicklung der heutigen Treibstoffe auf Basis der drei Komponenten Aluminium (Verbrennungstr&auml;ger), Ammoniumperchlorat (Oxidator) und einem Binder, heute ein Polybutadienderivat. Aus Polybutadien bestehen z.\u202fB. Autoreifen; es hat &auml;hnliche Eigenschaften wie Naturkautschuk.<\/p>\n<p>Vorher mischte man die Treibstoffe. Schwarzpulver besteht z.\u202fB. aus Kaliumnitrat, Kohle und Schwefel. Sp&auml;ter wurden die Mischungen besser, z.\u202fB. wurde Nitrocellulose als Oxidator verwendet und Schwefelpolymere als Verbrennungstr&auml;ger (die Firma Thiokol tr&auml;gt dies sogar noch im Namen). Aber es waren immer noch Mischungen: Man konnte nicht genau festlegen, wie schnell sie abbrannten, und es gab unverbrannte Reste.<\/p>\n<p>Selbst reine Fl&uuml;ssigkeitsraketen haben Feststofftriebwerke, wenn sie nicht durch eine D&uuml;se expandiert werden \u2013 meist nur Feststofftreibs&auml;tze genannt:<\/p>\n<ul>\n<li>Als Stufentrennraketen bringen sie nach Brennschluss die Stufen auf Distanz und verhindern eine Kollision. Bei der Oberstufe sammeln sie auch den Treibstoff und erleichtern so die Z&uuml;ndung.<\/li>\n<li>Treibs&auml;tze k&ouml;nnen Verbindungen zwischen Stufen oder zu Satelliten durchtrennen \u2013 entweder durch die Druckwelle oder bei Satelliten, indem sie ein Messer antreiben, das ein Halteband durchtrennt.<\/li>\n<li>Treibs&auml;tze sind popul&auml;r beim Start von Triebwerken. Sie liefern das Startgas f&uuml;r die Turbine, und die hei&szlig;en Gase entz&uuml;nden auch den eingespritzten Treibstoff im Gasgenerator. Das J\u20112\u2011 und HM\u20117\u2011Triebwerk nutzten diese Startmethode.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Alle drei Anwendungen nutzen aus, dass Feststofftriebwerke sehr kurze Brennzeiten haben k&ouml;nnen. Der Starttreibsatz f&uuml;r das J\u20112 brannte gerade mal eine Sekunde lang. Stufentrennungsraketen haben Brennzeiten von wenigen Sekunden.<\/p>\n<p>Aber schon die ersten US\u2011Tr&auml;gerraketen, Jupiter\u2011C und Vanguard, setzten Feststofftriebwerke als Oberstufe ein. Da der Gesamtimpuls konstant war, mussten die unteren Stufen die letzte, feste Oberstufe auf eine vorgegebene Geschwindigkeit beschleunigen. Die fehlende Steuerbarkeit des Schubvektors glich man aus, indem man sie vor der Abtrennung in eine schnelle Rotation um die L&auml;ngsachse brachte; dieser Drall stabilisierte sie. Die Thor\/Delta setzte &uuml;ber ihre ganze Einsatzgeschichte eine feste Oberstufe als letzte Stufe ein. Das sparte nicht nur Geld \u2013 der einfache Aufbau f&uuml;hrte zu geringen Kosten \u2013, nein, kleine Feststoffoberstufen haben bis heute bessere Voll\u2011\/Leermasseverh&auml;ltnisse als kleine Fl&uuml;ssigkeitsstufen, bei denen die Tanks dann &uuml;berproportional schwer sind.<\/p>\n<p>Schon fr&uuml;h nutzte man leichte glasfaserverst&auml;rkte Kunststoffgeh&auml;use daf&uuml;r, heute den moderneren, aber analog aufgebauten Nachfolger CFK.<\/p>\n<p>Als N&auml;chstes wurden Startbooster eingesetzt. Sie senkten die Gravitationsverluste, und da die erste Stufe parallel brannte, konnte sie die Steuerung &uuml;bernehmen. Sie hatten feste D&uuml;sen und bestanden aus Stahlh&uuml;lsen \u2013 lange H&uuml;lsen kann man einfach aus Stahlrohlingen durch Walzen herstellen, und die h&ouml;here Masse machte bei den Boostern wenig aus.<\/p>\n<p>Die weitere Fortentwicklung geschah dann durch das Milit&auml;r. Das wollte Raketen, die noch schneller startbar waren als die Titan und die kompakt waren \u2013 die Dichte der Treibstoffe liegt bei 1,5 bis 1,9\u202fg\/cm\u00b3. Damit konnte man sie von U\u2011Booten aus starten. Dazu mussten sie aber steuerbar sein. Zuerst geschah dies durch die Injektion von fl&uuml;ssigen Treibstoffen in den Brennkammerhals, die zu einer Schubsteigerung an dieser Stelle f&uuml;hren. Die Booster der Titan\u202f3 arbeiten auch nach dem Prinzip; hier sieht man sogar beim Start den externen Tank neben den Boostern.<\/p>\n<p>Den Brennschluss kann man ausl&ouml;sen, indem man oben im Antrieb L&ouml;cher sprengt. Das austretende Gas f&uuml;hrt zum Verl&ouml;schen des Boosters, denn unterschreitet man einen Mindestdruck, so stoppt der Abbrand. Sp&auml;ter kamen kleine D&uuml;sen hinzu, die fl&uuml;ssige Treibstoffe nutzen.<\/p>\n<p>Inzwischen kann man bei Feststofftriebwerken die D&uuml;se schwenken. Sie ist kardanisch aufgeh&auml;ngt. Fr&uuml;her wurde sie hydraulisch geschwenkt, heute setzt man elektromechanisch betriebene Aktoren ein. Der erste Feststoffantrieb mit dieser Technologie war der Shuttle\u2011SRB.<\/p>\n<h4 class=\"western\"><strong>Aufbau eines Feststoffboosters<\/strong><\/h4>\n<p>Gegen&uuml;ber einem Raketentriebwerk mit fl&uuml;ssigen Treibstoffen ist der Aufbau sehr einfach. Der Treibstoff sitzt im Motorgeh&auml;use, das gleichzeitig \u201e<a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/08\/25\/raumfahrtgrundlagen-fuer-dummys-tanks-1\/\">Treibstofftank<\/a>\u201c und Brennkammer ist. Es muss sehr hohen Dr&uuml;cken standhalten \u2013 bis zu 110\u202fBar werden heute erreicht \u2013 und ist deshalb sehr schwer und massiv. Am Pol sitzt der Z&uuml;nder, ein eigenes Feststofftriebwerk mit extrem kurzer Brennweite, das einen Flammenstrahl bei der Z&uuml;ndung aussendet und so die Oberfl&auml;che entz&uuml;ndet. Dann verbrennt der Treibstoff mit einer weitestgehend konstanten Rate, bis er die H&uuml;lse erreicht. Diese ist meist mit einem Thermalschutz belegt, typischerweise einem &auml;hnlichen synthetischen Kautschuk, der verkohlt und vorher durch seine Elastizit&auml;t Kr&auml;fte verteilt.<\/p>\n<p>Der D&uuml;senhals ist bei einer festen D&uuml;se einfach eine Verengung der Brennkammer, die in einer D&uuml;se ausl&auml;uft. Anders als die Wand ist er dauernd den hei&szlig;en Verbrennungsgasen ausgesetzt; daher wird auf ihm eine dicke Thermalschutzschicht aufgebracht. Das k&ouml;nnen Materialien wie bei Hitzeschutzschilden sein oder Graphit. Im Verh&auml;ltnis zur Gr&ouml;&szlig;e ist die D&uuml;sensektion daher relativ schwer.<\/p>\n<p>Der Schub eines Feststoffantriebs ist nicht konstant. Er h&auml;ngt von Brennkammerdruck, Geometrie des Treibsatzes und Zus&auml;tzen ab. Besonders durch die Geometrie kann man ihn beeinflussen. Die Abbildung zeigt das Schub\u2011Zeit\u2011Diagramm des P120C, der ersten Stufe der Vega und des Boosters der Ariane\u202f6. Der Schub steigt nach dem Start rapide an, so hebt die Rakete schnell ab und wird durch die Geschwindigkeit stabilisiert. Dann sinkt er ab, um beim Durchqueren der Zone mit der maximalen aerodynamischen Belastung die Kr&auml;fte zu reduzieren, um danach wieder anzusteigen. Zum Brennende hin sinkt der Schub dann schnell ab; unterhalb eines bestimmten Mindestdrucks verl&ouml;scht die Flamme. Wie bei fl&uuml;ssigen Treibstoffen gibt es auch bei Feststoffboostern immer unverbrannte Reste.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium\" src=\"\/img\/p130c-p160-thrust.png\" width=\"551\" height=\"298\" \/><\/p>\n<p>Typischerweise wird der Verlauf durch die in der Mitte gelassene &Ouml;ffnung beeinflusst, durch die die Verbrennungsabgase den Booster verlassen. Eine sternf&ouml;rmige Oberfl&auml;che brennt z.\u202fB. schneller ab als ein Kreisring. Beschickt man unterschiedliche Segmente des Boosters mit unterschiedlichen Geometrien, so kann man den Schubverlauf festlegen.<\/p>\n<h4 class=\"western\"><strong>Performancevergleich mit fl&uuml;ssigen Treibstoffen<\/strong><\/h4>\n<p>Der spezifische Impuls eines festen Treibstoffs ist kleiner als bei den meisten fl&uuml;ssigen Treibstoffen. Zum einen liefern die Reaktionen weniger Energie, aber der Hauptgrund ist, dass Aluminium verbrannt wird. Dabei entsteht Aluminiumoxid, ein Mineral mit hohem Schmelzpunkt. Zum Schub tr&auml;gt nur die Gasphase bei; schon kurz nach Passage des D&uuml;senenghalses ist die Temperatur so niedrig, dass Aluminiumoxid als Feststoff ausf&auml;llt. Die enthaltene Energie tr&auml;gt dann nicht mehr zum Schub bei.<\/p>\n<p>Die besten Feststofftriebwerke haben einen spezifischen Impuls von 2.732\u202fm\/s auf Meeresh&ouml;he und 2.903\u202fm\/s im Vakuum, etwa 10\u202f% schlechter als LOX\/RP\u20111.<\/p>\n<p>W&auml;hrend aber der Strukturfaktor von Stufen mit fl&uuml;ssigen Treibstoffen mit sinkender Masse schlechter wird, war es bei Feststoffboostern gerade andersherum. Schon in den Sechzigern erreichten kleine Oberstufen von unter 1.000\u202fkg Masse einen Strukturfaktor von 10 oder besser. Die gro&szlig;en Erststufenbooster hatten durch die ung&uuml;nstige Geometrie (lange, schmale H&uuml;lsen) und Stahl als Material hatten schlechte Strukturfaktoren von 8 oder schlechter. (Gro&szlig;e LOX\/RP\u20111\u2011Stufen erreichten 18 und mehr.) Durch den Einsatz von CFK hat sich dies deutlich gebessert. Beim P120C liegt der Strukturfaktor bei 12,2.<\/p>\n<p>Was relativ einfach ist, im Vergleich zu fl&uuml;ssigen Treibstoffen, ist die Schubsteigerung. Man kann bei einer Rakete die Treibstofftanks verl&auml;ngern, aber das &auml;ndert am Schub des Triebwerks nichts; das setzt solchen Verl&auml;ngerungen eine Grenze, wenn man das Triebwerk nicht in der Leistung steigert. Beim Verl&auml;ngern von Feststofftriebwerken steigt die Abbrandfl&auml;che linear, damit die Abbrandrate und der Schub. Die Brennzeit und der spezifische Impuls bleiben gleich. Ganz besonders einfach geht das bei Boostern, die aus einzelnen Segmenten bestehen. So wurden die Titan\u20113\u2011Booster schrittweise von f&uuml;nf auf sieben Segmente verl&auml;ngert, und die Shuttle\u2011SRB wurden f&uuml;r die SLS von vier auf f&uuml;nf Segmente verl&auml;ngert.<\/p>\n<p>Obwohl CFK als Material viel teurer ist als die bei fl&uuml;ssigen Antrieben verwendeten Metalle und auch der Treibstoff f&uuml;r Feststofftriebwerke sehr teuer in der Herstellung ist, macht der einfache Aufbau Feststoffraketen pro Masseneinheit deutlich g&uuml;nstiger als fl&uuml;ssige Stufen. Bei der Ariane\u202f6 wiegen zwei Booster etwa 310\u202ft, die restliche Rakete rund 200\u202ft; von den Kosten machen sie aber nur ein Drittel aus.<\/p>\n<p>Der schlechte spezifische Impuls wird durch geringere Gravitationsverluste ausgeglichen. Die Brennzeiten aller Feststofftriebwerke sind kurz verglichen mit fl&uuml;ssigen Treibstoffen. Der Rekord liegt bei 144\u202fSekunden. So liegt das Schub\/Gewichts\u2011Verh&auml;ltnis oft bei 2\u202fzu\u202f1, bei Oberstufen noch h&ouml;her. Der hohe Schub reduziert die Gravitationsverluste. Allerdings kann bei reinen Feststofftriebwerken die Brennzeit dann schon so klein sein, dass man eine Freiflugphase einschieben muss, sonst w&uuml;rde man keinen Orbit erreichen. Das ist energetisch ung&uuml;nstig.<\/p>\n<p>Eine reine Feststoffrakete kann Aufstiegsverluste von <strong>1.200\u202fm\/s<\/strong> aufweisen. Typisch f&uuml;r mittelenergetische fl&uuml;ssige Treibstoffe sind <strong>1.600\u202fm\/s<\/strong>, und bei LOX\/LH\u2082 sind wegen der langen Brennzeit <strong>2.000\u202fm\/s und mehr<\/strong> &uuml;blich.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Hybride Treibstoffe.<\/h4>\n<p>Kombiniert man ein Feststofftriebwerk mit einem Drucktank am Ende, so erh&auml;lt man hybride Treibstoffe. Der Treibstoff im Feststoffteil ist meist ein Kunststoff, g&auml;ngig z.\u202fB. Polyethylen (daraus bestehen die Tragetaschen im Supermarkt). Der fl&uuml;ssige Oxidator ist meist LOX. Ein Ventil mit Injektor entl&auml;sst das LOX; es entz&uuml;ndet das Polyethylen, das dann wie bei einem Feststofftriebwerk verbrennt. Anders als Feststofftriebwerke kann man einen gezielten Brennschluss ausl&ouml;sen (Ventil schlie&szlig;en) oder wiederz&uuml;nden (Ventil erneut &ouml;ffnen). Theoretisch sollte man so auch die spezifischen Impulse von LOX\/RP\u20111 erreichen, Polyethylen ist schlie&szlig;lich auch nur ein Kohlenwasserstoff.<\/p>\n<p>In der Praxis gibt es allerdings deutliche Einschr&auml;nkungen. Da durch den Abbrand die Oberfl&auml;che immer weiter vom Injektor entfernt ist, ist es schwer, den gesamten Treibstoff zu verbrennen, und die Verbrennung ist unregelm&auml;&szlig;ig. Es gibt starke Schubschwankungen und damit starke Vibrationen. Zudem ergeben Versuche, dass man deutlich weniger der theoretischen Performance (combustion efficency) erreicht. Maximal 80\u201390\u202f% wurden erreicht, einige Publikationen sprachen sogar von Werten bis hinab zu 50\u202f%. Zum Vergleich: Schon in den Sechzigern wurden &uuml;ber 90\u202f% bei fl&uuml;ssigen Treibstoffen erreicht, heute liegen die Spitzenwerte bei 95\u201399\u202f%.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_18940\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"18940\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Ich habe mich schon eingehend mit Fl&uuml;ssigkeitstriebwerken besch&auml;ftigt. 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