{"id":1937,"date":"2009-10-30T02:51:12","date_gmt":"2009-10-30T01:51:12","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=1937"},"modified":"2009-11-12T16:01:22","modified_gmt":"2009-11-12T15:01:22","slug":"margarine-oder-butter-was-ist-gesuender","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2009\/10\/30\/margarine-oder-butter-was-ist-gesuender\/","title":{"rendered":"Margarine oder Butter &#8211; Was ist ges&uuml;nder?"},"content":{"rendered":"<p>Heute der letzte Beitrag in der einer kleinen Blogreihe &uuml;ber Ern&auml;hrung. Morgen gibt es dann einen &uuml;ber Computer. Am Sonntag wird dann Thomas den vierten Teil seiner Serie &uuml;ber ein vern&uuml;nftiges Mondprogramm vorstellen, das dann &uuml;ber meine Urlaubswoche online bleiben wird.<\/p>\n<h2>Einleitung<\/h2>\n<p>Seit f&uuml;nfzig Jahren tobt eine Auseinandersetzung zwischen der Milchindustrie und Margarineindustrie. Beide Seiten preisen ihr Produkt als das ern&auml;hrungsphysiologisch bessere und das andere als das schlechtere. Zeit einmal dies genauer unter die Lupe zu nehmen. Was au&szlig;en vor bleiben muss, sind Geschmacksvorlieben &#8211; der eine mag lieber Butter und der andere lieber Margarine.<\/p>\n<h2>Zusammensetzung von Butter und Margarine<\/h2>\n<p>Butter ist eine Wasser in Fett Emulsion aus etwa 80-82 % Fett, 0,5-2 % Eiwei&szlig;, Mineralstoffe und 14-16 % Wasser. Das Fett der Butter ist ern&auml;hrungsphysiologisch nicht besonders wertvoll, denn es enth&auml;lt kaum essentielle Fetts&auml;uren, daf&uuml;r zahlreiche kurz- und mittelkettige Fetts&auml;uren. (ein kleiner Anteil dieser, in freier Form, ist auch wichtig f&uuml;r das Aroma). Auch enth&auml;lt es nur geringe Mengen an Vitamin E. Daf&uuml;r enthalten 100 g Butter rund 240 mg Cholesterin, also in etwa die Menge, die man nach verschiedenen Empfehlungen maximal t&auml;glich zu sich nehmen soll.<\/p>\n<p>Die Zusammensetzung von Butter ist also ern&auml;hrungsphysiologisch nicht besonders g&uuml;nstig. Daher sollte die Margarine mit Leichtigkeit besser abschneiden. Margarine entstand als Butterersatzprodukt noch zu Zeiten von Napoleon Bonaparte. Gew&uuml;nscht war insbesondere die F&auml;higkeit auch bei tiefen Temperaturen leicht streichbar zu sein. Das ist auch ein Hauptvorteil von Margarine. Sie galt lange zeit als minderwertiger Ersatz f&uuml;r Butter und musste so z.B. mit St&auml;rke versetzt werden, damit man diese leicht durch die Iod-St&auml;rkereaktion nachweisen kann.<!--more--><\/p>\n<p>Die Technologie hat sich im Detail ge&auml;ndert, doch bestimmte Dinge sind gleich geblieben. Es ist eine Wasser-in-Fettemulsion wie bei Butter. Die Emulsion wird bei Butter durch das Milcheiwei&szlig; stabilisiert. Bei Margarine sind es zugesetzte Emulgatoren, fr&uuml;her Lecithin heute auch Mono- und Diglyceride. Die Fettbehandlung werde ich noch weiter unten vertiefen. Die pflanzlichen Fette sind im allgemeinen farblos, so wie Kokosfett, oder nur schwach gef&auml;rbt wie Frittierfett. Daher wird zur F&auml;rbung noch Beta-Carotin, eine Vorstufe des Vitamins A zugesetzt oder Vitamin-A selbst.<\/p>\n<p>In jedem Falle enth&auml;lt Margarine kein Cholesterin, da dieses nur in tierischem Fett vorkommt und nicht in pflanzlichen Fetten. Als Begleitstoffe kann, je nach Herkunft des Fetts k&ouml;nnen aber pflanzliche Sterine enthalten sein, die anders als das Cholesterin nicht das Risiko von Arteriosklerose erh&ouml;hen, sondern eher senken, da sie einen negativen Einfluss auf den Blutcholesterinspiegelhaben. Bei den meisten verwandten Fetten ist der Gehalt an diesen Phytosterinen allerdings nicht sehr hoch. &Uuml;blich ist auch das Vitaminisieren von Margarine mit Vitamin A und D, Vitamin E ist meistens nat&uuml;rlicherweise als Begleitstoff der &Ouml;le enthalten.<\/p>\n<p>Die Herstellung hat sich seit der Erfindung der Margarine vor rund 200 Jahren gravierend ver&auml;ndert. Zuerst war Margarine nur ein Gemisch von &Ouml;len mit Wasser und einem Emulgator. Sp&auml;ter wurden zur Herstellung hydrierte Pflanzen&ouml;le verwendet, da so der Bereich in dem die Margarine streichf&auml;hig ist gr&ouml;&szlig;er ist. Unter dem Hydrieren versteht man die Anlagerung von Wasserstoff mittels einem Katalysator an Doppelbindungen. Diese verursachen einen Knick in dem sonst linearen Fetts&auml;uremolek&uuml;l. Durch diesen &#8222;Knick&#8220; braucht das Molek&uuml;l mehr Platz und dadurch ist der Schmelzpunkt niedriger. Je weniger Doppelbindungen im Fett vorhanden sind, das hei&szlig;t je weniger unges&auml;ttigte Fetts&auml;uren, desto h&ouml;her ist der Schmelzpunkt, aber auch um so weniger wertvoll ist das Fett. (Genauer gesagt sind nur die mehrfach unges&auml;ttigten Fetts&auml;uren wichtig). Aus den mehrfach unges&auml;ttigten Fetts&auml;uren bildet der K&ouml;rper eine Reihe von Hormonen.<\/p>\n<p>Das meist verwendete Palmkern&ouml;l und Kokosfett enth&auml;lt nicht viel mehrfach unges&auml;ttigte Fetts&auml;uren und durch die Hydrierung sind es noch weniger. Daher schnitt unter diesem Aspekt Margarine lange Zeit nicht viel besser als Butter da. Was blieb war ein h&ouml;herer Vitamin E Gehalt. Der Vitamin A Gehalt entsprach lange Zeit dem von Butter, da es nicht erlaubt war mehr Vitamine zuzusetzen als in Butter nat&uuml;rlicherweise vorhanden sind.<\/p>\n<p>Die Butterindustrie hatte aber noch andere Argumente gegen Margarine. Bei der Herstellung von Margarine entstehen Fetts&auml;uren die so nur selten in der Natur vorkommen. Bei einer Doppelbindung gibt es zwei r&auml;umliche M&ouml;glichkeiten wie die beiden Enden von der Doppelbindung angeordnet sind &#8211; auf einer Seite (cis) oder auf gegen&uuml;berliegenden Seiten (trans). In der Natur kommt fast vorwiegend die cis-Konfiguration vor. Bei der Hydrierung von Fett kommt es nicht nur zum Verlust von Doppelbindungen, sondern ein Teil dieser verwandelt sich auch von der cis in die trans Konfiguration. Diese ist energetisch g&uuml;nstiger. Fr&uuml;her betrug der Anteil zwischen 10-40 % der Fettmenge. Ihre Bedeutung war lange Zeit umstritten. Obwohl F&uuml;tterungsversuche an Ratten zeigten, dass sie genauso wie cis-Fetts&auml;uren abgebaut wurden, war die Industrie schon fr&uuml;her bestrebt den Anteil durch selektivere, aber teurere Katalysatoren zu senken.<\/p>\n<p>Sp&auml;ter entdeckte man, dass Trans-Fetts&auml;uren den Gehalt an LDL Lipoproteiden steigern, da sie mit ihnen transportiert werden. Seitdem gelten sie als &#8222;schlecht&#8220; weil diese LDL Proteine wiederum als Risikofaktor und Mitverursacher von koronaren Herzkrankheiten gelten. Seitdem ist die Industrie besonders bestrebt den Gehalt an trans-Fetts&auml;uren zu senken, wobei bei dem Vergleich hier nat&uuml;rlich ber&uuml;cksichtigt werden muss, dass Milchfett ein Fett ist das nat&uuml;rlicherweise trans Fetts&auml;uren enth&auml;lt. Durch Bakterien werden diese im Verdauungsapparat von Wiederk&auml;uern gebildet. Etwa 3-6 % des Milchfettes besteht aus Trans-Fetts&auml;uren. Sie widersprechen aber dem Image, das Margarine &#8222;ges&uuml;nder&#8220; als Butter ist.<\/p>\n<p>So wurden von 1995 beginnend bis 2007 die Anteile an Trans-Fetts&auml;uren reduziert. Heute gibt es nur noch 1-2 % trans-Fetts&auml;uren in der Margarine. Erreicht wurde dies indem das gesamte Fett geh&auml;rtet wurde (keine unges&auml;ttigten Fetts&auml;uren) und dieses dann mit ungeh&auml;rtetem Fett gemischt oder besser umgeestert wird. Das ist die letzte Neuerung. W&auml;hrend man bei der Mischung eines festen Fetts (Palmkernfett) mit einem fl&uuml;ssigem Fett zwar streichf&auml;hige Margarine erh&auml;lt, aber der Bereich in dem sie streichf&auml;hig ist, kann erh&ouml;ht werden, wenn man Fetts&auml;uren zwischen den Molek&uuml;len austauscht &#8211; Dies bezeichnet man als Umestern. Unges&auml;ttigte Fetts&auml;uren aus dem Palmkern&ouml;l wandern in das Sonnenblumen&ouml;l und umgekehrt. Es wird eine Mischung erhalten in der alle Molek&uuml;le ges&auml;ttigte und unges&auml;ttigte Fetts&auml;uren enthalten. Durch die gleichm&auml;&szlig;ige Struktur ist es schwerer f&uuml;r einen Teil bei h&ouml;heren Temperaturen fl&uuml;ssig zu werden und bei tiefen Temperaturen ist die Mischung trotzdem noch streichf&auml;hig, da Fette mit vielen unges&auml;ttigten Fetts&auml;uren niedrige Schmelzpunkte aufweisen.<\/p>\n<p>N&ouml;tig ist dies auch bei Margarine, die aus einem bestimmten &Ouml;l besteht und damit beworben wird. &#8222;Sonnenblumenmargarine&#8220; muss z.B. aus 97 % Sonnenblumen&ouml;l bestehen. (Entsprechendes gilt auch f&uuml;r andere Margarinesorten bei denen die &Ouml;lsorte ausgelobt wird). So ist Sonnenblumen&ouml;l aber fl&uuml;ssig und die Margarine wird erzeugt indem man durchgeh&auml;rtetes Sonnenblumen&ouml;l mit unver&auml;ndertem mischt und gegebenenfalls umestert. So weist heute Margarine nach einer DGE Untersuchung nur noch 1-2 % Trans-Fetts&auml;uren auf, also weniger als Butter (3-5 %). Di&auml;tmargarine darf keine Trans-Fetts&auml;uren enthalten. Verschiedene europ&auml;ische L&auml;nder haben eine Regelung, dass maximal 2 % trans-Fetts&auml;uren enthalten sein d&uuml;rfen. Durch diese Technik ist es heute m&ouml;glich Margarine mit einem hohen Anteil an unges&auml;ttigten Fetts&auml;uren herzustellen, z.B. aus Sonnenblumen&ouml;l &#8211; Von den 64 % mehrfach unges&auml;ttigten Fetts&auml;uren sind in der Margarine noch 40 % enthalten. Butter dagegen enth&auml;lt nur 4 % mehrfach unges&auml;ttigte Fetts&auml;uren.<\/p>\n<p>Daf&uuml;r ger&auml;t nun das Cholesterin in der Butter in die Schusslinie. Aber auch hier ist die Welt nicht Schwarz\/Wei&szlig;. Neben der allgemeinen Diskussion, wie gef&auml;hrlich <a href=\"cholesterin.shtml\">Cholesterin<\/a> f&uuml;r den &#8222;normalen&#8220; Menschen ist, also ohne koronale Herzerkrankung, gibt es auch die Beobachtung, dass die vielen kurz- und mittelkettigen Fetts&auml;uren den Cholesterinspiegel weitaus weniger stark ansteigen lassen als wie erwartet. Cholesterin wird in Lipoproteinen transportiert, die reich an langkettigen unges&auml;ttigten Fetts&auml;uren sind. Fehlen diese im Fett, so scheint dies nicht in dem Ma&szlig;e zu gehen wie bei anderen tierischen Fetten. Dazu kommt, dass der Gehalt gemessen an der Verzehrsmenge nicht so hoch ist &#8211; schlie&szlig;lich isst man nicht 100 g Butter pro Tag. Gemessen an der Verzehrsmenge nehmen die meisten relativ wenig Cholesterin &uuml;ber Butter auf &#8211; zumindest solange man nicht zum Kochen die Mengen verwendet wie Lafer, Lichter &amp; Co. (&#8222;Erst schneiden wir das letzte St&uuml;ckchen Fett vom Filet weg und dann braten wir es in einem halben Pfund Butter an&#8230;.&#8220;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Margarine kann heute ern&auml;hrungsphysiologisch wertvoll hergestellt werden &#8211; Vitaminisierung ist erlaubt und wird auch allenthalben durchgef&uuml;hrt, bei Verwendung von ungeh&auml;rteten &Ouml;len mit durchgeh&auml;rteten &Ouml;len kann auch ein sehr hoher Gehalt an unges&auml;ttigten Fetts&auml;uren resultieren. Dazu kommt der praktische Vorteil, dass Margarine auch frisch vom K&uuml;hlschrank streichf&auml;hig ist und dies auch bei h&ouml;heren Temperaturen bleibt.<\/p>\n<p>Allerdings ist die Butter auch nicht so ern&auml;hrungsphysiologisch ung&uuml;nstig, wie dies ihr unterstellt wird. Sie enth&auml;lt kaum unges&auml;ttigte Fetts&auml;uren. Aber der Cholesteringehalt ist m&auml;&szlig;ig hoch und er schl&auml;gt nicht so sehr auf den Cholesterinspiegel durch, weil die Fetts&auml;urezusammensetzung recht g&uuml;nstig ist.<\/p>\n<p>Solange jemand aber nicht nur Butter oder Margarine als einziges Fett benutzt, spielt das alles aber keine Rolle, weil die Menge einfach zu gering ist und es sollte der pers&ouml;nliche Geschmack entscheiden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute der letzte Beitrag in der einer kleinen Blogreihe &uuml;ber Ern&auml;hrung. Morgen gibt es dann einen &uuml;ber Computer. Am Sonntag wird dann Thomas den vierten Teil seiner Serie &uuml;ber ein vern&uuml;nftiges Mondprogramm vorstellen, das dann &uuml;ber meine Urlaubswoche online bleiben wird. Einleitung Seit f&uuml;nfzig Jahren tobt eine Auseinandersetzung zwischen der Milchindustrie und Margarineindustrie. 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