{"id":2409,"date":"2010-03-27T09:22:53","date_gmt":"2010-03-27T08:22:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=2409"},"modified":"2010-03-25T18:10:57","modified_gmt":"2010-03-25T17:10:57","slug":"mit-dem-ballon-um-die-welt-die-vergessenen-versuche-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2010\/03\/27\/mit-dem-ballon-um-die-welt-die-vergessenen-versuche-teil-2\/","title":{"rendered":"Mit dem Ballon um die Welt, die vergessenen Versuche (Teil 2)"},"content":{"rendered":"<p>Bevor ich mit diesem zweiten Teil beginne, erst eine Korrektur zum ersten Teil: Der russische Teilnehmer hei&szlig;t (in der deutschen Transkription) Wladimir Alexandrowitsch Dschanibekow und hat auf Saljut 6 und Saljut 7 insgesamt f&uuml;nf Raumfl&uuml;ge unternommen, dabei auch Sojus T-13, bei der Saljut 7 repariert und wieder f&uuml;r den bemannten Betrieb wiederhergestellt wurde.<\/p>\n<p>Nun geht es aber um das amerikanisch-australische <em>Team RE\/MAX<\/em>, das seinen Namen von der gleichnamigen Immoblienfirma bekam, da der Gr&uuml;nder Dave Liniger der Kommandant der Mission war. Mit an Bord waren der australische Ballonfahrer John Wallington und der amerikanische &#8222;fliegende Reporter&#8220; Bob Martin. Wallington hatte die Idee zu dieser Art von Ballon schon mit dem australischen Buchh&auml;ndler Dymock&#8217;s finanziert, weshalb der Ballon bis 1996 noch <em>Dymock&#8217;s Odyssey Flyer<\/em> hie&szlig;. Als RE\/MAX und Liniger mit einstiegen, wurde der Ballon einfach zu <em>RE\/MAX<\/em> umbenannt. <!--more--><\/p>\n<p>Das Besondere an <em>RE\/MAX<\/em> war, dass es der einzige Ballon war, der in die Stratosph&auml;re, und zwar auf 40 Kilometer H&ouml;he steigen sollte. Von Alice Springs, Australien, gestartet, sollte er dann in 18 Tagen nach Westen driften und dann wieder in Alice Springs ankommen. Die Hauptargumente f&uuml;r diese Art der Weltumrundung waren:<\/p>\n<ul>\n<li>In der Stratosph&auml;re gibt es kein Wetter, daher kann der Ballon nicht durch Gewitter o.&auml;. zur Landung gezwungen werden.<\/li>\n<li>Auf der S&uuml;dhalbkugel gibt es keine Staaten, bei denen die Beantragung einer &Uuml;berquerungserlaubnis ein Problem gewesen w&auml;re, auf der Nordhalbkugel hat man hingegen u.a. Russland, China, Irak, Kuwait.<\/li>\n<li>Man k&ouml;nnte gleichzeitig einige wichtige Experimente mitnehmen, wenn man schon zum ersten Mal Menschen f&uuml;r drei Wochen in einem Ballon in die Stratosph&auml;re schickt.<\/li>\n<li>So eine Fahrt ist gut geeignet, ein Lehrbeispiel f&uuml;r Kinder aller Altersstufen zu sein, da man altersgerecht verschiedene Aspekte der Fahrt aufbereiten kann und daraus dann Aufgaben und Aktivit&auml;ten f&uuml;r Sch&uuml;ler machen kann.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ein Nachteil der S&uuml;dhalbkugel ist aber auch nicht zu &uuml;bersehen, und dieser Nachteil sind die gro&szlig;en Wasserfl&auml;chen. Die Fahrt sollte entlang des Wendekreises des Steinbocks gehen, den man hier sieht: <a href=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/e\/e6\/World_map_with_tropic_of_capricorn.jpg\">http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/e\/e6\/World_map_with_tropic_of_capricorn.jpg<\/a> . Die Fahrt h&auml;tte demnach so ausgesehen: <em>Australien, Indischer Ozean, Madagaskar, Mosambik, Botsuana, S&uuml;dafrika, Namibia, Atlantischer Ozean, Brasilien, Paraguay, Argentinien, Chile, Pazifischer Ozean, Tonga, Australien<\/em>. Man sieht, dass der Gro&szlig;teil der Route &uuml;ber Wasser f&uuml;hrt, die Teile der Route &uuml;ber Land sind klein, im Vergleich zur Nordhalbkugel. Daher wurde auch vorgesorgt, und die Kapsel wurde schwimmf&auml;hig gebaut. Bei Tests fand man dann heraus, dass der Ausstieg durch die Dachluke fast unm&ouml;glich sei, wenn die Kapsel von den Wellen herumgeworfen w&uuml;rde. Deshalb baute man auch eine seitliche Luke ein.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" title=\"RE\/MAX-Gondel\" src=\"http:\/\/web.archive.org\/web\/20010618010323\/www.remax.com\/images\/sports\/ballooning\/gondolal.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"376\" \/><\/p>\n<p>Der Ballon hatte dann auch einige Experimente an Bord, die w&auml;hrend der 18 Tage dauernden Fahrt benutzt werden sollten. Dazu geh&ouml;rten:<\/p>\n<ul>\n<li>Ein Paket zur Erforschung von Blitzen, die aus Wolken aufsteigen anstatt zur Erde hinunterzusteigen. Man hatte diese Blitze auf Shuttle-Missionen beobachtet, und einige Spezialkameras und ein Gammastrahlensensor sollten diese Blitze auf der Fahrt beobachten (Der Gamma-Sensor war an Bord um zu kl&auml;ren, ob Blitze Gammastrahlen erzeugen).<\/li>\n<li>Ein Ger&auml;t zur Messung der Ausbreitung? von Schwerewellen in der Stratosph&auml;re. Weil Schwerewellen sich wie Wasserwellen in der hohen Atmosph&auml;ren &#8222;brechen&#8220; und damit die Zirkulation der Luftmassen antreiben, war es besonders interessant genau zu messen, wie sich die Schwerewellen in 40 km H&ouml;he verhalten.<\/li>\n<li>Ein Experiment, bei dem die Meeresoberfl&auml;che mit Hilfe von GPS-Signalen gescannt werden sollte, um Parameter wie den Wellengang zu messen. Das hat es schon auf einigen Satelliten, wie z.B. auf <em>Seasat 1<\/em> gegeben, der allerdings ein Radar an Bord hatte, das sehr viel Strom brauchte. Das gleiche Ziel sollte wie gesagt hier mit reflektierten GPS-Signalen erreicht werden.<\/li>\n<li>Eine Spezialkamera sollte die <em>Aurora australis<\/em> im ultravioletten Bereich fotografieren.<\/li>\n<li>Ein Sensorenpaket sollte den Ozon- und Chlorgehalt der Stratosph&auml;re messen.<\/li>\n<li>Ein Geigerz&auml;hlerpaket sollte die eintreffende kosmische Strahlung messen.<\/li>\n<li>Ein Experiment zur Feststellung ob Pflanzen ein genetisches &#8222;Ged&auml;chtnis&#8220; haben: Dazu sollten Weizenkeimlinge, die schon auf der MIR waren zusammen mit normalen Keimlingen in der Kapsel mitgenommen und dem Sonnenspektrum in dieser H&ouml;he ausgesetzt werden. Nach der Fahrt sollten sie dann mit weiteren terrestrischen und MIR-Keimlingen verglichen werden.<\/li>\n<li>Ein Kasten auf der Au&szlig;enseite der Kapsel wurde mit Substraten best&uuml;ckt, die dann unter der Einwirkung der UV-Strahlung polymerisieren sollten. Solche Materialien hielt man besonders f&uuml;r den Einsatz im Weltraum wichtig.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Ballon war startklar, alle Systeme waren bereit, nur das Wetter spielte nicht mit. Am 27. Dezember 1998 sollte der Ballon abheben, aber der Wind in Alice Springs war zu stark um den Ballon sicher vorzubereiten. Ein paar Tage sp&auml;ter entschied man, dass man nur mit zwei M&auml;nnern fahren w&uuml;rde, um den Ballon zu entlasten. Bob Martin meldete sich freiwillig, um seinen Posten zu verlassen. Der 14. Januar 1999 war schlie&szlig;lich der letzte Tag des Startfensters. Liniger und Wallington sa&szlig;en schon in der Kapsel, als der Start wieder abgesagt wurde. Liniger sagte 2005 in einem Interview, dass er deswegen fast in der &Ouml;ffentlichkeit geweint h&auml;tte, da er an diesem Morgen sicher war, dass er den Ballon um die Welt steuern k&ouml;nnte. Als die beiden aber die Luke abnahmen, standen zu ihrer &Uuml;berraschung drau&szlig;en 20.000 Menschen mit US- und australischen Flaggen, die sie ob des abgesagten Starts aufmunterten.<\/p>\n<p>Ein neuer Versuch wurde f&uuml;r den Winter 1999\/2000 angesetzt, aber der <em>Breitling Orbiter 3 <\/em>kam dem Team zuvor. Dass der Ballon dennoch nie gefahren ist, ist mir ein R&auml;tsel, denn Liniger sagte 1998:<\/p>\n<p><em>&#8222;But even if someone  else achieves  this goal before we do, we want to prove the technology of  stratospheric ballooning. We will set the world altitude record.  We will be the first to circumnavigate the globe in the Southern  Hemisphere. We will be conducting a civilian adventure into near  space with several valuable scientific experiments. We will be  delivering a live classroom activity to millions of kids from  kindergarten through college. And we will cover the greatest  distance, since our flight path is closer to the equator than  flights in the northern hemisphere.<\/em><em>&#8222;<\/em><\/p>\n<p>Zum Abschluss noch ein paar Links zur alten RE\/MAX-Website, gerettet vom Internet Archive:<\/p>\n<p><a title=\"Hauptseite\" href=\"http:\/\/web.archive.org\/web\/20030802131446\/http:\/\/www.remax.com\/sports\/ballooning\/global.html\">Hauptseite<\/a><\/p>\n<p><a title=\"Experimente\" href=\"http:\/\/web.archive.org\/web\/20030803102723\/www.remax.com\/sports\/ballooning\/science.html\">Experimente<\/a><\/p>\n<p><a title=\"FAQ\" href=\"http:\/\/web.archive.org\/web\/20030625232508\/www.remax.com\/sports\/ballooning\/faq.html\">FAQ<\/a><\/p>\n<p><a title=\"Die Seite f&uuml;r Schulen\" href=\"http:\/\/web.archive.org\/web\/20030802102637\/www.remax.com\/sports\/ballooning\/education\/index.html\">Die Seite f&uuml;r Schulen<\/a><\/p>\n<p>Das Spiel <a title=\"Race Around the World\" href=\"http:\/\/web.archive.org\/web\/20030802213008\/www.remax.com\/sports\/ballooning\/education\/mission\/race.html\"><em>Race Around The World<\/em><\/a>, welches sich sehr interessant anh&ouml;rt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bevor ich mit diesem zweiten Teil beginne, erst eine Korrektur zum ersten Teil: Der russische Teilnehmer hei&szlig;t (in der deutschen Transkription) Wladimir Alexandrowitsch Dschanibekow und hat auf Saljut 6 und Saljut 7 insgesamt f&uuml;nf Raumfl&uuml;ge unternommen, dabei auch Sojus T-13, bei der Saljut 7 repariert und wieder f&uuml;r den bemannten Betrieb wiederhergestellt wurde. 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