{"id":2167,"date":"2010-02-01T00:08:39","date_gmt":"2010-01-31T23:08:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=2167"},"modified":"2010-01-31T15:34:48","modified_gmt":"2010-01-31T14:34:48","slug":"der-verlust-der-columbia-und-die-folgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2010\/02\/01\/der-verlust-der-columbia-und-die-folgen\/","title":{"rendered":"Der Verlust der Columbia und die Folgen"},"content":{"rendered":"<p>Am 1.2.2003 vergl&uuml;hte die Raumf&auml;hre Columbia beim Wiedereintritt von der Mission STS-107 in die Erdatmosph&auml;re &uuml;ber dem US-Bundessaat Texas. Dies wurde von zahlreichen Augenzeugen beobachtet, auch weil die Columbia die letzte Forschungsmission vor Inbetriebnahme der ISS absolvierte. Bei den ISS Missionen passieren die Raumf&auml;hren nicht die USA beim Wiedereintritt und so wollten viele Beobachter ein letztes Mal die Raumf&auml;hre beobachten.<\/p>\n<p>Tr&uuml;mmer der F&auml;hre regneten auf drei US-Bundesstaaten nieder. Zuerst war die Missionskontrolle ratlos, was die Ursache des Verlustes anbetraf. Angesichts des Terroranschlags vom 11.9.2001 gingen manche sogar von einem terroristischen Akt aus (aus demselben Grunde wurde auch der Startzeitpunkt nur auf 15-19 Uhr eingegrenzt). An Bord von Columbia war auch der israelische Staatsb&uuml;rger Ilan Ramon, der erste israelische Astronaut, weshalb dieses Szenario nicht von der Hand zu weisen war.<\/p>\n<p>Direkt nach dem Verlust gab es nur wenige Daten &uuml;ber die m&ouml;gliche Ursache. Beim Wiedereintritt umgibt die Raumf&auml;hren eine H&uuml;lle mit ionisiertem Gas, gebildet durch die Reibungsw&auml;rme. Sie verhindert den Funkkontakt zu dem Shuttle und damit auch das Abrufen von Telemetrie. Der Eintritt in das ?Funkloch? begann planm&auml;&szlig;ig um 13:59 in 63 km H&ouml;he. 16 Minuten sp&auml;ter sollte die F&auml;hre auf dem Kennedy Space Center landen.<!--more--><\/p>\n<p>Das Einzige was die NASA an Daten vor dem Verlust hatte war ein Ausfall des Hydrauliksensors im linken Fl&uuml;gel um 13:53, gefolgt drei Minuten sp&auml;ter von einem Anstieg der Temperaturen bei dem linken Fahrwerk und den Bremsen. Um 13:58 fiel ein Temperatursensor am linken Fl&uuml;gel an einer Klebeschicht aus, gefolgt von einem Verlust der Temperatur- und Druckangaben der linken Fahrwerksensoren. Das die Temperaturen ansteigen war das Letzte, das der Besatzung mitgeteilt wurde, Kommandant Hussband quittierte mit ?Roger? bevor die Verbindung um 13:59:32 abriss. Kurz darauf, um 14:00:18 zerbrach der Orbiter in seine Teile, nachdem sich schon vorher kleinere Teile abgel&ouml;st hatten. Das Kontrollzentrum erfuhr davon erst durch einen Anruf, als jemand die Fernseh&uuml;bertragung des Auseinanderbrechens sah. Dies geschah um 14:12:39.<\/p>\n<p>Danach begann das R&auml;tselraten &uuml;ber die Ursache. Bis zum Wiedereintritt war der Flug absolut planm&auml;&szlig;ig verlaufen und schon am 29.1.2003 deklarierte ihn die NASA als vollen Erfolg, also drei Tage vor der R&uuml;ckkehr. Das einzige Vorkommnis gab es w&auml;hrend der Startphase. 81,9 s nach dem Start brach ein St&uuml;ck der Schaumisolierung des Tanks ab und traf den linken Fl&uuml;gel, wo es in St&uuml;cke zerfiel. Dass der Tank Isolierung verliert, ist nichts Neues, das gab es schon vorher im Space Shuttle Programm. Zur Evaluation gab es eigens eine Software namens ?Crater?, welche den Schaden berechnen sollte. Sie kam auch, nachdem die NASA einen Tag nach dem Start bei der Auswertung der Kameras den Vorfall bemerkte, zum Einsatz. Crater basierte auf den Daten, die bei vorhergehenden Missionen gesammelt wurden. Dabei trafen den Orbiter kleinere St&uuml;cke von einigen Zentimetern Gr&ouml;&szlig;e, die keine gr&ouml;&szlig;eren Sch&auml;den verursachten. Die Software konnte aber keine verl&auml;ssliche Antwort geben auf die Frage, was passiert w&auml;re, wenn ein viel gr&ouml;&szlig;eres St&uuml;ck den Fl&uuml;gel trifft.<\/p>\n<p>Hierzu ein kleiner Exkurs in den Hitzeschutzschild des Space Shuttles und die Isolierung des Tanks. Der gesamte Orbiter ist von Hitzeschutzkacheln und anderen Isolationen umgeben. In der Gesamtheit wird es Thermal Protection System TPS genannt. Am kritischsten sind die unten und an den Fl&uuml;gelvorderkanten angebrachten Kacheln. Die Hitzeschutzkacheln werden in vier Typen eingeteilt:<\/p>\n<ul>\n<li>FRSI: (fibrous refractory composite insulation) f&uuml;r Temperaturen unter 370? Celsius. Dies sind 0,9 ? 1,2 m gro&szlig;e Platten aus dem Kunststoff Nomex (&auml;hnlich Nylon) in Filzstruktur. Sie befinden sich vor allem an der Seite des Orbiters, der Fl&uuml;geloberseite und der Nutzlastbucht. Diese machen 304.2 m?, das entspricht 29% der Fl&auml;che aus.<\/li>\n<li>LRSI: (low-temperature reusable surface insulation) f&uuml;r Temperaturen von 350-650? Celsius. Dies sind 7.000 quadratische Fliesen (20 x 20 cm) aus einem dreidimensionalen Quarzfasergeflecht von 0,5 bis 2,5 cm Dicke. Sie bedecken den Gro&szlig;teil des Rumpfes und einen Teil der Fl&uuml;gel. Die Fliesen haben ein spezifisches Gewicht von nur 0.14 g\/cm? und bestehen zum gr&ouml;&szlig;ten Teil aus Hohlr&auml;umen und leiten W&auml;rme daher sehr schlecht. Insgesamt bedecken diese Fliesen 281.7 m?<\/li>\n<li>HRSI: (high-temperature reusable surface insulation) Temperaturbereich von 650-1225? Celsius. Dies sind Quarzfaserziegel wie LRSI, jedoch mit einer dunklen Pigmentzumischung und einer speziellen Oberfl&auml;chenbehandlung, damit sie wenig W&auml;rme aufnehmen. Die Fliesen sind quadratisch mit 15 cm Kantenl&auml;nge und sie haben eine Dicke von 1,75 bis 6,25 cm. Etwa 20.000 davon befinden sich auf der gesamten Unterseite des Orbiters. Diese decken den Gro&szlig;teil der unteren 475.4 m? Oberfl&auml;che ab. Die &auml;u&szlig;ere Schutzschicht der Fliesen ist ein Borsilikatglas. Es minimiert vor allem die Aufnahme von Wasser in die por&ouml;sen Ziegel.<\/li>\n<li>RCC (Reinforced Carbon-Carbon): Temperaturbereich von 1125 &#8211; 1650? C. Dies sind Panels aus Graphitfasern in einer Matrix aus Graphit und Siliziumcarbid mit einem 0.5 bis 1 mm dicken Borsilikatglas &Uuml;berzug. Sie sind an den exponiertesten Stellen wie den Fl&uuml;gelvorderkanten und dem Nasenkonus untergebracht. Die St&auml;rke liegt zwischen 2.5 und 7.5 cm. Nur 3% (37.9 m?) der Oberfl&auml;che wird so hei&szlig;. Die RCC-Panels k&ouml;nnen 1600 Grad aushalten, ohne sich zu verformen, und leiten wie die Kacheln die W&auml;rme nur &auml;u&szlig;erst schlecht.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die LRSI und HRSI Kacheln bestehen aus Silikatfasern in einer dreidimensionalen Matrix. Ihre Dichte ist zwanzigmal kleiner als die von Wasser, da sie gro&szlig;e Hohlr&auml;ume einschlie&szlig;en. Dadurch ist die W&auml;rmeleitf&auml;higkeit extrem schlecht. Die Kacheln sind wenige Sekunden nach dem Herausnehmen aus dem Sinterofen bei 1200 C mit blo&szlig;en H&auml;nden anfassbar, da eine d&uuml;nne Schicht an der Oberfl&auml;che ausk&uuml;hlt (und zwar besonders schnell durch die vielen d&uuml;nnen Fasern &#8211; hohe Abstrahlungsfl&auml;che) w&auml;hrend die W&auml;rme im Inneren nicht nach au&szlig;en geleitet wird und die Kacheln innen noch rot gl&uuml;hend leuchten. Die HRSI unterscheiden sich durch zugemischte Pigmente von den LRSI, da eine dunkle Oberfl&auml;che mehr Energie abstrahlt als eine helle. Zus&auml;tzlich sind diese oxidationshemmend beschichtet und mit einer d&uuml;nnen Glasschicht &uuml;berzogen um die Aufnahme von Wasser durch Regen zu verhindern.<\/p>\n<p>Schon bei der ersten Space Shuttle Mission fielen &uuml;ber 100 der damals rund 30.000 Kacheln ab, was gro&szlig;e Besorgnis ausl&ouml;ste. Auf Videoaufnahmen aus dem Orbit konnten die fehlenden Kacheln auf der Oberseite ausgemacht werden, doch kritisch ist die Unterseite, da nur sie stark erhitzt wurde. Damals bat die NASA das DoD um Amtshilfe und lie&szlig; den Hitzeschutzschild der Columbia durch KH-11 Spionagesatelliten fotografieren. Es zeigte sich kein gravierender Verlust. Trotzdem war das Erste, was John Young, Kommandant von STS-1 nach der Landung tat, ein Spaziergang um und unter das Shuttle. Dreimal gab es von verschiedenen Personen innerhalb der NASA auch bei STS-107 die Anforderung, den Hitzeschutzschild durch einen Aufkl&auml;rungssatelliten des US-Verteidigungsministeriums zu fotografieren. Dies wurde von der Missionsleitung abgelehnt.<\/p>\n<p>Bei den folgenden Fl&uuml;gen verloren Shuttles immer wieder Kacheln, auch wenn es nicht mehr so viele, wie beim Erstflug waren. Das gab auch Sicherheit: Der Hitzeschutzschild hielt auch, wenn einzelne Kacheln fehlten, solange es nicht eine gr&ouml;&szlig;ere durchgehende Fl&auml;che ist. Dann streicht die hei&szlig;e ionisierte Atmosph&auml;re &uuml;ber die Au&szlig;enseite und kann nicht die L&uuml;cke nutzen, um ins Innere vorzusto&szlig;en und die Struktur zu besch&auml;digen.<\/p>\n<p>Eine Besch&auml;digung der Oberseite ist wegen deutlich geringerer Temperaturen weitaus unkritischer, daher wurde auf Besch&auml;digungen der Unterseite geachtet.<\/p>\n<p>Der Shuttle Tank ist der einzige Teil des Systems, der nicht wiederverwendbar ist. Er sollte daher m&ouml;glichst billig zu produzieren sein. Damit dies m&ouml;glich ist, wurde beschlossen, die Isolierung aufzuspr&uuml;hen. Der Tank enth&auml;lt fl&uuml;ssigen Wasserstoff und Sauerstoff, beide Stoffe sind nur bei Temperaturen von -183 bzw. -251 Grad Celsius fl&uuml;ssig. Der Tank muss daher isoliert werden. Dies geschieht durch einen Polyurethanschaum, der auch bei uns gebr&auml;uchlich ist, z.B. um Fugen zu isolieren. Er wird auf den Metalltank aufgespr&uuml;ht und dann nach dem Aush&auml;rten noch rot lackiert. Der rote Lack dient dazu den Eintritt von Wasser zu verhindern, dass durch die fl&uuml;ssigen Gase im Innern zu Eis gefrieren w&uuml;rde und dann die Isolierung aufbrechen l&auml;sst. Zudem sind so Besch&auml;digungen der Isolation leicht erkennbar. Trotzdem gab es immer wieder den Fall, dass die Isolierung vor dem Start oder beim Start besch&auml;digt wurde und St&uuml;cke abfielen.<\/p>\n<p>Bei STS-107 l&ouml;ste sich 81,7 s nach dem Start ein gro&szlig;es St&uuml;ck Isolierung von dem Teil des Tanks, wo die Y-f&ouml;rmige Befestigung des Orbiters angebracht ist. Es schlug auf den linken Fl&uuml;gel auf und zerbrach in mehrere St&uuml;cke. Da das Space Shuttle sich zu diesem Zeitpunkt bereits in &uuml;ber 20 km H&ouml;he befand, sind die Aufnahmen der Kameras vom Boden aus nur unscharf, auch konnte das Ereignis selbst nur auf einer Kamera andeutungsweise gesehen werden, keine der Kameras hatte eine optimale Position um es zu sehen.<\/p>\n<p>Da die NASA schon Erfahrungen mit solchen abfallenden Schaumstoffst&uuml;cken hatte, wurde dies nicht als gravierend eingestuft. Bei 80% der 79 Missionen, von denen es ausreichend Bildmaterial gab, l&ouml;sten sich Teile vom Tank, bei 10% von der Y-Strebe. Auf einer ersten Pressekonferenz nach dem Ungl&uuml;ck zeigte ein NASA-Verantwortlicher ein entsprechend gro&szlig;es Schaumstoffst&uuml;ck und demonstrierte wie leicht und zerbrechlich es war. Er hielt es f&uuml;r unwahrscheinlich, dass es den Fl&uuml;gel besch&auml;digen konnte.<\/p>\n<p>Die Untersuchungskommission (Columbia Accident Investigation Board CAIB) ging trotzdem dieser einzigen Spur nach. In der Tat zeigten HRSI Kacheln nur geringe Besch&auml;digungen, wenn sie unter Vakuum mit Schaumst&uuml;cken beschossen wurden. Die Gr&ouml;&szlig;e war von den Aufnahmen her bekannt. Es musste 30-45 cm breit und 53-68 cm lang gewesen sein und mit 190-250 m\/s aufgeschlagen sein. Das war aus den Videoaufnahmen ableitbar. Wahrscheinlich war es Ein St&uuml;ck der Verkleidung der Streben der Orbiteraufh&auml;ngung, da nur an wenigen Teilen die Schaumisolierung so dick ist. Trotz der hohen Geschwindigkeit zerbr&ouml;selte der Schaum aber bei Versuchen auf der Erde ganz einfach beim Beschuss von HRSI Kacheln.<\/p>\n<p>Deutlich wurde die Ursache erst, als das CAIB daran ging, die wenigen Bilder (zwischen Abl&ouml;sung und Auftreffen lagen nur 0,161 s) digital zu verbessern und Zwischenbilder berechnete, um die Flugbahn des St&uuml;ckes zu ermitteln. Es zeigte sich dabei, dass es nicht auf der Fl&uuml;gelunterseite, sondern die Fl&uuml;gelkante aufschlug.<\/p>\n<p>Die Fl&uuml;gelkante besteht aber aus U-f&ouml;rmigen RCC Panels. Das sind Kohlefasern in einer Kohlenstoffmatrix. Das Material ist &auml;u&szlig;erst leicht, sehr widerstandsf&auml;hig gegen&uuml;ber hohen Temperaturen und wird daher an den Punkten eingesetzt, die besonders stark erhitzt werden. Aber das Material ist auch unelastisch und spr&ouml;de. Als das CAIB RCC-Panels der Atlantis, die gerade general&uuml;berholt wurde, in einem Versuch mit einem Schaumstoffst&uuml;ck derselben Gr&ouml;&szlig;e und Masse wie das bei Columbia abgel&ouml;ste, beschoss, erhielten sie ein 15-25 cm gro&szlig;es Loch in dem RCC-Panel. Am zweiten Tag im Orbit verlor die Columbia zudem etwas, das nach Ansicht des CAIB wahrscheinlich ein Teil des RCC Panels Nummer 9 war, bei dem der Brocken aufschlug. Von nun an hatte die Columbia ein Loch unbekannter Gr&ouml;&szlig;e im linken Fl&uuml;gel.<\/p>\n<p>Durch dieses konnte dann die bis zu 1648?C hei&szlig;e Luft in den Fl&uuml;gel eindringen und die Struktur schw&auml;chen und das Aluminium zum Schmelzen bringen. Schon vor der kalifornischen K&uuml;ste verlor der Orbiter beim Wiedereintritt ein St&uuml;ck, sodass davon auszugehen ist, dass die Fl&auml;che, die offen war, sich rasch vergr&ouml;&szlig;erte. Die Auswertung des gebogenen Datenrekorders, der noch 14 Sekunden nach Kommunikationsverlust aufzeichnete, zeigte, das immer mehr Ausgleichsbewegungen notwendig waren, um den Orbiter auf Kurs zu halten und ein Rollen zu verhindern. Schlie&szlig;lich feuerten alle RCS-D&uuml;sen, konnten aber nicht mehr die Columbia stabilisieren. Dies war um 14:00:18. Danach reist der Datenstrom des Bandrekorders ab, so sah das CAIB dies als den Zeitpunkt an, bei dem die Columbia auseinanderbrach.<\/p>\n<p>Die K&ouml;rper aller Astronauten konnten geborgen werden. Eine Obduktion zeigte, dass sie an Dekompression starben, als die Atmosph&auml;re aus der Mannschaftskabine entwich.<\/p>\n<p>Das CAIB erarbeitete 25 Empfehlungen, die umzusetzen sind, bevor die Space Shuttles erneut fliegen k&ouml;nnen. Erst nach zweieinhalb Jahren fand die n&auml;chste Mission statt. Die ersten beiden Fl&uuml;ge dienten zur Qualifikation der Verbesserungsma&szlig;nahmen, vor allem bei der Isolierung des Tanks. Sie f&uuml;hrten zwar zur ISS, transportieren aber nur Versorgungsg&uuml;ter. Nun l&ouml;sten schon kleine, nur wenige Zentimeter gro&szlig;e St&uuml;cke, Schlagzeilen aus (die man dank erstmals am Tank angebrachter Tanks &uuml;berhaupt erst beobachten konnte) auch wenn sie das Shuttle verfehlten. Einmal wurden Astronauten auch zur Reparatur beordert, als bei der Inspektion der F&auml;hre von der ISS aus und mittels des Canadaarms sich ein loser Streifen F&uuml;llmaterial zwischen zwei Kacheln zeigte. Dies zeigt sehr deutlich, wie nun schon kleinste Vorkommnisse so ernst genommen wurden, dass deswegen der ganze Flugplan umgeworfen wurde. Von Routine konnte nun keine Rede mehr sein.<\/p>\n<p>Zuerst sollten nun nur noch Missionen zur ISS stattfinden. Falls der Hitzeschutzschild besch&auml;digt sein w&uuml;rde, so g&auml;be es dann immer noch die M&ouml;glichkeit auf der ISS zu verbleiben, bis eine Rettungsmission starten w&uuml;rde ? seitdem steht auch immer ein Space Shuttle auf der zweiten Startrampe daf&uuml;r bereit. Erst als der Druck der wissenschaftlichen Gemeinde gr&ouml;&szlig;er wurde und alle folgenden Missionen klappten, entschloss sich die NASA einen Flug anzusetzen, der nicht zur ISS f&uuml;hrte: die letzte Servicemission zum Hubble Weltraumteleskop mit STS-125 im Mai 2009.<\/p>\n<p>Die wichtigste Folge des Columbia Ungl&uuml;cks was, dass die NASA das Vertrauen in die Space Shuttles verloren hat. Zwar war das Space Shuttle Programm schon fr&uuml;her in der Kritik ? die Fl&uuml;ge waren immer teurer, als jede nicht wiederverwendbare Tr&auml;gerrakete, so galt es doch nach den &Auml;nderungen, bedingt durch den Verlust der Challenger nahezu 17 Jahre fr&uuml;her, als sicher. Damals war die NASA am Verlust schuld: Sie lie&szlig; die F&auml;hre starten, obwohl Techniker des Herstellers der Booster hinwiesen, dass die Dichtungen nicht f&uuml;r die herrschenden Temperaturen ausgelegt waren und es Probleme mit ihnen schon bei fr&uuml;heren Fl&uuml;gen bei niedrigen Temperaturen gab. Das war die Folge eines Managements, dass die Sicherheit opferte, um eine hohe Startrate zu erreichen. Seitdem waren die Fl&uuml;ge problemlos verlaufen. Gravierende Probleme, die es auch vor der Explosion der Challenger gab, wie vorzeitig abgeschaltete Triebwerke oder verk&uuml;rzte Fl&uuml;ge gab es nicht mehr.<\/p>\n<p>Der Verlust der Columbia zeigte, dass die Raumf&auml;hren zwar abgesichert werden k&ouml;nnen gegen bekannte Risiken, aber es einfach ein Restrisiko gibt, das bei Kapseln nicht auftritt. Eine Kapsel kann mit einem Fluchtturm jederzeit in Sicherheit gebracht werden, sie sitzt &uuml;ber den Stufen und kann so nie von der Isolierung getroffen werden und sie ist ein sich selbst stabilisierender K&ouml;rper, der ohne Triebwerke sich so dreht, dass die mit dem Hitzeschutzschild versehene Oberfl&auml;che der Atmosph&auml;re zugewandt ist. Zudem k&ouml;nnen die kleinen Kapseln massiver gebaut werden, als die Raumf&auml;hren mit ihrem 18 m langen Nutzlastraum. Dies ist auch der Grund, warum die NASA bei Orion wieder auf die kegelf&ouml;rmigen Kapseln der Apollo &Auml;ra zur&uuml;ckkommt. Nach dem Verlust der Columbia beziffert die NASA f&uuml;r die Shuttles das LOC-Risiko (Loss of Crew: Tod der Besatzung) auf 1:80 bei ISS Missionen und 1:60 bei einer Hubble Service Mission. Das ist f&uuml;r bemannte Raumfahrzeuge recht niedrig, wie die folgende Tabelle zeigt:<\/p>\n<table border=\"1\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" width=\"100%\" bordercolor=\"#000000\">\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"50%\">Programm<\/th>\n<th width=\"50%\">LOC Risiko<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Gemini<\/td>\n<td width=\"50%\">1:200<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Apollo<\/td>\n<td width=\"50%\">1:1000<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Orion (geplant)<\/td>\n<td width=\"50%\">1:2032<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Shuttle gesch&auml;tzt vor STS-107<\/td>\n<td width=\"50%\">1:308<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Shuttle gesch&auml;tzt nach STS-114<\/td>\n<td width=\"50%\">1:80 \/ 1:60 (ISS\/Hubble)<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Shuttle, gesch&auml;tzt nach STS-51L<\/td>\n<td width=\"50%\">1:27<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Ariane 4 (&uuml;ber alle 114 Starts)<\/td>\n<td width=\"50%\">1:38<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die NASA sch&auml;tzt die Sicherheit der Shuttles also nur noch als doppelt so hoch wie nach dem Challenger Verlust ein. Anders kann der Vertrauensverlust nicht deutlicher gemacht werden. So verwunderte es nicht, das schon vor der Wiederaufnahme der Fl&uuml;ge der Beschluss erfolgte die Space Shuttles auszumustern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 1.2.2003 vergl&uuml;hte die Raumf&auml;hre Columbia beim Wiedereintritt von der Mission STS-107 in die Erdatmosph&auml;re &uuml;ber dem US-Bundessaat Texas. Dies wurde von zahlreichen Augenzeugen beobachtet, auch weil die Columbia die letzte Forschungsmission vor Inbetriebnahme der ISS absolvierte. 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