{"id":1919,"date":"2009-10-27T13:22:36","date_gmt":"2009-10-27T12:22:36","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=1919"},"modified":"2009-10-27T23:33:36","modified_gmt":"2009-10-27T22:33:36","slug":"schimmel-auf-dem-essen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2009\/10\/27\/schimmel-auf-dem-essen\/","title":{"rendered":"Schimmel auf dem Essen"},"content":{"rendered":"<p>Gestern bekam ich eine Frage zu Schimmel auf dem Essen und ob man dieses dann noch essen sollte. Eine gute Gelegenheit dieses im Blog aufzugreifen.<\/p>\n<p>Zuallererst: Es gibt nicht <strong>den<\/strong> Schimmel auf dem Essen und es m&uuml;ssen auch nicht immer Schimmel sein, sondern k&ouml;nnen andere Pilzarten wie Hefen sein. Schimmelpilze sind allerdings auf Eiwei&szlig; und kohlenhydratreichen Lebensmitteln wie Brot und K&auml;se die h&auml;ufigsten Pilze. Trotzdem sind alleine von der Gattung Asperigillus, einer h&auml;ufigen Pilzart auf Lebensmitteln &uuml;ber 150 Arten bekannt.<\/p>\n<p>Pilze sind ein weitaus gr&ouml;&szlig;eres Problem f&uuml;r die Lebensmittelkonservierung, da sie viel toleranter bei den Umgebungsbedingungen als Bakterien sind. Bakterien vermehren sich zwar unter optimalen Bedingungen schneller und viele ver&auml;ndern das Aussehen des Lebensmittels kaum (au&szlig;er sie f&uuml;hren zu Ausf&auml;llungen oder Farbver&auml;nderungen durch ausgeschiedene S&auml;uren) aber sie sind auch anspruchsvoll: Bakterien wachsen nicht bei niedrigem p.H (zu saure S&auml;fte, Essig). Sie brauchen wasserreiche Lebensmittel und befallen kaum Lebensmittel mit geringem Wassergehalt und sie vermehren sich kaum noch bei K&uuml;hlschranktemperaturen.<\/p>\n<p>Das Ales trifft auf Pilze nicht zu. Pilze sind in dieser Hinsicht echte &Uuml;berlebensk&uuml;nstler. Pilze wachsen noch in reinem Essig (sehr sauer), auf Lebensmitteln mit fast keinem freien Wasser (K&auml;se, Marmelade) und sie gedeihen auch bei K&uuml;hlschranktemperaturen pr&auml;chtig. (Erst ab 0 Grad h&ouml;rt das Wachstum auf). Daher sind sie bei der Konservierung ein gr&ouml;&szlig;eres Problem als Bakterien. Die meisten Pilze ben&ouml;tigen aber Sauerstoff zum wachsen, doch nicht alle. Hefen z.B. nicht.<!--more--><\/p>\n<p>Die Gefahr von Pilzen geht davon aus, dass viele Arten Gifte produzieren und einige davon sind krebserregend. Bakterielle Vergiftungen sind dagegen heute selten geworden, weil zum einen die Hygiene viel besser ist und auch viele Lebensmittel die befallen sind dann ihren Geschmack oder Aussehen ver&auml;ndern. Dagegen kann ein Pilz in Bereiche des Lebensmittels vorgedrungen sein und dort sein Gift abgegeben haben, ohne dass es sich schon geschmacklich ver&auml;ndert hat.<\/p>\n<p>Wie kommt Schimmel auf ein Lebensmittel? Nun einfach durch die Luft. Alle Pilze bilden Sporen &#8211; vermehrungsf&auml;hige Zellen in einer dicken, sehr widerstandsf&auml;higen H&uuml;lle, praktisch eine schlafende Dauerform des Pilzes die sehr widrigen Umweltbedingungen trotzen kann und auch sehr lange noch vermehrungsf&auml;hig bleibt. So wurden eine Reihe von Todesf&auml;llen nach Grab&ouml;ffnungen mit Schimmelpilzen in Verbindung gebracht: Die Sporen bildeten sich reichlich als die Leichname \/ Grabbbeigaben verwesten und &uuml;berdauerten Jahrhunderte um dann von den Ausgr&auml;bern eingeatmet werden. Zumindest der Tod mehrerer Arch&auml;ologen, die eine polnische Gruft Anfang der siebziger Jahre &ouml;ffneten, konnte einwandfrei auf eine Infektion durch Aspergillus Flavius, einen der giftigsten Schimmelpilze zur&uuml;ckgef&uuml;hrt werden. Seitdem tragen die meisten Ausgr&auml;ber einen Mundschutz, wenn sie es mit noch unge&ouml;ffneten Gr&auml;bern oder Mumien zu tun haben &#8211; nicht zum Schutz der Mumien, sondern als Selbstschutz.<\/p>\n<p>Die zweite Gefahr die von Pilzen ausgeht ist dass viele Pilzgifte nicht nur giftig sind, sondern auch krebserregend. Als Paradebeispiel gilt auch hier das Aflatoxin, das von Aspergillus Flavius gebildet wird. W&auml;hrend das Gift nur gef&auml;hrlich ist, wenn die Menge ausreicht, um im Bereich der letalen Dosis zu kommen, reicht es bei der krebserregenden Wirkung, dass man geringe Mengen immer wieder aufnimmt um Leber- oder Magenkrebs zu bekommen. Das Aflatoxin gilt als eines der potentesten krebserregenden Stoffe. Im Tierversuch reichte eine Tagesdosis von 10-15 ?g\/kg K&ouml;rpergewicht um Tumore zu verursachen. Von dem sehr bekannten Dimethylnitrosamin einem sehr potenten krebserregenden Stoff, der die DNA alkyliert) ben&ouml;tigt man dagegen 730 ?g\/kg K&ouml;rpergewicht.<\/p>\n<h3>Wie kommen nun Pilze auf das Lebensmittel?<\/h3>\n<p>In erster Linie durch die Luft. Die Sporen sind nur 1-3 ?m gro&szlig;, viel kleiner als ein menschliches Haar (100-120 mm). Sie werden von der Oberfl&auml;che durch einen Lufthauch weggenommen und sind dann in der Luft, wovon sie dann auf Lebensmittel gelangen. Die Arch&auml;ologen starben, weil sie die Sporen in gro&szlig;en Mengen einatmeten und einige in der Lunge auskeimten. Daher ist die Wahrscheinlichkeit gro&szlig;, dass sie beim ersten &Ouml;ffnen der T&uuml;te schon Sporen auf ihr Brot bringen. Wahrscheinlich sind schon welche dort &#8211; denn auch in der B&auml;ckerei werden die Brote ja nicht unter Vakuum verpackt. So findet man nicht selten verschimmeltes, unge&ouml;ffnetes, Schnittbrot. Im K&uuml;hlschrank wird gerne K&auml;se und Wurst befallen. Auch hier gilt: Der beste Schutz ist eine luftdichte Verpackung. (verschlossene Plastikdose z.B.) Die n&uuml;tzt wie bei Brot aber nur solange etwas, solange keine Infektion erfolgte. Ist diese einmal erfolgt, so ist das feuchte Klima in einer Dose eher kontrapoduktiv, daher sollte man das Brot auch aus einer Plastikt&uuml;te herausnehmen. Die von kleinen B&auml;ckereien genutzten Papiert&uuml;ten sind hier wesentlich besser, da sie luftdurchl&auml;ssig sind.<\/p>\n<h3>Was tun wenn man Schimmel sieht?<\/h3>\n<p>Man kann es auf einen Punkt bringen: Das Lebensmittel komplett entsorgen. Auch wenn es andere Ratschl&auml;ge gibt, die teilweise Verwendung noch vorsehen, rate ich zu diesem aus folgendem Grund:<\/p>\n<ul>\n<li>Man kann es sich leisten einige Cent oder Euro zu verschmerzen, weil Lebensmittel sehr billig geworden ist. Die Gesundheit ist ein viel h&ouml;heres Gut<\/li>\n<li>Es m&ouml;gen Mikrobiologen unsch&auml;dliche von giftigen Arten unterscheiden k&ouml;nnen, der Laie kann es nicht<\/li>\n<li>Wenn sie einen Schimmel an der Oberfl&auml;che sehen, dann sehen sie seinen Fruchtk&ouml;rper, sein Vermehrungsorgan. Der Hauptteil des Pilzes ist jedoch ein Mycel, ein Geflecht aus tausenden feiner F&auml;den die das ganze Lebensmittel durchziehen k&ouml;nnen. Das k&ouml;nnen sie nicht sehen und solange es nicht massiv das Lebensmittel durchwuchert hat &auml;u&szlig;ert es sich auch nicht in einer geschmacklichen oder geruchlichen Ver&auml;nderung.<\/li>\n<li>Ohne diese Information wo das Mycel aufh&ouml;rt kann man auch nicht sagen, welche Brotscheiben noch in Ordnung sind,oder wie viel man vom K&auml;se verwerfen sollte. Es ist zwar richtig, das Pilze durch den relativ festen K&auml;se nur viel langsamer ein Mycel treiben k&ouml;nnen. Aber wo ist da die Grenze? 1 cm, 2 cm? 5 cm? Wollen sie ihre Gesundheit darauf setzen?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es gibt nur eine Ausnahme: Das ist Marmelade oder Gelee oder andere stark zuckerreiche Lebensmittel. Auf diesen k&ouml;nnen sich nur bestimmte Hefen vermehren, die keine Giftstoffe bilden. Bei diesen reicht es dann wirklich die oberste Schicht zu entfernen. Allerdings schmeckt meiner Erfahrung nach die Konfit&uuml;re dann alkoholisch und ist auch so nicht mehr genie&szlig;bar.<\/p>\n<p>Der Aspergillus Flavius, als der am gef&auml;hrlichsten eingestufte Pilz, kommt sehr h&auml;ufig auf kohlenhydratreichen Lebensmitteln vor, mag allerdings auch Eiwei&szlig;- und fettreichen Lebensmitteln. Besonders h&auml;ufig findet man ihn auf Brot und N&uuml;ssen.<\/p>\n<h3>Vorbeugung?<\/h3>\n<p>Am h&auml;ufigsten ist das Problem heute sicher bei Brot und K&auml;se gegeben obwohl nat&uuml;rlich auch andere Lebensmittel befallen werden k&ouml;nnen. Ungeschnittenes Brot ist relativ sicher, weil der Pilz nur durch die Schnittfl&auml;che einwachsen kann und die dauernd erneuert wird. Kritisch ist Schnittbrot. Wenn man es luftig lagert, so kann der Pilz zwar langsamer wachsen, aber man will es bald nicht mehr essen, weil es zu ausgetrocknet ist. Ich pers&ouml;nlich friere daher Schnittbrot ein, so dass eine Portion in 1-2 Tagen aufgebraucht ist. Das ist der wirksamste Schutz: Es gar nicht erst alt werden zu lassen.<\/p>\n<p>K&auml;se sollte man, wenn die Verpackung ge&ouml;ffnet ist, aus der Plastikverpackung entnehmen und in einem abgeschlossenen Gef&auml;&szlig; aufbewahren. Dieses nat&uuml;rlich auch nach Entnahme wieder verschlie&szlig;en und nicht lange offen rumstehen lassen und wenn der K&auml;se verbraucht ist auch reinigen.<\/p>\n<p>Sofern ein Lebensmittel geschmacklich ver&auml;ndert ist, oder &#8222;muffig&#8220; riecht, w&uuml;rde ich es sofort entsorgen.<\/p>\n<p>Es gibt auf meiner Webseite einen Aufsatz &uuml;ber <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/lebensmitelvergiftungen.shtml\"> mikrobielle Gifte<\/a>, dort finden sie unter &#8222;Pilze und Pilzgifte&#8220; auch die wichtigsten Gift die durch Pilze auf Nahrungsmittel gelangen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern bekam ich eine Frage zu Schimmel auf dem Essen und ob man dieses dann noch essen sollte. Eine gute Gelegenheit dieses im Blog aufzugreifen. Zuallererst: Es gibt nicht den Schimmel auf dem Essen und es m&uuml;ssen auch nicht immer Schimmel sein, sondern k&ouml;nnen andere Pilzarten wie Hefen sein. 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