{"id":1971,"date":"2009-11-18T16:35:30","date_gmt":"2009-11-18T15:35:30","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=1971"},"modified":"2009-11-18T16:35:30","modified_gmt":"2009-11-18T15:35:30","slug":"warum-raumsonden-eine-aktive-steuerung-brauchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2009\/11\/18\/warum-raumsonden-eine-aktive-steuerung-brauchen\/","title":{"rendered":"Warum Raumsonden eine aktive Steuerung brauchen"},"content":{"rendered":"<p>So w&auml;hrend der Upload des Buchblocks f&uuml;r Buch Nummer Sechs &#8211; und damit das letzte in diesem Jahr lauft ein neuer Blog. Etwas Reklame daf&uuml;r gibt es dann wenn es in 1-2 Wochen lieferbar ist an dieser Stelle. Nachdem meine Kurzweilligen Blogs wohl keinen interessieren oder meine Blogleser Angst vor ihren Frauen haben und keinen Kommentar hinterlassen wollen, heute wieder einen tiefsch&uuml;rfenden Blogeintrag aus der Rubrik &#8222;Bernd erkl&auml;rt die Raumfahrt&#8220;. Satelliten kommen ja im Extremfall ohne Steuertriebwerke aus. F&uuml;r viele reicht es die r&auml;umliche Lage zu &auml;ndern. Das geht auch mit anderen Ma&szlig;nahmen wie Drallr&auml;dern oder der Ausrichtung nach dem Magnetfeld mit metallenen und unter Spannung gesetzten Auslegern.<\/p>\n<p>Kann man auch Raumsonden ohne Steuerungsm&ouml;glichkeiten bauen? Nun die ersten hatte keine, doch dazu sp&auml;ter mehr. Fangen wir an mit einem ersten Beispiel. Wir schicken eine Raumsonde zum Mond. Nun gibt es erst mal Fehler beim Einschuss. Eine Stufe berechnet zwar die Bahn laufend neu, aber zwischen zwei Berechnungen beschleunigt sie weiter. Bei 10-20 Bestimmungen pro Sekunde und 0,5 &#8211; 2 g Beschleunigung resultiert ein Fehler von rund 1 m\/s. Je langsamer die Stufe beschleunigt desto kleiner ist der Fehler. Bei der letzten Ariane 5 Mission waren es z.B. nur 0,3 m\/s.<!--more--><\/p>\n<p>Ziel soll der Mond sein, der nach 3 Tagen erreicht wird. Ein Raumschiff wird bestrebt sein, sich dem Mond recht nahe zu n&auml;hern ohne ihn zu rammen, da dann der Geschwindigkeitsbedarf minimal wird. Steht die Brenndauer fest, so kann eine falsche Distanz nicht nur dazu f&uuml;hren dass eine unplanm&auml;&szlig;ige Bahn erreicht wird, sondern dass die Treibstoffvorr&auml;te gar nicht ausreichen.<\/p>\n<p>Machen wir erst mal eine Lieschen-M&uuml;ller Rechnung: Es soll keine Orbitalgesetzte geben und eine Abweichung von 1 m\/s zur Seite soll vorhanden sein. Dann w&uuml;rde die Raumsonde in jeder Sekunde sich um 3,6 km (3600 s * 1 m\/s) von der idealen Position entfernen. Nach 3 Tagen wird so eine Abweichung von 259,2 km erreicht. Apollo n&auml;herte sich bis auf 110 km dem Mond &#8211; Im Extremfall w&auml;re ohne Kurskorrektur w&auml;re sie also auf dem Mond aufgeschlagen.<\/p>\n<p>Nun gelten aber die Orbitalgesetze und eine andere Geschwindigkeit bedeutet dann auch einen anderen Orbit. W&auml;re der ideale Orbit z.B. einer von 200 x 385.000 km Bahn, so bedeuten z.B. 1 m\/s in der Geschwindigkeit einen neuen Orbit von 389.500 km Erdferne, also fast 5000 km mehr. Die Raumsonde braucht? 4 d 11 h 59 m 46 s um an die Position zu kommen und erreicht sie mit einer Geschwindigkeit von 236,8 m\/s. Beim urspr&uuml;nglichen Orbit w&auml;ren es 5 d 2 h 42 m 4 s gewesen und 184 m\/s. Die Sonde kommt also rund 14 Stunden zu fr&uuml;h an mit rund 50 m\/s zu hoher Geschwindigkeit. Auch r&auml;umlich w&auml;re durch die andere Form der Ellipse eine andere Position erreicht worden.<\/p>\n<p>Was hat dies zur Folge? Nun der Mond steht nicht still. Er umrundet die Erde in dieser Entfernung mit 1010 m\/s, das bedeutet in 14 Stunden legt er rund 51.000 km zur&uuml;ck. Er w&uuml;rde sich also wenn die Raumsonde fr&uuml;her an der Mondumlaufbahn befindet an einer ganz anderen Position befinden. Daraus wird klar: Will man den Mond erreichen und hat keine Kurskorrekturm&ouml;glichkeit, so muss man die Bahn mit sehr hoher Genauigkeit erreichen.<\/p>\n<p>So verwundert es nicht, dass dies bei den ersten Raumsonden ohne eigene Triebwerke misslang:<\/p>\n<ul>\n<li>Pioneer 1 hat eine zu geringe Geschwindigkeit, aber auch einen Falschen Winkel und h&auml;tte den Mond um 30.000 km verfehlt, wenn die Oberstufe korrekt funktioniert h&auml;tte<\/li>\n<li>Pioneer 3 hatte das gleiche Schicksal, aber auch hier stimmte der Einschusswinkel nicht und wich um 4 Grad (rund 36000 km beim Mond) ab.<\/li>\n<li>Pioneer 3 wurde auf einen zu schnellen Kurs gebracht, passierte den Mond 3 Stunden zu fr&uuml;h in 59.250 km Entfernung anstatt 32.000 km Entfernung<\/li>\n<li>Luna 1 verfehlte den Mond um 5955 km, Sie sollte auf ihm aufschlagen<\/li>\n<li>Ranger 3 hatte eine aktive Steuerung, doch ohne Funkverbindung zum Boden kompensierte sie zu gro&szlig;en Fehler der nicht existierte und die Sonde passierte den Mond in 38.000 km Entfernung.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Damit ist klar, dass eine Raumsonde ihren Kurs korrigieren k&ouml;nnen muss. Wann und wie geschieht dies am besten? Nun es ist so wie bei einer Bowling Kugel die geworfen wird. Anfangs reichen kleine Abweichungen um die Bahn gravierend zu &auml;ndern. W&uuml;rde man ihr erst kurz vor dem Ziel einen Schubs geben, so w&uuml;rde er sie nur wenig ablenken. Das bedeutet dass die Kurskorrekturen um so kleiner sein k&ouml;nnen je fr&uuml;her sie stattfinden. Auf der anderen Seite ist die Position und Geschwindigkeit nur fehlerbehaftet bekannt und so k&ouml;nnen dadurch neue Fehler entstehen. Weiterhin gibt es auch St&ouml;reinfl&uuml;sse. Bei einem Flug zum Mond ist dies der Mond selbst, aber es gibt auch interne Einfl&uuml;sse wie z.B. Drallr&auml;der die ihre Position\/Drehzahl &auml;ndern, austretendes Restgas. Bei Sonnenumlaufbahnen spielen die anderen Planeten eine Rolle?und der Strahlungsdruck des Lichtes (eine fehlerhafte Kompensation des einseitig wirkenden Strahlungsdrucks f&uuml;hrte z.B. zum Verlust des MCO). In der Praxis gibt es daher meist mehrere Man&ouml;ver. Das erste kurz nach dem Start um die gr&ouml;bsten Fehler zu beheben. Bei Apollo machte man dies gerne mit dem Haupttriebwerk, auch wenn es nur f&uuml;r wenige Sekunden brennen musste und man &uuml;berkompensierte, um es kurz zu testen. Es folgt dann eines auf der H&auml;lfte der Distanz und manchmal noch eines kurz vor dem Ziel f&uuml;r das Feintuning.<\/p>\n<p>Bei Raumsonden gilt das Gleiche. Aufgrund der gr&ouml;&szlig;eren St&ouml;reinfl&uuml;sse sind hier aber 3-4 Man&ouml;ver die Regel. Ansonsten sind die Abweichungen beim Planeten gewaltig. Bei New Horizons trennen bei Jupiter die Star-48B Oberstufe mit der sie gestartet wurde und die Sonde &uuml;ber 400.000 km. Bedingt durch die unterschiedliche Ablenkung beim Vorbeiflug werden es dann bei Pluto &uuml;ber 200 Millionen km sein. Selbst kleine St&ouml;reinfl&uuml;sse wirken sich bei planetaren Umlaufbahnen aus: So verschob alleine der Strahlungsdruck des Lichtes Mariner 2 um 1.200 km, worauf man bei Mariner 3+4 Experiment kleine Sonnensegel montierte um diesen Effekt auszunutzen.<\/p>\n<p>Wie wird aber nun genau bestimmt ob die Bahn korrekt ist? Nun dazu braucht man nur einige Me&szlig;punkte f&uuml;r die man Geschwindigkeit und Position kennt. Verbindet man diese kann man die Bahn zur&uuml;ckberechnen. Es gibt heute sehr ausgekl&uuml;gelte Verfahren, aber ich will die einfachsten beiden erkl&auml;ren. Zuerst einmal die Geschwindigkeit. Dazu muss man nur die Verschiebung der Funkfrequenz berechnen die durch den Dopplereffekt entsteht. Heute gibt es Bausteine die eine sehr genaue Frequenz abgeben mit sehr kleinen Schwankungen, diese USO&#8217;s (ultrastable Oszillators) werden heute eingesetzt. Vor einigen Jahrzehnten waren die n&ouml;tigen Ger&auml;te jedoch noch zu schwer f&uuml;r eine Raumsonde und man wandte einen Trick an: Die Erde sandte ein Signal zur Raumsonde, eine Elektronik multiplizierte das Eingangssignal mit einem festen Teiler und sandte es zur&uuml;ck und auf der Erde wurde das Signal und die Ankunftsfrequenz gemessen.<\/p>\n<p>Damit hat man die Geschwindigkeit der Sonde. Doch diese &auml;ndert sich st&auml;ndig. Man muss auch wissen wo sie sich gerade befindet. Im Idealfall hat die Raumsonde eine sehr genaue Uhr an Bord, dann ist das kein Problem, doch auch hier gibt es eine einfachere L&ouml;sung: In das Signal das die Sonde von der Erde bekommt wird ein Zeitcode eingebettet, der die Zeit beim Absenden beinhaltet. Wenn es nun wieder auf der Erde ankommt muss nur der Zeitcode mit der aktuellen Zeit vergleichen werden und durch die doppelte Lichtgeschwindigkeit geteilt werden und man hat die Entfernung der Sonde von der Bodenstation. In der Praxis muss nat&uuml;rlich noch einiges ber&uuml;cksichtigt werden, so bewegt sich ja auch die Bodenstation mit der Erdrotation und die Erde bewegt sich ebenfalls im Sonnensystem. Trotzdem war es schon 1969 so m&ouml;glich den Ort von Apollo auf 30 m genau zu bestimmen. Mit neueren Techniken kann heute die ESA die Position von Mars Express genauer bestimmen als die Marsbahn selbst bekannt ist, d.h. der Hauptfehler verlagert sich nun auf die nicht zu 100 % genau bekannte Position der Planeten.<\/p>\n<p>Ist durch Vermessung der Bahn (je l&auml;nger. desto genauer) diese bekannt, so kann nat&uuml;rlich berechnet werden wo die Sonde sein w&uuml;rde, wenn sie in Zieln&auml;he ist und um wie viel sie noch korrigieren muss um den Punkt mit hoher Genauigkeit zu erreichen, der gew&uuml;nscht wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So w&auml;hrend der Upload des Buchblocks f&uuml;r Buch Nummer Sechs &#8211; und damit das letzte in diesem Jahr lauft ein neuer Blog. 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