{"id":206,"date":"2008-07-24T21:23:32","date_gmt":"2008-07-24T19:23:32","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=206"},"modified":"2008-07-24T21:23:32","modified_gmt":"2008-07-24T19:23:32","slug":"von-dem-umgang-mit-toten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2008\/07\/24\/von-dem-umgang-mit-toten\/","title":{"rendered":"Von dem Umgang mit Toten"},"content":{"rendered":"<p>Verschiedene Dinge haben mich dazu gebracht, mal dar&uuml;ber nachzudenken wie unsere Gesellschaft mit Toten, menschlichen &Uuml;berresten und dem Glauben den diese zu Lebzeiten hatten, umgeht. Es waren Berichte &uuml;ber Forschung in &Auml;gypten und an Mumien, aber auch in Europa, wo man aus dem Erbmaterial einer bronzezeitlichen Familie, aus den Gebeinen die in einer H&ouml;hle lagerten, rekonstruieren konnte und sogar 3 lebende Nachfahren in der Umgebung heute fand. <\/p>\n<p><!--more--> <\/p>\n<p>Am meisten bewegte mich aber ein Beitrag wo auch Ramses II im &auml;gyptischen Museum gezeigt wurde, angegafft von Tausenden von Besuchern jeden Tag. Die alten &Auml;gypter glaubten, wie viele andere V&ouml;lker und im Endeffekt auch wir, an ein Leben nach dem Tode. Daf&uuml;r musste der K&ouml;rper erhalten werden und dieser Aufwand f&uuml;r die Mumifizierung wurde deswegen betrieben. Zerst&ouml;rte man die Mumie, so zerst&ouml;rte man nach deren Ansicht auch die M&ouml;glichkeit des Lebens nach dem Tod. Das schlimmste Vergehen das bei den &#8211; damals schon vorkommenden &#8211; Grabr&auml;ubereien auftrat, war nicht der Diebstahl von Wertsachen sondern die St&ouml;rung der Totenruhe oder die Besch&auml;digung der Mumie.<\/p>\n<p>Das mag uns seltsam vorkommen, doch sind wir so weit weg? Wer sich verbrennen l&auml;sst, bekommt kein Begr&auml;bnis mit Pfarrer, zumindest bei uns ist das so. Anders wird nur auf den letzten Teil des Ritus die Abschiednahme am Grab verzichtet, die immer so gerne im Fernsehen kommt (Asche zu Asche, Staub zu Staub).<\/p>\n<p>Nat&uuml;rlich kann man argumentieren, dass wir nun nur noch von sterblichen H&uuml;llen reden und die Betroffenen lange tot sind und nichts davon merken, dass ihre Knochen wissenschaftlich untersucht oder in aller &Ouml;ffentlichkeit ausgestellt werden. Doch darum geht es nicht. Es geht um den Respekt, den wir f&uuml;r andere und ihre Vorstellungen haben und dieser sollte nicht beim Tod enden. Auf der anderen Seite gibt es die Wissenschaft, die nat&uuml;rlich mehr &uuml;ber die Menschen und ihr Leben herausfinden will. Ich meine das dies nicht unvereinbar ist: Wissenschaftliche Untersuchungen ja, aber danach bitte wieder zur&uuml;ck in die Begr&auml;bnisst&auml;tte. Aber keine Ausstellung f&uuml;r die gaffende Volksmenge.&nbsp; Interessanterweise haben wir hier eine Zweiklassengesellschaft. Von einem Beitrag gestern Abend im ZDF erfahre ich, dass man die etwa 40 bronzezeitlichen Gr&auml;ber in einer H&ouml;hle vollkommen ausger&auml;umt hat und die Skelette nun alle sch&ouml;n sortiert in Pappkartons in der K&uuml;hlkammer lagern. Als man bei Friedrich dem Gro&szlig;en Untersuchungen machte, hat man die Knochen dagegen danach wieder in den Sarg zur&uuml;ckgelegt. Was unterscheidet Friedrich den Gro&szlig;en von Ramses dem II ? Beide waren Herrscher, Ramses der II sogar ein gr&ouml;&szlig;erer und weltweit bekannterer, als Friedrich. Gibt es eine Zweiklassengesellschaft weil der eine christlich bestattet wurde, und der andere nicht? Was w&uuml;rden Menschen denken, wenn man das Skelett von Friedrich II auf der Berliner Museums Insel ausstellen w&uuml;rde?<\/p>\n<p>Ich denke in keinem unserer Museum muss eine echte Mumie oder ein Skelett ausgestellt sein. Bei sehr alten (und wertvollen) Funden wie Fossilien von Vormenschen ist das auch heute schon der Fall &#8211; was sie sehen ist ein Abguss, eine Replik. Warum geht das nicht auch mit Mumien? Die Frage ist auch, was wollen uns Museen vermitteln? Wollen sie Originale ausstellen und diese erkl&auml;ren oder die Kultur und die Vergangenheit erkl&auml;ren? Ich glaube das sehr oft die Menschen mehr von Rekonstruktionen haben, als wenn sie Bruchst&uuml;cke eines Originals ansehen. Inzwischen er&ouml;ffnen sich ja dank Computertechnik noch weitere M&ouml;glichkeiten &#8211; ich kann Dinge tun, die kein Museum leisten kann, wie virtuell durch eine antike Stadt gehen.<\/p>\n<p>Das zweite was mich bewegte, ist wie auch heute mit Verstorbenen umgegangen wird. Wissen sie was passiert, wenn sie als Harz-IV Empf&auml;nger sterben und keine sofort fassbaren nahen Verwandten haben? Da man innerhalb weniger Tage bestattet werden muss und das Sozialamt zu langsam und zu tr&auml;ge ist, nach Verwandten zu suchen, werden sie in diesem Falle auf die billigste Art und Weise bestattet: Als anonyme Urne auf einem Gr&auml;berfeld. Ohne Kreuz, ohne Schmuck, wer nicht wei&szlig;, das es ein Gr&auml;berfeld ist, k&ouml;nnte es auch f&uuml;r eine Rasenfl&auml;che halten.<\/p>\n<p>Es ist klar, dass wir heute in vielem von dem Abr&uuml;cken m&uuml;ssen, was fr&uuml;her &uuml;blich war, wie ein dauerhaftes Grab, wie man es noch vor 100 Jahren hatte und man es von alten Friedh&ouml;fen kennt. Ansonsten g&auml;be es bald nur noch Friedh&ouml;fe in den St&auml;dten und kaum noch Wohnraum. Heute ist ein Grab nicht f&uuml;r ewig sondern f&uuml;r 25 Jahre gemietet. Aber wie hier mit Sozialhilfe Empf&auml;ngern verfahren wird, ist doch nochmal eine andere Dimension. Sie verschwinden eigentlich nach dem Tod. Es gibt kein Grab, kein Kreuz. Darauf bin ich gekommen, durch einen Beitrag als eine Tochter nicht innerhalb der 3 Tage gefunden werden konnte, und diese dann ratlos vor der Rasenfl&auml;che stand. Niemand konnte ihr sagen, wo ihre Mutter begraben war &quot;Irgendwo da&quot;, sagte der Friedhofsg&auml;rtner und machte eine ausholende Armbewegung. Das man jemand verliert, auch wenn man lange von ihm getrennt ist, ist schon schwer. Aber dann nicht mal ein Grab zu haben, wo man Abschied nehmen kann oder das man pflegen und besuchen kann &#8211; auch f&uuml;r viele richtig &#8211; das ist doch eine andere Dimension.<\/p>\n<p>Mal dumme gefragt: Ist unser Staat so arm, das er sich nicht ein Holzkreuz und ein paar Grenzmarkierungen leisten kann, die eine Parzelle eingrenzen und die es erm&ouml;glichen, wenn es doch noch Verwandte gibt, das diese das Grab schm&uuml;cken oder sofern sie das Geld haben, auch einen Grabstein kaufen? Angesichts dessen, das der Staat von nun an ja jeden Monat Geld an dem Verstorbenen spart, sollte man das erwarten k&ouml;nnen.<\/p<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verschiedene Dinge haben mich dazu gebracht, mal dar&uuml;ber nachzudenken wie unsere Gesellschaft mit Toten, menschlichen &Uuml;berresten und dem Glauben den diese zu Lebzeiten hatten, umgeht. 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