{"id":2267,"date":"2010-02-08T14:20:41","date_gmt":"2010-02-08T13:20:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=2267"},"modified":"2010-02-08T22:50:18","modified_gmt":"2010-02-08T21:50:18","slug":"pimp-up-the-iss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2010\/02\/08\/pimp-up-the-iss\/","title":{"rendered":"&#8222;Pimp up&#8220; the ISS"},"content":{"rendered":"<p>Es wird Zeit: Zeit f&uuml;r einen Aufsatz in der allseits beliebten Reihe: &#8222;Gut das wir es besser wissen!&#8220;. Also wie kann man aus der jetzigen ISS noch mehr rausholen? Es gibt hier drei Punkte:<\/p>\n<h3>Mehr Forschung!<\/h3>\n<p>Ich will einmal Sinn und Kosten der ISS Forschung ganz au&szlig;en vor lassen. Aber wenn die ISS schon mal da ist, so sollte man deren Forschungsm&ouml;glichkeiten maximieren.? Alleine im Columbus Labor k&ouml;nnen drei Astronauten arbeiten und es ist das kleinste der drei Labors. Dazu kommt ein viertes, das Zentrifugenlabor, das gebaut wurde, aber nicht ins all bef&ouml;rdert wurde.<\/p>\n<p>Von den sechs Astronauten die heute auf der ISS arbeiten k&ouml;nnen nur drei ganzt&auml;gig und einer einen halben Arbeitstag forschen, die restliche Arbeitszeit wird f&uuml;r die Bordsysteme ben&ouml;tigt.<\/p>\n<p>Daher der erste Ansatz: Gen&uuml;gend Wohnraum f&uuml;r mehr Astronauten\/Kosmonauten. Nun gibt es zwar &uuml;ber 900 m? Innenvolumen f&uuml;r sechs Astronauten, also rund 50 % mehr als bei Skylab, das als sehr komfortabel galt. Das Problem: die reinen Wohnmodule wurden gestrichen. Die Besatzung lebt in Swesda oder Harmony, zwischen Avionikschr&auml;nken mit lauten L&uuml;ftern. Daher mein erster Ansatz: Mehr Raum f&uuml;r 9 Astronauten. Und zwar reinen Wohnraum. Dazu k&ouml;nnte man die MPLM einsetzen. Eines wird ja schon f&uuml;r 40 Millionen Dollar als Frachtmodul umgebaut. Die beiden anderen k&ouml;nnten als Wohnmodule umgebaut werden. Jedes f&uuml;r drei Astronauten. Ein MPLM bietet rund 70 m? Raum. Da sie leer nur etwa 4,5 t wiegen k&ouml;nnten sie auch ausger&uuml;stet gestartet werden, zum Beispiel indem das Antriebsmodul des HTV mit einem MPLM verbunden wird. Wie beim HTV w&uuml;rden sie in den Nahbereich der Station man&ouml;vriert werden und dann dort eingefangen und angekoppelt werden. Ein weiterer HTV k&ouml;nnte die Inneneinrichtung f&uuml;r das beim letzten Space Shuttle Flug zu startende Modul bringen. Tr&auml;ger k&ouml;nnten Ariane, H-2B oder Delta IV Heavy sein.<!--more--><\/p>\n<p>Die drei Wohnmodule h&auml;tten einige Vorteile. Es w&auml;ren zum einen richtige Wohnmodule, mit M&ouml;glichkeiten sich privat einzurichten, mit Schr&auml;nken f&uuml;r pers&ouml;nliche Dinge, Trennw&auml;nden f&uuml;r eine Privatsph&auml;re und gen&uuml;gend Platz um sich selbst zu entfalten (rein rechnerisch h&auml;tte jeder Astronaut 24 m? so f&uuml;r sich &#8211; in etwa den Rauminhalt den ein 10 m? gro&szlig;es, 2,40 m hohes Zimmer aufweist). Es w&auml;re dort auch leise, weil es eben nicht ein umgebauter Knoten oder eine Steuerungszentrale ist bei denen man ein oder zwei Racks f&uuml;r Schlafkabinen weggelassen hat. Beides denke ich w&uuml;rde der Arbeitsmoral, Fitness und dem gesunden Schlaf der Besatzung zugute kommen und so auch die Forschung verbessern. In dieser Hinsicht muss sich die ISS heute hinter Skylab verstecken, daf&uuml;r ist sie aber 30 mal teurer&#8230;.<\/p>\n<p>Als letztes w&auml;re da noch das Zentrifugenmodul. Es galt als das wichtigste Forschungsmodul auf der ISS, weil es als einziges einen Bereich f&uuml;r h&ouml;here Lebewesen (Fische, M&auml;use, Fr&ouml;sche) zur Verf&uuml;gung stellt und durch die Zentrifuge Vergleiche zwischen 0 und 1 g erlaubt (es sind auch Werte unter 1 g aber gr&ouml;&szlig;er als 0 g m&ouml;glich, was bisher einmalig ist). Best&uuml;ckt mit einem Antrieb des HTV k&ouml;nnte eine Ariane 5 oder Delta IV Heavy es starten und es k&ouml;nnte an die ISS angekoppelt werden. Dann stehen vier Forschungslabors zur Verf&uuml;gung. Denn Antrieb des HTV habe ich ausgew&auml;hlt weil er verf&uuml;gbar ist und das HTV deutlich preiswerter als ein ATV ist.<\/p>\n<h3>Sicherung der Versorgung<\/h3>\n<p>Eines der Dinge die ich nicht verstehe ist die Haltung der NASA zur Versorgungsfrage. Seit 2005 ist klar dass die Space Shuttles ab Ende 2010 nicht mehr zur Verf&uuml;gung stehen. Es gab also f&uuml;nf Jahre Zeit sich darauf vorzubereiten. Die NASA hat sich f&uuml;r eigene Transportvehikel entschieden, aber erst recht sp&auml;t. so ist f&uuml;r mich unverst&auml;ndlich warum die L&uuml;cke in der ISS Versorgung (nach Arianespace Angaben von 2011-2014 zwischen 3 und 12 t pro Jahr) nicht durch den Ankauf von HTV und ATV Fl&uuml;gen geschlossen wurde (Progress scheiden aus, weil nun mehr Sojuskapseln produziert werden und beide auf einer gemeinsamen Produktlinie entstehen). Wozu gibt es die anderen Systeme? Zu Sicherung der Versorgung. Es w&auml;re nun die Stunde in der sich die Versorgung der ISS &uuml;ber mehrere S&auml;ulen bew&auml;hrt h&auml;tte. Unverst&auml;ndlich dass man nicht darauf zur&uuml;ckgreift.<\/p>\n<p>F&uuml;r meinen Plan mit einer Besatzung von 9 Personen w&auml;ren die beiden Schwertransporter sogar besonders wichtig, da dadurch nochmals zwei Sojuskapseln mehr pro Jahr ben&ouml;tigt werden und nat&uuml;rlich auch mehr Versorgungsg&uuml;ter erforderlich sind.<\/p>\n<h3>Reduktion der Versorgungsfl&uuml;ge<\/h3>\n<p>Daher muss die Anzahl der Fl&uuml;ge reduziert werden. Eine wichtige Ma&szlig;nahme ist es den Orbit anzuheben. Je n&auml;her eine Raumstation der Erde ist, desto st&auml;rker wird sie von der Restatmosph&auml;re abgebremst. Der Effekt nimmt bei den ersten paar 100 km rasch zu. Da er von der Sonnenaktivit&auml;t und Form des K&ouml;rpers abh&auml;ngt ist eine genaue Vorhersage schwierig, aber es gibt Erfahrungsdaten. Die folgende Tabelle enth&auml;lt die Orbits der GATV Zielk&ouml;rper im Gemini Programm und ihre Lebensdauer im Orbit:<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<th>Ziel<\/th>\n<th>Orbit<\/th>\n<th>Lebensdauer<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>GATV 8<\/td>\n<td>380 x 386 km<\/td>\n<td>548 Tage<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>ATDA<\/td>\n<td>298 x 310 km<\/td>\n<td>40 Tage<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>GATV 10<\/td>\n<td>352 x 381 km<\/td>\n<td>163 Tage<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>GATV 11<\/td>\n<td>287 x 305 km<\/td>\n<td>108 Tage<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>GATV 12<\/td>\n<td>260 x 295 km<\/td>\n<td>41 Tage<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Recht deutlich ist der Unterschied: 100 km mehr H&ouml;he bedeuten eine zehnmal h&ouml;here Lebensdauer. Skylab hatte in 440 km H&ouml;he schon eine Lebensdauer von &uuml;ber 5 Jahren und nochmals 100 km h&ouml;her (in 550 km H&ouml;he) d&uuml;rfte auch die ISS mit ihren weitauslagenden Solarzellen eine Lebensdauer von mehr als einem Jahrzehnt haben &#8211; dann w&auml;re gar kein Treibstoff mehr notwendig um die Station anzuheben.<\/p>\n<p>Um die Station von 407 auf 550 km anzuheben braucht man nur 80 m\/s, was bei einer rund 500 t schweren Station rund 13 t Treibstoff entspricht. Also so viel wie 2-3 ATV oder 5 Progress zur Station bringen. Das sind viele Fl&uuml;ge hintereinander, aber sie lohnen sich: Denn sie fallen nur einmal an. Denn die gleiche Treibstoffmenge ben&ouml;tigt man innerhalb von 2 Jahren um einen 407 km hohen Orbit aufrecht zu erhalten: Also lieber einmal klotzen und dann Treibstoff einsparen als dauernd kleckern. In der Summe spart man so &uuml;ber die Lebensdauer der ISS rund 50 t Versorgungsg&uuml;ter, also fast 20 Progressfl&uuml;ge oder 7 ATV Fl&uuml;ge ein.<\/p>\n<p>Das n&auml;chste ist ein geschlossenes Lebenserhaltungssystem. Die ISS hat derzeit zwei Systeme. Das russische Elektronsystem entzieht der Luft die Luftfeuchtigkeit und kondensiert diese aus. Urin und Brauchwasser werden nicht aufbereitet. Das amerikanische System destilliert auch Urin und Brauchwasser zu 93 % und reduziert so den Wasserbedarf um 65 % oder 2.850 l pro Jahr. Aber: Noch immer wird aber das Kohlendioxid nicht recycelt. Der Sauerstoff wird aus Wasser gewonnen und der Wasserstoff ins All entlassen.<\/p>\n<p>Stattdessen k&ouml;nnte man im Sabatierprozess den Wasserstoff mit Kohlendioxid umsetzen und dabei Methan und Wasser erzeugt. Das Wasser kann man dann erneut verwenden. Der Wasserstoff selbst f&auml;llt als Abfallprodukt der Sauerstoffproduktion an. &Uuml;brig bleibt das Methan das man entlassen kann. Es reduziert den Restbedarf an Wasser auf ein Achtel. Theoretisch k&ouml;nnte das Methan auch als Treibstoff f&uuml;r ein Ionentriebwerk genutzt werden. Es w&uuml;rden pro Tag etwa 6 kg Methan anfallen. Bei einem spezifischen Impuls von 9.000 m\/s (durchaus erreichbar mit einem Plasmatriebwerk) w&uuml;rde das alleine ausreichen die Station im Orbit zu halten. Dazu br&auml;uchte man aber 24 kW Leistung &#8211; eine Menge die nicht zur Verf&uuml;gung steht speziell wenn noch ein Labor zur Station hinzukommt. Dann m&uuml;sste man noch ein Solarzellenmodul starten. Daher habe ich diese L&ouml;sung ausgechlossen.<\/p>\n<h3>Sinnvolle internationale Kooperation<\/h3>\n<p>Ich frage mich, warum man zwar die Station gemeinsam betreiben kann, aber beim Mannschaftstransport jeder sein eigenes S&uuml;ppchen kocht. Europa hat das ATV entwickelt mit einer Reihe von Techniken die auch ein bemanntes Raumfahrzeug aufweisen muss wie hohe Sicherheit, automatische Kopplung (auch f&uuml;r Orion vorgesehen). Es denkt seit langer Zeit an eine bemannte Version. doch f&uuml;r Europa alleine lohnt sich die Entwicklung nicht und ist zu teuer. Umgekehrt f&auml;ngt man in den USA nun nochmals von vorne an was den bemannten Transport angeht, diesmal eben &#8222;kommerziell&#8220;. Warum nicht beides kombinieren? Warum nicht das Servicemodul des ATV und die Kopplungssysteme f&uuml;r ein bemanntes System verwenden und es durch ein von den USA entwickelte Mannschaftskabine erg&auml;nzen? Gestartet k&ouml;nnte es von einem US-Tr&auml;ger werden. Wenn bei jedem Flug ein ESA Astronaut dabei ist w&auml;re die ESA zufrieden und die USA k&ouml;nnten einen Teil der Entwicklungskosten und Risiken sparen, da sie schon erprobte Systeme einsetzen w&uuml;rden.<\/p>\n<p>Dazu k&auml;men noch die Sojuskapseln als Backupsystem.<\/p>\n<h3>Zusammenfassung<\/h3>\n<p>Diese Vorschl&auml;ge umgesetzt w&uuml;rden viel bringen:<\/p>\n<ul>\n<li>Ein Labor mehr auf der ISS<\/li>\n<li>9 Personen Besatzung auf der ISS<\/li>\n<li>85 % mehr Forschung nach Abzug der Housekeeping Operationen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Reduktion des Versorgungsbedarfs um 7.800 kg pro Jahr (bei einer 6 Mann Crew) &#8211; entspricht bei 3 Personen mehr einer Nettotransportmenge von 36,3 t pro Jahr (bei der derzeitigen ISS eine von 32 t pro Jahr) &#8211; es w&auml;re also nur ein halber ATV\/HTV Flug pro Jahr mehr notwendig um 3 Personen mehr zu versorgen!<\/p>\n<p>Verglichen mit den Investitionen in die ISS w&auml;ren die zus&auml;tzlichen Aufwendungen &#8222;Peannuts&#8220;, ja es besteht sogar die M&ouml;glichkeit Kosten zu sparen , z.B. bei der Entwicklung eines neuen bemannten Systems. Aber es klappt nur wenn man zusammenarbeitet. Da liegt der Hund begraben. Nicht das es der ISS so geht wie diesem Auto, das gerade &#8222;un-pimpt&#8220; wird&#8230; \ud83d\ude42<br \/>\n<object width=\"425\" height=\"344\"><param name=\"movie\" value=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/0I0WfnhVs2s&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;\"><\/param><param name=\"allowFullScreen\" value=\"true\"><\/param><param name=\"allowscriptaccess\" value=\"always\"><\/param><\/object><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es wird Zeit: Zeit f&uuml;r einen Aufsatz in der allseits beliebten Reihe: &#8222;Gut das wir es besser wissen!&#8220;. Also wie kann man aus der jetzigen ISS noch mehr rausholen? Es gibt hier drei Punkte: Mehr Forschung! Ich will einmal Sinn und Kosten der ISS Forschung ganz au&szlig;en vor lassen. 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