{"id":2383,"date":"2010-03-21T00:31:16","date_gmt":"2010-03-20T23:31:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=2383"},"modified":"2010-03-21T10:09:06","modified_gmt":"2010-03-21T09:09:06","slug":"mit-dem-ballon-um-die-welt-die-vergessenen-versuche-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2010\/03\/21\/mit-dem-ballon-um-die-welt-die-vergessenen-versuche-teil-1\/","title":{"rendered":"Mit dem Ballon um die Welt, die vergessenen Versuche (Teil 1)"},"content":{"rendered":"<p>Es ist nun auf den?Tag genau?11 Jahre her, dass Bertrand Piccard und Brian Jones es geschafft haben, mit einem Ballon um die Welt zu fahren (der Start war am 1. M&auml;rz 1999 in der Schweiz, die Landung am 21. M&auml;rz 1999 in &Auml;gypten).<\/p>\n<p>Wer sich etwas mehr mit der Materie auseinandergesetzt hat, wei&szlig;, dass es au&szlig;er den beiden noch andere Teams gab, die versucht haben, dieses Ziel zu erreichen. Richard Branson und Per Lindstrand versuchten es insgesamt drei Mal mit dem<em> Virgin Global Challenger<\/em> (beim dritten Versuch <em>ICO Global Challenger<\/em>). Steve Fossett versuchte es insgesamt sechs Mal, mit den Ballons <em>Solo Challenger<\/em>, <em>Solo Spirit 1-4<\/em> und 2002 mit dem <em>Bud Light Spirit Of Freedom<\/em>, mit dem er endlich sein Ziel einer Solo-Weltumrundung im Ballon erreichte. Kevin Uliassi versuchte es ebenfalls zwei Mal alleine mit dem Ballon <em>J.Renee<\/em>. Dazu kommen noch die Versuche von Dick Rutan (<em>Global Hilton<\/em>, der nach einem Ballonfehler unbemannt in eine Starkstromleitung driftete, worauf die Propantanks explodierten), und den Ballon <em>Cable &amp; Wireless<\/em>, mit Andy Elson und Colin Prescott (der nur wenige Tage vor Piccard und Jones startete aber wegen elektrischer Probleme bei Japan wassern musste). Au&szlig;erdem gab es die Ballone <em>Spirit Of Peace<\/em> von Jacques Soukup und seinem britisch-amerikanischen Team, sowie den s&uuml;dafrikanischen <em>The Global Conqueror<\/em> von Gerrit Coetzee.<\/p>\n<p>Piccard brauchte drei Versuche, bis er es schaffte: <em>Breitling Orbiter 1<\/em> landete im Mittelmeer nach nur sechs Stunden Fahrt, weil durch ein defektes Ventil Kerosin in die Druckkapsel floss. <em>Breitling Orbiter 2<\/em> konnte wegen einer defekten Luke f&uuml;r einige Tage nicht in die ben&ouml;tigten H&ouml;hen aufsteigen und verbrauchte dadurch in niedrigen H&ouml;hen zu viel Treibstoff f&uuml;r die Brenner, was zur Landung in Myanmar f&uuml;hrte. Der <em>Breitling Orbiter 3<\/em> kam dann schlie&szlig;lich ans Ziel.<!--more--><\/p>\n<p>Es gibt aber zwei Teams, die heute fast vergessen sind, zu Unrecht wie ich finde, da beide anstatt der bei allen anderen Teams verwendeten Rozier-Ballons (Hei&szlig;luftballone mit einer Heliumzelle) ganz andere Ballone verwendet haben. Dies sind die Teams <em>Earthwinds<\/em> (1992-1995) und <em>RE\/MAX<\/em> (1998). Dieser Teil besch&auml;ftigt sich mit ersterem.<\/p>\n<p>Der Leiter dieses Projektes war der Amerikaner Larry Newman. Er hatte bereits mit Maxie Anderson und Ben Abruzzo im <em>Double Eagle II<\/em> 1978 als erste per Ballon den Atlantik &uuml;berquert, 1981 mit Abruzzo, Ron Clark und Rocky Aoki im <em>Double Eagle V<\/em> auch den Pazifik. Nach der Fahrt dieses Ballons erfuhr Newman, dass unter g&uuml;nstigeren Umst&auml;nden (d.h. ohne die Vereisung die der Ballon erfahren hatte) der Ballon von Japan aus &uuml;ber die USA bis nach Spanien h&auml;tte fahren k&ouml;nnen, in 10 Tagen h&auml;tte er sogar die Welt umrundet.<\/p>\n<p>Nun ist es so, dass Maxie Anderson und Don Ida 1981 ebenfalls versuchten, den Pazifik zu &uuml;berqueren, jedenfalls k&uuml;ndigten sie das an, der Start war aber am 11. Januar 1981 in Luxor, &Auml;gypten. Der Gasballon <em>Jules Verne<\/em> kam in zwei Tagen nach Indien, wo er dann landen musste, weil der Ballast ausging. Am 20. Dezember 1981 zeigte der zweite Start, dass nicht nur der Pazifik &uuml;berquert werden sollte (das hatte Newman ja schon geschafft): Der Ballon hob in Indien nahe der Landestelle vom Januar ab, nach 32 km landete er aber wieder,?weil die H&uuml;lle leckte. Am 7. November 1982 versuchten die beiden es schlie&szlig;lich von der &#8222;Stratobowl&#8220; in South Dakota erneut, landeten aber nach 16 Stunden in Midland, Ontario, Kanada; ebenfalls wegen eines H&uuml;llenschadens. Beide Piloten starben 1983 bei einem Ballonrennen in Westdeutschland, weil sich der Ballon erst nicht vom Korb l&ouml;ste und dann in 100 m H&ouml;he die Absprengung doch z&uuml;ndete.<\/p>\n<p>Ben Abruzzo verbrannte 1985 bei einem Absturz mit seiner Frau in seinem Privatflugzeug, bis zu diesem Tag hatte auch er am Traum der Weltumrundung gearbeitet. Damit war nur noch Newman &uuml;brig. Er hatte die Idee, dass ein normaler Gasballon bei l&auml;ngeren Fahrten chronisch unter Ballastmangel leidet. (Die Gondel des <em>Double Eagle II<\/em> war kurz nach dem Start noch voller Gegenst&auml;nde, am letzten Tag &uuml;ber Frankreich war sie nahezu leerger&auml;umt)<\/p>\n<p>Die Regeln der FAI (Federation Aeronautiqe Internationale) erlaubten es, vom Ballon Wasser oder Luft als Ballast aufzunehmen, ohne dass dies als Ende der Fahrt gez&auml;hlt wird. Daher ging Newman an ein neues Ballondesign: &Uuml;ber einer l&auml;nglichen, zylindrischen Druckkapsel mit abgerundeten Enden (diese sah wie der sp&auml;tere <em>Breitling Orbiter<\/em> aus) befindet sich der normale Heliumballon aus PE-Folie (31.150 Kubikmeter). An der Kapsel befinden sich allerdings zwei gro&szlig;e Tanks mit fl&uuml;ssigem Helium, mit denen man den Ballon nachf&uuml;llen kann. Unter der Kapsel h&auml;ngt ein gro&szlig;er Ballon aus festem Gewebe, der mit kalter Luft gef&uuml;llt ist (15.575 Kubikmeter). Dieser Ballon kann nach Belieben entleert und durch einen Kompressor wieder gef&uuml;llt werden. Damit sollte der normale Ballast ersetzt werden und die Fahrt um die Welt sollte nun zu schaffen sein. Hier bei einer Testfahrt 1990\/1991: <a href=\"http:\/\/www.aerostar.com\/hotair\/images\/HAB\/Earthwinds.jpg\">http:\/\/www.aerostar.com\/hotair\/images\/HAB\/Earthwinds.jpg<\/a><\/p>\n<p>Leider funktionierte das Projekt nicht so wie geplant, obwohl man sich sehr viele Gedanken &uuml;ber den internationalen Aspekt gemacht hatte, und den Russen Vladimir Dzhanibehov mit an Bord geholt hatte, wie auch den britischen Milliad&auml;r Richard Branson (der aber wieder aus der Crew ausschied). Das Projekt verlief dann so:<\/p>\n<ul>\n<li>13. bis 21. Januar 1992: L. Newman, V. Dzhanibehov, Don Moses <em>Virgin-Earthwinds<\/em>: Der Ballon wartet mit gef&uuml;lltem Ballastballon im Zeppelinhangar von Akron, Ohio auf ein g&uuml;nstiges Wetterfenster, das aber nicht eintritt. Daher Umzug der Basis nach Reno, Nevada.<\/li>\n<li>19. November 1992: Ein starker Windsto&szlig; zerst&ouml;rt den leichten Hangar des Ballastballons und besch&auml;digt auch die Kapsel, der Schaden kann aber repariert werden. (Das gleiche passiert auch am 27. Dezember 1992)<\/li>\n<li>12. Januar 1993: L. Newman, V. Dzhanibehov, D. Moses <em>Virgin-Earthwinds<\/em> (<em>Earthwinds 1<\/em>). Der Ballon startet erfolgreich, trifft aber auf eine Inversionsschicht, die den Aufstieg aufh&auml;lt. Weil nicht schnell genug Ballast abegegeben werden kann, wird der Ballastballon durch den Kontakt mit dem?2.393 Meter hohen Petersen Mountain besch&auml;digt, der Ballon muss nach nur 19 km landen.<\/li>\n<li>5. November 1993: L. Newman, Richard Abruzzo, David Melton, V. Dzhanibehov <em>Earthwinds<\/em>: Bei den Startvorbereitungen zieht der Ballon einen Erdanker aus dem Boden, worauf die Kapsel in die H&ouml;he schnellt und die Crew den oberen Ballon zerst&ouml;rt, was zur Folge hat, dass die Kapsel hart landet. Mehrere Helium- und Treibstoffleitungen sind zerbrochen, der Start muss aufgegeben werden.<\/li>\n<li>12. Januar 1994: L. Newman, R. Abruzzo, D. Melton, V. Dzhanibehov <em>Earthwinds-Hilton<\/em> (<em>Earthwinds 2<\/em>): Der Start ist erfolgreich und der Ballon f&auml;hrt zun&auml;chst nach S&uuml;den. V&ouml;llig unerwartet friert eines der Ventile im Ballastballon zu, was dazu f&uuml;hrt, dass die Crew den Ballon nicht mehr richtig steuern kann. Nach 320 km Landung bei San Joaquin, Kalifornien.<\/li>\n<li>31. Dezember 1994: L. Newman, D. Melton, George Saad <em>Earthwinds-Hilton<\/em> (<em>Earthwinds 3<\/em>): Der Ballon steigt normal auf und erreicht eine H&ouml;he von 9.750 Metern. Dort platzt der Ballastballon, was die Crew wiederum zwingt, zu landen, 113 km vom Startplatz entfernt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Im Jahre 1995 war Newman bei einem Fallschirmtraining, als sich sein Fallschirm mit dem von einem anderen Springer verhedderte und beide aus 18 Meter H&ouml;he zu Boden fielen. Newman erlitt einen Sch&auml;delbruch, &uuml;berlebte aber. Er wurde davor gewarnt, je wieder Fallschirm zu springen, was effektiv das Ende von <em>Earthwinds<\/em> bedeutete. Newman hatte zuletzt noch erwogen, seine Konstruktion durch einen Rozier-Ballon zu ersetzen, diese &Uuml;berlegungen verliefen dann aber im Sande. Heute lebt Larry Newman in Arizona und fliegt noch immer ab und zu Frachtmaschinen nach Europa und S&uuml;damerika.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist nun auf den?Tag genau?11 Jahre her, dass Bertrand Piccard und Brian Jones es geschafft haben, mit einem Ballon um die Welt zu fahren (der Start war am 1. M&auml;rz 1999 in der Schweiz, die Landung am 21. M&auml;rz 1999 in &Auml;gypten). 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